II. Traum vom 10./11. Oktober.

Ich arbeite wieder einmal Chemie im Universitätslaboratorium. Hofrat

L. lädt mich ein, an einen anderen Ort zu kommen und geht auf dem

Korridor voran, eine Lampe oder sonst ein Instrument wie scharfsinnig

(?) (scharfsichtig?) in der erhobenen Hand vor sich hintragend, in

eigentümlicher Haltung mit vorgestrecktem Kopf. Wir kommen dann über

einen freien Platz . . . (Rest vergessen).

Das Auffälligste in diesem Trauminhalt ist die Art, wie Hofrat L. die

Lampe (oder Lupe) vor sich hinträgt, das Auge spähend in die Weite

gerichtet. L. habe ich viele Jahre lang nicht mehr gesehen, aber ich

weiß jetzt schon, er ist nur eine Ersatzperson für einen anderen,

größeren, für den _Archimedes_ nahe bei der Arethusaquelle in

_Syrakus_, der genau so wie er im Traume dasteht und so den

Brennspiegel handhabt, nach dem Belagerungsheer der Römer spähend.

Wann habe ich dieses Denkmal zuerst (und zuletzt) gesehen? Nach meinen

Aufzeichnungen war es am 17. September abends und von diesem Datum bis

zum Traume sind tatsächlich 13 + 10 = 23 Tage verstrichen, eine

»männliche Periode« nach _Fließ_.

Leider hebt das Eingehen auf die Deutung des Traumes auch hier ein

Stück von der Unerläßlichkeit dieses Zusammenhanges auf. Der

Traumanlaß war die am Traumtag erhaltene Nachricht, daß die Klinik, in

deren Hörsaal ich als Gast meine Vorlesungen abhalte, demnächst

anderswohin verlegt werden solle. Ich nahm an, daß die neue Lokalität

sehr unbequem gelegen sei, sagte mir, es werde dann sein, als ob ich

überhaupt keinen Hörsaal zur Verfügung habe und von da an müßten meine

Gedanken bis in den Beginn meiner Dozentenzeit zurückgegangen sein,

als ich wirklich keinen Hörsaal hatte und mit meinen Bemühungen, mir

einen zu verschaffen, auf geringes Entgegenkommen bei den

hochvermögenden Herren Hofräten und Professoren stieß. Ich ging damals

zu L., der gerade die Würde eines Dekans bekleidete und den ich für

einen Gönner hielt, um ihm meine Not zu klagen. Er versprach mir

Abhilfe, ließ aber dann nichts weiter von sich hören. Im Traum ist er

der Archimedes, der mir gibt, ποῦ στῶ und mich selbst in die andere

Lokalität geleitet. Daß den Traumgedanken weder Rachsucht noch

Größenbewußtsein fremd sind, wird der Deutungskundige leicht erraten.

Ich muß aber urteilen, daß ohne diesen Traumanlaß der Archimedes kaum

in den Traum dieser Nacht gelangt wäre; es bleibt mir unsicher, ob der

starke und noch rezente Eindruck der Statue in Siracusa sich nicht

auch bei einem anderen Zeitintervall geltend gemacht hätte.

Die Traumdeutung · 第 29 / 57 题