I. Traum vom 1./2. Oktober 1910.

(Bruchstück) . . . Irgendwo in Italien. Drei Töchter zeigen mir kleine

Kostbarkeiten, wie in einem Antiquarladen, setzen sich mir dabei auf

den Schoß. Bei einem der Stücke sage ich: Das haben Sie ja von mir.

Ich sehe dabei deutlich eine kleine Profilmaske mit den scharf

geschnittenen Zügen _Savonarolas_.

Wann habe ich zuletzt das Bild _Savonarolas_ gesehen? Ich war nach dem

Ausweis meines Reisetagebuches am 4. und 5. September in Florenz; dort

dachte ich daran, meinem Reisebegleiter das Medaillon mit den Zügen

des fanatischen Mönchs im Pflaster der Piazza Signoria an der Stelle,

wo er den Tod durch Verbrennung fand, zu zeigen, und ich meine, am 5.

vormittags machte ich ihn auf dasselbe aufmerksam. Von diesem Eindruck

bis zur Wiederkehr im Traume sind allerdings 27 + 1 Tage verflossen,

eine »weibliche Periode« nach _Fließ_. Zum Unglück für die Beweiskraft

dieses Beispieles muß ich aber erwähnen, daß _an dem Traumtage selbst_

der tüchtige, aber düster blickende Kollege bei mir war (das erste Mal

seit meiner Rückkunft), für den ich vor Jahren schon den Scherznamen

»Rabbi Savonarola« aufgebracht habe. Er stellte mir einen

Unfallkranken vor, der in dem Pontebbazug verunglückt war, in dem ich

selbst acht Tage vorher gereist war, und leitete so meine Gedanken zur

letzten Italienreise zurück. Das Erscheinen des auffälligen Elementes

»_Savonarola_« im Trauminhalt ist durch diesen Besuch des Kollegen am

Traumtage aufgeklärt, das 28 tägige Intervall wird seiner Bedeutung

für dessen Herleitung verlustig.

Die Traumdeutung · 第 28 / 57 题