3. Bacon als Othello.

In seinem Testament vom Jahre 1621 hatte Bacon seine Frau reichlich

bedacht, auch in dem späteren Testamente vom December 1625 diese

günstigen Bestimmungen wiederholt, aber nachträglich widerrufen aus

gerechten und schwerwiegenden Gründen (_for just and great

causes_). Der Grund war die inzwischen entdeckte Untreue der Frau.

Hier haben einige Baconianer das Motiv zum Othello gewittert. Freilich

erschien dieser 1622, während die Enterbung vom December 1625 datirt;

freilich war der Othello schon gedichtet und aufgeführt, ehe Bacon

geheirathet hat, aber das thut den Rechnungen der Mrs. Henry Pott

keinen Eintrag.

4. Bacon als Katharina von Aragonien, Wolsey und andere gefallene

Größen.

Bacon habe seinen Sturz, der ihm bekanntlich zur Schuld und Schande

gereicht hat, "still und stolz" ertragen und diese Gesinnungsart in

Personen wie Katharina von Aragonien, Buckingham, Wolsey u. a.

dramatisch dargestellt.

In Wahrheit hat Bacon seine Richter um Barmherzigkeit angefleht und

sich ein gebrochenes Rohr genannt: das war nicht "stolz". In Wahrheit

ist er nicht müde geworden, um seine volle Wiederherstellung zu

bitten: das war nicht "still". "Still und stolz!" Das klingt ja fast

wie "edle Einfalt" und "stille Größe", wie Winckelmann die

griechischen Kunstwerke charakterisirt hat. [Fußnote: Ebendaselbst S.

298-300.]

Shakespeare und die Bacon-Mythen · 第 24 / 42 题