INSEL LEYTE. -- HEUSCHRECKEN. -- SOLFATARA. --
SCHWEFELGEWINNUNG. -- BITOSEE. -- KROKODILE.
Die Insel Leyte, zwischen 9° 49' und 11° 34' N., und 124° 7' und 125°
9' O. Gr., ist über 25 Meilen lang, fast 12 Meilen breit und hat 170
quadr. M. Flächeninhalt. Von Samar ist sie, wie mehrfach erwähnt,
nur durch die schmale San Juanico-Strasse getrennt. Die Hauptstadt
Taclóban oder Taclóbang liegt am östlichen Eingang dieser Strasse,
hat einen sehr guten Hafen und ununterbrochenen Verkehr mit Manila;
daher ist sie zum Stapelplatz für Leyte, Biliran, Süd- und Ost-Samar
geworden. [220]
Auch der hiesige Guvernör erwies mir viel liebenswürdige
Aufmerksamkeit. Fast ausnahmlos sind mir von meinem Verkehr mit den
spanischen Beamten die angenehmsten Erinnerungen geblieben. Um so
unbefangener konnte ich, wo es mir am Platz schien, über die Missstände
der Verwaltung sprechen.
Am Tage nach meiner Ankunft in Taclóban entstand Nachmittags ein
Geräusch, wie das Brausen eines Wildbachs; die Luft verfinsterte
sich, es schwebte eine grosse Heuschreckenwolke über den Ort. [221]
Ich will die oft beschriebene in allen Erdtheilen sich wesentlich
gleichbleibende Erscheinung nicht noch einmal erzählen und bemerke
nur, dass der über 500 Schritt breite, gegen 50' tiefe Schwarm, dessen
Ende sich im Walde verlor, für nicht sehr bedeutend galt. Er brachte
Munterkeit statt Bestürzung hervor. Alt und Jung war eifrig bemüht mit
Laken, Netzen, Fahnen möglichst viele der leckeren Thiere zu fangen, um
sie wie Dampier erzählt »in einer irdenen Pfanne über Feuer zu rösten,
bis ihre Beine und Flügel abfallen, und ihre Köpfe und Rücken die Farbe
gesottener Krebse annehmen«, in welcher Zubereitung sie ihm geschmeckt
haben. In Birmah gelten sie noch heut bei Hof als Leckerbissen. [222]
Die Heuschrecken sind eine der grössten Plagen der Philippinen
und vernichten zuweilen die Ernte ganzer Provinzen. Die Legislacion
ultramarina IV. 604 enthält ein besonderes Gesetz über die Vertilgung
dieser verheerenden Kerfe. Sobald sie erscheinen, soll die Bevölkerung
der betroffenen Ortschaften in grösster Anzahl unter Leitung der
Behörden zu ihrer Vernichtung ausziehn. Die erprobtesten Mittel
zur Erreichung dieses Zwecks sind in einer amtlichen Vorschrift
enthalten und in der Verordnung, betreffend ausserordentliche
Leistungen bei öffentlichen Nothständen, stehn die Heuschrecken
zwischen den Seeräubern und Feuersbrünsten in der Mitte. Von allen
ersonnenen Mitteln, die sich aber gegen die zuweilen in unglaublicher
Menge erscheinenden verderblichen Thiere in den Philippinen ebenso
unzureichend wie anderwärts erweisen, sei nur eines hier erwähnt:
Am 27. April 1824 beschloss die Sociedad economica den Vogel Martin
(Gracula sp.) einzuführen, »der aus Instinkt Heuschrecken frisst«. Im
Herbst des folgenden Jahres traf die erste Sendung derselben aus China
ein, 1829 eine zweite, 1852 findet sich abermals ein Posten von 1311
Dollar für Martinvögel verausgabt.
Am folgenden Tage fuhr ich mit dem Pater von Dagámi (in Leyte giebt es
Strassen) von Taclóban südlich nach Pálos und Tanáuan, zwei blühenden
Orten an der Ostküste. Kaum 1/2 Legua von letzterem ragt unmittelbar
am Meer aus der bisher ganz flachen sandigen Ebene ein Felsen von
krystallinischem Gestein hervor, graugrüner quarziger Chloritschiefer,
aus dem der unternehmende Pater mit bessern Erfolges würdiger
Beharrlichkeit versucht hatte, Kalk zu brennen. Nach reichlichem
Frühstück im Convento fuhren wir Nachmittags nach Dagami und erst am
folgenden Tage nach Buráuen. [223]
Die Gegend bleibt flach; Kokoshaine und Reisfelder unterbrechen
stellenweis den dichten Wald, das Land ist spärlich bewohnt, die
Menschen scheinen aufgeweckter und sind schöner und reinlicher als
in Samar. Südlich von Buráuen erhebt sich ein Gebirgszug Manacagan,
an dessen jenseitigem Abhang eine grosse Solfatara liegt, die Schwefel
für die Pulverfabrik in Manila und den Handel liefert. Ein spanischer
Seemann begleitete mich. Wir ritten, wo der Weg durch Sumpf führte, auf
Büffeln; der Schritt der Thiere ist nicht unangenehm, aber das Spreizen
der Schenkel auf dem breiten Rücken der riesigen philippinischen Büffel
ermüdend. Eine Viertelstunde hinter Buráuen überschritten wir den
SW. NO. fliessenden 100' breiten Dagúitan, dessen Bett voll grosser
vulkanischer Blöcke liegt, bald darauf einen schmalen Fluss in einem
breiten Bett, einige hundert Schritt weiter einen 150' breiten, beide
letztere, Arme des Buráuen; sie fliessen WO. und münden bei Dulag. Der
zweite Arm war erst im vorigen Jahr bei einer Ueberfluthung entstanden.
Wir übernachteten in einer Hütte am nördlichen Abhang des Manacagan,
welche die Besitzer, als sie uns ankommen sahen, mit Weib und Kind
unaufgefordert geräumt hatten, um anderswo Unterkommen zu suchen. So
erfordert es die Landessitte, wenn der Raum für beide Theile zu
klein ist -- dafür wird keine Entschädigung beansprucht und wohl nur
selten gewährt.
Am folgenden Morgen um 6 Uhr brachen wir auf und überstiegen um 6 Uhr
30 Minuten auf angenehmem Waldpfade das Joch des aus hornblendereichem
Trachyt bestehenden Manacagan, um 7 Uhr durchfurteten wir zwei kleine
Flüsse, die NW. fliessen und dann in einem Bogen angeblich bei Dulag
die Küste erreichen. Vom Joch aus sieht man im Süden die grosse
weisse Schutthalde des Berges Dánan durch die Bäume schimmern. Um 9
Uhr kamen wir durch den dicht bewaldeten Krater des Kasiboi und weiter
südlich an einige Schuppen, in denen Schwefel ausgeschmolzen wird.
Das aus der Solfatara kommende Rohmaterial wird nach drei Klassen
bezahlt: 1o bereits zu Krusten zusammengeschmolzener Schwefel, 2o
sublimirter, der in seinen Zwischenräumen noch viel Kondensationswasser
enthält, 3o im Thon mehr oder weniger reichlich vertheilter (aus dem
die überwiegende Menge gewonnen wird). Man setzt zum Schwefelthon
Kokosöl,
6 Quart auf 4 Arroben, wirft ihn in flache eiserne Pfannen von 6
Arroben Inhalt und schmilzt unter beständigem Umrühren. Nachdem
der obenaufschwimmende entschwefelte Thon abgeschöpft, wird
neuer Schwefelthon in den Kessel geworfen und so fort. In 2 bis
3 Stunden gewinnt man auf diese Weise aus 24 Arroben Schwefelthon
durchschnittlich etwa 6 Arroben Schwefel, der in hölzerne Kasten
gegossen, zu Blöcken von 3 bis 4 Arroben erstarrt. Die Hälfte des
verwendeten Oeles wird wieder gewonnen, indem man den ölgetränkten
Thon in ein Gestell aus zwei einen spitzen Winkel bildenden engen
Bambusgittern wirft. Das Oel tröpfelt in eine darunter befindliche
geneigte Bambusrinne, und fliesst von da in einen Topf. Der Preis
des Schwefels in Manila schwankt zwischen 1 1/2 und 4 1/2 Dollar
per Pico. Ich sah die mit Thon gefüllten Gestelle, aus denen das
Oel abtropfte, das Verfahren selbst habe ich aber leider nicht mit
angesehn, und weiss nicht zu erklären, weshalb das Oel zugesetzt
wird. Nach einigen im Kleinen, also unter wesentlich andern Bedingungen
und nicht einmal mit demselben Material angestellten Versuchen
scheint es, dass das Oel die Abscheidung des Schwefels beschleunigt,
den Zutritt der Luft zum Schwefel erschwert. Bei den Versuchen war der
im Boden des Tiegels erhaltene Schwefel immer durch Ausscheidung von
Kohle aus dem Oele schwarz gefärbt und würde erst durch Destillation
gereinigt werden müssen. Von einer solchen erwähnten indessen die
Leyter Schwefelschmelzer nichts, auch waren Apparate dazu nicht
vorhanden, ihr Schwefel war von rein gelber Farbe.
Einige hundert Schritte weiter S. fliesst ein von O. kommender, 12'
breiter heisser Bach (50°R.), der an seinen Rändern Kieselsinter
absetzt.
Man folgt einer NS. streichenden Schlucht mit 100 bis 200' hohen
Wänden; der Pflanzenwuchs hört allmälig auf, das Gestein ist
blendendweiss, oder durch sublimirten Schwefel gelb gefärbt. An
zahlreichen Stellen dringen dichte Dampfwolken mit starkem
Schwefelwasserstoffgeruch aus dem Boden, einige tausend Schritt weiter
biegt die Schlucht nach links (O.) um und erweitert sich zugleich an
der Bucht. Hier brechen zahlreiche Kieselsprudel durch den lockeren
von Schwefel durchdrungenen Thonboden. Diese Solfatara muss früher
viel thätiger gewesen sein als gegenwärtig; die durch Zersetzung des
Gesteins von ihr gebildete Schlucht, voll hoher Schutthaufen, mag
gegen 1000' breit und wohl fünfmal so lang sein; am östlichen Ende
ist eine Anzahl kleiner kochender Schlammpfützen vorhanden, und rings
um diese bricht, wenn man den Stock in den durchwühlten Boden stösst,
Wasser und Dampf hervor. An einigen tiefen Stellen, weiter westlich,
sind graue, weisse, rothe und gelbe Thone in schmalen Bändern über
einander geschwemmt; sie sehn wie Keupermergel aus.
Im Süden, dem Joch, das nach Buráuen führt, gerade gegenüber sieht man
in einer Höhle im weissen zersetzten Gestein ein 25' breites Becken,
aus welchem kieselsäurehaltiges inkrustirendes Wasser reichlich
ausfliesst. Die Decke der Höhle ist mit Tropfsteinen behangen, die
mit gediegenem Schwefel überzogen sind oder gänzlich daraus bestehn.
Am oberen Abhange des Berges Dánan, nahe am Gipfel setzt sich so
viel Schwefel aus den Schwefelwasserstoffdämpfen ab, dass er mit
Kokosschalen abgenommen werden kann. In einigen gegen die kühlende
atmosphärische Luft geschützten Spalten schmilzt er zu dicken braunen
Krusten zusammen. Die Solfatara des Dánan liegt genau S. von jener
unten am Ende der Schlucht des Kasiboi. Die nach Auslaugung der
Kieselsäure zurückbleibende Thonerde wird durch den Regen in das
Thal geschwemmt, wo sie eine Ebene bildet, deren grösster Theil
von einem kleinen schwach schwefelsauren See Malaksan (malaksan,
sauer) eingenommen wird. Seinen Spiegel, der wegen der sehr flachen
Ufer, je nach dem Wetter sich merklich verändert, fand ich etwa 500
Schritte lang, 100 breit. Von der Höhe der Solfatara erblickt man
durch eine Kluft genau S. einen etwas grösseren Süsswasser-See von
bewaldeten Bergen umgeben, er heisst Jaruánan. Die Nacht wurde in einem
verfallenden Schuppen an der SO. Ecke des Sees Malaksan zugebracht. Am
folgenden Morgen stiegen wir über das Bergjoch im Süden, dicht neben
der Solfatara des Dánan vorbei, in 1/2 Stunde zum See Jaruánan hinab.
Dieser See, so wie der Malaksan flösst den Eingeborenen wegen der
bedenklichen Nachbarschaft der Solfatara abergläubische Furcht
ein; er war daher angeblich noch von keinem Schiffer, Fischer oder
Schwimmer entweiht und sehr fischreich. Um seine Tiefe messen zu
können, liess ich ein Floss aus Bambus bauen. Als mich aber meine
Begleiter ungefährdet im See schwimmen sahen, sprangen sie alle ohne
Ausnahme hinein und tummelten sich im Wasser mit besonderem Behagen
und grossem Jubel, als wollten sie sich für die lange Zurückhaltung
entschädigen. Das Floss wurde daher erst gegen 3 Uhr fertig. Die
Sondirungen ergaben für den mittleren Theil des Beckens, das am
Südrande etwas steiler als am Nordrande, 13 Brazas = 21,7 Meter Tiefe;
die grösste Länge des Sees beträgt gegen 800 Varas (668 Meter), die
Breite etwa halb so viel. Indem wir Abends bei Fackelschein über den
Bergrücken nach unserm Nachtquartier am sauren See zurückkehrten,
kamen wir an der sehr bescheidenen Wohnung eines Ehepaares vorüber:
drei aus gemeinschaftlichem Stamm auseinander strebende, in gleicher
Höhe abgestutzte Aeste trugen eine Hütte von Bambus und Palmenblättern,
8' im Geviert. Ein Loch im Boden bildete den Eingang, sie war in
Zimmer und Vorzimmer getheilt; vier Bambusstangen trugen oben und
unten eine Bambuslage, erstere diente als Balkon, letztere als Laden,
in dem Betel verkauft wurde.
Am Tage nach meiner Rückkehr in Buráuen fuhr mich ein gefälliger
spanischer Kaufmann durch die mit Reis, Mais und Zuckerrohr bebaute
fruchtbare Ebene von vulkanischem Sand nach Dúlag, das gerade westlich
am Strande des stillen Meeres liegt. Die Entfernung (bei Coello 3
Leguas) beträgt wohl kaum 2 Lg. Von hier erscheint Punta Guíuan,
die Südspitze Samars, wie ein von der Hauptinsel getrenntes Eiland,
und weiter südlich (N. 102,4 bis 103,65 S.) als schmaler Streifen
Jomonjol, die erste Insel des Archipels die Magellan (16. April 1521)
erblickte. In Dúlag stiess mein voriger Begleiter zu uns, um die Reise
nach dem Bitosee mitzumachen. Die Beschaffung der Beförderungsmittel
und des Proviants und mehr noch die rücksichtsvolle Berathung aller
Vorschläge dreier Gleichberechtigter nahm viel Zeit und Geduld in
Anspruch. Schliesslich segelten wir in einem grossen Casco (Lastboot)
südwärts die Küste entlang zur Mündung des Rio Mayo, der nach der Karte
und den eingezogenen Nachrichten aus dem Bitosee herkommen soll. Wir
fuhren in einem Nachen aufwärts, wurden aber an der ersten Hütte
belehrt, dass der See nur auf grossen Umwegen durch sumpfigen Wald zu
erreichen sei. Die Mehrheit beschloss umzukehren. Verschiedene durch
Mangel einheitlicher Leitung herbeigeführte Abenteuer verzögerten
unsere Ankunft in Abúyog bis 11 Uhr Nachts. Wir hatten unterwegs
zuerst einen kleinen Nebenarm des Mayo, dann den Bitofluss
zu überschreiten. Die Entfernung des letztern von Abúyog, auf
Coello's Karte zu gross angegeben, beträgt nach einer Messung des
Gobernadorcillo 1400 Brazas, was wohl richtig sein mag. [224]
Der folgende Tag wurde, da es stark regnete, benutzt, um Erkundigungen
über den Weg zum Bitosee einzuziehn. Wir erhielten sehr abweichende
Angaben über die Entfernung, Alle stimmten aber überein, den Weg dahin
abschreckend zu schildern. Eine beschwerliche Reise von wenigstens
zehn Stunden schien uns das Wahrscheinlichste.
Tags darauf gelangten wir in einer Stunde auf angenehmem Waldwege an
den Bitofluss und fuhren in dort vorgefundenen Nachen flussaufwärts
zwischen flachen, sandigen, mit hohem Rohr und Schilf bestandenen
Ufern. Nach 10 Minuten zwangen uns queer über den Strom gestürzte
Bäume einen Umweg zu Lande zu machen, der uns nach einer halben Stunde
wieder an den Fluss oberhalb der Hindernisse führte. Hier bauten wir
Bambusflösse, auf denen wir, da das Material sehr knapp bemessen, einen
halben Fuss tief eintauchend, in 10 Minuten den See erreichten. Wir
fanden ihn mit grünen Conferven bedeckt; ein Doppelsaum von Pistien
und 6 bis 7' hohen breitblättrigen Riedgräsern fasste ihn ein, in
S. und W. erheben sich niedrige Hügel, von der Mitte erscheint er
fast kreisrund, ringsum Wald. Coello giebt den See viel zu gross an
(4 statt 1 Sm.), seine Entfernung von Abúyog kann nur wenig über
1 Legua betragen. Mit Hülfe einer aus Lianen zusammengeknüpften
Schnur und alliniirter Stäbe fanden wir seine Breite = 585 Brazas =
977 Met. (die breiteste Stelle dürfte wenig über 1000 Met. betragen);
die Länge berechnete sich nach einigen unvollkommenen Peilungen auf
1007 Brazas (1680 Met.), also weniger als 1 Sm. Sondirungen ergaben
ein sanft geneigtes, in der Mitte 8 Braz. (13m.3) tiefes Becken. Gern
hätte ich die Verhältnisse genauer bestimmt, aber Mangel an Zeit,
Unzugänglichkeit des Uferrandes und die elende Beschaffenheit unseres
Flosses erlaubten nur einige rohe Messungen.
Am Strande war keine Spur menschlicher Wohnungen wahrzunehmen, aber
eine Viertelstunde Weges vom Nordrande fanden wir, von tiefem Schlamm
und stacheligen Calamus umgeben, eine bequeme Hütte, deren Insassen
zwar als Cimarronen jedoch in Fülle und mit grösserer Bequemlichkeit
als manche Dorfbewohner lebten. Man nahm uns sehr gut auf, Fische
waren reichlich vorhanden, auch Tomaten und Capsicum, um sie zu würzen,
und Teller von englischem Steingut, um sie zu verzehren.
Die Häufigkeit der Wildschweine hatte die Einsiedler zur Erfindung
einer eigenthümlichen Vorrichtung veranlasst, um selbst im Schlaf
von deren Annäherung unterrichtet und im Dunkeln auf ihre Spur
geleitet zu werden. Ein über tausend Fuss langes aus Bananenstreifen
zusammengeknüpftes Seil schleppt in gerader Linie am Boden hin, das
eine Ende ist an einer mit Wasser gefüllten, über dem Schlafplatz
des Jägers aufgehängten Kokosschale befestigt. Berührt ein Schwein
das Seil, so wird durch den Ruck das Wasser über den Schläfer
ausgeschüttet, den das Seil, indem er es durch die Hand gleiten
lässt, zu seiner Beute führt. Die Hauptbeschäftigung unserer
Wirthe schien der Fischfang zu sein, der so ergiebig ist, dass
die rohesten Vorrichtungen genügten. Nicht einmal ein Nachen war
vorhanden, sondern nur lose zusammengefügte Bambusflösse, auf denen
die Fischer, wie wir auf unserem Floss, halbfusstief einsinkend,
zwischen den Krokodilen umhertrieben, die ich nie in solcher Menge
und in so beträchtlicher Grösse wie in diesem See gesehn habe. Einige
schwammen an der Oberfläche mit ihrem Rücken aus dem Wasser ragend
langsam herum. Auffallend war die völlige Sorglosigkeit, mit welcher
selbst zwei kleine Mädchen angesichts der grossen Ungethüme im Wasser
wateten. Zum Glück scheinen letztere sich mit ihren reichlichen
Fischrationen zu begnügen. Es sollen vier Arten Fische im See
vorkommen, darunter ein Aal; wir erlangten aber nur eine. [225]
Am folgenden Morgen waren unsere einheimischen Begleiter schon in aller
Frühe betrunken. Dies führte zur Entdeckung eines andern Gewerbes der
Einsiedler, das ich jetzt nach Aufhebung des Regierungsmonopols wohl
verrathen darf. Sie destillirten heimlich Palmenbrantwein und trieben
damit einträglichen Handel. Nun begriff ich auch, warum man uns die
Schrecknisse des Weges am Mayofluss und in Abuyog in so lebhaften
Farben geschildert hatte. [226] Wir fuhren auf unsern Flössen bis
zur Stelle zurück, wo wir sie gefunden hatten, eine Strecke von etwa
1500', gingen O. bei N. zu unsern Nachen, durch 16' hohes wildes Rohr
(Saccharum sp.) mit sehr grossen silberweissen Blüthenbüscheln und
fuhren zur Barre, von wo wir nach 1 1/2 stündigem Marsche Abuyog
erreichten. Von dort kehrten wir zu Wasser nach Dulag, zu Lande
nach Buráuen zurück, wo wir Nachts eintrafen, früher als unsere
Pferdeknechte erwartet hatten, weshalb wir sie in unseren Betten
schlafend antrafen.
Bis vor kurzem wurde in dieser Gegend viel Tabak gebaut, und sein
Verkauf unter gewissen Beschränkungen den Bauern gestattet. Neuerdings
war verboten worden den Tabak anders als an die Regierung zu verkaufen,
und zwar zu einem von ihr selbst bestimmten so äusserst niedrigen
Preise, dass der Tabakbau fast ganz aufgehört hatte. Da aber die
Tabakregie bereits Speicher errichtet und Einnehmer angestellt hatte,
so sahen die Eingeweihten richtig voraus, dass demnächst der Zwangsbau
eingeführt werden würde, wie es auf ähnliche Weise an andern Orten
geschehen war. -- Die Ostküste von Leyte soll sich heben, während
an der Westseite das Meer die Küste zerstört, bei Ormog soll es in
6 Jahren um 50 Ellen vorgedrungen sein.