»Und verdienen wird Dein Mann doch auch nichts, oder -- -- Sag mal, was

tut er denn eigentlich den ganzen Tag?«

Elisabeth stieg langsam das Blut vom Hals in die Schläfen. Wieder sah

sie ihren Vater nicht an, sagte leise, als schäme sie sich, das Wort

auszusprechen:

»Nichts.«

Sie schwiegen beide. Es war nichts Neues, nichts Ueberraschendes und

auch nichts Entehrendes, was Elisabeth da offenbarte, und doch hatten

sie beide das Gefühl, als lege sich etwas Bedrückendes auf sie nieder.

In all die Schönheit und das Glück war das kleine Wort hineingeglitten,

wie ein trüber Tropfen in klares Wasser gleitet. Alles, was vorhin so

hell geschienen, sah jetzt verändert aus, undurchsichtig und unfroh.

Der Oberst riß sich aber schnell wieder zusammen. Er wollte nicht

zeigen, daß er erschrocken war, wollte sich's vielleicht selbst nicht

eingestehen.

»Zum Kuckuck, Liesel, wir sind doch beide verrückt! Stehen mit

Leichenbittermienen da, bloß weil Eure Einrichtung ein bissel mehr

gekostet hat, und weil Dein Mann kein Kleinkrämer ist. Ja, wenn

wir das gewollt hätten, dann hättest Du eben keinen venezianischen

Nobile heiraten müssen! Weil Du ihn aber geheiratet hast und im

übrigen glücklich mit ihm bist, wollen wir der Viertel Million

keine überflüssigen Tränen nachweinen. Geschehen ist geschehen, nur

zieh' in Zukunft die Kandare fester an, und eigentlich (er überlegte

einen Augenblick) möchte ich selbst einmal mit Deinem Mann über die

Geschichte sprechen!«

Aber Elisabeth bat, daß ihr Vater das lieber unterlassen sollte. Sie

fürchtete, daß in einer solchen Unterredung Ettore sich in seiner

naiven und leichtfertigen Art mehr bloßstellen würde, als ihr Vater

verstehen und verzeihen konnte. Und gerade jetzt, da der Oberst selbst

eine Entschuldigung für ihn gefunden hatte, da er ihm das Recht

zubilligte, anders zu sein und zu leben, als er selbst stets gewesen

war und gelebt hatte, gerade jetzt fühlte Elisabeth durch die milden

Worte des Vaters sich ihrem Manne neu verbunden und kam sich selbst

lieblos vor, daß sie in ihrem Herzen oft hart und hochmütig über

ihn geurteilt hatte. Wenn es in ihrer Lebensrechnung wirklich einen

Fehler gab, so lag die Schuld daran gewiß nur an ihr, nicht an ihm,

denn ihr Vater hatte wohl recht, wenn er fand, daß ein Priuli nicht

ein deutscher Kleinkrämer sein konnte. Sie mußte Ettore eben nehmen

wie er war und all ihre Liebe zu Hilfe rufen, wenn ihre Geduld oder

ihr Einsehen versagen wollte. Sie war froh, als sie diesen Entschluß

faßte und an ihm merkte, wie sehr sie immer noch an dem Manne hing,

trotz der Leere, die sie so oft neben ihm empfand. Mit einem Mal sah

auch wieder alles klar und schön und glücklich aus, denn sie meinte

jetzt zu wissen, daß es zur Ueberwindung aller Enttäuschungen und

Schwierigkeiten nichts bedurfte, als eine große Liebe, die mit gleicher

Inbrunst den kleinen wie den großen Priuli umfing.

Der Oberst versprach Elisabeth wohl, daß er sich Ettore gegenüber

nichts merken lassen wollte und er hielt sein Versprechen auch so weit,

daß er den Schwiegersohn nicht zu einer direkten Aussprache heranzog.

Er wußte es aber doch einzurichten, daß er mit ihm einmal unter vier

Augen auf die Bedingungen einer Lebenshaltung, eines Budgets usw. zu

reden kam, und nahm die Gelegenheit wahr, um die großen Kosten der

Wohnungseinrichtung mit ein paar scherzenden Worten zu tadeln. Er hatte

eine gütige und liebenswürdige Art, solche Dinge zu sagen, und Ettore

nahm seine Worte, äußerlich wenigstens, ebenso hin, wie sie gesprochen

waren. Er gestand lachend seinen Leichtsinn ein, entschuldigte sich ein

wenig, daß ihm der erste Glücksrausch eben so sehr zu Kopf gestiegen

war, und schloß seine heitere Verteidigung mit der Versicherung, daß

er von Natur aus fügsam und wahrhaftig kein Verschwender sei. Der

Oberst nahm alles, was er sagte, auf Treu und Glauben hin und war

wiederum entzückt von seinem Schwiegersohn. Er merkte den leisen Ton

des Hochmuts nicht, der in Ettores Stimme schwang, sah nicht den

wegwerfenden Zug um die Mundwinkel und nicht den dunklen Blick, der

Ettores Auge verschleierte, als er mit seinem gewohnten scharmanten

Lächeln dem Obersten zum Abschied die Hand drückte, weil er ihn um

einer Klubsitzung willen verlassen mußte. Auch zu Elisabeth sagte

Ettore kein Wort von dem Gespräch, das er mit ihrem Vater gehabt hatte,

sie erriet es aber gleich an einer gewissen Gezwungenheit, mit der

er ihr in den nächsten Tagen begegnete, und deutlicher noch an einer

Bemerkung, welche die alte Gräfin ziemlich zusammenhanglos über eine

sensationelle Ehetrennung hinwarf und die ungefähr so endete:

»~Dio mio~, den Frauen geht's heutzutage viel zu gut! Wenn ich denke,

was man in meiner Zeit vom Mann und der Ehe alles ertrug! Aber

heutzutage haben sie den Kopf voll von dummen Ideen, von Freiheit, von

Gleichberechtigung und, was weiß ich, was sonst noch! Zu meiner Zeit

war man glücklich, wenn der Mann mit einem zufrieden war. Keine von uns

hätte es gewagt, an ihm herumzumäkeln oder gar ihm Vorschriften machen

zu wollen. Heutzutage aber täte es not, daß er über alles und über

jeden Centesime Rechnung ablegt ...«

Elisabeth sagte nichts. Sie begriff, daß die Mutter für ihren Sohn

Partei nahm, ganz ebenso wie ihr Vater es für seine Tochter tat. Sie

gab sich redlich Mühe, die Mißstimmung zu verscheuchen, die unversehens

ins Haus geschlichen war, war zärtlich und vertrauensvoll gegen Ettore,

liebenswürdig und ergeben bei der Schwiegermutter. Sie hörte auch

kein anzügliches Wort mehr, und Ettores Gezwungenheit machte schnell

seiner naiven Liebenswürdigkeit Platz. So schien alles wieder zu dem

früheren, guten Bestand zurückgekehrt, aber Elisabeth wußte doch, daß

es nicht so war. Sie wußte, daß fast zu allen Stunden, die sie mit

ihrem Vater verbrachte, Ettore bei seiner Mutter und seiner Schwester

saß und jedesmal, wenn die scheinbar nur aus Diskretion getrennten

Lager sich bei Tische begegneten und begrüßten, war es, als ob zwei

fremde Welten sich begegneten, die erst eine kalte Luftströmung

überwinden mußten, ehe sie sich zusammenfanden.

* * * * *

In diesem Winter sollte Elisabeth endlich die venezianische

Gesellschaft und Geselligkeit kennen lernen, -- das war für sie,

die bisher nur die herkömmlichen Garnisonsbälle und ein oder das

andere Münchener Künstlerfest gesehen hatte, eine große Spannung und

Aufregung. Vor dem ersten Fest der Saison, das im Hause Fabbriani

stattfand, hatte sie richtiges Lampenfieber, denn Ettore sprach schon

seit Tagen kaum von anderem als eben von dieser Wintersaison mit

all ihren Verpflichtungen und Freuden, sprach davon so wichtig und

ausführlich, als ob sie ein wertvoller Bestandteil seines Lebens sei.

Auch Eleonore, die unter der Obhut der Schwägerin alles mitmachen

sollte, war lebendiger und gesprächiger, als Elisabeth sie seit langem

kannte, und schien für nichts Sinn zu haben als für Toiletten, Blumen,

Fächer und kunstvolle Frisuren. Elisabeth dachte bei sich, daß Eleonore

wohl darauf rechnete, auf den bevorstehenden Festen ihren kleinen,

verwöhnten Leutnant zu treffen, aber wenn sie leise Anspielungen

machte, so tat Eleonore, als verstünde sie nicht, und die alte Gräfin

antwortete auf eine direkte Frage der Schwiegertochter nur, indem sie

die Arme zuerst zum Himmel hob, sie dann verzweifelt wieder sinken ließ

und den Kopf schüttelte, als wisse sie selbst nicht, was die Tochter

denke oder plane.

Elisabeth machte mit großer Sorgfalt Toilette. Als sie fertig

angekleidet vor dem großen Spiegel ihres Ankleidezimmers stand, fand

sie sich auch wirklich ganz hübsch und meinte, daß sie überall mit

Ehren bestehen könne. Das weiße, silbergestickte Kleid saß tadellos,

die Rosen an der Brust und im Haarknoten paßten gut zu ihrem zarten,

blonden Typ, und die schönen Diamanten, die ihr der Vater und die

Brüder zur Hochzeit geschenkt hatten, funkelten hier, in dem einsamen

Zimmer, reich, fast königlich. Während die Jungfer lief, um den

Abendmantel und das Spitzentuch zu holen, klopfte es an der Tür,

und Ettores Stimme fragte, ob Elisabeth fertig sei. Sie hatte kaum

»ja« gesagt, da trat er auch schon ein und mit ihm Eleonore, beide

lächelnd, strahlend, wie zwei ganz junge Menschen, die zu ihrem ersten

Ball gehen. Sie sahen beide wieder genau so schön aus wie damals

beim Blumenkorso, und Elisabeth kam sich neben ihnen unscheinbar und

unsicher vor. Das war aber nicht etwa nur, weil diese Geschwister zwei

ungewöhnliche Erscheinungen darstellten, nein, es lag viel mehr noch

in ihrem Wesen, in ihrer ganzen Art aufzutreten, sich zu bewegen, zu

lachen oder den Kopf zu wenden, es lag in der vollkommenen Harmonie

all ihrer Bewegungen und in der hellen Freudigkeit, die über ihnen

leuchtete, als wären Fest und Lust und Erwartungsfreude das einzige

Element, in dem sie tief atmen und sich wohl fühlen konnten.

Die Schwägerinnen musterten gegenseitig mit raschen Blicken ihre

Toiletten, sagten sich freundliche Worte, die sie aufrichtig meinten.

Eleonore berechnete blitzschnell im Kopf, wieviel Elisabeths

Silberstickerei und Schmuck wert sein mochten, während die junge Frau

mit Verwunderung und ein klein wenig Neid erkannte, daß Eleonore

in ihrem fast armseligen, blaßgrünen Seidenfähnchen und einem

nichtssagenden Korallenschmuck ungleich frischer und schöner wirkte als

sie. Ettore schien sehr zufrieden mit seiner Frau, warf aber, während

er sie bewunderte, immer verstohlen-verliebte Blicke auf sein eigenes

Spiegelbild, auf seine schlanke Fechtergestalt, die nicht einmal der

Frack entstellen konnte, und auf sein scharfgeschnittenes, brünettes

Gesicht, das wie ein antikes Relief aus dem feierlichen Weiß der Wäsche

und der Weste hervorkam. Dann meldete die Jungfer, daß die Gondel

vorgefahren sei, hüllte die Damen sorgfältig in Mäntel und Schleier,

und Elisabeth fuhr zum ersten Feste Venedigs.

Bei den Fabbriani fand sich an diesem Abend alles ein, was sich

in diesem Winter in allen Häusern der Gesellschaft immer wieder

zusammenfinden sollte. Glänzende Namen wurden vom Diener ausgerufen,

die einst im goldenen Buch der Stadt gestanden hatten und unlöslich

verknüpft waren mit ihren Geschicken. Viele von ihnen hatten es

verstanden, alten Reichtum zu bewahren oder neuen zu erwerben,

zumeist durch Heirat oder Erbschaft, mitunter auch durch industrielle

Unternehmungen oder Spekulationen, und darum traten als Trägerinnen

dieser Namen Frauen auf von seltsamer fremdländischer Schönheit,

siegessicher im Bewußtsein ihres Reichtums, überrieselt von

Familienschmuck, der noch aus fernen Jahrhunderten herkam oder auch

von Steinen, die erst vor ein paar Wochen von einem Pariser oder

Londoner Juwelier eingehandelt worden waren. Um sie her kreisten Männer

von jener koketten Gepflegtheit und Eleganz, die nur dem Romanen zu

eigen ist. Schlanke, stattliche Männer, die aussahen, als wären sie

für Abenteuer und Heldentaten geschaffen, und die doch nichts anderes

zu sein schienen als die ergebenen Seladons dieser siegesbewußten,

flimmernden Frauen.

Die Unsicherheit, die Elisabeth schon daheim neben ihrem Mann und der

Schwägerin empfunden hatte, wurde hier noch größer. Wohl kamen ihr alle

liebenswürdig entgegen, fragten sie lebhaft, wie sie sich in Venedig

gefalle, bestaunten sie, daß sie die fremde Sprache schon so geläufig

beherrsche, aber Elisabeth kam sich trotzdem wie ein grauer Spatz vor,

der in eine Gesellschaft von Paradiesvögeln geraten ist.

Alle oder fast alle diese Frauen waren ja, wenn Elisabeth sie genauer

betrachtete, für ihren Geschmack zu üppig, zu dunkel, zu stark

geschminkt, hatten Nüancen der Toilette, die aufdringlich wirkten,

waren zuweilen mit Schmuck behängt wie Götzenbilder, rollten allzu

phantastisch die Augen oder lachten so bewußt verführerisch, daß

sie, jede einzeln genommen, auf Elisabeth unfein, wenn nicht gar

komisch wirkten. Im ganzen aber, als geschlossener Kreis, den sie

hier darstellten, ging eine Wirkung von ihnen aus, der man sich nicht

entziehen konnte, waren sie der vollendete Ausdruck einer Rasse, die

trotz ihres alten Blutes noch die Schönheit und die Fröhlichkeit aus

den Kindertagen der Erde bewahrt zu haben schien, gepaart mit dem

unbekümmerten Stolz, den nur die wirkliche Vornehmheit kennt.

Das viel mißbrauchte Wort von den Renaissancemenschen schien hier, für

das Aeußerliche zumindest, Wahrheit geworden zu sein, und Elisabeth

fand, daß sie neben all diesen Damen ebenso bescheiden aussah, wie ihre

Diamanten neben deren wertvollen Geschmeiden, trotzdem sie daheim doch

so königlich gefunkelt hatten.

Der Eindruck, den die junge Gräfin Priuli machte, war im allgemeinen

günstig. Die Damen meinten, diese kleine Gräfin sei ja nicht besonders

hübsch, aber ganz angenehm und jedenfalls viel besser gekleidet und

viel weniger linkisch, als sie sich eine deutsche Offizierstochter

gedacht hatten. Die Männer, die in kleinen Gruppen umherstanden oder

sich um die funkelnden, großen Damen bemühten, zuckten wohlwollend

die Achseln. Heute könne man über die junge Priuli noch nichts Rechtes

sagen. Ihr Haar sei schön, ja, aber sie war doch noch recht mager und

viel Temperament schiene sie auch nicht zu besitzen. Die Schwägerin

dagegen, ja, das war ein anderes Weib!

»Wenn man Geld genug hätte, die zu heiraten!« sagte der junge Fabbriani

und sah bewundernd auf Eleonore, die eben lachend und mit dem Fächer

unwahrscheinlich große Kreise beschreibend zu seinem Bruder sprach.

Ein anderer entgegnete:

»Geld genug, sie zu heiraten, und eine Faust, um sie zu bändigen. Wer

traut sich's zu? Ich mir nicht!«

Der Sprecher machte mit beiden Händen eine nicht mißzuverstehende

Bewegung nach seinen beiden Stirnwinkeln. Die andern lachten und gingen

zu einem andern Thema über.

Elisabeth gab genau acht, ob der kleine Leutnant, den Eleonore liebte,

nicht irgendwo auftauchte, aber sie konnte ihn nicht entdecken. Dagegen

lernte sie an diesem Abend die Frau kennen, die schon beim Blumenkorso

ihre Neugier rege gemacht hatte, -- die Fürstin Tassini. Die Fürstin

war mit ihrem Mann ziemlich spät, erst gegen Mitternacht gekommen, was

wohl ein wenig auffiel, aber nicht störte, da ja die Geselligkeit hier

nicht ein steifes und ausgerechnetes Gastmahl bedeutete. All diese

Menschen, die zu später Abendstunde zwanglos zusammenströmten, nahmen

mit Sorbets, Sekt und Süßigkeiten vorlieb, und wollten nichts anderes

als schwatzen, flirten, spielen und den Klatsch des einen Salons in den

andern tragen.

Auch heute sah die Fürstin auf eine kleine Entfernung mit der schlanken

Gestalt und dem rötlichen Haar sehr jung aus. Sie trug wieder ein

silberfarbenes Kleid, diesmal aus kostbarem Brokat mit alten Venezianer

Spitzen, um den Hals die Perlenschnüre, ohne die man sie nie sah, auf

dem Haupt ein Diadem von Rubinen und Diamanten. Sie schritt langsam

und unbekümmert, so als ob sie immerfort zur rechten Zeit käme und

als ob alle rundum nur auf sie gewartet hätten. Sie begrüßte die

Hausfrau und jede einzelne der Damen liebenswürdig, aber man merkte

deutlich, daß niemand ihr nahe stand. Sie saß gerade aufgerichtet und

etwas steif in einem Sessel mit hoher Lehne, lehnte sich aber nicht

an, wandte nur im Gespräch den Kopf ein wenig nach rechts oder nach

links, sprach, lächelte, nahm von dem Silbertablett eines Dieners ein

Glas Sekt, alles mit höflichen, aber kühlen Gesten, so als ob sie nur

eine Verpflichtung erfüllte, nicht aber zu Gast auf einem Feste war.

Trotzdem sie seit mehr als zwanzig Jahren in Venedig lebte, beherrschte

sie die italienische Sprache kaum, bediente sich, wenn es irgend

möglich war, des Englischen, was freilich seine Schwierigkeiten hatte,

weil die andern annähernd ebenso schlecht Englisch sprachen wie sie

Italienisch und jeder im Innern die Aussprache des andern bemängelte.

Wie Elisabeth ihr vorgestellt wurde, musterte sie die junge Frau mit

einem langen, eingehenden Blick, tat als erste Frage:

»~Do you speak English?~«

Da Elisabeth bejahte, lud die Fürstin sie ein, sich neben sie zu

setzen, begann mit ihr auf englisch ein Gespräch, das sich zunächst

natürlich nur um Allgemeinheiten drehte. Die italienischen Damen,

mit denen sich die Fürstin bisher unterhalten hatte, entfernten sich

vorsichtig, als sie merkten, daß nun Englisch die Oberhand gewinnen

würde, waren auch gar nicht unglücklich darüber, denn ein kleiner Flirt

oder Klatsch mit den jungen Herren, die überall mit sehnsüchtigen

Blicken umherstanden, war weit amüsanter als die Unterhaltung mit der

Fürstin, die sich in keiner Weise verausgabte. Auch als sie jetzt

mit Elisabeth allein saß, kam ihr Gespräch nicht über Unpersönliches

hinaus. Aber immerfort hafteten die kühlen, grauen Augen der

Engländerin auf Elisabeths Gesicht, als wollten sie die Gedanken lesen,

die sich hinter dieser Stirn verbargen, als suche sie irgendeinen Zug,

der verriet, wie es um das Herz dieser jungen Frau stand. Sie fragte

Elisabeth:

»~Do you like Venise?~«

Die große Gauklerin: Ein Roman aus Venedig · 第 8 / 18 段