Renée antwortete nicht. Was sollte sie tun? Nichts bewahrte sie mehr –
da war nur dies hilflose Aussprechen-müssen, dies Unbegreifliche, daß
ihre Worte keine Scheu mehr haben wollten – und ihr Mund sprach, als
spräche es in ihre eigne Seele hinein.
Sie sagte: „Auf irgend etwas hofft man, wenn man lebt, auf ein
Geschehnis oder auf einen Augenblick – einen Augenblick – und man denkt
daran, denkt, daß er niemals kommt, daß man alles haben könnte in der
Welt, ehe er kommt. Man fühlt die Gleichgültigkeit, fühlt die
Wertlosigkeit aller Dinge außerhalb dieses Augenblicks – und dann ist
dieser Augenblick da. – Das war mir heute geschehn.“
Renée wandte sich um zum Fenster und sah in den Garten.
Da stieg eine Angst in ihr auf, kam an ihr Herz und wollte es anfassen.
Sie wußte nicht den Grund; sie legte die Hände auf die Fensterbank, um
sich zu stützen, und fühlte immer aus ihren Augen die Tränen auf die
Hände fallen. – Langsam kamen sie.
War es nicht schon lange, als sie das letzte Wort gesprochen hatte, o so
lange? Sie fühlte, daß Yvonne ihre Schulter anrührte. Yvonne sagte ihren
Namen. Yvonne strich, o so sanft, über ihre Schulter.