3. _Darstellung des Genitales durch Gebäude, Stiegen, Schachte_.

(Traum eines durch seinen Vaterkomplex gehemmten jungen Mannes.)

»Er geht mit seinem Vater an einem Ort spazieren, der gewiß der Prater

ist, denn man sieht die _Rotunde_, vor dieser einen kleineren _Vorbau_,

an dem ein _Fesselballon_ angebracht ist, der aber ziemlich _schlaff_

scheint. Sein Vater fragt ihn, wozu das alles ist; er wundert sich

darüber, erklärt es ihm aber. Dann kommen sie in einen Hof, in dem eine

große Platte von Blech ausgebreitet liegt. Sein Vater will sich ein

großes Stück davon _abreißen_, sieht sich aber vorher um, ob es nicht

jemand bemerken kann. Er sagt ihm, er braucht es doch nur dem Aufseher

zu sagen, dann kann er sich ohne weiteres davon nehmen. Aus diesem Hof

führt eine _Treppe_ in einen _Schacht_ herunter, dessen Wände weich

ausgepolstert sind, etwa wie ein Lederfauteuil. Am Ende dieses Schachtes

ist eine längere Plattform und dann beginnt ein neuer _Schacht_ . . .«

_Analyse_. Dieser Träumer gehörte einem therapeutisch nicht günstigen

Typus von Kranken an, die bis zu einem gewissen Punkt der Analyse

überhaupt keine Widerstände machen und sich von da an fast unzugänglich

erweisen. Diesen Traum deutete er fast selbständig. Die Rotunde, sagte

er, ist mein Genitale, der Fesselballon davor mein Penis, über dessen

Schlaffheit ich zu klagen habe. Man darf also eingehender übersetzen,

die Rotunde sei das -- vom Kind regelmäßig zum Genitale gerechnete --

Gesäß, der kleinere Vorbau der Hodensack. Im Traum fragt ihn der Vater,

was das alles ist, d. h. nach Zweck und Verrichtung der Genitalien. Es

liegt nahe, diesen Sachverhalt umzukehren, so daß er der fragende Teil

wird. Da eine solche Befragung des Vaters in Wirklichkeit nie

stattgefunden hat, muß man den Traumgedanken als Wunsch auffassen oder

ihn etwa konditionell nehmen: »Wenn ich den Vater um sexuelle Aufklärung

gebeten hätte.« Die Fortsetzung dieses Gedankens werden wir bald an

anderer Stelle finden.

Symbolische Bauten. -- Landschaften.

Der Hof, in dem das Blech ausgebreitet liegt, ist nicht in erster Linie

symbolisch zu fassen, sondern stammt aus dem Geschäftslokal des Vaters.

Aus Gründen der Diskretion habe ich das »Blech« für das andere Material,

mit dem der Vater handelt, eingesetzt, ohne sonst etwas am Wortlaut des

Traumes zu ändern. Der Träumer ist in das Geschäft des Vaters

eingetreten und hat an den eher unkorrekten Praktiken, auf denen der

Gewinn zum guten Teil beruht, gewaltigen Anstoß genommen. Daher dürfte

die Fortsetzung des obigen Traumgedankens lauten: (»Wenn ich ihn gefragt

hätte), würde er mich betrogen haben, wie er seine Kunden betrügt.« Für

das _Abreißen_, welches der Darstellung der geschäftlichen Unredlichkeit

dient, gibt der Träumer selbst die zweite Erklärung, es bedeute die

Onanie. Dies ist uns nicht nur längst bekannt (siehe oben p. 259),

sondern stimmt auch sehr gut dazu, daß das Geheimnis der Onanie durch

das Gegenteil ausgedrückt ist (man darf es ja offen tun). Es entspricht

dann allen Erwartungen, daß die onanistische Tätigkeit wieder dem Vater

zugeschoben wird, wie die Befragung in der ersten Traumszene. Den

Schacht deutet er sofort unter Berufung auf die weiche Polsterung der

Wände als Vagina. Daß das Herabsteigen wie sonst das Aufsteigen den

Koitusverkehr in der Vagina beschreiben will, setze ich aus anderer

Kenntnis ein (vgl. meine Bemerkung im Zentralblatt f. Psychoanalyse, I,

1, 1910; siehe oben p. 262 Note).

Die Einzelheiten, daß auf den ersten Schacht eine längere Plattform

folgt und dann ein neuer Schacht, erklärt er selbst biographisch. Er hat

eine Zeitlang koitiert, dann den Verkehr infolge von Hemmungen

aufgegeben und hofft ihn jetzt mit Hilfe der Kur wieder aufnehmen zu

können. Der Traum wird aber gegen Ende undeutlicher und dem Kundigen muß

es plausibel erscheinen, daß sich schon in der zweiten Traumszene der

Einfluß eines anderen Themas geltend mache, auf welches das Geschäft des

Vaters, sein betrügerisches Vorgehen, die erste als Schacht dargestellte

Vagina deuten, so daß man eine Beziehung auf die Mutter annehmen könnte.

4. _Das männliche Genitale durch Personen, das weibliche durch eine

Landschaft symbolisiert_.

(Traum einer Frau aus dem Volke, deren Mann Wachmann ist, mitgeteilt

von B. _Dattner_.)

. . . Dann sei jemand in die Wohnung eingebrochen und sie habe angstvoll

nach einem Wachmanne gerufen. Dieser aber sei mit zwei »Pülchern«

einträchtig in eine Kirche(139) gegangen, zu der mehrere Stufen(140)

emporführten; hinter der Kirche sei ein Berg(141) gewesen und oben ein

dichter Wald(142). Der Wachmann sei mit einem Helm, Ringkragen und

Mantel(143) versehen gewesen. Er habe einen braunen Vollbart gehabt. Die

beiden Vaganten, die friedlich mit dem Wachmann gegangen seien, hätten

sackartig aufgebundene Schürzen um die Lenden gehabt(144). Vor der

Kirche habe zum Berg ein Weg geführt. Dieser sei beiderseits mit Gras

und Gestrüpp verwachsen gewesen, das immer dichter wurde und auf der

Höhe des Berges ein ordentlicher Wald geworden sei.

(139) Oder Kapelle = Vagina.

(140) Symbol des Koitus.

(141) Mons veneris.

(142) Crines pubis.

(143) Dämonen in Mänteln und Kapuzen sind nach der Aufklärung eines

Fachmannes phallischer Natur.

(144) Die beiden Hälften des Hodensackes.

Die Traumdeutung · 第 38 / 57 题