VII.

Zur Psychologie der Traumvorgänge.

Unter den Träumen, die ich durch Mitteilung von Seite anderer erfahren

habe, befindet sich einer, der jetzt einen ganz besonderen Anspruch auf

unsere Beachtung erhebt. Er ist mir von einer Patientin erzählt worden,

die ihn selbst in einer Vorlesung über den Traum kennen gelernt hat;

seine eigentliche Quelle ist mir unbekannt geblieben. Jener Dame aber

hat er durch seinen Inhalt Eindruck gemacht, denn sie hat es nicht

versäumt, ihn »nachzuträumen«, d. h. Elemente des Traumes in einem

eigenen Traume zu wiederholen, um durch diese Übertragung eine

Übereinstimmung in einem bestimmten Punkte auszudrücken.

Die Vorbedingungen dieses vorbildlichen Traumes sind folgende: Ein Vater

hat Tage und Nächte lang am Krankenbette seines Kindes gewacht. Nachdem

das Kind gestorben, begibt er sich in einem Nebenzimmer zur Ruhe, läßt

aber die Tür geöffnet, um aus seinem Schlafraume in jenen zu blicken,

worin die Leiche des Kindes aufgebahrt liegt, von großen Kerzen

umstellt. Ein alter Mann ist zur Wache bestellt worden und sitzt neben

der Leiche, Gebete murmelnd. Nach einigen Stunden Schlafes träumt der

Vater, _daß das Kind an seinem Bette steht, ihn am Arme faßt und ihm

vorwurfsvoll zuraunt: Vater, siehst du denn nicht, daß ich verbrenne?_

Er erwacht, merkt einen hellen Lichtschein, der aus dem Leichenzimmer

kommt, eilt hin, findet den greisen Wächter eingeschlummert, die Hüllen

und einen Arm der teuren Leiche verbrannt durch eine Kerze, die brennend

auf sie gefallen war.

Die Erklärung dieses rührenden Traumes ist einfach genug und wurde auch

von dem Vortragenden, wie meine Patientin erzählt, richtig gegeben. Der

helle Lichtschein drang durch die offen stehende Tür ins Auge des

Schlafenden und regte denselben Schluß bei ihm an, den er als Wachender

gezogen hätte, es sei durch Umfallen einer Kerze ein Brand in der Nähe

der Leiche entstanden. Vielleicht hatte selbst der Vater die Besorgnis

mit in den Schlaf hinübergenommen, daß der greise Wächter seiner Aufgabe

nicht gewachsen sein dürfte.

Auch wir fänden an dieser Deutung nichts zu verändern, es sei denn, daß

wir die Forderung hinzufügten, der Inhalt des Traumes müsse

überdeterminiert, und die Rede des Kindes aus Reden zusammengesetzt

sein, die es im Leben wirklich geführt, und die an dem Vater wichtige

Ereignisse anknüpfen. Etwa die Klage: Ich verbrenne, an das Fieber, in

dem das Kind gestorben, und die Worte: Vater, siehst du denn nicht? an

eine andere uns unbekannte, aber affektreiche Gelegenheit.

Nachdem wir aber den Traum als einen sinnvollen, in den Zusammenhang des

psychischen Geschehens einfügbaren Vorgang erkannt haben, werden wir uns

verwundern dürfen, daß unter solchen Verhältnissen überhaupt ein Traum

zu stande kam, wo das rascheste Erwachen geboten war. Wir werden dann

aufmerksam, daß auch dieser Traum einer Wunscherfüllung nicht entbehrt.

Im Traume benimmt sich das tote Kind wie ein lebendes, es mahnt selbst

den Vater, kommt an sein Bett und zieht ihn am Arme, wie es

wahrscheinlich in jener Erinnerung tat, aus welcher der Traum das erste

Stück der Rede des Kindes geholt hat. Dieser Wunscherfüllung zuliebe hat

der Vater nun seinen Schlaf um einen Moment verlängert. Der Traum

erhielt das Vorrecht vor der Überlegung im Wachen, weil er das Kind noch

einmal lebend zeigen konnte. Wäre der Vater zuerst erwacht und hätte

dann den Schluß gezogen, der ihn ins Leichenzimmer führte, so hätte er

gleichsam das Leben des Kindes um diesen einen Moment verkürzt.

Es kann kein Zweifel darüber sein, durch welche Eigentümlichkeit dieser

kleine Traum unser Interesse fesselt. Wir haben uns bisher vorwiegend

darum gekümmert, worin der geheime Sinn der Träume besteht, auf welchem

Wege derselbe gefunden wird und welcher Mittel sich die Traumarbeit

bedient hat, ihn zu verbergen. Die Aufgaben der Traumdeutung standen bis

jetzt im Mittelpunkte unseres Blickfeldes. Und nun stoßen wir auf diesen

Traum, welcher der Deutung keine Aufgabe stellt, dessen Sinn unverhüllt

gegeben ist, und werden aufmerksam, daß dieser Traum noch immer die

wesentlichen Charaktere bewahrt, durch die ein Traum auffällig von

unserem wachen Denken abweicht und unser Bedürfnis nach Erklärung rege

macht. Nach der Beseitigung alles dessen, was die Deutungsarbeit angeht,

können wir erst merken, wie unvollständig unsere Psychologie des Traumes

geblieben ist.

Ehe wir aber mit unseren Gedanken diesen neuen Weg einschlagen, wollen

wir haltmachen und zurückschauen, ob wir auf unserer Wanderung bis

hieher nichts Wichtiges unbeachtet gelassen haben. Denn wir müssen uns

klar darüber werden, daß die bequeme und behagliche Strecke unseres

Weges hinter uns liegt. Bisher haben alle Wege, die wir gegangen sind,

wenn ich nicht sehr irre, ins Lichte, zur Aufklärung und zum vollen

Verständnis geführt; von dem Moment an, da wir in die seelischen

Vorgänge beim Träumen tiefer eindringen wollen, werden alle Pfade ins

Dunkel münden. Wir können es unmöglich dahin bringen, den Traum als

psychischen Vorgang _aufzuklären_, denn erklären heißt auf Bekanntes

zurückführen, und es gibt derzeit keine psychologische Kenntnis, der wir

unterordnen könnten, was sich aus der psychologischen Prüfung der Träume

als Erklärungsgrund erschließen läßt. Wir werden im Gegenteil genötigt

sein, eine Reihe von neuen Annahmen aufzustellen, die den Bau des

seelischen Apparates und das Spiel der in ihm tätigen Kräfte mit

Vermutungen streifen, und die wir bedacht sein müssen, nicht zu weit

über die erste logische Angliederung auszuspinnen, weil sonst ihr Wert

sich ins Unbestimmbare verläuft. Selbst wenn wir keinen Fehler im

Schließen begehen und alle logisch sich ergebenden Möglichkeiten in

Rechnung ziehen, droht uns die wahrscheinliche Unvollständigkeit im

Ansatz der Elemente mit dem völligen Fehlschlagen der Rechnung. Einen

Aufschluß über die Konstruktion und Arbeitsweise des Seeleninstrumentes

wird man durch die sorgfältigste Untersuchung des Traumes oder einer

anderen _vereinzelten_ Leistung nicht gewinnen oder wenigstens nicht

begründen können, sondern wird zu diesem Zwecke zusammentragen müssen,

was sich bei dem vergleichenden Studium einer ganzen Reihe von

psychischen Leistungen als konstant erforderlich herausstellt. So werden

die psychologischen Annahmen, die wir aus der Analyse der Traumvorgänge

schöpfen, gleichsam an einer Haltestelle warten müssen, bis sie den

Anschluß an die Ergebnisse anderer Untersuchungen gefunden haben, die

von einem anderen Angriffspunkte her zum Kerne des nämlichen Problems

vordringen wollen.

a) _Das Vergessen der Träume_.

Ich meine also, wir wenden uns vorher zu einem Thema, aus dem sich ein

bisher unbeachteter Einwand ableitet, der doch geeignet scheinen könnte,

unseren Bemühungen um die Traumdeutung den Boden zu entziehen. Es ist

uns von mehr als einer Seite vorgehalten worden, daß wir den Traum, den

wir deuten wollen, eigentlich gar nicht kennen, richtiger, daß wir keine

Gewähr dafür haben, ihn so zu kennen, wie er wirklich vorgefallen ist

(vgl. p. 34). Was wir vom Traume erinnern, und woran wir unsere

Deutungskünste üben, das ist erstens verstümmelt durch die Untreue

unseres Gedächtnisses, welches in ganz besonders hohem Grade zur

Bewahrung des Traumes unfähig scheint, und hat vielleicht gerade die

bedeutsamsten Stücke seines Inhaltes eingebüßt. Wir finden uns ja so

oft, wenn wir unseren Träumen Aufmerksamkeit schenken wollen, zur Klage

veranlaßt, daß wir viel mehr geträumt haben und leider davon nichts mehr

wissen als dies eine Bruchstück, dessen Erinnerung selbst uns

eigentümlich unsicher vorkommt. Zweitens aber spricht alles dafür, daß

unsere Erinnerung den Traum nicht nur lückenhaft, sondern auch ungetreu

und verfälscht wiedergibt. So wie man einerseits daran zweifeln kann, ob

das Geträumte wirklich so unzusammenhängend und verschwommen war, wie

wir's im Gedächtnisse haben, so läßt sich anderseits in Zweifel ziehen,

ob ein Traum so zusammenhängend gewesen ist, wie wir ihn erzählen, ob

wir bei dem Versuche der Reproduktion nicht vorhandene oder durch

Vergessen geschaffene Lücken mit willkürlich gewähltem neuen Material

ausfüllen, den Traum ausschmücken, abrunden, zurichten, so daß jedes

Urteil unmöglich wird, was der wirkliche Inhalt unseres Traumes war. Ja

bei mehreren Autoren (_Spitta_, _Foucault_, _Tannery_) haben wir die

Mutmaßung gefunden, daß alles, was Ordnung und Zusammenhang ist,

überhaupt erst bei dem Versuche, sich den Traum zurückzurufen, in ihn

hineingetragen wird. So sind wir in Gefahr, daß man uns den Gegenstand

selbst aus der Hand winde, dessen Wert zu bestimmen wir unternommen

haben.

Wir haben bei unseren Traumdeutungen bisher diese Warnungen überhört. Ja

wir haben im Gegenteil in den kleinsten, unscheinbarsten und

unsichersten Inhaltsbestandteilen des Traumes die Aufforderung zur

Deutung nicht minder vernehmlich gefunden, als in dessen deutlich und

sicher erhaltenen. Im Traume von Irmas Injektion hieß es: Ich rufe

_schnell_ den Doktor M. herbei, und wir nahmen an, auch dieser kleine

Zusatz wäre nicht in den Traum gelangt, wenn er nicht eine besondere

Ableitung zuließe. So kamen wir zur Geschichte jener unglücklichen

Patientin, an deren Bett ich »schnell« den älteren Kollegen berief. In

dem scheinbar absurden Traume, der den Unterschied von 51 und 56 als

quantité négligeable behandelt, war die Zahl 51 _mehrmals_ erwähnt.

Anstatt dies selbstverständlich oder gleichgültig zu finden, haben wir

daraus auf einen zweiten Gedankengang in dem latenten Trauminhalt

geschlossen, der zur Zahl 51 hinführt, und die Spur, die wir weiter

verfolgten, führte uns zu Befürchtungen, welche 51 Jahre als

Lebensgrenze hinstellen, im schärfsten Gegensatz zu einem dominierenden

Gedankenzug, der prahlerisch mit den Lebensjahren um sich wirft. In dem

Traume »_Non vixit_« fand ich als unscheinbares Einschiebsel, das ich

anfangs übersah, die Stelle: »_Da P. ihn nicht versteht, fragt mich Fl.

etc._« Als dann die Deutung stockte, griff ich auf diese Worte zurück

und fand von ihnen aus den Weg zu der Kinderphantasie, die in den

Traumgedanken als intermediärer Knotenpunkt auftritt. Es geschah dies

mittels der Zeilen des Dichters:

Selten habt Ihr mich _verstanden_,

Selten auch verstand ich Euch,

Nur wenn wir im _Kot_ uns fanden,

So verstanden wir uns gleich!

Der Zweifel an der Treue der Traumerinnerung.

Jede Analyse könnte mit Beispielen belegen, wie gerade die

geringfügigsten Züge des Traumes zur Deutung unentbehrlich sind, und wie

die Erledigung der Aufgabe verzögert wird, indem sich die Aufmerksamkeit

solchen erst spät zuwendet. Die gleiche Würdigung haben wir bei der

Traumdeutung jeder Nuance des sprachlichen Ausdruckes geschenkt, in

welchem der Traum uns vorlag; ja, wenn uns ein unsinniger oder

unzureichender Wortlaut vorgelegt wurde, als ob es der Anstrengung nicht

gelungen wäre, den Traum in die richtige Fassung zu übersetzen, haben

wir auch diese Mängel des Ausdruckes respektiert. Kurz, was nach der

Meinung der Autoren eine willkürliche, in der Verlegenheit eilig

zusammengebraute Improvisation sein soll, das haben wir behandelt wie

einen heiligen Text. Dieser Widerspruch bedarf der Aufklärung.

Sie lautet zu unseren Gunsten, ohne darum den Autoren Unrecht zu geben.

Vom Standpunkte unserer neu gewonnenen Einsichten über die Entstehung

des Traumes vereinigen sich die Widersprüche ohne Rest. Es ist richtig,

daß wir den Traum beim Versuche der Reproduktion entstellen; wir finden

darin wieder, was wir als die sekundäre und oft mißverständliche

Bearbeitung des Traumes durch die Instanz des normalen Denkens

bezeichnet haben. Aber diese Entstellung ist selbst nichts anderes als

ein Stück der Bearbeitung, welcher die Traumgedanken gesetzmäßig infolge

der Traumzensur unterliegen. Die Autoren haben hier das manifest

arbeitende Stück der Traumentstellung geahnt oder bemerkt; uns

verschlägt es wenig, da wir wissen, daß eine weit ausgiebigere

Entstellungsarbeit, minder leicht faßbar, den Traum bereits von den

verborgenen Traumgedanken an zum Objekt erkoren hat. Die Autoren irren

nur darin, daß sie die Modifikation des Traumes bei seinem Erinnern und

In-Worte-Fassen für willkürlich, also für nicht weiter auflösbar und

demnach für geeignet halten, uns in der Erkenntnis des Traumes

irrezuleiten. Sie unterschätzen die Determinierung im Psychischen. Es

gibt da nichts Willkürliches. Es läßt sich ganz allgemein zeigen, daß

ein zweiter Gedankenzug sofort die Bestimmung des Elementes übernimmt,

welches vom ersten unbestimmt gelassen wurde. Ich will mir z. B. ganz

willkürlich eine Zahl einfallen lassen; es ist nicht möglich; die Zahl,

die mir einfällt, ist durch Gedanken in mir, die meinem momentanen

Vorsatz fernstehen mögen, eindeutig und notwendig bestimmt(223).

Ebensowenig willkürlich sind die Veränderungen, die der Traum bei der

Redaktion des Wachens erfährt. Sie bleiben in assoziativer Verknüpfung

mit dem Inhalt, an dessen Stelle sie sich setzen, und dienen dazu, uns

den Weg zu diesem Inhalt zu zeigen, der selbst wieder der Ersatz eines

anderen sein mag.

(223) Vgl. Psychopathologie des Alltagslebens. 1. Aufl., 1901 u. 1904,

4. Aufl., 1912.

Ich pflege bei den Traumanalysen mit Patienten folgende Probe auf diese

Behauptung nie ohne Erfolg anzustellen. Wenn mir der Bericht eines

Traumes zuerst schwer verständlich erscheint, so bitte ich den Erzähler,

ihn zu wiederholen. Das geschieht dann selten mit den nämlichen Worten.

Die Stellen aber, an denen er den Ausdruck verändert hat, die sind mir

als die schwachen Stellen der Traumverkleidung kenntlich gemacht worden,

die dienen mir wie _Hagen_ das gestickte Zeichen an _Siegfrieds_ Gewand.

Dort kann die Traumdeutung ansetzen. Der Erzähler ist durch meine

Aufforderung gewarnt worden, daß ich besondere Mühe zur Lösung des

Traumes anzuwenden gedenke; er schützt also rasch, unter dem Drange des

Widerstandes, die schwachen Stellen der Traumverkleidung, indem er einen

verräterischen Ausdruck durch einen ferner abliegenden ersetzt. Er macht

mich so auf den von ihm fallengelassenen Ausdruck aufmerksam. Aus der

Mühe, mit der die Traumlösung verteidigt wird, darf ich auch auf die

Sorgfalt schließen, die dem Traume sein Gewand gewoben hat.

Bedeutung der Traumnachträge.

Minder recht haben die Autoren, wenn sie dem Zweifel, mit dem unser

Urteil der Traumerzählung begegnet, so sehr viel Raum machen. Dieser

Zweifel entbehrt nämlich einer intellektuellen Gewähr; unser Gedächtnis

kennt überhaupt keine Garantien, und doch unterliegen wir viel öfter,

als objektiv gerechtfertigt ist, dem Zwange, seinen Angaben Glauben zu

schenken. Der Zweifel an der richtigen Wiedergabe des Traumes oder

einzelner Traumdaten ist wieder nur ein Abkömmling der Traumzensur, des

Widerstandes gegen das Durchdringen der Traumgedanken zum Bewußtsein.

Dieser Widerstand hat sich mit den von ihm durchgesetzten Verschiebungen

und Ersetzungen nicht immer erschöpft, er heftet sich dann noch an das

Durchgelassene als Zweifel. Wir verkennen diesen Zweifel um so leichter,

als er die Vorsicht gebraucht, niemals intensive Elemente des Traumes

anzugreifen, sondern bloß schwache und undeutliche. Wir wissen aber

jetzt bereits, daß zwischen Traumgedanken und Traum eine völlige

Umwertung aller psychischen Werte stattgefunden hat; die Entstellung war

nur möglich durch Wertentziehung, sie äußert sich regelmäßig darin und

begnügt sich gelegentlich damit. Wenn zu einem undeutlichen Element des

Trauminhaltes noch der Zweifel hinzutritt, so können wir dem Fingerzeig

folgend in diesem einen direkteren Abkömmling eines der verfemten

Traumgedanken erkennen. Es ist damit wie nach einer großen Umwälzung in

einer der Republiken des Altertums oder der Renaissance. Die früher

herrschenden edlen und mächtigen Familien sind nun verbannt, alle hohen

Stellungen mit Emporkömmlingen besetzt; in der Stadt geduldet sind nur

noch ganz verarmte und machtlose Mitglieder oder entfernte Anhänger der

Gestürzten. Aber auch diese genießen nicht die vollen Bürgerrechte, sie

werden mißtrauisch überwacht. An der Stelle des Mißtrauens im Beispiel

steht in unserem Falle der Zweifel. Ich verlange darum bei der Analyse

eines Traumes, daß man sich von der ganzen Skala der Sicherheitsschätzung

frei mache, die leiseste Möglichkeit, daß etwas der oder

jener Art im Traume vorgekommen sei, behandle wie die volle

Gewißheit. Solange jemand bei der Verfolgung eines Traumelementes sich

nicht zum Verzicht auf diese Rücksicht entschlossen, solange stockt hier

die Analyse. Die Geringschätzung für das betreffende Element hat bei dem

Analysierten die psychische Wirkung, daß ihm von den ungewollten

Vorstellungen hinter demselben nichts einfallen will. Solche Wirkung ist

eigentlich nicht selbstverständlich; es wäre nicht widersinnig, wenn

jemand sagte: Ob dies oder jenes im Traume enthalten war, weiß ich nicht

sicher; es fällt mir aber dazu folgendes ein. Niemals sagt er so und

gerade diese die Analyse störende Wirkung des Zweifels läßt ihn als

einen Abkömmling und als ein Werkzeug des psychischen Widerstandes

entlarven. Die Psychoanalyse ist mit Recht mißtrauisch. Eine ihrer

Regeln lautet: _Was immer die Fortsetzung der Arbeit stört, ist ein

Widerstand._

Auch das Vergessen der Träume bleibt solange unergründlich, als man

nicht die Macht der psychischen Zensur zu seiner Erklärung

mitheranzieht. Die Empfindung, daß man in einer Nacht sehr viel geträumt

und davon nur wenig behalten hat, mag in einer Reihe von Fällen einen

anderen Sinn haben, etwa den, daß die Traumarbeit die Nacht hindurch

spürbar vor sich gegangen ist und nur den einen kurzen Traum

hinterlassen hat. Sonst ist an der Tatsache, daß man den Traum nach dem

Erwachen fortschreitend vergißt, ein Zweifel nicht möglich. Man vergißt

ihn oft trotz peinlicher Bemühungen, ihn zu merken. Ich meine aber, so

wie man in der Regel den Umfang dieses Vergessens überschätzt, so

überschätzt man auch die mit der Lückenhaftigkeit des Traumes verbundene

Einbuße an seiner Kenntnis. Alles, was das Vergessen am Trauminhalt

gekostet hat, kann man oft durch die Analyse wieder hereinbringen;

wenigstens in einer ganzen Anzahl von Fällen kann man von einem

einzelnen stehengebliebenen Brocken aus zwar nicht den Traum -- aber an

dem liegt ja auch nichts -- doch die Traumgedanken alle auffinden. Es

verlangt einen größeren Aufwand an Aufmerksamkeit und Selbstüberwindung

bei der Analyse; das ist alles, zeigt aber doch an, daß das Vergessen

des Traumes eine feindselige Absicht nicht verfehlt hat.

Einen überzeugenden Beweis für die tendenziöse, dem Widerstand dienende

Natur des Traumvergessens(224) gewinnt man bei den Analysen aus der

Würdigung einer Vorstufe des Vergessens. Es kommt gar nicht selten vor,

daß mitten in der Deutungsarbeit plötzlich ein ausgelassenes Stück des

Traumes auftaucht, das als bisher vergessen bezeichnet wird. Dieser der

Vergessenheit entrissene Traumteil ist nun jedesmal der wichtigste; er

liegt auf dem kürzesten Wege zur Traumlösung und war darum dem

Widerstand am meisten ausgesetzt. Unter den Traumbeispielen, die ich in

den Zusammenhang dieser Abhandlung eingestreut habe, trifft es sich

einmal, daß ich so ein Stück Trauminhalt nachträglich einzuschalten

habe. Es ist dies ein Reisetraum, der Rache nimmt an einer

unliebenswürdigen Reisegefährtin, den ich wegen seines zum Teil grob

unflätigen Inhaltes fast ungedeutet gelassen habe. Das ausgelassene

Stück lautet: _Ich sage auf ein Buch von Schiller: It is from . . .

korrigiere mich aber, den Irrtum selbst bemerkend: It is by . . . Der

Mann bemerkt hierauf zu seiner Schwester: »Er hat es ja richtig

gesagt(225).«_

(224) Vgl. über die Absicht beim Vergessen überhaupt meine kleine

Abhandlung über den »psychischen Mechanismus der Vergeßlichkeit« in

der Monatschrift für Psychiatrie und Neurologie, 1898. Dieselbe ist

später in die »Psychopathologie des Alltagslebens« aufgenommen worden.

(225) Solche Korrekturen im Gebrauche fremder Sprachen sind in Träumen

nicht selten, werden aber häufiger fremden Personen zugeschoben.

_Maury_ (p. 143) träumte einmal zur Zeit, da er Englisch lernte, daß

er einer anderen Person die Mitteilung, er habe sie gestern besucht,

mit den Worten machte: I called _for_ you yesterday. Der andere

erwiderte richtig: Es heißt: I called _on_ you yesterday.

Die Selbstkorrektur im Traume, die manchen Autoren so wunderbar

erschienen ist, verdient wohl nicht uns zu beschäftigen. Ich werde

lieber für den Sprachirrtum im Traume das Vorbild aus meiner Erinnerung

aufzeigen. Ich war 19 jährig zum erstenmal in England und einen Tag lang

am Strande der Irish Sea. Ich schwelgte natürlich im Fange der von der

Flut zurückgelassenen Seetiere und beschäftigte mich gerade mit einem

Seestern (der Traum beginnt mit: _Hollthurn-Holothurien_), als ein

reizendes kleines Mädchen zu mir trat und mich fragte: Is it a starfish?

Is it alive? Ich antwortete: Yes _he_ is alive, schämte mich aber dann

der Inkorrektheit und wiederholte den Satz richtig. An Stelle des

Sprachfehlers, den ich damals begangen habe, setzt nun der Traum einen

anderen, in den der Deutsche ebenso leicht verfällt. »Das Buch ist von

Schiller«, soll man nicht mit from, . . . sondern mit by . . .

übersetzen. Daß die Traumarbeit diesen Ersatz vollzieht, weil _from_

durch den Gleichklang mit dem deutschen Eigenschaftswort _fromm_ eine

großartige Verdichtung ermöglicht, das nimmt uns nach allem, was wir von

den Absichten der Traumarbeit und von ihrer Rücksichtslosigkeit in der

Wahl der Mittel gehört haben, nicht mehr wunder. Was will aber die

harmlose Erinnerung vom Meeresstrand im Zusammenhang des Traumes

besagen? Sie erläutert an einem möglichst unschuldigen Beispiel, daß ich

das _Geschlechtswort_ am unrechten Platze gebrauche, also das

_Geschlechtliche_ (_he_) dort anbringe, wo es nicht hingehört. Dies ist

allerdings einer der Schlüssel zur Lösung des Traumes. Wer dann noch die

Ableitung des Buchtitels »_#Ma#tter and #Mo#tion_« angehört hat

(_#Mo#lière_ im #Ma#lade Imaginaire: La _#ma#tière_ est-elle laudable?

-- a _#mo#tion_ of the bowels), der wird sich das Fehlende leicht

ergänzen können.

Verspätete Deutung von Träumen.

Ich kann übrigens den Beweis, daß das Vergessen des Traumes zum großen

Teil Widerstandsleistung ist, durch eine Demonstratio ad oculos

erledigen. Ein Patient erzählt, er habe geträumt, aber den Traum spurlos

vergessen; dann gilt er eben als nicht vorgefallen. Wir setzen die

Arbeit fort, ich stoße auf einen Widerstand, mache dem Kranken etwas

klar, helfe ihm durch Zureden und Drängen, sich mit irgend einem

unangenehmen Gedanken zu versöhnen, und kaum ist das gelungen, so ruft

er aus: Jetzt weiß ich auch wieder, was ich geträumt habe. Derselbe

Widerstand, der ihn an diesem Tage in der Arbeit gestört hatte, hat ihn

auch den Traum vergessen lassen. Durch die Überwindung dieses

Widerstandes habe ich den Traum zur Erinnerung gefördert.

Ebenso kann sich der Patient, bei einer gewissen Stelle der Arbeit

angelangt, an einen Traum erinnern, der vor drei, vier oder mehr Tagen

vorgefallen ist und bis dahin in der Vergessenheit geruht hat(226).

(226) E. _Jones_ beschreibt den analogen, häufig vorkommenden Fall,

daß während der Analyse eines Traumes ein zweiter derselben Nacht

erinnert wird, der bis dahin vergessen war, ja nicht einmal vermutet

wurde.

Die psychoanalytische Erfahrung hat uns noch einen anderen Beweis dafür

geschenkt, daß das Vergessen der Träume weit mehr vom Widerstand als von

der Fremdheit zwischen dem Wach- und dem Schlafzustand, wie die Autoren

meinen, abhängt. Es ereignet sich mir wie anderen Analytikern und den in

solcher Behandlung stehenden Patienten nicht selten, daß wir durch einen

Traum aus dem Schlafe geweckt, wie wir sagen möchten, unmittelbar darauf

im vollen Besitze unserer Denktätigkeit den Traum zu deuten beginnen.

Ich habe in solchen Fällen oftmals nicht geruht, bis ich das volle

Verständnis des Traumes gewonnen hatte, und doch konnte es geschehen,

daß ich nach dem Erwachen die Deutungsarbeit ebenso vollständig

vergessen hatte wie den Trauminhalt, obwohl ich wußte, daß ich geträumt

und daß ich den Traum gedeutet hatte. Viel häufiger hatte der Traum das

Ergebnis der Deutungsarbeit mit in die Vergessenheit gerissen, als es

der geistigen Tätigkeit gelungen war, den Traum für die Erinnerung zu

halten. Zwischen dieser Deutungsarbeit und dem Wachdenken besteht aber

nicht jene psychische Kluft, durch welche die Autoren das Traumvergessen

ausschließend erklären wollen. -- Wenn _Morton Prince_ gegen meine

Erklärung des Traumvergessens einwendet, es sei nur ein Spezialfall der

Amnesia für abgespaltene seelische Zustände (dissociated states), und

die Unmöglichkeit, meine Erklärung für diese spezielle Amnesie auf

andere Typen von Amnesie zu übertragen, mache sie auch für ihre nächste

Absicht wertlos, so erinnert er den Leser daran, daß er in all seinen

Beschreibungen solcher dissoziierter Zustände niemals den Versuch

gemacht hat, die dynamische Erklärung für diese Phänomene zu finden. Er

hätte sonst entdecken müssen, daß die Verdrängung (resp. der durch sie

geschaffene Widerstand) ebensowohl die Ursache dieser Abspaltungen wie

der Amnesie für ihren psychischen Inhalt ist.

Daß die Träume ebensowenig vergessen werden wie andere seelische Akte,

und daß sie auch in bezug auf ihr Haften im Gedächtnis den anderen

seelischen Leistungen ungeschmälert gleichzustellen sind, zeigt mir eine

Erfahrung, die ich bei der Abfassung dieses Manuskriptes machen konnte.

Ich hatte in meinen Notizen reichlich eigene Träume aufbewahrt, die ich

damals aus irgend einem Grunde nur sehr unvollständig oder auch

überhaupt nicht der Deutung unterziehen konnte. Bei einigen derselben

habe ich nun, ein bis zwei Jahre später, den Versuch, sie zu deuten,

unternommen, in der Absicht, mir Material zur Illustration meiner

Behauptungen zu schaffen. Dieser Versuch gelang mir ausnahmslos; ja ich

möchte behaupten, die Deutung ging solange Zeit später leichter vor sich

als damals, solange die Träume frische Erlebnisse waren, wofür ich als

mögliche Erklärung angeben möchte, daß ich seither über manche

Widerstände in meinem Innern weggekommen bin, die mich damals störten.

Ich habe bei solchen nachträglichen Deutungen die damaligen Ergebnisse

an Traumgedanken mit den heutigen, meist viel reichhaltigeren verglichen

und das damalige unter dem heutigen unverändert wiedergefunden. Ich trat

meinem Erstaunen hierüber rechtzeitig in den Weg, indem ich mich besann,

daß ich ja bei meinen Patienten längst in Übung habe, Träume aus

früheren Jahren, die sie mir gelegentlich erzählen, deuten zu lassen,

als ob es Träume aus der letzten Nacht wären, nach demselben Verfahren

und mit demselben Erfolge. Bei der Besprechung der Angstträume werde ich

zwei Beispiele von solch verspäteter Traumdeutung mitteilen. Als ich

diesen Versuch zum erstenmal anstellte, leitete mich die berechtigte

Erwartung, daß der Traum sich auch hierin nur verhalten werde wie ein

neurotisches Symptom. Wenn ich nämlich einen Psychoneurotiker, eine

Hysterie etwa, mittels Psychoanalyse behandle, so muß ich für die

ersten, längst überwundenen Symptome seines Leidens ebenso Aufklärung

schaffen wie für die noch heute bestehenden, die ihn zu mir geführt

haben, und finde erstere Aufgabe nur leichter zu lösen als die heute

dringende. Schon in den 1895 publizierten »Studien über Hysterie« konnte

ich die Aufklärung eines ersten hysterischen Angstanfalles mitteilen,

den die mehr als 40 jährige Frau in ihrem 15. Lebensjahre gehabt hatte.

Zur Technik der Traumdeutung.

In loserer Anreihung will ich hier noch einiges vorbringen, was ich über

die Deutung der Träume zu bemerken habe, und was vielleicht den Leser

orientieren wird, der mich durch Nacharbeit an seinen eigenen Träumen

kontrollieren will.

Es wird niemand erwarten dürfen, daß ihm die Deutung seiner Träume

mühelos in den Schoß falle. Schon zur Wahrnehmung endoptischer Phänomene

und anderer für gewöhnlich der Aufmerksamkeit entzogener Sensationen

bedarf es der Übung, obwohl kein psychisches Motiv sich gegen diese

Gruppe von Wahrnehmungen sträubt. Es ist erheblich schwieriger, der

»ungewollten Vorstellungen« habhaft zu werden. Wer dies verlangt, wird

sich mit den Erwartungen erfüllen müssen, die in dieser Abhandlung rege

gemacht werden, und wird in Befolgung der hier gegebenen Regeln jede

Kritik, jede Voreingenommenheit, jede affektive oder intellektuelle

Parteinahme während der Arbeit bei sich niederzuhalten bestrebt sein. Er

wird der Vorschrift eingedenk bleiben, die _Claude Bernard_ für den

Experimentator im physiologischen Laboratorium aufgestellt hat:

Travailler comme une bête, d. h. so ausdauernd, aber auch so unbekümmert

um das Ergebnis. Wer diese Ratschläge befolgt, der wird die Aufgabe

allerdings nicht mehr schwierig finden. Die Deutung eines Traumes

vollzieht sich auch nicht immer in einem Zuge; nicht selten fühlt man

seine Leistungsfähigkeit erschöpft, wenn man einer Verkettung von

Einfällen gefolgt ist, der Traum sagt einem nichts mehr an diesem Tage;

man tut dann gut, abzubrechen und an einem nächsten zur Arbeit

zurückzukehren. Dann lenkt ein anderes Stück des Trauminhaltes die

Aufmerksamkeit auf sich, und man findet den Zugang zu einer neuen

Schicht von Traumgedanken. Man kann das die »fraktionierte« Traumdeutung

heißen.

Am schwierigsten ist der Anfänger in der Traumdeutung zur Anerkennung

der Tatsache zu bewegen, daß seine Aufgabe nicht voll erledigt ist, wenn

er eine vollständige Deutung des Traumes in Händen hat, die sinnreich,

zusammenhängend ist und über alle Elemente des Trauminhaltes Auskunft

gibt. Es kann außerdem eine andere, eine Überdeutung desselben Traumes

möglich sein, die ihm entgangen ist. Es ist wirklich nicht leicht, sich

von dem Reichtum an unbewußten, nach Ausdruck ringenden Gedankengängen

in unserem Denken eine Vorstellung zu machen und an die Geschicklichkeit

der Traumarbeit zu glauben, durch mehrdeutige Ausdrucksweise jedesmal

gleichsam sieben Fliegen mit einem Schlage zu treffen, wie der

Schneidergeselle im Märchen. Der Leser wird immer geneigt sein, dem

Autor vorzuwerfen, daß er seinen Witz überflüssig vergeude; wer sich

selbst Erfahrung erworben hat, wird sich eines Besseren belehrt finden.

Die Frage, ob jeder Traum zur Deutung gebracht werden kann, ist mit Nein

zu beantworten. Man darf nicht vergessen, daß man bei der Deutungsarbeit

die psychischen Mächte gegen sich hat, welche die Entstellung des

Traumes verschulden. Es wird so eine Frage des Kräfteverhältnisses, ob

man mit seinem intellektuellen Interesse, seiner Fähigkeit zur

Selbstüberwindung, seinen psychologischen Kenntnissen und seiner Übung

in der Traumdeutung den inneren Widerständen den Herren zeigen kann. Ein

Stück weit ist das immer möglich, so weit wenigstens, um die Überzeugung

zu gewinnen, daß der Traum eine sinnreiche Bildung ist, und meist auch,

um eine Ahnung dieses Sinnes zu gewinnen. Recht häufig gestattet ein

nächstfolgender Traum, die für den ersten angenommene Deutung zu

versichern und weiter zu führen. Eine ganze Reihe von Träumen, die sich

durch Wochen oder Monate zieht, ruht oft auf gemeinsamem Boden, und ist

dann im Zusammenhange der Deutung zu unterwerfen. Von aufeinanderfolgenden

Träumen kann man oft merken, wie der eine zum Mittelpunkte

nimmt, was in dem nächsten nur in der Peripherie angedeutet

wird, und umgekehrt, so daß die beiden einander auch zur Deutung

ergänzen. Daß die verschiedenen Träume derselben Nacht ganz regelmäßig

von der Deutungsarbeit wie ein Ganzes zu behandeln sind, habe ich

bereits durch Beispiele erwiesen.

In den bestgedeuteten Träumen muß man oft eine Stelle im Dunkeln lassen,

weil man bei der Deutung merkt, daß dort ein Knäuel von Traumgedanken

anhebt, der sich nicht entwirren will, aber auch zum Trauminhalt keine

weiteren Beiträge geliefert hat. Dies ist dann der Nabel des Traumes,

die Stelle, an der er dem Unerkannten aufsitzt. Die Traumgedanken, auf

die man bei der Deutung gerät, müssen ja ganz allgemein ohne Abschluß

bleiben und nach allen Seiten hin in die netzartige Verstrickung unserer

Gedankenwelt auslaufen. Aus einer dichteren Stelle dieses Geflechtes

erhebt sich dann der Traumwunsch wie der Pilz aus seinem Myzelium.

Wir kehren zu den Tatsachen des Traumvergessens zurück. Wir haben es

nämlich versäumt, einen wichtigen Schluß aus ihnen zu ziehen. Wenn das

Wachleben die unverkennbare Absicht zeigt, den Traum, der bei Nacht

gebildet worden ist, zu vergessen, entweder als Ganzes unmittelbar nach

dem Erwachen oder stückweise im Laufe des Tages, und wenn wir als den

Hauptbeteiligten bei diesem Vergessen den seelischen Widerstand gegen

den Traum erkennen, der doch schon in der Nacht das seinige gegen den

Traum getan hat, so liegt die Frage nahe, was eigentlich gegen diesen

Widerstand die Traumbildung überhaupt ermöglicht hat. Nehmen wir den

grellsten Fall, in dem das Wachleben den Traum wieder beseitigt, als ob

er gar nicht vorgefallen wäre. Wenn wir dabei das Spiel der psychischen

Kräfte in Betracht ziehen, so müssen wir aussagen, der Traum wäre

überhaupt nicht zu stande gekommen, wenn der Widerstand bei Nacht

gewaltet hätte wie bei Tage. Unser Schluß ist, daß dieser während der

Nachtzeit einen Teil seiner Macht eingebüßt hatte; wir wissen, er war

nicht aufgehoben, denn wir haben seinen Anteil an der Traumbildung in

der Traumentstellung nachgewiesen. Aber die Möglichkeit drängt sich uns

auf, daß er des Nachts verringert war, daß durch diese Abnahme des

Widerstandes die Traumbildung möglich wurde, und wir verstehen so

leicht, daß er, mit dem Erwachen in seine volle Kraft eingesetzt, sofort

wieder beseitigt, was er, solange er schwach war, zulassen mußte. Die

beschreibende Psychologie lehrt uns ja, daß die Hauptbedingung der

Traumbildung der Schlafzustand der Seele ist; wir könnten nun die

_Erklärung hinzufügen: der Schlafzustand ermöglicht die Traumbildung,

indem er die endopsychische Zensur herabsetzt_.

Einwände gegen die Technik der Traumdeutung.

Wir sind gewiß in Versuchung, diesen Schluß als den einzig möglichen aus

den Tatsachen des Traumvergessens anzusehen, und weitere Folgerungen

über die Energieverhältnisse des Schlafens und des Wachens aus ihm zu

entwickeln. Wir wollen aber vorläufig hierin innehalten. Wenn wir uns in

die Psychologie des Traumes ein Stück weiter vertieft haben, werden wir

erfahren, daß man sich die Ermöglichung der Traumbildung auch noch

anders vorstellen kann. Der Widerstand gegen das Bewußtwerden der

Traumgedanken kann vielleicht auch umgangen werden, ohne daß er an sich

eine Herabsetzung erfahren hätte. Es ist auch plausibel, daß beide der

Traumbildung günstigen Momente, die Herabsetzung sowie die Umgehung des

Widerstandes, durch den Schlafzustand gleichzeitig ermöglicht werden.

Wir brechen hier ab, um nach einer Weile hier fortzusetzen.

Es gibt eine andere Reihe von Einwendungen gegen unser Verfahren bei der

Traumdeutung, um die wir uns jetzt bekümmern müssen. Wir gehen ja hier

so vor, daß wir alle sonst das Nachdenken beherrschenden

Zielvorstellungen fallen lassen, unsere Aufmerksamkeit auf ein einzelnes

Traumelement richten und dann notieren, was uns an ungewollten Gedanken

zu demselben einfällt. Dann greifen wir einen nächsten Bestandteil des

Trauminhaltes auf, wiederholen an ihm dieselbe Arbeit und lassen uns,

unbekümmert um die Richtung, nach der die Gedanken treiben, von ihnen

weiter führen, wobei wir -- wie man zu sagen pflegt -- vom Hundertsten

ins Tausendste geraten. Dabei hegen wir die zuversichtliche Erwartung,

am Ende ganz ohne unser Dazutun auf die Traumgedanken zu geraten, aus

denen der Traum entstanden ist. Dagegen wird die Kritik nun etwa

folgendes einzuwenden haben: Daß man von einem einzelnen Element des

Traumes irgendwohin gelangt, ist nichts Wunderbares. An jede Vorstellung

läßt sich assoziativ etwas knüpfen; es ist nur merkwürdig, daß man bei

diesem ziellosen und willkürlichen Gedankenablauf gerade zu den

Traumgedanken geraten soll. Wahrscheinlich ist das eine Selbsttäuschung;

man folgt der Assoziationskette von dem einen Element aus, bis man sie

aus irgend einem Grunde abreißen merkt; wenn man dann ein zweites

Element aufnimmt, so ist es nur natürlich, daß die ursprüngliche

Unbeschränktheit der Assoziation jetzt eine Einengung erfährt. Man hat

die frühere Gedankenkette noch in Erinnerung und wird darum bei der

Analyse der zweiten Traumvorstellung leichter auf einzelne Einfälle

stoßen, die auch mit den Einfällen aus der ersten Kette irgend etwas

gemein haben. Dann bildet man sich ein, einen Gedanken gefunden zu

haben, der einen Knotenpunkt zwischen zwei Traumelementen darstellt. Da

man sich sonst jede Freiheit der Gedankenverbindung gestattet und

eigentlich nur die Übergänge von einer Vorstellung zur anderen

ausschließt, die beim normalen Denken in Kraft treten, so wird es

schließlich nicht schwer, aus einer Reihe von »Zwischengedanken« etwas

zusammenzubrauen, was man die Traumgedanken benennt, und ohne jede

Gewähr, da diese sonst nicht bekannt sind, für den psychischen Ersatz

des Traumes ausgibt. Es ist aber alles Willkür und witzig erscheinende

Ausnutzung des Zufalles dabei, und jeder, der sich dieser unnützen Mühe

unterzieht, kann zu einem beliebigen Traume auf diesem Wege eine ihm

beliebige Deutung herausgrübeln.

Wenn uns solche Einwände wirklich vorgerückt werden, so können wir uns

zur Abwehr auf den Eindruck unserer Traumdeutungen berufen, auf die

überraschenden Verbindungen mit anderen Traumelementen, die sich während

der Verfolgung der einzelnen Vorstellungen ergeben und auf die

Unwahrscheinlichkeit, daß etwas, was den Traum so erschöpfend deckt und

aufklärt wie eine unserer Traumdeutungen, anders gewonnen werden könne,

als indem man vorher hergestellten psychischen Verbindungen nachfährt.

Wir könnten auch zu unserer Rechtfertigung heranziehen, daß das

Verfahren bei der Traumdeutung identisch ist mit dem bei der Auflösung

der hysterischen Symptome, wo die Richtigkeit des Verfahrens durch das

Auftauchen und Schwinden der Symptome zu ihrer Stelle gewährleistet

wird, wo also die Auslegung des Textes an den eingeschalteten

Illustrationen einen Anhalt findet. Wir haben aber keinen Grund, dem

Problem, wieso man durch Verfolgung einer sich willkürlich und ziellos

weiter spinnenden Gedankenkette zu einem präexistenten Ziele gelangen

könne, aus dem Wege zu gehen, da wir dieses Problem zwar nicht zu lösen,

aber voll zu beseitigen vermögen.

Determination der freien Assoziationen.

Es ist nämlich nachweisbar unrichtig, daß wir uns einem ziellosen

Vorstellungsablauf hingeben, wenn wir, wie bei der Traumdeutungsarbeit,

unser Nachdenken fallen und die ungewollten Vorstellungen auftauchen

lassen. Es läßt sich zeigen, daß wir immer nur auf die uns bekannten

Zielvorstellungen verzichten können, und daß mit dem Aufhören dieser

sofort unbekannte -- wie wir ungenau sagen: unbewußte --

Zielvorstellungen zur Macht kommen, die jetzt den Ablauf der ungewollten

Vorstellungen determiniert halten. Ein Denken ohne Zielvorstellungen

läßt sich durch unsere eigene Beeinflussung unseres Seelenlebens

überhaupt nicht herstellen; es ist mir aber auch unbekannt, in welchen

Zuständen psychischer Zerrüttung es sich sonst herstellt(227). Die

Psychiater haben hier viel zu früh auf die Festigkeit des psychischen

Gefüges verzichtet. Ich weiß, daß ein ungeregelter, der

Zielvorstellungen entbehrender Gedankenablauf im Rahmen der Hysterie und

der Paranoia ebensowenig vorkommt wie bei der Bildung oder bei der

Auflösung der Träume. Er tritt vielleicht bei den endogenen psychischen

Affektionen überhaupt nicht ein; selbst die Delirien der Verworrenen

sind nach einer geistreichen Vermutung von _Leuret_ sinnvoll und werden

nur durch Auslassungen für uns unverständlich. Ich habe die nämliche

Überzeugung gewonnen, wo mir Gelegenheit zur Beobachtung geboten war.

Die Delirien sind das Werk einer Zensur, die sich keine Mühe mehr gibt,

ihr Walten zu verbergen, die anstatt ihre Mitwirkung zu einer nicht mehr

anstößigen Umarbeitung zu leihen, rücksichtslos ausstreicht, wogegen sie

Einspruch erhebt, wodurch dann das Übriggelassene zusammenhanglos wird.

Diese Zensur verfährt ganz analog der russischen Zeitungszensur an der

Grenze, welche ausländische Journale nur von schwarzen Strichen

durchsetzt in die Hände der zu behütenden Leser gelangen läßt.

(227) Ich bin erst später darauf aufmerksam gemacht worden, daß _Ed.

von Hartmann_ in diesem psychologisch bedeutsamen Punkte die nämliche

Anschauung vertritt: »Gelegentlich der Erörterung der Rolle des

Unbewußten im künstlerischen Schaffen (Philos. d. Unbew. Bd. I.,

Abschn. B, Kap. V) hat Eduard von Hartmann das Gesetz der von

unbewußten Zielvorstellungen geleiteten Ideenassoziation mit klaren

Worten ausgesprochen, ohne sich jedoch der Tragweite dieses Gesetzes

bewußt zu sein. Ihm ist es darum zu tun, zu erweisen, daß ›jede

Kombination sinnlicher Vorstellungen, wenn sie nicht rein dem Zufall

anheimgestellt wird, sondern zu einem bestimmten Ziele führen soll,

der Hilfe des Unbewußten bedarf‹ und daß das bewußte Interesse an

einer bestimmten Gedankenverbindung ein Antrieb für das Unbewußte ist,

unter den unzähligen möglichen Verstellungen die zweckentsprechende

herauszufinden. ›Es ist das Unbewußte, welches den Zwecken des

Interesses gemäß wählt: und das gilt für die _Ideenassoziation beim

abstrakten Denken, als sinnlichem Vorstellen oder künstlerischem

Kombinieren‹ und beim witzigen Einfall_. Daher ist eine Einschränkung

der Ideenassoziation auf die hervorrufende und die hervorgerufene

Vorstellung im Sinne der reinen Assoziationspsychologie nicht aufrecht

zu erhalten. Eine solche Einschränkung wäre ›nur dann tatsächlich

gerechtfertigt, wenn Zustände im menschlichen Leben vorkommen, in

denen der Mensch nicht nur von jedem bewußten Zweck, sondern auch von

der Herrschaft oder Mitwirkung jedes unbewußten Interesses, jeder

Stimmung frei ist. Dies ist aber ein kaum jemals vorkommender Zustand,

denn auch, _wenn man seine Gedankenfolge anscheinend völlig dem Zufall

anheimgibt, oder wenn man sich ganz den unwillkürlichen Träumen der

Phantasie überläßt, so walten doch immer zu der einen Stunde andere

Hauptinteressen, maßgebende Gefühle und Stimmungen im Gemüt als zu der

anderen, und diese werden allemal einen Einfluß auf die

Ideenassoziation üben_.‹ (Philos. d. Unbew., 11. Aufl., I., 246.) Bei

halb unbewußten Träumen kommen immer nur solche Vorstellungen, die dem

augenblicklichen (unbewußten) Hauptinteresse entsprechen (a. a. O.).

Die Hervorhebung des Einflusses der Gefühle und Stimmungen auf die

freie Gedankenfolge läßt nun das methodische Verfahren der

Psychoanalyse auch vom Standpunkte der Hartmannschen Psychologie als

durchaus gerechtfertigt erscheinen.« (N. E. _Pohorilles_ in Internat.

Zschr. f. ärztl. Ps.-A. I, 1913, S. 605 f.) -- _Du Prel_ schließt aus

der Tatsache, daß ein Name, auf den wir uns vergeblich besinnen, uns

oft plötzlich wie unvermittelt einfällt, es gebe ein unbewußtes und

dennoch zielgerichtetes Denken, dessen Resultat alsdann ins Bewußtsein

tritt (Philos. d. Mystik p. 107).

Das freie Spiel der Vorstellungen nach beliebiger Assoziationsverkettung

kommt vielleicht bei destruktiven organischen Gehirnprozessen zum

Vorschein; was bei den Psychoneurosen für solches gehalten wird, läßt

sich allemal durch Einwirkung der Zensur auf eine Gedankenreihe

aufklären, welche von verborgen gebliebenen Zielvorstellungen in den

Vordergrund geschoben wird(228). Als ein untrügliches Zeichen der von

Zielvorstellungen freien Assoziation hat man es betrachtet, wenn die

auftauchenden Vorstellungen (oder Bilder) untereinander durch die Bande

der sogenannten oberflächlichen Assoziationen verknüpft erscheinen, also

durch Assonanz, Wortzweideutigkeit, zeitliches Zusammentreffen ohne

innere Sinnbeziehung, durch alle die Assoziationen, die wir im Witz und

beim Wortspiel zu verwerten uns gestatten. Dieses Kennzeichen trifft für

die Gedankenverbindungen, die uns von den Elementen des Trauminhaltes zu

den Kollateralen und von diesen zu den eigentlichen Traumgedanken

führen, zu; wir haben bei vielen Traumanalysen Beispiele davon gefunden,

die unser Befremden wecken mußten. Keine Anknüpfung war da zu locker,

kein Witz zu verwerflich, als daß er nicht die Brücke von einem Gedanken

zum anderen hätte bilden dürfen. Aber das richtige Verständnis solcher

Nachsichtigkeit liegt nicht fern. _Jedesmal, wenn ein psychisches

Element mit einem anderen durch eine anstößige und oberflächliche

Assoziation verbunden ist, existiert auch eine korrekte und

tiefergehende Verknüpfung zwischen den beiden, welche dem Widerstand der

Zensur unterliegt._

(228) Vgl. hiezu die glänzende Bestätigung dieser Behauptung, die

C. G. _Jung_ durch Analysen bei Dementia praecox erbracht hat. (»Zur

Psychologie der Dementia praecox«, 1907.)

Druck der Zensur, nicht Aufhebung der Zielvorstellungen ist die richtige

Begründung für das Vorherrschen der oberflächlichen Assoziationen. Die

oberflächlichen Assoziationen ersetzen in der Darstellung die tiefen,

wenn die Zensur diese normalen Verbindungswege ungangbar macht. Es ist,

wie wenn ein allgemeines Verkehrshindernis, z. B. eine Überschwemmung,

im Gebirge die großen und breiten Straßen unwegsam werden läßt; der

Verkehr wird dann auf unbequemen und steilen Fußpfaden aufrecht

erhalten, die sonst nur der Jäger begangen hat.

Man kann hier zwei Fälle voneinander trennen, die im wesentlichen eins

sind. Entweder die Zensur richtet sich nur gegen den Zusammenhang zweier

Gedanken, die voneinander losgelöst, dem Einspruch entgehen. Dann treten

die beiden Gedanken nacheinander ins Bewußtsein; ihr Zusammenhang bleibt

verborgen; aber dafür fällt uns eine oberflächliche Verknüpfung zwischen

beiden ein, an die wir sonst nicht gedacht hätten, und die in der Regel

an einer anderen Ecke des Vorstellungskomplexes ansetzt, als von welcher

die unterdrückte, aber wesentliche Verbindung ausgeht. Oder aber, beide

Gedanken unterliegen an sich wegen ihres Inhaltes der Zensur; dann

erscheinen beide nicht in der richtigen, sondern in modifizierter,

ersetzter Form, und die beiden Ersatzgedanken sind so gewählt, daß sie

durch eine oberflächliche Assoziation die wesentliche Verbindung

wiedergeben, in der die von ihnen ersetzten stehen. _Unter dem Drucke

der Zensur hat hier in beiden Fällen eine Verschiebung stattgefunden von

einer normalen, ernsthaften Assoziation auf eine oberflächliche, absurd

erscheinende._

Weil wir von diesen Verschiebungen wissen, vertrauen wir uns bei der

Traumdeutung auch den oberflächlichen Assoziationen ganz ohne Bedenken

an(229).

(229) Dieselben Erwägungen gelten natürlich auch für den Fall, daß die

oberflächlichen Assoziationen im Trauminhalt bloßgelegt werden, wie

z. B. in den beiden von _Maury_ mitgeteilten Träumen (p. 45:

pélerinage -- Pelletier -- pelle; Kilometer -- Kilogramm -- Gilolo --

Lobelia -- Lopez -- Lotto). Aus der Arbeit mit Neurotikern weiß ich,

welche Reminiszenz sich so darzustellen liebt. Es ist das Nachschlagen

im Konversationslexikon (Lexikon überhaupt), aus dem ja die meisten in

der Zeit der Pubertätsneugierde ihr Bedürfnis nach Aufklärung der

sexuellen Rätsel gestillt haben.

Rechtfertigung der Deutungstechnik.

Von den beiden Sätzen, daß mit dem Aufgeben der bewußten

Zielvorstellungen die Herrschaft über den Vorstellungsablauf an

verborgene Zielvorstellungen übergeht und daß oberflächliche

Assoziationen nur ein Verschiebungsersatz sind für unterdrückte,

tiefergehende, macht die Psychoanalyse bei Neurosen den ausgiebigsten

Gebrauch; ja, sie erhebt die beiden Sätze zu Grundpfeilern ihrer

Technik. Wenn ich einem Patienten auftrage, alles Nachdenken fahren zu

lassen und mir zu berichten, was immer ihm dann in den Sinn kommt, so

halte ich die Voraussetzung fest, daß er die Zielvorstellungen der

Behandlung nicht fahren lassen kann, und halte mich für berechtigt, zu

folgern, daß das scheinbar Harmloseste und Willkürlichste, das er mir

berichtet, im Zusammenhange mit seinem Krankheitszustand steht. Eine

andere Zielvorstellung, von der dem Patienten nichts ahnt, ist die

meiner Person. Die volle Würdigung sowie der eingehende Nachweis der

beiden Aufklärungen gehört demnach in die Darstellung der

psychoanalytischen Technik als therapeutischen Methode. Wir haben hier

einen der Anschlüsse erreicht, bei denen wir das Thema der Traumdeutung

vorsätzlich fallen lassen(230).

(230) Die hier vorgetragenen, damals sehr unwahrscheinlich klingenden

Sätze haben später durch die »diagnostischen Assoziationsstudien«

_Jungs_ und seiner Schüler eine experimentelle Rechtfertigung und

Verwertung erfahren.

Eines nur ist richtig und bleibt von den Einwendungen bestehen, nämlich

daß wir nicht alle Einfälle der Deutungsarbeit auch in die nächtliche

Traumarbeit zu versetzen brauchen. Wir machen ja beim Deuten im Wachen

einen Weg, der von den Traumelementen zu den Traumgedanken rückläuft.

Die Traumarbeit hat den umgekehrten Weg genommen, und es ist gar nicht

wahrscheinlich, daß diese Wege in umgekehrter Richtung gangbar sind. Es

erweist sich vielmehr, daß wir bei Tag über neue Gedankenverbindungen

Schachte führen, welche die Zwischengedanken und die Traumgedanken bald

an dieser, bald an jener Stelle treffen. Wir können sehen, wie sich das

frische Gedankenmaterial des Tages in die Deutungsreihen einschiebt, und

wahrscheinlich nötigt auch die Widerstandssteigerung, die seit der

Nachtzeit eingetreten ist, zu neuen und ferneren Umwegen. Die Zahl oder

Art der Kollateralen aber, die wir so bei Tage anspinnen, ist

psychologisch völlig bedeutungslos, wenn sie uns nur den Weg zu den

gesuchten Traumgedanken führen.

b) _Die Regression_.

Nun aber, da wir uns gegen die Einwendungen verwahrt oder wenigstens

angezeigt haben, wo unsere Waffen zur Abwehr ruhen, dürfen wir es nicht

länger verschieben, in die psychologischen Untersuchungen einzutreten,

für die wir uns längst gerüstet haben. Wir stellen die Hauptergebnisse

unserer bisherigen Untersuchung zusammen. Der Traum ist ein

vollwichtiger psychischer Akt; seine Triebkraft ist allemal ein zu

erfüllender Wunsch; seine Unkenntlichkeit als Wunsch und seine vielen

Sonderbarkeiten und Absurditäten rühren von dem Einfluß der psychischen

Zensur her, den er bei der Bildung erfahren hat; außer der Nötigung,

sich dieser Zensur zu entziehen, haben bei seiner Bildung mitgewirkt

eine Nötigung zur Verdichtung des psychischen Materials, eine Rücksicht

auf Darstellbarkeit in Sinnesbildern und -- wenn auch nicht regelmäßig

-- eine Rücksicht auf ein rationelles und intelligibles Äußeres des

Traumgebildes. Von jedem dieser Sätze führt der Weg weiter zu

psychologischen Postulaten und Mutmaßungen; die gegenseitige Beziehung

des Wunschmotivs und der vier Bedingungen sowie dieser untereinander ist

zu untersuchen; der Traum ist in den Zusammenhang des Seelenlebens

einzureihen.

Wir haben einen Traum an die Spitze dieses Abschnittes gestellt, um uns

an die Rätsel zu mahnen, deren Lösung noch aussteht. Die Deutung dieses

Traumes vom brennenden Kinde bereitete uns keine Schwierigkeiten,

wenngleich sie nicht in unserem Sinne vollständig gegeben war. Wir

fragten uns, warum hier überhaupt geträumt wurde, anstatt zu erwachen,

und erkannten als das eine Motiv des Träumens den Wunsch, das Kind als

lebend vorzustellen. Daß noch ein anderer Wunsch dabei eine Rolle

spielt, werden wir nach späteren Erörterungen einsehen können. Zunächst

also ist es die Wunscherfüllung, der zuliebe der Denkvorgang des

Schlafens in einen Traum verwandelt wurde.

Macht man diese rückgängig, so bleibt nur noch ein Charakter übrig,

welcher die beiden Arten des psychischen Geschehens voneinander

scheidet. Der Traumgedanke hätte gelautet: Ich sehe einen Schein aus dem

Zimmer, in dem die Leiche liegt. Vielleicht ist eine Kerze umgefallen

und das Kind brennt! Der Traum gibt das Resultat dieser Überlegung

unverändert wieder, aber dargestellt in einer Situation, die gegenwärtig

und mit den Sinnen wie ein Erlebnis des Wachens zu erfassen ist. Das ist

aber der allgemeinste und auffälligste psychologische Charakter des

Träumens; ein Gedanke, in der Regel der gewünschte, wird im Traume

objektiviert, als Szene dargestellt oder, wie wir meinen, erlebt.

Wie soll man nun diese charakteristische Eigentümlichkeit der

Traumarbeit erklären oder -- bescheidener ausgedrückt -- in den

Zusammenhang der psychischen Vorgänge einfügen?

Bei näherem Zusehen merkt man wohl, daß in der Erscheinungsform des

Traumes zwei voneinander fast unabhängige Charaktere ausgeprägt sind.

Der eine ist die Darstellung als gegenwärtige Situation mit Weglassung

des »vielleicht«; der andere die Umsetzung des Gedankens in visuelle

Bilder und in Rede.

Die Umwandlung, welche die Traumgedanken dadurch erfahren, daß die in

ihnen ausgedrückte Erwartung ins Präsens gesetzt wird, scheint

vielleicht gerade an diesem Traume nicht sehr auffällig. Es hängt dies

mit der besonderen, eigentlich nebensächlichen Rolle der Wunscherfüllung

in diesem Traume zusammen. Nehmen wir einen anderen Traum vor, in dem

sich der Traumwunsch nicht von der Fortsetzung der Wachgedanken in den

Schlaf absondert, z. B. den von Irmas Injektion. Hier ist der zur

Darstellung gelangende Traumgedanke ein Optativ: Wenn doch der Otto an

der Krankheit Irmas schuld sein möchte! Der Traum verdrängt den Optativ

und ersetzt ihn durch ein simples Präsens. Ja, Otto ist schuld an der

Krankheit Irmas. Das ist also die erste der Verwandlungen, die auch der

entstellungsfreie Traum mit den Traumgedanken vornimmt. Bei dieser

ersten Eigentümlichkeit des Traumes werden wir uns aber nicht lange

aufhalten. Wir erledigen sie durch den Hinweis auf die bewußte

Phantasie, auf den Tagtraum, der mit seinem Vorstellungsinhalt ebenso

verfährt. Wenn _Daudets Mr. Joyeuse_ beschäftigungslos durch die

Straßen von Paris irrt, während seine Töchter glauben müssen, er habe

eine Anstellung und sitze in seinem Bureau, so träumt er von den

Vorfällen, die ihm zur Protektion und zu einer Anstellung verhelfen

sollen, gleichfalls im Präsens. Der Traum gebraucht also das Präsens in

derselben Weise und mit demselben Rechte wie der Tagtraum. Das Präsens

ist die Zeitform, in welcher der Wunsch als erfüllt dargestellt wird.

Dem Traume allein zum Unterschiede vom Tagtraume eigentümlich ist aber

der zweite Charakter, daß der Vorstellungsinhalt nicht gedacht, sondern

in sinnliche Bilder verwandelt wird, denen man dann Glauben schenkt, und

die man zu erleben meint. Fügen wir gleich hinzu, daß nicht alle Träume

die Umwandlung von Vorstellung in Sinnesbild zeigen; es gibt Träume, die

nur aus Gedanken bestehen; denen man die Wesenheit der Träume darum doch

nicht bestreiten wird. Mein Traum: »_Autodidasker_ -- die Tagesphantasie

mit Professor N.« ist ein solcher, in den sich kaum mehr sinnliche

Elemente einmengen, als wenn ich seinen Inhalt bei Tag gedacht hätte.

Auch gibt es in jedem längeren Traume Elemente, welche die Umwandlung

ins Sinnliche nicht mitgemacht haben, die einfach gedacht oder gewußt

werden, wie wir's vom Wachen her gewöhnt sind. Ferner wollen wir gleich

hier daran denken, daß solche Verwandlung von Vorstellungen in

Sinnesbilder nicht dem Traume allein zukommt, sondern ebenso der

Halluzination, den Visionen, die etwa selbständig in der Gesundheit

auftreten oder als Symptome der Psychoneurosen. Kurz, die Beziehung, die

wir hier untersuchen, ist nach keiner Richtung eine ausschließliche; es

bleibt aber bestehen, daß dieser Charakter des Traumes, wo er vorkommt,

uns als der bemerkenswerteste erscheint, so daß wir ihn nicht aus dem

Traumleben weggenommen denken könnten. Sein Verständnis erfordert aber

weitausgreifende Erörterungen.

_Fechners_ Idee einer psychischen Lokalität.

Unter allen Bemerkungen zur Theorie des Träumens, welche man bei den

Autoren finden kann, möchte ich eine als anknüpfenswert hervorheben. Der

große G. Th. _Fechner_ spricht in seiner Psychophysik (II. Teil, p. 520)

im Zusammenhange einiger Erörterungen, die er dem Traume widmet, die

Vermutung aus, daß _der Schauplatz der Träume ein anderer sei als der

des wachen Vorstellungslebens_. Keine andere Annahme gestatte es, die

besonderen Eigentümlichkeiten des Traumlebens zu begreifen.

Die Idee, die uns so zur Verfügung gestellt wird, ist die einer

_psychischen Lokalität_. Wir wollen ganz beiseite lassen, daß der

seelische Apparat, um den es sich hier handelt, uns auch als

anatomisches Präparat bekannt ist, und wollen der Versuchung sorgfältig

aus dem Wege gehen, die psychische Lokalität etwa anatomisch zu

bestimmen. Wir bleiben auf psychologischem Boden und gedenken nur der

Aufforderung zu folgen, daß wir uns das Instrument, welches den

Seelenleistungen dient, vorstellen wie etwa ein zusammengesetztes

Mikroskop, einen photographischen Apparat u. dgl. Die psychische

Lokalität entspricht dann einem Orte, innerhalb eines solchen Apparates,

an dem eine der Vorstufen des Bildes zu stande kommt. Beim Mikroskop und

Fernrohr sind dies bekanntlich zum Teil ideelle Örtlichkeiten, Gegenden,

in denen kein greifbarer Bestandteil des Apparates gelegen ist. Für die

Unvollkommenheiten dieser und aller ähnlichen Bilder Entschuldigung zu

erbitten, halte ich für überflüssig. Diese Gleichnisse sollen uns nur

bei einem Versuch unterstützen, der es unternimmt, uns die Komplikation

der psychischen Leistung verständlich zu machen, indem wir diese

Leistung zerlegen und die Einzelleistung den einzelnen Bestandteilen des

Apparates zuweisen. Der Versuch, die Zusammensetzung des seelischen

Instrumentes aus solcher Zerlegung zu erraten, ist meines Wissens noch

nicht gewagt worden. Er scheint mir harmlos. Ich meine, wir dürfen

unseren Vermutungen freien Lauf lassen, wenn wir dabei nur unser kühles

Urteil bewahren, das Gerüste nicht für den Bau halten. Da wir nichts

anderes benötigen als Hilfsvorstellungen zur ersten Annäherung an etwas

Unbekanntes, so werden wir die rohesten und greifbarsten Annahmen

zunächst allen anderen vorziehen.

Wir stellen uns also den seelischen Apparat vor als ein

zusammengesetztes Instrument, dessen Bestandteile wir _Instanzen_ oder

der Anschaulichkeit zuliebe _Systeme_ heißen wollen. Dann bilden wir die

Erwartung, daß diese Systeme vielleicht eine konstante räumliche

Orientierung gegeneinander haben, etwa wie die verschiedenen

Linsensysteme des Fernrohres hintereinander stehen. Streng genommen

brauchen wir die Annahme einer wirklich räumlichen Anordnung der

psychischen Systeme nicht zu machen. Es genügt uns, wenn eine feste

Reihenfolge dadurch hergestellt wird, daß bei gewissen psychischen

Vorgängen die Systeme in einer bestimmten zeitlichen Folge von der

Erregung durchlaufen werden. Diese Folge mag bei anderen Vorgängen eine

Abänderung erfahren; eine solche Möglichkeit wollen wir uns offen

lassen. Von den Bestandteilen des Apparates wollen wir von nun an der

Kürze halber als »Ψ-Systeme« sprechen.

Das erste, was uns auffällt, ist nun, daß dieser aus Ψ-Systemen

zusammengesetzte Apparat eine Richtung hat. All unsere psychische

Tätigkeit geht von (inneren oder äußeren) Reizen aus und endigt in

Innervationen. Somit schreiben wir dem Apparat ein sensibles und ein

motorisches Ende zu; an dem sensiblen Ende befindet sich ein System,

welches die Wahrnehmungen empfängt, am motorischen Ende ein anderes,

welches die Schleusen der Motilität eröffnet. Der psychische Vorgang

verläuft im allgemeinen vom Wahrnehmungsende zum Motilitätsende. Das

allgemeinste Schema des psychischen Apparates hätte also folgendes

Ansehen:

[Illustration: Fig. 1.]

Das ist aber nur die Erfüllung der uns längst vertrauten Forderung, der

psychische Apparat müsse gebaut sein wie ein Reflexapparat. Der

Reflexvorgang bleibt das Vorbild auch aller psychischen Leistung.

Ein Schema des seelischen Apparates.

Wir haben nun Grund, am sensiblen Ende eine erste Differenzierung

eintreten zu lassen. Von den Wahrnehmungen, die an uns herankommen,

verbleibt in unserem psychischen Apparat eine Spur, die wir

»_Erinnerungsspur_« heißen können. Die Funktion, die sich auf diese

Erinnerungsspur bezieht, heißen wir ja Gedächtnis. Wenn wir Ernst mit

dem Vorsatze machen, die psychischen Vorgänge an Systeme zu knüpfen, so

kann die Erinnerungsspur nur bestehen in bleibenden Veränderungen an den

Elementen der Systeme. Nun bringt es, wie schon von anderer Seite

ausgeführt, offenbar Schwierigkeiten mit sich, wenn ein und dasselbe

System an seinen Elementen Veränderungen getreu bewahren und doch neuen

Anlässen zur Veränderung immer frisch und aufnahmsfähig entgegentreten

soll. Nach dem Prinzip, das unseren Versuch leitet, werden wir also

diese beiden Leistungen auf verschiedene Systeme verteilen. Wir nehmen

an, daß ein vorderstes System des Apparates die Wahrnehmungsreize

aufnimmt, aber nichts von ihnen bewahrt, also kein Gedächtnis hat, und

daß hinter diesem ein zweites System liegt, welches die momentane

Erregung des ersten in Dauerspuren umsetzt. Dann wäre dies das Bild

unseres psychischen Apparates (Fig. 2):

[Illustration: Fig. 2.]

Es ist bekannt, daß wir von den Wahrnehmungen, die auf System ~W~

einwirken, noch etwas anderes als bleibend bewahren als den Inhalt

derselben. Unsere Wahrnehmungen erweisen sich auch als im Gedächtnisse

miteinander verknüpft und zwar vor allem nach ihrem einstigen

Zusammentreffen in der Gleichzeitigkeit. Wir heißen das die Tatsache der

_Assoziation_. Es ist nun klar, wenn das ~W~-System überhaupt kein

Gedächtnis hat, daß es auch die Spuren für die Assoziation nicht

aufbewahren kann; die einzelnen ~W~-Elemente wären in ihrer Funktion

unerträglich behindert, wenn sich gegen eine neue Wahrnehmung ein Rest

früherer Verknüpfung geltend machen würde. Wir müssen also als die

Grundlage der Assoziation vielmehr die Erinnerungssysteme annehmen. Die

Tatsache der Assoziation besteht dann darin, daß infolge von

Widerstandsverringerungen und Bahnungen von einem der ~Er~-Elemente die

Erregung sich eher nach einem zweiten als nach einem dritten

~Er~-Element fortpflanzt.

Bei näherem Eingehen ergibt sich die Notwendigkeit, nicht eines, sondern

mehrere solcher ~Er~-Systeme anzunehmen, in denen dieselbe, durch die

~W~-Elemente fortgepflanzte Erregung eine verschiedenartige Fixierung

erfährt. Das erste dieser ~Er~-Systeme wird jedenfalls die Fixierung der

Assoziation durch Gleichzeitigkeit enthalten, in den weiter entfernt

liegenden wird dasselbe Erregungsmaterial nach anderen Arten des

Zusammentreffens angeordnet sein, so daß etwa Beziehungen der

Ähnlichkeit, u. a. durch diese späteren Systeme dargestellt würden. Es

wäre natürlich müßig, die psychische Bedeutung eines solchen Systems in

Worten angeben zu wollen. Die Charakteristik desselben läge in der

Innigkeit seiner Beziehungen zu Elementen des Erinnerungsrohmaterials,

das heißt, wenn wir auf eine tiefergreifende Theorie hinweisen wollen,

in den Abstufungen des Leitungswiderstandes nach diesen Elementen hin.

Eine Bemerkung allgemeiner Natur, die vielleicht auf Bedeutsames

hinweist, wäre hier einzuschalten. Das ~W~-System, welches keine

Fähigkeiten hat, Veränderungen zu bewahren, also kein Gedächtnis, ergibt

für unser Bewußtsein die ganze Mannigfaltigkeit der sinnlichen

Qualitäten. Umgekehrt sind unsere Erinnerungen, die am tiefsten uns

eingeprägten nicht ausgenommen, an sich unbewußt. Sie können bewußt

gemacht werden; es ist aber kein Zweifel, daß sie im unbewußten Zustand

alle ihre Wirkungen entfalten. Was wir unseren Charakter nennen, beruht

ja auf den Erinnerungsspuren unserer Eindrücke, und zwar sind gerade die

Eindrücke, die am stärksten auf uns gewirkt hatten, die unserer ersten

Jugend, solche, die fast nie bewußt werden. Werden aber Erinnerungen

wieder bewußt, so zeigen sie keine sinnliche Qualität oder eine sehr

geringfügige im Vergleiche zu den Wahrnehmungen. Ließe sich nun

bestätigen, daß _Gedächtnis und Qualität für das Bewußtsein an den

Ψ-Systemen einander ausschließen_, so eröffnete sich in die Bedingungen

der Neuronerregung ein vielversprechender Einblick.

Was wir bisher über die Zusammensetzung des psychischen Apparates am

sensiblen Ende angenommen haben, erfolgte ohne Rücksicht auf den Traum

und die aus ihm ableitbaren psychologischen Aufklärungen. Für die

Erkenntnis eines anderen Stückes des Apparates wird uns aber der Traum

zur Beweisquelle. Wir haben gesehen, daß es uns unmöglich wurde, die

Traumbildung zu erklären, wenn wir nicht die Annahmen zweier psychischen

Instanzen wagen wollten, von denen die eine die Tätigkeit der anderen

einer Kritik unterzieht, als deren Folge sich die Ausschließung vom

Bewußtwerden ergibt.

Die kritisierende Instanz, haben wir geschlossen, unterhält nähere

Beziehungen zum Bewußtsein als die kritisierte. Sie steht zwischen

dieser und dem Bewußtsein wie ein Schirm. Wir haben ferner Anhaltspunkte

gefunden, die kritisierende Instanz mit dem zu identifizieren, was unser

waches Leben lenkt und über unser willkürliches, bewußtes Handeln

entscheidet. Ersetzen wir nun diese Instanzen im Sinne unserer Annahmen

durch Systeme, so wird durch die letzterwähnte Erkenntnis das

kritisierende System ans motorische Ende gerückt. Wir tragen nun die

beiden Systeme in unser Schema ein und drücken in den ihnen verliehenen

Namen ihre Beziehung zum Bewußtsein aus.

[Illustration: Fig. 3.]

Das letzte der Systeme am motorischen Ende heißen wir das _Vorbewußte_,

um anzudeuten, daß die Erregungsvorgänge in demselben ohne weitere

Aufhaltung zum Bewußtsein gelangen können, falls noch gewisse

Bedingungen erfüllt sind, z. B. die Erreichung einer gewissen

Intensität, eine gewisse Verteilung jener Funktion, die man

Aufmerksamkeit zu nennen hat, und dergleichen. Es ist gleichzeitig das

System, welches die Schlüssel zur willkürlichen Motilität inne hat. Das

System dahinter heißen wir das _Unbewußte_, weil es keinen Zugang zum

Bewußtsein hat, _außer durch das Vorbewußte_, bei welchem Durchgang sein

Erregungsvorgang sich Abänderungen gefallen lassen muß.

In welches dieser Systeme verlegen wir nun den Anstoß zur Traumbildung?

Der Vereinfachung zuliebe in das System ~Ubw~. Wir werden zwar in

späteren Erörterungen hören, daß dies nicht ganz richtig ist, daß die

Traumbildung genötigt ist, an Traumgedanken anzuknüpfen, die dem System

des Vorbewußten angehören. Wir werden aber auch an anderer Stelle, wenn

wir vom Traumwunsche handeln, erfahren, daß die Triebkraft für den Traum

vom ~Ubw~ beigestellt wird, und wegen dieses letzteren Momentes wollen

wir das unbewußte System als den Ausgangspunkt der Traumbildung

annehmen. Diese Traumerregung wird nun wie alle anderen

Gedankenbildungen das Bestreben äußern, sich ins ~Vbw~ fortzusetzen und

von diesem aus den Zugang zum Bewußtsein zu gewinnen.

Die Erfahrung lehrt uns, daß den Traumgedanken tagsüber dieser Weg, der

durchs Vorbewußte zum Bewußtsein führt, durch die Widerstandszensur

verlegt ist. In der Nacht schaffen sie sich den Zugang zum Bewußtsein;

aber es erhebt sich die Frage, auf welchem Wege und dank welcher

Veränderung. Würde dies den Traumgedanken dadurch ermöglicht, daß nachts

der Widerstand absinkt, der an der Grenze zwischen Unbewußten und

Vorbewußten wacht, so bekämen wir Träume in dem Material unserer

Vorstellungen, die nicht den halluzinatorischen Charakter zeigten, der

uns jetzt interessiert.

Das Absinken der Zensur zwischen den beiden Systemen ~Ubw~ und ~Vbw~

kann uns also nur solche Traumbildungen erklären wie _Autodidasker_,

aber nicht Träume wie den vom _brennenden Kinde_, den wir uns als

Problem an den Eingang dieser Untersuchungen gestellt haben.

Die Richtung des Erregungsablaufes.

Was im halluzinatorischen Traume vor sich geht, können wir nicht anders

beschreiben, als indem wir sagen: Die Erregung nimmt einen

_rückläufigen_ Weg. Anstatt gegen das motorische Ende des Apparates

pflanzt sie sich gegen das sensible fort und langt schließlich beim

System der Wahrnehmungen an. Heißen wir die Richtung, nach welcher sich

der psychische Vorgang aus dem Unbewußten im Wachen fortsetzt, die

_progrediente_, so dürfen wir vom Traume aussagen, er habe

_regredienten_ Charakter(231).

(231) Die erste Andeutung des Moments der Regression findet sich

bereits bei _Albertus Magnus_. Die Imaginatio, heißt es bei ihm, baut

aus den aufbewahrten Bildern der sinnenfälligen Objekte den Traum auf.

Der Prozeß vollzieht sich umgekehrt wie im Wachen (nach _Diepgen_,

p. 14). -- _Hobbes_ sagt (im Leviathan, 1651): »In sum, our dreams are

the reverse of our waking imaginations, the motion, when we are awake,

beginning at one end, and when we dream at another.« (Nach H. _Ellis_,

p. 112.)

Diese Regression ist dann sicherlich eine der wichtigsten

psychologischen Eigentümlichkeiten des Traumvorganges; aber wir dürfen

nicht vergessen, daß sie den Träumen nicht allein zukommt. Auch das

absichtliche Erinnern und andere Teilvorgänge unseres normalen Denkens

entsprechen einem Rückschreiten im psychischen Apparat von irgend

welchem komplexen Vorstellungsakt auf das Rohmaterial der

Erinnerungsspuren, die ihm zu Grunde liegen. Während des Wachens aber

reicht dieses Zurückgreifen niemals über die Erinnerungsbilder hinaus;

es vermag die halluzinatorische Belebung der Wahrnehmungsbilder nicht zu

erzeugen. Warum ist dies im Traume anders? Als wir von der

Verdichtungsarbeit des Traumes sprachen, konnten wir der Annahme nicht

ausweichen, daß durch die Traumarbeit die an den Vorstellungen haftenden

Intensitäten von einer zur anderen voll übertragen werden.

Wahrscheinlich ist es diese Abänderung des sonstigen psychischen

Vorganges, welche es ermöglicht, das System der ~W~ bis zur vollen

sinnlichen Lebhaftigkeit in umgekehrter Richtung, von den Gedanken her,

zu besetzen.

Ich hoffe, wir sind weit davon entfernt, uns über die Tragweite dieser

Erörterungen zu täuschen. Wir haben nichts anderes getan, als für ein

nicht zu erklärendes Phänomen einen Namen gegeben. Wir heißen es

Regression, wenn sich im Traume die Vorstellung in das sinnliche Bild

rückverwandelt, aus dem sie irgend einmal hervorgegangen ist. Auch

dieser Schritt verlangt aber Rechtfertigung. Wozu die Namengebung, wenn

sie uns nichts Neues lehrt? Nun ich meine, der Name »Regression« dient

uns insofern, als er die uns bekannte Tatsache an das Schema des mit

einer Richtung versehenen seelischen Apparates knüpft. An dieser Stelle

verlohnt es sich aber zum erstenmal, ein solches Schema aufgestellt zu

haben.

Denn eine andere Eigentümlichkeit der Traumbildung wird uns ohne neue

Überlegung allein mit Hilfe des Schemas einsichtlich werden. Wenn wir

den Traumvorgang als eine Regression innerhalb des von uns angenommenen

seelischen Apparates ansehen, so erklärt sich uns ohne weiteres die

empirisch festgestellte Tatsache, daß alle Denkrelationen der

Traumgedanken bei der Traumarbeit verloren gehen oder nur mühseligen

Ausdruck finden. Diese Denkrelationen sind nach unserem Schema nicht in

den ersten ~Er~-Systemen, sondern in weiter nach vorn liegenden

enthalten und müssen bei der Regression bis auf die Wahrnehmungsbilder

ihren Ausdruck einbüßen. _Das Gefüge der Traumgedanken wird bei der

Regression in sein Rohmaterial aufgelöst._

Hysterische Regression, Visionen.

Durch welche Veränderung wird aber die bei Tag unmögliche Regression

ermöglicht? Hier wollen wir es bei Vermutungen bewenden lassen. Es muß

sich wohl um Veränderungen in den Energiebesetzungen der einzelnen

Systeme handeln, durch welche sie wegsamer oder unwegsamer für den

Ablauf der Erregung werden; aber in jedem derartigen Apparat könnte der

nämliche Effekt für den Weg der Erregung durch mehr als eine Art von

solchen Abänderungen zu stande gebracht werden. Man denkt natürlich

sofort an den Schlafzustand und an Besetzungsänderungen, die er am

sensiblen Ende des Apparates hervorruft. Bei Tag gibt es eine

kontinuierlich laufende Strömung von dem Ψ-System der ~W~ her zur

Motilität; diese hat bei Nacht ein Ende und könnte einer Rückströmung

der Erregung kein Hindernis mehr bereiten. Es wäre dies die

»Abschließung von der Außenwelt«, welche in der Theorie einiger Autoren

die psychologischen Charaktere des Traumes aufklären soll (vgl. p. 38).

Indes wird man bei der Erklärung der Regression des Traumes Rücksicht

auf jene anderen Regressionen nehmen müssen, die in krankhaften

Wachzuständen zustande kommen. Bei diesen Formen läßt natürlich die eben

gegebene Auskunft im Stiche. Es kommt zur Regression trotz der

ununterbrochenen sensiblen Strömung in progredienter Richtung.

Für die Halluzinationen der Hysterie, der Paranoia, die Visionen

geistesnormaler Personen kann ich die Aufklärung geben, daß sie

tatsächlich Regressionen entsprechen, d. h. in Bilder verwandelte

Gedanken sind, und daß nur solche Gedanken diese Verwandlung erfahren,

welche mit unterdrückten oder unbewußt gebliebenen Erinnerungen im

intimen Zusammenhange stehen. Z. B. einer meiner jüngsten Hysteriker,

ein zwölfjähriger Knabe, wird am Einschlafen gehindert durch »_grüne

Gesichter mit roten Augen_«, vor denen er sich entsetzt. Quelle dieser

Erscheinung ist die unterdrückte, aber einstens bewußte Erinnerung an

einen Knaben, den er vor vier Jahren oftmals sah, und der ihm ein

abschreckendes Bild vieler Kinderunarten bot, darunter auch jener der

Onanie, aus der er sich selbst jetzt einen nachträglichen Vorwurf macht.

Die Mama hatte damals bemerkt, daß der ungezogene Junge eine _grünliche_

Gesichtsfarbe habe und _rote (d. h. rot geränderte) Augen_. Daher das

Schreckgespenst, das übrigens nur dazu bestimmt ist, ihn an eine andere

Vorhersage der Mama zu erinnern, daß solche Jungen blödsinnig werden, in

der Schule nichts erlernen können und früh sterben. Unser kleiner

Patient läßt den einen Teil der Prophezeiung eintreffen; er kommt im

Gymnasium nicht weiter und fürchtet sich, wie das Verhör seiner

ungewollten Einfälle zeigt, entsetzlich vor dem zweiten Teile. Die

Behandlung hat allerdings nach kurzer Zeit den Erfolg, daß er schläft,

seine Ängstlichkeit verliert und sein Schuljahr mit einem Vorzugszeugnis

abschließt.

Hier kann ich die Auflösung einer Vision anreihen, die mir eine

40 jährige Hysterika aus ihren gesunden Tagen erzählt hat. Eines Morgens

schlägt sie die Augen auf und sieht ihren Bruder im Zimmer, der sich

doch, wie sie weiß, in der Irrenanstalt befindet. Ihr kleiner Sohn

schläft im Bette neben ihr. Damit das Kind nicht _erschrickt und in

Krämpfe verfällt_, wenn es den _Onkel_ sieht, zieht sie die _Bettdecke_

über dasselbe, und dann verschwindet die Erscheinung. Die Vision ist die

Umarbeitung einer Kindererinnerung der Dame, die zwar bewußt war, aber

mit allem unbewußten Material in ihrem Innern in intimster Beziehung

stand. Ihre Kinderfrau hatte ihr erzählt, daß die sehr früh verstorbene

Mutter (Pat. war zur Zeit des Todesfalles erst 1½ Jahre alt) an

epileptischen oder hysterischen _Krämpfen_ gelitten hatte, und zwar seit

einem Schreck, den ihr der Bruder (der _Onkel_ meiner Patientin) dadurch

verursachte, daß er ihr als Gespenst mit einer _Bettdecke_ über dem

Kopfe erschien. Die Vision enthält dieselben Elemente wie die

Erinnerung: Die Erscheinung des Bruders, die Bettdecke, den Schreck und

seine Wirkung. Diese Elemente sind aber zu neuem Zusammenhange

angeordnet und auf andere Personen übertragen. Das offenkundige Motiv

der Vision, der durch sie ersetzte Gedanke, ist die Besorgnis, daß ihr

kleiner Sohn, der seinem Onkel physisch so ähnlich war, das Schicksal

desselben teilen könnte.

Beide hier angeführte Beispiele sind nicht frei von aller Beziehung zum

Schlafzustand und darum vielleicht zu dem Beweise ungeeignet, für den

ich sie brauche. Ich verweise also auf meine Analyse einer

halluzinierenden Paranoika(232) und auf die Ergebnisse meiner noch nicht

veröffentlichten Studien über die Psychologie der Psychoneurosen, um zu

bekräftigen, daß man in diesen Fällen von regredienter Gedankenverwandlung

den Einfluß einer unterdrückten oder unbewußt gebliebenen Erinnerung,

meist einer infantilen, nicht übersehen darf. Diese Erinnerung zieht

gleichsam den mit ihr in Verbindung stehenden, an seinem Ausdruck durch

die Zensur verhinderten Gedanken in die Regression als in jene Form der

Darstellung, in der sie selbst psychisch vorhanden ist. Ich darf hier

als ein Ergebnis der Studien über Hysterie anführen, daß die infantilen

Szenen (seien sie nun Erinnerungen oder Phantasien), wenn es gelingt,

sie bewußt zu machen, halluzinatorisch gesehen werden und erst nach der

Mitteilung diesen Charakter abstreifen. Es ist auch bekannt, daß selbst

bei Personen, die sonst im Erinnern nicht visuell sind, die frühesten

Kindererinnerungen den Charakter der sinnlichen Lebhaftigkeit bis in

späte Jahre bewahren.

(232) »Weitere Bemerkungen über die Abwehrneuropsychosen.«

Neurologisches Zentralblatt 1896, Nr. 10. (Sammlung kl. Schriften z.

Neurosenlehre, p. 112.)

Wenn man sich nun erinnert, welche Rolle in den Traumgedanken den

infantilen Erlebnissen oder den auf sie gegründeten Phantasien zufällt,

wie häufig Stücke derselben im Trauminhalt wieder auftauchen, wie die

Traumwünsche selbst häufig aus ihnen abgeleitet sind, so wird man auch

für den Traum die Wahrscheinlichkeit nicht abweisen, daß die Verwandlung

von Gedanken in visuelle Bilder mit die Folge der _Anziehung_ sein möge,

welche die nach Neubelebung strebende visuell dargestellte Erinnerung

auf den nach Ausdruck ringenden, vom Bewußtsein abgeschnittenen Gedanken

ausübt. Nach dieser Auffassung ließe sich der Traum auch beschreiben

_als der durch Übertragung auf Rezentes veränderte Ersatz der infantilen

Szene_. Die Infantilszene kann ihre Erneuerung nicht durchsetzen; sie

muß sich mit der Wiederkehr als Traum begnügen.

Die Regression erklärt durch die Anziehung der Infantilszenen.

Der Hinweis auf die gewissermaßen vorbildliche Bedeutung der

Infantilszenen (oder ihrer phantastischen Wiederholungen) für den

Trauminhalt macht eine der Annahmen _Scherners_ und seiner Anhänger über

die inneren Reizquellen überflüssig. _Scherner_ nimmt einen Zustand von

»Gesichtsreiz«, von innerer Erregung im Sehorgan an, wenn die Träume

eine besondere Lebhaftigkeit ihrer visuellen Elemente oder einen

besonderen Reichtum an solchen erkennen lassen. Wir brauchen uns gegen

diese Annahme nicht zu sträuben, dürfen uns etwa damit begnügen, einen

solchen Erregungszustand bloß für das psychische Wahrnehmungssystem des

Sehorgans zu statuieren, werden aber geltend machen, daß dieser

Erregungszustand ein durch die Erinnerung hergestellter, die

Auffrischung der seinerzeit aktuellen Seherregung ist. Ich habe aus

eigener Erfahrung kein gutes Beispiel für solchen Einfluß einer

infantilen Erinnerung zur Hand; meine Träume sind überhaupt weniger

reich an sinnlichen Elementen, als ich die anderer schätzen muß; aber in

dem schönsten und lebhaftesten Traume dieser letzten Jahre wird es mir

leicht, die halluzinatorische Deutlichkeit des Trauminhaltes auf

sinnliche Qualitäten rezenter und kürzlich erfolgter Eindrücke

zurückzuführen. Ich habe auf p. 332 einen Traum erwähnt, in dem die

tiefblaue Farbe des Wassers, die braune Farbe des Rauches aus den

Kaminen der Schiffe und das düstere Braun und Rot der Bauwerke, die ich

sah, mir einen tiefen Eindruck hinterließen. Wenn irgend einer, so mußte

dieser Traum auf Gesichtsreiz gedeutet werden. Und was hatte mein

Sehorgan in diesen Reizzustand versetzt? Ein rezenter Eindruck, der sich

mit einer Reihe früherer zusammentat. Die Farben, die ich sah, waren

zunächst die des Ankersteinbaukastens, mit dem die Kinder am Tage vor

meinem Traume ein großartiges Bauwerk aufgeführt hatten, um es meiner

Bewunderung zu zeigen. Da fanden sich das nämliche düstere Rot an den

großen, das Blau und Braun an den kleinen Steinen. Dazu gesellten sich

die Farbeneindrücke der letzten italienischen Reisen, das schöne Blau

des Isonzo und der Lagune und das Braun des Karstes. Die Farbenschönheit

des Traumes war nur eine Wiederholung der in der Erinnerung gesehenen.

Fassen wir zusammen, was wir über die Eigentümlichkeit des Traumes,

seinen Vorstellungsinhalt in sinnliche Bilder umzugießen, erfahren

haben. Wir haben diesen Charakter der Traumarbeit nicht etwa erklärt,

auf bekannte Gesetze der Psychologie zurückgeführt, sondern haben ihn

als auf unbekannte Verhältnisse hindeutend herausgegriffen und durch den

Namen des »_regredienten_« Charakters ausgezeichnet. Wir haben gemeint,

diese Regression sei wohl überall, wo sie vorkommt, eine Wirkung des

Widerstandes, der sich dem Vordringen des Gedankens zum Bewußtsein auf

dem normalen Wege entgegensetzt, sowie der gleichzeitigen Anziehung,

welche als sinnesstark vorhandene Erinnerungen auf ihn ausüben(233).

Beim Traume käme vielleicht zur Erleichterung der Regression hiezu das

Aufhören der progredienten Tagesströmung von den Sinnesorganen, welches

Hilfsmoment bei den anderen Formen von Regression durch Verstärkung der

anderen Regressionsmotive wettgemacht werden muß. Wir wollen auch nicht

vergessen, uns zu merken, daß bei diesen pathologischen Fällen von

Regression wie im Traume der Vorgang der Energieübertragung ein anderer

sein dürfte als bei den Regressionen des normalen seelischen Lebens, da

durch ihn eine volle halluzinatorische Besetzung der Wahrnehmungssysteme

ermöglicht wird. Was wir bei der Analyse der Traumarbeit als die

»Rücksicht auf Darstellbarkeit« beschrieben haben, dürfte auf die

_auswählende Anziehung_ der von den Traumgedanken berührten, visuell

erinnerten Szenen zu beziehen sein.

(233) In einer Darstellung der Lehre von der Verdrängung wäre

auszuführen, daß ein Gedanke durch das Zusammenwirken zweier ihn

beeinflussenden Momente in die Verdrängung gerät. Er wird von der

einen Seite (der Zensur des ~Bw.~) weggestoßen, von der anderen (dem

~Ubw.~) angezogen, also ähnlich wie man auf die Spitze der großen

Pyramide gelangt.

Über die Regression wollen wir noch bemerken, daß sie in der Theorie der

neurotischen Symptombildung eine nicht minder wichtige Rolle wie in der

des Traumes spielt. Wir unterscheiden dann eine dreifache Art der

Regression: a) eine _topische_ im Sinne des hier entwickelten Schemas

der Ψ-Systeme, b) eine _zeitliche_, insofern es sich um ein Rückgreifen

auf ältere psychische Bildungen handelt, und c) eine _formale_, wenn

primitive Ausdrucks- und Darstellungsweisen die gewohnten ersetzen. Alle

drei Arten von Regression sind aber im Grunde eines und treffen in den

meisten Fällen zusammen, denn das zeitlich ältere ist zugleich das

formal primitive und in der psychischen Topik dem Wahrnehmungsende

nähere.

Leicht möglich, daß dieses erste Stück unserer psychologischen

Verwertung des Traumes uns selbst nicht sonderlich befriedigt. Wir

wollen uns damit trösten, daß wir ja genötigt sind, ins Dunkle hinaus zu

bauen. Sind wir nicht völlig in die Irre geraten, so müssen wir von

einem anderen Angriffspunkte her in ungefähr die nämliche Region

geraten, in welcher wir uns dann vielleicht besser zurechtfinden werden.

c) _Zur Wunscherfüllung_.

Der vorangestellte Traum vom brennenden Kinde gibt uns einen

willkommenen Anlaß, Schwierigkeiten, auf welche die Lehre von der

Wunscherfüllung stößt, zu würdigen. Wir haben es gewiß alle mit

Befremden aufgenommen, daß der Traum nichts anderes als eine

Wunscherfüllung sein soll, und nicht etwa allein wegen des

Widerspruches, der vom Angsttraume ausgeht. Nachdem uns die ersten

Aufklärungen durch die Analyse belehrt hatten, hinter dem Traume

verberge sich Sinn und psychischer Wert, so wäre unsere Erwartung

keineswegs auf eine so eindeutige Bestimmung dieses Sinnes gefaßt

gewesen. Nach der korrekten, aber kärglichen Definition des

_Aristoteles_ ist der Traum das in den Schlafzustand -- insofern man

schläft -- fortgesetzte Denken. Wenn nun unser Denken bei Tage so

verschiedenartige psychische Akte schafft, Urteile, Schlußfolgerungen,

Widerlegungen, Erwartungen, Vorsätze u. dgl., wodurch soll es bei Nacht

genötigt sein, sich allein auf die Erzeugung von Wünschen

einzuschränken? Gibt es nicht vielmehr reichlich Träume, die einen

andersartigen psychischen Akt in Traumgestalt verwandelt bringen, z. B.

eine Besorgnis, und ist gerade der vorangestellte, ganz besonders

durchsichtige Traum des Vaters ein solcher? Er zieht auf den Lichtschein

hin, der ihm auch schlafend ins Auge fällt, den besorgten Schluß, daß

eine Kerze umgefallen sei und die Leiche in Brand gesteckt haben könne;

diesen Schluß verwandelt er in einen Traum, indem er ihn in eine

sinnfällige Situation und in das Präsens einkleidet. Welche Rolle spielt

dabei die Wunscherfüllung, und ist denn die Übermacht des vom Wachen her

sich fortsetzenden oder durch den neuen Sinneseindruck angeregten

Gedankens dabei irgend zu verkennen?

Das ist alles richtig und nötigt uns, auf die Rolle der Wunscherfüllung

im Traume und auf die Bedeutung der in den Schlaf sich fortsetzenden

Wachgedanken näher einzugehen.

Gerade die Wunscherfüllung hat uns bereits zu einer Scheidung der Träume

in zwei Gruppen veranlaßt. Wir haben Träume gefunden, die sich offen als

Wunscherfüllungen gaben; andere, deren Wunscherfüllung unkenntlich, oft

mit allen Mitteln versteckt war. In den letzteren erkannten wir die

Leistungen der Traumzensur. Die unentstellten Wunschträume fanden wir

hauptsächlich bei Kindern; _kurze_, offenherzige Wunschträume _schienen_

-- ich lege Nachdruck auf diesen Vorbehalt -- auch bei Erwachsenen

vorzukommen.

Die Herkunft des Traumwunsches.

Wir können nun fragen, woher jedesmal der Wunsch stammt, der sich im

Traume verwirklicht. Aber auf welchen Gegensatz oder auf welche

Mannigfaltigkeit beziehen wir dieses »Woher«? Ich meine, auf den

Gegensatz zwischen dem bewußt gewordenen Tagesleben und einer unbewußt

gebliebenen psychischen Tätigkeit, die sich erst zur Nachtzeit bemerkbar

machen kann. Ich finde dann eine dreifache Möglichkeit für die Herkunft

eines Wunsches. Er kann 1. bei Tage erregt worden sein und infolge

äußerer Verhältnisse keine Befriedigung gefunden haben; es erübrigt dann

für die Nacht ein anerkannter und unerledigter Wunsch; 2. er kann bei

Tage aufgetaucht sein, aber Verwerfung gefunden haben; es erübrigt uns

dann ein unerledigter, aber unterdrückter Wunsch oder 3. er kann außer

Beziehung mit dem Tagesleben sein und zu jenen Wünschen gehören, die

erst nachts aus dem Unterdrückten in uns rege werden. Wenn wir unser

Schema des psychischen Apparates vornehmen, so lokalisieren wir einen

Wunsch der ersten Art in das System ~Vbw~; vom Wunsche der zweiten Art

nehmen wir an, daß er aus dem System ~Vbw~ in das ~Ubw~ zurückgedrängt

worden ist, und wenn überhaupt, nur dort sich erhalten hat; und von der

Wunschregung der dritten Art glauben wir, daß sie überhaupt unfähig ist,

das System des ~Ubw~ zu überschreiten. Haben nun Wünsche aus diesen

verschiedenen Quellen den gleichen Wert für den Traum, die gleiche

Macht, einen Traum anzuregen?

Eine Überschau über die Träume, die uns für die Beantwortung dieser

Frage zu Gebote stehen, mahnt uns zunächst, als vierte Quelle des

Traumwunsches hinzuzufügen die aktuellen bei Nacht sich erhebenden

Wunschregungen (z. B. auf den Durstreiz, das sexuelle Bedürfnis). Sodann

wird uns wahrscheinlich, daß die Herkunft des Traumwunsches an seiner

Fähigkeit, einen Traum anzuregen, nichts ändert. Ich erinnere an den

Traum der Kleinen, welcher die bei Tage unterbrochene Seefahrt

fortsetzt, und an die nebenstehenden Kinderträume; sie werden durch

einen unerfüllten, aber nicht unterdrückten Wunsch vom Tage erklärt.

Beispiele dafür, daß ein bei Tage unterdrückter Wunsch sich im Traume

Luft macht, sind überaus reichlich nachzuweisen; ein einfachstes solcher

Art könnte ich hier nachtragen. Eine etwas spottlustige Dame, deren

jüngere Freundin sich verlobt hat, beantwortet tagsüber die Anfragen der

Bekannten, ob sie den Bräutigam kenne, und was sie von ihm halte, mit

uneingeschränkten Lobsprüchen, bei denen sie ihrem Urteil Schweigen

auferlegt, denn sie hätte gern die Wahrheit gesagt: Er _ist ein

Dutzendmensch_. Nachts träumt sie, daß dieselbe Frage an sie gerichtet

wird, und antwortet mit der Formel: _Bei Nachbestellungen genügt die

Angabe der Nummer._ Endlich daß in allen Träumen, die der Entstellung

unterlegen sind, der Wunsch aus dem Unbewußten stammt und bei Tage nicht

vernehmbar werden konnte, haben wir als das Ergebnis zahlreicher

Analysen erfahren. So scheinen zunächst alle Wünsche für die

Traumbildung von gleichem Werte und gleicher Macht.

Ich kann hier nicht beweisen, daß es sich doch eigentlich anders

verhält, aber ich neige sehr zur Annahme einer strengeren Bedingtheit

des Traumwunsches. Die Kinderträume lassen ja keinen Zweifel darüber,

daß ein bei Tage unerledigter Wunsch der Traumerreger sein kann. Aber es

ist nicht zu vergessen, das ist dann der Wunsch eines Kindes, eine

Wunschregung von der dem Infantilen eigenen Stärke. Es ist mir durchaus

zweifelhaft, ob ein am Tage nicht erfüllter Wunsch bei einem Erwachsenen

genügt, um einen Traum zu schaffen. Es scheint mir vielmehr, daß wir mit

der fortschreitenden Beherrschung unseres Trieblebens durch die denkende

Tätigkeit auf die Bildung oder Erhaltung so intensiver Wünsche, wie das

Kind sie kennt, als unnütz immer mehr verzichten. Es mögen sich dabei ja

individuelle Verschiedenheiten geltend machen, der eine den infantilen

Typus der seelischen Vorgänge länger bewahren als ein anderer, wie ja

solche Unterschiede auch für die Abschwächung des ursprünglich deutlich

visuellen Vorstellens bestehen. Aber im allgemeinen glaube ich, wird

beim Erwachsenen der unerfüllt vom Tage übrig gebliebene Wunsch nicht

genügen, einen Traum zu schaffen. Ich gebe gern zu, daß die aus dem

Bewußten stammende Wunschregung einen Beitrag zur Anregung des Traumes

liefern wird, aber wahrscheinlich auch nicht mehr. Der Traum entstünde

nicht, wenn der vorbewußte Wunsch sich nicht eine Verstärkung von

anderswoher zu holen wüßte.

Aus dem Unbewußten nämlich. _Ich stelle mir vor, daß der bewußte Wunsch

nur dann zum Traumerreger wird, wenn es ihm gelingt, einen

gleichwirkenden unbewußten zu wecken, durch den er sich verstärkt._

Diese unbewußten Wünsche betrachte ich, nach den Andeutungen aus der

Psychoanalyse der Neurosen, als immer rege, jederzeit bereit, sich

Ausdruck zu verschaffen, wenn sich ihnen Gelegenheit bietet, sich mit

einer Regung aus dem Bewußten zu alliieren, ihre große Intensität auf

deren geringere zu übertragen(234). Es muß dann zum Anschein kommen, als

hätte allein der bewußte Wunsch sich im Traume realisiert; allein eine

kleine Auffälligkeit in der Gestaltung dieses Traumes wird uns ein

Fingerzeig werden, dem mächtigen Helfer aus dem Unbewußten auf die Spur

zu kommen. Diese immer regen, sozusagen unsterblichen Wünsche unseres

Unbewußten, welche an die Titanen der Sage erinnern, auf denen seit

Urzeiten die schweren Gebirgsmassen lasten, welche einst von den

siegreichen Göttern auf sie gewälzt wurden, und die unter den Zuckungen

ihrer Glieder noch jetzt von Zeit zu Zeit erbeben; -- diese in der

Verdrängung befindlichen Wünsche, sage ich, sind aber selbst infantiler

Herkunft, wie wir durch die psychologische Erforschung der Neurosen

erfahren. Ich möchte also den früher ausgesprochenen Satz, die Herkunft

des Traumwunsches sei gleichgültig, beseitigen und durch einen anderen

ersetzen, der lautet: _Der Wunsch, welcher sich im Traume darstellt, muß

ein infantiler sein._ Er stammt dann beim Erwachsenen aus dem ~Ubw~;

beim Kinde, wo es die Sonderung und Zensur zwischen ~Vbw~ und ~Ubw~ noch

nicht gibt, oder wo sie sich erst allmählich herstellt, ist es ein

unerfüllter, unverdrängter Wunsch des Wachlebens. Ich weiß, diese

Anschauung ist nicht allgemein zu erweisen; aber ich behaupte, sie ist

häufig zu erweisen, auch wo man es nicht vermutet hätte, und ist nicht

allgemein zu widerlegen.

(234) Sie teilen diesen Charakter der Unzerstörbarkeit mit allen

anderen wirklich unbewußten, d. h. dem System ~Ubw~ allein angehörigen

seelischen Akten. Diese sind ein für allemal gebahnte Wege, die nie

veröden und den Erregungsvorgang immer wieder zur Abfuhr leiten, so

oft die unbewußte Erregung sie wiederbesetzt. Um mich eines

Gleichnisses zu bedienen: es gibt für sie keine andere Art der

Vernichtung als für die Schatten der odysseischen Unterwelt, die zum

neuen Leben erwachen, sobald sie Blut getrunken haben. Die vom

vorbewußten System abhängigen Vorgänge sind in ganz anderem Sinne

zerstörbar. Auf diesem Unterschiede ruht die Psychotherapie der

Neurosen.

Die Tagesreste.

Die aus dem bewußten Wachleben erübrigten Wunschregungen lasse ich also

für die Traumbildung in den Hintergrund treten. Ich will ihnen keine

andere Rolle zugestehen, als etwa dem Material an aktuellen Sensationen

während des Schlafes für den Trauminhalt (vgl. p. 171 u. ff.). Ich

bleibe auf der Linie, die mir dieser Gedankengang vorschreibt, wenn ich

jetzt die anderen psychischen Anregungen in Betracht ziehe, die vom

Tagesleben übrig bleiben und die nicht Wünsche sind. Es kann uns

gelingen, den Energiebesetzungen unseres wachen Denkens ein vorläufiges

Ende zu machen, wenn wir beschließen, den Schlaf aufzusuchen. Wer das

gut kann, der ist ein guter Schläfer; der erste Napoleon soll ein Muster

dieser Gattung gewesen sein. Aber es gelingt uns nicht immer und nicht

immer vollständig. Unerledigte Probleme, quälende Sorgen, eine Übermacht

von Eindrücken setzen die Denktätigkeit auch während des Schlafes fort

und unterhalten seelische Vorgänge in dem System, das wir als das

Vorbewußte bezeichnet haben. Wenn uns um eine Einteilung dieser in den

Schlaf sich fortsetzenden Denkregungen zu tun ist, so können wir

folgende Gruppen derselben aufstellen: 1. Das während des Tages durch

zufällige Abhaltung nicht zu Ende Gebrachte, 2. das durch Erlahmen

unserer Denkkraft Unerledigte, das Ungelöste, 3. das bei Tage

Zurückgewiesene und Unterdrückte. Dazu gesellt sich als eine mächtige 4.

Gruppe, was durch die Arbeit des Vorbewußten tagsüber in unserem ~Ubw~

rege gemacht worden ist, und endlich können wir als 5. Gruppe anfügen:

die indifferenten und darum unerledigt gebliebenen Eindrücke des Tages.

Die psychischen Intensitäten, welche durch diese Reste des Tageslebens

in den Schlafzustand eingeführt werden, zumal aus der Gruppe des

Ungelösten, braucht man nicht zu unterschätzen. Sicherlich ringen diese

Erregungen auch zur Nachtzeit nach Ausdruck, und ebenso sicher dürfen

wir annehmen, daß der Schlafzustand die gewohnte Fortführung des

Erregungsvorganges im Vorbewußten und deren Abschluß durch das

Bewußtwerden unmöglich macht. Insofern wir unserer Denkvorgänge auf dem

normalen Wege bewußt werden können, auch zur Nachtzeit, insofern

schlafen wir eben nicht. Was für Veränderung der Schlafzustand im System

~Vbw~ hervorruft, weiß ich nicht anzugeben; aber es ist unzweifelhaft,

daß die psychologische Charakteristik des Schlafes wesentlich in den

Besetzungsveränderungen gerade dieses Systems zu suchen ist, das auch

den Zugang zu der im Schlafe gelähmten Motilität beherrscht. Im

Gegensatze dazu wüßte ich von keinem Anlaß aus der Psychologie des

Traumes, der uns annehmen hieße, daß der Schlaf anders als sekundär in

den Verhältnissen des Systems ~Ubw~ etwas verändere. Der nächtlichen

Erregung im ~Vbw~ bleibt also kein anderer Weg als der, den die

Wunscherregungen aus dem ~Ubw~ nehmen; sie muß die Verstärkung aus dem

~Ubw~ suchen und die Umwege der unbewußten Erregungen mitmachen. Wie

stellen sich aber die vorbewußten Tagesreste zum Traume? Es ist kein

Zweifel, daß sie reichlich in den Traum eindringen, daß sie den

Trauminhalt benutzen, um sich auch zur Nachtzeit dem Bewußtsein

aufzudrängen; ja sie dominieren gelegentlich den Trauminhalt, nötigen

ihn, die Tagesarbeit fortzusetzen; es ist auch sicher, daß die

Tagesreste jeden anderen Charakter ebensowohl haben können wie den der

Wünsche; aber es ist dabei höchst lehrreich und für die Lehre von der

Wunscherfüllung geradezu entscheidend zu sehen, welcher Bedingung sie

sich fügen müssen, um in den Traum Aufnahme zu finden.

Greifen wir eines der früheren Traumbeispiele heraus, z. B. den Traum,

der mir Freund Otto mit den Zeichen der _Basedowschen_ Krankheit

erscheinen läßt (p. 203). Ich hatte am Tage eine Besorgnis gebildet, zu

der mir das Aussehen Ottos Anlaß gab, und die Sorge ging mir nahe, wie

alles, was diese Person betrifft. Sie folgte mir auch, darf ich

annehmen, in den Schlaf. Wahrscheinlich wollte ich ergründen, was ihm

fehlen könnte. Zur Nachtzeit fand diese Sorge Ausdruck in dem Traume,

den ich mitgeteilt habe, dessen Inhalt erstens unsinnig war und zweitens

keiner Wunscherfüllung entsprach. Ich begann aber nachzuforschen, woher

der unangemessene Ausdruck der bei Tag verspürten Besorgnis rühre, und

durch die Analyse fand ich einen Zusammenhang, indem ich ihn mit einem

Baron L., mich selbst aber mit Professor R. identifizierte. Warum ich

gerade diesen Ersatz des Tagesgedankens hatte wählen müssen, dafür gab

es nur eine Erklärung. Zu der Identifizierung mit Professor R. mußte ich

im ~Ubw~ immer bereit sein, da durch sie einer der unsterblichen

Kinderwünsche, der Wunsch der Größensucht, sich erfüllte. Häßliche, der

Verwerfung bei Tage sichere Gedanken gegen meinen Freund hatten die

Gelegenheit benutzt, sich zur Darstellung miteinzuschleichen, aber auch

die Sorge des Tages war zu einer Art von Ausdruck durch einen Ersatz im

Trauminhalt gekommen. Der Tagesgedanke, der an sich kein Wunsch, sondern

im Gegenteil eine Besorgnis war, mußte sich auf irgend einem Wege die

Anknüpfung an einen infantilen, nun unbewußten und unterdrückten Wunsch

verschaffen, der ihn dann, wenn auch gehörig zugerichtet, für das

Bewußtsein »entstehen« ließ. Je dominierender diese Sorge war, desto

gewaltsamer durfte die herzustellende Verbindung sein; zwischen dem

Inhalt des Wunsches und dem der Besorgnis brauchte ein Zusammenhang gar

nicht zu bestehen und bestand auch keiner in unserem Beispiele.

Der unbewußte Wunsch als Triebkraft des Traumes.

Ich kann es nun scharf bezeichnen, was der unbewußte Wunsch für den

Traum bedeutet. Ich will zugeben, daß es eine ganze Klasse von Träumen

gibt, zu denen die _Anregung_ vorwiegend oder selbst ausschließlich aus

den Resten des Tageslebens stammt, und ich meine, selbst mein Wunsch,

endlich einmal Professor extraordinarius zu werden, hätte mich diese

Nacht in Ruhe schlafen lassen können, wäre nicht die Sorge um die

Gesundheit meines Freundes vom Tage her noch rührig gewesen. Aber diese

Sorge hätte noch keinen Traum gemacht, die _Triebkraft_, die der Traum

bedurfte, mußte von einem Wunsche beigesteuert werden; es war Sache der

Besorgnis, sich einen solchen Wunsch als Triebkraft des Traumes zu

verschaffen. Um es in einem Gleichnisse zu sagen: Es ist sehr wohl

möglich, daß ein Tagesgedanke die Rolle des _Unternehmers_ für den Traum

spielt; aber der Unternehmer, der, wie man sagt, die Idee hat und den

Drang, sie in Tat umzusetzen, kann doch ohne Kapital nichts machen; er

braucht einen _Kapitalisten_, der den Aufwand bestreitet, und dieser

Kapitalist, der den psychischen Aufwand für den Traum beistellt, ist

allemal und unweigerlich, was immer auch der Tagesgedanke sein mag, _ein

Wunsch aus dem Unbewußten_.

Andere Male ist der Kapitalist selbst der Unternehmer; das ist für den

Traum sogar der gewöhnlichere Fall. Es ist durch die Tagesarbeit ein

unbewußter Wunsch angeregt worden, und der schafft nun den Traum. Auch

für alle anderen Möglichkeiten des hier als Beispiel verwendeten

wirtschaftlichen Verhältnisses bleiben die Traumvorgänge parallel; der

Unternehmer kann selbst eine Kleinigkeit an Kapital mitbringen; es

können mehrere Unternehmer sich an denselben Kapitalisten wenden; es

können mehrere Kapitalisten gemeinsam das für die Unternehmer

Erforderliche zusammensteuern. So gibt es auch Träume, die von mehr als

einem Traumwunsche getragen werden, und dergleichen Variationen mehr,

die leicht zu übersehen sind und uns kein Interesse mehr bieten. Was an

dieser Erörterung über den Traumwunsch noch unvollständig ist, werden

wir erst später ergänzen können.

Das Tertium comparationis der hier gebrauchten Gleichnisse, die in

zugemessener Menge zur freien Verfügung gestellte Quantität, läßt noch

feinere Verwendung zur Beleuchtung der Traumstruktur zu. In den meisten

Träumen läßt sich ein mit besonderer sinnlicher Intensität

ausgestattetes Zentrum erkennen, wie auf p. 227 f. ausgeführt. Das ist

in der Regel die direkte Darstellung der Wunscherfüllung, denn wenn wir

die Verschiebungen der Traumarbeit rückgängig machen, finden wir die

psychische Intensität der Elemente in den Traumgedanken durch die

sinnliche Intensität der Elemente im Trauminhalt ersetzt. Die Elemente

in der Nähe der Wunscherfüllung haben mit deren Sinn oft nichts zu tun,

sondern erweisen sich als Abkömmlinge peinlicher, dem Wunsche

zuwiderlaufender Gedanken. Durch den oft künstlich hergestellten

Zusammenhang mit dem zentralen Element haben sie aber so viel Intensität

abbekommen, daß sie zur Darstellung fähig geworden sind. So diffundiert

die darstellende Kraft der Wunscherfüllung über eine gewisse Sphäre von

Zusammenhang, innerhalb deren alle Elemente, auch die an sich

mittellosen, zur Darstellung gehoben werden. Bei Träumen mit mehreren

treibenden Wünschen gelingt es leicht, die Sphären der einzelnen

Wunscherfüllungen voneinander abzugrenzen, oft auch die Lücken im Traume

als Grenzzonen zu verstehen.

Die Übertragung an die Tagesreste.

Wenn wir auch die Bedeutung der Tagesreste für den Traum durch die

vorstehenden Bemerkungen eingeschränkt haben, so verlohnt es doch der

Mühe, ihnen noch einige Aufmerksamkeit zu schenken. Sie müssen doch ein

notwendiges Ingrediens der Traumbildung sein, wenn uns die Erfahrung mit

der Tatsache überraschen kann, daß jeder Traum eine Anknüpfung an einen

rezenten Tageseindruck, oft der gleichgültigsten Art, mit in seinem

Inhalt erkennen läßt. Die Notwendigkeit für diesen Zusatz zur

Traummischung vermochten wir noch nicht einzusehen (p. 138). Sie ergibt

sich auch nur, wenn man an der Rolle des unbewußten Wunsches festhält

und dann die Neurosenpsychologie um Auskunft befragt. Aus dieser erfährt

man, daß die unbewußte Vorstellung als solche überhaupt unfähig ist, ins

Vorbewußte einzutreten, und daß sie dort nur eine Wirkung zu äußern

vermag, indem sie sich mit einer harmlosen, dem Vorbewußten bereits

angehörigen Vorstellung in Verbindung setzt, auf sie ihre Intensität

überträgt und sich durch sie decken läßt. Es ist dies die Tatsache der

_Übertragung_, welche für so viele auffällige Vorfälle im Seelenleben

der Neurotiker die Aufklärung enthält. Die Übertragung kann die

Vorstellung aus dem Vorbewußten, welche somit zu einer unverdient großen

Intensität gelangt, unverändert lassen oder ihr selbst eine Modifikation

durch den Inhalt der übertragenden Vorstellung aufdrängen. Man verzeihe

mir die Neigung zu Gleichnissen aus dem täglichen Leben, aber ich bin

versucht zu sagen, die Verhältnisse liegen für die verdrängte

Vorstellung ähnlich wie in unserem Vaterland für den amerikanischen

Zahnarzt, der seine Praxis nicht ausüben darf, wenn er sich nicht eines

rite promovierten Doktors der Medizin als Aushängeschild und Deckung vor

dem Gesetze bedient. Und ebenso wie es nicht gerade die beschäftigtesten

Ärzte sind, die solche Allianzen mit dem Zahntechniker eingehen, so

werden auch im Psychischen nicht jene vorbewußten oder bewußten

Vorstellungen zur Deckung einer verdrängten erkoren, die selbst genügend

von der im Vorbewußten tätigen Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben.

Das Unbewußte umspinnt mit seinen Verbindungen vorzugsweise jene

Eindrücke und Vorstellungen des Vorbewußten, die entweder als

indifferent außer Beachtung geblieben sind oder denen diese Beachtung

durch Verwerfung alsbald wieder entzogen wurde. Es ist ein bekannter

Satz aus der Assoziationslehre, durch alle Erfahrung bestätigt, daß

Vorstellungen, die eine sehr innige Verbindung nach der einen Seite

angeknüpft haben, sich wie ablehnend gegen ganze Gruppen von neuen

Verbindungen verhalten; ich habe einmal den Versuch gemacht, eine

Theorie der hysterischen Lähmungen auf diesen Satz zu begründen.

Wenn wir annehmen, daß das nämliche Bedürfnis zur Übertragung von den

verdrängten Vorstellungen aus, das uns die Analyse der Neurosen kennen

lehrt, sich auch im Traume geltend macht, so erklären sich auch mit

einem Schlage zwei der Rätsel des Traumes: daß jede Traumanalyse eine

Verwebung eines rezenten Eindruckes nachweist und daß dies rezente

Element oft von der gleichgültigsten Art ist. Wir fügen hinzu, was wir

bereits an anderer Stelle gelernt haben, daß diese rezenten und

indifferenten Elemente als Ersatz der allerältesten aus den

Traumgedanken darum so häufig in den Trauminhalt gelangen, weil sie

gleichzeitig von der Widerstandszensur am wenigsten zu befürchten haben.

Während aber die Zensurfreiheit uns nur die Bevorzugung der trivialen

Elemente aufklärt, läßt die Konstanz der rezenten Elemente auf die

Nötigung zur Übertragung durchblicken. Dem Anspruche des Verdrängten auf

noch assoziationsfreies Material genügen beide Gruppen von Eindrücken,

die indifferenten, weil sie zu ausgiebigen Verbindungen keinen Anlaß

geboten haben, die rezenten, weil dazu noch die Zeit gefehlt hat.

Wir sehen so, daß die Tagesreste, denen wir die indifferenten Eindrücke

jetzt zurechnen dürfen, nicht nur vom ~Ubw~ etwas entlehnen, wenn sie an

der Traumbildung Anteil gewinnen, nämlich die Triebkraft, über die der

verdrängte Wunsch verfügt, sondern daß sie auch dem Unbewußten etwas

Unentbehrliches bieten, die notwendige Anheftung zur Übertragung.

Wollten wir hier in die seelischen Vorgänge tiefer eindringen, so müßten

wir das Spiel der Erregungen zwischen Vorbewußtem und Unbewußtem

schärfer beleuchten, wozu wohl das Studium der Psychoneurosen drängt,

aber gerade der Traum keinen Anhalt bietet.

Nur noch eine Bemerkung über die Tagesreste. Es ist kein Zweifel, daß

sie die eigentlichen Störer des Schlafes sind, und nicht der Traum, der

sich vielmehr bemüht, den Schlaf zu hüten. Hierauf werden wir noch

später zurückkommen.

Wir haben bisher den Traumwunsch verfolgt, ihn aus dem Gebiete des ~Ubw~

abgeleitet und sein Verhältnis zu den Tagesresten zergliedert, die

ihrerseits Wünsche sein können oder psychische Regungen irgend welcher

anderen Art oder einfach rezente Eindrücke. Wir haben so Raum geschaffen

für die Ansprüche, die man zu gunsten der traumbildenden Bedeutung der

wachen Denkarbeit in all ihrer Mannigfaltigkeit erheben kann. Es wäre

nicht einmal unmöglich, daß wir auf Grund unserer Gedankenreihe selbst

jene extremen Fälle aufklären, in denen der Traum als Fortsetzer der

Tagesarbeit eine ungelöste Aufgabe des Wachens zum glücklichen Ende

bringt. Es mangelt uns nur an einem Beispiel solcher Art, um durch

dessen Analyse die infantile oder verdrängte Wunschquelle aufzudecken,

deren Heranziehung die Bemühung der vorbewußten Tätigkeit so erfolgreich

verstärkt hat. Wir sind aber um keinen Schritt der Lösung des Rätsels

nähergekommen, warum das Unbewußte im Schlafe nichts anderes bieten kann

als die Triebkraft zu einer Wunscherfüllung? Die Beantwortung dieser

Frage muß ein Licht auf die psychische Natur des Wünschens werfen; sie

soll an der Hand des Schemas vom psychischen Apparat gegeben werden.

Das Wünschen als primäre Tätigkeit des Unbewußten.

Wir zweifeln nicht daran, daß auch dieser Apparat seine heutige

Vollkommenheit erst über den Weg einer langen Entwicklung erreicht hat.

Versuchen wir's, ihn in eine frühere Stufe seiner Leistungsfähigkeit

zurückzuversetzen. Anderswie zu begründende Annahmen sagen uns, daß der

Apparat zunächst dem Bestreben folgte, sich möglichst reizlos zu

erhalten, und darum in seinem ersten Aufbau das Schema des

Reflexapparates annahm, das ihm gestattete, eine von außen an ihn

anlangende sensible Erregung alsbald auf motorischem Wege abzuführen.

Aber die Not des Lebens stört diese einfache Funktion; ihr verdankt der

Apparat auch den Anstoß zur weiteren Ausbildung. In der Form der großen

Körperbedürfnisse tritt die Not des Lebens zuerst an ihn heran. Die

durch das innere Bedürfnis gesetzte Erregung wird sich einen Abfluß in

die Motilität suchen, die man als »Innere Veränderung« oder als

»Ausdruck der Gemütsbewegung« bezeichnen kann. Das hungrige Kind wird

hilflos schreien oder zappeln. Die Situation bleibt aber unverändert,

denn die vom inneren Bedürfnis ausgehende Erregung entspricht nicht

einer momentan stoßenden, sondern einer kontinuierlich wirkenden Kraft.

Eine Wendung kann erst eintreten, wenn auf irgend einem Wege, beim Kinde

durch fremde Hilfeleistung, die Erfahrung des _Befriedigungserlebnisses_

gemacht wird, das den inneren Reiz aufhebt. Ein wesentlicher Bestandteil

dieses Erlebnisses ist das Erscheinen einer gewissen Wahrnehmung (der

Speise im Beispiel), deren Erinnerungsbild von jetzt an mit der

Gedächtnisspur der Bedürfniserregung assoziiert bleibt. Sobald dies

Bedürfnis ein nächstes Mal auftritt, wird sich, dank der hergestellten

Verknüpfung, eine psychische Regung ergeben, welche das Erinnerungsbild

jener Wahrnehmung wieder besetzen und die Wahrnehmung selbst wieder

hervorrufen, also eigentlich die Situation der ersten Befriedigung

wieder herstellen will. Eine solche Regung ist das, was wir einen Wunsch

heißen; das Wiedererscheinen der Wahrnehmung ist die Wunscherfüllung,

und die volle Besetzung der Wahrnehmung von der Bedürfniserregung her

der kürzeste Weg zur Wunscherfüllung. Es hindert uns nichts, einen

primitiven Zustand des psychischen Apparates anzunehmen, in dem dieser

Weg wirklich so begangen wird, das Wünschen also in ein Halluzinieren

ausläuft. Diese erste psychische Tätigkeit zielt also auf eine

_Wahrnehmungsidentität_, nämlich auf die Wiederholung jener Wahrnehmung,

welche mit der Befriedigung des Bedürfnisses verknüpft ist.

Eine bittere Lebenserfahrung muß diese primitive Denktätigkeit zu einer

zweckmäßigeren, sekundären, modifiziert haben. Die Herstellung der

Wahrnehmungsidentität auf dem kurzen regredienten Wege im Innern des

Apparates hat an anderer Stelle nicht die Folge, welche mit der

Besetzung derselben Wahrnehmung von außen her verbunden ist. Die

Befriedigung tritt nicht ein, das Bedürfnis dauert fort. Um die innere

Besetzung der äußeren gleichwertig zu machen, müßte dieselbe fortwährend

aufrecht erhalten werden, wie es in den halluzinatorischen Psychosen und

in den Hungerphantasien auch wirklich geschieht, die ihre psychische

Leistung in der _Festhaltung_ des gewünschten Objektes erschöpfen. Um

eine zweckmäßigere Verwendung der psychischen Kraft zu erreichen, wird

es notwendig, die volle Regression aufzuhalten, so daß sie nicht über

das Erinnerungsbild hinausgeht und von diesem aus andere Wege suchen

kann, die schließlich zur Herstellung der gewünschten Identität von der

Außenwelt her führen. Diese Hemmung sowie die darauffolgende Ablenkung

der Erregung wird zur Aufgabe eines zweiten Systems, welches die

willkürliche Motilität beherrscht, d. h. an dessen Leistung sich erst

die Verwendung der Motilität zu vorher erinnerten Zwecken anschließt.

All die komplizierte Denktätigkeit aber, welche sich vom Erinnerungsbild

bis zur Herstellung der Wahrnehmungsidentität durch die Außenwelt

fortspinnt, stellt doch nur einen durch die Erfahrung notwendig

gewordenen _Umweg zur Wunscherfüllung_ dar(235). Das Denken ist doch

nichts anderes als der Ersatz des halluzinatorischen Wunsches, und wenn

der Traum eine Wunscherfüllung ist, so wird das eben selbstverständlich,

da nichts anderes als ein Wunsch unseren seelischen Apparat zur Arbeit

anzutreiben vermag. Der Traum, der seine Wünsche auf kurzem regredienten

Wege erfüllt, hat uns hiemit nur eine Probe der _primären_, als

unzweckmäßig verlassenen Arbeitsweise des psychischen Apparates

aufbewahrt. In das Nachtleben scheint verbannt, was einst im Wachen

herrschte, als das psychische Leben noch jung und untüchtig war, etwa

wie wir in der Kinderstube die abgelegten primitiven Waffen der

erwachsenen Menschheit, Pfeil und Bogen, wiederfinden. _Das Träumen ist

ein Stück des überwundenen Kinderseelenlebens._ In den Psychosen werden

diese sonst im Wachen unterdrückten Arbeitsweisen des psychischen

Apparates sich wiederum Geltung erzwingen und dann ihre Unfähigkeit zur

Befriedigung unserer Bedürfnisse gegen die Außenwelt an den Tag

legen(236).

(235) Von der Wunscherfüllung des Traumes rühmt _Le Lorrain_ mit

Recht: »Sans fatigue sérieuse, sans être obligé de recourir à cette

lutte opiniâtre et longue qui use et corrode les jouissances

poursuivies.«

(236) Ich habe diesen Gedankengang an anderer Stelle (Formulierungen

über die zwei Prinzipien des psychischen Geschehens, Sammlung kl.

Schriften z. Neurosenlehre, dritte Folge, 1913) weiter ausgeführt und

als die beiden Prinzipien das Lust- und das Realitätsprinzip

hingestellt.

Die Traumdeutung · 第 54 / 57 题