Die Schmiede bilden eine besondere Kaste. Das Waldfest begehen sie

mit den andern Vaasu zusammen, die Frauenfeste dagegen feiern sie

streng nur innerhalb der eignen Kaste. Meine Untersuchungen sind

leider durch den Krieg unterbrochen worden und meine Aufzeichnungen

verloren gegangen, so daß ich von den mystischen Schmiedefesten unsrer

Wapare nur sehr wenig schreiben kann. Man erzählte mir, wie ich mich

erinnere, daß z. B. dem Hammer als dem Hauptschmiedewerkzeug bei seiner

Anfertigung geopfert würde. Der Novize, der in die „Innung“ aufgenommen

werden soll, muß in der Festnacht einen großen und zwei kleine Hämmer

schmieden. Dabei sollen die Teilnehmer eigentümliche Lieder singen

und Totenklage halten. Den Text dieser Lieder habe ich leider mit so

manchem andern Material in Afrika lassen müssen.

[Illustration: Schwerter.]

[Illustration: Buschmesser.]

Die Mädchen aus der Schmiedekaste werden von den Burschen der meisten

andern Sippen gemieden. Verkehr mit ihnen würde eine bestimmte

Krankheit zur Folge haben. Nur Jünglinge aus der gleichen Kaste können

sie ohne Gefahr ehelichen.

Die Eisengewinnung ist Arbeit der Frau. Sie holt sich zu dem Zweck am

Bach den schwarzen, eisenhaltigen Sand, trägt ihn auf einen Haufen

und wäscht ihn aus. Dann baut sie sich ihren primitiven Hochofen auf,

der in seiner Einfachheit gegenüber den bei andern afrikanischen

Völkern gebräuchlichen Öfen wohl den Urtyp darstellt. Er besteht

nämlich nur aus bis zu einer Höhe von etwa 30 ~cm~ ringförmig

aufgebauten Feldsteinen und ist in den Fugen und Ritzen nicht einmal

mit Lehm abgedichtet. In das Innere dieses sehr primitiven Hochofens

schiebt sie eine 100-150 ~cm~ lange Tondüse zur Luftzuführung

ein. Abwechselnd stapelt sie nun Holzkohlen und Eisenstaub in dem

Ringofen übereinander auf. Die Holzkohlen hat sie sich auch vorher

selbst dazu gebrannt, indem sie hierfür geeignetes Holz angezündet

und im rechten Augenblick mit Wasser und Erde gelöscht hat. Am Ende

der Tondüse stellt sie nunmehr den Blasebalg auf, und hält diesen,

nachdem das Feuer angezündet ist, mit Hilfe einer Nachbarin einige

Stunden lang in Tätigkeit. Der Sand hat sich inzwischen durch die

Einwirkung der Hitze in große Schlackenklumpen verwandelt. Aus diesen

Schlacken (~maganga~) gewinnt sie dann durch Zerklopfen das darin

eingebettet liegende ausgeschmolzene Eisen (~menya~). Diese

Stückchen bringt sie zum Schmied, der sie stark erhitzt, Staub als

Schweißpulver im Feuer darüberstreut und alle zu einem größeren Stück

zusammenschweißt.

[Illustration: Befestigte Pfeilspitzen.]

[Illustration: Verschiedene Pfeilspitzen.]

[Illustration: Der Pfeilgriff wird durch Umwicklung gegen Einreißen

durch die Bogensehne geschützt.]

[Illustration: Wie die Federfahnen am Pfeilschaft befestigt werden.]

[Illustration: Die Fahne der Feder wird stückweise v. d. Spule

losgelöst.]

[Illustration: Einquirlen der Pfeilspitze in den Schaft.]

[Illustration: Bogen.]

[Illustration: Schild.]

[Illustration: Köcher.]

Die Schmiede verfertigen Waffen (wie solche aus den Abbildungen

ersichtlich sind), außerdem allerlei Schmucksachen: Hals- und Armringe,

kleine Eisenketten und andre Dinge, die ein Negerherz erfreuen. Da wir

gerade von Waffen sprechen, will ich den Parebogen erwähnen. Er ist

glatt und an beiden Enden zugespitzt. Man benutzt nur das Holz des

Gare-Baumes. Die Bogensehne wird aus Rücken- und Fußsehnen des Rindes

gefertigt. Zur Herstellung von Pfeilen eignet sich eine große Anzahl

von Bäumen. Den Werdegang bei der Herstellung lassen die Abbildungen

erkennen. Mit den Blättern des Mshasha-Baumes, dem Glaspapier der

Eingebornen, werden die Pfeilschäfte schön glattgerieben.

Pareschilde sieht man nur noch selten. Sie bestanden aus Büffelhaut,

die in der Längsrichtung durch eine mit Handgriff versehene Leiste

gesteift wurde. Den Rand bildete ein Eisendraht, um den herum die

Haut vernäht wurde. Zum Schutze der Hand erhielt der Schild in der

Mitte eine Verstärkung. Zuletzt wurde er mit Fett eingerieben und am

Feuer gehärtet. Der Köcher besteht aus Kuhhaut, die man durch ein- bis

zweitägiges Lagern in einem Düngerhaufen geschmeidig macht. Das Maß für

den Lederzylinder nimmt der Mwasu mittels eines Stückchens Bananenbast

an seinem Arm in der gewünschten Stärke. Nach diesem Maß schneidet

er sich ein rechteckiges Stück Leder für den Köcher, indem er die

straffgespannte Bogensehne als Lineal benutzt. Die beiden Längsseiten

werden mit Darm zusammengenäht und dann am unteren Ende eine feste, am

oberen eine abnehmbare Lederkappe als Deckel angebracht.

Die Jagdgeräte.

Die hauptsächlichsten Jagdwaffen sind Bogen und Pfeile und vereinzelt,

besonders bei Berufsjägern in der Steppe, der Vorderlader. Sind die

Pfeile vergiftet, so bilden sie selbst für den Elefanten oder das

Nashorn eine todbringende Waffe, und für solches Großwild nimmt man

nur Giftpfeile. Der angehende Jäger läßt sich von einem Medizinmann

behandeln, damit seine Furcht schwindet. Diese, auf Autosuggestion

beruhende „Behandlung“ in Verbindung mit allerlei Amuletten, die

seinen Leib schützen sollen, gibt ihm die nötige Kaltblütigkeit und

Treffsicherheit. Auch am Bogen oder Gewehr werden Sympathiemittel zur

Erhöhung der Schußwirkung angebracht.

Den heimkehrenden Jäger begrüßt man: ~Mgosi maingo?~ = Mann, gibt

es Beute? worauf er erwidert: ~Žangia!~ = sie ist da! Einzeljagd

war ziemlich selten. Beliebter waren Jagdgesellschaften oder auch

Treibjagden. Man versteht es, Hunde für die Jagd abzurichten, d. h. das

angeschossene Wild zu verfolgen und gegebenenfalls niederzureißen. Nach

glücklich verlaufener und erfolgreicher Jagd wird das Fleisch der Beute

in ganz dünne Streifen geschnitten und an Sansiverenstricken in der

glühenden Steppensonne zum Trocknen aufgehängt.

[Illustration: Würgefalle.]

[Illustration: Bohlenfalle, je nach Größe für Ratten und Raubtiere.]

Beliebt ist die Jagd mittels Fallen und Fallgruben. Runde Fallgruben

gegen die Wildschweine findet man allerorts in den Feldern. Jäger

fangen damit auch gerne Giraffen. Die verschiedenen Arten der Fallen

beruhen fast alle auf dem gleichen Prinzip und sind sehr wirksam. Durch

die Spannkraft eines niedergebogenen Bäumchens oder durch das Gewicht

eines Klotzes wird der Falle die nötige Druck- oder Zugkraft gegeben.

Das vorzeitige Losschnellen der Fallenschnur wird durch ein kleines, an

ihr befestigtes Querhölzchen verhindert. Dieses ist so angebracht, daß

in der gespannten Falle der Druck auf den Köderträger übertragen und

dieser solange in seiner Lage festgehalten wird, bis der Köder berührt

wird. Im gleichen Augenblick wird die Hemmung ihres Haltes beraubt und

die Schlinge durch die nunmehr unmittelbar auf sie wirkende Spannkraft

des aufschnellenden Astes zugezogen, oder bis dahin in der Schwebe

gehaltene Gewichte, wie Bohlen, Klötze, Steine, werden zum Fallen

gebracht.

Fische fängt man mit der Angel. Auch Fischgift wird gerne angewandt.

Man gewinnt es aus den Blättern des Mkala-Baumes. Diese werden

zerstampft und in das Wasser des Flusses ausgepreßt. Durch den Saft

werden die Fische alsbald betäubt und schwimmen an der Oberfläche. Sie

sollen sich aber, wie die Eingebornen mir versicherten, im Wasser nach

einiger Zeit wieder vollständig erholen.

Die Kleidung.

Die kleinen Kinder der Wapare laufen in den ersten Lebensjahren meist

nackt umher. Etwa vom dritten bis vierten Jahre an machen die Eltern

ihnen Schurzfelle. Die Mädchen tragen vorn einen kleinen Schamschurz

und hinten ein langes schmales Fell, das bis auf die Waden reicht. In

diesem Alter heißen sie ~vabora va masambi~ = Mädchen der (beiden)

Schurzfelle. Später, wenn sie die Frauenfeste durchgemacht und sie

die von den erwachsenen Frauen getragenen großen Schurzfelle erhalten

haben, nennt man sie bis zu ihrer Verheiratung ~vai va shuke~ =

bekleidete Jungfrauen im Gegensatz zu den völlig unbekleideten ~vai

va nyumba~ der Festzeit und der nur notdürftig durch die zwei

Schurzfelle verhüllten Jugend.

Die Felle der Männer heißen ~lukopwa~, wenn es sich um eine Art

Toga handelt, die auf der einen Schulter zusammengebunden wird. Sie

besteht aus mehreren zusammengenähten Ziegenfellen. Eine andre Art

nennt man ~kizurwa~. Wird eine Kuhhaut zum Fellkleid verarbeitet,

nennt man es ~ikunya~. Die Frauenfelle heißen ~mizia~. Sie

bestehen aus drei mittels Darm zusammengenähten Ziegenfellen.

Die Kunst des Gerbens ist den Wapare unbekannt. So versuchen sie sich

ihre Kleidung auf andre und zwar ziemlich mühsame Weise geschmeidig zu

erhalten. Die Technik ist ungefähr folgende: Nachdem das frische Fell

in der Sonne ausgespannt und getrocknet worden ist, wird es an beiden

Enden mit Verzierungen versehen, indem man zwei zickzackförmige oder

sonstwie gemusterte Haarstreifen stehen läßt und die übrigen Haare

abschabt. Bei den Mizia (Frauenschurzfellen) z. B. werden dann noch

aus zwei weiteren Fellen Seitenteile und Querstreifen zugeschnitten.

Die einzelnen Teile werden mit beiden Händen in kreisförmiger

Bewegung gewalkt bis sie schmiegsam sind und sich gut zusammennähen

lassen. Ist der ganze Schurz fertig, wird er wieder auf die Erde

gespannt und mit Fett und roter Erde (~ngetwa~) oder einer

pulverisierten Baumwurzel (~ikorobohwa~) eingerieben. Nunmehr

werden die äußersten Streifen mit den Spannlöchern abgeschnitten

(~kuvambaa~); das Fell wird abermals durchgewalkt und kann dann

getragen werden. Das Walken (~kusuka~) hat jeden Morgen zu

geschehen. Unterläßt man es, so wird das Fell steif, und sein Träger

bewegt sich recht geräuschvoll auf seinem Lebenswege. Die Vaasu nannten

die Schurzfelle wegen des Lärmes, den selbst die gut gewalkten beim

Gehen verursachen, ~mtuka~. Das Wort kam während des Krieges auf,

und zuerst war ich mir über den sprachlichen Ursprung nicht klar,

bis ich nach langem Bemühen auf des Rätsels Lösung kam. Mtuka ist

eine Zusammenziehung des englischen Wortes ~motor-car~, d. h.

Automobil. Auf meine erstaunte Frage, die ich nach dieser Entdeckung an

einige Schwarze richtete, erwiderte einer von ihnen, die Felle machten

das gleiche Geräusch wie die Automobile, und außerdem röchen sie genau

so schlecht wegen des zum Einreiben benutzten Fettes. Das war mir dann

allerdings auch sofort einleuchtend und der anfangs ziemlich dunkle

Zusammenhang klar.

Im übrigen haben die europäischen Baumwollstoffe die Fellkleidung

fast gänzlich verdrängt. Als während des Weltkrieges Ostafrika völlig

von der Außenwelt abgeschnitten war, kam sie allerdings wieder zu

Ehren. In einer der Landschaften unsres Missionsgebietes behauptete

ein Medizinmann sogar, er sei von den Ahnengeistern beauftragt, die

Wapare vor dem Abfall von den väterlichen Sitten auch bezüglich der

Kleidung zu warnen und forderte zum schleunigen Verkauf der noch in

ihrem Besitz befindlichen europäischen Stoffe auf. Einige Heiden ließen

sich einschüchtern und verschleuderten ihre Baumwollstoffe an die

hocherfreute aufgeklärte Jugend. Die Kleidernot wurde nachher so groß,

daß die Neger gerne 30 Mark und mehr für ein Stück Stoff von ca. 2

~m~ Länge zahlten, wenn sie es nur bekommen konnten.

[Illustration: Mwanangwa von Ntusu mit Frau und Kind.]

[Illustration: Hirsehüter in Ntusu.

Kinder verjagen mit Stecken, Schleudern und vielem Geschrei tagsüber

die Vögel aus dem Getreide.]

Als Schmuck werden Kettchen am Oberarm und über den Waden getragen.

Häufig sieht man bis zu 25 ~cm~ lange Armspiralen aus Eisen oder

Messingdraht, Hals- und Armringe sowie die verschiedenartigsten

Halsketten aus eingeführten Glasperlen. Auch die Schamschurze

der Vai va nyumba werden oft, wie aus dem Bild ersichtlich, mit

Kaurimuscheln bestickt. Ziernarben (~mitambara~) am Körper macht

man auf folgende Weise: Mit einem spitzen Haken wird die Haut an der

betreffenden Stelle leicht gehoben und dann mit einem Messer geritzt.

Ist auf diese Weise das Muster aufgezeichnet, dann reibt man die

Schnittwunden mit einem leicht angerösteten entkernten Maiskolben.

Diese Prozedur wird bis zur Heilung der Wunden fortgesetzt. Es bilden

sich auf diese Weise etwa 1 ~cm~ lange „Zierschmisse“, allerdings

auf ganz ungefährliche Art und Weise erworben. Beliebt bei Mädchen und

jungen Frauen ist die Gesichtsbemalung mittels ätzender Pflanzensäfte.

Früher war das Muster ein großer Strich von der Stirn bis auf die

Nasenspitze und ein Ring von je 6-10 Punkten unter den Augen. Später

entschied sich die Mode für einen Kreis mit dickem Punkt auf Stirn

und Backen. Der Pflanzensaft ätzt die Haut völlig ab. Es entsteht

eine Wunde, die nach ihrer Verheilung das Muster in zuerst heller,

später tiefschwarzer Farbe erkennen läßt. Auch durch nur stellenweises

Abrasieren der Kopfhaare versteht der Paremann sowie auch sein Weib

sich das Haupt zu schmücken. Da das Haar Seelenstoffträger ist, liegen

hier sehr oft animistische Vorstellungen zugrunde.

Der Leser wird aus dem Vorstehenden schon ersehen haben, daß auch im

dunklen Afrika die Mode herrscht. Wenn die Schwarzen auch oft recht

eigentümliche Formen wählen, sich zu schmücken, z. B. mit Ohren- und

Lippenpflöcken, so haben wir dennoch kein Recht, deshalb auf sie

herabzusehen; sie würden uns ihr schönes Sprichwort vorhalten: „Der

Affe lacht nur deshalb über den Buckel seines Genossen, weil er den

eignen nicht sieht.“ Was für Europa lange Zeit Paris war, das ist

für Afrika die Küste. Von dort her dringen die jeweiligen Moden ins

Innere vor: heute grellfarbige Stoffe, morgen oft recht ansprechende

bunte Muster, dann wieder Tücher, die mit allerlei tiefen Sinnsprüchen

in Deutsch, Arabisch oder Kisuaheli bedruckt sind, wie: „Guten

Morgen Bibi, wie geht es dir?“ oder: „Guten Tag, mein Liebling!“

und dergleichen mehr. Doch wollen wir uns nun von der Mode, deren

Herrschaft auch den schwarzen Ehemann recht viel Geld kostet, etwas

Produktiverem zuwenden und von

Ackerbau und Viehzucht

sprechen. Die Wapare sind in erster Linie ein Ackerbau treibendes

Volk. Daneben halten die meisten wenigstens einige Kühe, Schafe oder

Ziegen. Die Viehzucht bildet nämlich die fast alleinige Anlage des aus

der Landwirtschaft gewonnenen Kapitals. Sie ist eine ziemlich sichere

Anlage und verzinst sich sehr gut. Viele Vaasu hüten ihr Vieh nicht

alles selbst, sondern stellen es an verschiedenen Plätzen bei andern

Leuten unter, damit sie bei einem „Bankkrach“, in diesem Falle bei

einer Viehseuche oder einem räuberischen Einfall des Nachbarstammes,

nicht mit einem Male alles verlieren. Dem Hirten gehört als Lohn die

Milch der Kuh, bei Kleinvieh ein bestimmter Teil des Wurfes. Ochsen,

die gemästet werden sollen, werden schon als Kalb kastriert und dann

im Stalle noch besonders mit saftigen Bananenstauden gefüttert. Im

allgemeinen ist aber Stallfütterung bei unsern Wapare im Gegensatz zu

andern Stämmen nicht gebräuchlich. Natürlich gibt es auch bei ihnen

„Arme“, die kein Vieh ihr eigen nennen. Die Armut der Eingebornen

ist eben fast nur Besitzlosigkeit an Vieh; denn dank des gesunden

und sozialen Bodenrechtes ist eine Armut in unserm Sinne unbekannt.

Wer ackern will, bekommt Land und selbst Samen kostenlos. Jedem, der

fleißig seine Äcker bearbeitet, ist Gelegenheit gegeben, Kapitalist

zu werden, d. h. er kann den Überfluß seiner Ernte verkaufen oder

gegen Vieh eintauschen. Bei einigem Fleiß kann jeder es bald zu etwas

bringen, und niemand hat ein Recht, ihn ob seines Kapitals scheel

anzusehen, hat doch ein jeder die gleiche Gelegenheit. Selbst das Vieh

für seine Morgengabe hat sich mancher Paremann so in zäher Arbeit

„erackert“, wie sie selbst sagen. Bei den Negern kann also der einzelne

noch leichter seines Glückes und Wohlstandes Schmied werden, weil die

Bodenverhältnisse noch ähnlich den in der Bibel von Gott niedergelegten

Grundsätzen geregelt sind, wie wir das bei der Besprechung des

Bodenrechtes sahen.

Die Wapare treiben Wechselwirtschaft, d. h. sie bebauen einen Acker

drei bis vier Jahre und lassen ihn dann ein bis zwei Jahre ruhen.

Eine bestimmte Fruchtfolge wird nicht eingehalten, man weiß aber,

daß Bohnen „dem Felde Kraft geben“ und pflanzt sie zwischen den

Mais. Der Zeitpunkt hierfür wird so gewählt, daß die nach der Ernte

stehengebliebenen trockenen Maisstengel den dann gerade Ranken

treibenden Bohnen (~nkwasha~) eine Stütze bieten. Legt man ein neues

Feld an, so pflanzt man Mais, Zuckerrohr, Kartoffeln und Bananen

zusammen, von letzteren nur einige Stauden. Im nächsten Jahre kann

der Bauer dann noch einmal Mais pflanzen. Später ist das Zuckerrohr

bereits zu groß, als daß noch eine Zwischenkultur gedeihen würde.

Zuckerrohrfelder stehen oft sechs Jahre, bei guter Pflege noch länger.

Es gibt folgende Arten: 1. ~mguva~, 2. ~mguva mjewa~, 3. ~mguva

mjiru~, 4. ~mguva wa mnyambe~, 5. ~mguva wa itaga ngari~, 6. ~mguva wa

mbohwe~, 7. ~mfushi~, 8. ~mguva wa itamba~ u. a. An Bananenarten seien

folgende genannt: 1. ~idio~, 2. ~ižigu~, 3. ~ihoye~, 4. ~ndiži~, 5.

~irurue~, 6. ~muhalahala~, 7. ~mremwa wa idio~, 8. ~mremwa wa ižigu~,

9. ~munyerere~, 10. ~nkare~ u. a. Diese Arten sieht man überall.

Außerdem werden in den Steppenlandschaften schon von der Küste her

eingeführte Bananensorten gefunden. Von den verschiedenen Batatenarten

(Süßkartoffel) seien folgende erwähnt: 1. ~kodingiri~, 2. ~kiteta~,

3. ~kagoe~, 4. ~komkamba~, 5. ~maloza~, 6. ~kimbere~, 7. ~kigingi cha

ng’ombe~, 8. ~kajungu~, 9. ~kagi~, 10. ~kokipau~ u. a. Daneben werden

Bohnen, Erbsen und die Jamswurzel häufig angebaut. Durch kunstvoll in

manchmal recht schwierigem Gelände angelegte Kanäle werden die Äcker in

der Trockenzeit bewässert.

Wenn die Bibel sagt, daß der Mensch im Schweiße seines Angesichtes sein

Brot essen soll, so ist das auch von den Schwarzen wahr. Die meisten

Europäer sind ja geneigt, den Fleiß der Neger an ihrer Willigkeit zu

messen, mit der sie sich uns für unsre Arbeiten zur Verfügung stellen.

Daß dies ein sehr einseitiger Standpunkt ist, wird jedem Unparteiischen

einleuchten. Damit soll natürlich nicht gesagt sein, daß der Neger

nicht beim Europäer arbeiten könnte oder sollte. Aber ich möchte nur

der Beweisführung entgegentreten, der Eingeborne müsse schon aus dem

Grunde beim Europäer arbeiten, weil er auf seinen Feldern ja absolut

nichts zu machen habe, die tropische Natur bringe alles fast ohne sein

Zutun reichlich hervor, die Früchte wüchsen ihm in den Mund, und das

unumgänglich Notwendige mache doch die Frau. Diese Beweisführung ist

durchaus irreführend und unzutreffend. Denn das tropische Klima läßt

neben dem Korn auch das Unkraut üppig hervorschießen, und dies will

auf den Feldern der Eingebornen genau so ausgejätet sein wie auf den

Pflanzungen der Europäer. Aber es gibt noch mehr Übel. Ist das Land

urbar gemacht und der Regen gefallen bzw. die Arbeit des Wässerns

erledigt, dann wird der Mais gepflanzt. Gleichzeitig sind aber auch

die Affen da, die sich sofort über die Pflanzlöcher hermachen und

die Saatkörner wieder ausgraben. Da gilt es nun für die Eingebornen

tagsüber ununterbrochen Wache zu stehen, bis nach etwa zehn Tagen der

aufgegangene Mais so groß geworden ist, daß er in dem Stadium seine

Anziehungskraft für die Meerkatzen verloren hat. Einige Tage später

muß der schwarze Bauer bereits mit der ersten Reinigung des Feldes

vom Unkraut beginnen, denn der Acker sieht aus wie ein großer grüner

Teppich. An das erste Behacken schließt sich oft ein nochmaliges

Bewässern und dann die zweite Reinigung. Damit hat sich der Mais soweit

entwickelt, daß er Fruchtkolben ansetzt, ein freudiges Ereignis für den

schwarzen Bauern, sowohl wie für die zahllosen Affen und Wildschweine,

die den Tisch für sich gedeckt wähnen. Nun muß der Neger mit seiner

Familie in den meisten Gegenden von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang

ohne Ermüden mit Pfeil und Bogen auf der Lauer liegen. Denn die Bäume

ringsum sind von den grauen Meerkatzen und andern Affen belebt, die

nur darauf warten, daß der Wächter ihnen einen Augenblick den Rücken

zuwendet, um sofort auf Raub auszugehen. Aber auch nachts gibt es keine

Ruhe. Wohl schlafen die diebischen Affen in ihren Baumverstecken; aber

aus dem Dickicht kommen in großer Anzahl die gefräßigen Wildschweine.

Die ganze Nacht hindurch hört man die Berge vom Trommeln auf leeren

Petroleumtins und anderm Lärm widerhallen, mit welchem der Bauer die

Wildschweine zu verscheuchen sucht. Wenn er auch schon beizeiten seinen

ganzen Acker mit einem starken Holzzaun umgeben hat, so gewährt selbst

diese mühsame Arbeit keinen unbedingten Schutz, besonders nachdem unter

dem Einfluß der Witterung und vor allem der Termiten der schöne Zaun

morsch geworden ist. Diese Tag- und Nachtwachen bedeuten für die ganze

Familie zumeist ein Übersiedeln aus den Wohnhütten in die primitiven

Wachhütten. Wer einmal auf irgendeine Weise an diesen Arbeiten

teilgenommen oder wenigstens eine Kenntnis von den damit verbundenen

Strapazen erhalten hat, wird sich hüten, geringschätzig davon zu

sprechen.

Ist der Mais reif, so wird er geerntet, d. h. die einzelnen Kolben

abgebrochen, deren sechs bis acht mit den Hüllblättern zusammengebunden

und diese zuletzt zu 1-1½ ~m~ langen Büscheln (~mako~) vereinigt,

die weithin sichtbar in den Bäumen hängen. Trotzdem diese Scheunen

in der Nähe der Hütten angelegt sind, muß man immer vor den stets

hungrigen Affen auf der Hut sein. Sie sind so dreist, daß man oft

einen besonderen Wächter zu den Mako stellen muß. Ganz ohne sein Zutun

wachsen also dem Eingebornen die Früchte doch nicht in den Mund. Darauf

weist auch Prof. Weule mit sehr beachtenswerten Worten hin, wenn er

sagt: „Ein Gemeingut der älteren ethnographischen Literatur ist die

ständige Wiederkehr des Wortes von der Trägheit der Neger; nur die

Frau arbeite und rackere sich ab, der Herr des Hauses aber liege auf

der Bärenhaut und tue nichts. Auch diese Ansicht bedarf einer kleinen

Berichtigung. Freilich arbeitet der Wilde nur das Allernotwendigste

und auch dieses nur im letzten Augenblick. Es soll jedoch auch im

zivilisierten Europa Leute geben, denen es nicht viel anders ergeht.

Dieses Hinausschieben bis zum letzten Moment ist allem Anschein

nach die Ursache für das Aufkommen des Rufs der Trägheit gewesen;

in Wirklichkeit ist der Feldbauer unter den Wilden eigentlich immer

tätig, indem schon der Mangel an vollkommeneren Geräten ihn zwingt,

für die Arbeit des Grabens, Hackens, Reinigens, Erntens usw., auch

des Hausbaues und vieler andrer Verrichtungen eine ungleich längere

Zeit zu verbrauchen als der technisch weit besser gestellte Europäer.

Auch die Sammler und Jäger zwingt die Ursprünglichkeit ihrer Methoden

zu einer Tätigkeit, die den Körper vermutlich mehr mitnimmt als die

neun oder zehnstündige Arbeitszeit in unsern Betrieben, so daß die

langen +Ruhepausen+ der Angehörigen dieser Wirtschaftsstufe schon

+in Rücksicht auf ihre oft unerhörten Strapazen nötig+ sind. Was es

heißt, in glühendster Tropenhitze im heißen Kalaharisand am hellen

lichten Tage ein Wild zu beschleichen, kann man so recht aus Passarges

lebhafter Schilderung des Buschmannlebens erkennen. Wenn die armen

Teufel hinterher essen, bis sie beinahe platzen, und wenn sie an den

neuen Jagdzug erst wieder herantreten, wenn der Hunger sie dazu treibt,

so ist das sehr wohl zu verstehen ...“

[Illustration: Hacke und Axt.]

Im Banne der Furcht · 第 12 / 22 段