„Die schönen Gedichte.“
„O, lese ich die – das müßte gut sein, Renée.“
Renée schwieg nun. In ihr war etwas, das wehrte sich gegen das Sprechen.
Das wollte nichts wissen von all diesen freundlichen Dingen, das wollte
nicht – und dann ein anderes. – Sie sagte: „Wir werden abends am See
sitzen, Yvonne. Weißt du, es gibt einen Ton, den liebe ich. Wie ich ihn
liebe. Das ist zu Haus immer gewesen am Wasser.“
„Das liebst du?“
„Ja, und es gibt nichts, was so traurig macht und so wehmütig.“
„Was ist denn das? Ist es eine Musik?“ frug Yvonne.
„Nein, gar nicht.“
„Ist es Gesang also?“
„Nein,“ sagte Renée „Es kommt nicht einmal von Menschen. Es ist das
Quaken der Frösche in den Frühsommernächten.“
„Und dann ist Renée immer traurig geworden?“
Renée lächelte. Yvonne sagte: „Ganz wehmütig ist die kleine Renée
geworden. Sag mir, werden wir nun alle beide traurig, wenn sie da bei
uns quaken am See in der Nacht?“
„Nein,“ sagte Renée. „Wir gar nicht. Wir natürlich nicht. Man wird es
nur, wenn man allein ist.“
„Du sollst nicht allein sein, Renée.“
„Du bist ja bei mir.“
„Ja, ich bin bei dir,“ sagte Yvonne.
„Sag mir, Renée, gibt es Pappeln dort?“
„Ja, freilich gibt es. Sie stehn am Ufer entlang oder zu beiden Seiten
der Fahrstraßen. Sie haben grausilberne Blätter, und wenn Wind ist, der
rieselt durch die runden Blätter gerade wie Regen.“
„Tut er das, Renée?“