Die Anandrine

Die berühmtesten Rabbiner sind der Meinung gewesen, daß unsere ersten Väter

beide Geschlechter in sich vereinigten und als Zwitter geboren wurden, um

die Fortpflanzung zu beschleunigen. Doch nachdem eine gewisse Zeit

verstrichen, hörte die Natur auf, so fruchtbar zu sein, zu der Zeit, wo die

Pflanzenstoffe nicht mehr für unsere Nahrung ausreichten und die Menschen

anfingen, sich des Fleisches zu bedienen.

Im Anfange war es sicher so, und wir haben in diesen Ausführungen[A]

gesehen, daß Adam zweigeschlechtlich erschaffen worden ist. Gott gab ihm

eine Gefährtin; doch die Schrift sagt nicht, ob Adam bei diesem Wunder eine

seiner Eigenschaften verlor. Da die Genesis sich also in keiner genauen

Weise über diesen Gegenstand äußert, hat das System der Rabbiner lange Zeit

eine große Anhängerschaft gehabt.

Man hat ein gemäßigteres System aufgestellt, das einigen Leuten

wahrscheinlicher vorgekommen ist. Daß es nämlich drei Arten von Wesen in

dem ersten Zeitraum gegeben habe, die einen männlich, die anderen weiblich,

andere männlich und weiblich in einem; daß aber alle Individuen dieser drei

Arten jedes vier Arme und vier Beine, zwei Gesichter, eines gegen das

andere gekehrt und auf einem einzigen Halse ruhend, vier Ohren, zwei

Geschlechtsteile usw. gehabt hätten. Sie gingen aufrecht; wenn sie aber

laufen wollten, schossen sie Purzelbaum. In ihre Ausschweifungen, ihre

Keckheit, ihren Mut teilten sie sich; daraus aber ergab sich ein großer

Übelstand: jede Hälfte versuchte unaufhörlich sich mit der anderen zu

vereinigen, und wenn sie sich trafen, umarmten sie sich so eng, so zärtlich

mit einem so köstlichen Vergnügen, daß sie sich zu keiner Trennung mehr

entschließen konnten. Ehe sie sich voneinander rissen, starben sie lieber

Hungers.

[Fußnote A: Siehe die Analytroide.]

Das Menschengeschlecht sollte zugrunde gehen. Gott tat ein Wunder: er

trennte die Geschlechter und wollte, daß die Wonne nach einem knappen

Zeitraume wiche, damit man etwas anderes täte, als einer an dem anderen

festkleben. Daher kommt es, und nichts ist einfacher, daß das weibliche

Geschlecht, getrennt von dem männlichen Geschlechte, eine glühende Liebe zu

den Männern bewahrt hat, und daß das männliche Geschlecht unaufhörlich

darnach trachtet, seine zärtliche und schöne Hälfte wiederzufinden.

Doch gibt es Weiber, die andere Weiber lieben? Nichts ist doch natürlicher:

es sind die Hälften der damaligen Weiber, die doppelt waren. Desgleichen

haben gewisse Männer, die Verdoppelung anderer Männer, einen

ausschließlichen Geschmack für ihr Geschlecht bewahrt.

Es ist nichts Wunderliches dabei, obwohl diese vereinten und entzweiten

Männerpaare sehr wenig anziehend erscheinen. Seht doch, wie sehr einige

Kenntnisse mehr oder weniger zu mehr oder weniger Duldung führen müssen!

Ich wünschte, daß diese Ideen den moralisierenden Maulhelden Ehrfurcht

einflößten. Man kann ihnen gewichtige Autoritäten anführen; denn dies

System, das in Moses seinen Ursprung hat, ist von dem erhabenen Plato sehr

erweitert worden. Und Louis Leroi, königlicher Professor zu Paris, hat über

diese Materie ungeheure Kommentare verfertigt, an denen Mercerus und

Quinquebze, die Lektoren des Königs für Hebräisch, erfolgreich

mitgearbeitet haben.

Man wird wohl nicht ärgerlich sein, hier Louis Lerois' eigene Verse

angeführt zu sehen:

Im ersten Alter, da die Welt von Kraut

Und Eicheln lebte, hat sie froh geschaut

Drei Menschenarten: zwei, sie sind noch jetzt,

Die dritte aber war zusammengesetzt

Aus Mann und Weib. Es ist wohl jedem klar,

Daß ihr der Schönheit Form zu eigen war.

Der Gott, der sie erschuf mit reicher Hand,

Schuf sie so schön er sich darauf verstand.

Zwei Köpfe; Füße, Arme hatten viere

Diese vernunftbegabten schönen Tiere.

Der Rest bleibt ungesagt, denkt ihn euch schön,

Denn besser wäre er gemalt zu sehn.

Und jeder Teil freut seines Leibs sich so:

Denn wandt er sich, sah er geküßt sich froh,

Sah sich umarmt, wenn er den Arm ausspannte,

Dacht' er, der andere schon die Antwort nannte.

In sich, was er zu seh'n begehrt', er sah

Und was er haben wollte, war schon da.

Stets trugen seine Füße schnell den Leib

Dorthin, wo ihm erblühte Zeitvertreib;

Und hatte er mißbraucht sein bestes Gut,

Wie leicht entschuldigte ihn da sein Mut!

Für ihn gabs weder Rechnung noch Bericht,

Und Ehrbarkeit und Schande kannt' er nicht.

Der einfach sich aus seiner Seele stahl,

Der Wunsch, erfüllte sich in Doppelzahl.

Wer das bedenkt, zu sagen ist bereit:

Damals, ja, herrschte die Glückseligkeit

Des goldnen Alters, o, welch schöne Zeit!

In ihrem Vorwort zum »Neuen Himmel« bekennt Antoinette Bourignon sich auch

zu diesem System, welches solcher Art zu sein scheint, daß es vom schönen

Geschlecht bedauert wird. Sie mißt dem Sündenfalle diese Trennung in zwei

Teile zu und sagt, sie habe in dem Menschen das Werk Gottes verunstaltet

und statt Menschen, die sie sein sollten, seien sie Ungeheuer von Natur aus

geworden, in zwei unvollkommene Geschlechter geteilt, unfähig,

ihresgleichen allein hervorzubringen, wie sich die Pflanzen hervorbrächten,

die darin sehr viel begünstigter und vollkommener wären, als das

Menschengeschlecht, das dazu verdammt sei, sich nur durch die sehr kurze

Vereinigung zweier Wesen fortzupflanzen, die, wenn sie dann einige Wonnen

empfanden, dies hohe Werk der Vervielfältigung nur mit großen Schmerzen

vollenden können.

Wie es sich auch mit diesen Gedanken verhalten mag, wir haben noch in

unseren Tagen ähnliche Erscheinungen gesehen, die den Glauben unterstützen,

daß Mose's Überlieferung kein Hirngespinst gewesen ist. Eine der

erstaunlichsten ist die eines Mönches zu Issoire in der Auvergne, wo der

Kardinal von Fleury im Jahre 1739 den Siegelbewahrer Chanvelin des Landes

verweisen ließ. Dieser Mönch besaß beide Geschlechter; man liest im Kloster

folgende diesbezüglichen Verse:

Ein junges Mönchlein ohne Lug

-- Ich selber habe ihn gesehen --

Des Manns und Weibs Geschlechtsteil trug,

Sah Kinder auch von ihm entstehen.

Und einzig nur durch sich allein

Zeugte, gebar er wie die Weiber,

Tat sich dazu kein Werkzeug leihn

Der wohlverseh'nen Männerleiber.

Indessen besagen die Klosterregister, daß dieser Mönch sich nicht selber

schwängerte; er wäre nicht Handelnder und Leidender in Eins gewesen. Er

wurde den Gerichten ausgeliefert und bis zu seiner Entbindung gefangen

gehalten. Nichtsdestoweniger fügt das Register folgende bemerkenswerte

Worte hinzu:

»Dieser Mönch gehörte dem hochwürdigen Herrn Cardinal von Bourbon; er besaß

beide Geschlechter und jedes von ihnen half sich dergestalt, daß er von

Kindern schwanger ward.«

Ich weiß, daß man einen Unterschied zwischen dem eigentlichen

Hermaphroditen und dem Androgynen machen kann. Androgyne und Hermaphrodit,

reine Erfindungen der Griechen, die alles im schönsten Lichte darzustellen

wußten und darstellen wollten, sind von allen Dichtern, die reizende

Beschreibungen von ihnen machten, nach Lust gefeiert worden, während die

Künstler sie unter den liebenswürdigsten Formen darstellten, die im

höchsten Grade geeignet waren, Gefühle der Wollust zu erwecken. Pandora

hatte nur durch die Vollkommenheiten ihres Geschlechts Erfolg. Der

Hermaphrodit vereinigte in sich alle Vollkommenheiten beider Geschlechter.

Er war die Frucht der Liebschaft zwischen Merkur und Venus, wie aus der

Etymologie des Namens hervorgeht[A]. Nun war Venus die Schönheit in der

Vollendung, bei Merkur kamen zu seiner persönlichen Schönheit noch Geist,

Kenntnisse und Talente hinzu. Man mache sich einen Begriff von einem

Individuum, in dem all diese Eigenschaften sich vereinigt finden, und man

wird den Hermaphroditen, wie ihn die Griechen dargestellt wünschten, vor

sich sehen. Die Androgynen dagegen sind, unter der wahren Beachtung ihres

Namens, nur Teilnehmer an den beiden Geschlechtern, die man Hermaphroditen

genannt hat, weil die Alten vorgaben, daß Merkurs und Venus Sohn beide

Geschlechter hätte. Aber es ist darum nicht minder wahr, daß, da es zu

allen Zeiten Weiber gegeben hat, die großen Vorteil aus dieser androgynen

Übereinstimmung gezogen haben, sie sich kostbar zu machen gewußt haben.

Lucian läßt in einem seiner Dialoge zwischen zwei Hetären die eine zur

anderen sagen: »Ich habe alles, wessen es bedarf, um deine Wünsche zu

befriedigen!« worauf die antwortet: »Du bist also ein Hermaphrodit?«[B] Der

Apostel Paulus wirft dies Laster den römischen Weibern vor[C]. Nur mit Mühe

vermag man zu glauben, was man im Athenaeus über Ausschweifungen dieser Art

liest, die Weiber begangen haben[D]. Aristophanes, Plautus, Phaedrus, Ovid,

Martial, Tertullian und Clemens Alexandrinus haben sie in mehr oder minder

offener Weise bezeichnet, und Seneca überschüttet sie mit den furchtbarsten

Flüchen[E].

Gegenwärtig sind vollkommene Hermaphroditen sehr selten; folglich scheint

die Natur diese androgynen Menschen nicht mehr hervorzubringen. Zugeben muß

man aber, daß man häufig auf Folgen dieser Teilung in zwei Wesen, die wir

eben auseinandergesetzt haben, stößt: zu allen Zeiten, sowohl im ältesten

Altertume, als auch in den neueren Zeiten näher liegenden Jahrhunderten,

hat man die entschiedenste Liebe von Weib zu Weib beobachtet. Lykurg, der

gestrenge Lykurg, der über so krause wie erhabene Dinge nachdachte, ließ

öffentlich Spiele aufführen, die man Gymnopaedieen nannte, bei denen die

jungen Mädchen nackend erschienen: laszivste Tänze, Posen, Annäherungen,

Verflechtungen wurden ihnen beigebracht. Das Gesetz bestrafte die Männer,

die die Kühnheit besaßen, ihnen beizuwohnen, mit dem Tode. Diese Mädchen

wohnten beieinander, bis sie sich verheirateten: der Zweck des Gesetzgebers

war höchstwahrscheinlich, sie die Kunst des Fühlens zu lehren, die die der

Liebe so sehr viel schöner macht, ihnen alle Abstufungen der sinnlichen

Empfindungen, die die Natur angibt oder für die sie empfänglich ist,

beizubringen, kurz sie unter sich sie derart üben zu lassen, daß sie eines

Tages zum Frommen der menschlichen Art all die Verfeinerungen anzuwenden

wußten, die sie sich gegenseitig zeigten. Kurz, man lehrte sie verliebt zu

sein, ehe sie einen Liebhaber hatten; denn man ist ohne Liebe verliebt, wie

man oft versichert, daß man liebt, ohne verliebt zu sein. Habe kein

Temperament, das will; liebe nicht, wenn du willst; das ist eine Moral von

der Art, wie sie Lykurg in seinen Gesetzen enthüllt; das ist die Moral, die

Anakreon wie Rosenblätter zwischen seine unsterblichen Tändeleien gestreut

hat. Wer hätte je gedacht, gleiche Grundsätze bei Anakreon und Lykurg zu

finden? Vor dem Dichter von Theos hatte Sappho sie in ein praktisches

System verwandelt und dessen Symptome beschrieben. O, welch eine Malerin

und Beobachterin war diese Schöne, die von allen Feuern der Liebe verbrannt

wurde!

[Fußnote A: Lucian I, Götterdialog XV, 2. Diodor. Sic. I, 4. Pag. 252. Ed.

Westhling.]

[Fußnote B: Hetärengespräche 5.]

[Fußnote C: An die Römer I.]

[Fußnote D: Buch IV, Kap. 15.]

[Fußnote E: Dii illas deaeque mala perdant! Adio perversum commentae genus

impudicitae! Viros meunt (Epist. XCV).]

Sappho, die man nur noch aus Fragmenten ihrer schwülen Gedichte und aus

ihren unglücklichen Liebschaften kennt, kann man als die berühmteste

Tribadin ansehen. Zur Zahl ihrer zärtlichen Freundinnen rechnet man die

schönsten Weiber Griechenlands, die sie zu Gedichten begeisterten. Anakreon

versichert, man fände in ihnen alle Merkmale der Liebeswut. Plutarch zieht

eine dieser Dichtungen als Beweis heran, daß die Liebe eine göttliche Wut

ist, die heftigere Verzückungen hervorruft, als die der Priesterin in

Delphi, der Bacchantinnen und der Priester der Cybele; man beurteile

darnach, welche Flamme das Herz verzehrte, das also begeisterte[A].

Sappho aber, die so lange in ihre Gefährtinnen verliebt war, opferte sie

dem undankbaren Phaon auf, der sie der Verzweiflung in die Arme warf. Würde

es nicht besser für sie getaugt haben, in den Eroberungen wie in den

Vertrautheiten fortzufahren, die durch die Geschlechtsgleichheit und die

Sicherheiten, die sie bietet, so erleichtert wurden und die ihres Geistes

Schwung ihr so mühelos verschaffen konnte? Umsomehr als sie mit all den

Vorzügen begabt war, die man sich für diese Leidenschaft, für die sie die

Natur bestimmt zu haben scheint, wünschen kann, denn sie hatte eine so

schöne Clitoris, daß Horaz der berühmten Frau das Beiwort mascula gab, was

so viel bedeutet wie Mannweib.

[Fußnote A: Zu Füßen der Sapphostatue von Silanion liest man: Sappho, die

ihre Geilheit selber besungen hat, und die bis zur Raserei verliebt war.]

Es scheint, daß die Schule der Vestalinnen als das berühmteste Serail der

Tribadinnen, das es je gegeben hat, angesehen werden kann, und man darf

ruhig behaupten, daß der Sekte der Androgynen in der Person dieser

Priesterinnen die größten Ehren zuteil geworden sind. Das Priesteramt war

keine der üblichen, einfachen und bescheidenen Einrichtungen in seinen

Anfängen, welche von der ungewissen Frömmigkeit abhängen und ihren Erfolg

nur der Laune verdanken. Es zeigte sich in Rom mit dem erhabensten Pomp:

Gelübde der Jungfräulichkeit, Hut des Palladiums, Anvertrauung und

Unterhaltung des heiligen Feuers[A], Symbol der Erhaltung der Herrschaft,

ehrvollste Vorrechte, ungeheurer Einfluß, Macht ohne Grenzen. Wie teuer

aber ist all das bezahlt worden mit der völligen Beraubung des Glücks, zu

dem die Natur alle Lebewesen beruft, und mit den furchtbaren Todesstrafen,

die der Vestalinnen harrten, wenn sie ihrem Rufe unterlagen! Wie würden

sie, jung und all der Lebhaftigkeit der Leidenschaften fähig, ohne Sapphos

Hilfsquellen dem entgangen sein, wo man ihnen die gefährlichste Freiheit

ließ und der Kult selber in ihnen die wollüstigsten Gedanken wach rief?

Denn bekanntlich opferten die Vestalinnen dem Gotte Fascinus, dargestellt

unter der Form des ägyptischen Thallum; und es gab seltsame feierliche

Handlungen, die bei diesen Opfern obwalten mußten: sie hefteten dies

Bildnis des männlichen Gliedes an die Wagen der Triumphatoren. So war das

heilige Feuer, das sie unterhielten, bestimmt, sich auf wahrhaft belebenden

Wegen im ganzen Reiche fortzupflanzen; ein solcher Gegenstand der

Betrachtung war wenig geeignet, den Blicken junger Mädchen ausgesetzt zu

sein, die Jungfräulichkeit gelobt hatten!

[Fußnote A: Vesta kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie

Feuer. Die Chaldäer und alten Perser nannten das Feuer avesta. Zoroaster

hat sein berühmtes Buch Avesta, Hüter des Feuers, genannt. Die Haustüre,

der Eingang heißt Vestibül, weil jeder Römer Sorge trug, das Feuer der

Vesta an seiner Haustüre zu unterhalten. Daher kommt es zweifelsohne, daß

man den Eintritt in die Vagina das Vestibül der Vagina nennt, wie wenn es

der Ort, wäre, wo man das erste Feuer dieses Tempels unterhält.]

Man sieht, daß die Tribaden des Altertums berühmte Vorbilder hatten. In

seinen palmyrenischen Altertümern führt der Abbé Barthelemi die Gewänder

an, mit denen sie öffentlich prunkten: es waren nach ihm[A] die Enomide und

die Callyptze. Die Enomide wand sich eng um den Körper und ließ die

Schultern frei. Was die Callyptze anlangt, so kennt man sie nur dem Namen

nach wie die Crocote, die tarentinische Lobbe, die Anobole, das Eucyclion,

die Cecriphale und die in lebhaften Farben gemalten Tuniken, die sehr

deutlich die Glut der Tribaden anzeigten, die unausgesetzt lüstern waren

wie die Wellen, die sich folgen, ohne jemals zu versiegen. Den Situationen

entsprechend, in denen sie sich befanden, legten sie diese Kleidungsstücke

an. Die Callyptze war für die Öffentlichkeit bestimmt, die Enomide trugen

sie, wenn sie Besuche bei sich empfingen. Der Tarentine bedienten sie sich

auf Reisen, die Crocote war für das Haus, wenn sie sich einsamer

Beschäftigung widmeten. Die Anobole für Tribaderie unter vier Augen, die

Cecriphale für nächtliche Stelldicheins, das Eucyclion, um ausgelassene

Gesellschaften abzuhalten, die gemalten Tuniken für große Verbrüderungen,

Orgien, und die Farbe der Tunika zeigte den Dienst an, mit dem die Tribade,

die sie trug, für den Tag beauftragt worden war. Jede Art des Beistandes

hatte ihre besondere leuchtende Farbe.

[Fußnote A: Zweifelsohne wird mir ein Unterrichteter hier mehr als eine

Schwierigkeit machen . . . Aber man würde nie zu Ende kommen, wenn man auf

alles antworten müßte.]

Es gibt bestimmte Fälle, in denen die Tribadie von sehr weisen Physikern

anempfohlen wurde. Bekanntlich konnte David seine Brunst nur durch Weiber

wiedergewinnen, die auf seinem Leibe tribadierten. Was Salomo anlangte, so

benutzte er zweifelsohne seine dreihundert Beischläferinnen nur dazu, sie

in seiner Gegenwart Evolutionen im großen machen zu lassen. In unseren

Tagen stellt man die idiopathische Glut im Mannesleibe durch die Spiele

einer Masse Weiber wieder her, in deren Mitte sich der niederläßt, der

seine Kräfte wiedererlangen will. Dies Heilmittel war von Dumoulin immer

erfolgreich angeraten worden. Man weiß, daß der Kranke, sobald er die

idiopathischen Wirkungen der Brunst fühlt, sich zurückziehen muß, um das

Weißglühen, das sich einzustellen scheint, sich beruhigen und kräftiger

werden zu lassen, anderenfalls würde er eine entgegengesetzte Wirkung

erzielen. Dies System fußt darauf, daß der Mensch nur der Gegenwart des

Objektes bedarf, um die Art der Hitze, um die es sich handelt, zu

verspüren, die ihn mehr oder minder stark bewegt, je nachdem er mehr oder

minder schwach ist. Im allgemeinen hält die öftere Wiederkehr dieser

Glutanwandlungen ebensolange oder länger als die Kräfte des Mannes an. Das

ist eine der Folgen der Möglichkeit, plötzlich an gewisse angenehme

Sensationen einzig bei der Besichtigung der Gegenstände, die sie einen

haben empfinden lassen, zu denken oder sie sich ins Gedächtnis

zurückzurufen. So sagte, wer behauptet, »daß, wenn die Tiere sich nur zu

bestimmten Zeiten paarten, es nur geschähe, weil sie Tiere seien«, ein sehr

viel philosophischeres Wort, als er dachte.

Übrigens ist bei der Tribadie wie in allem das Übermaß schädlich, es

entnervt statt anzureizen. Es kommen auch manchmal bei diesen Arten von

Ausübungen Untersuchungen zufolge merkwürdige und furchtbare Dinge vor. Vor

einiger Zeit geschah es in Parma, daß ein Mädchen, die sich angewöhnt

hatte, mit ihrer guten Freundin zu tribadieren, sich einer dicken Nadel mit

einem Elfenbeinknopf von Daumenlänge bediente, die bei den Stößen auf einen

falschen Weg gelangte und in die Harnblase geriet. Sie wagte ihr Abenteuer

nicht einzugestehen, duldete und litt, sie urinierte Tropfen für Tropfen;

am Ende von fünf Monaten hatte sich bereits ein Stein um die Nadel

gebildet, die man auf den üblichen Wegen herauszog. In den Klöstern, den

weiten Theatern der Tribadie, geschehen sehr viel ähnliche Dinge; hier

ist's ein Ohrlöffel, da eine Haarnadel, anderswo eine Strickscheide oder

eine Klistierröhre, wieder wo anders ein Tropfglas von Königin von

Ungarwasser, ein kleines Weberschiffchen, eine Kornähre, die von selber

hochsteigt, die die Vagina kitzelt und die das arme Nönnchen nicht mehr

herausziehen kann. Man könnte einen Band ähnlicher Anekdoten liefern.

Herr Poivre lehrt uns in seinen Reisebeschreibungen, daß die berüchtigtsten

Tribaden der Erde die Chinesinnen seien; und da in diesem Lande die Weiber

von Stand wenig gehen, tribadieren sie in den Hängematten. Diese

Hängematten sind aus einfacher Seide mit Maschen von zwei Finger im Quadrat

gefertigt, der Körper ist wollüstig darin ausgestreckt, die Tribaden wiegen

sich hin und her und reizen sich, ohne die Mühe zu haben, sich bewegen zu

müssen. Ein großer Luxus der Mandarinen ist's, in einem Saal inmitten von

Wohlgerüchen zwanzig solcher schwebenden Tribaden zu haben, die vor ihren

Augen einander Wonne bereiten. Der Harem des Großherrn hat keinen anderen

Zweck; denn was sollte ein einziger Mann mit so vielen Schönen anfangen?

Wenn der übersättigte Sultan sich vornimmt, die Nacht bei einer seiner

Frauen zu verbringen, läßt er seinen Sorbet im Zimmer der Rundungen, wie

man es nennt (All' hachi), auftragen. Dessen Mauern sind mit den laszivsten

Malereien bedeckt; am Eingange in dies Gemach sieht man eine Taube, und auf

der Seite, wo man hinausgeht, eine Hündin gemalt, Symbole der Wollust und

Geilheit.

Inmitten der Malereien liest man zwanzig türkische Verse, die die dreißig

Schönheiten der schönen Helena beschreiben, von denen Herr de Saint-Priest

kürzlich ein Fragment mit diesen Einzelheiten gesandt hat; das Fragment war

von einem Franzosen aus dem Quartier von Pera übersetzt worden[A].

[Fußnote A: Man merkt wohl, daß Herrn de Saint-Priest seine Würde

hinderte, dafür einzustehen; und irgendein durch diese Nichtanerkennung

ermutigter Litterat wird mit mir behaupten, daß diese Verse ganz einfach

eine Nachahmung aus: Silva nuptialis von J. de Nevisan sind. Hier sind sie:

Trigenta haec habeat quae vult formosa vocari

Femina; sic Helenam fama fuisse refert;

Alba tria et totidem nigra; et tria rubra puella,

Tres habeat longas res totidemque breves,

Tres crassas, totidemque graciles, tria stricta, totampla

Sint ibidem huic formae, sint quoque parva tria,

Alba cutis, divei dentes, albique capilli,

Nigri oculi, cunnus, nigra supercilia.

Labia, gene atque ungues rubri. Sit corpora longa,

Et longi crines, sit quoque longa manus,

Sintque breves dentes, aures-pes; pectora lata,

Et clunes, distent ipsa supercilia.

Cunnus et os strictum, strigunt ubi singula stricta,

Sint coxae et cullum vulvaque turgidula,

Subtiles digiti, crines et labra puellis;

Parvus sit nasus, parva mamilla, caput

Cum nullae aut raro sint haec formosa vocari,

Nulla puella potest, rara puella potest.

Aber ich bitte mir zu sagen, wo steckt die Unmöglichkeit, daß diese Verse

ins Türkische übersetzt im Harem sind? . . . Kurz, man begehre nicht auf

gegen Tatsachen.]

Ich will diese Verse nicht zu übersetzen versuchen; sie sind von keinem

Dichter gemacht worden. Diese arithmetische Berechnung, diese dreißig,

streng drei zu drei angeführten Eigenschaften, würden allen Schwung

erstarren lassen. Man schätzt Reize, die man anbetet, nicht ab, man

berauscht sich, man brennt, man bedeckt sie mit Küssen; nur dann fesselt

man. Eine Schöne, welche die Vorzüge, mit denen sie geschmückt ist, an den

Fingern abgezählt werden sieht, hält den Zähler für einen dummen Tropf und

würde selber eine traurige Figur machen. Es gibt ihrer mehr als dreißig, es

gibt ihrer mehr als tausend. Wie, wenn man Helena nackt sieht, behält man

einen klaren Kopf?[A] . . . Aber die Türken sind ja nicht galant.

[Fußnote A: Und wie sollte man mit Grazie und Anstand Worte wie cunnus,

clunes, culus, vulva in Verse bringen? Man würde sich an einem üblen Orte

kaum mit Ehren daraus ziehen. Und die Liebe will doch in einem Tempel

bedient werden.]

Der Sultan betritt diesen Saal, in dem die Stummen alles vorbereitet haben.

Er hockt in einer Ecke nieder, wo er sich auf die Erde legt, um die

Stellungen von einem günstigen Gesichtswinkel aus zu sehen. Raucht drei

Pfeifen und während der Zeit, die er darauf verwendet, erscheint, was Asien

an Vollkommenstem hervorbringt, nackt im Saal. Sie paaren sich zuerst nach

dem Bilde der schönen Helena, dann vermischen sie sich und bilden Gruppen

und Stellungen, zu denen die Mauern ihnen Beispiele geben, die sie dank

ihrer Gewandtheit übertreffen. Unter anderen gibt es in diesem wollüstigen

Raume auch sieben Gemälde Bouchers, deren eines die von Caravaggio

ersonnenen Stellungen darstellt; und der letzte Sultan ließ sie in Natur

nach dem Maler der Anmut ausführen. O, wenn man so viele Mühen aufwendete,

um die Sitten zu bilden, wie um sie zu verderben, um Tugenden zu schaffen,

wie Begierden zu erregen, dann würde der Mensch bald die höchste Stufe der

Vollendung, für die die Natur empfänglich ist, erreichen!

Erotika Biblion · 第 7 / 14 题