Ich arbeite wieder einmal Chemie im Universitätslaboratorium. Hofrat
L. lädt mich ein, an einen anderen Ort zu kommen und geht auf dem
Korridor voran, eine Lampe oder sonst ein Instrument wie scharfsinnig
(?) (scharfsichtig?) in der erhobenen Hand vor sich hintragend, in
eigentümlicher Haltung mit vorgestrecktem Kopf. Wir kommen dann über
einen freien Platz . . . (Rest vergessen).
Das Auffälligste in diesem Trauminhalt ist die Art, wie Hofrat L. die
Lampe (oder Lupe) vor sich hinträgt, das Auge spähend in die Weite
gerichtet. L. habe ich viele Jahre lang nicht mehr gesehen, aber ich
weiß jetzt schon, er ist nur eine Ersatzperson für einen anderen,
größeren, für den _Archimedes_ nahe bei der Arethusaquelle in
_Syrakus_, der genau so wie er im Traume dasteht und so den
Brennspiegel handhabt, nach dem Belagerungsheer der Römer spähend.
Wann habe ich dieses Denkmal zuerst (und zuletzt) gesehen? Nach meinen
Aufzeichnungen war es am 17. September abends und von diesem Datum bis
zum Traume sind tatsächlich 13 + 10 = 23 Tage verstrichen, eine
»männliche Periode« nach _Fließ_.
Leider hebt das Eingehen auf die Deutung des Traumes auch hier ein
Stück von der Unerläßlichkeit dieses Zusammenhanges auf. Der
Traumanlaß war die am Traumtag erhaltene Nachricht, daß die Klinik, in
deren Hörsaal ich als Gast meine Vorlesungen abhalte, demnächst
anderswohin verlegt werden solle. Ich nahm an, daß die neue Lokalität
sehr unbequem gelegen sei, sagte mir, es werde dann sein, als ob ich
überhaupt keinen Hörsaal zur Verfügung habe und von da an müßten meine
Gedanken bis in den Beginn meiner Dozentenzeit zurückgegangen sein,
als ich wirklich keinen Hörsaal hatte und mit meinen Bemühungen, mir
einen zu verschaffen, auf geringes Entgegenkommen bei den
hochvermögenden Herren Hofräten und Professoren stieß. Ich ging damals
zu L., der gerade die Würde eines Dekans bekleidete und den ich für
einen Gönner hielt, um ihm meine Not zu klagen. Er versprach mir
Abhilfe, ließ aber dann nichts weiter von sich hören. Im Traum ist er
der Archimedes, der mir gibt, ποῦ στῶ und mich selbst in die andere
Lokalität geleitet. Daß den Traumgedanken weder Rachsucht noch
Größenbewußtsein fremd sind, wird der Deutungskundige leicht erraten.
Ich muß aber urteilen, daß ohne diesen Traumanlaß der Archimedes kaum
in den Traum dieser Nacht gelangt wäre; es bleibt mir unsicher, ob der
starke und noch rezente Eindruck der Statue in Siracusa sich nicht
auch bei einem anderen Zeitintervall geltend gemacht hätte.