Er ließ von seiner strammen Haltung einiges nach, es war noch sehr
gemütlich. Herr Göppel wollte wissen, wann Diederich „fertig“ werde und
Doktor sei, er begriff nicht, daß eine chemische Arbeit zwei Jahre und
länger brauche. Diederich verbreitete sich in Ausdrücken, die niemand
verstand, über die Schwierigkeiten, zu einer Lösung zu gelangen. Er hatte
die Empfindung, Herr Göppel warte zu einem bestimmten Zweck auf seine
Promovierung. Auch Agnes schien es zu fühlen, denn sie griff ein und
lenkte das Gespräch ab. Als Diederich sich verabschiedet hatte, ging sie
mit hinaus und flüsterte ihm zu:
„Morgen um drei bei dir.“
Vor jäher Freude griff er nach ihr und küßte sie, zwischen den Türen,
während gleich daneben das Mädchen mit dem Geschirr rasselte. Sie fragte
traurig: „Denkst du denn gar nicht daran, was mir passiert, wenn jetzt
jemand kommt?“ Er war betroffen und verlangte als Zeichen ihrer Verzeihung
noch einen Kuß. Sie gab ihn.
Um drei Uhr pflegte Diederich aus dem Café ins Laboratorium
zurückzukehren. Statt dessen war er schon um zwei Uhr wieder in seinem
Zimmer. Richtig kam sie noch vor drei. „Wir haben es beide nicht erwarten
können! Wie wir uns liebhaben!“ Es war schöner als das erstemal, viel
schöner. Keine Träne mehr, keine Furcht; und die Sonne schien herein.
Diederich breitete Agnes’ Haar in der Sonne aus und badete sein Gesicht
darin.
Sie blieb, bis es fast schon zu spät war, die Einkäufe zu machen, die sie
zu Hause vorgeschützt hatte. Sie mußte laufen. Diederich, der mitlief, war
sehr besorgt, daß es ihr schaden könne. Aber sie lachte, sah rosig aus und
nannte ihn ihren Bären. Immer endeten nun so die Tage, an denen sie kam.
Immer waren sie glücklich. Herr Göppel stellte fest, daß es Agnes besser
gehe als je, und das verjüngte ihn selbst. Daher wurden auch die Sonntage
jedesmal heiterer. Es dauerte bis abends, dann ward Punsch gemacht,
Diederich mußte Schubert spielen, oder er und der Schwager sangen
Burschenlieder und Agnes begleitete sie. Manchmal sahen sie sich
nacheinander um, beiden war zumut, als werde ihr Glück gefeiert.
Es kam vor, daß im Laboratorium der Diener zu Diederich hintrat und ihm
meldete, draußen sei eine Dame. Er stand sofort auf, stolz errötend unter
den verständnisvollen Blicken der Kollegen. Und dann bummelten sie, gingen
ins Café, ins Panoptikum; und da Agnes gern Bilder sah, erfuhr Diederich
auch, daß es Kunstausstellungen gab. Agnes liebte es, vor einem Bild, das
ihr gefiel, einer sanften, festtägigen Landschaft aus schöneren Ländern,
lange stehenzubleiben, mit halbgeschlossenen Augen, und Träume
auszutauschen mit Diederich.
„Sieh nur recht hin, dann merkst du, das ist kein Rahmen, es ist ein Tor
mit goldenen Stufen, die gehen wir hinunter und über den Weg, und biegen
die Weißdornbüsche weg und steigen in den Kahn. Fühlst du wohl, wie er
schaukelt? Das kommt, weil wir die Hand durch das Wasser schleifen, es ist
so warm. Drüben am Berg, der weiße Punkt, du weißt schon, es ist unser
Haus, dahin fahren wir. Siehst du, siehst du?“
„Ja, ja“, sagte Diederich voll Eifer. Er kniff die Lider ein und sah
alles, was Agnes wollte. Er geriet so sehr in Feuer, daß er ihre Hand
nahm, um sie zu trocknen. Dann setzten sie sich in einen Winkel und
sprachen von den Reisen, die sie machen wollten, dem sorgenlosen Glück in
sonniger Ferne, von Liebe ohne Ende. Diederich glaubte, was er sagte. Im
Grunde wußte er wohl, daß er bestimmt sei, zu arbeiten und ein praktisches
Leben zu führen, ohne viel Muße für Überschwenglichkeiten. Aber was er
hier sagte, war von einer höheren Wahrheit als alles, was er wußte. Der
eigentliche Diederich, der, der er hätte sein sollen, sprach wahr. – Aber
Agnes: wie sie nun aufstanden und gingen, war sie blaß und schien müde.
Ihre schönen blonden Augen hatten einen Glanz, der Diederich beklommen
machte, und sie fragte leise und zitternd:
„Wenn unser Kahn nun umgeschlagen wäre?“
„Dann hätte ich dich gerettet!“ sagte Diederich entschlossen.
„Aber es ist weit vom Ufer, und das Wasser ist schrecklich tief.“
Da er ratlos war:
„Wir hätten ertrinken müssen. Sag’, wärst du gern mit mir gestorben?“
Diederich sah sie an; dann schloß er die Augen.
„Ja“, sagte er mit einem Seufzer.
Nachher aber bereute er ein solches Gespräch. Er hatte wohl gemerkt, warum
Agnes plötzlich in eine Droschke steigen und heimfahren mußte. Sie hatte
krampfhafte Röte bis in die Stirn gehabt, und er sollte nicht sehen, wie
sie hustete. Den ganzen Nachmittag bereute Diederich nun. Solche Sachen
waren ungesund, führten zu nichts und machten Ungelegenheiten. Sein
Professor hatte schon von den Besuchen der Dame erfahren. Es ging nicht
länger, daß sie ihn wegen jeder Laune von seiner Arbeit wegholte. Er
setzte es ihr schonend auseinander. „Du hast wohl recht“, sagte sie
darauf. „Ordentliche Menschen brauchen feste Stunden. Aber wenn ich nun um
halb sechs zu dir kommen soll, und am meisten geliebt hab’ ich dich schon
um vier?“
Er fühlte Spott heraus, vielleicht sogar Geringschätzung, und ward grob.
Eine Geliebte, die ihn an seiner Karriere hindern wollte, könne er
überhaupt nicht brauchen. So habe er sich die Sache nicht vorgestellt. Da
bat Agnes um Verzeihung. Sie wollte ganz bescheiden werden und in seinem
Zimmer auf ihn warten. Wenn er noch zu tun hatte, oh! er brauchte keine
Rücksicht zu nehmen. Das beschämte Diederich, er ward weich und überließ
sich, zusammen mit Agnes, den Klagen über eine Welt, in der es nicht nur
Liebe gab. „Muß es denn sein?“ fragte Agnes. „Du hast ein wenig Geld, ich
auch. Warum Karriere machen und dich abhetzen? Wir könnten es so gut
haben.“ Diederich sah es ein – nachträglich aber nahm er ihr es übel. Nun
ließ er sie warten, halb mit Absicht. Sogar den Besuch politischer
Versammlungen erklärte er für eine Pflicht, die der Zusammenkunft mit
Agnes vorangehe. Eines Abends im Mai, wie er verspätet heimkam, traf er
vor der Tür einen jungen Mann in Einjährigenuniform, der ihn zögernd
ansah. „Herr Diederich Heßling?“ – „Ach ja,“ stammelte Diederich, „Sie –
du – Sie sind wohl Herr Wolfgang Buck?“
Der jüngste Sohn des großen Mannes von Netzig hatte sich endlich
entschlossen, dem Befehl seines Vaters zu folgen und Diederich
aufzusuchen. Diederich nahm ihn mit hinauf, er fand so schnell keinen
Vorwand, um ihn zu entfernen, und drinnen saß Agnes! Im Flur sprach er
laut, damit sie es höre und sich verstecke. Mit Bangen öffnete er. Im
Zimmer war niemand; auch ihr Hut lag nicht auf dem Bett; aber Diederich
wußte wohl: sie war noch soeben dagewesen. Er sah es dem Stuhl an, der
nicht ganz am Fleck stand, er fühlte es an der Luft, die noch leise zu
schwingen schien vom Hindurchstreifen ihres Kleides. Sie mußte in dem
fensterlosen kleinen Gelaß sein, wo sein Waschtisch stand. Er schob einen
Sessel davor und murrte, unwirsch vor Verlegenheit, über die Wirtin, die
nicht aufräume. Wolfgang Buck meinte, er komme wohl ungelegen. „O nein!“
versicherte Diederich. Er lud den Gast zum Sitzen ein und brachte Kognak.
Buck entschuldigte sich wegen der ungewöhnlichen Stunde; der Dienst lasse
ihm keine Wahl. „Das kennen wir“, sagte Diederich; und um Fragen
zuvorzukommen, berichtete er sofort, daß ein Jahr schon hinter ihm liege.
Er sei begeistert vom Militär, es sei das Wahre. Wer ganz dabei bleiben
könnte! Leider riefen ihn Familienpflichten. Buck lächelte, ein weiches,
skeptisches Lächeln, das Diederich mißfiel. „Nun ja, die Offiziere: man
ist wenigstens unter Leuten mit guten Manieren.“
„Sie verkehren mit ihnen?“ fragte Diederich, und er meinte es höhnisch.
Aber Buck erklärte einfach, daß er zuweilen in die Offiziersmesse geladen
werde. Er zuckte die Achseln. „Ich gehe hin, weil ich es für nützlich
halte, mich in allen Lagern umzusehen. Andererseits verkehre ich viel mit
Sozialisten.“ Er lächelte wieder. „Manchmal möchte ich nämlich General
werden und manchmal Arbeiterführer. Auf welche Seite ich schließlich
fallen werde, darauf bin ich selbst neugierig.“ Und er trank das zweite
Glas Kognak aus. „Ein ekelhafter Mensch“, dachte Diederich. „Und Agnes in
der Dunkelkammer.“ Er sagte: „Mit Ihren Mitteln steht es Ihnen ja frei,
sich in den Reichstag wählen zu lassen oder was Ihnen sonst Spaß macht.
Ich bin auf praktische Arbeit angewiesen. Die Sozialdemokratie betrachte
ich übrigens als meinen Feind, denn sie ist der Feind des Kaisers.“
„Wissen Sie das ganz genau?“ fragte darauf Buck. „Ich traue eher dem
Kaiser eine heimliche Liebe für die Sozialdemokratie zu. Er wäre gern
selber der erste Arbeiterführer geworden. Sie haben nur nicht gewollt.“
Diederich empörte sich. Das sei beleidigend für Seine Majestät. Aber Buck
ließ sich nicht stören. „Erinnern Sie sich nicht, wie er Bismarck
gegenüber gedroht hat, er wolle den reichen Leuten seinen militärischen
Schutz entziehen? Er hat, wenigstens anfangs, gerade solche Rancüne gegen
die Reichen gehabt wie die Arbeiter – wenn auch natürlich aus abweichenden
Gründen, weil er sich nämlich schwer damit abfindet, daß auch andere Macht
haben.“
Den Ausrufen, die in Diederichs Mienen standen, kam Buck zuvor. „Glauben
Sie bitte nicht,“ sagte er lebhafter, „daß Antipathie aus mir spricht. Es
ist im Gegenteil Zärtlichkeit: eine Art feindlicher Zärtlichkeit, wenn Sie
wollen.“
„Verstehe ich nicht“, sagte Diederich.
„Nun ja: wie man sie für jemand hat, bei dem man seine eigenen Fehler
wiederfindet, oder nennen Sie es Tugenden. Jedenfalls sind wir jungen
Leute jetzt alle so wie unser Kaiser, daß wir nämlich unsere
Persönlichkeit ausleben möchten und doch ganz gut fühlen, Zukunft hat nur
die Masse. Einen Bismarck wird es nicht mehr geben und auch keinen
Lassalle mehr. Vielleicht sind es die Begabteren unter uns, die sich das
heute noch ableugnen möchten. Er jedenfalls möchte es sich ableugnen. Und
wenn einem solche Unmenge Macht in den Schoß gefallen ist, wäre es auch
wirklich Selbstmord, sich nicht zu überschätzen. Aber in tiefster Seele
hat er sicher seine Zweifel an der Rolle, die er sich zumutet.“
„Rolle?“ fragte Diederich. Buck merkte es gar nicht.
„Denn die kann ihn weit führen, da sie in der Welt, wie sie heute nun
einmal ist, verdammt paradox wirken muß. Diese Welt erwartet von keinem
einzelnen irgend mehr als von seinem Nachbarn. Auf Niveau kommt es an,
nicht auf Auszeichnung, und am allerwenigsten auf große Männer.“
„Erlauben Sie!“ Diederich warf sich in die Brust. „Und das Deutsche Reich,
hätten wir das ohne große Männer? Hohenzollern sind immer große Männer.“ –
Buck verzog schon wieder den Mund, wehmütig und skeptisch. „Dann müssen
sie sich in acht nehmen. Und wir anderen auch. Der Kaiser steht, auf seine
Verhältnisse übertragen, vor derselben Frage wie ich. Soll ich General
werden und mein ganzes Leben auf einen Krieg einrichten, der
voraussichtlich nie mehr geführt werden wird? Oder ein womöglich genialer
Volksführer, während das Volk doch schon so weit ist, daß es auf die
Genies verzichten kann? Beides wäre Romantik, und Romantik führt
bekanntlich zum Bankerott.“ Buck trank zwei Kognaks nacheinander.
„Was soll ich also werden?“
„Ein Alkoholiker“, dachte Diederich. Er fragte sich, ob es nicht seine
Pflicht sei, Buck einen Krach zu machen. Aber Buck trug Uniform! Auch
würde der Lärm vielleicht Agnes hervorgescheucht haben, und was konnte
dann alles entstehen! Immerhin beschloß er, sich Bucks Äußerungen genau zu
merken. Dachte der Mensch mit solchen Gesinnungen Karriere zu machen?
Diederich erinnerte sich, daß auf der Schule Bucks deutsche Aufsätze, die
zu geistreich waren, ihm ein unerklärtes, aber tiefes Mißtrauen eingegeben
hatten. „Stimmt,“ dachte er, „so ist er geblieben. Ein Schöngeist. Die
ganze Familie ist so.“ Die Frau des alten Buck war eine Jüdin gewesen, die
Theater gespielt hatte. Und Diederich fühlte sich nachträglich gedemütigt
durch das herablassende Wohlwollen des alten Buck beim Begräbnis seines
Vaters. Auch der junge demütigte ihn, fortwährend und mit allem: mit
seinen überlegenen Redensarten, seinen Manieren, seinem Verkehr bei den
Offizieren. War er ein Herr von Barnim? Er war auch nur aus Netzig. „Ich
hasse die ganze Familie!“ Und Diederich betrachtete aus gekniffenen Lidern
dies fleischige Gesicht mit der weich gebogenen Nase und den feucht
glänzenden Augen, die sannen. Buck stand auf. „Nun, wir sehen uns zu Hause
wieder. Nächstes oder übernächstes Semester mache ich mein Examen, und was
bleibt dann weiter übrig, als Rechtsanwalt spielen in Netzig ... Und Sie?“
fragte er. Diederich erklärte streng, daß er seine Zeit nicht zu verlieren
und noch im Sommer seine Doktorarbeit abzuschließen denke. Damit führte er
Buck hinaus. „Ein dummer Kerl bist du doch nur“, dachte er. „Merkst gar
nicht, daß ich ein Mädchen bei mir habe.“ Er kehrte zurück, froh seiner
Überlegenheit über Buck und auch über Agnes, die im Dunkeln gewartet und
nicht gemuckt hatte.
Wie er aber die Tür öffnete, hing sie über einem Stuhl, ihre Brust ging
heftig, und mit dem Taschentuch unterdrückte sie das Keuchen. Sie sah ihm
entgegen, aus geröteten Augen. Er sah: sie war da drinnen fast erstickt,
und sie hatte geweint – indes er hier draußen getrunken und unnützes Zeug
geredet hatte. Seine erste Regung war maßlose Reue. Sie liebte ihn! Da saß
sie und liebte ihn sehr, daß sie alles ertrug! Er war im Begriff, die Arme
zu erheben, vor sie hinzustürzen und sie weinend um Verzeihung zu bitten.
Rechtzeitig hielt er sich zurück aus Furcht vor der Szene und der
sentimentalen Stimmung nachher, die ihn wieder mehrere Arbeitstage kostete
und ihr die Oberhand gab. Er tat ihr nicht den Willen! Denn natürlich
übertrieb sie absichtlich. So küßte er sie flüchtig auf die Stirn und
sagte: „Du bist schon da? Ich hab’ dich gar nicht kommen gesehen.“ Sie
zuckte auf, wie um etwas zu erwidern, aber sie schwieg. Darauf erklärte
er, es sei gerade jemand fortgegangen. „So ein Judenbengel, der sich
aufspielt! Einfach ekelhaft!“ Diederich lief im Zimmer umher. Um Agnes
nicht ansehen zu müssen, lief er immer schneller und redete immer
heftiger. „Das sind unsere schlimmsten Feinde! Die mit ihrer sogenannten
feinen Bildung, die alles antasten, was uns Deutschen heilig ist! Solch
ein Judenbengel kann froh sein, daß wir ihn dulden. Soll er seine
Pandekten büffeln und die Schnauze halten. Auf seine schöngeistigen
Schmöker huste ich!“ schrie er noch lauter, mit der Absicht, auch Agnes zu
kränken. Da sie nicht antwortete, nahm er einen neuen Anlauf. „Das kommt
aber alles, weil jeder mich jetzt zu Hause findet. Immer muß ich
deinetwegen auf der Bude hocken!“
Agnes sagte schüchtern: „Wir haben uns schon sechs Tage nicht gesehen.
Sonntag bist du wieder nicht gekommen. Ich fürchte, du hast mich nicht
mehr lieb.“ Er blieb vor ihr stehen. Von oben herab: „Mein liebes Kind,
daß ich dich liebhabe, brauch’ ich dir wohl wirklich nicht mehr zu
versichern. Aber eine andere Frage ist es, ob ich darum auch Lust habe,
jeden Sonntag deinen Tanten beim Häkeln zuzusehen und mit deinem Vater
über Politik zu reden, wovon er nichts versteht.“ Agnes senkte den Kopf.
„Früher war es so schön. Du standest dich schon so gut mit Papa.“
Diederich drehte ihr den Rücken zu und sah aus dem Fenster. Das war es
eben: er fürchtete zu gut zu stehen mit Herrn Göppel. Durch seinen
Buchhalter, den alten Sötbier, wußte er, daß Göppels Geschäft bergab ging.
Seine Zellulose taugte nichts mehr, Sötbier bezog sie nicht mehr von ihm.
Da wäre ein Schwiegersohn wie Diederich ihm freilich gelegen gekommen.
Diederich fühlte sich umgarnt von diesen Leuten. Auch von Agnes! Er hatte
sie im Verdacht, mit dem Alten zusammenzustecken. Entrüstet wandte er sich
ihr wieder zu. „Und dann, liebes Kind, ehrlich gestanden: was wir beide
tun, nicht wahr, das ist unsere Sache, aber deinen Vater lassen wir lieber
aus dem Spiel. Beziehungen wie die unseren soll man mit
Familienfreundschaft nicht verquicken. Mein sittliches Gefühl verlangt da
reinliche Scheidung.“
Ein Augenblick verging, dann stand Agnes auf, als habe sie jetzt
begriffen. Sie war tief errötet. Sie ging zur Tür. Diederich holte sie
ein. „Aber Agnes, so hab’ ich es doch nicht gemeint. Es war doch nur, weil
ich dich viel zu sehr achte –. Und ich kann ja auch wiederkommen Sonntag.“
Sie ließ ihn reden, mit unbewegter Miene. „Nun sei doch wieder gemütlich“,
bat er. „Du hast noch nicht mal deinen Hut abgenommen.“ Sie tat es. Er
verlangte, sie solle sich auf den Diwan setzen, und sie setzte sich. Sie
küßte ihn auch, wie er es wollte. Aber indes ihre Lippen lächelten und
küßten, blieben ihre Augen starr und unbeteiligt. Plötzlich riß sie ihn in
ihre Arme: er erschrak, er wußte nicht, ob es Haß war. Aber dann fühlte er
sich heißer geliebt als je.
„Heute war es aber wirklich schön. Was, meine kleine süße Agnes?“ sagte
Diederich, zufrieden und gutmütig.
„Adieu“, sagte sie, hastend nach Schirm und Beutel, während er sich erst
ankleidete.
„Du hast es aber eilig.“ – „Weiter kann ich wohl nichts für dich tun.“ Sie
war schon bei der Tür – plötzlich fiel sie mit der Schulter gegen den
Pfosten und rührte sich nicht mehr. „Was ist denn los?“ Wie Diederich
näher kam, sah er sie schluchzen. Er berührte sie. „Ja, was hast du denn?“
Da ward ihr Weinen laut und krampfhaft. Es hörte nicht auf. „Aber Agnes,“
sagte Diederich von Zeit zu Zeit, „was ist auf einmal geschehen, wir waren
doch so vergnügt.“ Und ganz ratlos: „Hab’ ich dir was getan?“ Zwischen den
Krisen und halb erstickt, brachte sie hervor: „Ich kann nicht.
Entschuldige.“ Er trug sie auf den Diwan. Als es endlich vorbei war,
schämte Agnes sich. „Verzeih! Ich kann nicht dafür.“ – „Kann denn ich
dafür?“ – „Nein, nein. Es sind die Nerven. Verzeih!“
Mitleidig und geduldig brachte er sie bis zu einem Wagen. Nachträglich
aber erschien ihm auch der Anfall als halbe Komödie und als eins der
Mittel, die ihn endgültig einfangen sollten. Das Gefühl verließ ihn nicht
mehr, daß Ränke gesponnen wurden gegen seine Freiheit und seine Zukunft.
Er wehrte sich dagegen vermittels schroffen Auftretens, Betonung seiner
männlichen Selbständigkeit und durch Kälte, sobald die Stimmung weich
ward. Sonntags bei Göppels war er auf seiner Hut, wie in Feindesland:
korrekt und unzugänglich. Wann seine Arbeit denn nun fertig werde? fragten
sie. Er könne die Lösung morgen finden oder erst in zwei Jahren, das wisse
er selbst nicht. Er betonte, daß er auch künftig finanziell abhängig von
seiner Mutter bleibe. Er werde noch lange für nichts Zeit haben als einzig
für das Geschäft. Und da Herr Göppel die idealen Werte des Lebens zu
bedenken gab, lehnte Diederich barsch ab. „Noch gestern hab’ ich meinen
Schiller verkauft. Denn ich habe keinen Sparren und lass’ mir nichts
vormachen.“ Wenn er nach solchen Worten Agnes’ stummen und betrübten Blick
auf sich fühlte, hatte er wohl einen Augenblick die Empfindung, als habe
nicht er selbst gesprochen, als gehe er im Nebel, rede falsch und handle
wider Willen. Aber das verging.
Agnes kam, sooft er sie bestellte, und ging fort, wenn es Zeit für ihn
war, zu arbeiten oder zu kneipen. Sie verführte ihn nicht mehr zu
Träumereien vor Bildern, seit er einmal an einem Wurstgeschäft angehalten
und ihr erklärt hatte, daß sei für ihn der schönste Kunstgenuß. Ihm selbst
fiel es endlich auf das Herz, wie selten sie sich nur noch sahen. Er warf
ihr vor, daß sie nicht darauf dringe, öfter zu kommen. „Früher warst du
ganz anders.“ „Ich muß warten“, sagte sie. „Worauf?“ „Daß auch du wieder
so wirst. Oh! Ich weiß ganz sicher, es wird kommen.“
Er schwieg aus Furcht vor Auseinandersetzungen. Dennoch kam es, wie sie
gesagt hatte. Seine Arbeit war endlich beendet und gutgeheißen, er hatte
nur noch eine belanglose mündliche Prüfung zu bestehen und war in der
gehobenen Stimmung einer Lebenswende. Wie Agnes ihm ihren Glückwunsch
brachte und Rosen dazu, brach er in Tränen aus und sagte, daß er sie
immer, immer liebhaben werde. Sie berichtete, daß Herr Göppel soeben eine
mehrtägige Geschäftsreise antrete. „Und nun ist das Wetter so
wunderschön ...“ Diederich fiel sofort ein: „Das müssen wir benutzen!
Solche Gelegenheit haben wir noch nie gehabt!“ Sie beschlossen, aufs Land
hinaus zu fahren. Agnes wußte von einem Ort namens Mittenwalde; es mußte
einsam dort sein und romantisch wie der Name. „Den ganzen Tag werden wir
beisammen sein!“ – „Und die Nacht auch“, setzte Diederich hinzu.
Schon der Bahnhof, von dem man abfuhr, war entlegen und der Zug ganz klein
und altmodisch. Sie blieben allein in ihrem Wagen; es dunkelte langsam,
der Schaffner zündete ihnen eine trübe Lampe an, und sie sahen, eng
umschlungen, stumm und mit großen Augen hinaus in das flache, eintönige
Ackerland. Da hinausgehen, zu Fuß, weit fort, und sich verlieren in der
guten Dunkelheit! Bei einem Dorf mit einer Handvoll Häuser wären sie fast
ausgestiegen. Der Schaffner holte sie jovial zurück; ob sie denn auf Stroh
übernachten wollten. Und dann langten sie an. Das Wirtshaus hatte einen
großen Hof, ein weites Gastzimmer mit Petroleumlampen unter der
Balkendecke und einen biederen Wirt, der Agnes „gnädige Frau“ nannte und
schlaue slawische Augen dazu machte. Sie waren voll heimlichen
Einverständnisses und befangen. Nach dem Essen wären sie gern gleich
hinaufgegangen, wagten es aber nicht und blätterten gehorsam in den
Zeitschriften, die der Wirt ihnen hinlegte. Wie er den Rücken wandte,
warfen sie einander einen Blick zu, und, husch, waren sie auf der Treppe.
Noch war kein Licht im Zimmer, die Tür stand noch offen, und schon lagen
sie einander in den Armen.
Ganz früh am Morgen schien die Sonne herein. Im Hof drunten pickten Hühner
und flatterten auf den Tisch vor der Laube. „Dort wollen wir frühstücken!“
Sie gingen hinab. Wie herrlich warm! Aus der Scheuer duftete es köstlich
nach Heu. Kaffee und Brot schmeckten ihnen frischer als sonst. So frei war
einem um das Herz, das ganze Leben stand offen. Stundenweit wollten sie
gehen; der Wirt mußte die Straßen und Dörfer nennen. Sie lobten freudig
sein Haus und seine Betten. Sie seien wohl auf der Hochzeitsreise?
„Stimmt“ – und sie lachten herzhaft.
Die Pflastersteine der Hauptstraße streckten ihre Spitzen nach oben, und
die Julisonne färbte sie bunt. Die Häuser waren höckrig, schief und so
klein, daß die Straße zwischen ihnen sich ausnahm wie ein Feld mit
Steinen. Die Glocke des Krämers klapperte lange hinter den Fremden her.
Wenige Leute, halb städtisch gekleidet, schlichen durch den Schatten und
wandten sich um nach Agnes und Diederich, die stolze Gesichter machten,
denn sie waren die Elegantesten hier. Agnes entdeckte das Modengeschäft
mit den Hüten der feinen Damen. „Nicht zu glauben! Das hat man in Berlin
vor drei Jahren getragen!“ Dann traten sie durch ein Tor, das wacklig
aussah, in das Land hinaus. Die Felder wurden gemäht. Der Himmel war blau
und schwer, die Schwalben schwammen darin wie in trägem Wasser. Die
Bauernhäuser dort drüben waren eingetaucht in heißes Flimmern, und ein
Wald stand schwarz, mit blauen Wegen. Agnes und Diederich faßten sich bei
den Händen, und ohne Verabredung fingen sie zu singen an: ein Lied für
wandernde Kinder, das sie noch aus der Schule kannten. Diederich machte
seine Stimme tief, damit Agnes ihn bewundere. Als sie nicht weiter wußten,
wandten sie einander die Gesichter zu und küßten sich, im Gehen.
„Jetzt seh’ ich erst recht, wie hübsch du bist“, sagte Diederich und sah
zärtlich in ihr rosiges Gesicht, mit den blonden Wimpern um diese blonden,
goldgestirnten Augen. „Der Sommer steht mir gut“ – und Agnes atmete frei
auf, daß ihre Hemdbluse geschwellt ward. Schlank ging sie dahin, mit
schmalen Hüften und dem blauen Schleier, der ihr nachwehte. Diederich
hatte es zu warm, er zog den Rock aus, dann auch die Weste, und endlich
gestand er, daß er sich Schatten wünsche. Sie fanden welchen, am Rand
eines Feldes, worauf noch das Korn stand, und unter einem Akazienbusch,
der noch duftete. Agnes setzte sich und legte Diederichs Kopf in ihren
Schoß. Sie spielten noch miteinander und scherzten: plötzlich merkte sie,
daß er einschlief.
Er wachte auf, sah um sich, und als er Agnes’ Gesicht fand, erglänzte er
selig. „Lieber“, sagte sie. „Was du für ein gutes, dummes Gesicht machst.“
– „Erlaub’ mal! Ich habe doch höchstens fünf Minuten – nein, wahrhaftig,
eine Stunde hab’ ich geschlafen. Hast du dich gelangweilt?“ Aber sie war
erstaunter als er, daß so viel Zeit vergangen war. Seinen Kopf zog er
unter der Hand hervor, die sie ihm auf das Haar gelegt hatte, als er
einschlief.
Zwischen den Feldern gingen sie zurück. In einem lag eine dunkle Masse;
und als sie durch die Halme spähten, war es ein alter Mann mit einer
Pelzkappe, rostroter Jacke und Samthosen, die auch schon rötlich waren.
Seinen Bart hatte er sich, zusammengekrümmt, um die Knie gewickelt. Sie
bückten sich tiefer, um ihn zu erkennen. Da bemerkten sie, daß er sie
schon längst aus schwarzen Funkelaugen ansah. Unwillkürlich schritten sie
schneller aus, und in den Blicken, die sie einander zuwandten, stand
Märchengrauen. Sie blickten umher: sie waren in einem weiten, fremden
Land, die kleine Stadt dort hinten schlief fremdartig in der Sonne, und
der Himmel sah ihnen aus, als seien sie Tag und Nacht gereist.
Wie abenteuerlich das Mittagessen in der Laube des Wirtshauses, mit der
Sonne, den Hühnern, dem offenen Küchenfenster, aus dem Agnes sich die
Teller reichen ließ. Wo war die bürgerliche Ordnung der Blücherstraße, wo
Diederichs angestammter Kneiptisch? „Ich gehe nicht wieder fort von hier“,
erklärte Diederich. „Dich lass’ ich auch nicht fort.“ Und Agnes: „Warum
denn auch? Ich schreibe meinem Papa und lass’ es ihm durch meine Freundin
schicken, die in Küstrin verheiratet ist. Dann glaubt er, ich bin dort.“
Später gingen sie nochmals aus, nach der anderen Seite, wo Wasser floß und
der Horizont von den Flügeln dreier Windmühlen umsegelt ward. Im Kanal lag
ein Boot; sie mieteten es und schwammen dahin. Ein Schwan kam ihnen
entgegen. Der Schwan und ihr Boot glitten lautlos aneinander vorüber.
Unter herniederhängenden Büschen legte es von selbst an – und Agnes fragte
unvermittelt nach Diederichs Mutter und seinen Schwestern. Er sagte, daß
sie immer gut zu ihm gewesen seien, und daß er sie liebhabe. Er wollte
sich die Bilder der Schwestern schicken lassen, sie waren hübsch geworden;
oder vielleicht nicht hübsch, aber so anständig und sanft. Die eine, Emmi,
las Gedichte, wie Agnes. Diederich wollte für beide sorgen und sie
verheiraten. Seine Mutter aber, die behielt er bei sich, denn ihr hatte er
alles Gute im Leben verdankt, bis Agnes gekommen war. Und er erzählte von
den Dämmerstunden, den Märchen unter den Weihnachtsbäumen seiner Kindheit
und sogar von dem Gebet „aus dem Herzen“. Agnes hörte zu, ganz versunken.
Endlich seufzte sie auf. „Deine Mutter möchte ich kennenlernen. Meine hab’
ich nicht gekannt.“ Er küßte sie, mitleidig, achtungsvoll und mit einer
dunklen Empfindung von schlechtem Gewissen. Er fühlte: jetzt hatte er ein
Wort zu sprechen, das sie ganz und gar für immer trösten mußte. Aber er
schob es hinaus, er konnte nicht. Agnes sah ihn tief an. „Ich weiß,“ sagte
sie langsam, „daß du im Herzen ein guter Mensch bist. Du mußt nur manchmal
anders tun.“ Darüber erschrak er. Dann sagte sie, als entschuldigte sie
sich: „Heute hab ich gar keine Furcht vor dir.“
„Hast du denn sonst Furcht?“ fragte er reumütig. Sie sagte:
„Ich habe mich immer gefürchtet, wenn die Leute recht hochgemut und lustig
waren. Bei meinen Freundinnen früher war es mir oft, als könnte ich mit
ihnen nicht Schritt halten, und sie müßten es merken und mich verachten.
Sie merkten es aber nicht. Schon als Kind: ich hatte eine Puppe mit großen
blauen Glasaugen, und als meine Mutter gestorben war, mußte ich nebenan
bei der Puppe sitzen. Sie sah mich immer starr an mit ihren aufgerissenen
harten Augen, die sagten mir: Deine Mutter ist tot, jetzt werden dich alle
so ansehen wie ich. Gerne hätte ich sie auf den Rücken gelegt, damit sie
die Augen schloß. Aber ich wagte es nicht. Hätte ich denn auch die
Menschen auf den Rücken legen können? Alle haben solche Augen, und
manchmal –“ sie verbarg ihr Gesicht an seiner Schulter, „manchmal sogar
du.“
Der Hals war ihm zugeschnürt, er tastete über ihren Nacken, und seine
Stimme schwankte. „Agnes! Süße Agnes, du weißt gar nicht, wie ich dich
liebhabe ... Ich hab’ Furcht vor dir gehabt, ja, ich! Drei Jahre lang hab’
ich mich nach dir gesehnt, aber du warst zu schön für mich, zu fein, zu
gut ...“ Sein ganzes Herz schmolz; er sagte alles, was er ihr nach ihrem
ersten Besuch geschrieben hatte, in dem Brief, der noch in seinem
Schreibtisch lag. Sie hatte sich aufgerichtet und hörte ihm zu, entzückt,
die Lippen geöffnet. Sie jubelte leise: „Ich wußte es, so bist du, du bist
wie ich!“
„Wir gehören zusammen“, sagte Diederich und preßte sie an sich; aber er
war erschrocken über seinen Ausruf: „Jetzt wartet sie,“ dachte er, „jetzt
soll ich sprechen.“ Er wollte es, aber er fühlte sich gelähmt. Der Druck
seiner Arme auf ihrem Rücken ward immer kraftloser ... Sie bewegte sich:
er wußte, nun wartete sie nicht mehr. Und sie lösten sich voneinander,
ohne sich anzusehen. Diederich schlug plötzlich die Hände vor das Gesicht
und schluchzte. Sie fragte nicht, weshalb; sie strich ihm tröstend über
das Haar. Das währte lange.
Über ihn hinweg, ins Leere, sagte Agnes: „Hab’ ich denn geglaubt, daß es
dauern würde? Es mußte schlimm enden, weil es so schön war.“
Er fuhr auf, verzweifelt. „Es ist doch nicht aus!“ Sie fragte:
„Glaubst du an das Glück?“
„Wenn ich dich verlieren soll, nicht mehr!“
Sie murmelte: „Du wirst fortgehen, hinaus in das Leben und mich
vergessen.“
„Lieber sterben!“ – und er zog sie an sich. Sie flüsterte an seiner Wange:
„Sieh, wie breit hier das Wasser ist, ein See. Unser Boot hat sich von
selbst losgemacht und uns hinausgeführt. Weißt du noch, jenes Bild? Und
der See, auf dem wir schon einmal im Traum fuhren? Wohin wohl?“ Und noch
leiser: „Wohin mit uns?“
Er antwortete nicht mehr. Ganz umschlungen und die Lippen aufeinander,
senkten sie sich rückwärts immer tiefer über das Wasser. Drängte sie ihn?
Zog er sie? Niemals waren sie so sehr eins gewesen. Diederich fühlte: nun
war es gut. Er war, mit Agnes zu leben, nicht edel genug gewesen, nicht
gläubig, nicht tapfer genug. Jetzt hatte er sie eingeholt, nun war es gut.
Plötzlich, ein Stoß: sie schnellten in die Höhe. Diederich hatte so viel
Kraft gebraucht, daß Agnes von ihm fort und zu Boden fiel. Er strich sich
über die Stirn. „Was haben wir denn da?“ – Noch kalt vom Schrecken und als
sei er beleidigt, sah er weg von ihr. „So unvorsichtig darf man nicht sein
beim Bootfahren.“ Er ließ sie allein aufstehen, griff sogleich nach den
Rudern und fuhr zurück. Agnes hielt das Gesicht nach dem Ufer gewendet.
Einmal wollte sie zu ihm hinsehen; aber sein Blick traf sie so mißtrauisch
und hart, daß sie zusammenfuhr.
In der sinkenden Dämmerung gingen sie, immer schneller, die Landstraße
zurück. Zuletzt liefen sie fast. Und erst als es dunkel genug war, daß sie
ihre Gesichter nicht mehr deutlich erkannten, sprachen sie. Morgen früh
kam Herr Göppel vielleicht heim. Agnes mußte heim ... Wie sie beim
Wirtshaus ankamen, pfiff in der Ferne schon der Zug. „Nicht mal mehr essen
kann man!“ sagte Diederich mit künstlicher Unzufriedenheit. Hals über Kopf
die Sachen holen, zahlen und fort. Der Zug fuhr ab, kaum daß sie drin
waren. Ein Glück, daß sie Atem zu schöpfen und die eiligen Geschäfte der
letzten Viertelstunde zu besprechen hatten. Das letzte Wort darüber war
gefallen, und nun saß jeder da, allein bei trüber Lampe und betäubt wie
nach einem großen Mißerfolg. Das dunkle Land da draußen, hatte es einmal
gelockt und Gutes versprochen? Das sollte erst gestern gewesen sein? Man
fand nicht zurück. Kamen nicht endlich die Lichter der Stadt und befreiten
einen?
Bei der Ankunft waren sie darüber einig, daß es sich nicht verlohne, in
denselben Wagen zu steigen. Diederich nahm die Trambahn. Hände und Augen
streiften sich nur.
„Uff!“ machte Diederich, als er allein war. „Das wäre erledigt.“ Er sagte
sich: „Es hätte ebensogut schief gehen können.“ Und mit Empörung: „So eine
hysterische Person!“ Sich selbst würde sie sicher am Boot festgehalten
haben. Er hätte das Bad allein nehmen müssen. Auf den ganzen Trick war sie
doch nur verfallen, weil sie durchaus geheiratet werden wollte! „Die
Weiber sind zu gerissen, und sie haben keine Hemmungen, da kommt
unsereiner nun mal nicht mit. Diesmal hat sie mich, weiß Gott, noch ärger
an der Nase herumgeführt als damals mit Mahlmann. Na, mir soll es eine
Lehre für das Leben sein. Nun aber Schluß!“ Und festen Schrittes ging er
zu den Neuteutonen. Fortan verbrachte er jeden Abend dort, und am Tage
büffelte er für das mündliche Examen, aber zur Vorsicht nicht zu Hause,
sondern im Laboratorium. Wenn er dann heimkam, ward ihm das Steigen der
Stockwerke schwer, er mußte sich gestehen, daß er Herzklopfen habe.
Zögernd öffnete er die Zimmertür: – nichts; und nachdem ihm anfangs
leichter geworden war, kam es schließlich doch jedesmal dazu, daß er die
Wirtin fragte, ob jemand dagewesen sei. Niemand war dagewesen.
Nach vierzehn Tagen aber kam ein Brief. Er hatte ihn geöffnet, bevor er es
bedachte. Dann wollte er ihn ungelesen in den Schreibtisch werfen – zog
ihn aber wieder hervor und hielt ihn weit fort vom Gesicht. Hastig, mit
mißtrauischen Augen griff er hier und da eine Zeile heraus. „Ich bin so
unglücklich ...“ „Kennen wir!“ antwortete Diederich. „Ich wage mich nicht
zu Dir ...“ „Dein Glück!“ „Es ist schrecklich, daß wir uns fremd geworden
sind ...“ „Wenigstens siehst du es ein.“ „Verzeih mir, was geschehen ist,
oder ist nichts geschehen?...“ „Gerade genug!“ „Ich kann nicht
weiterleben ...“ „Fängst du schon wieder an?“ Und er schleuderte das Blatt
endgültig in die Lade, zu jenem anderen, das er in einer zuchtlosen Nacht
mit Überschwenglichkeiten bedeckt und zum Glück nicht abgeschickt hatte.
Eine Woche später aber, wie er in der Nacht heimkam, hörte er hinter sich
Schritte, die besonders klangen. Er fuhr herum: eine Gestalt blieb stehen,
die Hände ein wenig erhoben und leer vor sich hingehalten. Noch während er
das Haustor aufschloß und eintrat, sah er sie im Halbdunkel dastehen. Im
Zimmer machte er kein Licht. Er schämte sich, indes sie aus dem Dunkel
hinaufspähte, das Zimmer zu beleuchten, das ihr gehört hatte. Es regnete.
Wie viele Stunden hatte sie gewartet? Gewiß stand sie noch immer dort, mit
ihrer letzten Hoffnung. Das war nicht auszuhalten! Er wollte das Fenster
aufreißen – und wich zurück. Einmal fand er sich plötzlich auf der Treppe,
mit dem Hausschlüssel in der Hand. Gerade gelang es ihm noch, umzukehren.
Darauf schloß er ab und zog sich aus. „Mehr Haltung, mein Lieber!“ Denn
diesmal wäre man aus der Sache nicht mehr leicht herausgekommen. Das Mädel
war zweifellos zu bedauern, aber schließlich hatte sie es gewollt. „Vor
allem habe ich Pflichten gegen mich selbst.“ – Am Morgen, schlecht
ausgeschlafen, nahm er es ihr sogar sehr übel, daß sie noch einmal
versucht hatte, ihn aus seiner Bahn zu reißen. Jetzt, da sie wußte, daß
die Prüfung bevorstand! Solche Gewissenlosigkeit sah ihr ähnlich. Und
durch die nächtliche Szene, diese Bettlerrolle im Regen, hatte ihre
Gestalt nachträglich etwas Verdächtiges und Unheimliches bekommen. Er
betrachtete sie als endgültig gesunken. „Auf keinen Fall mehr das
geringste!“ beteuerte er sich, und er beschloß, noch für den kurzen Rest
seines Aufenthaltes die Wohnung zu wechseln: „selbst wenn es mit einem
Geldopfer verbunden sein sollte.“ Glücklicherweise suchte ein Kollege
grade ein Zimmer; Diederich verlor nichts und zog sofort um, weit hinauf
nach dem Norden. Kurz darauf bestand er sein Examen. Die Neuteutonia
feierte ihn mit einem Frühschoppen, der bis gegen Abend dauerte. Zu Hause
ward ihm gesagt, daß in seinem Zimmer ein Herr auf ihn warte. „Es wird
Wiebel sein,“ dachte Diederich, „er muß mir doch Glück wünschen.“ Und von
Hoffnung geschwellt: „Vielleicht ist es der Assessor von Barnim?“ Er
öffnete, und er prallte zurück. Denn da stand Herr Göppel.
Auch er fand nicht gleich Worte. „Nanu, im Frack?“ sagte er dann, und
zögernd: „Waren Sie vielleicht bei mir?“
„Nein“, sagte Diederich und erschrak aufs neue. „Ich habe nur meine
Doktorprüfung gemacht.“
Göppel erwiderte: „Ach so, ich gratuliere.“ Dann brachte Diederich hervor:
„Wie haben Sie denn meine neue Adresse gefunden?“ Und Göppel antwortete:
„Ihrer früheren Wirtin haben Sie sie allerdings nicht gesagt. Aber es gibt
ja auch sonst noch Mittel.“ Darauf sahen sie einander an. Göppels Stimme
war ruhig gewesen, aber Diederich fühlte schreckliche Drohungen darin. Er
hatte den Gedanken an die Katastrophe immer hinausgeschoben, und jetzt war
sie da. Er mußte sich setzen.
„Nämlich,“ begann Göppel, „ich komme, weil es Agnes gar nicht gut geht.“
„Oh!“ machte Diederich mit verzweifelter Heuchelei. „Was fehlt ihr denn?“
Herr Göppel wiegte bekümmert den Kopf. „Das Herz will nicht; aber es sind
natürlich nur die Nerven ... Natürlich“, wiederholte er, nachdem er
vergeblich gewartet hatte, daß Diederich es wiederhole. „Und nun wird sie
mir melancholisch vor Langeweile, und ich möchte sie aufheitern. Ausgehen
darf sie nicht. Aber kommen Sie doch mal wieder zu uns, morgen ist
Sonntag.“
„Gerettet!“ fühlte Diederich. „Er weiß nichts.“ Vor Freude ward er zum
Diplomaten, er kratzte sich den Kopf. „Ich hatte es mir schon fest
vorgenommen. Aber jetzt muß ich dringend nach Haus, unser alter
Geschäftsführer ist krank. Nicht mal meinen Professoren kann ich
Abschiedsbesuche machen, morgen früh reise ich gleich ab.“
Göppel legte ihm die Hand auf das Knie. „Sie sollten es sich überlegen,
Herr Heßling. Seinen Freunden schuldet man manchmal auch was.“
Er sprach langsam und hatte einen so eindringlichen Blick, daß Diederich
wegsehen mußte. „Wenn ich nur könnte“, stammelte er; Göppel sagte:
„Sie können. Überhaupt können Sie alles, was hier in Frage kommt.“
„Wieso?“ Diederich erstarrte im Innern. „Sie wissen wohl, wieso“, sagte
der Vater; und nachdem er seinen Stuhl ein Stück zurückgeschoben hatte:
„Sie denken doch hoffentlich nicht, daß Agnes mich hergeschickt hat? Im
Gegenteil, ich hab’ ihr versprechen müssen, daß ich gar nichts tue und Sie
ganz in Ruhe lasse. Aber dann hab’ ich mir überlegt, daß es doch
eigentlich zu dumm wäre, wenn wir beide noch lange umeinander herum gehen
wollten, so wie wir uns kennen, und wie ich Ihren seligen Vater gekannt
habe, und bei unserer Geschäftsverbindung und so weiter.“
Diederich dachte: „Die Geschäftsverbindung ist gelöst, mein Bester.“ Er
wappnete sich.
„Ich gehe gar nicht um Sie herum, Herr Göppel.“
„Na also. Dann ist ja alles in Ordnung. Ich verstehe wohl: der Sprung in
die Ehe, den tut kein junger Mann, besonders heute, ohne erst mal zu
scheuen. Aber wenn die Geschichte so glatt liegt wie hier, nicht wahr?
Unsere Branchen greifen ineinander, und wenn Sie Ihr väterliches Geschäft
ausdehnen wollen, kommt Ihnen Agnes’ Mitgift sehr gelegen.“ Und in einem
Atem weiter, indes seine Augen abirrten: „Momentan kann ich zwar nur
zwölftausend Mark flüssig machen, aber Zellulose kriegen Sie, soviel Sie
wollen.“
„Siehst du wohl?“ dachte Diederich. „Und die zwölftausend müßtest du dir
auch pumpen – wenn du sie noch kriegst.“ – „Sie haben mich mißverstanden,
Herr Göppel“, erklärte er. „Ich denke nicht ans Heiraten. Dazu wären zu
große Geldmittel nötig.“
Herr Göppel sagte mit angstvollen Augen und lachte dabei: „Ich kann noch
ein übriges tun ...“
„Lassen Sie nur“, sagte Diederich, vornehm abwehrend.
Göppel ward immer ratloser.
„Ja, was wollen Sie dann überhaupt?“
„Ich? Gar nichts. Ich dachte, Sie wollten was, weil Sie mich besuchen.“
Göppel gab sich einen Ruck. „Das geht nicht, lieber Heßling. Nach dem, was
nun mal vorgefallen ist. Und besonders, da es schon so lange dauert.“
Diederich maß den Vater, er zog die Mundwinkel herab. „Sie wußten es
also?“
„Nicht sicher“, murmelte Göppel. Und Diederich, von oben:
„Das hätte ich auch merkwürdig gefunden.“
„Ich habe eben Vertrauen gehabt zu meiner Tochter.“
„So irrt man sich“, sagte Diederich, zu allem entschlossen, womit er sich
wehren konnte. Göppels Stirn fing an, sich zu röten. „Zu Ihnen hab’ ich
nämlich auch Vertrauen gehabt.“
„Das heißt: Sie hielten mich für naiv.“ Diederich schob die Hände in die
Hosentaschen und lehnte sich zurück.
„Nein!“ Göppel sprang auf. „Aber ich hielt Sie nicht für den Schubbejack,
der Sie sind!“
Diederich erhob sich mit formvoller Ruhe. „Geben Sie Satisfaktion?“ fragte
er. Göppel schrie:
„Das möchten Sie wohl! Die Tochter verführen und den Vater abschießen!
Dann ist Ihre Ehre komplett!“
„Davon verstehen Sie nichts!“ Auch Diederich fing an, sich aufzuregen.
„Ich habe Ihre Tochter nicht verführt. Ich habe getan, was sie wollte, und
dann war sie nicht mehr loszuwerden. Das hat sie von Ihnen.“ Mit
Entrüstung: „Wer sagt mir, daß Sie sich nicht von Anfang an mit ihr
verabredet haben? Dies ist eine Falle!“
Göppel hatte ein Gesicht, als wollte er noch lauter schreien. Plötzlich
erschrak er, und mit seiner gewöhnlichen Stimme, nur daß sie zitterte,
sagte er: „Wir geraten zu sehr in Feuer, dafür ist die Sache zu wichtig.
Ich habe Agnes versprochen, daß ich ruhig bleiben will.“
Diederich lachte höhnisch auf. „Sehen Sie, daß Sie schwindeln? Vorhin
sagten Sie, Agnes weiß gar nicht, daß Sie hier sind.“
Der Vater lächelte entschuldigend. „Im guten einigt man sich schließlich
immer. Nicht wahr, mein lieber Heßling?“
Aber Diederich fand es gefährlich, wieder gut zu werden.
„Der Teufel ist Ihr lieber Heßling!“ schrie er. „Für Sie heiß’ ich Herr
Doktor!“
„Ach so“, machte Göppel, ganz starr. „Es ist wohl das erstemal, daß jemand
Herr Doktor zu Ihnen sagen muß? Na, auf die Gelegenheit können Sie stolz
sein.“
„Wollen Sie vielleicht auch noch meine Standesehre antasten?“ Göppel
wehrte ab.
„Gar nichts will ich antasten. Ich frage mich nur, was wir Ihnen getan
haben, meine Tochter und ich. Müssen Sie denn wirklich so viel Geld
mithaben?“
Diederich fühlte sich erröten. Um so entschlossener ging er vor.
„Wenn Sie es durchaus hören wollen: mein moralisches Empfinden verbietet
mir, ein Mädchen zu heiraten, das mir ihre Reinheit nicht mit in die Ehe
bringt.“
Sichtlich wollte Göppel sich nochmals empören; aber er konnte nicht mehr,
er konnte nur noch das Schluchzen unterdrücken.
„Wenn Sie heute nachmittag den Jammer gesehen hätten! Sie hat es mir
gestanden, weil sie es nicht mehr aushielt. Ich glaube, nicht mal mich
liebt sie mehr: nur Sie. Was wollen Sie denn, Sie sind doch der erste.“
„Weiß ich das? Vor mir verkehrte bei Ihnen ein Herr namens Mahlmann.“ Und
da Göppel zurückwich, als sei er vor die Brust gestoßen:
„Nun ja, kann man das wissen? Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“
Er sagte noch: „Kein Mensch kann von mir verlangen, daß ich so eine zur
Mutter meiner Kinder mache. Dafür hab’ ich zuviel soziales Gewissen.“
Damit drehte er sich um. Er hockte nieder und legte Sachen in den Koffer,
der geöffnet dastand.
Hinter sich hörte er den Vater nun wirklich schluchzen – und Diederich
konnte nicht hindern, daß er selbst gerührt ward: durch die edel männliche
Gesinnung, die er ausgesprochen hatte, durch Agnes’ und ihres Vaters
Unglück, das zu heilen ihm die Pflicht verbot, durch die schmerzliche
Erinnerung an seine Liebe und all diese Tragik des Schicksals ... Er
hörte, gespannten Herzens, wie Herr Göppel die Tür öffnete und schloß,
hörte ihn über den Korridor schleichen und das Geräusch der Flurtür. Nun
war es aus – und da ließ Diederich sich vornüber fallen und weinte heftig
in seinen halbgepackten Koffer hinein. Am Abend spielte er Schubert.
Damit war dem Gemüt Genüge getan, man mußte stark sein. Diederich hielt
sich vor, ob etwa Wiebel jemals so sentimental geworden wäre. Sogar ein
Knote ohne Komment, wie Mahlmann, hatte Diederich eine Lektion in
rücksichtsloser Energie erteilt. Daß auch die anderen in ihrem Innern
vielleicht doch weiche Stellen haben könnten, erschien ihm im höchsten
Grade unwahrscheinlich. Nur er war, von seiner Mutter her, damit behaftet;
und ein Mädel wie Agnes, die gerade so verrückt war wie seine Mutter,
würde ihn ganz untauglich gemacht haben für diese harte Zeit. Diese harte
Zeit: bei dem Wort sah Diederich immer die Linden mit dem Gewimmel von
Arbeitslosen, Frauen, Kindern, von Not, Angst, Aufruhr – und das alles
gebändigt, bis zum Hurraschreien gebändigt durch die Macht, die
allumfassende, unmenschliche Macht, die mitten darin ihre Hufe wie auf
Köpfe setzte, steinern und blitzend.
„Nichts zu machen“, sagte er sich, in begeisterter Unterwerfung. „So muß
man sein!“ Um so schlimmer für die, die nicht so waren: sie kamen eben
unter die Hufe. Hatten Göppels, Vater und Tochter, irgendeine Forderung an
ihn? Agnes war großjährig, und ein Kind hatte er ihr nicht gemacht. Also?
„Ich wäre ein Narr, wenn ich zu meinem Schaden etwas täte, wozu ich nicht
gezwungen werden kann. Mir schenkt auch keiner was.“ Diederich empfand
stolze Freude, wie gut er nun schon erzogen war. Die Korporation, der
Waffendienst und die Luft des Imperialismus hatten ihn erzogen und
tauglich gemacht. Er versprach sich, zu Haus in Netzig seine
wohlerworbenen Grundsätze zur Geltung zu bringen und ein Bahnbrecher zu
sein für den Geist der Zeit. Um diesen Vorsatz auch äußerlich an seiner
Person kenntlich zu machen, begab er sich am Morgen darauf in die
Mittelstraße zum Hoffriseur Haby und nahm eine Veränderung mit sich vor,
die er an Offizieren und Herren von Rang jetzt immer häufiger beobachtete.
Sie war ihm bislang nur zu vornehm erschienen, um nachgeahmt zu werden. Er
ließ vermittels einer Bartbinde seinen Schnurrbart in zwei rechten Winkeln
hinaufführen. Als es geschehen war, kannte er sich im Spiegel kaum wieder.
Der von Haaren entblößte Mund hatte, besonders wenn man die Lippen
herabzog, etwas katerhaft Drohendes, und die Spitzen des Bartes starrten
bis in die Augen, die Diederich selbst Furcht erregten, als blitzten sie
aus dem Gesicht der Macht.