•(Raymundus Chalmellus) R. Chalin de Vinario•, „Medicus de

Montpellier”, päpstlicher Leibarzt in Avignon, hinterließ eine für

die Geschichte des schwarzen Todes sehr wichtige Schrift über die

Pest (~De peste libri III~, ~opera Jacobi Daleschampi~, Lugd. 1552),

mit besonderer Beziehung auf das Jahr 1382. Bemerkenswert ist darin

namentlich die Stelle, wo er von der Ausbreitung der Seuche sagt: ex

neutra causa nec aliunde quam ~contagione~ malo transeunte. In der

Behandlung bevorzugte er die Cardiaca und Alexipharmaca, während er

den Aderlaß nur ausnahmsweise bei Vollblütigen billigte; die Bubonen

suchte er durch örtliche Blutentziehungen (Schröpfköpfe) und durch

Umschläge zu zeitigen und zum Aufbruch zu bringen.

•Johannes de Tornamira• (~Jean de Touremire~) wurde 1329 in

Pouzols bei Albi geboren, studierte in Montpellier und übte teils

in Montpellier, teils in Avignon (als Leibarzt der Päpste Gregor

XI. und Clemens VII.) die Praxis aus. In Montpellier, wo er die

Kanzlerwürde bekleidete, hatte er den berühmten Valescus von Taranta

zu seinem Schüler. Joh. de Tornamira gehörte zu den gelehrtesten

und geschicktesten Aerzten seiner Zeit. Gedruckt sind von seinen

Schriften: ~Clarificatorium juvenum super nono Almansoris cum

textu ipsius Rasis~ (Lugd. 1490, 1501, Venet. 1507, 1521), eines

der verbreitetsten Kompendien während des 14. u. 15. Jahrhunderts,

namentlich als Elementarbuch für Anfänger, ~Introductorium ad

practicam medicinae~ (gedr. mit dem Philonium des Valescus von

Taranta), ~Tractatus de febribus~ (Lugd. 1501). Die handschriftlich

erhaltene Krankengeschichte seiner Tochter, welche an einem Neoplasma

der Mamma litt und abortiert hatte, veröffentlichte in wörtlicher

Uebersetzung Pansier (in Jean de Touremire, Etude bio-bibliographique,

Avignon 1904).

•Johannes Jacobus•, um 1364-1384, Zeitgenosse des Joh. de

Tornamira, vorübergehend Kanzler von Montpellier, päpstlicher und

königlicher Leibarzt (wahrscheinlich in partibus). Seine Schriften

schließen sich an Gilbert, Gordon etc. inhaltlich an, zeichnen sich

aber durch eine knappe, vom Scholastizismus freiere Darstellung

aus. Rühmenswerterweise verwendet er weit weniger abergläubische

und Dreckmittel als seine Vorgänger und Zeitgenossen. Aus den

Handschriften ist bisher bloß ein, Ende des 14. Jahrhunderts verfaßter

Steintraktat herausgegeben worden (ed. Er. Wickersheimer, Arch.

f. Gesch. der Medizin III, 1. Heft, 1909). Hauptwerk: Secretarius

practicus med. s. Thesaurarium med. aus Galen, Rhazes, Avicenna u.

a. kompiliert.

Paris.

•Petrus de Sancto Floro• (Saint Flour) veranstaltete eine bedeutend

erweiterte Neubearbeitung der Concordanciae des Joh. de St. Amando

colliget florum medicinae compilatus (vgl. Pagel, Neue literarische

Beiträge zur mittelalterlichen Medizin, Berlin 1896).

Tituli secretorum et consiliorum ~Carnificis~ et ~Danszon~ ...

collecta per quemdam magistrum de Alemania in Francia Parisius,

etc. (ed. E. Wickersheimer, Les secrets et les conseils de maître

•Guillaume Boucher• et de ses confrères, Contribution à l'histoire de

la Médecine à Paris vers 1400). Die 111 referierten Krankheitsfälle

enthalten ein recht interessantes Material, welches die konsultative

Tätigkeit hervorragender Mitglieder der Pariser Fakultät beleuchtet.

Mit Ausnahme dreier Notfälle handelt es sich um Patienten, die in

der Behausung eines dieser maîtres régents untersucht wurden.

* * * * *

•Johannes cum Barba• (de Burgundia, ~Jean à la Barbe~), etwa

1330-1370 in ~Lüttich~, verfaßte mehrere (auch französisch übersetzte,

handschriftlich noch erhaltene) Pestschriften, von denen eine von

G. Guttmann (Die Pestschrift des Jean à la Barbe, Berlin 1903)

herausgegeben und ins Deutsche übertragen wurde.

England.

~Johannes Anglicus~ (•John of Gaddesden•, um 1280-1361), Mitglied

des Merton College in Oxford, Präbendarius von St. Paul in London,

angeblich der erste Engländer, welcher als Leibarzt am englischen

Hofe angestellt wurde, verfaßte zwischen 1305 und 1317 eine Practica

medicinae a capite ad pedes, gewöhnlich ~Rosa Anglica~ genannt (Pap.

1492, Venet. 1502, 1506, 1516, Neap. 1508, Aug. Vindel. 1595). Dieses

Werk stellt eine Nachahmung des Lilium medicinae des Gordon (vgl.

S. 403) dar, entbehrt aber der logischen Anordnung. Es enthält wohl

manche dem Verfasser eigentümliche Beobachtungen, erweist sich aber

zum größten Teile als Kompilation und strotzt in einem, selbst für

dieses Zeitalter hohen Grade von scholastischer Subtilität, von

Mystizismus aller Art und auch bewußter Scharlatanerie[17]. So will er

z. B. einen Mann, der 25 Jahre blind war, mit einem weinigen Aufguß

von Fenchel und Petersilie geheilt haben. -- An einer Stelle sagt er

von seinen Arkanen: quae sunt de summis meis secretis, quod si scirent

hoc homines vulgares, vilipenderent artem et medicos contemnerent. Den

Aerzten rät er, allzeit vor Beginn der Kur das Honorar auszumachen.

Einen Sohn Eduards II. behandelte er wegen Pocken mit gutem Erfolge

und ohne Hinterlassung von Spuren dadurch, daß er den Patienten in

ein rotes Tuch einhüllen und alles um das Bett herum rot ausschlagen

ließ (vgl. oben S. 369, Anm.).

[17] Von Guy de Chauliac als „una fatua Rosa Anglicana”

charakterisiert.

•Johannes• (~John~) •Mirfeld• (zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts),

absolvierte in Oxford die medizinischen Studien, trat sodann

in das Kloster des St. Bartholomäus in London ein und wirkte an

dem damit verbundenen Hospital; er hinterließ theologische und

medizinische Schriften. Zu den letzteren gehören ein Glossar

~Synonyma Bartholomaei~ (ed. J. L. G. Mowat in Anecdot. Oxoniensia

Mediaeval series I, 1882), welches aus ungefähr 750 Artikeln besteht

und sich auf die Alphita (vgl. S 366) stützt, und das ~Breviarium

Bartholomaei~; dieses behandelt in 15 Abschnitten die Fieber, die

Affektionen des ganzen Körpers, die Krankheiten des Kopfes und Halses,

der Brust, des Abdomen, der Beckenorgane, der Extremitäten, die Lehre

von den Geschwüren, Wunden und Quetschungen, Frakturen und Luxationen,

die Krankheiten der Gelenke, die Materia medica, speziell noch die

Abführmittel, schließlich die Gesundheitspflege.

Das Breviarium stellt zum größten Teile eine Kompilation dar,

wobei außer antiken und arabischen Autoren Macer Floridus, die

Salernitaner (Constantinus, Platearius, Nicolaus Praepositus, das

Regimen Salernitanum), die Chirurgen Roger, Lanfranchi, ferner Arnold

von Villanova und namentlich Gordon, Gilbert Anglicus, Gaddesden

in Betracht kommen; manchmal kommt auch die eigene Beobachtung des

Verfassers zur Geltung. Die Therapie ist teils eine rationelle,

teils eine mystische (zahlreiche, oft an Marcellus Empiricus

erinnernde Beschwörungsformeln). Außer den genannten medizinischen

Schriften existiert handschriftlich noch ein ganz kurzer Traktat über

Prognostik: ~Speculum~. In einer theologischen Schrift Mirfelds, dem

Florarium, handelt ein Kapitel über die Aerzte und ihre Medizinen

vom deontologischen Standpunkte.

Chirurgie.

•John Arderne• (Ardern, Arden). Seine mit Abbildungen von

Instrumenten versehenen Schriften, welche sich vorwiegend, aber

nicht ausschließlich, auf die Chirurgie beziehen und neben guter

Literaturkenntnis reiche eigene Erfahrung verraten, existieren

zum größten Teile nur im Manuskript. Auch Uebersetzungen ins

Altenglische sind handschriftlich vorhanden. Gegenüber vielen anderen

mittelalterlichen Literaturprodukten fallen die Schriften Ardernes

durch die ~Reichhaltigkeit an Krankengeschichten~ und die zumeist

~rationellen~ und relativ einfachen Behandlungsmethoden auf. Bei Darm-

und Nierensteinkolik verwendete er mit Erfolg Klistiere, wobei eine

mit Seewasser gegerbte Tierblase als Reservoir diente; andere Spritzen

gebrauchte er bei Blasen- und Tripperkranken (vgl. Becket, Philosoph.

Transact. 1718, wo einiges aus einer Abhandlung über den Tripper

mitgeteilt ist). Jeder Mensch, meinte er, sollte mindestens 2-3mal

jährlich ein Klysma nehmen. Gedruckt wurde nur die Abhandlung ~über

die Fisteln~ (als Anhang zu dem Werke: Franciscus Arcaeus on wounds

translated by John Read, London 1588), in englischer Uebersetzung,

Arderne, John: Treatises of Fistula in Ano, Haemorrhoids, and

Clysters, from an early fifteenth-century Manuscript Translation,

edited ... by D'Arcy Power, Early English Text Society, Original

Series, 139, London und Oxford 1910. Diese Schrift handelt über

die Fisteln im allgemeinen, namentlich aber über die Entstehung und

Behandlung der ~Mastdarmfisteln~ -- ein Spezialgebiet, dem Arderne

seine Aufmerksamkeit in besonderem Grade zuwandte. A. nennt eine

große Menge von Personen zum Teil sehr vornehmen Standes, welche

er von der Mastdarmfistel geheilt hat, und behauptet, noch niemals,

weder in England noch im Auslande, von jemand gehört zu haben, der

wirklich imstande sei, das Leiden heilen zu können. Als erforderliche

Instrumente für die Operation der Mastdarmfistel werden beschrieben

und abgebildet: eine lange dünne metallene Sonde zur Untersuchung,

genannt Sequere me, eine breite silberne Nadel mit gebogener Spitze

„acus rostrata” und das „tendiculum” aus Holz, welches dazu diente,

den Unterbindungsfaden („frenum cesaris”) allmählich fester zu

schnüren. Bei sehr hoch hinaufreichenden Fisteln oder messerscheuen

Patienten kam statt des Schnittes die Ligatur zur Anwendung.

Deutschland.

•Thomas• ~Bischof~ •von Sarepta• (1297 bis nach 1378). Thomas

übte bis zu seiner 1352 erfolgten Ernennung zum Bischof unter dem

Klosternamen ~Petrus~ ~physicus~ in Breslau und in aliis mundi

partibus ärztliche Praxis aus und verfaßte außer Schriften über

Aderlaß und Harnschau ein (1360 begonnenes) ~Collectorium~ (nach den

Anfangsworten auch „Michi competit” genannt), von welchem bisher ein

Bruchstück (im Janus 1896 von Pagel) veröffentlicht wurde. Thomas

war ein entschiedener Gegner der Alchemie und Uroskopie.

Prag.

•Magister Gallus•, lehrte vielleicht um 1350-1360 Astronomie und

Medizin an der Universität und dürfte Leibarzt Karls IV. gewesen

sein. An diesen richtete er sein ~Regimen sanitatis~ (ed. Fr. Muller

unter dem Titel Vitae vivendae ratio in grat. Carol. IV a mag. Gallo

medico et mathem. conser., Prag 1819); dasselbe enthält Vorschriften

über die Qualität und Quantität der Speisen und Getränke, über die

Tagesordnung und den Schlaf. Außerdem verfaßte er einen kurzen Traktat

über die Harnsemiotik (mit Harnfarbentafel), der im 15. Jahrhundert

im Druck erschienen sein soll, eine Pestschrift u. a.

•Mag. Sulko (Meister Sulken)• ~von Hosstka~, artium et medicinae

Doctor, Zögling der Prager Hochschule, der er 1413 als Rektor

vorstand. Zwei seiner bisher publizierten Consilia („Regimen

in febribus”, und ein deutsches „Regimen et cura colicae”, ed

Sudhoff in Arch. f. Gesch. d. Med. II, 1908) verraten eine gewisse

Selbständigkeit und Vorliebe für diätetische Behandlung.

•Sigismundus Albicus• aus Unczov (Mährisch-Neustadt), geboren 1347,

studierte in Prag 1378-1382 und wirkte ca. 30 Jahre als Lehrer der

Medizin an dieser Hochschule (vorübergehend hielt er sich auch in

Italien auf, wo er in Padua als Doktor beider Rechte promovierte).

Er erwarb durch seine ärztliche Geschicklichkeit großen Ruf und wurde

1394 (oder noch früher) Leibarzt des Königs Wenzel, der ihn mit Gnaden

überhäufte und bis zu seinem Lebensende seinen Rat in Anspruch nahm.

Im Jahre 1411, nachdem er kurz vorher die niederen Weihen empfangen

hatte, wurde er zum Erzbischof von Prag ernannt, legte aber diese

Würde schon nach einigen Wochen nieder, um die Propstei am Wyšehard zu

übernehmen. Während der Hussitenwirren floh er zunächst nach Olmütz,

später nach Ungarn (an das Hoflager des Königs Sigismund?), wo er 1427

starb. Albicus scheint ein trefflicher Lehrer gewesen zu sein, wie

man nach seinen Schriften vermuten darf, die sich durch praktische

Tendenz, kernige Sprache und Nüchternheit der Auffassung auszeichnen;

nirgends läßt er selbständiges Urteil bei aller Anerkennung der

Autoritäten, namentlich des ~Arnaldus de Villanova~[18], vermissen.

Der Alchemie sprach er wohl Bedeutung für die Metallurgie zu, hingegen

verwarf er sie vom Standpunkt der Medizin, indem er meinte, daß

durch das Sublimationsverfahren die ursprünglichen Eigenschaften

der Arzneistoffe zerstört würden; die Astrologie bekämpfte er zwar

nicht so entschieden, er widmet ihr sogar ein eigenes Kapitel, doch

wie viel er von ihr hielt, geht daraus hervor, daß er bezüglich der

Zeit, wann der Aderlaß anzuwenden sei, den radikalen Ausspruch tat:

Sed necessitat frangit legem, womit eigentlich das ganze Gebäude

der medizinischen Astrologie untergraben wird. Außer einem ~Regimen

tempore pestilentiae~ (Lips. 1484-1487) und einem ~Medicinale~

(Lips. 1483), worin ohne Ordnung verschiedene Fragen der Pathologie

(Paralyse, Pest, Rheuma, Kinder-, Frauenkrankheiten, Augenkrankheiten

etc.), Diätetik und Therapie behandelt werden, verfaßte er den für

König Wenzel bestimmten ~Tractatus de regimine hominis~ -- später

~Vetularius~ genannt, eine Art Makrobiotik (Lips. 1484), eine Schrift,

die sich von vielen anderen aus dieser Zeit durch Rationalität der

Ratschläge, Geistesfreiheit und heiteren Lebenssinn vorteilhaft

unterscheidet. Albicus empfiehlt mit Rücksicht auf die verschiedene

Körperbeschaffenheit und Beschäftigung in der Diät sorgfältigst zu

individualisieren und erklärt Bewegung, Arbeit, Mäßigkeit in Speise,

Trank und Geschlechtsgenuß, diätetisches Regime und last not least

~heiteren Lebenssinn~ als wichtigste Schutzmittel der Gesundheit[19].

O gaudium, o solatium, motus et labor -- interpone tuis interdum

gaudia curis. -- Ecce vulva muliebris est spoliatrix totius vitae

humanae. -- Anderseits: Non est potus nisi vinum, non est cibus

nisi caro, non est gaudium nisi mulier. Sehr eifrig verbietet er den

Mittagschlaf und das Schlafen auf dem Rücken, das Faulenzen, langes

Sitzen, übermäßige Mahlzeiten, viel Essen vor dem Schlafengehen,

frühen und allzu häufigen Koitus, auch wirken nach seiner Meinung

Sorge, Trauer, Furcht, Neid, Ueppigkeit, lebhafte Einbildung, tiefes

Denken, Fasten, schwere Arbeit, anhaltendes Studium und Schreiben

schädigend. Merkwürdigerweise ist Albicus ein Feind des häufigen

Bädergebrauches, namentlich in öffentlichen Badehäusern: er habe

nirgends in den ärztlichen Schriften gefunden, daß Bäder in bestimmten

Krankheiten von Nutzen seien, sie verkürzen vielmehr das Leben und

trocknen die Säfte durch Schweiße aus, weshalb auch die Italiener,

Lombarden, Engländer Bäder nur selten gebrauchen. Bäder seien mehr

für Schuster, Riemer, Schlosser und ähnliche Gewerbsleute, welche

die Haut sehr verunreinigen, für höhere Stände eigneten sich nur

Reinigungsbäder, selten gebraucht, in der Wanne, mit einigen Zusätzen.

Von Lebensperioden unterscheidet er nicht, wie es damals allgemein

üblich war, sieben, sondern vier, entsprechend den Jahreszeiten;

aus seiner treffenden Charakteristik derselben sei diejenige des

Greisenalters hervorgehoben: Senectus et senium sunt multum tristes

et iracundae et rigidae aetates, quia tunc homo canescit, infirmatur

et de die in diem deficit et vires in eo frigescunt et licet interdum

jocundantur sicut asinus in majo attamen jocunditas illa cito

evanescit etc. In Kürze und doch treffendster Weise werden Ratschläge

für die Wahl des Arztes erteilt, welcher heiteren Sinnes sein soll und

sich namentlich auf das Individualisieren verstehen müsse (das rechte

Auge habe er für die Kräfte des Kranken, das linke für die Krankheit).

Eine Reihe von Kapiteln behandelt die Prophylaxe und Therapie

einzelner Krankheiten, z. B. der „maledicta” paralysis, des Rheuma

(welches die Quelle der mannigfachsten Affektionen in den Augen und

Ohren, in der Brust, im Bauch und in den Gliedern sei), der Pest und

anderer kontagiöser Leiden (febris acuta, phthisis, scabies, pedicon ═

morbus caducus, ignis sacer, anthrax, lippa, frenesis, lepra). Unter

den Präservativmitteln gegen die Pest empfiehlt Albicus z. B. das

sal sacerdotale zu gebrauchen, auch rät er dringend die infizierten

Orte zu fliehen, doch die Furcht beiseite zu stellen, denn „timor de

peste et imaginatio et loquela facit hominem pestilentem”. -- Die an

König Sigismund gerichtete Schrift ~Regimen contra reumata~ (Schrutz,

Časopis čes. lékařův, 1909), in welcher „reuma” als Quelle der meisten

Krankheiten angesprochen wird, enthält nebst verschiedenen Rezepten

für innerlich oder äußerlich anzuwendende Medikamente ebenfalls eine

rationelle Diätetik, insbesondere auch für Gichtleidende.

[18] Dieser ist ihm der „peritissimus medicorum”.

[19] ~moveri, laborare, jocundari, abstinentia summa medicinae~ --

cavendo a cavendis et bona diaeta praeservant homines a morbis.

Wien.

•Galeazzo de St. Sophia• dürfte 1398 von Padua nach Wien berufen

worden sein (in den Fakultätsakten von 1399-1405 nachweisbar), wo

er als einer der bedeutendsten Lehrer, Schriftsteller (sein Werk de

simplicibus entstand auf Wiener Boden) und als Leibarzt der Herzöge

Albrecht IV. und V. von Oesterreich wirkte.

Schriftsteller des 15. Jahrhunderts.

Italien.

•Hugo Senensis•, H. de Sena (~Ugo Benzi~, Benzo, Bencius,

Bentius, † zu Ferrara wahrscheinlich um 1439) aus Siena, lehrte

in Pavia, Piacenza, Florenz, Bologna, Parma, ~Padua~, Perugia und

machte sich bei den Zeitgenossen einen großen Namen als Philosoph

sowohl wie als Arzt. Außer ~Kommentaren zu Hippokrates, Galen und

Avicenna~ (In primum canonis Avicennae fen primam, Venet. 1523,

Super quarta fen primi Avicennae expositio, Venet. 1485, 1517 u.

ö., Super aphorismos Hipp. et super comment. Galeni, Ferrar. 1493,

Venet. 1498 u. ö., In tres libros microtechni Galeni expositio,

Venet. 1498, 1523) hinterließ er ~Consilia~ (Perutilia consilia

ad diversas egritudines, Bonon. 1482, Venet. 1518, 1523), welche

durch ihre kasuistischen Mitteilungen (z. B. periodischen Wahnsinn,

Spermatorrhöe, Magenschwindel, Nasenrachenpolyp, Tränenfistel,

Epilepsie) von Interesse sind. Opera omnia, Venet. 1518.

•Antonius Cermisonius• (A. Cermisone, Cermesone) aus Padua,

Professor in Pavia und in seiner Vaterstadt († 1441), verfaßte

~Consilia medica~ contra omnes fere aegritudines a capite usque

ad pedes (Venet. 1496 u. ö., zumeist z. B. in der Ausgabe Venet.

1514, mit einer Schrift des ~Franc. Caballus~ über den Theriak, den

Consilien des Montagnana angehängt). In den „Consilia” überwiegen die

Rezeptformeln, doch finden sich auch manche gute Beobachtungen und

zweckmäßige therapeutische Vorschläge darin, z. B. Fuß- und Handbäder

als ableitende Mittel; Bäder, Vesikatore, Brechmittel, Terpentin

gegen Ischias.

•Antonius Gainerius• (~Antonio Guainerio~, † um 1445), eine

Zeitlang Professor in Pavia und Chieri, Leibarzt mehrerer Fürsten

(Ludwig von Savoyen, Amadeus VIII., Filippo Visconti), verfaßte unter

anderem einen Kommentar zum 9. Buche des Rhazes (In nonum Almensoris

commentaria etc., Venet. 1497, 1498) und eine ~Practica~ (Papiae

1481 u. ö., Venet. 1508), auch unter dem Titel ~Opus praeclarum

ad praxim non mediocriter necessarium~ (Lugd. 1534), welche aus

12 Abschnitten besteht: de egritudinibus capitis, de pleuresi, de

passionibus stomachi, de fluxibus, de egritudinibus matricis, de

egritudinibus juncturarum, de calculosa passione (Erwähnung der

~Bougie~ cap. 15 foramini virgae candelam subtilem ceream vel virgulam

stanneam aut argenteam immitte), ~de peste~, ~de venenis~, ~de

febribus~, de balneis, Antidotarium. Aus dem Inhalt sind besonders

jene Mitteilungen, die sich auf die Pathologie des Nervensystems

(z. B. Aphasie, Epilepsie, Manie) und auf die Gynäkologie beziehen,

bemerkenswert. Wenn Guaineri abergläubische Prozeduren als Hilfsmittel

bei der Geburt aufzählt, so scheint er mehr der Zeitrichtung als

eigener Ueberzeugung Rechnung zu tragen.

•Johannes Michael• (~Giovanni Michele~) •Savonarola•[20],

wahrscheinlich 1390 bis 1462, Professor in Padua, später in Ferrara,

Physicus ordinis equestris hyerosolomitanus (Johanniter-Ritterorden),

verfaßte außer den Schriften ~Practica canonica de febribus~ etc.

(Venet. 1498 u. ö., Lugd. 1560), ~de arte conficiendi aquam vitae

simplicem et compositam~ (Hagenov. 1532, Basil. 1597), ~in medicinam

practicam introductio~ (Argent. 1553), ~de balneis omnibus Italiae

sicque orbis~ (Venet. 1592), ~de pulsibus, urinis et egestionibus~

(Venet. 1497, 1552) u. a. nach dem Muster von Avicennas Kanon eine,

das Gesamtgebiet der Medizin betreffende ~Practica de aegritudinibus

a capite ad pedes~ (Papiae 1486, Venet. 1497, 1498, 1502, 1518,

1547, 1559, 1561). Das Werk zerfällt in sechs Traktate. ~Traktat~ I

handelt über das Verhalten des Arztes am Krankenbette, die Erhebung

der Anamnese und die Krankenuntersuchung (Inspektion des ganzen

Körpers, des Harns, Blutes, Schleims, des Stuhles, des Erbrochenen

u. s. w., Prüfung der Körperfunktionen), worauf dann die Zeichen der

wichtigsten Symptomenkomplexe (Zeichen des hitzigen Symptomenkomplexes

der Cholera rubea, der Verstopfung, der Tympanitis, der Anschoppung,

der Verstopfung in den Gefäßen, der feuchten und hitzigen, der warmen

und trockenen, der kalten und feuchten, der kalten und trockenen

Komplexion), die Fieberarten, die Diätetik und medikamentöse Therapie

(mit Rücksicht auf die Zeit der Verabreichung, Dosis, Indikation,

Kontraindikation), endlich die Prognostik und ärztliche Politik

erörtert werden. ~Traktat~ II handelt über die sex res non naturales.

~Traktat~ III handelt über die Krankenküche. ~Traktat~ IV betrifft

die Pharmakodynamik. ~Traktat~ V zählt die Arzneimittel aus den

drei Reichen und die Arzneiformen auf. ~Traktat~ VI enthält in 22

Abschnitten die spezielle Pathologie und Therapie. Jeder Abschnitt

wird mit einer anatomisch-physiologischen Einleitung eröffnet, darauf

folgt die Aetiologie, Symptomatologie, die Indikationsstellung, die

Therapie, den Beschluß machen verschiedene Streitfragen „Dubia”

und einschlägige hippokratische Aphorismen. Neben der inneren

Medizin ist auch die Chirurgie berücksichtigt (Erwähnung eines

Spiegels zur Erweiterung der Nase bei operativen Eingriffen,

der direkten Laryngoskopie [Sichtbarwerden der geschwollenen

Epiglottis nach starkem Hinunterdrücken der Zunge], Beschreibung

eines Instrumentes nach Art des Syringotoms, mechanische Behandlung

der Wirbelsäulenverkrümmung u. a.), desgleichen die Geburtshilfe;

hinsichtlich letzterer ist hervorzuheben, daß unter den Ursachen

der schweren Geburt auch der ~schmalen Hüften~ (mulieres, quae non

sint in suis anchis bene amplae) gedacht und der Hebamme empfohlen

wird, sich nach dem Verlauf etwa früher stattgehabter Geburten zu

erkundigen. Außer einer Schwangerschaftsdiätetik gibt S. auch eine

Wochenbettsdiätetik an. Aus einer Stelle geht hervor, daß damals der

Arzt schon etwas mehr als früher mit der praktischen Geburtshilfe

zu tun hatte, allerdings vorerst nur in schweren Fällen und bei den

„dominae magnae” (pro pauperculis non multum laborat medicus).

[20] Großvater des berühmten Girolamo Savonarola, der 1498 als

„Ketzer” verbrannt wurde.

•Johannes de Concoregio• (~Gioanni da Concoreggio~), geboren um

1380 in Mailand, lehrte in Bologna (1433), Pavia, Florenz und seit

1439 in seiner Vaterstadt; er hinterließ ein echt arabistisches,

jeder Selbständigkeit entbehrendes Werk über die gesamte Medizin,

welches eigentlich eine Sammlung mehrerer seiner Schriften darstellt

unter dem Titel: ~Practica nova medicinae. Lucidarium et flos florum~

medicinae nuncupata. Summula ejusdem de curis febrium etc. (Papiae

1485, Venet. 1515, 1521, 1587).

Geschichte der Medizin. II. Band, Erster Teil · 第 72 / 76 段