Es war heute, nach der vorhergegangnen stürmischen Witterung wieder

der erste warme, vollkommen heitre Sommertag; unsre Seele war eben so

heiter, unser Herz vor Freude eben so warm, da wir jetzt nach dem

schönen Pisa hinfuhren. Dort erfreuten wir uns an der Betrachtung des

herrlichen Domes und aller zu seiner Nachbarschaft gehörigen Werke der

Künste wie der Andacht, vornämlich am Campo Santo, und der Genuß war

mir ein noch höherer als jener, den ich bei meinem erstmaligen Hierseyn

empfunden und beschrieben habe[218]. Auch der treffliche botanische

Garten und die bei ihm befindliche, reiche Naturaliensammlung wurden

wieder besucht, welche beide durch ihr ausgezeichnetes Gedeihen

Ehrendenkmäler auf den Namen ~Savi~ (Vater und Sohn) sind. Die

schöne prachtvolle Ceder im botanischen Garten fand ich in den zehn

Jahren seitdem ich sie nicht gesehen, sehr gewachsen, sie war eben

herrlich geschmückt mit ihren aufrecht stehenden, jungen Zapfen; auch

an dem Gedeihen der andren Gewächse, an der Auswahl und Zusammenordnung

ihrer Arten erkennt man die glückliche Hand und den scharfblickenden

Geist des Pflegers wie des Vorstandes dieses Gartens. In der

Naturaliensammlung fanden wir zu unsern schon früher gesehenen alten

Bekannten so viele neue Gegenstände hinzugekommen und sie alle mit

solchem wahrhaft kunstsinnigen Geschick wie Geschmack aufgestellt, daß

wir den Mann bewunderten der die Züge des Lebens und seinen besondren

Charakter auch noch am Todten so festzuhalten weiß. Die Sammlung und

Anordnung der vaterländischen Versteinerungen ist ein Vermächtniß

des Fleißes und der Forschungen des jüngeren Savi, bei welchem noch

fernkünftige Menschenalter den Namen dieses seltnen Mannes ehren

werden. Wir fanden, weil wir gerade in den ersten Nachmittagsstunden

den botanischen Garten besucht hatten, keinen der Vorstände hier, den

jüngeren Savi jedoch traf ich durch einen glücklichen Anlaß noch heute

in einem andern Hauße an und freute mich an dem Wiedersehen des Mannes

den ich sehr hochachte. Kein freundschaftliches Zureden konnte uns

jedoch bestimmen noch heute in Pisa zu bleiben, denn wir hatten gehört,

daß wenn wir nicht sehr zeitig am andern Tage in Florenz ankämen

der Tag an der festbestimmten Zahl der Choleraquarantänetage nicht

abgerechnet werde, wir fuhren deshalb noch heute mehrere Meilen weit

über Pisa hinaus und kamen am Mittwoch den 6ten September noch zeitig

am Vormittag in Florenz an.

Ich versuche es hier nicht diese blühende Jungfrau unter den Städten

Italiens mit all ihren Herrlichkeiten der Kunst und Gaben der Natur

noch einmal zu beschreiben, denn ich fürchte es würde mir eben so wenig

gelingen als das erste Mal[219]. Auch hier geschahe es mir übrigens,

daß der Genuß und die Freude beim zweiten Sehen noch ein ungleich

höherer und lebendigerer war als der beim ersten Besuche. Wird doch

überall die kräftige Zuneigung und Liebe, welche die Betrachtung des

Schönen weckt, durch das öftere Wiederholen dieser Betrachtung genährt

und gesteigert.

Zu der Erhöhung und Steigerung unsres Genußes trug auch der mächtige

Contrast sehr Vieles bei, in welchem unser Aufenthalt in Florenz mit

dem fünfwöchentlichen Gewahrsam der Quarantäne stund. Statt des Winkels

in einer Magazinhalle bewohnten wir jetzt drei bequeme Zimmer, in

einer der schönsten Gegenden der Stadt: auf dem freien Platze bei

Maria novella; von unsren Fenstern aus überblickte man einen Theil des

herrlichen Arnothales und der Apenninenkette; eine balsamische Luft

wie sie hier in der Landschaft der Gärten der schönste Herbstmonat

ausathmet, wehete uns an, wenn wir am frühen Morgen heraustraten aus

dem Hauße auf den freien Vorplatz und etwa hinausgiengen auf die nicht

fern von da abgelegne Brücke des Arno. Ein Kaffeehaus in einer der

schönen Straßen oder in der Umgegend des Domes gab uns dann unser

Frühstück; hierauf begann, während der meisten Stunden des Tages ein

Lustgang der Sinnen und des Herzens durch die schöne, reichbegabte

Stadt. Der erste Ort den wir täglich besuchten war auch diesmal, wie

bei meinem ersten Hierseyn, der hehre Dom, in welchem, schon bei dem

Anblick der fremden Andacht die eigne, des trägen Herzens erwachen

muß, zu der sich die Seele durch den Eindruck mächtiger gestimmt

fühlt, den das hehre, lieblich ernste Gebäude auf die Sinnen macht.

Nach den Augenblicken des innren Versammlens der Kräfte und Gedanken

ließ man diese an ihr Geschäft des Einsammlens und Zusammenordnens

der Baumaterialien gehen. Denn der Geist des Menschen soll in jedem

Kreise seines Wirkens, den er betritt, vor allem das Werk bedenken, zu

welchem er auf Erden berufen ist. Seine Aufgabe ist es zuerst daß der

ganze Mensch, daß Seele und Leib zu einem Tempel erbauet werden, der

von ewiger Natur ist. Es geschiehet dieses Erbauen wie jenes der Hütte

des Stiftes[220], nach einem Vorbilde, das dem Geiste ohne Aufhören

nahe ist und von ihm angeschauet wird; es geschiehet in Kraft dieses

Naheseyns und dieser Anschauung. Aber eine weitre Aufgabe für den

Geist des Menschen ist es alsdann, daß durch ihn die ganze Erde, daß

Volk und Land und die gemeinsamen Werke der Hände zu dem hehren Gebäu

eines Tempels werden, an welchem das Walten jener ewigen Weisheit

erkannt wird die ein Quell der Ordnung wie der Schönheit und der

Harmonie alles lebendigen Bewegens ist. Auch dieses Erbauen eines der

Weisheit geheiligten Tempels mitten in dem Reiche des sichtbaren Wesens

gelingt dem Geist des Menschen nur in der Kraft jenes Geistes von

oben[221] der ein Geist der Ordnung ist, wie der Schönheit und Güte.

Und Er war es, der eine große Schaar dieser Meister welche hier in

Florenz am Tempelbau der gottgeheiligten Künste arbeiteten »mit Namen

berief« und sie erfüllete mit Seinen Kräften. Ein Herz welches hier

bei den Gaben des Gebers gedenkt und sich hütet den Pinsel oder Meisel

zu vergöttern, oder den Namen der Menschen eine Ehre zu geben welche

Dem gebührt der den Menschen bei diesem seinem Namen rief, dem wird

das Herumwandeln unter den Kunstwerken von Florenz und das aufmerksame

Betrachten derselben ein Werk der Andacht, der innern Erbauung seyn;

es wird sich hier Baumaterialien sammeln, welche es im Kreise seines

eignen Lebens, zur Lösung der großen Aufgabe des Tempelbaues brauchen

kann.

Unser Weg führte uns gewöhnlich täglich ein- zuweilen auch zweimal

über die +Piazza vecchia+, und zu den Kunstwerken ihrer Umgebung;

höher jedoch war der Genuß den das Verweilen in der Kirche von Santa

Croce gewährte. Hier sind die Werke und Ehrendenkmäler vieler Männer,

welche bei ihrem Leben die erwählten Gefäße waren, durch die das

Wasser des Lebens, das von oben kommt, hinabströmte zur Erde, und

überall im Lande die Keime der geistigen Segnungen weckte. Auch alle

die andern Kirchen und die von der Kunst so reich verzierten Palläste,

die ich bei meinem ersten Hierseyn gesehen, wurden von neuem besucht,

und Vieles, das ich damals nur im schnellen Vorübergehen gesehen,

genauer betrachtet. In dem Gebäude der Naturaliensammlung sahe ich

diesmal auch das durch seinen Reichthum ausgezeichnete Cabinet der

physikalischen Apparate. Unter ihnen sind namentlich mehrere von

großem, historischen Werthe; denn es sind da noch Werkzeuge deren

Galilei sich bediente; einer der Brennspiegel mag derselbe seyn, an

welchem jener geistvolle Mediceer[222] die Brennbarkeit des Demantes

unmittelbar durch die That nachwieß, und hierdurch die Richtigkeit von

Newtons Scharfblick bewährte. Solche Freude am Forschen und Erkennen

der großen Werke und Kräfte der Natur, die den damaligen Herrscher

zu seiner Entdeckung führte, ist beständig bei dem ruhmwürdigen

Fürstenhauße dieses gesegneten Landes geblieben; dies bezeugen die

fortwährenden Bereicherungen der physikalischen Sammlung mit neuen,

kostbaren Apparaten.

Wenn gleich der Genuß, den das fast tägliche Verweilen in der

großen Gemäldegallerie der Stadt oder in jener des Palastes Pitti

uns gewährte, als ein höherer erschien, weil hier die Leiblichkeit

durchdrungen und überkleidet gesehen wird von den Kräften des ewigen

Geistes, so gebührt dennoch auch einem andren Werke seine Ehre,

welches dem forschenden Verstand die gebrechliche, vergängliche

Leiblichkeit der Menschennatur, bis in ihre verborgensten Tiefen treu

vor Augen legt. Dieses Werk ist die bewundernswürdige Sammlung der

anatomischen Wachspräparate des naturhistorischen Museums. Mag immerhin

den Fremdling in der Wissenschaft bei dem ersten Anblick dieser

meisterhaften Nachbildungen des Todes, bei welchem einst das Leben zu

Hauße war, ein flüchtiger Schauder ergreifen; er wird dennoch einer

andern Empfindung Raum geben müßen: das ist die der Bewundrung einer

Weisheit, deren Erbarmen bis zu dem Abgrund des vergänglichen Staubes

herabdrang und diesen so kunstreich gestaltete. Das Nahe, das scheinbar

Eigne, welches wir so leicht und gern vergessen, weil es das Bild

der Sterblichkeit und natürlichen Gebrechlichkeit an sich trägt, ist

es, was uns vielleicht dort zurückstößt; während wir bei dem Anblick

der uns ferner stehenden Leiblichkeit, deren reiche Fülle in dem

nachbarlich angrenzenden Gewächsgarten vor uns ausgebreitet stehet, mit

Vergnügen verweilen. Aber dieses Fremdthun der Seele gegen das ihr so

nahe Verwandte wird aufhören, wenn einst am Tage der Vollendung das nur

scheinbar Eigne ein wirklich Eignes werden; wenn der wieder erstehende

Leib angethan seyn wird mit der Natur des Geistes.

Wenn wir dann so den Vormittag gebraucht und genossen hatten, dann

fanden wir uns gewöhnlich in einem jener gastlichen Häußer zusammen,

wo man auch dem Leibe das geben konnte, was ihm gebührte; hat doch die

Natur die Tafel des Menschen an wenig Orten der Erde so überflüssig und

reichlich besetzt als hier in Florenz, wie dieß schon der Anblick der

Märkte bezeugt, über die jetzt eben der beginnende Herbst sein ganzes

Füllhorn ausgeschüttet hatte. Wir hatten freilich schon am 19ten Juli

in Syra Trauben von einer Süßigkeit gegessen, wie sie jetzt, im Anfang

Septembers in Florenz noch nicht zu finden waren; doch jene hatte

der vulkanische Boden von Milo oder einer andern vulkanischen Insel

gezeitigt, während selbst in Italien der kühle Augustmonat von 1837 das

Wachsthum verspäten mußte.

Auch die Nachmittage wurden zum Betrachten der Stadt und zu Wanderungen

durch ihre herrliche Umgegend benutzt, die ich bei meinem vorigen

Hierseyn fast nicht gesehen hatte. Bei einer dieser Wanderungen

besuchten wir das Landhaus, in welchem der große Galilei seine letzten

Tage zubrachte; bei einer andren die paradiesischen Höhen von Fiesole:

den Ort aus welchem ein Meister der Kunst hervorgieng, dessen Bilder

beredter denn alle Bücher für die Unsterblichkeit der Seele zeugen.

Denn Fiesoles Pinsel stellte nicht bloß Gestalten dar, welche das

jetzige, leibliche Auge sahe, sondern solche, welche das prophetisch,

für die selige Welt des Jenseits und des Zukünftigen geöffnete Gesicht

erblickte.

In den kühleren Stunden des Nachmittags lustwandelten wir öfters in

den schattigen Anlagen am Arno; am Abend ergötzte uns noch der Anblick

der schön beleuchteten Stadt und ihrer Läden, bis wir, in einer noch

ziemlich frühen Stunde, das ruhige Obdach aufsuchten. So vergiengen

uns, abgesehen von den bittersüßen Qualen des Heimwehes, die selbst in

diesem Paradies sich regten, der Aufenthalt in Florenz in lauter Lust

und Freude.

Es war indeß nicht die Schönheit der reichen Stadt und ihrer Umgegend

allein welche den diesmaligen Aufenthalt in ihr so genußreich machte,

sondern zu jenem eingebornen Reiz kam noch ein andrer, den ihr die

hier waltende Freundschaft gab. Ich fand, gleich während der ersten

Tage meines hiesigen Aufenthalts zu meiner herzlichen Freude in dem

K. K. Oesterreichischen Gesandschafts-Secretär v. Schnitzer nicht nur

einen geistreichen, vielseitig gebildeten Diplomaten und wohlwollenden

Landsmann, denn dafür ist er allgemein bekannt; sondern ich erkannte

zu meiner großen Ueberraschung in ihm meinen gewesnen Zuhörer aus

Nürnberg (im Jahr 1813) wieder: den feurigen, talentvollen Jüngling

von edler Gesinnung, der mir schon damals mehr Freund als Schüler

gewesen war. Sein dankbares Gemüth hatte mich noch früher erkannt als

ich ihn; an seiner Hand machte ich, so oft seine Geschäfte es ihm

erlaubten die meisten meiner täglichen Wanderungen durch und um die

Stadt, und wurde durch seine Freundlichkeit zu manchen mir noch neuen

Brunnen der geistigen Erheiterungen geführt; namentlich sahe ich mit

ihm die hiesige Sammlung von Handzeichnungen der alten Meister, die

wohl schwerlich an Reichthum von irgend einer andern Sammlung ihrer Art

übertroffen wird. Wie groß erscheint doch bei der Betrachtung mancher

dieser Anfänge der erste schöpferische Gedanke des Menschengeistes,

und die Kraft jener Stunde der Begeistrung, aus welcher nachmals

im längeren Verlauf der Zeit das sicher vollendete Werk mühsam, im

Schweiße des Angesichtes geboren wird.

Durch Veranlassung dieses Freundes ward mir eine andre Anschauung in

der Nähe zu Theil, an welcher ich mich schon öfters aus der Ferne,

innig theilnehmend erfreut hatte. Ich lernte durch ihn einen jener

Meister im Bauen der beiden Arten der Tempel kennen, von denen ich

vorhin (S. 569) sprach: den edlen Herrscher des Landes, in welchem

sein Volk den Vater und Freund liebt, die Welt der Mitlebenden den

glücklichen, hochbegabten Fürsten preiset, dessen Andenken aber noch

der späte Enkel mit Thränen in den Augen segnen wird. Reich und

mild wie sein Land, von anspruchslos einfacher Würde des Deutschen

Herrscherstammes, so daß auch der unbedeutende Pilgrim ihm mit

Vertrauen naht, rein von Wandel und fromm, lehrt dieser edle Fürst

durch sein Vorbild und Beispiel wie man in jedem Stande mit dem

eignen innren Frieden und bleibenden Wohl das Wohl und Heil der

Andren schaffen und bauen müsse. In demselben Fürstenschlosse ward

mir aber auch noch die Bekanntschaft einer andern Seele, die, weil

sie die verborgene, köstliche Perle gefunden, selber dieser reichen,

verborgenen Perle im Acker gleicht. Eine Seele, deren Bildniß ich

schon von der Hand eines großen Meisters gezeichnet gesehen und beim

Anblick die Züge wieder erkannte[223]; eine Kennerin und Liebhaberin

jener Schönheit die vor Gott gilt; eine treue, mütterliche Führerin der

Kinder ihrer Schwester nach dem seligen Ziele das diese schon

erreichte.

Ich war mehrere Male in diesem edlen, einfachen Fürstenhauße gewesen;

noch am letzten Vormittag hatte ich mich dort verabschiedet; an der

Hand meines Freundes war ich zur Wohnung zurückgekehrt. Der Wagen

stund schon bereit; ein Platz für einen fremden, genügsamen Herrn war

in ihm noch zu haben gewesen und der Vetturino hatte uns auch diesen

Reisebegleiter schon angekündigt, wer er aber sey das wußten wir nicht.

Wie groß war deßhalb die Freude da ich beim Herunterkommen aus unsern

gewesenen Zimmern statt des vermeintlichen Fremden meinen theuren

Domherrn Broske, den Freund des seligen Johann Michaël Sailer, und

zugleich den meinigen, bei dem Wagen stehen sahe. Er selber war von

diesem Zusammentreffen eben so sehr überrascht als ich; der erste unter

den Freunden aus der Heimath der mich begrüßte; sein liebendes Herz

hatte mich über Land und Meer begleitet; es war ein Zug, mächtiger als

der des Magnetes zum Eisen, der uns hier in der Fremde zusammenführte.

Wir reisten in dieser lieben Gesellschaft bis nach Bologna, der

schon einmal gesehenen und von mir beschriebenen Wohnstätte vieler

Wissenschaft und Kunst. Diese alte Hauptstadt der Hetrurischen Macht

und Hetrurischen Kunst, die sich namentlich auf das Fertigen der

Todtenurnen verstund, fängt jetzt an sich mit besondrer Liebe an dem

Geschäft ihrer Urahnherrin, der +Bononia Felsina+ zu vergnügen,

indem sie ihre Kunst und seltsame Ehre in dem kostbaren, prachtvollen

Aufschmücken der »Gräber ihrer Todten« übt und suchet. Wie jener Agag,

der Amalekiter König, scheinet sie sich also des Todes Bitterkeit

vertreiben zu wollen.

Von Bologna nahmen wir unsern Weg über Modena nach Mantua, dessen

uralte Macht fester als durch die jetzigen Bastionen und Mauern

begründet, und viel weiter als durch den Donner seiner Kanonen zu

den Ohren der gebildeten Völker gedrungen ist; weil hier in diesen

fruchtbaren Auen der Schwan von Mantua, Virgil geboren ist[224]. Wie

ich vormals bei Neapel das Grabmahl des Dichters, des befreundeten

meiner Jugend gesehen, so sollte ich heute auch zu der Stätte seiner

Geburt kommen. Schon hier in Mantua, wo viel Deutsches Militär stehet,

noch mehr aber in Verona, in der Colomba d'oro, nahe bei dem Römischen

Amphitheater trafen wir eine Menge Deutsche Landsleute. Dennoch gab

es uns wieder eine neue, schönere Sonntagsfreude, als wir vor und in

Botzen in die Gegenden kamen, in denen alles Volk die liebe, Deutsche

Muttersprache redet, und als wir uns zwei Tage nachher, zu Insbruck,

im freundlichen Gasthaus zum Stern unter alten Bekannten fanden.

Jugendlich lauter wurden noch die Ausbrüche der Freude, da uns jenseits

Scharnitz ein Wagen begegnete, in welchem eine Frau mit dem Münchner

Kopfputz der Riegelhaube saß, und da wir bald nachher über die frische,

grüne, eilig dahin strömende Isar kamen. Der Herr Posthalter in

Mittenwalde bewirthete uns mit der besten Art des so lang entbehrten,

vaterländischen Getränkes, und obgleich sich am Abend, als wir im

Dunkel über den steilen Kesselberg hinabstiegen noch einmal unser

lieber +Dr.+ Roth, diesmal jedoch in Gesellschaft des +Dr.+

Erdl von uns verloren und verirrt hatte, so wußten wir doch daß es hier

keine Gefahr der Wüste, keine Noth des Hungerns und Durstens giebt,

und schon am andren Mittag waren die beiden Irrgänger wieder bei uns.

Der Anblick der Frauenthürme von München, am Vorabend des Festes der

Erzengel (Michaëlis) regte im Herzen wie auf den Lippen die Lieder

des Dankes und Lobes auf. Freunde waren uns entgegengekommen; Freunde

hatten die kleine, stille Wohnung mit Blumen geschmückt; Stimmen der

fröhlichen Begrüßung ließen sich vernehmen. Möchten vor allem in unsrem

Herzen die Blumen jenes Dankes nie verwelken, die Stimmen jenes Preises

nie verstummen, welche Dem gebühren, der uns auf dieser ganzen Reise

wie auf Adlersfittichen geführt und getragen, und den Eingang wie den

Ausgang mit väterlichem Erbarmen gesegnet hat. [Blank Page]

[Illustration]

Fußnoten:

[1] 1. Kön. 19, V. 36, 8.

[2] K. v. Raumers Palästina, 2te Aufl. S. 307 Note 94a.

[3] Auf wie viele noch ungleich bedeutendere Dinge versäumt öfters der

Reisende in Palästina zu achten, weil er der Meinung ist, daß durch so

viele Reisende in diesem Lande die Sache schon längst aufgehellt und

bekannt sey.

[4] 1. Mos. 49, V. 8.

[5] Matth. 2, V. 18; Jerem. 31, V. 15.

[6] Buch Ruth C. 2.

[7] Mich. 5, V. 1. Matth. 2, V. 6.

[8] Wegen der Nähe des Orientalischen Osterfestes war fast alles

rohe Material wenigstens vorbereitend schon bearbeitet, so daß das

naturhistorische Erkennen des Stoffes sehr erschwert war. Vieles neue

Material wurde bei Gelegenheit des Rückzuges der Mekkapilgrime

erwartet.

[9] Das Tageslicht fällt meist nur durch die Thüre herein.

[10] Psalm 23.

[11] Amos 7, V. 14, 15.

[12] Ebd. 1, V. 2.

[13] E. 8, V. 11.

[14] E. 9, V. 11, 13.

[15] M. v. +Will. Tyr. Lib. XV. c. 6+, in der Hanauer Ausgabe der

+Gesta Dei per Francos Vol. I. p. 875+; Wilken a. a. O. +II.+ S. 682.

[16] Ps. 57 und 142.

[17] 1. Sam. 22, V. 1, 2.

[18] Ps. 57, V. 8-12.

[19] Ps. 142, V. 8.

[20] ~v. Raumer~ a. a. O. S. 219, 220.

[21] Beth-Charem oder Bethhaccerem heißt Stätte des Weinberges.

[22] Das Wort Sulamith bedeutet die Friedensreiche, wie unser deutscher

Name Friederike; es stehet mithin dem männlichen Namen Salomo

(Friedrich) gegenüber.

[23] K. v. Raumers Palästina 2te Aufl. S. 312. Die Breite ist selbst

an jedem einzelnen Teiche verschieden, nach einem Ende schmäler als

am andern. Bei den obersten ist sie im Mittel am größesten, bei dem

untersten am kleinsten.

[24] Hohel. 4, V. 12.

[25] M. v. K. v. Raumer a. a. O. S. 312. Unser Bethlehemitischer Führer

versicherte dasselbe.

[26] 2. Kön. 19, V. 35, 36.

[27] M. v. den 2ten Band dieser Reise S. 460.

[28] Apostelgesch. 8, V. 26-39.

[29] Jesaj. 53, V. 7-12.

[30] M. v. die Karten von Berghaus und Grimm.

[31] 4. Mos. 13, V. 23-25.

[32] Richt. 16, V. 4.

[33] +Cotovici Itinerarium hyerosol. et syriac. p. 246.+

[34] 1. Makkab. 2, V. 1; 13, V. 25-30; Raumer a. a. O. S. 211.

[35] Matth. 11, V. 11.

[36] Luc. 1, V. 80.

[37] 1. Samuel. 18, V. 6.

[38] 1. Sam. 17, V. 28.

[39] Nach einer bekannten Deutung des Wortes das gewöhnlich durch

Heuschrecken übersetzt ist.

[40] Hiob 38, V. 4 u. f.

[41] Luc. 2, V. 49.

[42] 1. Kön. 8, V. 11.

[43] Esra 3, V. 12.

[44] 1. Kön. 8, V. 27.

[45] Ebend. V. 41, 43.

[46] Richardson erhielt durch Omar Effendi, den er von einem Augenübel

heilte, zum Dank die Erlaubniß die Moschee viermal zu besuchen. M. v.

~Raumer~ a. a. O. S. 289.

[47] Plinius Fisk, aus dem Englischen übersetzt (von Heller) Erlangen

1835, S. 922.

[48] Röm. 3, V. 24; Ephes. 2, V. 5.

[49] Ps. 65, V. 2.

[50] 1. Sam. 16, V. 5-13.

[51] 2. Kön. 2, V. 19-22.

[52] +Eleagnus angustifolius.+

[53] K. v. Raumers Palästina, 2te Ausgabe S. 196.

[54] Josua 4, V. 34.

[55] 1. Sam. 11, V. 15. 2. Sam. 19; 15, 40.

[56] 2. Kön. C. 2.

[57] Namentlich gehören jene Beobachtungen hieher, welche John Roebuck

an sich und seinem Secretär in der verdichteten Luft des Windgewölbes

vom Devonshirer Hochofen anstellte. +Edinb. Transact. V, 1. p. 2.+

[58] 5. Mos. 31, V. 6, 7.

[59] 5. Mos. 32, V. 1-4.

[60] 33, V. 26, 27, 29.

[61] Nach Seetzens Beobachtungen, in der Monatl. Korresp. +XVIII.+ S.

542. Berghaus Geograph. Memoir. S. 28.

[62] Ich glaube nicht zu weit von der Wahrheit abzugehen, wenn ich die

mittlere Temperatur des Sommers auf 23 bis 24 Grad annehme.

[63] Doch nicht immer. Wenigstens wird es dann auf den Gebirgen

Galiläas, die den beschneiten Höhen des Antilibanon näher liegen,

öfters sehr empfindlich kalt.

[64] M. s. meine Geschichte der Natur, 1. Theil S. 400.

[65] M. v. seinen Bericht in der Beilage zur allgemeinen Zeitung vom

23. Febr. 1839 (Nr. 54) S. 406.

[66] +Plin. hist. nat. XII, 54.+

[67] Der allgemeine Name für Feige scheint zwar +Tin+, doch fügt man

zur Bezeichnung der eigentlichen Feige noch das Wort +Berschumi+

hinzu, denn +Tin dschimmayz+ bedeutet die Sykomorus-, +Tin schuke+ die

Opuntien-, +Tin serafendi+ die Zyziphusfrüchte.

[68] +Travels p. 293+ bei Raumer a. a. O. S. 99.

[69] Im Gebirge bei Damaskus.

[70] Psalm 122.

[71] Jesaj. 35, V. 10; 51, V. 11.

[72] Band +II.+ S. 581. Bei einem spätern Lesen in Cotovicus Werk, fiel

mir auf S. 146 in der Beschreibung des nahe bei Jerusalem gelegenen

Begräbnißortes der Makkabäer Hasmonäer auch wieder dieser Hügel mit

seinen Bauwerken ein.

[73] v. Raumer Palästina, S. 210.

[74] 1. Kön. 3, V. 4-11.

[75] Luc. 2, V. 44.

[76] 5. Mos. 33, V. 13-16.

[77] 1. Mos. 49, V. 26.

[78] Unter ihnen eine mit der immergrünenden Rose (+R. sempervirens+)

nahe verwandte, wo nicht identische Art.

[79] Neben vielen andern Arten der kleineren Gewächse die +Bartsia

trixago+.

[80] 1. Mos. 28, V. 14, 15.

[81] Die Höhe dieses Lagerplatzes über dem Meere ist nach unsern

barometrischen Messungen der Höhe des Oelberges nahe gleich; sie

beträgt 2520 P. F. über dem Meere.

[82] Jos. 18, V. 1.

[83] 1. Sam. Cap. 1, 2 u. 3.

[84] 1. Sam. 3, V. 1.

[85] 1. Mos. 28, V. 16.

[86] Jesaj. 37, V. 8 u. f.

[87] 5. Mos. 11, V. 29; 27, V. 12, 13; Jos. 8, V. 33.

[88] Richt. 9, V. 7.

[89] 1. Mos. 48, V. 22; 50, V. 25; Jos. 24, V. 32.

[90] Apostelgesch. 7, V. 16.

[91] M. v. den ersten Band S. 335 und 350.

[92] Jos. 24, V. 33.

[93] 1. Mos. 12, V. 6 u. f.

[94] 1. Mos. 33, V. 18-20.

[95] Jos. 24, V. 16, 21, 24.

[96] 1. Kön. 12, V. 1-17.

[97] +Josephi antiquit. XI+, 7, 2; +VIII+, 2, 4.

[98] Sir. 50, V. 28.

[99] 1. Mos. 35, V. 4.

[100] Wir sahen sie noch nicht aufgeblüht.

[101] 1. Kön. 16, V. 23, 24.

[102] +Josephi Antiqu. XVIII+, 5, 2.

[103] M. s. diese ganze Geschichte kurz aber trefflich dem Josephus

nacherzählt in Raumers Pal., 2te Aufl. S. 379 u. f.

[104] 1. Kön. 7.

[105] Ebend. C. 13, V. 21.

[106] Ich erwähne nur noch, daß die Höhe von Samaria nach unsern

barometrischen Messungen 926 Par. Fuß über dem Meere beträgt.

[107] 2. Sam. 1, V. 19-27.

[108] 1. Kön. 21; Hosea 2, V. 22.

[109] Richt. 5, V. 19-22 und V. 31.

[110] Ps. 89.

[111] 1. Kön. 4, V. 8-37.

[112] 2. Petr. 1, V. 18.

[113] Matth. 17, V. 1-8; Marc. 9, V. 2-13. Luc. 9, V. 28-36.

[114] Matth. 11, V. 12.

[115] +Albert. Aquens. l. c. 31+; Wilkens Gesch. der Kreuzzüge +I.+ S.

96.

[116] M. v. +Fulcher. Carnotens. histor. hierosol. c. 27+; Wilken a. a.

O. +II.+ S. 146.

[117] Wilken a. a. O. S. 148.

[118] Ebend. +I.+ S. 178.

[119] S. 161.

[120] Die Zahl der kriegerischen und tapfren Besatzung der Stadt war

zweimal stärker als das Heer der Christen das ihre festen Mauern

bestürmte. Wilken +III.+ 2. S. 21.

[121] Wilken +III.+ 1. S. 193.

[122] Wilken +IV.+ S. 390 und anderwärts.

[123] Wilken +II.+ 223.

[124] Wilken a. a. O. +II.+ 35, 36, 108 und 111; +IV.+ S. 122 und 226.

[125] Wilken +III.+ 2, S. 222, 311.

[126] Ebend. +II.+ 602, 603.

[127] Ebend. +I.+ S. 219 u. f.

[128] +II.+ S. 9 u. f.

[129] Es war der Aussatz.

[130] +III.+ S. 186.

[131] Wilken Gesch. der Kreuzzüge +I+. S. 223, 291; +IV+, S. 121 u. f.

[132] Es ist meist +Quercus Aegilops+ (die Valonia-Eiche), hin und

wieder auch +Qu. esculus+.

[133] 1. Kön. 18, V. 27.

[134] +Pomp. Mel. I. 11.+ +Plin. h. n. V, 13.+

Reise in das Morgenland in den Jahren 1836 und 1837, Dritter und letzter Band · 第 40 / 41 段