„Ich nicht, aber bei dir ist's nimmer richtig!“ tönt es zurück.
Jetzt begreift Klärle, und silberhelles Lachen klingt durch den Raum.
Die Leutchen halten Klärle ob ihrer Milde und Güte für verrückt
geworden.
Klärle wird rasch wieder ernst; das Verhalten Bärbels giebt zu denken.
„Geht an die Arbeit, Leute!“ befiehlt die Tochter.
Das wirkt augenblicklich. „Sie ist doch noch die Alte!“ flüstern die
Dirnen und huschen hinweg, und auch die Knechte trotten davon, fest
überzeugt, daß Klärle der Bärbel bloß einen Possen spielen wollte.
* * * * *
Im Gifthofe geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Neu für Bärbel und
den Vater ist nur, daß Klärle oft stundenlang beim Nähzeug sitzt und
Schäden an Kleidern repariert oder strickt und sonstige Handarbeiten
verrichtet. Der Vater hat die Frage, wie denn solche Verwandlung
gekommen, immer auf der Zunge, aber stets schluckt er die Frage wieder
unausgesprochen hinab. Klärle will nicht darüber reden, drum wird es
besser sein, wenn sich alles von selber weiter entwickelt. Nur meint der
Vater, von dem vielen Sitzen könnte Klärle krank werden, weil sie es
nicht gewohnt sei. Doch Klärle verneint das lächelnd mit dem Hinweis,
daß sie sich an derartige Arbeiten gewöhnen wolle und Näherinnen ja doch
das Gleiche thun müßten, ohne zu Grunde zu gehen.
„Hm! Aber die Näherin muß es thun! Du hast aber solche Arbeit nicht
nötig!“
„Ein weibliches Wesen gehört zeitweilig an den Nähtisch und zur
Strickwolle. Bitte, lieber Vater, laß mich, wozu mich's drängt. Ich
verspreche dir auch, davon nicht krank zu werden!“
„Na, ich weiß nicht, ob das viele Sitzen nicht Gift ist —“
„Vater! sprich das Wort nicht mehr aus in meiner Gegenwart oder —“
schreit erbleichend Klärle und springt auf mit abwehrend erhobenen
Händen.