5. _Zur Harnsymbolik_.

Die hier reproduzierten Zeichnungen stammen aus einer Reihe von Bildern,

die _Ferenczi_ in einem ungarischen Witzblatt (»Fidibusz«) aufgefunden

und in ihrer Brauchbarkeit zur Illustration der Traumtheorie erkannt

hat. O. _Rank_ hat das nebenstehende als »_Traum der französischen

Bonne_« überschriebene Blatt bereits in seiner Arbeit über die

Symbolschichtung im Wecktraum usw. (p. 99) verwertet.

Erst das letzte Bild, welches das Erwachen der Bonne infolge des

Geschreis des Kindes enthält, zeigt uns, daß die früheren sieben die

Phasen eines Traumes darstellen. Das erste Bild anerkennt den Reiz, der

zum Erwachen führen sollte. Der Knabe hat ein Bedürfnis geäußert und

verlangt die entsprechende Hilfeleistung. Der Traum vertauscht aber die

Situation im Schlafzimmer mit der eines Spazierganges. Im zweiten Bild

hat sie den Knaben bereits an eine Straßenecke gestellt, er uriniert und

-- sie darf weiterschlafen. Der Weckreiz hält aber an, ja er verstärkt

sich; der Knabe, der sich nicht beachtet findet, brüllt immer kräftiger.

Je dringender er das Erwachen und die Hilfeleistung seiner Bonne

fordert, desto mehr steigert deren Traum seine Versicherung, daß alles

in Ordnung sei und daß sie nicht zu erwachen brauche. Er übersetzt dabei

den Weckreiz in die Dimensionen des Symbols. Der Wasserstrom, welchen

der urinierende Knabe liefert, wird immer mächtiger. Im vierten Bild

trägt er bereits einen Kahn, dann eine Gondel, ein Segelschiff, endlich

ein großes Dampfschiff! Der Kampf zwischen dem eigensinnigen

Schlafbedürfnis und dem unermüdlichen Weckreiz ist hier in

geistreichster Weise von einem mutwilligen Künstler verbildlicht.

[Illustration]

Die Traumdeutung · 第 39 / 57 题