_Dem Vater ist ein großes Unglück widerfahren. Er ist mit dem Nachtzuge
gefahren, da ist eine Entgleisung erfolgt, die Sitze sind
zusammengekommen, und ihm ist der Kopf quer zusammengedrückt worden. Er
sieht ihn dann auf dem Bette liegen, mit einer Wunde über dem
Augenbrauenrand links, die vertikal verläuft. Er wundert sich darüber,
daß der Vater verunglückt ist_ (_da er doch schon tot ist_, wie er bei
der Erzählung ergänzt). _Die Augen sind so klar._
Nach der herrschenden Beurteilung der Träume hätte man sich diesen
Trauminhalt so aufzuklären: Der Träumer hat zuerst, während er sich den
Unfall seines Vaters vorstellt, vergessen, daß dieser schon seit Jahren
im Grabe ruht; im weiteren Verlaufe des Träumens wacht diese Erinnerung
auf und bewirkt, daß er sich über den eigenen Traum noch selbst träumend
verwundert. Die Analyse lehrt aber, daß es vor allem überflüssig ist,
nach solchen Erklärungen zu greifen. Der Träumer hatte bei einem
Künstler eine _Büste_ des Vaters bestellt, die er zwei Tage vor dem
Traume in Augenschein genommen hat. Diese ist es, die ihm _verunglückt_
vorkommt. Der Bildhauer hat den Vater nie gesehen, er arbeitet nach ihm
vorgelegten Photographien. Am Tage vor dem Traume selbst hat der
pietätvolle Sohn einen alten Diener der Familie ins Atelier geschickt,
ob auch der dasselbe Urteil über den marmornen Kopf fällen wird, nämlich
daß _er zu schmal in der Querrichtung_ von Schläfe zu Schläfe
ausgefallen ist. Nun folgt das Erinnerungsmaterial, das zum Aufbau
dieses Traumes beigetragen hat. Der Vater hatte die Gewohnheit, wenn
geschäftliche Sorgen oder Schwierigkeiten in der Familie ihn quälten,
sich beide Hände gegen die Schläfen zu drücken, als ob er seinen Kopf,
der ihm zu weit würde, zusammenpressen wollte. -- Als Kind von vier
Jahren war unser Träumer zugegen, wie das Losgehen einer zufällig
geladenen Pistole dem Vater die Augen schwärzte (_die Augen sind so
klar_). -- An der Stelle, wo der Traum die Verletzung des Vaters zeigt,
trug der Lebende, wenn er nachdenklich oder traurig war, eine tiefe
Längsfurche zur Schau. Daß diese Furche im Traume durch eine Wunde
ersetzt ist, deutet auf die zweite Veranlassung des Traumes hin. Der
Träumer hatte sein kleines Töchterchen photographiert; die Platte war
ihm aus der Hand gefallen und zeigte, als er sie aufhob, einen Sprung,
der wie eine senkrechte Furche über die Stirn der Kleinen lief und bis
zum Augenbrauenbogen reichte. Da konnte er sich abergläubischer Ahnungen
nicht erwehren, denn einen Tag vor dem Tode der Mutter war ihm die
photographische Platte mit deren Abbild gesprungen.
Die Absurdität dieses Traumes ist also bloß der Erfolg einer
Nachlässigkeit des sprachlichen Ausdruckes, der die Büste und die
Photographie von der Person nicht unterscheiden will. Wir sind alle
gewöhnt so zu reden: Findest du den Vater nicht getroffen? Freilich wäre
der Anschein der Absurdität in diesem Traume leicht zu vermeiden
gewesen. Wenn man schon nach einer einzigen Erfahrung urteilen dürfte,
so möchte man sagen, dieser Anschein von Absurdität ist ein zugelassener
oder gewollter.
II. Ein zweites, ganz ähnliches Beispiel aus meinen eigenen Träumen (ich
habe meinen Vater im Jahre 1896 verloren):
_Der Vater hat nach seinem Tode eine politische Rolle bei den Magyaren
gespielt, sie politisch geeinigt_, wozu ich ein kleines undeutliches
Bild sehe: _eine Menschenmenge wie im Reichstage; eine Person, die auf
einem oder auf zwei Stühlen steht, andere um ihn herum. Ich erinnere
mich daran, daß er auf dem Totenbette Garibaldi so ähnlich gesehen hat,
und freue mich, daß diese Verheißung doch wahr geworden ist._
Das ist doch absurd genug. Es ist zur Zeit geträumt, da die Ungarn durch
parlamentarische _Obstruktion_ in den gesetzlosen Zustand gerieten und
jene Krise durchmachten, aus der _Koloman Szell_ sie befreite. Der
geringfügige Umstand, daß die im Traume gesehene Szene aus so kleinen
Bildern besteht, ist nicht ohne Bedeutung für die Aufklärung dieses
Elements. Die gewöhnliche visuelle Traumdarstellung unserer Gedanken
ergibt Bilder, die uns etwa den Eindruck der Lebensgröße machen; mein
Traumbild ist aber die Reproduktion eines in den Text einer
illustrierten Geschichte Österreichs eingeschobenen Holzschnittes, der
Maria Theresia auf dem Reichstage von Preßburg darstellt; die berühmte
Szene des »Moriamur pro rege nostro«(164). Wie dort Maria Theresia, so
steht im Traume der Vater von der Menge umringt; er steht aber auf einem
oder zwei Stühlen, also als _Stuhlrichter_. (Er hat sie _geeinigt_: --
hier vermittelt die Redensart: Wir werden keinen _Richter_ brauchen.)
Daß er auf dem Totenbette _Garibaldi_ so ähnlich sah, haben wir
Umstehenden wirklich alle bemerkt. Er hatte _postmortale_
Temperatursteigerung, seine Wangen glühten rot und röter . . .
unwillkürlich setzen wir fort: Und hinter ihm, in wesenlosem Scheine
lag, was uns alle bändigt, das Gemeine.
(164) Ich weiß nicht mehr, bei welchem Autor ich einen Traum erwähnt
gefunden habe, in dem es von ungewöhnlich kleinen Gestalten wimmelte,
und als dessen Quelle sich einer der Stiche _Jacques Callots_
herausstellte, die der Träumer bei Tag betrachtet hatte. Diese Stiche
enthalten allerdings eine Unzahl sehr kleiner Figuren; eine Reihe
derselben behandelt die Greuel des Dreißigjährigen Krieges.
Einzelne Absurditäten im Traum.
Diese Erhebung unserer Gedanken bereitet uns darauf vor, daß wir gerade
mit dem »Gemeinen« zu tun bekommen sollen. Das »_postmortale_« der
Temperaturerhöhung entspricht den Worten »_nach seinem Tode_« im
Trauminhalt. Das Quälendste seiner Leiden war die völlige Darmlähmung
(_Obstruktion_) der letzten Wochen gewesen. An diese knüpfen allerlei
unehrerbietige Gedanken an. Einer meiner Altersgenossen, der seinen
Vater noch als Gymnasiast verlor, bei welchem Anlaß ich ihm dann tief
erschüttert meine Freundschaft antrug, erzählte mir einmal höhnend von
dem Schmerze einer Verwandten, deren Vater auf der Straße gestorben und
nach Hause gebracht worden war, wo sich dann bei der Entkleidung der
Leiche fand, daß im Moment des Todes oder _postmortal_ eine
_Stuhlentleerung_ stattgefunden hatte. Die Tochter war so tief
unglücklich darüber, daß ihr dieses häßliche Detail die Erinnerung an
den Vater stören mußte. Hier sind wir nun zu dem Wunsche vorgedrungen,
der sich in diesem Traume verkörpert. _Nach seinem Tode rein und groß
vor seinen Kindern dastehen_, wer möchte das nicht wünschen? Wohin ist
die Absurdität dieses Traumes geraten? Ihr Anschein ist nur dadurch zu
stande gekommen, daß eine völlig zulässige Redensart, bei welcher wir
gewöhnt sind, über die Absurdität hinwegzusehen, die zwischen ihren
Bestandteilen vorhanden sein mag, im Traume getreulich dargestellt wird.
Auch hier können wir den Eindruck nicht abweisen, daß der Anschein der
Absurdität ein gewollter, absichtlich hervorgerufener ist(165).
(165) Die Häufigkeit, mit welcher im Traume tote Personen wie lebend
auftreten, handeln und mit uns verkehren, hat eine ungebührliche
Verwunderung hervorgerufen und sonderbare Erklärungen erzeugt, aus
denen unser Unverständnis für den Traum sehr auffällig erhellt. Und
doch ist die Aufklärung dieser Träume eine sehr naheliegende. Wie oft
kommen wir in die Lage uns zu denken: _Wenn_ der Vater noch leben
würde, was würde er dazu sagen? Dieses _Wenn_ kann der Traum nicht
anders darstellen als durch die Gegenwart in einer bestimmten
Situation. So träumt z. B. ein junger Mann, dem sein Großvater ein
großes Erbe hinterlassen hat, bei einer Gelegenheit von Vorwurf wegen
einer bedeutenden Geldausgabe, der Großvater sei wieder am Leben und
fordere Rechenschaft von ihm. Was wir für die Auflehnung gegen den
Traum halten, der Einspruch aus unserem besseren Wissen, daß der Mann
doch schon gestorben sei, ist in Wirklichkeit der Trostgedanke, daß
der Verstorbene das nicht zu erleben brauchte, oder die Befriedigung
darüber, daß er nichts mehr dreinzureden hat.
Eine andere Art von Absurdität, die sich in Träumen von toten
Angehörigen findet, drückt nicht Spott und Hohn aus, sondern dient der
äußersten Ablehnung, der Darstellung eines verdrängten Gedankens, den
man gerne als das Allerundenkbarste hinstellen möchte. Träume dieser
Art erscheinen nur auflösbar, wenn man sich erinnert, daß der Traum
zwischen Gewünschtem und Realem keinen Unterschied macht. So träumt
z. B. ein Mann, der seinen Vater in dessen Krankheit gepflegt und
unter dessen Tod schwer gelitten hatte, eine Zeit nachher folgenden
unsinnigen Traum: _Der Vater war wieder am Leben und sprach mit ihm
wie sonst, aber_ (das Merkwürdige war), _er war doch gestorben und
wußte es nur nicht._ Man versteht diesen Traum, wenn man nach »er war
doch gestorben« einsetzt: _infolge des Wunsches des Träumers_ und zu
»er wußte es nicht« ergänzt: _daß der Träumer diesen Wunsch hatte_.
Der Sohn hatte während der Krankenpflege wiederholt den Vater tot
gewünscht, d. h. den eigentlich erbarmungsvollen Gedanken gehabt, der
Tod möge doch endlich dieser Qual ein Ende machen. In der Trauer nach
dem Tode wurde selbst dieser Wunsch des Mitleidens zum unbewußten
Vorwurf, als ob er durch ihn wirklich beigetragen hätte, das Leben des
Kranken zu verkürzen. Durch Erweckung der frühinfantilsten Regungen
gegen den Vater wurde es möglich, diesen Vorwurf als Traum
auszudrücken, aber gerade wegen der weltenweiten Gegensätzlichkeit
zwischen dem Traumerreger und dem Tagesgedanken mußte dieser Traum so
absurd ausfallen. (Vgl. hiezu: Formulierungen über die zwei Prinzipien
des seelischen Geschehens. Jahrbuch f. Ps.-A., III, 1911.)
III. In dem Beispiel, das ich jetzt anführe, kann ich die Traumarbeit
dabei ertappen, wie sie eine Absurdität, zu der im Material gar kein
Anlaß ist, absichtlich fabriziert. Es stammt aus dem Traume, den mir die
Begegnung mit dem Grafen _Thun_ vor meiner Ferialreise eingegeben hat.
_Ich fahre in einem Einspänner und gebe Auftrag, zu einem Bahnhofe zu
fahren. »Auf der Bahnstrecke selbst kann ich natürlich nicht mit Ihnen
fahren«, sage ich, nachdem er einen Einwand gemacht, als ob ich ihn
übermüdet hätte; dabei ist es so, als wäre ich schon eine Strecke mit
ihm gefahren, die man sonst mit der Bahn fährt._ Zu dieser verworrenen
und unsinnigen Geschichte gibt die Analyse folgende Aufklärungen: Ich
hatte am Tage einen Einspänner genommen, der mich nach Dornbach in eine
entlegene Straße führen sollte. Er kannte aber den Weg nicht und fuhr
nach Art dieser guten Leute immer weiter, bis ich es merkte und ihm den
Weg zeigte, wobei ich ihm einige spöttische Bemerkungen nicht ersparte.
Von diesem Kutscher spinnt sich eine Gedankenverbindung zu den
Aristokraten an, mit der ich später noch zusammentreffen werde.
Vorläufig nur die Andeutung, daß uns bürgerlichem Plebs die Aristokratie
dadurch auffällig wird, daß sie sich mit Vorliebe an die Stelle des
Kutschers setzt. Graf _Thun_ lenkt ja auch den Staatswagen von
_Österreich_. Der nächste Satz im Traume bezieht sich aber auf meinen
Bruder, den ich also mit dem Einspännerkutscher identifiziere. Ich hatte
ihm heuer die gemeinsame Italienfahrt abgesagt (»Auf die Bahnstrecke
selbst kann ich mit Ihnen nicht fahren«), und diese Absage war eine Art
Bestrafung für seine sonstige Klage, daß ich ihn auf diesen Reisen zu
_übermüden_ pflege (was unverändert in den Traum gelangt), indem ich ihm
zu rasche Ortsveränderung, zu viel des Schönen an einem Tage, zumute.
Mein Bruder hatte mich an diesem Abend zum Bahnhofe begleitet, war aber
kurz vorher bei der Stadtbahnstation Westbahnhof ausgesprungen, um mit
der Stadtbahn nach Purkersdorf zu fahren. Ich hatte ihm bemerkt, er
könne noch eine Weile länger bei mir bleiben, indem er nicht mit der
Stadtbahn, sondern mit der Westbahn nach Purkersdorf fahre. Davon ist in
den Traum gekommen, daß ich mit dem _Wagen_ eine Strecke gefahren bin,
_die man sonst mit der Bahn fährt_. In Wirklichkeit war es umgekehrt
(und »_Umgekehrt ist auch gefahren_«); ich hatte meinem Bruder gesagt:
Die Strecke, die du mit der Stadtbahn fährst, kannst du auch in meiner
Gesellschaft in der Westbahn fahren. Die ganze Traumverwirrung richte
ich dadurch an, daß ich anstatt »Stadtbahn« -- »Wagen« in den Traum
einsetze, was allerdings zur Zusammenziehung des Kutschers mit dem
Bruder gute Dienste leistet. Dann bekomme ich im Traume etwas Unsinniges
heraus, was bei der Erklärung kaum entwirrbar scheint, und beinahe einen
Widerspruch mit einer früheren Rede von mir (»Auf die Bahnstrecke selbst
kann ich mit Ihnen nicht fahren«) herstellt. Da ich aber Stadtbahn und
Einspännerwagen überhaupt nicht zu verwechseln brauche, muß ich diese
ganze rätselhafte Geschichte im Traume absichtlich so gestaltet haben.
Die Absurdität ist eine absichtlich hergestellte.
In welcher Absicht aber? Wir sollen nun erfahren, was die Absurdität im
Traume bedeutet, und aus welchen Motiven sie zugelassen oder geschaffen
wird. Die Lösung des Geheimnisses im vorliegenden Falle ist folgende:
Ich brauche im Traume eine Absurdität und etwas Unverständliches in
Verbindung mit dem »Fahren«, weil ich in den Traumgedanken ein gewisses
Urteil habe, das nach Darstellung verlangt. An einem Abend bei jener
gastfreundlichen und geistreichen Dame, die in einer anderen Szene des
nämlichen Traumes als »Haushälterin« auftritt, hatte ich zwei Rätsel
gehört, die ich nicht auflösen konnte. Da sie der übrigen Gesellschaft
bekannt waren, machte ich mit meinen erfolglosen Bemühungen, die Lösung
zu finden, eine etwas lächerliche Figur. Es waren zwei Äquivoke mit
»Nachkommen« und »Vorfahren«. Sie lauteten, glaube ich, so:
Der Herr befiehlt's,
Der _Kutscher_ tut's.
Ein jeder hat's,
Im Grabe ruht's.
(_Vorfahren_.)
Verwirrend wirkte es, daß das zweite Rätsel zur einen Hälfte identisch
mit dem ersten war:
Der Herr befiehlt's,
Der _Kutscher_ tut's.
Nicht jeder hat's,
In der Wiege ruht's.
(_Nachkommen_.)
Als ich nun den Grafen _Thun_ so großmächtig _vorfahren_ sah, in die
»_Figaro_«-Stimmung geriet, die das Verdienst der hohen Herren darin
findet, daß sie sich die Mühe gegeben haben, geboren zu werden
(_Nachkommen_ zu sein), wurden diese beiden Rätsel zu Zwischengedanken
für die Traumarbeit. Da man Aristokraten leicht mit Kutschern
verwechseln kann, und man dem Kutscher früher einmal in unseren Landen
»Herr Schwager« zu sagen pflegte, konnte die Verdichtungsarbeit meinen
Bruder in dieselbe Darstellung einbeziehen. Der Traumgedanke aber, der
dahinter gewirkt hat, lautet: _Es ist ein Unsinn, auf seine Vorfahren
stolz zu sein. Lieber bin ich selber ein Vorfahr, ein Ahnherr._ Wegen
dieses Urteils: Es ist ein Unsinn, also der Unsinn im Traume. Jetzt löst
sich wohl auch das letzte Rätsel dieser dunklen Traumstelle, daß ich mit
dem Kutscher schon _vorher gefahren_, mit ihm schon _vorgefahren_.
Der Traum wird also dann absurd gemacht, wenn in den Traumgedanken als
eines der Elemente des Inhaltes das Urteil vorkommt: _Das ist ein
Unsinn_, wenn überhaupt Kritik und Spott einen der unbewußten
Gedankenzüge des Träumers motivieren. Das Absurde wird somit eines der
Mittel, durch welches die Traumarbeit den Widerspruch darstellt, wie die
Umkehrung einer Materialbeziehung zwischen Traumgedanken und
Trauminhalt, wie die Verwertung der motorischen Hemmungsempfindung. Das
Absurde des Traumes ist aber nicht mit einem einfachen »Nein« zu
übersetzen, sondern soll die Disposition der Traumgedanken wiedergeben,
gleichzeitig mit dem Widerspruch zu höhnen oder zu lachen. Nur in dieser
Absicht liefert die Traumarbeit etwas Lächerliches. Sie verwandelt hier
wiederum _ein Stück des latenten Inhaltes in eine manifeste Form_(166).
(166) Die Traumarbeit parodiert also den ihr als lächerlich
bezeichneten Gedanken, indem sie etwas Lächerliches in Beziehung mit
ihm erschafft. So ähnlich verfährt _Heine_, wenn er die schlechten
Verse des Bayerkönigs verspotten will. Er tut es in noch schlechteren:
Herr Ludwig ist ein großer Poet,
Und singt er, so stürzt Apollo
Vor ihm auf die Knie und bittet und fleht,
»Halt ein, ich werde sonst toll oh!«
Eigentlich sind wir einem überzeugenden Beispiel von solcher Bedeutung
eines absurden Traumes schon begegnet. Jener ohne Analyse gedeutete
Traum von der _Wagner_vorstellung, die bis morgens ¾8 Uhr dauert, bei
der das Orchester von einem Turme aus dirigiert wird usw. (siehe
p. 254), will offenbar besagen: Das ist eine _verdrehte_ Welt und eine
_verrückte_ Gesellschaft. Wer's verdient, den trifft es nicht, und wer
sich nichts daraus macht, der hat's, womit sie ihr Schicksal im
Vergleiche zu dem ihrer Cousine meint. -- Daß sich uns als Beispiele für
die Absurdität der Träume zunächst solche vom toten Vater dargeboten
haben, ist auch keineswegs ein Zufall. Hier finden sich die Bedingungen
für die Schöpfung absurder Träume in typischer Weise zusammen. Die
Autorität, die dem Vater eigen ist, hat frühzeitig die Kritik des Kindes
hervorgerufen; die strengen Anforderungen, die er gestellt, haben das
Kind veranlaßt, zu seiner Erleichterung auf jede Schwäche des Vaters
scharf zu achten; aber die Pietät, mit der die Person des Vaters
besonders nach seinem Tode für unser Denken umgeben ist, verschärft die
Zensur, welche die Äußerungen dieser Kritik vom Bewußtwerden abdrängt.