und schönsten; es hat fast lauter gute und viel schöne Häuser, zwei
Schulen, und die Nahrung seiner Einwohner ist nicht gering. Es liegt in
einem flachen Thale; gegen Morgen zieht sich mit Feldern und Aeckern,
um welche hier und da Gebüsche stehen, eine Gebirgsseite herab, welche
oben mit Wald bekränzt ist. Gegen das Ende des Dorfes bricht sich
das Gebirge und bildet mit dem gegenüber ragenden Berge eine große
Schlucht, durch welche hinauf die Häuser sich ziehen, welches zusammen
sehr schön aussieht. Nach Abend zu, auf der flachen Seite des Thales,
in welchem Bockau liegt, erblickt man nichts als Felder, durch welche
sich Wege und Steige winden und schräg oben fällt ein gemischter,
kleiner Wald mahlerisch in die Augen. Es ist diese Gegend in der That
eine der schönsten. O! wäre meine Feder vermögend, alle die Aussichten,
alle die abwechselnden Gegenstände zu zeichnen und zu schildern, welche
stets neu dem Auge sich darstellen! -- Wie schön z. B. nimmt sich
Bockau und seine Gegend aus, wenn man auf der Höhe bei Albernhau steht,
wie mahlerisch liegt es vor den Blicken des überraschten Wanderers
ausgebreitet! --
Durch die erwähnten Felder, welche man mit vielerlei Kräutern und
Arzenei-Gewächsen bepflanzt sieht, geht der Weg nach der erwähnten
Muldenbrücke, also über Albernhau und Zschorlau nach Schneeberg. Die
Gegend bei der Muldenbrücke habe ich schon geschildert, aber es sey
mir erlaubt, einen Anblick zu beschreiben, welcher mir auf dem Berge
vor Albernhau ward. --
Ein Regen nöthigte mich bei meiner Wanderung, in der überbauten
Muldenbrücke zu verweilen und unterdessen las ich die mancherlei Namen
und Witzeleien, die mit Kreide und Kohle darin angemahlt waren. Viel
Genuß fand ich hier freylich nicht. Als daher der Regen nachgelassen
hatte, machte ich mich auf und stieg den vor mir liegenden Berg hinan,
wo der Weg nach Albernhau führt. Auf der Höhe blieb ich stehen, um
auszuruhen und blickte mich um: o! welch' ein überraschender Anblick
entzückte mich! -- Da, wo die Bockauer Felder am vorliegenden Walde
sich endigten, bildete ein in verklärten Farben spielender Regenbogen
ein großes Thor, vor welchem Alles, nach mir zu, in grauen Nebelgewölk
gehüllt war: aber das dahinter liegende Bockau und seine angenehme
Gegend beleuchteten mit einem ausserordentlichen Lichte die Strahlen
der Sonne, daß es hinter finstern Wolken in der herrlichsten Verklärung
vor meinen trunkenen Blicken ausgebreitet lag. -- Der erhabene,
herrliche Anblick ergriff mein Herz, es war mir unmöglich mich davon
zu trennen und so stand ich, bis die Strahlen von Phöbus Antlitz
die grauen Gewölke zertheilten und Iris wieder zurück in den Himmel
kehrte. --
Wahrhaftig, wenn die Alten die Iris, oder den Regenbogen, eine Bothin
der Götter nannten, konnten sie kein erhabeneres Meteor wählen, denn
man fühlt bei diesem Anblicke die ganze Seeligkeit des Olymps! --
Die Gegend des untern Theiles von Albernhau ist auch sehr romantisch;
man sieht am Ende des grasigen Thales aus der dunkeln Waldung mehrere
Felsen aufragen, welches dem Auge einen besondern Genuß gewährt.
Wenn man aus dem Walde hinter Albernhau kommt, sieht man tief im Thale
erstlich Zschorlau, wie es sich so lang herabdehnt, und überhaupt
ist dieses Thal durch allerlei Abwechselungen verschönt; ferner
erblickt man die ganze Gegend um Schneeberg und sieht die Spitze des
Kirchthurmes hinter der mit Feldern bedeckten Höhe hervor blicken,
sieht Griesbach und alle die Berge, Teiche und Wälder und eilt freudig
und begierig nach Schneeberg selbst zu.
* * * * *
Wenn man diese Wanderungen bis hierher interessant gefunden hat, wird
es den Verfasser nicht reuen auf die kleinsten Gegenstände bisweilen
Rücksicht genommen und auch die verborgendsten Schluchten durchwandert
zu haben; denn ein Baum, ein Fels oder ein kleines Gebüsch, so
unbedeutend diese auch an und für sich selbst seyn mögen, tragen oft
im Einzeln viel zur Verschönerung einer Gegend bei. -- Auf dieser
Wanderung von Johanngeorgenstadt nach Schneeberg nimmt man sehr
deutlich den allmähligen Abfall vom minder Gefälligen und Fruchtbaren
wahr. Vorzüglich zeichnet sich die Gegend um Schneeberg äußerst
angenehm aus, ich zähle sie unter die schönsten des Erzgebirges, und
sollte man in den vorigen Wanderungen vielleicht nichts Interessantes
gefunden haben, so wird man es in diesen gewiß um so mehr finden.
Denn man glaube nicht, daß ich diese Wanderungen aus schriftlichen
Nachrichten zu Hause am Schreibepult gemacht und in ein Gewand gehüllt
habe, welches Unbekanntschaft mit den erwähnten Gegenden bedecken
sollte -- Nein! ich habe das obere Erzgebirge selbst durchwandert und
was ich erzähle, selbst gesehen. Diese kleine Erinnerung geschieht
deswegen: weil ich oft zu warm und zu begeistert sprach, und man dieses
in unserm korsarischen Zeitalter leicht für etwas anderes ansehen
möchte. --
II.
Schneeberg und die umliegenden nähern und entferntern Gegenden.
_Schneeberg_ verdient unstreitig unter die größern und schönern Städte
des Erzgebirges gezählt zu werden; es liegt auf einem ziemlich hohen,
breiten Berge, welcher gegen Nord-West sich mit einem größern Gebirge
vereinigt, so, daß es scheint, als wenn der Berg ein Ausdrang[43] jenes
Gebirges sey. Rings umher dehnen sich in einem Kessel nahe und entfernt
mehrere Gebirge und man sieht auf diese Art den Schneeberg[44] in
einem runden Thale sich erheben. Diese Gebirge sind theils mit Fluren,
Häusern und Zechen, theils mit Laub- und Nadelholz, mit Felsen und
Gebüschen bedeckt und geschmückt, und über die ganze Gegend ist ein
mildes, freundliches Licht verbreitet. --
Majestätisch hebt sich die schöne, große Kirche über die Stadt empor
und in der weitesten Ferne hört man den harmonischen Klang der
Thurmglocken. Eine Menge Gärten und Obstbäume umgeben das Ende der
Häuser und den grünenden Berg. Auf zwei Seiten ziehen sich die Häuser
herab an den Fuß des Berges, nämlich nach dem Schießhause zu auf der
einen, und nach _Neustädtel_ und dem Mühlberge zu auf der andern. Man
nennt daher diese Häuser, weil sie tief im Grunde liegen, die erste
Seite, den Schießhausgrund, die andere, den Mühlgrund, oder auch
schlechtweg den _Grund_. Jedoch auf der letztern Seite vereinigen sich
die Häuser so eng mit Neustädtel, daß der Fremde nicht das Ende und den
Anfang beider Städte wahrnehmen und auf diese Art Alles für ein Ganzes
halten wird.
Das Lyceum in Schneeberg ist von jeher wegen seiner Lehrer und der
zweckmäßigen Anstalten, vorzüglich aber wegen des gut eingerichteten
Singechors berühmt gewesen, welcher unter der Leitung und rastlosen
Thätigkeit des würdigen Herrn Cantor _Thomas_ zu einem der besten
gediehen und des Beifalls aller Fremden von jeher gewürdigt worden ist.
Hierbei darf ich des großen Konzerts nicht vergessen, welches aller
vierzehn Tage auf einem großen, zweckmäßig dazu eingerichteten Saale
des Rathhauses gegeben wird und wo man die größten Stücke meisterhaft
von einem stark besetzten Orchester aufführen hört. Ferner verdient
hier das, von dem ehemaligen Diakonus, jetzigen Superintendent in Gera,
Hrn. ~M.~ _Hahn_ gestiftete _Bürgermuseum_ einer schuldigen Erwähnung.
Für einem geringen Beitrag können alle Bürger, die ihren Geist bilden
und ihren Verstand aufklären wollen, Antheil an Vorlesungen über
Naturgeschichte, Veredlung und Bildung der Künste und Professionen,
Menschengröße und Menschenschwäche, kurz über alles Nützliche, nehmen.
Das Museum besitzt eine schöne Bibliothek und Naturaliensammlung,
Modelle u. dergl. und ist weit und breit her beschenkt worden.[45]
Freilich findet das Gute immer Widerstand und der verdienstvolle Herr
~M.~ _Hahn_ mußte manche Kränkung erfahren. -- --
In Schneeberg überhaupt ist es sehr lebhaft, es ist an und für sich
sehr volkreich und überdieß liegt immer eine beträchtliche Garnison
daselbst; sowohl der Schnitt- als auch der Materialhandel ist stark,
am stärksten aber wohl ist der Spitzenhandel; denn alle Spitzen,
welche in der umliegenden Gegend Meilenweit gefertigt werden, werden
in Schneeberg von den vorzüglichsten Handlungshäusern aufgekauft und
nach Leipzig, Frankfurt, Hamburg u. s. w. verführt. Wie viel hundert
Menschen ihr Brod dadurch haben, ist bekannt. -- Auch giebt es in
Schneeberg eine Buchhandlung und zwei Buchdruckereien, welche viel für
auswärtige Buchhandlungen drucken.
Was übrigens den Bergbau betrifft, so ist es meist Kobalt, was man
findet und finden will; man lese darüber in Merkels Erdbeschr. von
Sachsen. --
Auf dem Wege von Zschorlau hat man unstreitig den schönsten Anblick
von Schneeberg und der umliegenden Gegend. Zur Linken neben sich
erstlich breitet sich eine mit fruchtbaren Feldern und Aeckern
bedeckte Thalebene aus, durch deren Mitte hinab sie sich bis an den
erwähnten Grund _Neustädtel_ zieht. An dem obersten Ende sieht man
die Kirche mit ihrem spitzigen Thurme, neben welcher der Todtenacker
mit seiner weißen Mauer herauf blinkt. Auf dem hinter Neustädtel nach
Mittag zu, sich herum beugenden Gebirge sieht man mehrere Zechen,
worunter sich vorzüglich die thurmförmigen Göpelgebäude auffallend
auszeichnen. Weiter hinten bricht sich dieses Gebirge und bildet so mit
dem gegenüber steil aufragenden einen Thaleingang, woraus ein großer
Teich daher schimmert; hier geht der Weg nach dem Dorfe _Lindenau_.
Die Höhe des gegenüber liegenden Gebirges bedeckt ein großer Wald,
welcher in der dasigen Gegend vorzugsweise _der Forst_ genannt wird.
Dieses Gebirge dehnt sich nun seitwärts Neustädtel in einem kleinen
Bogen nach Schneeberg zu, wo es sich dann nach _Griesbach_ lenkt.
Bei Neustädtel nimmt sich die Sommerwohnung des Hrn. Kammerherrn und
Oberforstmeisters _von Lindenau_ sehr schön aus nebst dem umgebenden
Garten; aber vorzüglich schön präsentirt sich bei Schneeberg der
_Richter'sche Garten_, welcher in der ganzen Gegend berühmt ist und von
dem verstorbenen Kaufmann Richter in Schneeberg in der theuern Zeit
auf dieser Bergseite angelegt und eine Menge armer Menschen, welche
daran arbeiteten, dem Hungertode entrissen wurde. Gesegnet sei das
Andenken dieses wohlthätigen Mannes! -- Nun richtet man seine Blicke
auf Schneeberg, wie sich die Kirche so majestätisch erhebt, wie der
schöne Thurm des Rathhauses so frei über die Häuser aufsteigt und die
schiefernen Dächer so silbern daher schimmern, wie statt einer Mauer
die schönsten Obstgärten die Stadt umzingeln. Vorzüglich fällt aber das
_Scheider'sche_ Haus, ein wahres Palais, so wie das große Malzhaus und
das Bergmagazin-Gebäude lebhaft in die Augen. Ueberall fast, wohin man
blickt, sieht man Häuser und Menschen.
Hinter Schneeberg, gegen Abend zu, sieht man das hart vor der Stadt
ansteigende Dorf _Griesbach_ mit seinen Fluren, Gärten und Bäumen; auf
dem höchsten Puncte liegt die Kirche, hinter welcher sich weiterhin
ein dunkler Fichtenwald herumzieht. Daneben dehnt sich der _Keilberg_
sanft herab, man erblickt die Lindenallee bei dem Schießhause, das
romantische Gerichtswäldchen und das tiefer liegende Hammerholz, einen
angenehmen Wald; weiter vorn den _Wolfsberg_, welcher sich gegen
_Schlema_ hinab dehnt, dessen obersten Theil, nämlich einige Häuser
von Ober-Schlema, man hier auch erblickt. Doch über Alles dieses werde
ich mich noch weiter verbreiten. --
Der Standpunct selbst, von wo aus man diese Aussicht hat, ist auf der
Zschorlauer Höhe, nämlich auf dem Gebirge, welches zwischen Schneeberg
und Zschorlau sich erhebt. Weiter vorn, der Stadt gegenüber, wird
dieses Gebirge weit höher und steiler, ist von vermischter Waldung
beschattet und wird der _Kleesberg_ genannt; auf dem höchsten Gipfel
dieses Kleesberges ragen bei einem Felsen zwei hohe, alte Tannen auf,
daher nennt man den Berg oft auch den _Zweitannenberg_. Von ihm weiter
unten ein mehreres. --
So angenehm, so herrlich ist hier der Anblick dieser Gegend, so
abwechselnd und mannichfaltig liegen hier die Gegenstände vor unsern
Augen, liebe Leser! Aber sehr angenehm ist der Anblick von Schneeberg
auch, wenn man in Schlema, also auf der Morgenseite sich befindet.
Am Ausgange des schönen Thales, worin Schlema liegt, hebt sich der
Schneeberg hoch empor und auf seinem Scheitel breitet sich die Stadt
in der Länge aus; sehr erhaben ist hier wiederum der Anblick der hohen
Kirche, welche man von hier aus sehr weit wahrnehmen kann.
Auf dem Schneeberge selbst hat man die vortrefflichsten Aussichten.
Gegen Mittag hin sieht man in der sanften Ebene des Thales Neustädtel
hingegossen, hinter welchem _das Gebirge_[46] mit seinen Zechen
aufsteigt; allerlei Wege schlängeln sich durch die Gefilde und das
bebuschte Gebirge bei der Bartholomäi-Schenke fällt sehr angenehm in
die Augen. Vor sich sieht man den sogenannten Grund, worin die größte
Lebhaftigkeit herrscht; Halden flimmern zwischen den Häusern und
Feldern und hie und da sieht man an- oder ausfahrende Bergleute.
Geht man gegen Morgen zu, so hat man den weitansteigenden Kleesberg
gegenüber und vor sich ein tiefes, schönes Thal, woraus das Getöse des
Wassers und der Pochwerke dringt. Und richtet man seinen Weg endlich
gerade nach Morgen hin, so wird man durch den Anblick des herrlichen
Thals, wo sich Schlema hinab dehnt, und des Dorfes selbst überrascht.
Rechts am Eingange des Thales schmückt eine gemischte Waldung die
obere Gebirgsseite, an welcher hie und da Häuser und Bauerngüther
liegen; weiter hin wird das Gebirge flacher und fruchtbare Felder
breiten sich aus, an deren unterm Theile der von Gebüschen umgrünte
Floßgraben sich daher schlängelt. Links am Eingange zieht sich der
Wolfsberg eine Strecke hinab und bricht sich dann zurück, wodurch mit
der gegenüber aufragenden Bergseite wiederum ein ganz kleines Thal
sich bildet; Felsen und Gebüsche nimmt man auf seiner vordern Seite
wahr. Dann beim Ausgange des erwähnten kleinen Thales zieht sich um
eine hervorstehende Gebirgstirne fort, welche sehr steil und mit Felsen
bedeckt ist, zwischen denen einzelne Birken und Fichten aufragen.
Ueberhaupt hat diese Gebirgstirne, wie ich sie nannte, ungemein viel
Anziehendes und Romantisches; mehrere Häuser liegen von allerlei Bäumen
umschattet an ihrem Fuße hart an, und ernste Felsen heben sich dahinter
mahlerisch auf. Durch die Mitte dieses Thales, dessen Schönheiten alle
man nicht zu schildern vermag, breitet sich Schlema hinab; man sieht
die Kirche und die dahinter liegenden Blaufarbenwerk-Gebäude, woraus
weiße Rauchsäulen ruhig emporsteigen, und hinter Allen diesen hebt
sich am Ende eine mit dunkler Waldung bedeckte Gebirgwand auf, wodurch
der Anblick des Ganzen viel an seinem Abstechenden und Abwechselnden
gewinnt. Es ist eine herrliche, unvergleichliche Aussicht! -- Und so
ist die ganze Gegend um Schneeberg eine der schönsten, die man finden
kann; ich übertreibe nichts, wer aufmerksam und genau die Gegend
durchwandert hat, wird mir gewiß recht geben. Denn es ist nicht genug,
flüchtig seinen Blick auf solche Gegenstände zu richten, man muß
auch zugleich auf die Harmonie, den Contrast und die mannichfaltigen
Abwechselungen selbst Rücksicht nehmen. -- Doch wir wollen uns jetzt
mit der Betrachtung einzelner Gegenstände einlassen.
1.
Der Kleesberg.
Hohe und ausgezeichnete Gegenstände fallen natürlich zuerst und
vorzüglich in die Augen; dieß ist nun in der Gegend um Schneeberg mit
dem hohen, von zwei alten, großen Tannen ausgezeichneten Kleesberg
auch der Fall. Daher wollen wir ihn ersteigen und uns an der weiten
vortrefflichen Aussicht laben. Du aber, der du kein Gebirger und also
das Bergsteigen nicht gewohnt bist, sprich deinen Füssen Muth ein und
verwahre dich mit einem langen und zollstarken Geduldsfaden; denn du
wirst das Steigen ziemlich beschwerlich finden! --
Der nächste Weg von der Stadt aus führt den Bathsemberg hinab; es ist
dieses der zwischen Morgen und Mittag liegende Theil des Schneeberges,
an dessen Fuße eine Mühle, Bathsem-Mühle genannt, liegt, wovon der Berg
diesen Namen erhielt. Zur Rechten des Weges hinab zieht sich ein hoher
lebendiger Zaun, welcher zum Theil einen Grasgarten einschließt, worin
man einige kleine Ruinen und einen verfallenen Thurm findet. Ueberhaupt
hat man von hier eine sehr angenehme Aussicht in das vorliegende,
enge Thal hinab, welches von einem Bache und einem Wege parallel
durchschnitten wird; man sieht unter sich an der Seite des Berges hohe,
klippenvolle Felsen, wo man von Angst und Schwindel überfallen wird,
wenn man darauf steht und hinunter blickt. Gegenüber ragt der auf einer
Seite mit Feldern, auf der andern mit Waldung bedeckte hohe Kleesberg
auf, an dessen unterm Theile zwischen Bäumen versteckt ein Guth liegt,
das Bergmeisterguth[47] genannt. Am obern Ausgange dieses Thales sieht
man die letzten Häuser des Grundes, Neustädtel und das sogenannte
Gebirge; an dem untern erblickt man einen Theil von Oberschlema und die
darum liegenden waldigen und waldlosen Berge. In diesem Thale hatte
ich das Glück, zum erstenmal den würdigen, verdienstvollen _Herder_
aus Weimar anzutreffen, der durch den Tod nachher der Welt zu früh
entrissen wurde.
Doch wir gehen nun wieder auf den Weg zurück und den Berg vollends
hinab. Bei der Mühle kommen wir über den Bach und richten unsere
Schritte auf den, am Ende des Waldes schräg ansteigenden Weg, welcher
zu dem erwähnten Bergmeisterguthe führt. Buchen, Fichten und Kiefern
in schöner Mischung, mit einzelnen bemooßten Felsenblöcken, vom
Gesange der Vögel belebt, ergötzen zur Linken unser Auge; aber hinter
uns wollen wir durchaus nicht sehen, bis wir uns auf der Spitze des
Berges befinden. Und so sind wir jetzt an das Guth gekommen, welches
wir aber rechts liegen und am Saume des Waldes auf dem grasigen Boden
empor steigen. Hier sehen wir, so wie auch ein wenig weiter oben,
einen Pfad durch den Wald, wo es sich äußerst angenehm wandelt; auch
findet man hier am Saume der Waldung eine kühle Nische mit Rasensitzen,
welche der Herr Bergcommissionsrath _von Herder_, als er sich noch
als Bergassessor in Schneeberg befand, anlegen ließ, und _Herders
Ruhe_ genannt wird. Immer weiter steigen wir empor am Saume des Waldes
und blicken hinein in das grüne Dunkel, wo hie und da graue Felsen,
von Buchen grün umdüstert, aufragen. Jetzt zieht sich das Holz ein
wenig quer vor und wird dünner; wir kommen hier an einen kleinen,
schieferartigen Fels, an dessen Fuße eine kühle Quelle hervor rinnt,
welches auf dieser Höhe des Berges sehr überrascht, denn wir haben
schon eine schöne Strecke zurück gelegt. Neben uns, rechts auf der
übrigen Seite des Gebirges dehnen sich Felder und Fluren herab, auf
welchen der Schäfer mit seiner Heerde herumzieht.
Nun haben wir den Wald hinter uns und nicht mehr zur Seite, und vor uns
sehen wir den übrigen, allmähliger aber noch weit genug ansteigenden
Theil des Berges, auf dessen Spitze die zwei hohen Tannen aufragen.
Der Boden ist nun nicht mehr gleich und begraßt, sondern mit kleinen
Hügeln, Sträuchern und Gestrippen bedeckt, daß man dadurch gänzlich
ermüdet wird, ehe man zum Ziele kommt. Die Waldung zieht sich unten in
gerader Linie fort und vereinigt sich mit dem übrigen Forste, welcher
dieses Gebirge auf der Morgenseite bedeckt. --
Jetzt endlich nach langem, ermüdenden Steigen sind wir oben; wir
haben den kleinen Fels erreicht, unfern der beiden ernsten Tannen,
wir ersteigen den Fels und sehen umher und hinab, und staunen und
fühlen eine heilige Wollust, können keine Worte finden und spähen
mit trunkenen Blicken umher. Welche Ueberraschung, welche Mischungen
und Abwechselungen! -- Schneeberg, wo wir uns erst so hoch dünkten
und manche Aussichten hatten, liegt da unten vor unsern Füssen in
einem Thale jetzt, rund und kesselförmig von Gebirgen eingeschlossen;
silbern blitzen im Glanze der Abendsonne die Schieferdächer, kleiner
ragen Thurm und Kirche über die Stadt und aus den Schornsteinen
steigen hier und da weiße Rauchsäulen empor. Gärten schlingen sich
um den Berg, Wege und Bäche durchschneiden sich und aus dem Grün der
Bäume schimmern die rothen Dächer der Richterschen Gartengebäude
daher. Ausgegossen zwischen Fluren und Aecker durch die Fläche des
Thales liegt Neustädtel; Halden und Gebüsche bedecken einzeln die
Gebirgsseiten und hinter dem Teiche dort, aus dem Eingange eines neuen
Thales, blickt Lindenau daher. Waldige Berge erheben sich dahinter und
bieten neue Aussichten, nach dem Voigtlande zu, dar. Sanft dehnt sich
Griesbach herab mit seinen Fluren, Gärten und Teichen, und weiter
unten flimmert der Spiegel des Herrnteiches;[48] höher herab dehnt sich
der Keilberg mit Aeckern, Feldern und Wegen, und oben blinken durch die
Lücken der Waldung ebenfalls mehrere Teiche herüber. Das Schießhaus
mit seinen dichten Hopfengärten und der schattigen Lindenallee, das
isolirte Gerichtswäldchen, die ganze mit Fluren bedeckte Fläche,
die mit allerlei Wäldern und Felsen belebten Gebirge und kleine und
größere Thäler stellen sich dem entzückten Auge auf die herrlichste
Weise dar. -- Mehr gegen Morgen sehen wir ganz Schlema durch das
romantische Thal ausgebreitet, ein herrlicher Anblick! Dahinter stellen
sich unsern Blicken alle die fernen Dörfer und Städte dar, welche
man nur durch Hülfe eines Fernrohrs deutlicher erkennen kann. Und
endlich gegen Morgen zu die unübersehbare Reihe theils kahler, theils
waldiger, theils mit Häusern bedeckter Berge, die sich in den fernsten
Horizont verlieren; vorzüglich nimmt sich das auf einer Berghöhe
ausgegossene _Bernsbach_ sehr schön aus, dahinter blickt im Nebelgrau
der grabförmige _Pöhlberg_ bei _Annaberg_ majestätisch herüber. Man
sieht Bockau und die ganze Gegend, dann näher vor sich Zschorlau und
endlich gegen Mittag ragt über alle Gebirge hoch der Auersberg, welchen
man überhaupt bei Schneeberg sehr gut wahrnehmen kann. Es läßt sich
wahrhaftig nicht Alles mit der Feder aufzeichnen und schildern, was und
wie man es sieht; man könnte wieder, so wie von den Aussichten auf
dem Auersberge, ein besonderes Buch schreiben. Man sieht eine Strecke
des Voigtlandes, einen großen Theil des Schönburgischen Landes und des
übrigen obern Gebirges, nebst den böhmischen Gebirgen. --
Hier saß ich oft auf diesem Felsensitze, wenn die Sonne sank und durch
einzelne schwarze Fichten mit dem Golde ihrer Strahlen mich scheidend
beleuchtete, wenn der Abendglocken Feierschall aus den Thälern empor
schwebte und Hesperus am Azur funkelte, -- hier saß ich oft einsam und
starrte mit trunkenen Blicken umher, hatte so viel zu hoffen und noch
mehr zu wünschen; doch die Zeit lößte, was so fest gebunden schien, --
die Ewigkeit der Menschen währt kaum Jahre lang. --
Aber es ist nicht genug, der entzückenden Aussicht zu erwähnen, welche
man auf dem Kleesberge hat; auch den Berg selbst wollen wir untersuchen
und es wird uns nicht an Ueberraschung und Genuß mangeln.
Gegen Schneeberg hin bildet sich weiter unten ein freier, von Wald auf
drei Seiten umgebener, Platz, welchen kleine Gesträuche bedecken und
wo sich eine alte, weitästige Buche erhebt, in deren Rinde mehrere
Namens-Buchstaben eingeschnitten sind. Es ist sehr angenehm hier und
vorzüglich in dem Dunkel des Tannenwaldes, welcher sich gegen Morgen
zu schräg am Gebirge hinab dehnt; hier fand ich mehrere von Steinen
zusammen gebaute Sitze, mit Moose bedeckt, vermuthlich Asyle geheimer
Liebe.