REISEN IN SAMAR, FORTSETZUNG. -- SÜDSEE-INSULANER DURCH STÜRME
VERSCHLAGEN. -- TODTENHÖHLEN UND LEICHENBESTATTUNG DER ALTEN
BISAYER. -- KROKODILE. -- IGNAZBOHNE. -- KOKOSÖL.
In Guíuan erhielt ich Besuch von Mikronesiern, die seit vierzehn
Tagen beschäftigt waren, bei Sulángan auf der schmalen Landzunge
SO. von Guiuan nach Perlmuscheln zu tauchen, und eigens zu dem Zweck
die gefahrvolle Reise unternommen hatten. [204]
Sie waren aus Uleai (Uliai 7°20 N. 143°57 O. Gr.) in fünf Booten,
jedes mit 9 Mann Besatzung ausgelaufen, jedes Boot enthielt 40 Kürbis
voll Wasser, Kokosnüsse und Bataten. Jeder Mann bekam täglich eine
Kokosnuss und zwei in der Asche der Kokosschalen gebackene Bataten. Sie
fingen einige Fische unterwegs und sammelten Regenwasser auf. Bei
Tage steuerten sie nach der Sonne, Nachts nach den Sternen. Ein Sturm
zerstreute die Boote. Zwei derselben gingen sammt der Mannschaft
vor den Augen der Uebrigen zu Grunde, nur eines, wahrscheinlich das
einzige gerettete, erreichte zwei Wochen nach der Abfahrt Tandag an
der Ostküste von Mindanao. In Tandag blieben die Leute zwei Wochen,
verrichteten Feldarbeit für Tagelohn und fuhren dann nordwärts die
Küste entlang nach Cántilang 8°25' N., Banóuan (bei Coello irrthümlich
Bancuan) 9°1' N., Taganáan 9°25' N., von da nach Surigáo an der
Nordspitze von Mindanáo und dann mit Ostwind in zwei Tagen gerade
aus nach Guíuan. In der deutschen Uebersetzung von Capt. Salmon's
Historie der orientalischen Inseln ... Altona 1733 heisst es Seite 63:
»Man hat neuerlicher Zeit noch etliche andere Inseln Ostwerts von
den Philippinischen entdecket und selbigen den Namen der neuen
Philippinischen beigeleget, weil sie in der Nachbarschaft der alten
und bereits beschriebenen liegen. Der Pater Clan (Clain) giebet
in einem Brief aus Manila, welcher den Philosophical transactions
ist einverleibet worden, folgenden Bericht von denselben: Es
trug sich zu, als er in der Stadt Guivam auf der Insel Samar war,
dass er daselbst 29 Palaos (es waren 30, einer starb bald darauf
in Guiuan) oder Einwohner von gewissen erst neulich entdeckten
Inseln antraff, welche von den östlichen Winden, welche hier
vom December bis an den Majum wehen, dahin waren verschlagen
worden. Sie hatten 70 Tage lang nach ihrem Bericht vor dem Winde
geseegelt, ohne einiges Land in's Gesicht zu bekommen, bis sie vor
Guivam angeländet waren. Als sie aus ihrem Vaterlande geseegelt,
waren ihrer zwey Boote gestopft voll, und mit ihren Weibern und
Kindern, in allen 35 Seelen gewesen: unterschiedliche aber waren
von dem unter Weges erlittenen Ungemach crepiret. Als einer von
Guivam zu ihnen an Bord kommen wolte, wurden sie in eine solche
Angst gesetzet, dass alle Kerls, die in dem einen Fahrzeug waren,
mit ihren Weibern und Kindern über Bord sprungen. Wiewohl sie
doch zuletzt am besten zu seyn befunden in den Hafen einzulaufen,
so dass sie den 28. Decembris 1696 ans Land kamen. Sie assen
Cocusnüsse und Wurzeln; welche ihnen mildiglich zugetragen, und
geschenckt wurden: aber den gekochten Reis, die allgemeine Speise
der asiatischen Völcker, wollen sie gar nicht einmal kosten. Zwo
Weiber welche vormals aus denselben Inseln dahin verschlagen waren,
dieneten ihnen zu Dollmetscherinnen ....
... Die Leute des Landes gehen halb nacket und die Männer schildern
(malen) ihre Leiber mit Flecken und machen allerhand Figuren darauf
... So lange sie auf der See waren, lebten sie von Fischen welche
sie in einer gewissen Art von Fischkörben fiengen, die einen
weiten Mund hatten, unten aber spitz zuliefen und hinter ihren
Booten hergeschleppt wurden. Das Regenwasser so sie etwa auffingen
(oder wie in dem Brief selber stehet, in den Schalen der Cocusnüsse
aufhuben) diente ihnen zum Getränk. Als sie vor den Pater sollten
gebracht werden, welchen sie wegen der Hochachtung, die man ihm
erwiess, für den Gouverneur hielten, färbeten sie ihren Leib ganz
gelb, welches sie für den grössten Staat halten in welchem sie
für ansehnlichen Leuten erscheinen können. Im Tauchen sind sie
sehr erfahren und finden unterweilen Perln in den Muscheln, die
sie herauf bringen, welche sie aber als unnütze Dinge wegwerfen.«
Eine der wichtigsten Stellen in Pater Clains Brief hat Capt. Salmon
ausgelassen: »Der älteste dieser Fremdlinge war schon einmal an die
Küste der Provinz Caragan auf einer unserer Inseln (Mindanao) geworfen
worden, da er aber nur Ungläubige gefunden hatte, die in den Bergen und
auf dem öden Strande wohnen, war er in sein Vaterland zurückgekehrt.«
In einem Briefe des Pater Cantova an den Pater d'Aubenton,
Agdana (d. h. Agaña, Mariannen) 20. März 1722, der die Carolinen-
und Paláosinseln beschreibt, heisst es: »das vierte Gebiet liegt
westlich. Yap (9° 25' N. 138°1' O. Gr.) [205] welches die Hauptinsel
ist, hat über 40 Leguas Umfang ... Ausser den verschiedenen Wurzeln,
die bei den Eingeborenen der Insel die Stelle des Brodes vertreten,
findet man Bataten, welche sie Camotes nennen und welche sie
von den Philippinen erhalten haben, wie mir einer von unseren
Carolinen-Indiern mittheilt, der von dieser Insel gebürtig ist. Er
erzählt, dass sein Vater, Namens Coorr ... drei seiner Brüder und er
selbst durch den Sturm nach einer der Provinzen in den Philippinen
verschlagen wurden, welche man Bisayas nennt, dass ein Missionär
unserer Gesellschaft (Jesu) sie freundlich aufnahm ... dass sie nach
ihrer Insel zurückkehrend, Samen verschiedener Pflanzen dahin brachten,
unter andern Bataten, die sich so sehr vermehrten, dass sie genug
hatten, um die andern Inseln dieses Archipels damit zu versehn«
... Murillo Velarde (f. 378) erwähnt, dass 1708 einige vom Winde
verschlagene Paláos in Palapag (Nordküste von Samar) ankamen. Ich
hatte später Gelegenheit in Manila eine Gesellschaft von Paláos und
Carolinen-Insulanern zu photographiren, die ein Jahr zuvor durch Stürme
an die Küste von Samar geworfen worden waren. Dies sind, abgesehn von
der freiwilligen Reise, sechs ungesucht sich darbietende Beispiele von
Mikronesiern, die nach den Philippinen verschlagen wurden. Es würde
vielleicht nicht schwer sein noch mehrere aufzufinden, aber wie oft
mögen vor und nach Ankunft der Spanier Fahrzeuge von jenen Inseln in
den Bereich der NO. Stürme gerathen und von diesen unwiderstehlich an
die Ostküsten der Philippinen getrieben worden sein, ohne dass die
Kunde davon aufbewahrt blieb. [206] Wie am Westrande des Archipels
der lange Verkehr mit China, Japan, Hinterindien und später mit
Europa den Typus der Rasse beeinflusst zu haben scheint, so mögen
wohl auch am Ostrande polynesische Beziehungen in ähnlicher Weise
gewirkt haben. Auch der Umstand, dass die Bewohner der Ladronen [207]
und die Bisayer [208] die Kunst besassen ihre Zähne schwarz zu färben,
scheint auf frühen Verkehr der Bisayer und Polynesier zu deuten. [209]
In Guiuan schiffte ich mich auf einem unangenehm schwankenden, offenen,
nur mit einem drei mal drei Fuss grossen Sonnendach versehenen Boote
nach Tacloban, der Hauptstadt von Leyte, ein. Ein Windstoss brachte
uns in einige Gefahr, sonst hatten wir fortwährend Windstille, so
dass die ganze Strecke rudernd zurückgelegt werden musste. Die Fahrt
war für die durch kein Dach geschützte Mannschaft sehr ermüdend
(Wärme in der Sonne 35°R., des Wassers 25°R.) und dauerte 31
Stunden, mit kleinen Unterbrechungen für die Malzeiten; denn die
Leute kürzten freiwillig die Pausen ab, um bald nach Taclóban zu
kommen, das in lebhaftem Verkehr mit Manila steht und für die an
der unzugänglichen Ostküste lebenden Männer den Reiz einer üppigen
Hauptstadt hatte. Es ist fraglich, ob das Meer irgendwo eine Stelle
von so eigenthümlicher Schönheit bespült, als die enge Strasse, die
Samar von Leyte trennt. Nach Westen hin ist sie von steilen Tuffbänken
eingefasst, die keine Mangrove-Sümpfe an ihrem Rande dulden. Dort
tritt der hohe Urwald in seiner ganzen Erhabenheit unmittelbar an den
Strand, nur stellenweis von Kokoshainen unterbrochen, in deren scharf
gezeichneten Schatten einzelne Hütten liegen. Die dem Meer zugekehrten
steileren Hügel und viele kleine Felseninseln sind mit Kastellen
aus Korallenblöcken gekrönt. Am östlichen Eingang der Enge besteht
die Südküste von Samar aus weissem, marmorartigen, wenn auch sehr
jungem Kalk, der an vielen Stellen steile Klippen bildet. [210] Bei
Nipa-Nipa, einem kleinen Weiler 2 Leguas O. von Basey, setzen sie im
Meere fort, in einer Reihe malerischer, über hundert Fuss hoher Felsen,
die oben domförmig abgerundet, dicht bewachsen, an der Basis ringsum
vom Seewasser benagt, wie riesige Pilze aus der Fluth hervorragen. Es
weht über dieser Oertlichkeit ein eigenthümlicher Zauberhauch, dessen
Wirkung auf den eingeborenen Schiffer um so mächtiger sein muss, wenn
er den draussen vom Nordost gepeitschten Wogen glücklich entronnen,
plötzlich diesen geschützten stillen Ort erreicht. Kein Wunder,
dass die fromme Einbildungskraft die Stätte mit Geistern bevölkerte.
In den Höhlen dieser Felsen setzten die alten Pintados die Leichname
ihrer Helden und Aeltesten bei in wohlverschlossenen Särgen, umgeben
von den Gegenständen, die ihnen im Leben am werthvollsten waren. Auch
Sklaven wurden bei ihrem Begräbniss geopfert, damit es ihnen in der
Schattenwelt nicht an Bedienung fehle. [211] Die zahlreichen Särge,
Geräthschaften, Waffen und Geschmeide, welche diese Höhlen enthielten,
waren durch Aberglauben geschützt Jahrhunderte lang unangetastet
geblieben. Kein Nachen wagte vorüber zu fahren, ohne ein aus der
heidnischen Zeit fortgeerbtes religiöses Zeremoniell gegen die
Höhlengeister zu beobachten, die in dem Rufe standen, Unterlassungen
durch Sturm und Schiffbruch zu bestrafen.
Vor etwa 30 Jahren beschloss ein eifriger junger Geistlicher, dem
diese heidnischen Gebräuche ein Gräuel waren, sie mit der Wurzel
auszurotten. In mehreren Booten, wohlausgerüstet mit Kreuzen, Fahnen,
Heiligenbildern und allem beim Austreiben der Teufel bewährten
Apparat, unternahm er den Zug gegen die Geisterfelsen, die unter
Musik, Gebeten und Knallfeuerwerk erklommen wurden. Nachdem zuvor
ein ganzer Eimer voll Weihwasser zur Betäubung der bösen Geister in
die Höhle geschleudert worden, drang der unerschrockene Priester
mit gefälltem Kreuze ein, gefolgt von seinen durch das Beispiel
angefeuerten Getreuen. Ein glänzender Sieg belohnte den wohlangelegten
und muthig ausgeführten Plan; die Särge wurden zertrümmert, die Gefässe
zerschlagen, die Skelete in's Meer geworfen. Mit gleichem Erfolg wurden
die übrigen Höhlen erstürmt. Die Ursache des Aberglaubens ist nun
zwar vernichtet, dieser selbst hat sich aber, wenn auch abgeschwächt,
bis heut erhalten.
Durch den Pfarrer von Basey erfuhr ich später, dass in einem Felsen
noch Ueberreste vorhanden seien, und einige Tage darauf überraschte
mich der liebenswürdige Mann mit mehreren Schädeln und einem
Kindersarg, die er von dort hatte bringen lassen. Trotz des grossen
Ansehens, das er bei seinen Pfarrkindern genoss, hatte er doch seine
ganze Beredsamkeit aufbieten müssen, um die muthigsten zu einem so
kühnen Wagstücke zu bewegen. Ein Boot mit 16 Ruderern bemannt war
zu dem Zweck ausgerüstet worden; mit weniger Mannschaft hatte man
die Reise nicht zu unternehmen gewagt. Während der Heimfahrt brach
ein Gewitter aus; die Schiffer betrachteten es als eine Strafe für
ihren Frevel und nur die Furcht, die Sache noch schlimmer zu machen,
verhinderte sie, Sarg und Schädel in's Meer zu werfen. Zum Glück waren
sie dem Lande nahe und ruderten mit aller Kraft demselben zu. Als
sie angekommen waren, musste ich selbst die Gegenstände aus dem Boote
holen, da kein Eingeborener sie anrühren mochte.
Trotzdem gelang es am folgenden Morgen einige entschlossene Leute zu
finden, die mich nach den Höhlen begleiteten. In den beiden ersten,
die wir untersuchten, fand sich nichts; eine dritte enthielt mehrere
zertrümmerte Särge, einige Schädel, und Scherben von glasirtem,
roh bemalten Steingut, es war aber nicht möglich auch nur zwei
zusammengehörende Stücke zu finden. Ein enges Loch führte aus der
grossen Höhle in einen dunklen, so kleinen Raum, dass man mit der
brennenden Fackel kaum einige Sekunden hintereinander darin verweilen
konnte. Dieser Umstand mag die Ursache gewesen sein, weshalb sich dort
in einem sehr verrotteten, von Bohrwürmern zerfressenen Sarge ein
wohl erhaltenes Skelet befand, oder eher eine Mumie, denn an vielen
Stellen war das Gerippe noch mit ausgetrockneter Muskelfaser und Haut
bekleidet. Es lag auf einer immer noch erkennbaren Pandanusmatte, unter
dem Kopf ein mit Pflanzen ausgestopftes, mit Pandanusmatte überzogenes
Kissen. Auch Reste von gewebten Stoffen waren noch vorhanden. Die Särge
waren von dreierlei Gestalt, ohne alle Verzierungen. Die von der ersten
Form aus vortrefflichem Molave-Holz (s. S. 196) zeigten keine Spur
von Wurmstich oder Vermoderung, während die übrigen bis zum Zerfallen
zerstört waren, die dritte Art, die häufigste, unterschied sich von der
ersten nur durch weniger geschweifte Formen und schlechtes Material.
Kein Märchen hätte eine verzauberte Königsgruft mit einem passenderen
Zugang ausstatten können, als den zur letzten dieser Höhlen: mit
senkrechten Marmorwänden erhebt sich der Felsen aus dem Meer; nur
an einer Stelle gewahrt man die kaum zwei Fuss hohe Oeffnung eines
natürlichen Stollens, durch welchen der Nachen plötzlich in einen
geräumigen, fast kreisrunden, vom Himmel überwölbten Hof gelangt,
dessen vom Meer bedeckten Boden ein Korallengarten schmückt. Die
steilen Wände sind dicht mit Lianen, Farnen und Orchideen behangen,
vermittelst deren man zur Höhle, 60 Fuss über dem Wasserspiegel
emporklimmt. Um die Situation noch märchenhafter zu machen, fanden wir
gleich beim Eintritt in die Grotte auf einem grossen 2 Fuss über den
Boden ragenden Felsblock eine Seeschlange, die uns ruhig anstarrte,
aber getödtet werden musste, weil sie wie alle ächte Seeschlangen
giftig war. Schon zweimal hatte ich dieselbe Art in Felsenritzen
im Trockenen gefunden, wo sie die Ebbe zurückgelassen haben mochte;
auffallend war es aber sie hier in solcher Meereshöhe anzutreffen. --
Jetzt ruht sie, als Platurus fasciatus Daud., im zoologischen Museum
der Berliner Universität.
In Guíuan hatte ich Gelegenheit, vier aus solcher Höhle stammende
reich bemalte chinesische Schüsseln zu kaufen und einen goldenen
Ring zu zeichnen; er bestand aus dünnem Goldblech, das zuerst zu
einer Röhre mit klaffender Naht von der Dicke eines Federkiels,
dann zu einem nicht völlig schliessenden Reifen von Thalergrösse
zusammengebogen war. Die Schüsseln wurden in Manila gestohlen.
Aehnliche Todtenhöhlen befinden sich noch an manchen andern Orten
in dieser Gegend: auf der Insel Andog bei Borongan (bis vor Kurzem
enthielt sie Schädel); auch bei Batinguitan 3 Stunden von Borongan
an den Ufern eines kleinen Baches; bei Guíuan auf der kleinen,
wegen der stürmischen See schwer zugänglichen Insel Monhon. -- Bei
Catúbig sind goldene Geschmeide gefunden, aber in moderne Schmucksachen
umgearbeitet worden. In der ganzen Gegend berühmt ist jedoch eine Höhle
bei Lánang wegen der darin enthaltenen flachgedrückten Riesenschädel
ohne Kopfnähte. [212] [213] Es wird nicht uninteressant sein die
geschilderten Verhältnisse mit den Berichten älterer Schriftsteller
zu vergleichen, weshalb hier einige Auszüge folgen mögen:
Mas (Informe I. 21) beschreibt ohne Quellenangabe die von den
alten Bewohnern des Archipels bei der Todtenbestattung befolgten
Gebräuche: sie balsamirten ihre Todten zuweilen mit aromatischen
Stoffen ein ... und legten die Vornehmen in eine Kiste, die
aus einem ausgehöhlten Baumstamme mit gut zugepasstem Deckel
bestand.... Der Sarg wurde nach dem von dem Verstorbenen vor seinem
Dahinscheiden ausgesprochenen Willen entweder in den obersten
Raum des Hauses, wo sie Sachen von Werth verbargen, oder unter
dem Wohnhause in eine Art Gruft gestellt, die nicht zugedeckt,
aber mit einem Gitter umgeben wurde; oder in ein abgelegenes Feld,
oder auf einen erhabenen Ort oder Felsen am Ufer eines Flusses,
auf dass er von den Frommen verehrt werde. Sie stellten eine
Wache dabei auf, damit während einer gewissen Zeit kein Boot
vorüberführe, und der Todte nicht die Lebenden nach sich zöge.
Nach Gaspar (S. 169.) wurden die Todten in Tücher gewickelt,
in einen groben, aus einem Holzblock ausgehöhlten Kasten gelegt,
mit Juwelen und goldenen Ringen und einigen Goldblechen über Mund
und Augen und unter ihren Häusern mit Mundvorräthen, Schüsseln
und Näpfen begraben. Auch pflegten sie Sklaven mit den Vornehmsten
zu bestatten, um letztere in der andern Welt bedienen zu lassen.
»Ihr Hauptgötzendienst bestand darin, diejenigen ihrer Ahnen,
die sich am meisten durch Muth und Geist hervorgethan hatten,
anzubeten und für Götter zu halten.... Sie nannten sie humalagar,
welches dasselbe ist was man lateinisch Manes nennt.... Die Greise
selbst starben in dieser Eitelkeit, deshalb wählten sie einen
ausgezeichneten Ort, wie Einer auf der Insel Leyte, der sich
am Rand des Meeres beisetzen liess, damit die vorüberfahrenden
Schiffer ihn als Gott anerkannten und sich ihm empfahlen.«
(Thévenot Religieux S. 2.)
»Sie legten sie (die Todten) nicht in die Erde, sondern in
Särge von sehr hartem unzerstörbaren Holz ... man opferte ihnen
Sklaven und Sklavinnen, damit es ihnen in der andern Welt nicht
an Bedienung fehle. Starb eine Person von Bedeutung, so wurde
dem ganzen Volk Stillschweigen auferlegt, das je nach dem Range
des Verstorbenen dauerte und unter gewissen Umständen erst dann
aufhörte, wenn seine Verwandte viele Andre getödtet hatten,
um den Geist des Todten zu versöhnen.« (ibid. S. 7).
»Aus diesem Grunde (um als Götter verehrt zu werden) wählten
die Aeltesten unter ihnen zum Begräbniss einen bemerkenswerthen
Ort im Gebirge, und besonders auf Vorgebirgen, die in das
Meer hineinragen, damit sie von den Schiffern verehrt würden.«
(Gemelli Careri S. 449).
Von Taclóban, das ich des bequemen Tribunals wegen und weil es gut
verproviantirt ist, zum Standquartier wählte, kehrte ich am folgenden
Tage nach Samar zurück, zunächst nach Basey, Taclóban gegenüber. Die
Leute von Basey sind wegen ihrer Trägheit und geringen Begabung
in ganz Samar berüchtigt, sollen sich aber von den Bewohnern von
Taclóban durch Sittenreinheit vortheilhaft auszeichnen. Basey liegt
im Delta des nach ihm benannten Flusses. Wir fuhren einen schmalen
Arm hinauf in den Hauptstrom, der sich mit sehr geringem Gefälle
durch die Ebene windet; daher reicht das brackische Wasser und der
es begleitende Nipapalmensaum mehrere Leguas landeinwärts. Hinter
demselben breiten sich Kokospflanzungen aus, zwischen welchen die aus
dem engen Felsenbett des obern Flusslaufes zuweilen hervorbrechenden
Wasserfluthen (avenídas) grosse Zerstörungen anrichten, wie die
verstümmelten Palmen zeigen, die von ihrem Standort fortgerissen,
mitten aus dem Fluss emporragen. Nach fünfstündigem Rudern gelangten
wir aus dem Flachland in ein enges Thal mit steilen Marmorwänden,
die immer mehr zusammenrücken und höher werden. Sie sind an vielen
Stellen unterwaschen, zerklüftet, übereinandergestürzt, und bilden
mit ihren kahlen Seitenwänden einen schönen Gegensatz zu dem blauen
Himmel, der klaren grünlichen Fluth und den üppigen Lianen, die sich
an allen Unebenheiten wo sie haften können festgesetzt haben und in
langen Guirlanden über die Felsen hängen.
Der Strom wird so reissend und so seicht, dass die Leute aussteigen
und das Boot über das steinige Bett ziehn. Auf diese Weise gelangen
wir durch einen zwölf Fuss hohen, von zwei gegeneinander gestürzten
Felsen gebildeten Spitzbogen in ein ovales stilles Wasserbecken,
rings umgeben von 60 bis 70 Fuss hohen, nach innen einspringenden
Kalkwänden, auf deren oberem Rande ein Ring von Bäumen nur gedämpftes
Sonnenlicht durch dichtes Laub schimmern lässt. Dem niedrigen
Eingangsthor gegenüber erhebt sich eine prachtvolle 50 bis 60 Fuss
hohe, mit Tropfsteinen reich verzierte Felsenpforte, durch welche
man den in Sonne gebadeten oberen Lauf des Flusses noch eine Strecke
weit überblickt. In der linken Wand des ovalen Hofes, 40 Fuss über
dem Wasserspiegel, öffnet sich eine leicht zu ersteigende Höhle von
100 Fuss Länge; sie endet mit einer schmalen Pforte durch die man auf
einen von Tropfsteinen getragenen altanartigen Vorsprung tritt. Von
dort überblickt man sowohl die Landschaft, als den Felsenkessel und
erkennt letzteren als den Rest einer Tropfsteinhöhle deren Decke
eingestürzt ist. Die Schönheit und Eigenthümlichkeit des Orts wird
auch von den Eingeborenen empfunden, er heisst Sogóton (eigentlich
eine Bucht im Meer). In dem sehr harten marmorartigen Kalk waren Spuren
von Zweischalern und Seeigelstacheln in Menge wahrzunehmen, es gelang
aber nicht, bestimmbare Reste herauszuschlagen. Der Fluss liess sich
noch eine kurze Strecke weiter aufwärts verfolgen. In seinem Bett
kommen Gerölle von krystallinischen Talk- und Chloritgesteinen vor.
Mit vieler Mühe wurden einige kleine Fische erlangt; darunter eine
interessante lebendig gebärende neue Art. [214] Eine verwandte
Art (H. fluviatilis Bleeker), die ich zwei Jahre früher in einer
Kalkhöhle auf Nusa Kumbangan bei Java fand, enthielt gleichfalls
lebende Junge. Das zum Fischen verwendete Netz schien der Oertlichkeit,
einem seichten Fluss voll Geschiebe, wohl angepasst: ein feinmaschiges,
länglich viereckiges Netz, mit den langen Seiten an zwei Bambusstangen
befestigt, die unten mit einer Art von Holzschuhen (krummen aufwärts
nach vorn gerichteten Schnäbeln) versehn waren. Der Fischer packt
die obern Enden der Stangen und schiebt das schräg gehaltene Netz vor
sich hin, das mittelst seiner Schnabelschuhe über die Steine gleitet,
während ein Anderer ihm die Fische entgegentreibt.
Am rechten Ufer unterhalb der Höhle kommen 20 Fuss über dem
Wasserspiegel Bänke von fossilen Pectunculus, Tapes, Placuna vor, die
zum Theil kaum an der Zunge haften, also sehr rezent sein müssen. Ich
übernachtete in einer kleinen, schnell erbauten Hütte und versuchte
am folgenden Tage vergeblich flussaufwärts bis an die Grenze des
krystallinischen Gesteins zu gelangen. Nachmittags traten wir die
Rückfahrt nach Basey an, das wir Nachts erreichten.
Basey liegt etwa 50' über dem Meer, auf einer Thonbank, die im Westen
des Orts in einen mehrere hundert Fuss hohen Hügel mit steilen Wänden
übergeht. Ich fand darin in 25 bis 30' Meereshöhe dieselben rezenten
Muschelbänke wie bei der Tropfsteinhöhle Sogóton. Nach den Aussagen
des Cura und Anderer scheint in dieser Gegend eine schnelle Hebung
der Küsten stattzufinden: vor 30 Jahren konnten Schiffe bei Fluth in
3 Faden Wasser am Lande anlegen, jetzt beträgt die Tiefe dort nicht
viel über einen Faden. Dicht vor Basey liegen zwei kleine Inseln,
Genamók und Tapontónan, die gegenwärtig bei tiefster Ebbe durch eine
Sandbank verbunden erscheinen. Noch vor zwanzig Jahren war eine solche
nicht wahrnehmbar. Die Richtigkeit dieser Angaben vorausgesetzt,
wäre zunächst zu ermitteln, wieviel zu diesen Niveauveränderungen
die Strömungen, wieviel vulkanische Hebungen beigetragen haben, die
nach der nahen thätigen Solfatara auf Leyte zu schliessen immerhin
beträchtlich sein mögen.
Im Baseyfluss sollen nach Versicherung des Pfarrers Krokodile von
über 30 Fuss Länge vorkommen, und solche von mehr als 20' häufig
sein. Der gefällige Pater versprach mir eines von wenigstens 24
Fuss, dessen Skelet ich gern mitgenommen hätte, und sandte einige
Leute aus, die im Fangen dieser Thiere so geübt sind, dass sie zu
dem Zweck nach entfernten Orten geholt werden. Ihre Fangvorrichtung,
die ich aber nicht selbst sah, besteht in einem leichten Bambusfloss
mit einem Gerüst, auf welchem mehrere Fuss über dem Wasser ein Hund
oder eine Katze angebunden ist. Längs der Seite des Thieres ist
ein starker eiserner Haken angebracht, der vermittelst Abacáfasern
an dem schwimmenden Bambus befestigt ist. Hat das Krokodil den
Köder und damit zugleich den Haken verschlungen, so bemüht es
sich vergeblich loszukommen; denn die Nachgiebigkeit des Flosses
verhindert das Zerreissen, die eigne Elastizität das Durchbeissen
des Faserbündels. Das Floss dient zugleich als Boye für das gefangene
Thier. Nach Angabe der Jäger hausen die grossen Krokodile entfernt von
menschlichen Wohnungen, am liebsten unter dichtem Gebüsch, in weichem
Sumpf, worin ihr schleppender Bauch Spuren zurücklässt, die sie dem
Kundigen verrathen. Nach einer Woche meldete der Pfarrer, seine Leute
hätten drei Krokodile eingeliefert, deren grösstes aber nur achtzehn
Fuss mässe, er habe keines für mich behalten, da er eines von 30 Fuss
zu erlangen hoffe. Seine Erwartung ging aber nicht in Erfüllung.
In der Umgegend von Basey wächst die im Süden Samar's und wohl noch
auf einigen andern Bisaya-Inseln vorkommende Ignazbohne ganz besonders
häufig. Auf Luzon wird sie nicht angetroffen; vielleicht habe ich
sie ohne meinen Willen dort eingeführt. Ihr Verbreitungsbezirk ist
sehr beschränkt. Meine Bemühungen sie nach dem botanischen Garten von
Buitenzorg zu übersiedeln, blieben erfolglos; einige dazu bestimmte,
während meiner zeitweisen Abwesenheit in Daraga für mich eintreffende
grössere Pflanzen wurden von einem meiner Gönner seinem eignen Garten
einverleibt. Von mir selbst gesammelte, nach Manila gebrachte kamen
später abhanden. Alle Versuche, die über ganz Ostasien als Medikament
verbreiteten Kerne zum Keimen zu bringen, misslingen, weil letztere,
angeblich um sie gegen Verderben zu schützen (vielleicht auch um das
Monopol zu wahren), vor der Versendung gesotten werden.
Nach Flückinger [215] enthält die kürbisartige Beerenfrucht
des hochklimmenden Strauches (Ignatia amara L. Strychnos
Ignatii Berg. Ignatiana philippinica Lour.) bis 24 zollgrosse,
unregelmässig eiförmige Samen, die Ignatiusbohnen, die wie
Brechnüsse schmecken, aber noch giftiger sind. In diesen Samen
wurde 1818 von Pelletier und Caventou das Strychnin entdeckt;
(später auch in den Brechnüssen). Jene enthalten davon doppelt
soviel als diese, nämlich 1 1/2%, da sie aber viermal so theuer
sind, so wird es nur aus letzteren dargestellt.
In den Philippinen ist die gefährliche Drogue unter dem Namen
Pepita de Catbalonga in vielen Haushaltungen als gepriesenes
Heilmittel vorhanden. Schon Gemelli Careri (S. 420) erwähnt es
und führt 13 verschiedene Verwendungen an. -- Dr. Rosenthal,
(Synopsis plantarum diaphor. S. 363) sagt: »In Indien hat man
sie unter dem Namen Papecta gegen Cholera angewendet«. Papecta
ist wohl ein Schreibfehler; in K. Lall Dey's Indigenous drugs of
India wird sie Papeeta genannt, was in der englischen Aussprache
Pepita lautet. Pepita heisst auf Spanisch Fruchtkern. -- Auch als
Gegenmittel bei Schlangenbiss steht sie in hohem Ruf. Padre Blanco
(Flora de Filipinas 61) berichtet, er habe ihre sichere Heilkraft
in dieser Hinsicht mehr als einmal an sich selbst erprobt; doch
warnt er vor den Gefahren des innerlichen Gebrauchs, der schon
sehr viele Todesfälle veranlasste. Man solle sie nicht in den
Mund nehmen, denn verschlucke man den Speichel, so sei der Tod,
wenn nicht Erbrechen erfolge, unvermeidlich. Der Pfarrer von
Tabáco trug aber fast immer eine Pepita im Munde. Er hatte 1842,
um sich gegen die Cholera zu schützen, damit begonnen, von Zeit
zu Zeit eine Ignazbohne in den Mund zu nehmen, und sich allmälig
daran gewöhnt. Als ich 1860 mit ihm verkehrte, befand er sich
wohl und schrieb seine Gesundheit und Rüstigkeit gern jener
Gewohnheit zu. Nach seiner Mittheilung wurde bei Cholerakranken
mit Erfolg der wässerige Absud in geringer Menge als Zusatz zum
Thee, besonders aber, mit Brantwein vermischt, als Einreibung an
den von Krampf ergriffenen Stellen angewendet.
Auch Huc (Thibet I. 252) preist den wässerigen Auszug des kouo-kouo
(Faba Ign. amar.) sowohl für den innerlichen als äusserlichen
Gebrauch, und bemerkt, dass er in der chinesischen Medizin eine
grosse Rolle spiele, in keiner Apotheke fehle. Früher galt die
giftige Drogue (vielleicht auch jetzt noch bei Vielen) für ein
Zaubermittel; so erzählt Pater Camel [216], die Catbalogan-
oder Bisaya-Bohne, welche die Indier Igasur oder Mananaog
(die siegreiche) nennen, werde u. a. als Amulet am Halse
getragen, schütze gegen Gift, Ansteckung, jederlei Zauber und
Zaubertrank, ja sogar der leibhaftige Teufel könne dem Träger
nichts anthun. Besonders wirksam sei sie auch gegen ein Gift, das
durch Anblasen beigebracht wird, indem sie nicht nur den Träger
beschütze, sondern denjenigen tödte, der ihm das Gift beibringen
wolle. Camel führt noch eine Reihe von Wunderthaten auf, die der
Aberglaube der Ignazbohne zuschreibt.
Auf der südlichen Hälfte des östlichen Küstensaumes, von Boróngan über
Lánang bis Guíuan, sind beträchtliche Kokospflanzungen vorhanden,
die in höchst unvollkommener Weise zur Oelgewinnung genutzt
werden. Von Boróngan und seinen Visitas gehn jährlich 12000 Krüge
Kokosöl nach Manila; die von Menschen und Schweinen verzehrten Nüsse
würden wenigstens zu 8000 Krügen ausreichen. Da 1000 Nüsse 3 1/2 Krug
geben, so liefert die Umgegend von Borangan allein jährlich 6,000,000
Nüsse, wozu, den Durchschnittsertrag zu 50 Nüssen angenommen, 120,000
volltragende Kokospalmen nöthig sind. Die Angabe, dass ihre Zahl in
dem oben erwähnten Gebiete mehrere Millionen betrage, dürfte wohl
übertrieben sein.
Das Oel wird auf sehr rohe Weise dargestellt, indem man den aus der
holzigen Schale der Nuss in groben Spänen herausgeraspelten Kern
der Fäulniss überlässt. Zu Behältern dienen schadhaft gewordene,
im Freien auf Pfählen stehende Kähne, aus deren Spalten das Oel in
darunter gestellte Krüge abtropft. Schliesslich werden die Späne noch
gepresst. Das Verfahren erfordert mehrere Monate Zeit und liefert ein
so schlechtes, dunkelbraunes, dickflüssiges, ranziges Produkt, dass
in Manila der Krug nur 2 1/4 Dollar gilt, während besser bereitetes
6 Dollar kostet. [217]
Seit einiger Zeit hatte ein junger Spanier in Boróngan eine Fabrik
errichtet, um nach einem bessern Verfahren Oel zu bereiten: ein durch
zwei Büffel gedrehter Göpel setzt durch Zahnräder und Treibriemen
eine Anzahl Raspeln in Bewegung. Sie haben etwa die Form eines
Zitronenbohrers und bestehn aus fünf an ihrem Aussenrande gezähnten
eisernen Blättern, die radial am Ende eines eisernen Stieles sitzen
und vorn in eine stumpfe Spitze zusammenlaufen. Das andre Ende des
Stiels geht durch den Mittelpunkt einer Scheibe, die ihm die drehende
Bewegung mittheilt, ragt aber über dieselbe hinaus. Der Arbeiter
ergreift eine halbirte Kokosnuss mit beiden Händen, hält ihre innere
mit dem ölhaltigen Kern gefütterte Wölbung gegen die rotirende Raspel,
die er fest anpresst, indem er mit seiner durch ein gepolstertes Brett
geschützten Brust gegen das hervorragende Ende des Stiels drückt. Die
feinen Späne des Kerns bleiben 12 Stunden in flachen Behältern liegen,
damit sich die Zellenwände theilweise zersetzen. Man presst sie dann
leicht in Handpressen, fängt die aus 1/3 Oel 2/3 Wasser bestehende
Flüssigkeit in Kübeln auf, schöpft nach 6 Stunden das oben schwimmende
Oel ab und erhitzt es in eisernen Pfannen von hundert Liter Inhalt,
bis alles beigemischte Wasser verdampft ist, was zwei bis drei Stunden
erfordert. Um das Oel schnell abzukühlen, damit es sich nicht bräune,
giesst man zwei Eimer voll kalten wasserfreien Oels hinzu und entfernt
schnell das Feuer. Die gepressten Späne werden abermals 6 Stunden
der Luft ausgesetzt, dann unter starkem Druck gepresst. Nachdem beide
Operationen noch zweimal wiederholt worden, hängt man das Geraspel in
Säcken zwischen zwei starke vertikale Bretter und presst es mittelst
Klemmschrauben so viel als möglich aus, indem man es mehrere Male
umschüttelt. Der Rückstand dient als Schweinefutter. Das aus den
Säcken ablaufende Oel ist wasserfrei, daher sehr klar, und wird zum
Abkühlen des zuerst erhaltenen benutzt. [218]
Die Fabrik machte 1500 Tinájas Oel. Sie arbeitete nur 9 Monate. Vom
Dezember bis Februar können wegen der hohen See keine Nüsse zugeführt
werden; Landstrassen sind nicht vorhanden. Es war dem Fabrikanten
nicht gelungen, während dieser Zeit Nüsse aus der nächsten Umgegend
in hinreichender Menge zu erhalten, um ununterbrochen arbeiten zu
können, oder in der guten Jahreszeit Vorräthe für die Wintermonate
zu sammeln, obgleich er den verhältnissmässig hohen Preis von drei
Dollar für das Tausend zahlte.
Indem die Eingeborenen nach der oben beschriebenen Weise Oel machten,
erzielten sie aus 1000 Nüssen 3 1/2 Krug zu 6 r. = 21 r., d. h. 3
r. weniger als ihnen für die rohen Nüsse geboten wurde. Diese vom
Fabrikanten herrührenden Angaben sind vielleicht übertrieben, im
Wesentlichen mögen sie aber doch wohl begründet sein. Wer in den
Philippinen reist, hat oft Gelegenheit solche Verkehrtheiten zu
beobachten. In Daet, Nord-Camarines, kaufte ich 6 Kokosnüsse für 1
cuarto = 960 für 1 Dollar; dies ist dort ihr gewöhnlicher Preis. [219]
Auf meine Frage, weshalb man keine Oelfabrik errichte, erhielt ich zur
Antwort, dass die Nüsse im Einzelnen billiger seien als im Grossen. Im
ersten Falle verkauft der Indier, wenn er Geld braucht; weiss er aber,
dass der Fabrikant, um seinen Betrieb nicht zu unterbrechen, zu Opfern
bereit ist, so beutet er diesen Umstand rücksichtslos für Einmal aus,
ohne daran zu denken, sich eine regelmässige Einnahmequelle zu sichern.
In der Provinz Laguna, wo die Indier aus Zuckerrohr groben braunen
Zucker bereiten, tragen ihn die Frauen Leguas weit nach dem Markte
oder bieten ihn an der Landstrasse in kleinen Broden (Panoche)
gewöhnlich zugleich mit Buyo feil. Jeder Vorübergehende schwatzt mit
der Verkäuferin, wägt die Brode in der Hand, nascht davon und geht
vielleicht ohne zu kaufen weiter. Abends kehrt die Frau mit ihrem
Kram nach Hause zurück, um es am nächsten Tage ebenso zu machen.
Die betreffenden Notizen sind mir verloren gegangen; ich erinnere
mich aber, dass wenigstens in zwei Fällen der Preis des Zuckers in
solchen Broden billiger war als im Pico. Die Regierung ging übrigens
den Indiern damals mit dem Beispiel voran und verkaufte Zigarren
einzeln billiger als im Grossen.
In Europa kann ein Unternehmer meist mit ziemlicher Sicherheit
die Herstellungskosten eines Gegenstandes im Voraus berechnen;
in den Philippinen ist dies nicht immer so leicht. Abgesehn von der
Unzuverlässigkeit der Arbeit wird die Regelmässigkeit in der Lieferung
von Rohstoffen nicht nur durch Trägheit und Launenhaftigkeit, sondern
auch durch Neid und Misstrauen gestört. Die Indier sehen es in der
Regel nicht gern, wenn sich ein Europäer unter ihnen niederlässt, um
mit Erfolg die lokalen Reichthümer auszubeuten, die sie selbst nicht
ausgiebig zu nutzen verstehn. Aehnlich verhalten sich die Kreolen den
Ausländern gegenüber, die ihnen durch Kapital, Geschäftskenntniss und
Thätigkeit gewöhnlich sehr überlegen sind. Ausser dem Neide spielt
auch das Misstrauen eine grosse Rolle, das der Mestize sowohl als
der Castila dem Eingeborenen einflösst. Es kommen noch heut Fälle
genug vor, die dieses Gefühl durchaus rechtfertigen. Früher aber,
als die verkommensten Subjekte Guvernörstellen kaufen konnten und
ihre Provinzen schamlos ausbeuteten, sollen so arge Missbräuche
stattgefunden haben, dass sich das Misstrauen im Laufe der Zeit bei
den Indiern zu einer Art Instinkt ausgebildet hat.