ZWEITES KAPITEL

RHEDE. -- ZOLLWESEN. -- GESCHICHTE DES HANDELS. -- SPANISCHE

KOLONIALPOLITIK. -- REISEN DER GALEONEN.

Die Zollvisitation und die vielen, von den einheimischen

Subalternbeamten ohne alle Rücksichten nach dem Buchstaben gehandhabten

Förmlichkeiten erschienen dem neu Angekommenen um so lästiger, da er

eben erst in den englischen Freihäfen Ostasiens verkehrt hatte. Auf

die Bürgschaft eines angesehenen Kaufmanns wurde ihm nach 16 Stunden

als eine besondere Gunst die Landung gestattet, jedoch ohne das

kleinste Gepäckstückchen.

Die Rhede ist im S.W. Monsun und zur Zeit der von Stürmen begleiteten

Monsunwechsel unsicher; dann suchen grössere Schiffe in dem 7

SM. entfernten Cavite Schutz; im N.O. Monsun können sie 1/2 L. vom

Lande ankern. Fahrzeuge von weniger als 300 Tonnen gelangen über die

Barre in den Fluss Pásig, wo sie bis zur Brücke, unmittelbar am Ufer,

und bis in die Mitte des Flusses hinein, in dicht gedrängten Reihen

liegen, und durch ihre Anzahl sowohl, wie durch das zwischen ihnen

herrschende rege Treiben von der Lebhaftigkeit des Binnenhandels

zeugen.

In jedem Regenmonsun führt der Pásig der Barre so viel Schlamm zu, dass

dessen Fortschaffung die Thätigkeit der aufgestellten Baggermaschine

wie es scheint vollauf in Anspruch nimmt.

Die geringe Zahl von Schiffen auf der Rhede, besonders fremder Flaggen,

war um so auffallender, als, ausser Manila, kein Hafen des Archipels

mit dem Auslande verkehrte. Allerdings hatten seit 1855 noch drei

andere Häfen diese Berechtigung erhalten (später kam noch ein vierter

dazu), zur Zeit meiner Ankunft, März 1859, war aber noch keiner von

einem fremden Schiffe besucht worden; erst einige Wochen später traf

das erste englische Fahrzeug in Iloílo ein, um Zucker für Australien

zu laden. [11]

Der Grund jener Erscheinung lag zum Theil in der geringen Entwicklung

des Landbaues, trotz der ausserordentlichen Fruchtbarkeit des Bodens,

zum grösseren Theil aber wohl in veralteten, den Verkehr künstlich

beschränkenden Verordnungen. Die Zölle waren an und für sich nicht

sehr hoch: im Allgemeinen 7 Procent vom Werth für Schiffe unter

spanischer Flagge; für fremde Flaggen aber das Doppelte, und wenn

die Waaren spanischen Ursprungs, 3 Proc. für nationale, 8 Proc. für

fremde Flaggen. Letztere konnten daher in der Regel nur mit Ballast

einlaufen. [12] Da aber die Hauptbedürfnisse der Kolonie aus England

und dem Auslande eingeführt wurden, so mussten sie entweder für

spanische Fahrzeuge, welche fast dreifache Fracht berechnen (4-5 statt

1 1/2-2 Pf. Sterl. per Tonne), und nur in grossen Zwischenräumen in

englischen Häfen erscheinen, aufbewahrt, oder in fremden Schiffen

nach Singapore oder Hongkong geschickt werden, wo sie auf spanische

Schiffe umgeladen wurden. Ausserdem wurden selbst von Schiffen in

Ballast, und solchen, die ohne zu löschen oder Fracht einzunehmen,

wieder ausliefen, Tonnengelder erhoben, und wenn ein solches Fahrzeug

auch nur ein Päckchen landete, so wurde es nicht mehr als in Ballast

betrachtet, sondern nach einer viel höheren Taxe besteuert. Ein Schiff

musste also durchaus keine, oder so viel Ladung haben, dass es die

erhöhten Hafengelder decken konnte, was für ausländische wegen der

Differenzialzölle, die einem Verbote gleich wirkten, beinahe unmöglich

war. Fremde Fahrzeuge kamen daher fast immer nur in Ballast, und wenn

sie für einen bestimmten Zweck besonders herbeigerufen wurden.

Die Kolonie exportirt fast nur Rohprodukte, die mit einem Ausfuhrzoll

von 3 Procent belastet waren; für die spanische Flagge betrug er

nur 1 Procent; da aber fast keine Ausfuhr nach Spanien stattfindet,

und spanische Schiffe, wegen ihrer theuren Frachten, vom Weltverkehr

ausgeschlossen sind, so war die Begünstigung für den Handel nur eine

scheinbare. [13] Diese ungeschickten, mit endlosen misstrauischen

Formen gehandhabten Zollgesetze verscheuchten alle frachtsuchenden

Schiffe vom Hafen, so dass Aufträge auf Landeserzeugnisse zuweilen

nicht ausgeführt erden konnten. So gering war der Schiffsverkehr,

dass der Gesammtertrag der hohen Hafengelder nach einem zehnjährigen

Durchschnitt kaum 10,000 Doll. erreichte.

An und für sich ist die Lage Manila's für den Welthandel sehr günstig,

als Zentralpunkt zwischen Japan, China, Anam, den englischen und

holländischen Häfen des Archipels und Australien. [14]

Während des N.O. Monsun, in unseren Wintermonaten, wo die Schiffe

vom indischen Archipel nach China, um einige Deckung zu haben, durch

die Gilolostrasse gehn, müssen sie überdies dicht an Manila vorbei,

und würden dort eine bequeme Station finden; namentlich aber liegen

die Philippinen wie bereits erwähnt, für die Westküste Amerikas

sehr günstig.

Dass das spanische Ultramar-Ministerium diese Verhältnisse richtig

erkennt und ihnen Rechnung trägt, geht aus dem für die Zukunft der

Kolonie so wichtigen Dekret vom 5. April 1869 hervor, das wohl schon

früher erschienen wäre, wenn nicht die durch Schutzzölle verwöhnten

spanischen und kolonialen Schiffsrheder sich hartnäckig gegen eine

Neuerung gesträubt hätten, die ihre bisherigen Privilegien antastet

und sie zu grösserer Rührigkeit zwingt.

Die bemerkenswerthesten Punkte dieser neuen Verordnung sind:

Ermässigung der Differenzialzölle und ihr gänzliches Erlöschen nach

zwei Jahren, Abschaffung aller Ausfuhrzölle und das Verschmelzen

mehrerer lästiger Hafengebühren in einen einzigen Hafenzoll. [15]

Als die Spanier nach den Philippinen kamen, fanden sie die Eingeborenen

mit Seiden- und Baumwollenstoffen bekleidet, die von chinesischen

Schiffen im Austausch gegen Goldstaub, Sapanholz, [16] Holothurien,

essbare Vogelnester und Häute eingeführt wurden. [17] Auch mit Japan,

Cambodia, Siam, [18] den Molukken und dem malayischen Archipel standen

die Inseln in Verkehr; de Barros erwähnt Schiffe von Luzon, die 1511

Malacca besuchten. [19]

Durch die grössere Sicherheit, die mit den Spaniern in's Land kam,

mehr noch durch den von ihnen eröffneten Verkehr mit Amerika und

mittelbar mit Europa, nahm der Handel schnell zu und erstreckte sich

über Vorder-Indien bis an den persischen Meerbusen. Manila wurde zum

Stapelplatz für die Erzeugnisse Ostasiens und befrachtete damit die

Galeonen, die von 1565 an nach Neu-Spanien (zuerst nach Navidad, von

1602 ab nach Acapulco) fuhren und als Rückfracht vorzüglich Silber

brachten. [20] Die Kaufleute in Neu-Spanien und Peru fanden diesen

Handel gleichfalls so vortheilhaft, dass dadurch der Einfuhr aus dem

Mutterlande, dessen Fabrikate gegen die indischen Baumwollen und die

chinesischen Seidenstoffe nicht konkurriren konnten, grosser Abbruch

geschah. Die verwöhnten Monopolisten von Sevilla verlangten daher das

Aufgeben der Kolonie [21], die jährlich beträchtlicher Zuschüsse

bedurfte, das Mutterland in der Ausbeutung der amerikanischen

Besitzungen hinderte, und das Silber aus den Reichen Sr. Majestät

in die Hände der Heiden gelangen liess. Schon der Gründung der

Kolonie hatten sie grosse Hindernisse in den Weg gelegt. [22] Jenes

Verlangen scheiterte aber an dem Ehrgeiz der Krone und am Einfluss

der Geistlichkeit; doch wurde, den damals allgemein gültigen Ansichten

durchaus entsprechend [23], zu Gunsten des Mutterlandes den Kaufleuten

von Peru und Neu-Spanien verboten, Waaren aus China unmittelbar oder

über Manila zu beziehen. Den Bewohnern der Philippinen allein blieb

gestattet, chinesische Waaren in Amerika einzuführen, aber nur bis

zum Werthe von 250,000 Doll. jährlich, die Rückfracht ward auf 500,000

Doll. beschränkt. [24]

Später wurde erstere Summe auf 300,000 Doll. mit entsprechender

Rückfracht erhöht, den Spaniern aber untersagt, China zu besuchen,

so dass sie die Ankunft der Junken abwarten mussten. 1720 endlich

wurden chinesische Stoffe in allen spanischen Besitzungen beider

Welttheile gänzlich verboten. Eine Verordnung von 1734 (mit Zusätzen

von 1769) gestattete den Handel mit China auf's Neue und erhöhte

das Werthmaximum der Fracht nach Acapulco auf 500,000 Doll., die

Rückfracht auf 1,000,000 Doll. Silber.

Nachdem endlich die auf Kosten der Staatskasse erhaltene Nao von

Acapulco ihre Reisen eingestellt (die letzte Galeon verliess Manila

1811 kehrte 1815 von Acapulco zurück), wurde der Handel mit Amerika

durch Kauffahrer betrieben, denen 1820 erlaubt ward, bis zu 750,000

Doll. jährlich aus den Philippinen auszuführen und ausser Acapulco

auch San Blás, Guayaquíl und Calláo anzulaufen. Dieses Zugeständniss

war aber nicht ausreichend, um den Philippinischen Handel für

seine durch den Abfall Mexico's von Spanien erlittenen Verluste zu

entschädigen. Die Besitznahme Manila's durch die Engländer (1762)

hatte die Bewohner mit Gewerbserzeugnissen bekannt gemacht, welche

ihnen die Einfuhren von China und Indien nicht bieten konnten. Um

der Nachfrage zu genügen, wurden Ende 1764 spanische Kriegsschiffe

mit Produkten der spanischen Industrie (Wein, Esswaaren, Hüte, Tuche,

Kurzwaaren und Luxusgegenstände) nach der Kolonie gesandt.

Die an den bequemen Acapulco-Handel gewöhnten Manila-Kaufleute

sträubten sich aber gewaltig gegen diese Neuerung, obgleich sie gute

Geschäfte dabei machten; denn die Krone kaufte die indischen und

chinesischen Waaren für die Rückfracht in Manila doppelt so theuer

als an den Ursprungsorten. 1784 traf das letzte jener Schiffe ein. [25]

Europäischen Fahrzeugen war nach der englischen Invasion streng

verboten, Manila zu besuchen; da dieses aber die indischen Waaren nicht

entbehren mochte und sie nicht durch eigne Schiffe holen konnte, so

wurden sie in englischen und französischen Böden eingeführt, die einen

türkischen Namen und einen indischen Schein-Kapitän erhielten. [26]

1785 erlangte die Compañia de Filipinas das Handelsmonopol zwischen

Spanien und der Kolonie, durfte sich aber nicht in den direkten Verkehr

zwischen Acapulco und Manila mischen. Sie wollte grosse Massen von

Kolonialprodukten, Seide, Indigo, Zimmet, Baumwolle, Pfeffer etc. für

die Ausfuhr erzielen (ähnlich wie es später durch das Kultursystem

in Java geschah); da sie aber nicht über Zwangsarbeit verfügte, so

misslang die plötzliche künstliche Steigerung des Landbaues vollkommen.

Durch ihr falsches System und die Unfähigkeit ihrer Beamten erlitt

sie grosse Verluste (sie zahlte z. B. 13,5 Doll. für den Pico Pfeffer,

der 3-4 Doll. in Sumatra galt).

1789 wurde fremden Schiffen gestattet, Waaren aus China und Indien

einzuführen, aber keine europäischen. 1809 erhielt ein englisches

Handelshaus Erlaubniss, sich in Manila niederzulassen. [27] 1814,

nach dem Friedensschluss mit Frankreich, ward es, unter mehr oder

weniger Beschränkungen, allen Fremden gestattet. [28]

1820 wurde auf 10 Jahre der direkte Handel zwischen den Philippinen und

Spanien freigegeben, ohne Beschränkung für die Produkte der Kolonie,

vorausgesetzt, dass die Erzeugnisse Indiens und China's 50,000

Doll. bei jeder Expedition nicht überstiegen. Von 1834 an, wo das

Privilegium der Philippinischen Kompanie erlosch, ist in Manila der

freie Verkehr mit dem Auslande gestattet, doch zahlten fremde Schiffe

doppelte Zölle. Seit 1855 sind noch vier neue Häfen dem Weltverkehr

geöffnet; 1869 ist der oben erwähnte freisinnige Tarif erlassen worden.

Heute nach drei Jahrhunderten ungestörten Besitzes hat Manila in

jenen Meeren durchaus nicht mehr dieselbe Bedeutung, die es bald

nach Ankunft der Spanier errang. Die Verschliessung Japans und der

indo-chinesischen Reiche, besonders in Folge der Zudringlichkeit und

Anmaassung katholischer Missionäre, [29] der Abfall der Kolonien

an der Westküste Amerika's, vorzüglich aber das lange Festhalten

einer misstrauischen Handels- und Kolonial-Politik bis in die

Gegenwart, während bedeutende Emporien in günstigerer Lage mit

grossartigen Mitteln und nach freisinnigen Grundsätzen in Britisch-

und Niederländisch-Indien entstanden, -- alle diese Umstände haben

dies Ergebniss herbeigeführt und den China-Handel in andere Bahnen

geleitet. Die Ursachen liegen eben so klar zu Tage wie ihre Wirkung,

doch würde man irren, wenn man die befolgte Politik der Kurzsichtigkeit

zuschreiben wollte. Die Spanier hatten bei ihrer Kolonisation zum

Theil religiöse Zwecke im Auge, abgesehen davon fand aber die Krone

in der Verfügung über die äusserst einträglichen Kolonialämter einen

grossen Machtzuwachs. Sie selbst sowohl als ihre Begünstigten hatten

nur die unmittelbare Ausnutzung der Kolonien im Sinne, und weder

die Absicht noch die Kraft, den natürlichen Reichthum der Länder

durch Ackerbau und Handel zu erschliessen. Unzertrennlich von diesem

System war die strenge Ausschliessung der Fremden. [30] Mehr noch

als in Amerika schien es in den abgelegenen Philippinen nöthig, die

Eingeborenen gegen alle Berührung mit dem Auslande abzuschliessen, wenn

die Spanier im ungestörten Besitz der Kolonie bleiben wollten. Bei dem

erleichterten Verkehr der Gegenwart und den Ansprüchen des Welthandels

an die Produktionskraft eines so ausserordentlich fruchtbaren Gebietes

sind aber die früheren Schranken nicht mehr aufrecht zu halten, es

muss daher der kürzlich eingeführte freisinnige Zolltarif als eine

durchaus zeitgemässe Massregel begrüsst werden.

Die mehrfach erwähnten Reisen der Galeonen zwischen Manila und

Acapulco nehmen eine so hervorragende Stelle in der Geschichte der

Philippinen ein und gewähren einen so interessanten Einblick in das

alte Kolonialsystem, dass sie wenigstens in ihren Hauptzügen kurz

geschildert zu werden verdienen.

Zu Morga's Zeit, Ende des 16ten Jahrhunderts, kamen jährlich 30-40

chinesische Junken nach Manila (gewöhnlich im März); Ende Juni ging die

Nao (oder Galeon) nach Acapulco ab. Der Acapulcohandel, dessen Geschäft

sich auf die dazwischen liegenden drei Monate im Jahr beschränkte,

war so gewinnbringend, bequem und sicher, dass die Spanier sich in

keine andere Unternehmungen einlassen mochten.

Da der Raum des einzigen jährlichen Schiffes dem Zudrang durchaus nicht

entsprach, so vertheilte ihn der Guvernör nach seinem Dafürhalten,

und die Begünstigten trieben gewöhnlich nicht selbst Handel, sondern

übertrugen ihre Konzessionen an Kaufleute.

Nach de Guignes [31] wurde der Frachtraum der Nao in 1500 Theile

getheilt, von denen eine grosse Anzahl den Klöstern, der Rest

bevorzugten Personen zufiel. In Wirklichkeit war der amtlich auf

600,000 Doll. beschränkte Werth der Ladung beträchtlich höher, und

diese bestand vorzugsweise in indischen und chinesischen Baumwollen-

und Seidenstoffen (unter andern 50,000 Paar seidene Strümpfe aus

China) und Goldschmuck. Die Rückfracht belief sich auf 2 bis 3

Millionen Dollars.

Alles war bei diesem Handel im Voraus bestimmt: Zahl, Form,

Grösse und Werth der Waarenballen, ja sogar ihr Verkaufspreis. Da

dieser dem doppelten Kostenpreis gleichkam, so entsprach die

Erlaubniss, Waaren für einen gewissen Betrag zu verschiffen, unter

gewöhnlichen Verhältnissen dem Geschenk eines solchen Betrages. Solche

Erlaubnissscheine (Boletas) wurden daher später zum grossen Theil an

Pensionäre, Offizierswittwen und als Gehaltszulagen an Beamte gegeben,

doch durften die also Begünstigten unmittelbar keinen Gebrauch

davon machen, denn zum Acapulcohandel waren nur die Mitglieder des

Consulado (einer Art Handelsgericht) berechtigt, die einen mehrjährigen

Aufenthalt im Lande und 8000 Doll. Kapital nachweisen mussten.

Der Astronom Legentil [32] beschreibt ausführlich die zu seiner Zeit

geltenden Verordnungen und deren Umgehung: die Ladung war auf 1000

Ballen, jeder zu 4 Pack [33] zum Werth von 250 Doll. festgesetzt. Die

Zahl der Ballen durfte nicht überschritten werden, sie enthielten

aber in der Regel mehr als 4 Pack, und ihr Werth überstieg den

vorgeschriebenen so sehr, dass eine Boleta 200-225 Doll. galt. Die

Beamten gaben wohl Acht, dass keine Güter ohne Boleta an Bord

geschmuggelt wurden; die Jagd auf letztere war daher zuweilen so

eifrig, dass Comyn später [34] für das Frachtrecht von Gütern, die

kaum 1000 Doll. werth waren, 500 Doll. bezahlen sah. Die Kaufleute

borgten das Geld für ihre Unternehmungen gewöhnlich von den obras pias,

frommen Stiftungen, welche bis auf die Gegenwart die Stelle von Banken

vertraten. [35] In der frühesten Zeit verliess die Nao Cavite im Juli,

ging mit S.W. Winden nordwärts über den Kalmengürtel hinaus, bis sie

in 38 oder 40° westliche Winde traf. [36] Später war den Schiffen

vorgeschrieben, mit den ersten S.W. Winden Cavite zu verlassen,

längs der Südküste von Luzon durch die San Bernardino-Strasse und

in 13° N.Breite [37] so weit östlich als möglich zu fahren, bis der

N.O. Passat sie zwang, in höheren Breiten N.W. Winde aufzusuchen. Dann

sollten sie, so lange als möglich, die Breite von 30°, [38] statt

wie früher 37° und mehr innehalten. Dem Kapitän war nicht erlaubt,

sogleich weiter nördlich zu gehn, obgleich er dann eine viel

schnellere und sichere Fahrt gehabt und das Gebiet des Regens früher

erreicht hätte. Und doch war namentlich letzteres für ihn von höchster

Wichtigkeit, denn die mit Gütern überfüllten Schiffe hatten nur wenig

Raum für Wasser übrig und waren, obgleich sie 4-600 Mann an Bord zu

haben pflegten, ausdrücklich auf den unterwegs aufzufangenden Regen

angewiesen und zu dem Ende mit besonderen Vorrichtungen von Matten

und Bambusrinnen versehen. [39]

Wegen der Unbeständigkeit der Winde waren die Reisen in so niedrigen

Breiten äusserst beschwerlich und dauerten fünf Monate und darüber. Die

Furcht, das reiche, unbeholfene Schiff den kräftigen, zuweilen

stürmischen Winden höherer Breiten auszusetzen, scheint dieser

Vorschrift zu Grunde gelegen zu haben.

Sobald die Schiffe an die grosse Sargassobank gelangten, schlugen

sie einen südlichen Kurs ein und liefen dann die Südspitze der

Californischen Halbinsel (San Lucas) an, wo Nachrichten und

Erfrischungen für sie bereit gehalten wurden. [40] In der ersten

Zeit aber müssen sie Amerika viel nördlicher, etwa bei Cap Mendocino

erreicht haben und in Sicht der Küste südlich gefahren sein, denn

als Vizcaino 1603 seine Entdeckungsreise von Mexico nach Californien

unternahm, fand er die bedeutenderen Berge und Caps, obgleich sie nie

von Europäern betreten waren, schon benannt, weil sie den Galeonen

als Landmarken gedient hatten. [41]

Die Rückkehr nach den Philippinen war bequem und dauerte nur 40-60

Tage. [42] Das Schiff verliess Acapulco im Februar oder März, lief

südwärts, bis es, gewöhnlich in 10 oder 11° N., den Passat traf,

mit dem es ohne Mühe nach den Ladronen, von da über Samar nach Manila

ging. [43]

Eine Galeon oder Nao maass 1200-1500 Tonnen und führte 50-60 Kanonen,

letztere aber gewöhnlich im Schiffsraum, wenigstens bei der Reise

ostwärts. Auf der Heimkehr, wo es nicht an Platz mangelte, wurden

die Kanonen aufgestellt.

Fray Gaspar (S. 436) erzählt von der Nao Sa. Ana, die Thomas Candish

1586 an der Küste von Californien kaperte und verbrannte: »Die

Unsrigen fuhren so sorglos, dass sie ihre Artillerie als Ballast

mit sich führten ... der Korsar machte eine so glückliche Reise,

dass er in London einlief mit Segeln von chinesischem Damast und

seidenem Tauwerk.«

In Acapulco wurde die Ladung mit 100 Prozent Nutzen verkauft und in

Silber, Cochenille, Quecksilber etc. bezahlt. Der Gesammtwerth der

Rückfracht mochte 2-3 Millionen Doll. betragen [44], wovon 250,000

bis 300,000 Doll. für Rechnung des Königs.

Die Rückkehr des Schiffs in Manila, mit Silberdollars und neuen

Ankömmlingen beladen, war ein grosses Fest für die Kolonie. Ein

beträchtlicher Theil des ohne Anstrengung wie im Spiel gewonnenen

Geldes wurde gewöhnlich schnell verprasst; dann sank Alles wieder in

die gewohnte Leblosigkeit zurück.

Oft aber gingen auch Schiffe verloren, da sie über die Grenzen

der Verordnungen und der Vorsicht, mit grosser Beeinträchtigung

ihrer Seetüchtigkeit beladen und schlecht geführt waren; denn

nicht Fähigkeit, sondern Gunst entschied bei dem Vergeben der sehr

einträglichen Stellen. [45] Mehrere Galeonen fielen englischen und

holländischen Kapern in die Hände. [46] Auch der Gewinn nahm immer mehr

ab, da die Compañia de Filipinas später das Recht erhielt, indische

Baumwollenstoffe, die einen Hauptbestandtheil der Ladung bildeten,

mit 6 Prozent Zoll über Veracruz in Neu-Spanien einzuführen, und

Engländer und Amerikaner diese und andre Waaren einschmuggelten. [47]

Schliesslich sei hier noch erwähnt, dass die spanischen Dollars

durch die Nao über Manila nach China und Hinterindien gelangten,

wo sie noch gegenwärtig Handelsmünze sind.

Reisen in den Philippinen · 第 30 / 95 题