2. Der Schluß der drei Taugenichtse.

Hier ist nun die für die ganze Bacon-Theorie so charakteristische

Schlußart, daß sie eine nähere Beleuchtung verdient.

Anthony und Antonio haben denselben Namen, also ist Anthony gleich

Antonio; Sympson und Shylock sind beide Wucherer, also ist Sympson

gleich Shylock; Bacon wird verhaftet, der Kaufmann von Venedig wird

auch verhaftet, also ist Bacon der Kaufmann von Venedig. Da aber

Anthony schon Antonio ist und außerdem mit dem ganzen Handel nichts zu

thun hat, so ist Bacon nicht Antonio, sondern muß Bassanio sein, der

aber nicht verhaftet wird, und so dreht sich die Sache im sinnlosen

Kreise. [Fußnote: Ebendaselbst S. 302.]

Diese Art zu schließen ist bekanntlich eine der allerverpöntesten. Die

Logiker nach Aristoteles nennen sie den positiven Schluß in der

zweiten Figur. Um aber nicht schulmäßig zu reden, erlaube ich mir,

dieselbe Sache etwas anschaulicher und concreter zu bezeichnen. Ich

erinnere mich, daß eines unsrer lustigen Blätter einmal zum Spaß drei

Taugenichtse beweisen lassen wollte, daß sie gute Leute seien; ihr

Beweis lautete: "Aller guten Dinge sind drei, wir sind unser drei,

also sind wir gute Dinge".

Ich will diesen Schluß, um die Schulsprache zu vermeiden, den der drei

Taugenichtse nennen, indem ich den Ausdruck lediglich im logischen und

bildlichen, keineswegs aber im moralischen Sinne gebrauche. Doch muß

ich hinzufügen, daß nicht blos in dem angefügten Falle, sondern

durchgängig die gesammte Bacon-Theorie sich die Façon dieses verpönten

Schlusses angeeignet hat: es ist gleichsam der Tact, nach welchem sie

marschirt.

Shakespeare und die Bacon-Mythen · 第 23 / 42 题