•Kunrat von Megenberg• (ca. 1309-1374), ~Puch der natur~ (ca.

1350), ed. Fr. Pfeiffer, Stuttgart 1861. Neuhochdeutsch von H. Schulz,

Greifswald 1898. Der Verfasser, ein frei gesinnter Kleriker, stammte

aus dem östlich von Schweinfurt gelegenen Orte Mainberg (Meyenberg),

lehrte 8 Jahre hindurch in Paris, wirkte sodann nach seiner Rückkehr

nach Deutschland (1337-1341) in Wien als Vorsteher der Bürgerschule

bei St. Stephan und nahm endlich in Regensburg dauernden Aufenthalt

(als Pfarrer, später Kanonikus). Das Megenbergsche Buch der Natur

deckt sich inhaltlich mit dem Liber de naturis rerum des Thomas

von Cantimpré (vgl. S. 357), scheint aber nicht direkt nach dieser

Schrift, sondern nach einer lateinischen Ueberarbeitung derselben

(durch den Bischof Albert von Regensburg) hergestellt zu sein.

~Regimen sanitatis~ (veröffentlicht von K. Ehrle in Rohlfs Deutsch.

Archiv f. Gesch. d. Mediz. 4. Jahrgang 1881), das ist •„von der

ordnung der gesundheit”• gewidmet dem Grafen Rudolf von Hochenburg

[Vochenburg?] und seiner Gemahlin Margarethe geb. von Tierstein),

um 1400 (?). Inhalt: Diätetische Vorschriften über das Verhalten in

den Jahreszeiten und den einzelnen Monaten, Einfluß der Elemente

und Temperamente auf den Menschen, Qualität der verschiedenen

Speisen, Wasser- und Weintrinken, Diätetik des Schlafes, Laxierens,

Badens, Aderlassens (mit Aufzählung der Aderlaßvenen und ihrer

Vorzüge im Einzelfalle), Brechmittel, Klistiere, Lebensweise in

Pestzeiten, Anweisung, wie man Haupt, Hirn und Augen gesund halten

soll. In späterer Zeit wurde dem Regimen noch eine mit kurzen

prophylaktischen und therapeutischen Ratschlägen versehene Semiotik

(Harnschau, Pulsuntersuchung, Prüfung des Aderlaßblutes), Rezepte mit

Vorschriften zur Vertreibung des Fiebers mittels Diät und kühlenden

Sachen angehängt. Es handelt sich um eine Kompilation, der unbekannte

Verfasser beruft sich häufig auf Aristoteles, Hippokrates, Galen und

die Araber.

•Heinrich Louffenberg.• ~Versehung des Leibs.~ Diätetisches

Lehrgedicht vom Jahre 1429 (teilweise zum Abdruck gebracht und

besprochen von K. Baas in Zeitschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins XXXI

und Zeitschr. d. Gesellsch. f. Beförderung d. Geschichtskunde von

Freiburg, „Alemannia” 21). Kulturhistorisch sehr interessant sind

die 83 Holzschnitte in der Inkunabel (Augsburg 1491).

•Ortolff von Bayrland• (Arzt in Würzburg, spätestens in den ersten

Dezennien des 15. Jahrhunderts): ~Arzneibuch~ (Arzneipuch, Nürnberg

1477, Augsburg 1479, 1482, 1488, Mainz 1485-91, in niederdeutscher

Ubersetzung, Lübeck 1484 [Promptuarium medicinae]). Inhalt:

Die vier Elemente, Kennzeichen der Gesundheit[28], Regeln zur

Erhaltung der Gesundheit (Meidung Kranker wegen Ansteckungsgefahr),

Arzneigebrauch, Stuhlgang, Krankheitsanfälle, Säuglingspflege,

Harntraktat, Pulstraktat, spezielle Pathologie und Therapie der

inneren Affektionen a capite ad calcem, einige kurze chirurgische

Kapitel[29], diätetisches Verhalten in den einzelnen Monaten, die

Wirkung der einzelnen Speisen, über Stuhlzwang, Theriak, Fußbäder,

Magenfüllung, Atembeklemmung, Aloesalbe (der nun folgende Abschnitt,

pharmakologisch-botanische Abschnitt, von den Kräutern ist ein

späteres Anhängsel, welches aus dem Buch der Natur des Konrad von

Megenberg entnommen ist). Das Arzneibuch des Ortolff deckt sich mit

Ausnahme der speziellen Pathologie und Therapie und der speziellen

Speisediät stofflich vielfach mit der Schrift von der Ordnung der

Gesundheit (vgl. oben) und erweist sich als eine Kompilation aus

lateinischen Texten („darumb will ich Ortolff von Bayrlandt doctor

der ertzney ein artztpuch machen zedeutsch aus allen artztpüchern

die ich in latein ye vernam”). Besonders dienten auch das Pantegnum,

die Schriften des Platearius und die salernitanischen curae

egritudinum als Vorlage. Bei der Abfassung der Schrift schwebten

vornehmlich therapeutische Zwecke vor, die anatomisch-physiologischen

Beschreibungen der einzelnen Körperteile sind daher flüchtig

behandelt. Ob dem Ortolff das ~Büchlein, wie sich die Schwangeren,

Gebärenden und Wöchnerinnen halten sollen~[30] (Ulm ca. 1495),

tatsächlich zukommt (in der Ausgabe gilt er als Verfasser), ist

zweifelhaft; die in dieser populären Schrift gegebenen Anweisungen

sind recht zweckmäßig.

[28] Verhalten des Urins und Pulses, der Zustand in den verschiedenen

Tageszeiten, die Farbe des Gesichtes und die Beschaffenheit

der Träume kommt hierbei in Betracht.

[29] Beginnend mit den Krankheiten des Kopfes: Vallendes Siechthumb

(Epilepsie), von dem gehen Tode (Apoplexia), von der

Unsinne (Mania), Haubtschwindel, Fluß des Haubtes u. s. w.

In der Therapie überwiegen die vegetabilischen Drogen, die

Dreckapotheke ist reduziert. Chirurgische Eingriffe, meist nur

als ultima ratio, werden bei folgenden Affektionen empfohlen:

Siechthumb der Nase ═ Polypen, pöse Drüsen am Halse ═ Skrofeln,

Fleisch in der Keln ═ Schwellung der Mandeln, Theielplattern

═ Hämorrhoiden (Kauterisation), Pyß eines tobenden Hundes,

Verwundung des Haubtes (Entfernung der Knochensplitter),

Verwundung eines großen Darmes oder des Magens (Naht) u. s. w.

[30] wie sich die schwangern frawen halten süllen vor der gepurt,

in der gepurt vnd nach der gepurd.

•Bartholomaeus Metlinger• (um die Mitte des 15. Jahrhunderts), Arzt

in Augsburg, verfaßte ~Ein Regiment wie man junge kinder halten sol

von mutterleyb bis zu siben jaren, mit essen, trinken, paden und in

allen kranckheytten die in zu sten mügen~ (der Titel lautet in den

einzelnen Ausgaben verschieden, Augsburg 1473, 1474, 1476, 1497, 1500,

1511, 1531, in freier Uebertragung herausgegeben von L. Unger, Das

Kinderbuch des B. Metlinger, Leipzig und Wien 1904). Dieses wohl auf

handschriftlichen Vorlagen beruhende Büchlein, in welchem Hippokrates

(Aphorismen), Galen (de regimine sanit.), Rhases (Continens), Avicenna

(Kanon), Averroes (Colliget), Constantinus (Pantegni) und Avenzoar

zitiert werden, zerfällt in vier Kapitel, von denen die beiden ersten

die Diätetik und Pflege des Kindes, das dritte die Krankheiten der

Kinder, das vierte die Erziehung behandelt. Kap. I: Allgemeine

Lebensregeln für die Neugeborenen, bis sie Gehen und Sprechen

lernen, Mundreinigung, Salzen, Baden der Neugeborenen, Bestreuen

des Nabels mit austrocknendem Pulver, Nabelpflege, das tägliche

Bad bis zu einem halben Jahre mit seinen Kautelen, die Lagerung

des Schlafenden mit erhöhtem Kopf; über die Art des Aufhebens,

Streichens, Wickelns der Kinder, was man aus ihrem Weinen entnehmen

kann. Kap. II: Säugen, Wahl der Schenkamme, Entwöhnung, Probe der

Ammenmilch, Ammenernährung. Kap. III: Nach der Vorbemerkung, daß bei

einem kranken Säugling die Amme in die Kur genommen werden müsse,

werden folgende Krankheiten durchgesprochen: „Nerys” ═ Kopfausschlag,

„Wechselbalg” ═ Hydrocephalus, „Durstig” ═ Meningitis (?), „Wachen”

═ Schlaflosigkeit, „Vergicht” ═ Krämpfe, Lähmungen, Ohrenfluß,

Augenentzündungen, Schielen, Zahnen, Halsgeschwulst, Affektionen der

Mundschleimhaut, Brustkatarrh, Verdauungsbeschwerden, Gelbsucht,

Durchfall, Verstopfung, Mastdarmvorfall, Würmer und Leibschmerz,

Nabel- und andere Brüche, Harnsteine, Hautgeschwüre, Fieber, „Gesegnet

oder Ungenad” ═ Erysipel, „Durchschlechten und Blatern” ═ Masern und

Blattern. In der Therapie beruft sich Verf. gelegentlich auf eigene

Erfahrungen. Kap. IV: Anweisung, wie man die Kinder halten soll beim

Laufenlernen, über körperliche und moralische Erziehung bis zum 7.

Jahre (Essen, Trinken, Baden, Bewegung, Beginn des Unterrichts mit

6 Jahren); Weingenuß: Mädchen erst nach dem 12., Knaben nach dem 14

Jahre gestattet).

•Michael Puff aus Schrick• (ca. 1400-1473), Professor an der

Wiener Universität, verfaßte 1455 „Ain guts nützlichs büchlin von den

ausgeprennten Wassern” (von 1477-1601 dreißigmal gedruckt, besonders

oft in Augsburg), welches 1466 vom Autor einer Neubearbeitung

unterzogen wurde. Die Schrift handelt von der Verwendung der

destillierten Wässer (aus 80 Pflanzen) und des gebrannten Weines[31].

[31] Mitteldeutsche Traktate des Salernitaners „Meister

Bartholomaeus” über gebrannte Weine und Wässer liefen

handschriftlich umher (vgl. die Veröffentlichung von J. Haupt

in Sitzungsber. d. Akad. Wiss. Wien, Philos.-histor. Klasse

71. Bd., Wien 1872, p. 542 ff.). Möglicherweise ist daher

das Büchlein des Michael Puff nur eine Kompilation -- Ueber

die lateinischen Schriften des Michael Puff aus Schrick vgl.

L. Senfelder, Oeffentliche Gesundheitspflege und Heilkunde,

Separatabdr. aus Bd. II der Geschichte der Stadt Wien,

herausgeg. vom Altertumsvereine zu Wien 1904.

•Heinrich von Pfolspeundt.• ~Buch der Bündth-Ertznei~ (ed. H. Haeser

und A. Middeldorff, Berlin 1868), 1460 verfaßt. Die Schrift beginnt

mit einigen deontologischen Betrachtungen, die sich namentlich auf

die Nüchternheit, Reinlichkeit beziehen; wichtig ist der Rat, daß

der Wundarzt in schwierigen Fällen, denen er selbst nicht gewachsen

ist, den Kranken an andere erfahrene Meister verweise. Die Wunden

(bei deren Untersuchung die ~Sonde~ zur Anwendung gelangt) zerfallen

in frische und alte („faule”); erstere können in der Regel nur

auf dem Wege der Eiterung (Applikation von Terpentinöl, Rosenöl,

auf Werg oder Flachs gestrichener Wundpflaster, aus Honig, Mehl,

Butter und Bolus bestehend) zur Heilung gebracht werden, letztere

bedürfen scharfer, austrocknender und ätzender Mittel, von denen eine

Menge angeführt sind (z. B. Alaun, Grünspan, Aetzkalk). Obgleich

P. geringe Geneigtheit für die Anwendung der blutigen Naht bei

der Wundvereinigung im allgemeinen zeigt, so gibt er doch klare

Anweisungen zur Ausführung derselben, z. B. der Knopfnaht (mit einem

grünseidenen Faden, der 7 Tage lang liegen bleibt). Zur Stillung

von Blutungen dienten Tampons (aus Baumwolle), die mit styptischen

Mitteln (darunter z. B. Zunder, Schweine- und Eselskot) versehen

waren; von der Ligatur findet sich nicht einmal eine Andeutung. Als

akzidentelle Wundkrankheiten gelten das „wilde Fewer” (Erysipel)

und das „Gliedwasser” (wässerige Absonderung, Eiterung, Jauche

[?]). Wundtränke bilden natürlich ein unabweisbares Erfordernis. Am

ausführlichsten wird die Behandlung der penetrierenden Bauchwunden

(namentlich der durch Pfeile verursachten) geschildert. Hierbei ist

ausführlich die eventuelle Vornahme der Erweiterung der Wunde und

der blutigen Naht, namentlich aber die Reposition prolabierter Därme

besprochen; eine verletzte Darmschlinge soll durch Schnitt entfernt

und durch eine silberne Kanüle ersetzt werden; innerer Bluterguß

(wegen Gefahr der Gerinnung) ist stets durch entsprechende Lagerung

der Kranken zu beseitigen. Sehr eingehend sind die Vorschriften

über Pfeilextraktion, von Schußwunden ist dagegen nur an einer

einzigen Stelle, und zwar ganz nebensächlich, die Rede. Der Verband

bei Frakturen (nach vorgenommener Reposition) besteht aus einem

„Beinpflaster” und entsprechend angebrachten Holz-, Filz- und

Pappenschienen; bei komplizierten Frakturen muß die Bruchstelle

offen gehalten werden. Bei Fraktur des Oberschenkels kommt eine

hölzerne Beinlade wegen Gefahr der Verkürzung zur Anwendung, zur

Behebung von Verkrümmungen maschinelle Behandlung. Die Anweisungen

über die Reposition der Luxationen entbehren der anatomischen

Grundlage und beruhen bloß auf Empirie, die Therapie der Hernien

ist dürftig (Ruhelage, Reposition, diätetische Maßnahmen etc.), die

Radikaloperation wird nicht erwähnt. Außer den genannten Affektionen

werden mit kürzeren Bemerkungen noch Zahn- und Mundkrankheiten, Gicht,

Ruhr, Spulwürmer, Dysurie, Kondylome, Pestbubonen etc. berücksichtigt.

Die große Bedeutung der Schrift liegt hauptsächlich darin, daß sie

die erste Beschreibung der ängstlich als Zunftgeheimnis gehüteten

•Rhinoplastik• enthält, welche der Verfasser, wie er selbst angibt,

von einem ~Italiener~ gelernt und nur zwei Ordensbrüdern mitgeteilt

hatte. Diese Beschreibung, welche sich durch Ausführlichkeit

auszeichnet, lautet folgendermaßen:

Die kunst. Nim ein bergament ader ein leder, vnnd must das gleich

nach der nassen wunden machen, vnnd schneiden, sso weith vnd sso

langk, als die forige nassen gewest ist. vnd must das enwenig bigenn

oben vff der nassen, dor vmb das die nassen oben nicht breith werde.

dornach nim das selbige bergemen ader leder, vnnd lege das hinder

den elbogenn enweinig vff den arm, do er dicke ist, vnnd streich

dorvmb mith einer dinten oder sunst mith farb, als weit vnd langk das

selbige flecklein gewest ist: vnd nim ein guth scharff schnedemesser,

ader ein schermesser, vnd do mith streich adder schneidt durch die

hawt, vnnd nim des fleiss enweinigk mith. vnd schneidt nicht weiter,

wan du das mit der dinten ader farb gemergt hast. vnd hibb hinden

an zcw schnidden herfurbatz. vnnd wie du die mosse eben getroffen

hast mit dem schniden, szo schneid nach mir er furbas. das thustu

wol mith einem schnidt. vmb ein zcweren finger adder mehr. vnd lass

denn selbenn fleck, den du geschnitten hast, am arm hengenn, vnd

schnide den nicht abe. vnd hebe jm den arm vff das heupt, vnnd hefft

im den selben fleck gleich auff die nassen, jn massenn als sie vor

gewest ist. vnd dorvmb mustu den fleck dester lenger schneiden, das

du dester bas tzw der nassen kommen kanst. den du must jm den arm

vff das heupt binden, vnd hinder den elbogenn, vnnd must en alsso

mith bendernn bewaren, das im der arm dister steter ligen möge, vnde

dister weniger müde werde. mache derr binden von tochern dester meher.

den er muss sso langk gebunden ligen, biss das dy nasse mith fleck

gestosssenn sei. das werth tzw tzeitenn viii ader x tage. adder alsso

langk bistu sichst, das es gestossen sie vnd in der heill ist, szo

schnide den lappen ader flecke abe, doch nicht tzw kurtz, alsso das

er dennacht ein wenigk vor dy nasse gehe, szo hat dy nasse newr ein

loch. dornoch schneid den lappen adder den fleck in solcher lengk

vnd breite, das du en vnden widder hefftenn magst. alsso mustu die

hawth ein wenigk weg schneidenn, aber sunst roe fleiss aldo machen,

vnd den selbigen lappen vnden hintzw hefftenn, do er roe fleisch ist,

szo wirt die nassen ausssen widder zcwislicht, aber innen nicht.

szo heil sie denn mith dem wundtrangk vnd mith dem öl, vnnd mith

der rothen szalbenn. doch ee du in schnidest, szo lege im den arm

vfft vff das heupt hocher vnnd nidder, sso siehstu woll, wo du jnn

schneiden saldt. vnnd wan du en sso gantz gehefft hast, vnnd wilt jnn

heilenn, vnnd all die weil du inn heilest, sso richt öm die nassen,

vnnd binde im die, vnnd vorsorge ims alsso mith solchenn gebende, do

von sie schmal, hoch ader nider wirth, ist enn die nasse tzw breith,

szo binde jm kleine secklein tzw beidenn seiten neben vff die nasse,

doch mustu jm gebunden fedderkell mith flachs in die nasse stossenn,

vnd die forne in der nassen wol auss föllen, szo werden die nassen

locher nicht tzw enge, vnd bleiben gleich weith. her wirt aber müde

am ligenn, szo mustu jm tzw tzeitenn helfen am bette mith küssen

vnnd mith tochern. die mustu alsso binden vnd legen, das sie im tzw

holffe komen, vnnd rwe do durch gehabenn kan. vnnd muss tzw tzeiten

lehenne im bette, alsso das es hoch tzw heupten sei. tzw tzeitenn

sittzet er, zcw tzeiten gehet er vmb inn dem gemache, do er leith,

vnd wo von ader wie er jn besten rwen magk, tzwm sselbigen hilff im.

vnnd ist vorwar gerecht, gehe einer mith dem schneiden nwr recht

vmb vnnd mith vornunfft, vnnd schneid im den fleck lang gnug, szo

machstu disterbass mith im vmb gehen, vnnd rwet disterbass, vnnd

schadt im nicht vorwar. Ich rathe einem ittzlichenn gantz, wen er

der nasse nicht habbe. ~ein wall hath mich das gelernth~, der gar vil

leuten do mith geholffen hath, vnnd vill geldes do mith verdieneth.

Queme dir einer tzw, vnnd wir im die nasse abgehawen, vnd wer im

geheilet, szo schneid im die hawth wol vnnd weid gnug vff bis vff

das roe fleisch, vnnd mache das alsso das forder. dor nach heile das

aus alsso, es gehet antzweiffell tzw. es ist vfft bewerth. (In der

erwähnten Ausgabe S. 29 ff.) Bemerkenswert ist ferner die Schilderung

der ~Hasenschartenoperation~ und die Anweisung zur ~Anästhesierung~

(Schlafschwämme, die mit dem Saft von schwarzem Mohn, Bilsensamen,

Mandragorablättern, unreifen Maulbeeren, Schierlingswurzeln, Efeu,

Lactucasamen, Seidelbastkörnern getränkt sind).

b) ~Mittelniederdeutsch.~

•„Practica”• des •„Meisters Bartholomaeus”• von Salerno (Gotha,

Herzogl. Bibl. Ms. 980, Bl. 85^r-104^v), ed. von Felix Freih. v.

Oefele, „Angebliche Practica des Bartholomaeus von Salerno, Schüler

des Constantinus Salernitanus”, Neuenahr 1894.

•Die dudessche arstedie• (Gotha, Herzogl. Bibl. Ms. 980, Bl.

7_{r}-85_{r}). Vgl. über diese beiden Bestandteile des „Gothaer

Arzneibuchs” Regel (Gothaer Gymnasialprogramm 1872, 1873; Jahrb. d.

Ver. f. nd. Sprachf. Jahrg. 1878, 1879).

•Fragment eines mittelniederdeutschen Arzneibuches• (ca. 1300), H.

Fischer, Pfeiffers Germania, 1878, XXXIII, S. 52-56.

•Everhard von Wampen•, aus Pommern, verfaßte 1325 am schwedischen

Königshofe den ~Spegel der naturen~ (~Spiegel der Natur~), ein

Lehrgedicht, welches eine populäre Darstellung der Humoralpathologie

mit Berücksichtigung von Jahreszeit, Tierkreiszeichen, Planeten etc.

und darauf gebauter Diätetik enthält, veröffentlicht von Erik Björkman

in Upsala, Universitets Aarsskrift 1902.

•Van den eddele ghestenten.• C. Schröder, Jahrb. d. Ver. f. nd.

Sprachf. 1876, S. 57-75.

•Das [Utrechter] Mittelniederdeutsche Arzneibuch• (ca. 1400). J.

H. Gallee, Jahrb. d. Ver. f. nd. Sprachf. 1889, S. 105-149.

•Das große Wolffenbütteler mittel-niederdeutsche Arzneibuch•

(Wolfenbüttel, Herzogl. Bibl. Ms. Aug. 23, 3. -- 143 Bl. Perg. --

15. Jahrhundert), vgl. Regel (Jahrb. d. Ver. f. nd. Sprachf. 1878,

S. 5-26).

Mittelniederländisch.

•Jehan Yperman.• ~Chirurgie~ ed. M. C. Broeckx, La chirurgie de

maître J. Y., Anvers 1863 (Annales de l'Académie d'archéologie de

Belgique, t. XX). ~Traktat über Medizin~ ed. M. C. Broeckx, Traité

de méd. pratique de maître J. Y., Anvers 1867. Die mit anatomischen

Figuren (z. B. Schädelnähte) und Abbildungen von Instrumenten

versehene ~Chirurgie~ (welche ursprünglich lateinisch abgefaßt

war) beruht auf gründlicher Literaturkenntnis[32] und vielen

selbständigen Erfahrungen, welche den Verfasser als geschickten

und kühnen Operateur zeigen. Das Werk beginnt mit einer frommen

Einleitung, der Definition der Chirurgie und einer Anatomie des

Kopfes nebst zugehörigen physiologisch-pathologischen Bemerkungen,

sodann folgt eine chirurgische Hodegetik resp. Deontologie, worin

außer den entsprechenden körperlichen und moralischen Eigenschaften,

die Kenntnis der Grammatik, Logik, Rhetorik und Ethik verlangt

wird. Aus dem weiteren Inhalt, der die Lehre von den Wunden im

allgemeinen und von der Blutstillung, sodann die chirurgischen

Affektionen in der Anordnung a capite a calcem behandelt (von den

letzten Kapiteln, Krankheiten der unteren Extremitäten, ist nur der

Anfang erhalten), wäre folgendes hervorzuheben. Die Wunden werden

(in geeigneten Fällen) mit gerader Nadel und einem gewichsten

Faden genäht, zur Beförderung des Eiterabflusses dient eine Wieke.

Yperman unterscheidet arterielle und venöse Blutungen, bei größeren

Blutungen kommen Styptika, die ~Kompression~, das ~Cauterium~, die

~Unterbindung und Umstechung~ (vielleicht auch die Torsion) ~der

Gefäße~ zur Anwendung. Unter den Schädelverletzungen (ausführliche

Schilderung der ~Trepanation~) werden auch die Quetschungen des

Schädeldaches ohne äußere Wunden beschrieben. Bei der Operation der

Hasenscharte findet eine Anfrischung und eine Vereinigung mittelst

der Knopfnaht und der umschlungenen Naht statt. Halb abgehauene

Ohren werden mittelst Naht wieder befestigt. Eingehend sind die

Verletzungen durch Geschosse (Pfeile) geschildert, resp. die Methode

der Ausziehung; den Verletzten wurde auch ein besonderer Wundtrank

gereicht. Balggeschwülste sind nach Freilegung zu exstirpieren oder

mit einem stumpfen Haken herauszubefördern. Von Nasenkrankheiten

werden Polypen, Nasenbluten, Ozäna, von den Krankheiten der

Mundhöhle ranula, cancer, ulcera der Zunge, Mundfäule, Fissuren der

Lippenschleimhaut, von Ohrleiden Fremdkörper, Ohreiterungen, Ohrwürmer

besprochen. Reichhaltig ist der Abschnitt über die Verletzungen,

Schußwunden, Abszesse, Drüsenschwellungen der Halsregion. Hierbei

wird ein Fall erzählt, wo die Ernährung durch eine, tief in den

Mund gesteckte silberne Röhre stattfand. Bezüglich der Heilung der

Kröpfe und Skrofeln durch Königshand heißt es, daß die Skrofeln, wo

sie heilbar sind, auch ohne diese Maßnahme heilen „ende vnderwilen

ghenesen si niet”. Ausführlich werden die Hautleiden (Scabies, Warzen,

Pocken und „maselen”, worunter außer den Morbillen noch eine ganze

Reihe anderer Exantheme zusammengefaßt sind, Lepra ═ laserscap mit

ihren verschiedenen Spezies) besprochen; unter den ~Kennzeichen

des Aussatzes~ ist auch die Anästhesie der Haut, das Nichthaften

von Wasser auf der Haut und die Blutprobe (drei Körner Salz, auf

das Aderlaßblut gelegt, „schmelzen” bei Leprösen) erwähnt, die

„Laserie” entstehe oft als „infexcie” durch häufigen Sexualverkehr

mit Frauen, welche an der Krankheit leiden. Nach den Abschnitten

über vergiftete Wunden, Bubonen, Fisteln, Erysipel, Abszesse,

Verbrennungen folgt die Darstellung der Eingeweideverletzungen und

Hernien. Behufs Reposition prolabierter Bauchorgane soll die Wunde

erweitert werden, die Heilung der Hernien sei durch sechs Wochen lang

fortgesetzte Rückenlage, besondere Diät, Pflaster etc. zu versuchen.

Unter den Affektionen des Penis ist die Rede von guten und brandigen

Geschwüren etc., wobei in der Therapie Pulver, Einspritzungen,

Kauterisationen etc. eine wichtige Rolle spielen. Nabelbrüche sollen

durch Umstechung radikal geheilt werden. Bei den Hämorrhoiden wird

von chirurgischen Maßnahmen nichts angeführt; in der Therapie der

Mastdarmfisteln kommen Salben oder das Abbinden zur Anwendung, Vorfall

des Mastdarmes sei mit adstringierenden Mitteln zu behandeln. -- Der

~Traktat über innere Medizin~ stellt ein mehr für Anfänger bestimmtes

Kompendium dar (es liegt nur unvollständig vor) und berücksichtigt

vorzugsweise die therapeutische Seite (Aderlaß, Purganzen, Bäder,

Räucherungen, Einreibungen, Umschläge etc.); auch in diesem Werk

bewährt sich Yperman als ein Arzt von selbständigem Urteil und reicher

Eigenerfahrung[33].

[32] Zitiert sind 25 Autoren, darunter am häufigsten von den antiken

Galen, von den arabischen Avicenna, von den abendländischen

Lanfranchi. An letzteren, der sein Lehrer war, schließt sich Y.

am meisten an. Außer den bekannten kommen unter den zitierten

Autoren auch eine Anzahl von Namen zum ersten Male vor, z. B.

Wilhelm von Congeinna oder „Anceél van Geneven”, welcher im

Gegensatz zu allen übrigen Chirurgen bei Verwundeten ~kräftige~

Diät empfahl, Wilhelm van Medicke, der eine Quecksilbersalbe

angab u. s. w.

[33] Unter den Heilmitteln der Wassersucht nach Wechselfieber empfahl

er den Bodensatz in den Eimern der Schmiede, bei Strangurie

Injektionen von Milch und Narkotika.

Einen anonymen Traktat, der über Harnschau, Aderlaß und über den

Gebrauch von Medikamenten handelt, gab kürzlich Geyl mit französischer

Uebersetzung heraus, Un traité de médecine du XV. siècle. Janus XIV,

1909, p. 354 ff.

Mittelenglisch[34].

[34] Bezüglich der S. 274 erwähnten angelsächsischen Literatur

wären nachzutragen, die Neueditionen des Leech Book of Bald

von Günther Leonhardi in der Bibliothek der angelsächsischen

Prosa VI. Bd., Hamburg 1905, p. 1-91, des anderen Leech Book

von demselben Herausgeber ibid. VI. Bd., 1905, p. 91-109, der

angelsächs. Rezeptsammlung Lacnunga, ibid. IV. Bd., 1905, p.

121-155.

•Ein mittelenglisches Medizinbuch•, ed. Fritz Heinrich, Halle 1896.

•Mittelenglische Rezepte des 14. Jahrhunderts• (ca. 1400), ed. G.

Henslow, Medical works of the fourteenth Century, London 1899.

•„Heilkräuterlehre”•. Archaeologia, Vol. XXX, Lond. 1844, p.

364-395.

•„Gereimte Heilkunde”•. Archaeologia, Vol. XXX, Lond. 1844, p.

349-363.

Geschichte der Medizin. II. Band, Erster Teil · 第 74 / 76 段