Ich berührte schon einige Male den auffallenden Unterschied, der sich

zwischen den Bewohnern von Damaskus und denen von Kairo findet. Auch

jene sind gemischt wie diese, denn wenn man mit Ali Bey die Bevölkerung

der Syrischen Hauptstadt zu 200000 Seelen schätzt (und sie ist eher

größer denn geringer), dann darf man wohl annehmen, daß wenigstens

der achte, auch wohl der siebente Theil (25 bis 28000) hiervon

Christen, der vierzigste Theil Juden sind, während die eigentliche,

Mohamedanische Hauptmasse der Bewohner theils von altem Syrischen und

Arabischen, theils von Turkomanischem und Osmanischem Stamme ist.

Unter den Christen bilden zwar die größere Anzahl jene, welche in den

Zeiten des Byzantinischen Reiches zur Griechischen Kirchengemeinschaft

gehörten, da aber der meiste Theil von ihnen (über siebentausend),

eben so wie die Maroniten und die Reste der Sorianer unirt sind, kann

man mit Ali Bey annehmen daß wenigstens vier Fünftheile der hiesigen

Christen, ja in neuester Zeit vielleicht fünf Sechstheile Katholiken

sind, an deren Spitze der schon erwähnte, edle Bakary-Bey steht.

Eine Schattenseite des hiesigen (Mohamedanischen) Volkscharakters, die,

wenigstens vormalige große Undultsamkeit gegen Christen überhaupt,

vor allem aber gegen die Franken habe ich schon berührt. Möchte man

doch sagen dürfen daß der veranlassende Grund zu jener fanatischen

Härte bloß in der Abgeschiedenheit der Lage von Damaskus von dem

unmittelbaren Verkehr mit den Europäern, oder in seinem Verband mit

den bornirten Stock-Islamiten der weiter in Osten gelegnen Länder

seinen Sitz habe! Leider trugen aber die Christen selber an dem

Benehmen ihrer Mitbürger einen großen Theil der Schuld. Denn, um

nur die letzte Handlung zu erwähnen, durch welche die schon damals

kleinere Zahl der Christen in Damaskus bei der übermächtigen Menge

der Bekenner des Islams sich verhaßt machte: es waren die Christen,

welche als Freunde und Verbündete der jenesmal dem Islam feindlichen

Mongolen sich zeigten als Hulaku Chan über die Landschaft von Damaskus

hereinbrach. Und als sie, die Christen, von dem ihnen freundlich

gewogenen Chan einen Freiheitsbrief sich erwirkt hatten da zogen sie

nicht nur mit diesem unter Vortragung von Kreuzen und mit dem Gesange

der Worte: »Sehet den Sieg des wahren Glaubens« in die Stadt ein

(denn dieses würde keine Flamme des Hasses entzündet haben), sondern

sie zwangen die Mohamedaner, die sie auf den Gassen trafen, vor dem

Kreuze niederzuknieen und begossen sie dann mit Wein. Auf ähnliche

Weise, durch Ausgießung von Wein, an die Eingänge derselben, entweihten

sie die Moscheen; während in ihrer eignen (der Marien-) Kirche, ein

Prediger, statt das Volk zum demüthigen Dank gegen Gott und zur Liebe

zu ermahnen, seine Beredsamkeit zu Schmähungen und Schimpfreden auf

den Islam und seine Bekenner benutzte, so daß der noch heftiger

entflammte, christliche Pöbel alsbald anfieng die Thürme der Moscheen,

die in der Nähe der christlichen Kirchen stunden, niederzuwerfen und

in die Moscheen selber eindrang um hier die anbetenden Moslemen zu

verspotten[172]. Diese unzeitig eifernden Spötter hatten vergessen

daß der ~Glaube~ der Menschenseele, auch der irre gehende

eine ~Majestät~ sey, welche es dem Christen nicht erlaubt zu

verhöhnen und zu verspotten[173]. Jene Thaten einer fanatischen

Wildheit geschahen merkwürdiger Weise am 31sten August 1260, mithin

nur drei Tage vor jener entscheidenden Schlacht bei Ain Dschaluth,

in welcher die Herrschaft der Mongolen über Syrien gebrochen und mit

ihr zugleich die nur kurze Zeit bestandene Gewalthaberei des armen

Christenhäufleins in Damaskus zu nichte gemacht ward. So mag denn wohl

der lang anhaltende (denn der Orientale hält solche Eindrücke fest)

fanatische Widerwille der Damascener, wenn er anders entschuldigt zu

werden vermöchte, in dem früheren Benehmen der Christen selber eine Art

von Veranlassung gehabt haben.

Aber vergessen wir es nicht neben jener, Gott Lob nun kaum noch

merklichen Schattenseite auch die schönere Tagseite an dem

Charakter des Volkes von Damaskus hervorzuheben. Seines gleichen,

an Arbeitsamkeit, handwerksmäßiger und bürgerlicher Tüchtigkeit,

Ordnungsliebe und Mäßigkeit glaube ich kaum in einer andern Stadt des

Morgenlandes gesehen zu haben. Schon die kräftig schönen Gestalten,

die man überall unter dem Volke bemerkt, lassen auf eine wackre Uebung

der Kräfte schließen; von dieser unermüdeten Uebung kann man aber

unmittelbarer Zeuge seyn, sobald man hinaustritt auf die Gassen der

Handwerker und Künstler und in die Bazars der Handelsleute. Ich wüßte

keinen Hauptzweig der künstlichen Handarbeiten der nicht in Damaskus

auf eine bewundernswürdige Weise gepflegt würde. Wer sollte nicht von

den berühmten Stahlarbeiten der Damascener, von ihren Webereien in

Seide, in Leinen und Baumwolle, ihren Arbeiten in Leder, in Holz und

in Elfenbein oder andern festen Stoffen der Art gehört haben oder von

ihrer Fertigkeit in Zusammensetzung metallischer Farben, in Bereitung

von Balsamen, geistigen Essenzen, aromatischen Oelen, wohlriechenden

Wassern, Seife und all dergleichen Dingen, oder von dem im Morgenland

hochgepriesenen Wohlgeschmack ihrer mannichfachen Gebäckereien

so wie der gebratenen, gedämpften und gesottenen Speisen ihrer

reinlichen Garküchen. Die Silber- und Goldarbeiten zeugen von eben

so viel gutem Geschmack als von Geschicklichkeit; die Stahlarbeiter

benutzen zwar häufig zu der kostbarsten Art ihrer Damascenerklingen

das Material von schon vorhandenen alten Klingen, denen sie nur eine

neue, äußre Appretur geben und man will behaupten die vormalige Kunst

der festen Stahlbereitung werde jetzt vernachläßigt oder sey ganz

außer Anwendung gekommen; dennoch vermögen auch noch die besseren

jetzigen Stahlarbeiten von Damaskus mit den besseren (wenn auch nicht

besten) Europäischen an Härte zu wetteifern und übertreffen sie an

Wohlfeilheit wie an Zierlichkeit der Form. Man sagt, daß allein über

vierzigtausend Arbeiter mit der Fabrikation der Atlas- und gestreiften

oder geblumten, öfter mit Gold durchwirkten Seidenzeuge beschäftigt

sind, deren Einkauf und Transport in andre Länder, vor allem nach

Aleppo, ganze, große Karawanen in Bewegung setzt. Stehen doch selbst

die Sattlerarbeiten aus Damaskus in so hohem Rufe, daß sie, wie ihre

Träger, die edlen Rosse der Umgegend selber, von Käufern aus weiter

Ferne gesucht werden, und die wohlschmeckenden, nur für unsren Gaumen

etwas zu pikanten Gerichte der öffentlichen Köche so wie die mancherlei

Arten des (meist süßen) Gebackenen versuchten wir selbst. So darf

man doch gewiß dem Volk von Damaskus den Ruhm lassen, daß es von dem

gewöhnlichen Hang zum Nichtsthun, den man dem Orientalen vorwirft, sich

losgemacht habe, ja daß es an Fleiß und Arbeitsamkeit dem Bewohner

des mittleren Europas nicht nachstehe. Hierbei muß auch der Europäer

noch zu seiner Beschämung die Bemerkung machen, daß man in dieser

Orientalischen Fabrikstadt weder jenes tiefe Elend und die Bettelarmuth

noch die Sinnlosigkeit finde, welche in so vielen Fabrikstädten unsers

Welttheils ins Auge fallen; auch den ärmeren Arbeitern sieht man keine

Noth und keinen Hunger an. Allerdings mag hiervon die Ursache zum

Theil in der großen Fruchtbarkeit des Landes liegen, doch ist dieselbe

auch überdieß in dem Verhältniß der Arbeiter zu ihren Mohamedanischen

Fabrikherrn zu suchen.

Die guten Leute in den Bazars und in den Gassen der Arbeiter mochten

wunder denken was für kauflustige Absichten wir Fränkische Herrschaften

und welche Summen wir anzubringen hätten, denn wir betrachteten uns

alle die schönen Sachen, fragten auch öfters nach dem Preise kauften

aber aus mehreren Gründen nur sehr wenig. Während wir aber an dieser

bunten Welt der neuen Sachen unsre Neugier befriedigten, waren wir

selber Gegenstände der Neugier geworden, für einige kleine Türkische

Knäblein, die uns, doch ohne uns zu belästigen, auf jedem Schritte

folgten. Um zwischen dieser künftigen Generation von Damaskus und

den Fränkisch gekleideten Leuten schon im voraus ein gutes Vernehmen

anzuknüpfen, kaufte ich bei einem Bäcker der kleinen Sesam- und

Honigkuchen einige dieser Küchlein und beschenkte damit unsre kleinen

Begleiter, denen die Zweckmäßigkeit dieser Fränkischen Sitte so

wohl einleuchtete, daß sie eine ganze Schaar ihrer Altersgenossen

herbeiführten, die sich in gleichen Friedensverkehr mit Europa

einlassen wollten und daß sie auch während der übrigen Tage unsers

hiesigen Aufenthaltes uns nur selten, wenn wir in ihrem Stadtviertel

uns blicken ließen, das Geleite versagten.

Wir waren durch unsren Kabasch oder Janitscharen mit einem

Maronitischen Silberarbeiter bekannt geworden der uns durch seine

Freundlichkeit wesentliche Dienste leistete. Während die Reisegefährten

noch mit dem Besehen der fremden Waaren und mit Einkäufen beschäftigt

waren, wendete ich mich, in Begleitung des Maler Bernatz zu dem

gepriesensten Bauwerk von Damaskus: zu der vormaligen Christenkirche

des h. Johannes oder der Maria; der nachmaligen und noch jetzt

fortwährenden Moschee der Ommiaden. Wer Hammers Geschichte des

Osmanischen Reiches las, dem mußte sich schon in weiter Ferne der Nahme

wie der Ruhm dieses »ersten Wunderwerkes der Arabischen Baukunst« tief

einprägen, das selbst nach dem Urtheil der Pilger welche Mekka und

Medium sahen, an Herrlichkeit die Tempel dieser heiligen Städte, so wie

die Moscheen von Kairo übertrifft. Wir durften zwar nicht das Innre

des mächtigen Tempelgebäudes, nicht seine 88 aus kostbarem Gestein

gehauenen Säulen, seine kostbaren Lampen und das Grabmahl sehen in

welchem die Mohamedaner noch jetzt die Stätte der Beisetzung von St.

Johannes Haupt verehren, doch konnten wir sein Aeußres vollständig

genug betrachten: den Haupteingang, vom Markte (großen Bazar) des

Murad-Pascha, die herrlichen Springbrunnen, das große Minare und die

hohen, prachtvollen Kuppeln. Die Länge des Gebäudes von Ost nach West

scheint, so weit uns ein vorsichtiges Messen durch Schritte, und dieses

noch überdieß in einiger Entfernung errathen ließ, vierhundert Fuß zu

übersteigen[174]; das Gebäude war ursprünglich aus drei Hauptschiffen

gebildet. Wir hatten aber und benutzten noch eine andre Gelegenheit

uns der Moschee zu nahen. Unser Silberarbeiter führte uns in einen,

wie es schien von lauter christlichen Genossen seines Handwerkes

bewohnten Bazar; hier stiegen wir aus dem Hofe eines Haußes hinan

auf das platte Dach desselben, von diesem auf andere, immer höher

gelegene bis wir zuletzt auf jene kamen, welche unmittelbar an die

eine Seite der großen Moschee angebaut sind, der wir uns auf diese

Weise so unmittelbar näherten, daß wir ihr Mauerwerk und die Capitäler

der hohen, Korinthischen Säulen, so wie das Gesimse mit der Hand

anrühren konnten. Hier überzeugten wir uns denn, daß wenigstens ein

großer Theil des prachtvollen Gebäudes weder der Zeit der Ommiaden

noch jener der Byzantiner (unter Heraklius) entstammt, sondern alt

Römischen Ursprunges sey: die vormalige Marien- oder St. Johanniskirche

war lange vorher, ehe sie dieses wurde, ein prachtvoller Tempel der

Juno. Dieses bezeugen sogar die Reste einer Römischen Inschrift am

Gesimse des Tempels selber und mehrere, jetzt abgesondert vom Gebäude

stehende Trümmer alter Säulenhallen. Auch von einem alten, vormals

hoch ragendem Triumphbogen bemerkt man, von jenem Standpunkt aus den

wir einnahmen, die nicht unansehnlichen Ueberbleibsel. Die Blüthenzeit

der Römischen Macht und Herrlichkeit in Damaskus fällt in die Zeiten

des Kaiser Diocletian, welcher hier auch die wahrscheinlich ungleich

ältere Kunst der Stahlbereitung in neuen Aufschwung brachte, durch die

Waffenfabriken welche er begründete.

Ein andrer Gegenstand der aufmerksamen Beachtung war für uns an diesem

Vormittag ein Chan von prachtvoller Bauart und großem Umfange. Der

Maler Bernatz hat sein Innres eben so wie das Aeußere der Moschee

der Ommiaden gezeichnet und wird es bei Gelegenheit mittheilen. Die

Ueberreste des alten Tempels, den man für einen Serapistempel hält,

das baufällige alte Schloß so wie den gewesenen in seinem Innren

modernisirten Pallast der alten Herrscher, dann die vielleicht

schon bei Gelegenheit des großen Brandes, den die Mordfackel des

Morgenlandes, Timur-Chan, in Damaskus entzündete, verwüsteten doch

wieder zusammengestückten Grabmähler Nureddins und Saladins des Helden

sahe ich zum Theil erst am Sonntag, als ich, wie ich nachher erwähnen

will, in Gesellschaft des Padre Präsidente Besuche in der Stadt machte.

Dem Bekenner des Islam zeigt man außer diesem die von Timur, dem

Zerstörer im Jahr 1401 neu aufgebauten oder verschönerten, Grabmähler

zweier Gemahlinnen des Propheten: der Umm Selma und Umm Haliba, sowie

die Grabstätten einer großen Zahl der Jünger und Zeitgenossen Mohameds

und einer noch größeren der Heiligen, der Weisen, der Dichter die in

Damaskus lebten.

Von christlichen Alterthümern und Erinnerungszeichen aus der heiligen

Geschichte hat diese schöne, alte Stadt der Chalifen nur wenig

aufzuweisen. In der Kirche unsres Spanischen Klosters zeigte man

uns einen durch seine Geschichte merkwürdigen Gegenstand: es war

eine Art von Schild mit 366 Feldern, deren jedes mit einem Tag des

Jahres, auch wenn dieses ein Schaltjahr war in Beziehung stund, und

ein kleines Stücklein von einer Reliquie, z. B. einen Knochensplitter

des Heiligen enthielt, dessen Name der einzelne Tag trägt. Dieses

Allerheiligen-Schild hatte das Kloster von dem Erben eines Kardinals

gekauft, welcher Mohamedaner geworden war. Am Nachmittag führte uns

unser Kabasch zu der Stätte außerhalb der Stadt wo Saulus von einem

Licht vom Himmel umleuchtet ward, dann zu dem angeblichen Hauße des

Ananias, der Paulus wieder sehend machte und taufte, so wie zu dem Ort

der Mauer an welchem man diesen im Korbe herabließ. Bei Gelegenheit

dieser Umgänge um die Mauern führte uns auch der Kabasch zu den

Resten eines kleinen Römischen (?) Tempels, bei welchem er uns ganz

andächtig eine lange Legende von Mar Dschirdschis (dem heiligen Georg)

und seiner Enthauptung erzählte. Da man mich beim Nachhausekommen im

Kloster befragte was ich Alles gesehen, und ich auch der Erzählung

unsers Kabasch, welcher ganz verlegen dabei stund, erwähnte, bekam

dieser einen Verweis, daß er abermals, was ihm schon oft verboten

worden sey, ein Mährlein der Schismatiker vorgebracht habe, das mit der

katholischen Ueberlieferung im Widerspruch stehe.

Die Christen des Orients feierten heute, fünf Wochen nach uns, den

Charfreitag. Obgleich die guten Väter unsers Klosters die Feste der

Leidenstage und Auferstehung schon mit den andern Lateinischen Christen

begangen hatten, nahmen sie doch auch an der Feier dieser Tage bei

ihren Orientalischen Glaubensgenossen Antheil und der ehrwürdige Padre

Präsidente lud mich ein in einer der späteren Nachmittagsstunden mit

ihm die Kirche der unirten Griechen zu besuchen. Dieses ansehnliche

Gebäude war ganz voller Menschen. Zuerst hielt ein junger Geistlicher

von der Kanzel eine Predigt in Arabischer Sprache über die

Leidensgeschichte, welche großen Eindruck zu machen schien, dann sprach

der Bischof, auf seinem Stuhle in der Nähe des Hochaltares sitzend,

in derselben Sprache Worte des Gebetes und der Ermahnung. Einmal

hielt dieser mitten in seiner Rede an und sprach mit erhöhter Stimme

gegen einige Frauen hin, die in der Nähe des Haupteinganges der Kirche

stunden, indem er es ihnen sehr ernstlich verwieß, daß sie nicht der

Ordnung dieses Gotteshaußes gemäß auf die (vergitterten) Emporkirchen

giengen, wo den Frauen ihr Ort angewiesen sey. Die Weiblein (man sagte

mir es seyen solche gewesen die nicht zur Gemeinde gehörten) entfernten

sich ganz erschrocken und der gute Bischof fuhr in seinem Vortrage

fort. Während des Gottesdienstes war mir ein Ehrenplatz neben dem

Bruder des Bakary-Bey, der selber zu erscheinen durch Unpäßlichkeit

verhindert war, angewiesen.

Am Sonnabend, den 29sten April erquickte ich mich durch ein kräftiges

Türkisches Bad. Das Haus in welchem ich dieses nahm, war das vornehmste

und schönste seiner Art das ich im Orient gesehen; die einzelnen Zimmer

mit Marmorplatten belegt, für alle Bequemlichkeit der Besuchenden aufs

Anständigste gesorgt. Beim Nachhausekommen wendete ich einige Stunden

zum Schreiben des Tagebuches an, den Nachmittag brachten wir mit dem

wiederholten Besuch des Bazars und einiger Hauptplätze der Stadt, dann

aber unmittelbar vor den Mauern neben einem Hauptarme des Barradaflußes

in und bei einem Kaffeehauße zu, das im Schatten der hohen Platanen

liegt. Die Kaffeehäußer von Damaskus, großentheils an vorbeifließendem

oder emporspringenden Wasser gelegen gewähren den Besuchenden einen

ganz besonders anmuthigen Aufenthalt. Man kann in und bei der Stadt

zu allen Zeiten des Jahres Eis und Gefrorenes haben, welches hier in

besondrer Güte bereitet wird.

Am Sonntag, den 30sten April brachte ich den ganzen Vormittag in

Gesellschaft des Padre Präsidente zu. Von diesem trefflichen Manne

könnte ich Vieles erzählen. Er ist ein Spanier aus sehr vornehmen

Geschlecht; höher aber als seine Geburt stellt ihn sein christliches

Erkenntniß, seine große Gelehrsamkeit, vor allem aber seine Liebe und

Demuth. Obgleich der Vornehmste und Aelteste im Kloster unterzieht er

sich aller der niedrigsten Geschäfte, namentlich der eigenhändigen

Pflege jener Elenden und Kranken, welche nicht selten im Kloster ihre

Zuflucht suchen, obgleich diese Pflege dadurch doppelt beschwerlich

wird daß in jenem Lande so viele Krankheiten sich durch kritische Uebel

der Haut entscheiden. Wenn man ihn fragt warum er dieses Geschäft

nicht den andern, jüngeren Brüdern überlasse, sagt er: diese sind

alle von gutem Stand und solcher Dinge ungewohnt; mir hat Gott ein

Naturell gegeben das keinen Ekel kennt. Die anderen Mönche aber, wenn

man sie darum befragt, sagen: er ist ja von Geburt der Vornehmste und

vom Hauße aus am wenigsten an niedre Dienste gewöhnt, aber er läßt

sie uns nun einmal nicht verrichten, sondern, wo es nur möglich ist,

bedient er selbst uns. Diese Freude am Dienen erfuhren auch wir an

dem merkwürdigen Manne, da er uns unsre Betten machte, Waschwasser

zutrug, das Zimmer reinigte, bei Tische uns immer stehend bedienen

wollte, während wir saßen. Und daß dies Alles nicht Wirkungen einer

bloß äußerlich angenommenen Form der Liebe und Demuth sey, das zeigen

die Früchte; denn nur eine wahre, lautere Liebe kann solche Gegenliebe

erzeugen als dieser Mann von seinen Klosterbrüdern und von den Gliedern

seiner Gemeinde genießt. Ich wohnte einmal beim Gottesdienst einem

Vortrag bei, den er über einer Stelle aus den Propheten Ezechiel (C.

34) hielt, die von Christo weissaget, und obgleich ich, weil der

Vortrag Arabisch war, nur seinem Hauptinhalt folgen konnte, erbauete

ich mich dennoch an der innigen Andacht der Zuhörer, wie an der

unverkennbaren Salbung des Redners. Ueber die Christen aus andern

Gemeinschaften des Abendlandes (er begriff sie unter dem allgemeinen

Namen der Engländer) drückte er sich bei andrer Gelegenheit so aus:

»Ich glaube was meine Kirche glaubt, aber ich bemühe mich in allen

Dingen jenen mich als wahrer Bruder zu zeigen. Ich weiß daß sie auf

Christum getauft sind und daß sie festhalten am Glaubensbekenntniß der

Apostel. Was sie in Gottes Augen sind, das verstehe ich nicht, Gott

aber weiß es.«

* * * * *

Noch in einer frühen Vormittagsstunde nahm mich der gute Padre

Präsidente mit sich zu jenen Besuchen, welche heute, an ihrem

Ostertage, die vornehmeren Christen von ihren Untergebenen und Freunden

zu empfangen pflegten. Man braucht kein tiefer Menschenkenner zu seyn

um auch bei einem kurzen Zusammensein mit dem Bakary-Bey in diesem

ausgezeichneten Manne jene Züge von Milde, herzlichem Wohlwollen

und Redlichkeit zu erkennen, durch welche sich derselbe schon in

Aegypten allgemeines Vertrauen erworben hat. Dabei ist er einer der

verständigsten, gewandtesten Geschäftsmänner welche Aegypten in seinem

Dienste hat. Der Bischof der unirten Griechen, ein Mann von mittleren

Jahren verbindet mit dem Ausdruck von Ernst und Würde eine Vertrauen

erweckende Freundlichkeit; der Patriarch der getrennten Griechen ist

schon sehr hoch bei Jahren. Man reichte uns nach der Sitte des Landes

allenthalben Kaffee und andre Erfrischungen. Auf unsrem Wege durch die

Stadt zeigte mir mein Führer einige der schon vorhin genannten alten

Gebäude der Stadt.

Am Nachmittag machte ich mich mit Freund Bernatz auf den Weg um noch

einige Merkwürdigkeiten der Stadt und ihrer Nachbarschaft zu sehen.

Zuerst zeigte uns unser Kabasch auf einem von Häußern umgebenen

Platze außerhalb der Mauern (in einer der Vorstädte) jene uralte

Platane, deren Stamm einen Umfang von 39 Par. Fuß misset. Wir gingen

hierauf zwischen den Lehmmauern der herrlichen Gärten hinaus nach dem

Dorf Salehieh. Dort ist Vieles zu sehen, denn unweit dem Dorfe ist

jener Lustort Rabua der im Jahr 1148, als die Heere der christlichen

Kreuzfahrer, geführt von Balduin +III.+, Ludwig +VII.+

von Frankreich und dem deutschen Konrad +III.+ hier Tod und

Schrecken verbreiteten, für die Bewohner von Damaskus kein Ort der

Lust sondern des Wehes war, und dieses in noch höherem Maße geworden

wäre wenn nicht die Tücke der Orientalischen Christen (Pullanen) den

Abendländischen Kämpfern den schon entschiednen Sieg über die Stadt

durch ihren verderblichen Rath wieder entrissen hätte. Nahe hierbei

entspringt der klare Findscha-Fluß, der mich sehr an die Quelle von

Vaucluse erinnerte; am Abhang des Berges bei Salehieh findet sich

das Grabmahl des schon erwähnten Meisters der Orientalischen Mystik,

des Mohijeddin al Arabi, und viele Grabstätten ähnlicher Weisen des

Morgenlandes; lieber jedoch und lehrreicher denn dieser Gräberbesuch

war mir die Bekanntschaft des kenntnißreichen, freundlichen Englischen

Generalconsuls Mr. Farren und seiner liebenswürdigen Gemahlin,

welche ich hier auf ihrem Landgute besuchte. Die Erinnerung an

dieses Zusammentreffen mit zwei Menschenseelen, bei denen man so

bald sich daheim fühlte, war noch eine schöne, werthvolle Zugabe zu

den mannichfaltigen Freuden und Genüssen die uns das schöne Damaskus

gewährt hatte.

Reise von Damaskus nach Beirut.

Reise in das Morgenland in den Jahren 1836 und 1837, Dritter und letzter Band · 第 21 / 41 段