Das Leben der Renée von Catte

Das Leben der

Renée von Catte

Roman von

Elsa von Bonin

Egon Fleischel & Co.

Berlin

Alle Rechte vorbehalten

Copyright 1911 by Egon Fleischel & Co., Berlin

Für Dich Toni Schwabe!

Die kleine Renée lag im Bett und horchte auf das Quaken der Frösche

unten am See. Der Mond schien herein – jetzt war er auf ihrer Hand, nun

auf der Erde. In der Zimmerdecke war auch ein Mond, ein gemalter mit

gelben Strahlen – oder vielleicht war es eine Sonne. Er hatte ein

Gesicht, und aus seinem Mund hing der Kronleuchter heraus mit sechs

Kerzen. Die kleine Renée war ein wenig traurig. Es war, weil die Frösche

quakten und weil Uncas nicht mehr lebte. Uncas war ein Hund, aber er

hatte die schönsten Augen gehabt – gelb mit blau innen. Und Renée liebte

niemanden mehr. Sie dachte daran, wie sie mit ihm auf Froschjagd

gegangen war, und er hatte die Frösche in die Luft geworfen und wieder

aufgefangen – so lustig, wie das aussah. – Wie Renée so nachdachte,

wurde sie immer trauriger, dann fing sie an zu weinen.

Montag vor vier Wochen war Uncas gestorben. Sie sagten: „Er hat sich

heiß gelaufen, und dann ist er ins Wasser und hat den Schlag bekommen.“

Sie sagten: „Du weißt doch Renée, Menschen sterben auch davon.“ Renées

Papa kam und streichelte sie und sagte: „Weine nicht, mein Kind,“ und

Papa sah ganz verstört aus. Und ihre große Schwester nahm sie auf den

Schoß. Ja – sie waren alle freundlich zu Renée, als es geschehen war.

Ihr fiel ein, wie sie damals geweint hatte den ganzen Tag und ein

bißchen in der Nacht. Es war anders gewesen als gewöhnliches Weinen, es

hatte wehe getan nahe am Herzen. – Renée dachte: Hätte Papa mich nur

mitgenommen auf Jagd, dann hätt’ ich den Uncas schon weggeholt vom

Wasser.

Nun gab es niemanden mehr.

Der Mond kroch über die Bettdecke und kam auf den großen Tisch. Renée

lag wieder im Dunkeln und sah etwas stehn hinter dem Tisch, das lang und

schwarz aussah; es pendelte hin und her mit einem weißen Ding, und das

Ding war eine Hand. Renée schrie. –

Es war doch nichts. Es war nur, weil der Mond gerade durch den Ahorn

schien, und dann wippten die Blätter hin und her – das weiße Ding war

gar nichts –.

Renées Erzieherin konnte nicht ordentlich rechnen. Renée hatte gehört,

wie Papa es zu ihrer großen Schwester sagte. Darum kam heute der Kantor.

Der Kantor hatte ein fettiges Gesicht und gräßlich viel Pickel. Seine

Manschetten rutschten aus dem Ärmel und waren von Gummi. Er nannte Renée

‚na kleines Fräulein‘ und grinste dabei.

Fräulein von Altmann saß am Fenster und häkelte. „Also was macht das

nun, ein Halb mal ein Viertel?“ frug der Kantor. Renée sagte: „Zwei.“

Der Kantor grinste und wartete. Es schien also falsch zu sein. Renée sah

heimlich nach Fräulein von Altmann, ob die es wohl wußte. „Nun – nun?“

Renée sagte: es wäre wohl vier! „In Groß-Gehren macht es ein Achtel,“

antwortete der Kantor. Fräulein von Altmann lachte, und dabei wußte sie

es doch auch nicht und konnte nicht mal ordentlich rechnen. – Manchmal

war der Kantor ganz nett. Renée hätte überhaupt lieber ihn gehabt als

die Altmann. Renée wäre überhaupt lieber ein Junge gewesen. Und Jungs

hatten immer Hauslehrer.

Es gab eine Photographie, auf der Renée aussah wie ein Junge. Sie hatte

ihres großen Bruders Kürassiermütze auf und eine Matrosenjacke. Sie

zeigte das Bild und sagte: „Es ist mein Vetter Eberhard.“ – Renée hatte

sich den ‚Vetter Eberhard‘ ausgedacht. Sie war es selber. Ganz für sich

allein. Wenn Papa sie mit dem Ponywagen nach Haus schickte. Sie dachte:

Papa setzt Vertrauen in mich. Sie durfte fahren, wenn Papa drin saß. Das

war auch ‚Vertrauen‘. Dann vermied Renée sorgfältig die Steine und

Baumwurzeln, und wenn Papa ausgestiegen war, unternahm sie

Wegebesserung. Sie schleppte Steine zusammen und tat sie in die Löcher

und Wagenspuren, und dann kam Sand und Lehm darauf. Wenn sie fuhren,

guckte Renée nach dem Wild. Einmal war ein Bock. Renée sah ihn zuerst.

Renée zupfte Papa am Ärmel und hielt vor Schreck den Pony an. „Da ist

ein Bock!“ – „Fahr weiter – langsam,“ befahl Papa. Dann spannte er den

Hahn, kletterte ganz vorsichtig aus dem fahrenden Wagen und stapfte

hinterher. – Renée zitterte vor Aufregung, sie hielt den Kopf geradeaus

und schielte so gut es ging schräg nach dem Bock hinüber – Herrgott,

wenn Papa schoß, wenn der Pony – bumm – Renée fuhr zusammen und riß den

Pony ins Maul. Der machte drei Sprünge, schlug einmal seitwärts aus,

dann blieb er stehen. „Schöner Blattschuß,“ rief Papa, dann schleppte er

den Bock heran. Renée freute sich, ja aber eigentlich tat es ihr doch

gräßlich leid.

Papa war ausgestiegen. Renée stand mit dem Pony allein mitten im Wald.

Einsam war das. Die großen Kiefern knackten. Renée wartete, man konnte

sich ein ganzes Leben ausdenken währenddessen mit vielen traurigen

Dingen, und man konnte kleine schwermütige Lieder vor sich hinsingen,

ganz leise, während der Pony das Gras abzupfte. Ab und zu schüttelte er

ingrimmig den Kopf. Dann rief Renée ihn an und kam und verjagte die

Fliegen.

Renée legte den Kopf weit hintenüber und sah in die Kiefernkronen.

Kleine Stückchen vom Himmel kamen zum Vorschein, blaue oder

schwärzliche. Waren sie schwarz, dann schlug der Pony arg nach den

Fliegen wegen der Schwüle. Der Wagen ruckte, das fuhr mitten hinein in

Renées Gedanken. Renée dachte: ob man immer so gräßlich allein sein muß.

Aber Elisabeth hatte doch Freundinnen, die kamen manchmal zu Besuch im

Sommer, und Hannsbabo hatte Freunde, die brachte er mit zu den Jagden;

Renée dachte: Ich habe keinen. Sie wurde sehr traurig, das zu denken;

auf einmal schien es ihr, als müsse jeder Mensch einen Freund haben,

einen ganz für sich allein, und nur Renée hatte keinen.

Renée dachte: Wenn man den hat, der ist immer gut und man ist auch immer

gut und verteidigt ihn und gibt sein Leben für ihn. Es war schön, das zu

denken, denn das Leben hat doch viel Wert und die Menschen mögen gar

nicht gern sterben. – Ob Papa endlich zurückkam? Renée stieg auf den

Sitz und hielt Umschau mit dem Feldstecher – ganz weit unten am Graben

hinter den drei Birken ging Papa hinter einem Mann her. Renée hatte

große Angst. Wenn nun der andere Mann Papa etwas täte? Und die Büchse

hatte er im Wagen gelassen –.

Dann winkte Papa. Er winkte, indem er mit dem Arm wie eine Windmühle

ringsherum fuhr. Renée zerrte den Pony von seiner Grasweide fort und

fuhr los. Als sie ankam, sprach Papa mit dem Mann. Und überhaupt war es

der Hofmeier. Sie fuhren nach Haus. –

Renée mußte immer wieder daran denken, daß sie keine Freundin hatte. Und

es war doch so ein gutes, liebes Wort. Es wurde einem zärtlich dabei

zumute. Sie wollte eine Freundin haben. Ganz gewiß. Schon um die ‚Lange‘

zu ärgern. Fräulein von Altmann sagte: „Natürlich hast du ja auch keine

Freundin, weil du so ungezogen bist.“ Das ärgerte doch Renée, das mochte

man doch nicht hören. –

Renée stand auf einem Stuhl in der Kutscherstube und nagelte

Ansichtskarten an die Wand. Wöhler stand unten und hielt den Stuhl fest.

Wenn Renée in die Stadt kam, kaufte sie Karten, auf denen ‚schöne

Frauenköpfe‘ waren. Wöhler sagte: „Sone hab ich gern.“ „Fährt Herr

General heut aus?“ frug Wöhler. Renée besann sich: – „Nein, heut

nachmittag kommt der Mann, der die Wiesen nicht verkaufen will.“ „Er

würde schon, er hat man Angst. Die Gemeinde würde ihm kommen, wenn er

verkaufte,“ sagte Wöhler. Dann grinste er. „Ich hätt’s schon anders

gemacht.“ „Was hätten Sie denn gemacht, Wöhler?“ fragte Renée – gewiß,

Wöhler hätte es furchtbar schlau angefangen. „Ach, wenn Herr General mir

beauftragt hätte, –“ sagte Wöhler. – Also Papa fuhr nicht aus. Dann

konnte doch Renée den Pony mit in die Schwemme reiten. Wöhler hob sie

herauf, schon ein bißchen Senkbuckel hatte der Pony. Aber es saß sich

gerade sehr gut darauf; – der Pony patschte langsam vorwärts, blieb

stehen, schnaufte und steckte die Nüstern ins Wasser – Renée ritt im

Kreise vorn, wo es seicht war, und manchmal wurden ihre Schuh ein

bißchen naß, und das war so aufregend. Bei Tisch sagte Renées große

Schwester: „Renée müßte wirklich mehr mit ihresgleichen zusammenkommen.

Das geht nicht so weiter mit dem ewigen Im-Stall-hocken.“ Dann erklärte

Elisabeth, daß Papa für Renée eine Cousine einladen wolle. –

Die Cousine war da, und nun versuchte Renée es gleich mit Eifer. Aber

dann zeigte es sich, daß es etwas schwierig war. „Soldaten ist ein

albernes Spiel,“ sagte die Cousine, „und wenn dein König immer meinen

heimlich gefangen nimmt, mag ich nicht,“ sagte die Cousine. Renée

dachte: sie ist so pimpelich, und natürlich geht es besser mit Puppen.

Es ging auch. Man konnte Papierpuppen spielen. Es war eine wundervolle

Sache, _wie_ schön man das konnte. Einer sprach für den Mann und der

andere für die Frau, und es gab Eltern und Familien. Und wenn die Eltern

nicht die Heirat zugeben wollten, dann erschoß sich der Mann. Aber

manchmal sagte die Cousine hinterher, es wäre doch nicht tödlich

gewesen. Dann lebte der Mann wieder.

Nun kam die Cousine mit auf die Ponyfahrten. Und wenn Papa ausgestiegen

war, hockten sie sich ganz dicht zusammen und spielten das neue Spiel

mit den Papierpuppen. Es war schön und wild und traurig und furchtbar

geheimnisvoll. Es wurde weitergeführt durch ganze Generationen. Renée

zeichnete dafür einen Stammbaum auf einem großen Blatt genau so wie der

in der Chronik der Cattes – und es gab Vornamen, die immer wieder der

älteste Sohn tragen mußte. So kam es, daß Renée die Dinge, die wirklich

waren, ganz vergaß, und darum dachte sie auch nicht mehr an das mit der

‚Freundin‘. Einmal fiel es ihr ein; Papa hatte sie beide mit dem Pony

nach Haus geschickt, und sie saßen hinten auf den Kutschersitz geklemmt,

während der Wagen leer war. Renée sagte: „Hast du eine Freundin?“

„Nein,“ sagte die Cousine. Renée machte eine Pause – „nämlich die eklige

Altmann sagt, es wäre, weil ich ungezogen bin. Sie lügt. Sie will mich

bloß ärgern.“ Die Cousine sagte: „Ja.“ „Willst du mit mir Freundin

sein,“ frug Renée. Da nickte die Cousine. Renée sagte: „Gib mir also ’n

Kuß.“ Sie bemühte sich, daß es recht gleichgültig klingen sollte, sie

dachte: es gehört dazu, es muß so gemacht werden – nur sie genierte sich

ein bißchen.

Dann sah Renée bald, daß es hübsch war, eine Freundin zu haben. Man war

auf einmal zu zweit. Man konnte die Lange doppelt ärgern zu zweit. Man

konnte vor Lachen ersticken zu zweit bei Tisch. Renées große Schwester

räusperte sich, dann sagte sie tadelnd: „Kinder, seid doch nicht so

maßlos albern.“ Daran sahen Renée und die Cousine sich an und pruschten

von neuem. Die Lange bekam einen rosa Fleck an der Spitze ihrer Nase und

sagte: „Still, Renée, sonst erhältst du keine süße Speise.“ Renée sagte:

„Ist mir ganz wurscht!“ Wenn es bei diesem Punkt angekommen war, hob

Papa den Kopf und sah Renée an. Seine Augen rollten und waren zweimal so

groß als für gewöhnlich – Renée sah eigensinnig gerad in die rollenden

Augen hinein. Aber sie schwieg, und sie fühlte ihr Herz klopfen.

Ein bißchen unheimlich war Papa überhaupt. Aber er war doch ‚ihr Papa‘,

und sie glich ihm im Gesicht. Elisabeth glich ihm nicht. Renée dachte:

vielleicht ist Elisabeth gar nicht eine richtige Tochter von Papa. Er

hat sie auch nicht besonders lieb. Aber Elisabeth wurde immer gelobt,

wenn andere Leute da waren. Die alte Tante aus Pritzwalk hatte gesagt:

‚Elisabeth ist Renée eine zweite Mutter.‘ Aber das ärgerte Renée. Da

hing ein Bild von Mama im braunen Zimmer zwischen den Fenstern. Stille,

helle Augen hatte Mama gehabt und ein sehr schmales Gesicht. Sie hatte

blondes Haar gehabt und einen feinen, anmutigen Mund. Elisabeth sah ganz

anders aus. Sie war gar nicht schön, und Mama hatte doch ‚die schöne

Frau von Catte‘ geheißen. Renée dachte: gewiß gleicht ihr Hannsbabo, der

große Bruder. –

Renée hatte ein blaues Heft, darin standen Nummern – da war Nummer eins

Hannsbabo, Nummer zwei Papa, Nummer drei Wöhler und so weiter. Sie

änderte es manchmal, aber Wöhler war doch mindestens Nummer drei. Wöhler

war ein famoser Kerl. Wenn sie Hechte angelten und Renée wollte immer zu

früh herausziehen, als ob Wöhler da nur muckste. Er wartete, bis das

Floß ein paar Minuten unsichtbar war, er sagte: ‚he möt erst festseten.‘

Renée war zu dumm – immer riß sie zu früh heraus, und dann ließ das

Biest los und hopste wieder ins Wasser. – Renée konnte viele Stunden

lang da am See sitzen, dann dachte sie so vor sich hin, und wenn sie

wieder hinsah, steckte die Angelrute mit der Spitze im Wasser, als ob

das die Fische nicht merkten! Renée angelte – aber manchmal schlief sie

ein wenig dabei – wenigstens dachte sie an ganz andere Dinge. – Daß es

wirklich Züge gab, die einfach so von Berlin bis nach Palermo fuhren.

Palermo war auf einer Insel und man konnte hinkommen, ohne umzusteigen.

Den Zug hatte Renée einmal gesehen auf dem Bahnhof, von außen war er

braun und innen war er mit Lederwänden und Gold und Spiegeln. –

Renée saß im Kahn und patschte mit dem Ruder. Dieser Kahn hieß

Äppelfuhre, und es gab noch ein weißgestrichenes Kielboot außerdem. Die

Cousine hielt Renées Angel, und alle zwei Minuten zog sie daran, um zu

sehen, ob ein Fisch anbisse. Natürlich biß keiner an. Renée sagte:

„Möchtest du Weltreisender werden?“ Die Cousine lachte. „Wieso denn?“

Renée dachte gerade an den Expreß nach Palermo. „Dann reist man immerzu

mit Expreßzügen Tag und Nacht durch. Man wohnt richtig darin.“ „Das

könnte ich nicht,“ sagte Felicitas. „Weißt du“ – Renée patschte mit dem

flachen Ruder auf das Wasser – „weißt du, dein Name ist so dumm. Ich

werd dich Fly nennen. Das ist von einem englischen Gedicht. Ich könnte

dich auch Fee nennen. Aber so heißt ein Pferd von Hannsbabo. Also geht

es nicht.“ – Fly machte ein pikiertes Gesicht. „Übrigens, Hannsbabo ist

riesig schick,“ sagte Fly. „Unsinn, er ist viel mehr als so was Dummes,“

sagte Renée, „und ich habe ihn furchtbar lieb.“

Fly war zwei Jahr älter als Renée. Fly trug Hutnadeln. Renée dachte: Wie

man es nur macht, daß es nicht in den Kopf geht? –

Am Sonntag kam Hannsbabo. Und Renée durfte ihn von der Bahn abholen. Als

der Wagen aus dem Dorf heraus war, stieg Renée auf den Bock und

kutschierte. Wöhler hielt bloß die Zügelenden. Sie sprachen von

Hannsbabo. Wöhler sagte: „Der Herr Leutnant hat’s schwer, sag ich immer.

Herr General hält ihn zu knapp, und das tut nicht gut in so einem feinen

Regiment. Ich hab’s zu Herrn General gesagt, der wollte man nicht hören.

Herr General, hab ich gesagt, als er ihn bei die Kürassiere brachte, das

war zu unsre Zeit eben anders. Bei die Gardekürassiere braucht einer

seine zehn- bis zwanzigtausend.“ – Renée war ganz betreten von dem

vielen Gelde und ob denn Hannsbabo wirklich so viel brauche. – Wöhler

zuckte die Achseln. „Herr General sagt, da täten sechse langen,“

antwortete er, „da soll er man zusehen.“ Irgendwo im Dorf kläffte ein

Hund. Der Wallach machte einen Satz, die Stute kniff die Zügel unter den

Schwanz und quiekte.

Renée hielt, so fest sie konnte.

Als Wöhler die Füchse wieder zurecht hatte, riß er sie nochmal ingrimmig

ins Maul und brummte: „Nich mal besprechen kann man sich bei sone

Biesters.“ – Am Bahnhof kam der große Bruder Renée entgegen. Er strich

ihr übers Gesicht mit der Hand und zog an ihrem Haar. „Natürlich hast

wieder mal ne Mütze auf, du Bub,“ sagte er. „Es drohte doch so mit

Regen.“ Hannsbabo lachte. Renée saß sehr stolz neben dem großen Bruder.

Sie schielte heimlich nach den Leuten, ob sie ihn auch recht ansahen.

„Der Mann im Kolonialwarenladen hat gesagt: Kommt der Herr Leutnant

nicht bald mal wieder,“ erzählte Renée „Er sagt: Mir macht’s immer

Freude, wenn ich den Herrn Leutnant seh.“ Das erzählte Renée sehr stolz.

Der große Bruder lachte. Er sagte: „Der olle Heringsbändiger,“ und dann

sagte er noch, solche Leute wären immer ganz futsch, wenn sie zweierlei

Tuch sähen. – Während der Fahrt betrachtete Renée ihren Bruder heimlich

von der Seite. Sie fand, daß er traurig aussah.

Einmal zog er plötzlich etwas aus der Tasche und zeigte es Renée. Es war

die Photographie einer Frau als Page verkleidet. Es gefiel Renée. Sie

frug: „Wer ist es?“ aber der große Bruder legte die Finger an die Lippen

und antwortete nicht. – Dann erzählte er eine Menge lustiger Geschichten

und daß der Kommandeur wohl bald abgesägt würde, so ein Greis der nur

gezwungen auf ein Pferd stiege. Und er sagte, daß er jeden Abend in ein

und dasselbe Theater ginge, und da sähe er die schöne Frau von der

Photographie, und er nähme Renée mit, wenn sie groß wäre.

Am Abend hörte Renée laute Stimmen in Papas Stube. Sie schlich sich an

die Tür. Papa lief hin und her im Zimmer, wie er tat, wenn er böse war,

und manchmal blieb er stehen und schlug dröhnend auf den Tisch. Und sehr

selten dazwischen hörte Renée ihren Bruder sprechen in ruhigen, kurzen

Sätzen. – Sie lief in den Garten, wo der große, weiße Mond über dem See

war, und als sie da lange gestanden hatte, fing sie an zu weinen. Es kam

vom Mond und vom Abend und weil Hannsbabo so viel Kummer hatte.

Hannsbabo fuhr bald wieder fort. Er kümmerte sich um niemanden in den

Tagen, er lief nur so im Garten herum oder im Wald. Aber Renée merkte,

daß er traurig war.

Dann frug sie Elisabeth: „War Papa schlecht gewesen gegen

Hannsbabo?“ Elisabeth sagte: „Bewahre. Es gibt eben manchmal

Meinungsverschiedenheiten, und Hannsbabo wird schon einsehen, wenn er

einmal reifer geworden ist, wird einsehen, daß Papa recht hat.“ Renée

sagte: „Papa ist immer gleich so bös und so laut und das verträgt

Hannsbabo nicht. Wenn Mama noch lebte, dann wäre es besser für

Hannsbabo.“ Elisabeth zuckte die Achseln. – „Wie du altklug

daherredest,“ sagte sie. Sie sagte auch noch, daß es sehr unschicklich

sei, derartige Urteile über seinen eigenen Vater zu fällen und daß Renée

sich dessen enthalten müsse. Renée sah ihre Schwester an, wie sie

während dieser Reden die Oberlippe auf der Unterlippe herumschob, gerade

als ob sie kaute, und Renée mußte lachen. Es schien, daß Elisabeth sich

sehr darüber ärgerte. –

Fly – eigentlich war Fly etwas langweilig. Sie saß im Kahn und las:

‚Trotzige Herzen‘. Das war gerade eins von den Büchern, die Renée

gräßlich ärgerten. Wo immer die Leute sich unsinnig liebten und aus

lauter Trotz stumm aneinander vorbeigingen. Fly fand das ‚mystisch‘. Fly

sagte: „Ach Gott, sie lieben sich so rasend, und dann sprechen sie es

erst auf dem Totenbett aus –“ Renée lachte: „Das ist doch furchtbar

albern von ihnen,“ sagte sie, „wenn sie sich lieben, können sie doch den

Mund aufmachen.“ Fly meinte: „Ach, Renée, du hast ja gar kein

Verständnis für diese, die es immer nicht eingestehen will und zu stolz

ist, um sich hinzugeben.“ Renée ärgerte sich, und überhaupt war es

Quatsch, was Fly redete. Fly war langweilig und dann war es einsam.

Renée lief durch den herbstlichen Garten und weinte, obwohl gar kein

Grund war. –

Der neue braune Jagdhund im Stall, der war nicht schön. Er verstand von

nichts. Er hopste so dumm an jedem hoch und wedelte, während Uncas sich

seine Leute erst angesehen hatte. Was sollte Renée tun den ganzen Tag?

Sie saß bei der Angel und sah auf das kleine, rote Floß. Wenn Sonne war,

unterschied man deutlich die Fische, und dann hielt Renée ihnen den

Köder ganz dicht hin, so daß sie daran stießen. Wenn einer festsaß, dann

schrie sie nach der Köchin. Sie konnte keinen Fisch anfassen. Es war

furchtbar zimperlich, daß sie es nicht konnte, aber die Fische rochen so

ekelhaft. –

„Hannsbabo hat ein Kommando nach Washington bekommen,“ sagte Papa bei

Tisch. Renée frug: „Wie lang fährt man da hin?“ Papa sagte: „Acht Tage,

mein Kind, mit einem großen Ozeandampfer.“ „Gibt es da auch einen

Kaiser?“ „Nein,“ sagte Papa. „Die Vereinigten Staaten haben

republikanische Verfassung. Das könntest du auch wirklich wissen.“ –

Elisabeth machte ein befriedigtes Gesicht. Sie sagte: „Weißt du, Papa,

ich erhoffe mir wirklich Gutes daraus für Hannsbabo.“ Papa sagte: „Ach

Unsinn. Zu meiner Zeit trieben sich Kavalleristen nicht mit so albernen

Kommandos in der Welt herum. Aber heutzutage ist der Frontdienst ja

nicht bequem genug für die jungen Herren, da wollen sie lieber in

Amerika Briefmarken aufkleben.“ – „Wieso Briefmarken?“ frug Renée. Papa

lachte. „Na – du klebst doch auch so gern Briefmarken,“ sagte er.

Nun war Fly wieder fort. Nicht daß Renée Sehnsucht hatte nach ihr.

Bewahre. Aber es war gut, daß Fly dagewesen war. Denn wenn die

Altmannsche anfing: „Natürlich hast du keine Freundin ...“ dann sagte

Renée: „Das ist nicht wahr, Fly ist meine Freundin.“ „Ich wollte, du

nähmest dir dann wenigstens ein Beispiel an Fly,“ entgegnete die Altmann

spitzig. Renée haßte ‚Beispiel nehmen‘. Alle Leute wurden einem

verleidet damit. Das war das Ganze. Man konnte nachher die ‚Beispiele‘

nicht mehr leiden. –

Hannsbabo kam zum Adieusagen. Er war in Zivil; einen wunderschönen

Schlips von lila Seide hatte er und ein goldnes Armband. Renée frug:

„Wann kommst du wieder, Hannsbabo?“ Er sagte: „In ein paar Jahren.“

„Dann bin ich schon erwachsen, und dann mußt du auf Bällen mit mir

tanzen.“ Hannsbabo küßte Renée. „Ich wollt, ich könnte dich mitnehmen,

kleiner Bub Renée. Willst du denn durchaus so was werden, was man eine

junge Dame nennt?“ „Ach; so was Affiges werd ich doch nie, Hannsbabo.“

Dann sagte Renée: „Hast du das Bild noch in der Tasche?“ Hannsbabo zog

es vor aus seiner Brieftasche und lächelte, während er es ansah. – „Sie

wollte nicht mit mir fortgehen, mein kleiner Bub Renée. Ich hätte sie

schon gern mitgenommen.“ „Wer ist es denn?“ Hannsbabo stieß einen kurzen

Ton aus – wie ein Lachen, das er eigentlich nicht haben wollte. „Es ist

eine junge Sängerin,“ sagte er, „ich liebe sie.“ „Heiratet ihr euch

nicht, Hannsbabo?“ Hannsbabo sagte: „Nein – nicht.“ –

Sie gingen zusammen zurück zum Haus.

Hannsbabo rupfte Blumen, wo sie vorüber gingen und warf sie zur Seite

und spielte mit seinem Armband. Renée frug: „Aber warum heiratest du sie

nicht?“ – Die anderen Erwachsenen, – so dachte Renée – würden jetzt

sagen: Das verstehst du nicht – was wohl nun Hannsbabo sagen würde. –

Hannsbabo streichelte Renées Haar: „Mein kleiner Bub Renée –“

Nach vierzehn Tagen kam eine Karte von Hannsbabo. Es kam von New York

und es war eine große Brücke darauf abgebildet. Er schrieb, daß es sehr

hübsch sei drüben, und es gäbe Häuser mit dreizehn Etagen. –

Papa hatte einen Brief bekommen. Bei Tisch sagte er zu Renées großer

Schwester: „Na, gottlob scheint er sich ja beruhigt zu haben.“ Elisabeth

lächelte dazu; sie sagte: „Er wird schon Vernunft annehmen.“ Renée hörte

es. Renée dachte: Er hat die Frau doch lieb – – und gewiß hatte

Hannsbabo es niemandem gesagt als ihr. –

Als Renée älter war, fiel ihr manchmal dies oder das ein, ein Wort oder

ganze Sätze und Geschehnisse. Auf einmal verstand sie das. Es war so,

als ob es in der Schublade gelegen hätte, wo nichts herankam, und wenn

Renée die Schublade aufzog, dann verstand sie. Die Erwachsenen hatten

das Kind gar nicht beachtet, und das Kind wurde groß und beachtete die

Erwachsenen und begriff. Renée dachte: Elisabeth tut, was sie will. Sie

ist gar nicht so brav, nur sie tut alles hinter Papas Rücken. Als Papa

das nicht wissen sollte, daß der Kutscher zu der Köchin eingestiegen war

in der Nacht, da hat sie ihm die Kratzen an der Mauer direkt gezeigt –

schlau ist sie, dachte Renée – sie hat dann gesagt, Karo wäre immer da

hochgesprungen. Aber Karo hatte das noch nicht einmal getan.

Wenn etwas geschehen war, das Papa ärgerte, dann erzählte Elisabeth es

so, daß es sich ganz wohlgefällig ausnahm; und dann war so was doch eine

Lüge. Eigentlich sicher – dachte Renée. Denn was war lügen? Wie kam es?

Man tat es meist aus Angst. Aber dann dachten die Leute auch, man täte

es, wenn man es gar nicht tat. Immer wenn sie Renée irgend etwas

aufhalsten, was sie nicht schuld hatte, dann glaubten sie, daß Renée

löge. Und wenn man sich verteidigte, dann schrieen sie: ‚Sie macht das

Verbrechergesicht‘. Und es war doch bloß, weil sie Renée ungerecht

beschuldigten. Und dann wurde doch jeder Mensch böse. Manchmal stellte

sich Renée vor den Spiegel – sie wollte sehen, wie das aussah, was sie

Verbrechergesicht nannten. Sie tat es lange und oft. Aber nur heimlich,

wenn niemand dabei war. Denn sonst war es eitel.

Wie sah sie aus: ihre Augen waren groß und rund, von graugrüner Farbe,

hatten lange Wimpern und breite dunkle Brauen. Ihre Nase war ein wenig

klein: ‚die kleine, dumme Nase‘, sagte Hannsbabo manchmal. In die Stirn

fiel ihr eine Strähne Haar. Das gefiel Renée. Wenn nur ihr Haar ein

bißchen lockig wäre wie das von Fly, wenn es nicht so ganz hart und grob

wäre. –

Im Winter kam Renée in die Schule.

Man brauchte sich doch gar nicht weiter zu fürchten vor der Schule. Die

andern wußten auch nicht viel mehr als Renée. Und die Lehrerin schimpfte

abwechselnd, so daß sie schließlich die Reihe herum kam. Sie sagte:

„Setz nicht immer ein so impertinentes Gesicht auf, Renée von Catte.“

„Das tu ich gar nicht“ Die Lehrerin schrie: „Du tust es wohl, du tust es

mit Absicht.“ Anscheinend ärgerte die Lehrerin sich recht. Natürlich

konnte man nun oft das Gesicht machen, damit sie sich ärgerte. –

Fly war da. Papa hatte sie eingeladen für den Winter. Fly war schon sehr

erwachsen, und Renée fand, sie trug so affige Kleider, daß sie gar nicht

mehr nett aussah. Und immerzu redete Fly von Männern. „Weißt du,“ sagte

Fly, „mein Marinefähnrich ist goldig. Du müßtest ihn sehen. Übrigens

sagt er, Hannsbabo hätte riesige Schulden, darum ginge er nach Amerika.“

Beinah kamen Renée die Tränen. Sie ärgerte sich. Wie dumm und empfindsam

sie war. „Dein Fähnrich ist ein ganz alberner, grüner Bengel,“ schrie

sie, „Hannsbabo war’s zu langweilig hier, und darum ist er fort nach

Amerika. Du bist eine Gans.“ Fly sagte: „Gott, Renée du bist immer

gleich so ausfallend.“ „Na ja, aber seitdem du für Männer schwärmst,

quatschst du so viel,“ antwortete Renée. Fly lächelte. Renée aber

beschloß, es wäre nun aus mit dieser Freundschaft. –

Die Schule war fein. In den Stunden mit der Altmann war es gräßlich

langweilig gewesen. Man hatte verschlafen nach dem Gekräh der Hähne

gehört – und stundenlang war da diese trockene, quietschende Stimme von

Fräulein von Altmann. Renée erinnerte sich so genau. In der Schule mußte

man aufpassen, und außerdem konnte man schwätzen oder Zettel schreiben

und sowas, wenn man nicht aufpassen wollte. Schlafen brauchte man

deshalb noch lange nicht. In den Pausen gingen zwei und zwei zusammen

herum, bis es klingelte. Aber erst stand Renée immer allein, denn sie

genierte sich so. Aber mit einer wäre Renée gern gegangen. – Sie war

blond und sah sehr stolz aus. Renée schwärmte für sie, so wenigstens

nannten es die andern. Edelgard hielt sich ein wenig fern von den

andern, aber sie war sehr geachtet und wurde immer zu Rate gezogen, wenn

es irgend etwas gab. Wenn Renée zur Schule ging morgens, dann wartete

sie immer an der Brücke: dort mußte Edel vorüber. Renée sah den Weg

herunter, und wenn sie Edel kommen sah – wie leicht sie Edel erkannte –

dann kam eine Unruhe über sie, und auch ihr Herz begann zu klopfen.

Grade wie ‚schlechtes Gewissen‘ fühlte das sich an. – Und wenn sie Edel

auf der Straße begegnete, dann war es auch so und eigentlich noch mehr,

und Renée wurde dunkelrot und neigte den Kopf ganz tief beim

Vorübergehen. –

Was war das nun? Ob es dasselbe war wie mit Flys Marinefähnrich? Renée

würde Fly einmal ausfragen. – Fly sagte: „Weißt du, ich nehm dich

einfach mit, wo wir uns treffen.“ „Wo ihr euch trefft?“ Fly lachte

überlegen. – „Allerdings. Aber dein Ehrenwort, daß du nicht petzt.“

„Nein, das tu ich bestimmt nicht.“ Fly sah sich vorsichtig um. – „Also

morgen hab ich Kunstgeschichte im Museum. Da kommt er um zwei hin. Es

fängt nämlich erst um drei an. Da merkt es doch kein Mensch. Man sieht

nie jemand Bekannten im Museum.“

Sie fuhren zum Museum. Sie sollten zwar eigentlich gehen, weil es

gesunder war, aber so sparte man Zeit. Renée ging hinter Fly her in das

große Tor hinein. Ob nun Fly dies hatte, was vom Schwärmen kam – die

Unruhe und das Klopfen? Fly ging seelenruhig auf den Marinefähnrich los,

und der küßte Fly die Hand und überreichte ihr ein Veilchensträußchen.

Und dabei wurde er dunkelrot. Fly wurde auch schließlich rot. Aber lange

nicht so sehr. – Es war doch noch anders als mit Edel, fand Renée.

Renée machte ein Gedicht. Es war in der französischen Stunde. Dort ging

es am besten, denn Monsieur kümmerte sich nicht darum, was man tat. Das

Gedicht fing an: ‚Die Sonne küßt dein goldenes Haar‘. Wenn man doch Edel

einmal küssen könnte. O, wie schön das wäre. Am besten, ohne daß sie es

merkte. Aber das ging nicht. Oder ob Renée Edel bitten konnte? Nein, nie

konnte sie so etwas tun. –

An den Abenden saß Renée am Fenster, sah den roten Schein vom

Sonnenuntergang und dachte sich Geschichten aus. Meist kam Edel darin

vor. Und es war irgend ein Unglück. Dann kam Renée und rettete Edel und

mußte daran sterben. Sie konnte den ganzen Tag ihre Gedanken damit

ausfüllen.

Zu Haus war man Edel nicht sonderlich wohlgesinnt. Elisabeth sagte:

„Dies ewige überspannte Gequatsch von der Edel.“ Papa schalt über das

viele Auslaufen. Aber Renée ließ sich gar nicht davon abbringen.

Bewahre! Wenn es ihr doch Freude machte! Sie stand früher auf morgens,

und holte Edel ab zur Schule, und sie brachte Edel heim, und sprang

schnell auf eine fahrende Elektrische, um zeitig zurückzukommen. Und es

war ein sonderbar unruhiges Gefühl dabei. Weil es ein bißchen gefährlich

war, auf fahrende Bahnen zu springen. Aber zu Haus merkte es niemand,

und Gefahr war sehr gut, wenn man jemanden lieb hatte.

Einmal stand Renée in der Garderobe und zog ihren Mantel an. Sie hörte

hinter sich Edel sprechen. Renée stand ganz still. Edel also lud eine

von den andern ein zum Sonntag um vier Uhr. Renée wartete. Dann trat

Edel neben sie. „Willst du Sonntag um vier zu mir kommen?“ frug Edel.

Renée nickte. Sie konnte nichts sagen. Sie konnte nicht – aber Edel

schien auch nichts weiter zu erwarten. – Und nun ging es so langweilig

langsam bis Sonntag.

Bei Edel gab es sehr viel Kuchen und nachher Sekt. Es war furchtbar

fein, fand Renée, denn Elisabeth gab immer bloß so was, was Kinderbowle

hieß und gräßlich schmeckte. Nachher tanzten sie. Natürlich hätte Renée

Edel gern aufgefordert. Aber sie konnte nur als Dame tanzen. Zu dumm.

Aber auch das konnte sie eigentlich recht schlecht. Und sie genierte

sich. So kam es, daß sie immer bloß herumstand. Dann kam Edel. Sie

sagte: „Wollen wir tanzen?“ „Aber ich kann gar nicht.“ Edel sagte: „Ach,

das wird schon gehen.“ Dann tanzten sie. Sie hörten ziemlich bald wieder

auf. –

Zu Hause sagte Renée: „Papa, ich möchte Tanzstunden haben.“ Papa

murmelte irgend etwas, ob denn etwa der Blödsinn jetzt bereits losgehen

solle. Elisabeth sagte: „Ach, Papachen, es wäre eigentlich sehr gut.

Renée ist zu tollpatschig.“ Also erlaubte Papa. Seinetwegen könnten sie

aufstellen, was sie wollten, – ihm sei die ganze Affäre zuwider. –

Das Leben der Renée von Catte · 第 1 / 74 题