Die Akropodie

Die Natur müht sich bei der Erzeugung der Lebewesen auf sehr verschiedenen

Wegen; sie ist des Willens, daß sich das Menschengeschlecht durch die

Mitwirkung zweier Individuen erneuert, die sich in den hauptsächlichsten

Bestandteilen ihrer Organisation gleichen und bestimmt sind, dabei durch

besondere Mittel, die jedem zu eigen sind, mitzuwirken. Ebenso beschränkt

sich das Wesen eines Geschlechts nicht auf ein einziges Organ, sondern

erstreckt sich durch mehr oder minder merkbare Abstufungen auf alle

Körperteile. Das Weib z. B. ist nicht nur Weib an einer einzigen Stelle; es

ist es in all den Gesichtspunkten, von denen aus es ins Auge gefaßt werden

kann. Man möchte sagen, die Natur habe alles an ihm der Anmut und der Reize

wegen geschaffen, wenn man nicht wüßte, daß es einen sehr viel

wesentlicheren und edleren Zweck hat. Infolgedessen entsteht in allen

Wirkungen der Natur die Schönheit auf ein Gesetz hin, das in die Ferne

strebt, und indem sie schaffen will, was gut ist, schafft sie

notwendigerweise zu gleicher Zeit, was gefällt.

Das ist das Hauptgesetz, das die besonderen Abänderungen nur

beeinträchtigen, zumal Leidenschaften, Geschmacksrichtungen, Sitten, die

einer direkten Beziehung zu den Gesetzgebungen und Regierungen unterworfen,

stets aber der physischen Beschaffenheit, die in diesem oder jenem Klima

obwaltet, untergeordnet sind, sich mehr oder weniger von der dem Menschen

widerstrebenden Natur entfernen. So werden in heißen Ländern die dunklen,

kleinen, mageren, lebhaften, geistreichen Menschen weniger arbeitsam,

weniger kräftig, frühreifer und minder schön als die in den kalten Ländern;

Liebe wird da ein blindes hitziges Verlangen, ein glühendes Fieber, eine

verzehrende Notdurft, ein Schrei der Natur sein. In den kalten Ländern wird

diese weniger physische und moralischere Leidenschaft ein sehr maßvolles

Bedürfnis, ein überlegtes, erwogenes, analysiertes, systematisches Gefühl,

eine Frucht der Erziehung sein. Schönheit und Nutzen, oder alle Schönheiten

und Nutzen sind also nicht miteinander verknüpft, ihre Beziehungen

entfernen sich voneinander, schwächen sich ab, verändern sich; die

Menschenhand leistet fortwährend der Aktivität der Natur Widerstand,

manchmal beschleunigen unsere Bemühungen auch ihren Lauf.

Das wechselseitige Gesetz der physischen Liebe zum Beispiel ist in den

nördlichen und mittäglichen Ländern durch die menschlichen Einrichtungen

sehr geschwächt worden. Wir sind der Natur zum Hohn in ungeheure Städte

eingepfercht und haben ebenso die Klimata durch Öfen -- Werke unserer

Erfindung, deren ständige Anstrengung unsäglich machtvoll arbeitet --

verändert. In Paris, das eine selbst im Vergleich mit unseren mittäglichen

Provinzen recht niedrige Temperatur hat, sind die Mädchen eher mannbar als

in den selbst Paris benachbarten Landstrichen. Diese mehr schädliche als

etwa nützliche Prärogative, die sich an die ungeheure Hauptstadt knüpft,

hat moralische Gründe, die sehr häufig den physischen Gründen gebieten. Die

körperliche Frühreife wird von der frühzeitigen Übung der intellektuellen

Fähigkeiten bedingt, die sich mit der Zeit nur zum Nachteil der Sitten

schärfen. Die Kindheit ist kürzer, die früh entwickelte Jugend wird

erblich, die tierischen Funktionen und die Fähigkeit, sie auszuüben,

verstärken sich (denn sich vervollkommnen würde nicht das richtige Wort

sein) von Menschenalter zu Menschenalter. Nun stehen die körperlichen

Anlagen mit den geistigen Fähigkeiten in einer Beziehung zueinander, die

von der Generation vererbt sein kann.

Das ist eine große Wahrheit, die zur Genüge fühlbar macht, von welcher

Wichtigkeit eine klug ausgedachte nationale Erziehung für die

Gesellschaften sein würde!

Vielleicht wäre es vor allem für das verführerische Geschlecht notwendig,

daß es Arbeit leiste; denn bei fast allen zivilisierten Völkern, wo es dem

Anscheine nach geknechtet ist, gebietet es in Wirklichkeit dem herrschenden

Geschlechte. Es gibt Weiber, und das in sehr großer Zahl, bei denen die

Wirkungen der Empfindlichkeit die Spannkräfte jedes Organes umsomehr heben,

als dies Wesen, für das die Natur erstaunliche Kosten aufgewandt hat,

vervollkommnungsfähig ist! Die venerischen Krämpfe, die das Wesen der

Geschlechtsfunktionen ausmachen, die fruchtbaren Trankopfer werden besser

noch vom moralischen als mechanischen Standpunkte aus ins Auge gefaßt.

Zweifelsohne hängen sie von der mehr oder minder großen Empfindlichkeit des

wunderbaren Zentrums[A] ab, das periodisch aufwacht und sich wieder

beruhigt. Welchen Einfluß aber hat es nicht auch auf alle Teile des Wesens!

Wenn das Vergnügen dort wohnt, scheint die empfindsame, angenehm erregte

Seele sich ausdehnen, aufblühen zu wollen, um die Wahrnehmungen inniger in

sich aufnehmen zu können. Dieses Aufschwellen verbreitet überall das

köstliche Gefühl einer Vermehrung des Seins; die auf den Ton dieser

Empfindung gestimmten Organe verschönen sich, der an die süße Gewalt, die

in den gewöhnlichen Grenzen seines Seins entsteht, gekettete Mensch will

nichts weiter, weiß nichts weiter als zu fühlen. Setzt den Kummer an die

Stelle der Freude, und die Seele zieht sich in ein Zentrum zurück, das zu

einem unfruchtbaren Kerne wird und alle Körperfunktionen verschmachten

läßt. Ebenso wie Wohlbefinden und des Geistes Zufriedenheit, Freude,

Aufblühen der Seele, Lebhaftigkeit, Verschönerung des Körpers, Genugtuung,

Lächeln, Frohsinn oder die süße und zarte Freude der Empfindsamkeit und

ihre wollüstigen Tränen und ihre kraftvollen Umarmungen, und ihre heißen

Freuden, die der Trunkenheit gleichkommen, erzeugen, ebenso lassen das

Mühen des Geistes und seine Beunruhigungen die Seele sich in sich selber

zurückziehen, lähmen den Körper, erzeugen moralische und physische

Schmerzen und Schwäche und Niedergeschlagenheit und Trägheit. -- Der wäre

folglich weder närrisch noch strafbar, welcher nach dem Beispiele eines

asiatischen Despoten, aus anderen Beweggründen freilich, den Philosophen

und Gesetzgebern vorschlüge, neue Vergnügen ausfindig zu machen, und

ausriefe: »Epikur war der Männer weisester: Wollust ist und muß die

allmächtige Triebfeder unserer ganzen Art sein.«

[Fußnote A: Die Gebärmutter.]

Es gibt Spielarten unter den erschaffenen Wesen, die außergewöhnlich sein

würden, wenn man die Resultate einer beständigen, unermüdlichen,

authentischen Beobachtung[A] bekämpfen könnte, doch die aufgeklärte

Naturlehre muß ein ewiger Führer der Moral sein. Und daraus ergibt sich,

daß fast alle Zwangsgesetze schlecht sind, daß die Lehre der Gesetzgebung

nur nach allen übrigen Lehren ausgebildet werden kann.

Der Mensch aber, der der Erbfeind, der eifrigste Parteigänger, der große

Förderer und das bemerkenswerteste Opfer des Despotismus ist, hat zu allen

Zeiten alles richten, alles lenken, alles reformieren wollen. Daraus ergibt

sich die Menge der so ungerechten und so krausen Gesetze, der

unerklärlichen Einrichtungen und Gebräuche jeglicher Art. An ihrem Platze,

in solcher Zeit, zu solchen Umständen, an dem und dem Orte aber hat der

Tyrann der Natur die Natur ohne Rücksicht auf Zeiten, auf Örtlichkeit und

auf Umstände fortpflanzen und verzögern wollen. Unserer Ansicht nach ist

die Beschneidung eines der ungewöhnlichsten Gebräuche, die er sich

ausgedacht hat.

Mehrere Völker haben sie aus Gründen, die ihrer Ordnung und Natur

entsprechen, vollzogen, und das ist natürlich und klug. Andere haben sie

ohne Notwendigkeit als eine religiöse Observanz angenommen, und das scheint

vernunftwidrig. Die Ägypter sahen sie als eine Sache des Gebrauchs, der

Sauberkeit, der Vernunft, der Gesundheit und der physischen Notwendigkeit

an. Tatsächlich behauptet man, es gäbe Männer, die eine so lange Vorhaut

hätten, daß sich die Eichel nicht von selber entblößen könnte, woraus sich

eine speichelnde Ejakulation ergäbe, die ein beträchtliches Übel für das

Schöpfungswerk bedeute. Eine Vorhaut solcher Art zu verkleinern, ist

gewißlich ein vernünftiger Grund. Daß aber diese Vorhaut ein Gegenstand

hoher Verehrung bei dem auserwählten Volke Gottes gewesen ist, scheint mir

sehr sonderbar.

[Fußnote A: Wer würde zum Beispiel denken, daß die Brunst der Biene

tausendmal stärker ist als die des Elefanten?]

Tatsächlich ist Abrahams Vorhaut[A] das Siegel der Versöhnung, das Zeichen

des Bundes, der Pakt zwischen dem Schöpfer und seinem Volke; eine Vorhaut,

die hart geworden sein mußte, denn Abraham zählte neunundneunzig Jahre, als

er sich die Schnittwunde beibrachte; er tat desgleichen dann an seinem

Sohne und an allen Männern usw. Moses Weib beschnitt ebenfalls ihren Sohn;

das ging nicht ohne Hader vor sich, und sie entzweite sich mit ihrem

Gatten, der sie darnach nie wieder sah[B]. Diese Zeremonie nahm man damals

nur für einen bildlichen Ausdruck, denn man sprach von beschnittenen

Früchten[C], von der Beschneidung des Herzens usw.[D] Und sie wurde während

der ganzen Zeit aufgehoben, welche die Juden in der Wüste waren. So ließ

denn Josua beim Ausgange aus der Wüste eines schönen Tages das ganze Volk

beschneiden. Vierzig Jahre über hatte man die Vorhäute nicht beschnitten,

und nun gab's ihrer auf einen Schlag zwei Tonnen voll[E].

Als das Volk Gottes Könige hatte, tat man noch sehr viel mehr: man

heiratete für Vorhäute. Saul versprach David seine Tochter und forderte

hundert Vorhäute als Leibbeding[F]. David aber, der ein Held und edelmütig

war, wollte sich bei dieser köstlichen Gabe keine Grenzen setzen lassen und

brachte Saul zweihundert Vorhäute[G], dann heiratete er Michal. Man wollte

sie ihm streitig machen, aber seine Forderung war gerecht, und er erhielt

sie für seine Vorhautsammlung[H].

[Fußnote A: Genesis XVII, 24.]

[Fußnote B: Exodus IV, 25.]

[Fußnote C: Levitikus XIX, 23.

[Fußnote D: Deut. X, 16. ]

[Fußnote E: Josua V, 3 und 7.]

[Fußnote F: Könige XVIII, 25.]

[Fußnote G: Könige XVIII, 27.]

[Fußnote H: II. Könige III, 14.]

Große Streitigkeiten sind dieser Vorhäute wegen entstanden. Man betrachtete

die Beschneidung nicht nur als ein Sakrament des alten Glaubens, indem sie

ein Zeichen des Bundes Gottes mit Abrahams Nachkommenschaft war, man wollte

auch, daß dieser Hautlappen, den man vom männlichen Gliede abschnitt, den

Kindern die Erbsünde erlasse. Die Kirchenväter sind geteilter Ansicht

hierüber gewesen. Der heilige Augustinus, der diese Meinung vertritt, hat

alle die gegen sich, die ihm vorausgingen, und nach seiner Zeit den

heiligen Justinus, Tertullian, den heiligen Ambrosius usw. Deren

Hauptbeweisgrund leuchtet sehr ein. Warum, sagen sie, schneidet man den

Weibern nichts ab? Die Erbsünde befleckt sie alle genau so wie die Männer;

man müßte ihnen mit gutem Recht ja mehr abschneiden als denen, denn ohne

Evas Neugierde hätte Adam nimmer gesündigt.

Die Patres Conning und Coutu haben nach Herrn Huet behauptet, nichts wäre

weniger vernünftig, als daß man die Weiber beschnitte. Tatsächlich erklärt

Huet nach Origines klipp und klar, man beschnitte fast alle Ägypterinnen[A]

und schnitte ihnen einen Teil der Clitoris ab, die bei der Annäherung des

männlichen Geschlechts im Wege wäre; überdies erlitten sie dieselbe

Operation aus Religionsprinzip, um den Wirkungen der Üppigkeit Einhalt zu

tun, weil Kitzel und Erregung minder zu fürchten sind, wenn die Clitoris

weniger hervorragt.

[Fußnote A: Circumcisio feminarum sit refectione [Griechisch: tês gymphês]

(imo clitoridis) quae pars in australium milieribus ita excrescit, ut ferro

sit coercenda.]

Paul Jove und Münster versichern, daß die Beschneidung bei den Weibern der

Abessinier gebräuchlich sei. In diesem Lande ist sie sogar ein Zeichen des

Adels für das Geschlecht; auch nimmt man sie dort nur bei denen vor, die

von Nicaulis, der Königin von Saba, abzustammen behaupten. Die Frage der

Weiberbeschneidung ist also noch sehr wenig entschieden, und die Gelehrten

können sich noch darüber auslassen.

Eine recht verfängliche Operation müßte es geben, wenn man beschneiden

wollte, wo es nichts mehr abzusäbeln gibt. Wie zum Exempel wollte man bei

den Völkern vorgehen, die aus Sauberkeit oder Notwendigkeit die

Beschneidung vorgenommen hatten und zum Judentum übertraten, so daß man sie

des Bundes wegen nochmals beschneiden müßte? Anscheinend begnügt man sich

dann damit, der Rute einige Tropfen Blutes abzuzapfen an der Stelle, wo die

Vorhaut abgeschnitten worden ist. Und dies Blut nannte man das Blut des

Bundes. Doch dreier Zeugen bedurfte es, um dieser Zeremonie den Stempel der

Echtheit zu geben, wenn man keine Vorhaut mehr aufzuweisen hatte.

Die abtrünnigen Juden dagegen sind bestrebt, an sich die Spuren der

Beschneidung zu tilgen und sich Vorhäute zu machen.

Der Text der Makkabäer beweist das ausdrücklich. »Sie haben sich Vorhäute

gemacht und haben den Bund getäuscht«[A]. Der Apostel Paulus scheint im

ersten Briefe an die Korinther zu fürchten, daß die zum Christentum

übertretenden Juden desgleichen täten! »Wenn«, sagt er, »ein Beschnittener

zum neuen Glauben berufen ist, soll er sich keine neue Vorhaut machen«[B].

Der heilige Hieronymus, Rupert und Haimon streiten die Möglichkeit solchen

Tuns ab und glaubten, daß die Spuren der Beschneidung sich nicht verwischen

ließen. Die Patres Conning und Coutu jedoch haben mit Recht und durch Tat

bewiesen, daß die Sache möglich ist. Mit Recht durch die Unfehlbarkeit der

heiligen Schrift, durch Tat durch die Gewähr des Galienus und Celsus, die

behaupten, daß man die Spuren der Beschneidung auszulöschen vermöchte.

Bartholin[C] zitiert Oegnieltus und Fallopus, die das Geheimnis gelehrt

haben, dies Mal in dem Fleische des Beschnittenen zu vertilgen.

Buxdorf Sohn bestätigt in seinem Brief an Bartholin dies Geschehen selbst

durch Beweise von Juden. Da diese Materie überdies zu wichtig war, als daß

religiöse Menschen einige Zweifel darüber hätten bestehen lassen wollen,

haben die Patres Conning und Coutu am eigenen Leibe das von den eben

erwähnten Ärzten angegebene Verfahren erprobt.

Die Haut an sich ist bis zu einem Maße dehnbar, daß man es kaum zu glauben

vermöchte, wenn nicht die der Frauen in Schwangerschaft und die aus der

Haut lebender Wesen gemachten Gewänder alltägliche Beweise lieferten. Oft

sieht man auch Augenlider schlaff werden oder sich ungewöhnlich ausdehnen.

Nun ist die Haut der Vorhaut durchaus der der Augenlider ähnlich.

[Fußnote A: Iman. Ch. I, 16. Fecerunt sibi preputia et recesserunt a

testamento sancto.]

[Fußnote B: I. Korinther VII, 18.]

[Fußnote C: De morb. biblio.]

Da die Patres Conning und Coutu das genau eingesehen hatten, ließen sie

sich gesetzmäßig beschneiden; und als die Wurzel ihrer Vorhaut geheilt war,

befestigten sie ein so schweres Gewicht an ihr, wie sie es aushalten

konnten, ohne eine Zerrung hervorzurufen. Die unmerkliche Spannung und

Rosenöleinreibungen längs der Rute erleichterten die Verlängerung der Haut

bis zu dem Maße, daß Conning in dreiundvierzig Tagen sieben und ein viertel

Zoll gewann. Coutu, der eine härtere Haut besaß, konnte nur fünf und einen

halben Zoll vorweisen. Man hatte ihnen eine Büchse aus doppeltem Weißblech

hergestellt und an dem Gürtel befestigt, daß sie urinieren und ihren

Geschäften nachgehen konnten. Alle drei Tage besichtigte man die

Ausdehnung, und die besichtigenden Patres, die Kommission ad hoc genannt,

legten fast genau solche Register über das Erscheinen von Connings neuer

Vorhaut an, wie man es an der Pont Royal getan hat, um das Wachsen der

Seine zu messen.

Demnach ist's also genau bewiesen, daß die Bibel hinsichtlich der Männer

die Wahrheit verkündigt hat; hinsichtlich der Weiber aber haben Conning und

Coutu nicht die volle Genugtuung erhalten können. Kein Weib wollte

erlauben, daß man ihr ein Gewicht an die Clitoris hänge; wie es denn auch

heute keine gibt, die sich etwas von ihr abschneiden läßt, weder aus Angst

vor der Annäherung des Mannes (denn es gibt Auswege, die jedes Hindernis zu

umschiffen wissen, wie sich leichtlich begreifen läßt)[A], noch im Zeichen

des Bundes, weil es Tatsache ist, daß sie sich alle vermischen, ohne einer

Verringerung zu bedürfen. Man ist heute weit davon entfernt, über die

Verlängerung einer Clitoris betrübt zu sein . . . O, der Fortschritt der

Kunstgriffe in unserem Jahrhundert ist ungeheuer!

Bekanntlich schneiden die Türken die Haut ab und berühren sie nicht mehr,

während die Juden sie zerreißen und so leichter heilen. Übrigens machen die

Kinder Mahomeds die größte Feierlichkeit aus dieser Operation. Als Amurat

III. im Jahre 1581 seinen ältesten Sohn von vierzehn Jahren beschneiden

lassen wollte, schickte er einen Gesandten an Heinrich III., um ihn zur

Beiwohnung der Zeremonie mit der Vorhaut einzuladen, die im Monat Mai des

folgenden Jahres in Konstantinopel feierlich begangen werden sollte. Die

Liguisten und besonders ihre Prediger griffen die Gelegenheit dieser

Gesandtschaft beim Schopfe, um Heinrich III. den Türkenkönig zu nennen und

ihm vorzuwerfen, er sei der Pate des Großherrn.

Die Perser beschneiden Kinder im Alter von dreizehn Jahren zu Ehren

Ismaels; doch die merkwürdigste Methode hinsichtlich dieser Sitte übt man

auf Madagaskar aus. Dort schneidet man das Fleisch dreimal nacheinander ab,

die Kinder leiden sehr darunter, und der Verwandte, der die abgeschnittene

Vorhaut als erster aufhebt, schluckt sie hinter.

Herrera meldet, daß man bei den Mexikanern, wo man übrigens weder

Mohammedanismus noch Judentum kennt, den Kindern gleich nach der Geburt

Ohren und Vorhaut abschneidet, woran viele sterben.

[Fußnote A: Die Methode der Windhündin.]

Das ist das Bemerkenswerteste, was sich über diese Materie anführen läßt.

Man weiß nicht, ob Furcht vor Reibung und Reizung, die sie zur Folge haben,

die Juden der Bequemlichkeit beraubte, was wir Hosen nennen, zu tragen,

sicher ist's aber, daß die Israeliten keine trugen, worin unsere nicht

reformierten Kapuziner das Volk Gottes nachgeahmt haben. Da indessen die

Erektionen bei gewissen Zeremonien in Verwirrung hätten setzen können, war

es vorgeschrieben, sich dann eines Wärmtuches zur Aufnahme des

Geschlechtsteils zu bedienen[A]. Aron hat den Befehl dazu erhalten.

Indem ich dieses Stück beende, fällt mir ein, daß die Geschichte der

Vorhäute nicht recht anakreontisch ist; wenn man sich jedoch in den

heiligen Büchern unterrichten will, was gewißlich eines jeglichen Christen

Pflicht ist, muß man einen kräftigen Magen haben; denn man stößt da auf

Stellen, die von ungleich derberer Kost sind als die von mir aufgetischten.

Wenn man zum Exempel den David verfolgenden König Saul seinen Leib[B] in

einer Höhle erleichtern, in deren Tiefe ersterer versteckt war, und den

recht leise herausschleichen und mit der größten Gewandtheit das Hinterteil

von Sauls Kleide abschneiden, dann sobald der König sich wieder auf den Weg

gemacht, ihn ihm nacheilen sieht, um ihm zu beweisen, daß er ihn leichtlich

hätte pfählen können, daß er aber zu edel war, um ihn von hinten zu töten,

wenn man das sieht, sage ich, ist man erstaunt. Aber man fällt von einem

Erstaunen ins andere, man sieht Zug um Zug auf diesem ungeheuren und

heiligen Theater Menschen, die sich von ihren Ausscheidungen[C] nähren und

ihren Urin[D] trinken. Tobias wird durch Schwalbendreck blind. Esther

bedeckt sich das Haupt mit dem Schmutzigsten, was es auf Erden gibt[E]. Die

Faulen bewirft man mit Kuhdreck[F]. Jesaias sieht sich genötigt, die

ekelhaftesten Ausscheidungen des Menschenkörpers zu vertilgen[G]. Reiche

gibt's, die mit Kot beworfen werden[H], andere wieder besudelte man gar im

Tempel mit diesem Unrat; endlich stößt man auf Ezechiel, der dies seltsame

Ragout, das durch ein Wunder Gottes, welches nicht jedermann seiner Güte

würdig erscheint, sich in Kuhmist verwandelte[I], auf sein Brot strich[J]

. . . Wenn man all das sieht, dann erstaunt einen nichts mehr.

[Fußnote A: Levitikus, Kap. VI, 10. Faeminalibus lineis.]

[Fußnote B: B. d. Könige I, Kap. XXIV, 4. Erat quae ibi spelunca quam

impressus est Saul, ut purgeret ventrem.]

[Fußnote C: B. d. Könige 4, Kap. XVIII, 27. Comedant stercora sua et

bibant urinam suam.]

[Fußnote D: Tobias II, 11.]

[Fußnote E: Esther XXII, 2.]

[Fußnote F: Jesaias XXXVII, 12.]

[Fußnote G: Tren. IV, 5: Amplexati sunt stercora.]

[Fußnote H: Mal. II, 3.]

[Fußnote I: Ezech IV, 15.]

[Fußnote J: Ibid. IV, 12.]

Erotika Biblion · 第 8 / 14 题