Padua, † um 1460. Seine lange Zeit sehr geschätzten ~Consilia~
(Rothomag. 1476, Venet. 1497, 1499, 1514, 1564, Lugd. 1524, 1525,
1568, Francof. 1604, Norimb. 1652), an Zahl 305, bilden eine
medizinische Kasuistik, welche nach folgenden Gesichtspunkten
geordnet ist: Diät, Krankheiten des Gehirns, der Nerven, der Augen,
des Ohres, der Nase, des Mundes, der Kehle, der Lungen, des Herzens,
der Brustdrüsen, des Magens, der Leber, der Milz, der Därme, des
Afters, der Nieren, der Blase, der männlichen, der weiblichen
Geschlechtsorgane, Krankheiten der Wirbelsäule und der Extremitäten,
Dyskrasien, Fieber, Hautkrankheiten, Lepra. ~Im Abschnitt von der
Lepra ist die knollige Form nicht mehr beschrieben.~ Im Anhang zu
den Konsilien sind noch einige kleinere Schriften des Montagnana
enthalten: ~Tractatus tres de balneis Patavinis~, ~Tractatus de modo
componendi medicinas et de dosi earum~, ~Antidotarium~.
[21] Ein Heremias de Montagnana aus Padua (gegen Ende des 13.
Jahrhunderts) verfaßte ein Compendium de significatione
vocabulorum medicorum. -- Bartolommeo Montagnana war Stammvater
einer bis in das 17. Jahrhundert blühenden ärztlichen Familie.
•Johannes Arculanus• (Herculanus, ~Giovanni Arcolano~, d'Arcoli)
aus Verona, soll zuerst (1412-1427) in Bologna, sodann in Padua und
Ferrara gelehrt haben († 1460 oder nach anderer Angabe 1484). Er
schrieb ~Expositio in primam fen quarti canonis Avicennae~ (Ferrar.
1488, Lugd. 1518, Venet. 1560, 1580, Patav. 1684) und ~Practica medica
s. Expositio in nonum librum Almansoris~ (Venet. 1483 u. ö., noch
1560, Basil. 1540). Letztere Schrift stellt zwar formell nur einen
Kommentar dar, welcher sich von anderen durch die weit geringere
Weitschweifigkeit und Zitatensucht vorteilhaft unterscheidet, enthält
aber nicht wenige selbständige Anschauungen über die spezielle
Pathologie und Therapie. Treffend ist z. B. die Symptomatologie des
Säuferwahnsinns geschildert, in den chirurgischen Abschnitten, welche
durch Abbildungen von Instrumenten verständlicher gemacht werden,
finden sich manche interessante Stellen, die den Fortschritt in der
Technik beweisen (z. B. Beseitigung von Wasser aus dem Gehörgang
mittels einer Art von Spritze, Füllen hohler Zähne mit Goldfolie,
Anwendung von Kathetern aus biegsamem Material bei verschiedenen
Harnleiden).
•Christophorus Barzizius• (~de Barziziis~, Cristoforo Barziza)
„novello Ippocrate”, „Monarca della Professione”, Professor in Padua
(1434 bis mindestens 1440), hinterließ ~Introductorium sive janua
ad omne practicum medicinae~ (Pap. 1494, Aug. Vindel. 1518), eine
allgemeine Pathologie und Therapie, de febrium cognitione et cura
liber (Pap. 1494, Lugd. 1517).
•Johannes Mattheus de Ferrariis• (Ferrarius) •de Gradi• oder
Gradibus (Giamatteo ~Ferrari da Grado~), † 1472, wirkte mit großem
Erfolge als Professor der Medizin in Pavia, als Leibarzt am Hofe
des Francesco Sforza und als angesehener, von den vornehmsten
Persönlichkeiten in Anspruch genommener Praktiker. Schriften:
~Practica~ vel commentarius textualis cum ampliationibus et
additionibus materiarum in nonum Rhazis ad Almansorem (Pars I Pap.
1471, 1497, Lugd. 1519, 1527, Venet. 1520, 1560; Pars I et II Pap.
1497; Pars III Mediol. 1471), ~Expositiones super vigesimam secundam
fen tertiae canonis Avicennae~ (Mediol. 1494), ~Consiliorum secundum
viam Avicennae ordinatorum utile repertorium~ (Venet. 1514, 1521,
Lugd. 1535). Practica und Consilia (für die Zeitgeschichte nicht ohne
Interesse) enthalten nicht wenige selbständige Beobachtungen und
von eigenem Urteil geleitete Angaben, z. B. diätetische Regeln für
Studierende und Reisende, Fälle von Schreibkrampf, Gesichtslähmung,
Speichelfluß, Haemoptoe bei Dysmenorrhoe, Sterilität infolge von
Lageveränderung des Uterus, Empfehlung eines ~Pessarium~ in der
Behandlung des Uterusprolapses, eines Bruchbandes (brachale) mit
flacher und quadratischer Pelotte zur Behandlung der Hernien u. a.
m. Bemerkenswert ist die starke Berücksichtigung der Anatomie (in
der Practica in Form von Einleitungen zur Pathologie der einzelnen
Organe). Eine Auswahl der Consilia in auszugsweiser französischer
Uebersetzung in H. M. Ferrari, Une chaire de médicine an XV siècle,
Paris 1899, p. 185-241.
•Marcus Gatenaria• (Marco ~Gatenaria~, Gattinaria, Gattinara),
† 1496, aus Vercelli, übte in Mailand und Pavia (zuletzt daselbst
Professor) die Praxis aus. In seiner noch starr arabistischen, im
wesentlichen kompilatorischen und kommentatorischen Schrift ~de curis~
aegritudinum particularium sive expositio in nonum Almansoris (Lugd.
1504 u. ö., Pap. 1509, Bonon. 1517, Venet. 1521 u. ö., Basil. 1537,
Paris 1540, 1549, Francof. 1575, 1604), welche lange Zeit sehr beliebt
war, kommen manche gute Beobachtungen und auch wichtige chirurgische
Bemerkungen vor (z. B. Empfehlung eines eisernen Bruchbandes,
Exstirpation des prolabierten Uterus beim Versagen anderer Mittel).
Im 47. Kapitel findet sich nebst entsprechendem Holzschnitt die
Beschreibung einer Klistierspritze (nach Avicenna); die Spritze
besteht aus einer Tierblase, an welche eine Kanüle angebunden ist,
die der Länge nach in zwei Räume durch eine Scheidewand geteilt ist,
einen oberen, geräumigen, mit einer Oeffnung am freien Ende, durch
welche hindurch die Einspritzung in den oberen Mastdarm gemacht
wurde, und einen unteren kleineren Raum mit einer zweiten Oeffnung
nach hinten, nahe der Befestigung an der Blase, durch welche die im
Mastdarm befindliche oder in denselben eingespritzte Luft austreten
soll.
•Baverius de Baveriis• aus Imola, Leibarzt Nicolaus V., noch um
1480 Professor in Bologna, verfaßte ~Consilia medicinalia~ sive de
morb. curat. liber (Bonon. 1489, Pavia 1521, Argent. 1542, 1593),
welche durch einzelne kasuistische Mitteilungen höchst bemerkenswert
sind (z. B. Karies des Felsenbeins, Differentialdiagnose zwischen
Katalepsie, Hysterie, Epilepsie und Synkope, Fall von Hemiplegie einer
Gravida mit Wirbelsäulenverkrümmung, Fall von Lähmung mit Sprach- und
Gedächtnisstörung, Magenschwindel, Behandlung der Chlorose mit Eisen).
Chirurgie.
•Petrus de Argelata• (~Pietro d'Argellata~, ~P. de la Cerlata~,
Largelata etc., † 1423). Professor in Bologna, einer der bedeutendsten
Chirurgen im Anfang des 15. Jahrhunderts[22], verfaßte ~De chirurgia
libri~ VI (Venet. 1480, 1492, 1497, 1499, 1513, 1520, 1531), worin
die vorhergehende Literatur, von den Arabern besonders Avicenna,
von den abendländischen Autoren namentlich Wilhelm von Saliceto,
Lanfranchi und Guy de Chauliac, sorgfältig benützt ist, ohne daß
es gelegentlich auch an selbständigen Beobachtungen fehlen würde.
Pietro d'Argellata beschreibt die gebräuchlichsten Operationen,
zeigt sich aber im ganzen zu größeren operativen Eingriffen wenig
geneigt und bringt unter Anführung der Quellen eine Fülle von
medikamentöser Therapie. Anerkennenswert ist die Kasuistik besonders
im Abschnitt über Wundbehandlung und die Offenheit, mit der er die
eigenen Mißgriffe eingesteht. Im 5. Buche Tract. XIX, cap. 1-8 wird
die Gynäkologie und Geburtshilfe abgehandelt, bemerkenswert ist
die Schnittführung in der Linea alba bei der Sectio caesarea post
mortem, das Extraktionsverfahren mit Einhaken des Fingers in die
Perforationsöffnung, die Selbstausführung der Embryotomie. Tract.
XII cap. 3 (De custodia corporis mortui) enthält den Bericht über
die von d'Argelata 1410 ausgeführte Einbalsamierung der Leiche des
in Bologna verstorbenen Papstes Alexanders V.
[22] Er war artium et medicinae doctor und lehrte Logik, Astrologie,
Medizin, letztere nach Avicenna. Nach seinem Tode wurde ihm im
anatomischen Amphitheater zu Bologna ein Standbild errichtet.
•Leonardus Bertapalia• (~Leonardo da Bertapaglia~, Bertipalia,
Bertopalia etc., † 1460), Professor in Padua verfaßte eine aus sieben
Traktaten bestehende ~Chirurgia~ s. recollectae super quartum canonis
Avicennae (Venet. 1490, 1497, später in der Coll. chir. Venet.
1499, 1519, 1546 publiziert). Das Werk ist von arabistischem Geist
durchweht, außer Hippokrates und Galen werden fast nur arabische
Schriftsteller zitiert, die Arzneibehandlung überwiegt weitaus
die eigentlich chirurgische Therapie, und phantastische Annahmen
prävalieren vielfach über die nüchterne Beobachtung. Der sechste
Traktat ~De judiciis vulnerum significantium mortem per singula membra
humana per aspectum et secundum duodecim signa celestia~ erörtert die
Beziehungen der Chirurgie zur Astrologie (z. B. Verhalten der Wunden
in den einzelnen Monaten, wenn die Sonne im Zeichen des Widders, des
Stiers, der Zwillinge, des Krebses etc. steht). Der letzte Traktat,
welcher in einen Hymnus (in 10 Hexametern) über die Wirkung der
Scabiosa ausklingt, behandelt die Rezepttherapie und besitzt nur
noch durch Angaben über zwei Leichensektionen (1429 und 1440), denen
Bertapaglia beiwohnte, einige Bedeutung.
Frankreich.
Montpellier.
•Valescus• (~Valascus~, ~Balescus~, ~Balescon~) •de Taranta•, von
Geburt Portugiese, erhielt seine Ausbildung in Montpellier und wurde
daselbst am Ausgang des 14. und im Anfang des 15. Jahrhunderts einer
der hervorragendsten Lehrer; er genoß den Ruf eines ausgezeichneten
Praktikers. Er veröffentlichte 1401 einen ~Tractatus de epidemia et
peste~ (gedr. 1474, Hagenov. 1497; katalon. Uebersetzung von Villar,
Barcel. 1475 u. 1518 auf Grund einer 36jährigen Praxis). Das noch bis
ins 17. Jahrhundert sehr angesehene, die gesamte Medizin umfassende
Werk: ~Philonium pharmaceuticum et chirurgicum~ de medendis omnibus
cum internis tum externis humani corporis affectibus (Lugd. 1490,
1500, 1516, 1521, 1532, 1535, 1599, Venet. 1490, 1502, 1589, außerdem
noch mehrere abgekürzte Bearbeitungen von J. Hartm. Beyer, Francof.
1599, W. Wedel, Francof. et Lips. 1680, Lips. 1714). Valescus teilte,
wie er in der Vorrede selbst sagt, die Schrift in sieben Bücher wegen
der Heiligkeit der Siebenzahl und läßt ein gewisses Streben nach
nüchterner Beobachtung nicht verkennen. In der herkömmlichen Anordnung
a capite ad calcem, in übersichtlicher Darstellung nach dem gewöhnten
Schema Declaratio (nomina, differentia), causae, signa, prognosticatio
sive judicia, curatio werden die Krankheiten des Kopfes, Gesichtes,
der Atmungswege, des Darmtrakts, der Leber, Milz, Nieren und Blase,
der Sexualorgane, Fieber, epidemische Krankheiten, endlich in
einem eigenen Tractatus chirurgiae die Lehre von den Abszessen,
Geschwülsten, Geschwüren, Wunden und Hautaffektionen abgehandelt.
Die Literatur, auch die zeitgenössische, ist fleißig benützt.
Bemerkenswert sind die den einzelnen Abschnitten vorausgehenden kurzen
~anatomischen~ Beschreibungen und die, vielen Kapiteln beigefügten,
Appendices.
Paris.
•Jacobus de Partibus• (~Jacques Despars~ aus Tournay, † 1457, nach
anderen 1465 oder noch später), Hauptvertreter der französischen
Arabisten, Leibarzt des Königs Karl VII. und Philipps des Gütigen,
Herzogs von Burgund, lehrte an der Pariser Hochschule, der er
einen großen Teil seines Vermögens schenkte[23] und welche er als
Deputierter auf dem Konzil zu Konstanz vertrat. Nachdem er sich
infolge seiner Verurteilung des gemeinsamen Badens und den Antrag, in
Pestzeiten die Badestuben zu schließen, den Zorn der Baderzunft in
einer Weise zuzog, daß er seines Lebens nicht sicher war, kehrte er
in seine Vaterstadt wieder zurück. Despars arbeitete durch 20 Jahre
an einem großen Kommentar zu Avicenna: ~Explanatio in Avicennam~
(Lugd. 1498), wobei er sich auf die griechische und arabische
Literatur (angeblich im Original, nicht in Uebersetzungen) stützte.
Bemerkenswert ist darin namentlich eine Stelle (I. Tr. IV, cap. 1),
welche auf Petechialtyphus bezogen wird. Außer diesem Kommentar
schrieb er noch: ~Glossa interlinearis in practicam Alexandri
Tralliani~ (Lugd. 1504), ~Collecta in medicina pro anathomia~ (Venet.
1507), ~Expositio super capitulis ... primi Avicennae~ (gedr. mit
Jacob. Foroliviensis Expositio, Venet. 1518), ~Summula per alphabetum
super plurimis remediis ex ipsius Mesuae libris excerptis~ (Lugd.
1523 u. ö.), ~Inventarium collectorium receptarum omnium medicaminum~
(s. l. et a.) u. a.
[23] Ihm war es hauptsächlich zu danken, daß die Pariser medizinische
Fakultät endlich ein eigenes Heim in der Rue de la Bûcherie
beziehen konnte.
Zur Literatur der Spezialzweige[24].
[24] Hier sind nur Autoren berücksichtigt, die oben keine Erwähnung
gefunden haben. Von den ~Pestschriften~ wurde abgesehen.
Augenheilkunde.
•Gillibertus•, Kanzler von Montpellier um 1250, Experimenta (ed.
Pansier, Janus 1903).
•Barnabas de Reggio•, Libellus de conservanda sanitate oculorum
(ed. G. Albertotti, Modena 1895), verfaßt im Jahre 1340.
•Johannes de Casso•, Tractatus de conservatione sanitatis oculorum
(ed. Pansier, in Coll. ophthalm. veter. auctor. Fasc. I, Paris 1903),
verfaßt im Jahre 1346.
Kinderheilkunde.
„~Practica puerorum~” ed. Sudhoff, Janus 1909 (in der Abhandlung
die Schrift des Cornelius Roelans von Mecheln).
•Paulus Bagellardus• de Flumine (Paolo Bagellardo), geb. zu Fiume,
zuerst Extraordinarius für praktische Medizin, später (seit 1472)
Ordinarius der theoretischen Medizin an der Universität Padua,
verfaßte ~Libellus de egritudinibus infantium~ (Patav. 1472, 1487),
Säuglingspflege, Kinderkrankheiten und deren Behandlung, hauptsächlich
nach der einschlägigen Schrift des Rhazes.
Arzneimittellehre und Pharmazie.
•Christophorus de Honestis.• Expositio super antidotarium Mesuae
cum tractatu de aqua hordei et modo faciendi ptisanam (Bonon. 1488,
Venet. 1562).
•Saladinus de Asculo• (Esculo), um die Mitte des 15. Jahrhunderts,
Leibarzt des Fürsten von Tarent Giovanni Antonio di Balso Orsino,
verfaßte zum Gebrauch der Pharmazeuten ein ~Compendium aromatariorum~
(Bonon. 1488, Ferrar. 1488, Venet. 1490 u. ö., noch 1602 mit den
Op. Mesuae Venet. 1527, 1561, ital. Venez. 1559 von P. Lauro, span.
Pinc. 1515 von Alf. Rodriguez de Tudela). Dieses erste wirkliche
Apothekerbuch in modernem Sinne stand bei Apothekern jahrhundertelang
im Gebrauch und wurde vorbildlich für alle späteren pharmazeutischen
Lehrbücher. Es besteht aus acht Abschnitten. ~Der erste~ beschäftigt
sich mit den Anforderungen, welche an den Apotheker in intellektueller
und moralischer Hinsicht gestellt werden. Bezüglich der Tätigkeit
und Ausbildung soll auf die Frage des examinierenden Arztes „quod
est ~officium aromatarium~” folgende Antwort gegeben werden: „dico
quod officium aromatarii est, ~terere, abluere, infundere, coquere,
destillare, bene conficere et confecta bene servare~. Propter quae
omnia dico alterius, quod aromatarii tenentur scire ~grammaticam~, ut
valent bene intelligere, dispensationes ~receptorum~ et antidotariorum
et scientiae medicinae”. Folgende Werke soll er besitzen: De
simplicibus Avicennae et Serapionis de synonymis Simonis Januensis,
Liber servitoris (des Abulkasim), Mesue, Johannes Damascenus (═
Serapion d. Ae.), Antidotarium Nicolai oder Circa instans Platearii,
de simplicibus des Dioskurides, auch den Macer Floridus. ~Der zweite
Abschnitt~ erklärt die Nomenklatur der zusammengesetzten Mittel, der
~dritte~ handelt von den Gewichten, der ~vierte~ von der Anfertigung
der Rezepte, wobei vor der willkürlichen Verwendung der Ersatzmittel
(quid pro quo) gewarnt wird. Im ~sechsten~ Abschnitt werden Regeln für
das Einsammeln der pflanzlichen Arzneistoffe und für die zweckmäßige
Aufbewahrung der einfachen und zusammengesetzten Mittel gegeben.
Der ~siebente~ Abschnitt handelt von den Aufbewahrungsgefäßen (Vasa
vitrea, vitreata, plumbea, porcellionibus[!], ferrea, argentea,
stannea deaurata, aurea, de cornu), der ~achte~ Abschnitt ist eine
Series medicaminum in qualibet aromataria vel apoteca (16 Fette, 7
Arten Galle, 4 tierische Auswurfstoffe, 46 Wässer, darunter aqua vitae
ardens aus Wein, 59 Elektuarien, 36 Pillenmassen, 24 Trochisci, 27
Oele, 18 Konserven aus Honig und Zucker) und am Ende werden Ratschläge
über die zweckmäßige Lage der Vorratsräume gegeben.
•Quiricus de Augustis• aus Tortona, Arzt zu Vercelli. Sein ~Lumen
apothecariorum~ (Venet. 1495, 1549 u. ö., Lugd. 1503) behandelt in
15 Distinktionen alles für den Apotheker Wissenswerte.
•Joh. Jac. de Manliis de Boscho.• ~Luminare majus~ super
descriptiones antidotarii et practicae divi Johannis Mesue (Venet.
1490, 1496 u. ö., Pap. 1494).
•Tertbona•, ~Lumen apothecariorum~ (Venet. 1497).
~Ricettario Fiorentino~ (1489).
* * * * *
•Receptari de Manresa• (Katalonien), eine Sammlung von bewährten
Rezeptformeln (230), zusammengestellt von dem Apotheker Bernardus
des Pujol im Jahre 1347 (ed. L. Comenge, Barcelona 1899).
Toxikologie.
•Santes de Ardoynis• (~Santes Ardoyno~) aus Pesaro, Arzt in Venedig,
veröffentlichte 1426 eine Schrift ~de venenis~ (Venet. 1492, Basil.
1562), welche zwar durchaus kompilatorischen Charakter besitzt, aber
historisch von großem Interesse ist.
Balneologie[25].
[25] Vgl. oben die einschlägigen Schriften von ~Petr. de Tussignana~,
~Jacob. de Dondis~, ~Gentilis Fulgineus~, ~Mich. Savonarola~,
~Montagnana~, ~Ant. Guainerius~ u. a.
•Matth. de Bandinellis•, ~Tractatus de balneis Luccensibus~, Piscie
1489.
•Ugolinus de Montecatino•, ~Tractat. de balneorum Italiae
proprietatibus et viribus~ (In coll. de baln.).
Diätetik.
•Benedictus a Nursia•, ~De conservatione sanitatis~.
Medizinische Astrologie.
•Johannes Ganivetus• (Jean Ganivet, Minoritenpater, Professor der
Theologie zu Vienne in der Dauphiné). Seine lange Zeit in größtem
Ansehen stehende Schrift ~Amicus medicorum~ (Lugd. 1496, 1508, 1550,
1596, Francof. 1614), welche alles enthalten sollte, was dem Arzte
von der Astronomie und Astrologie zu wissen nützlich sein könnte,
wurde 1431 zum Abschluß gebracht. Vgl. über den Inhalt Sudhoff,
Iatromathiker vornehmlich im 15. und 16. Jahrhundert, Breslau 1902,
S. 26, 27.
Zur Literatur in den Landessprachen[26].
[26] Uebersetzungen aus dem Lateinischen sind im folgenden zumeist
nicht berücksichtigt, da dieselben bereits oben angeführt
wurden.
Italienisch.
Vgl. Zambrini, Le opere volgari a stampa dei secoli XIII e XIV,
Bologna 1884 und Morpurgo, Supplemento alle opere volgari ...
indicate e descritte da Z. per gli anni 1889-90, Bologna 1892. Im
folgenden sind nur einige der altitalienischen medizinischen Schriften
angeführt; unter ihnen befinden sich auch Uebersetzungen von Schriften
des Dondi, del Garbo, Saliceto, Chauliac, Mesue, Petrus Hispanus,
Taddeo Alderotti, der hippokratischen Prognostik etc.
•Maestro Gregorio•, ~Fiori di medicina di maestro G.~ (ed. in der
Sammlung Scelta di curiosità letterarie inedite o rare dal secolo
XIII al XVI, Bologna 1865), handelt über die wichtigsten Gegenstände
in der Diätetik in 12 Kapiteln.
•Aldobrandino da Siena• (vgl. S. 385, Anm. 2), ~Le quattro stagione
e come l'uomo si deve guardare il corpo in ciasceduno tempo dell'
anno~. Trattato vulgarizzato da Zucheri Benvenini nel secolo XIV,
Livorno 1471.
•Ugolino da Montecatini• (vgl. S. 512), ~Trattato de' bagni termali
d'Italia~.
~Trattato dei cauterii~ (mit Abbildungen), 14. Jahrhundert, ed. G.
Albertotti (Atti e memorie della Ratecad. di scienze, Padova Vol. 24).
•Ugo Benzi•, ~Trattato utilissimo circa lo regimento e la
conservazione della sanitade~ (Milano 1481, 1507).
•Michele Savonarola•, Libreto de tutte che le cose se manzano
comunamente piu che comune ... e le regule per conservare la sanità
de li corpi humani con dubii notabilissimi (Vened. 1508).
Französisch.
Vgl. Pansier, Catalogue des manuscrits médicaux des bibliothèques
de France. ~Manuscrits Français~ in Archiv f. Geschichte der Medizin
Bd. II (1909), p. 385 ff.
~Recettes médicales en français~ publiées d'apres le Mscr. 23, P.
Meyer et Ch. Joret, Romania 18, p. 571 ff.
Provenzalisch.
Eine Basler Handschrift enthält der Reihe nach eine Chirurgie des
~Stephanus Aldebaldi~ (Algebaldus nach 1400), eine Chirurgie des
~mayestre rogier~ (Roger von Salerno), einen anonymen ~Harntrakt~
(um 1300 geschrieben), welchem eine ~Diätetik~ angehängt ist
(veröffentlicht von W. Wackernagel in Haupts Zeitschr. f. deutsches
Altertum Bd. 5, 1845 -- stimmt stellenweise fast wörtlich mit dem
entsprechenden Abschnitte der Meinauer Naturlehre, vgl. S. 357,
überein), eine „~Anothomya~” (veröffentlicht von K. Sudhoff in Studien
z. Gesch. d. Med. H. 4, Leipzig 1908, etwa um 1250 geschrieben, freie
Bearbeitung der Anatomia des Richardus Salernitanus, mit Exzerpten
aus der Anatomia porci des Salernitaners Kophon des Jüngeren),
eine ~Uebersetzung der Augenheilkunde des Benvenutus Grapheus~. Der
provenzalische Traktat über Anatomie enthält 5 Abbildungen, welche
den Knochenbau (mit erklärendem Texte), das Venensystem mit den
Eingeweiden der drei Körperhöhlen, die weiblichen Geschlechtsorgane,
die männlichen Geschlechtsorgane, die Arterienverzweigung samt den
Brust- und Baucheingeweiden darstellen (vgl. Sudhoff l. c.).
Deutsch[27].
[27] Vgl. K. Sudhoff, Die gedruckten mittelalterlichen medizinischen
Texte in germanischen Sprachen, Archiv f. Gesch. d. Med. Bd.
III, 1909 und Deutsche medizinische Inkunabeln (Studien zur
Gesch. der Medizin, Heft 2/3), Leipzig 1908.
a) Mittelhochdeutsch.
•Arzneibücher.• ~Das arzinbuoch Ypocratis~ (~Zürich~,
Wasserkirchbibliothek Ms. C. 58) ca. 1160. Graff, Diutiska II, 1827,
p. 269-273; Pfeiffer, Zwei deutsche Arzneibücher aus dem 12. und 13.
Jahrhundert, Sitzungsber. d. phil.-hist. Klasse der Wiener Akademie
Bd. 42, p. 118-127. Vgl. Hofmann in den Münchener Sitzungsber. Jahrg.
1870, Bd. I, p. 511-526. -- ~„Practica” des „Meister Bartholomäus” von
Salerno~ (~München~, Hof- und Staatsbibliothek, Cod. germ. 92, Bl.
1-18) ca. 1250. Pfeiffer, Zwei deutsche Arzneibücher, Sitzungsber.
d. phil.-hist. Klasse der Wiener Akad. Bd. 42, p. 127-158. -- ~Eine
Krankheits- und Heilmittelkunde aus dem 14. Jahrhundert~ (~Breslau~,
Rhedigerana, Perghdschr. 152 Bl.), vgl. Heinr. Hoffmann, Fundgruben
für Geschichte deutscher Sprache und Literatur Bd. I, Breslau
1830, p. 319-327 (auszugsweise abgedr. mit kurzer Inhaltsangabe des
Ganzen), Külz und E. Trosse-Külz, Das Breslauer Arzneibuch, Monatsbl.
d. Goslarer C. V. naturwissenschaftl. u. med. Vereine an deutsch.
Hochschulen (1904). Der Abschnitt „Heilkräfte verschiedener Kräuter”
ist eine Bearbeitung des Macer Floridus. -- ~Eine kleine Arzneilehre~
(~Basel~, Univ. Ms. Bd. XI, Perg.), 14. Jahrhundert. W. Wackernagel in
M. Haupt und H. Hoffmann, Altdeutsche Blätter, 2. Bd., Leipzig 1840,
p. 133. -- ~Aus einem elsässischen Arzneibuche des 14. Jahrhunderts~
(6 Blätter Großfolio -- 112-117 -- im Großherzogl. Hess. Haus- und
Staatsarchiv in Darmstadt), Birlinger, Alemannia 1882, X, p. 219-232.
•„Meinauer Naturlehre”• (13. Jahrhundert), W. Wackernagel, Stuttgart
1851, Lit. Verein, vgl. S. 357. Für die diätetischen Anweisungen
diente das Regimen sanit. Salernitanum zum Vorbild.
•Volmars Steinbuch• (ca. 1250) in Versen. J. G. Büsching (Museum
f. altd. Lit. u. Kunst, II, 1811, S. 52 ff.), H. Lambel, Heilbronn
1877, nebst dem •St. Florianer Steinbuch• aus dem 15. Jahrhundert.
•Heinrich von Mügeln über Steine• (um 1350), Lambel, Das Steinbuch,
S. 126-134.