Erledigung und wurden Geistlichen verliehen, welche im Jerusalemzimmer
saßen. Es ist bereits erwähnt worden, daß Thomas, Bischof von Worcester,
gerade vor dem zur Eidesleistung bestimmten Tage starb. Lake, Bischof
von Chichester, lebte eben noch lange genug, um sie zu verweigern, und
er erklärte mit seinem letzten Athemzuge, daß er selbst auf dem
Scheiterhaufen die Lehre von dem unveräußerlichen Erbrechte nicht
verleugnen würde. Der Bischofsstuhl von Chichester wurde mit Patrick,
der von Worcester mit Stillingfleet besetzt, und die Dechanei von St.
Paul, welche Stillingfleet verließ, bekam Tillotson. Daß Tillotson nicht
auf die bischöfliche Bank erhoben wurde, erregte einige Verwunderung.
Aber gerade deshalb, weil die Regierung seine Dienste besonders hoch
schätzte, ließ man ihn noch einige Zeit einfacher Pfarrgeistlicher
bleiben. Das wichtigste Amt in der Convocation war das des Wortführers
des Unterhauses. Den Wortführer hatten die Mitglieder zu wählen, und der
einzige gemäßigte Mann, der Aussicht hatte gewählt zu werden, war
Tillotson. Es war factisch bereits festgesetzt, daß er der nächste
Erzbischof von Canterbury werden sollte. Als er für seine neue Dechanei
zum Handkuß ging, dankte er dem Könige herzlich und sagte: »Eure
Majestät hat mich für den Rest meiner Tage zur Ruhe gesetzt.« -- »Nicht
doch, Herr Doctor, ich versichere es Ihnen,« entgegnete Wilhelm, worauf
er ihm sehr deutlich zu verstehen gab, daß, wenn Sancroft einmal
aufhören werde, das höchste kirchliche Amt zu verwalten, Tillotson sein
Nachfolger sein sollte. Tillotson war ganz bestürzt, denn sein Character
war sanft und frei von Ehrgeiz, er begann die Schwächen des
Greisenalters zu empfinden, fragte wenig nach Geld und Gut, und
diejenigen weltlichen Vortheile, auf die er den meisten Werth legte,
waren ein guter Ruf und die allgemeine Zuneigung seiner Nebenmenschen.
Diese Vortheile besaß er schon, und er konnte sich nicht verhehlen, daß
er als Primas den unversöhnlichen Haß einer mächtigen Partei auf sich
ziehen und eine Zielscheibe für die Verleumdung werden würde, vor der
sein mildes und gefühlvolles Naturell zurückschauderte, wie vor der
Folter oder dem Rade. Wilhelm sprach ernst und entschieden. »Es ist
nothwendig im Interesse meiner Pläne,« sagte er, »und Sie würden es bei
Ihrem Gewissen nicht verantworten können, wenn Sie mir Ihren Beistand
verweigerten.« Hiermit endigte die Unterredung. Es war auch in der That
nicht nöthig, daß die Sache auf der Stelle entschieden wurde, denn es
sollten noch mehrere Monate verstreichen, ehe das Erzbisthum zur
Erledigung kam.
Tillotson klagte seine Noth mit ungeheuchelter Sorge und Betrübniß Lady
Russell, der er unter allen menschlichen Wesen die höchste Achtung und
das meiste Vertrauen schenkte.[123] Er scheue zwar keinen Dienst der
Kirche, sagte er, aber er sei überzeugt, daß er in seiner gegenwärtigen
Stellung am meisten nützen könne. Wenn er gezwungen werden sollte, einen
so hohen und verhaßten Posten wie das Primat anzunehmen, würde er der
für seine Kräfte so schweren Last der Pflichten und Sorgen bald
erliegen. Es würde ihm an Muth dazu und mithin auch an der nöthigen
Befähigung fehlen. Er beschwerte sich dann mild über Burnet, der ihn mit
einer wahrhaft hochherzigen Innigkeit liebte und verehrte und der sich
bemüht hatte, den König und die Königin zu überzeugen, daß es in ganz
England nur einen einzigen Mann gebe, der sich für die höchste
kirchliche Würde eigne. »Der Bischof von Salisbury,« sagte Tillotson,
»ist einer meiner besten und zugleich schlimmsten Freunde.«
Compton ist unzufrieden.
Was Burnet kein Geheimniß war, konnte Niemandem lange ein Geheimniß
bleiben. Man begann sich sehr bald zuzuflüstern, daß der König Tillotson
zum Nachfolger Sancroft's bestimmt habe. Die Nachricht verdroß Compton
heftig, denn er hatte nicht ohne Grund geglaubt, daß er in seinen
Ansprüchen keinen Rivalen habe. Er hatte die Königin und ihre Schwester
erzogen, und der Erziehung, die sie von ihm empfangen, dürfte sicherlich
wenigstens zum Theil die Festigkeit zugeschrieben, werden, mit der sie
trotz des Einflusses ihres Vaters der Landesreligion treu geblieben
waren. Compton war außerdem der einzige Prälat, der unter der vorigen
Regierung im Parlament seine Stimme gegen das Dispensationsrecht
erhoben, der einzige Prälat, der von der Hohen Commission suspendirt
worden war, der einzige Prälat, der die Einladung an den Prinzen von
Oranien unterzeichnet, der einzige Prälat, der wirklich die Waffen gegen
Papismus und Willkürgewalt ergriffen, der einzige Prälat, der mit noch
einem andren gegen eine Regentschaft gestimmt hatte. Unter den
Geistlichen der Provinz Canterbury, welche die Eide geleistet hatten,
war er dem Range nach der Erste. Er hatte daher einige Monate lang als
Stellvertreter des Primas fungirt; er hatte die neuen Souveraine
gekrönt, er hatte die neuen Bischöfe geweiht, und er stand auf dem
Punkte, der Convocation zu präsidiren. Dazu kam noch, daß er der Sohn
eines Earls war und daß kein Mann von gleich vornehmer Geburt damals auf
der Bank der Bischöfe saß, noch jemals seit der Reformation auf
derselben gesessen hatte. Daß die Regierung einen Priester seiner
eigenen Diöcese über ihn stellen wollte, der der Sohn eines Tuchmachers
aus Yorkshire war und der sich durch nichts als durch Talente und
Tugenden auszeichnete, war kränkend, und Compton, obgleich er durchaus
kein schlechtes Herz hatte, fühlte sich tief gekränkt. Vielleicht wurde
sein Verdruß durch den Gedanken noch vermehrt, daß er im Interesse
Derer, die ihn so zurücksetzten, Manches gethan, was sein Gewissen
gedrückt und seinen Ruf befleckt hatte, daß er einmal die Winkelzüge
eines Diplomaten ausgeübt und ein andermal seinen Amtsbrüdern, durch
Tragen des Büffelwamses und der Reiterstiefeln Aergerniß gegeben hatte.
Maßlosen Ehrgeizes konnte er Tillotson nicht beschuldigen. Aber obgleich
Tillotson selbst an dem Erzbisthum gar nichts gelegen war, bot er doch
seinen Einfluß nicht zu Gunsten Compton's auf, sondern empfahl dringend
Stillingfleet als das geeignetste Oberhaupt der englischen Kirche. Die
Folge davon war, daß am Vorabend des Zusammentritts der Convocation der
Bischof, der an der Spitze des Oberhauses stehen sollte, der persönliche
Feind des Pfarrgeistlichen wurde, den die Regierung an der Spitze des
Unterhauses zu sehen wünschte. Dieser Streit häufte neue Schwierigkeiten
auf Schwierigkeiten, welche keiner Vermehrung bedurften.[124]
Zusammentritt der Convocation.
Erst am 20. November versammelte sich die Convocation zur Erledigung von
Geschäften. Das Versammlungslokal war gewöhnlich die Paulskirche
gewesen. Aber diese Kathedrale erhob sich nur langsam aus ihren
Trümmern, und wenn auch ihre Kuppel die hundert Kirchthürme der City
bereits hoch überragte, so waren doch die inneren Räume dem
Gottesdienste noch nicht geöffnet. Die Versammlung hielt daher ihre
Zusammenkünfte in Westminster.[125] In die schöne Kapelle Heinrich's
VII. war ein Tisch gestellt und Compton nahm den Präsidentenstuhl ein.
Zu seiner Rechten und Linken saßen in prunkenden Gewändern von Scharlach
und Grauwerk diejenigen Suffragane von Canterbury, welche die Eide
geleistet hatten, und am unteren Ende der Tafel war die Schaar der
Pfarrgeistlichen versammelt. Beveridge hielt eine lateinische Rede, in
der er das bestehende System zwar warm lobte, sich aber doch einer
gemäßigten Reform zugethan erklärte. Die Kirchengesetze, sagte er, seien
zweierlei Art. Einige Gesetze seien fundamental und ewig, ihre Autorität
stamme von Gott, und keine religiöse Gemeinschaft könne sie umstoßen,
ohne aufzuhören, einen Theil der Universalkirche zu bilden. Andere
Gesetze seien örtlich und temporär. Diese seien von menschlicher
Weisheit gemacht, und menschliche Weisheit könne sie daher abändern.
Allerdings dürften sie nicht ohne triftige Gründe abgeändert werden,
aber an solchen Gründen fehle es in diesem Augenblicke sicherlich nicht.
Eine zerstreute Heerde in eine Hürde und unter einen Schäfer zu bringen,
Steine des Anstoßes vom Pfade des Schwachen zu entfernen, lange
entfremdete Herzen mit einander auszusöhnen, die geistliche Zucht in
ihrer ursprünglichen Kraft wiederherzustellen, der besten und reinsten
der christlichen Gesellschaften eine Basis zu geben, breit genug, um
allen Angriffen der Erde und der Hölle zu widerstehen: dies seien
Zwecke, die wohl einige Modifikationen, nicht der katholischen
Institutionen, aber nationaler oder provincialer Gebräuche
rechtfertigten.[126]
Die Hochkirchlichen im Unterhause der Convocation überwiegend.
Nachdem das Unterhaus diese Rede angehört, schritt es zur Wahl eines
Sprechers. Sharp, der wahrscheinlich von den einer Comprehension
günstigen Mitgliedern als einer der Hochkirchlichsten unter ihnen
vorgeschoben worden war, schlug Tillotson vor. Jane, der sich geweigert
hatte, kraft der königlichen Vollmacht zu handeln, wurde von der andren
Seite vorgeschlagen. Nach einer lebhaften Discussion ward Jane mit
fünfundfünfzig gegen achtundzwanzig Stimmen gewählt.[127]
Der Wortführer wurde dem Bischof von London förmlich vorgestellt und
hielt nach altem Brauch eine lateinische Rede. In dieser Rede wurde die
anglikanische Kirche als die vollkommenste aller Institutionen gerühmt.
Der Redner deutete sehr verständlich an, daß weder in ihrer Doctrin,
noch in ihrer Disciplin, noch in ihrem Ritual eine Abänderung nöthig
sei, und er schloß seinen Vortrag mit einem bedeutungsvollen Satze. Als
Compton einige Monate früher die etwas ungeistliche Rolle eines
Reiterobersten spielte, hatte er in die Fahnen seines Regiments die
wohlbekannten Worte sticken lassen: »^Nolumus leges Angliae mutari^«,
und mit diesen Worten schloß Jane seine Rede.[128]
Die Niederkirchlichen gaben indeß noch nicht alle Hoffnung auf. Sie
beschlossen wohlweislich, mit dem Vorschlage zu beginnen, daß Kapitel
aus den kanonischen Büchern an die Stelle der aus den Apokryphen
entnommenen zum Vorlesen beim Gottesdienste bestimmt werden sollten. Man
sollte meinen, daß dieser Vorschlag, selbst wenn es nicht einen einzigen
Dissenter im Königreiche gegeben hätte, wohl günstig hätte aufgenommen
werden müssen. Denn die Kirche hatte in ihrem sechsten Artikel erklärt,
daß die kanonischen Bücher berechtigt seien, heilige Schriften genannt
und als Richtschnur des Glaubens betrachtet zu werden, die
apokryphischen Bücher aber nicht. Die Hochkirchlichen aber waren
entschlossen, sich selbst dieser Reform zu widersetzen. Sie fragten in
Flugschriften, welche die Ladentische von Paternoster Row und Little
Britain bedeckten, warum die Landgemeinden des Genusses beraubt werden
sollten, von der Pechkugel, mit welcher Daniel den Drachen erblickte,
und von dem Fische zu hören, dessen Leber einen Geruch verbreitete, vor
welchem der Teufel von Ekbatana bis nach Egypten floh. Und gebe es nicht
Kapitel von der Weisheit des Sohnes Sirach's, welche viel interessanter
und erbaulicher seien als die Genealogien und Namensverzeichnisse,
welche einen großen Theil der Chroniken der jüdischen Könige und der
Erzählung Nehemia's füllten? Kein ernster Geistlicher würde jedoch in
der Kapelle Heinrich's VII. zu behaupten gewagt haben, daß es unmöglich
sei, in vielen hundert vom heiligen Geist eingegebenen Seiten funfzig
oder sechzig Kapitel zu finden, welche erbaulicher wären als irgend
etwas, was aus den Werken der angesehensten nicht inspirirten Moralisten
oder Historiker extrahirt werden könnte. Die Häupter der Majorität
beschlossen daher, einer Debatte auszuweichen, in der sie in eine
unangenehme Alternative hätten versetzt werden müssen. Ihr Plan war,
nicht die Vorschläge der Commissionsmitglieder zu verwerfen, sondern
einer Discussion über dieselben vorzubeugen, und zu dem Ende wurde ein
System der Taktik adoptirt, das sich als erfolgreich erwies.
Das Gesetz, so wie es seit einer langen Reihe von Jahren interpretirt
worden war, verbot der Convocation, irgend welche kirchliche Verordnung
ohne vorherige Ermächtigung seitens der Krone auch nur in Berathung zu
nehmen. Diese Ermächtigung, mit dem großen Siegel versehen, brachte
Nottingham in aller Form in die Kapelle Heinrich's VII. Zu gleicher Zeit
überreichte er eine Botschaft vom Könige. Seine Majestät ermahnte die
Versammlung, ruhig und vorurtheilsfrei die Vorschläge der Commission zu
prüfen, und erklärte, daß er nur die Ehre und die Vortheile der
protestantischen Religion im allgemeinen und der englischen Kirche im
besonderen im Auge habe.[129]
Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Häusern der Convocation.
Die Bischöfe einigten sich schnell über eine Dankadresse für die
königliche Botschaft und forderten das Unterhaus zum Beitritt auf. Jane
und seine Anhänger erhoben Einwendungen über Einwendungen dagegen.
Zuerst beanspruchten Sie das Recht eine Separatadresse zu überreichen.
Als sie gezwungen wurden, darauf zu verzichten, verweigerten sie ihre
Zustimmung zu irgend einem Ausdrucke, mit welchem gesagt werde, daß die
englische Kirche mit irgend einer andren protestantischen
Glaubensgesellschaft etwas gemein habe. Es wurden Amendements und
Beweisgründe hin und her geschickt, Conferenzen gehalten, bei denen
Burnet für die eine und Jane für die andre Seite die Hauptwortführer
waren, und endlich mit großer Mühe ein Uebereinkommen zu Stande
gebracht, dessen Resultat eine, im Vergleich zu der von den Bischöfen
entworfenen, kalte und unfreundliche Adresse war, welche dem Könige im
Bankethause überreicht wurde. Er verbiß seinen Unmuth, gab eine
freundliche Antwort und sprach die Hoffnung aus, die Versammlung werde
nun endlich zur Berathung der wichtigen Comprehensionsfrage
schreiten.[130]
Das Unterhaus der Convocation erweist sich als unlenksam.
Damit waren jedoch die Führer des Unterhauses nicht einverstanden.
Sobald sie sich wieder in der Kapelle Heinrich's VII. befanden,
veranlaßte einer von ihnen eine Debatte über die eidverweigernden
Bischöfe. Trotz des bedauerlichen Gewissensbedenkens, den diese Prälaten
hegten, seien sie doch gelehrte und heilige Männer, und ihr Rath könne
unter den gegenwärtigen Umständen der Kirche von größtem Nutzen sein.
Das Oberhaus sei in Abwesenheit des Primas und vieler seiner
angesehensten Suffragane kaum ein Oberhaus. Könne nichts geschehen, um
diesen Uebelstand zu beseitigen?[131] Ein andres Mitglied beklagte sich
über einige unlängst erschienene Pamphlets, in denen nicht mit der
gebührenden Achtung von der Convocation gesprochen werde. Die
Versammlung fing Feuer. Sei es nicht empörend, daß dieses ketzerische
und schismatische Zeug in den Straßen öffentlich ausgeboten und in den
Läden von Westminsterhall, hundert Schritt von dem Stuhle des
Wortführers, verkauft werden dürfe? Das Werk der Verstümmelung der
Liturgie und der Verwandlung der Kathedralen in Conventikel könne gewiß
so lange aufgeschoben werden, bis die Synode Maßregeln zum Schutze ihrer
eignen Freiheit und Würde getroffen habe. Es wurde nun darüber
debattirt, wie das Drucken solcher anstößiger Bücher verhindert werden
könne. Einige waren für Klagerhebung, Andere für eine geistliche
Censur.[132] Unter solchen Berathungen verstrich Woche auf Woche. Nicht
ein einziger auf eine Comprehension bezüglicher Vorschlag war auch nur
discutirt worden. Weihnachten rückte heran, und zu dieser Zeit sollten
die Sitzungen unterbrochen werden. Die Bischöfe wünschten, daß während
der Ferien ein Ausschuß beisammen bleibe, um die Geschäfte
vorzubereiten. Das Unterhaus verweigerte seine Einwilligung.[133] Es war
jetzt augenscheinlich, daß dieses Haus sich fest vorgenommen hatte,
nicht einmal einen Theil des von den Königlichen Beauftragten
entworfenen Planes in Berathung zu nehmen. Die Abgeordneten der Diöcesen
waren in schlechterer Stimmung als bei ihrer ersten Ankunft in
Westminster. Viele von ihnen hatten wahrscheinlich noch niemals eine
Woche in der Hauptstadt zugebracht und hatten nicht geahnet, wie groß
der Unterschied zwischen einem Stadtgeistlichen und einem
Landgeistlichen war. Der Anblick des Luxus und der Bequemlichkeiten,
welche die beliebten Prediger der Hauptstadt, genossen, mußte in einem
Vikar aus Lincolnshire oder Caernarvonshire, der gewohnt war, so einfach
wie ein kleiner Farmer zu leben, nothwendig einige wehmüthige
Empfindungen erwecken. Gerade weil der Londoner Klerus durchgehends für
eine Comprehension war, wollten die Vertreter der Landgeistlichkeit
nichts davon wissen.[134] Die Prälaten als Gesammtheit wünschten
aufrichtig, daß den Nonconformisten ein Zugeständniß gemacht werden
möchte. Aber die Prälaten waren durchaus nicht im Stande, die aufsässige
Demokratie zu beugen. Ihre Zahl war gering, einige von ihnen waren dem
Parochialklerus im höchsten Grade zuwider, der Präsident hatte nicht die
volle Autorität eines Primas, und überdies war es ihm gar nicht unlieb,
die Männer, die ihn seiner Meinung nach übel behandelt hatten, in ihren
Plänen behindert und gekränkt zu sehen.
Die Convocation prorogirt.
Man mußte nachgeben. Die Convocation wurde auf sechs Wochen prorogirt.
Nach Verlauf dieser sechs Wochen wurde sie aufs neue prorogirt und viele
Jahre vergingen, ehe sie ihre Thätigkeit wieder beginnen durfte.
So endete, und zwar für immer, die Hoffnung, daß die englische Kirche
bewogen werden könnte, den Bedenken der Nonconformisten ein Zugeständniß
zu machen. Eine gelehrte und ehrenwerthe Minorität des Priesterstandes
gab diese Hoffnung mit tiefem Bedauern auf. Sehr bald jedoch fanden
selbst Burnet und Tillotson Grund zu glauben, daß ihre Niederlage
thatsächlich ein glückliches Entrinnen war und daß der Sieg ein Unglück
gewesen sein würde. Eine Reform, wie sie zu den Zeiten der Königin
Elisabeth die große Gesammtheit der englischen Protestanten vereinigt
haben würde, würde zu Wilhelm's Zeiten mehr Herzen einander entfremdet
als versöhnt haben. Das Schisma, welches die Eide herbeigeführt hatten,
war bis jetzt noch ohne Bedeutung. Neuerungen wie die von der
Königlichen Commission vorgeschlagenen würden ihm eine gefährliche
Wichtigkeit gegeben haben. Bis jetzt saß ein Laie, mochte er auch das
Verfahren der Convention für unverantwortlich halten und die
Tugendhaftigkeit des eidverweigernden Klerus preisen, nach wie vor unter
der gewohnten Kanzel und kniete an dem gewohnten Altare. Wenn aber in
diesem Augenblicke, während seine Gemüthsstimmung durch das seinen
Lieblingsgeistlichen zugefügte vermeintliche Unrecht gereizt und er
vielleicht in Zweifel war, ob er ihrem Beispiele folgen solle oder
nicht, seine Augen und Ohren durch Aenderungen in dem Gottesdienste, dem
er innig zugethan war, beleidigt worden, wenn die Compositionen der
Doctoren des Jerusalemszimmers an die Stelle der alten Collecten
getreten wären, wenn er Geistliche ohne Chorhemd Kelch und Hostienteller
sitzenden Communicanten hätte darreichen sehen, so würde das Band, das
ihn an die Landeskirche knüpfte, zerrissen sein. Er würde sich in eine
Versammlung von Eidverweigerern begeben haben, wo der Gottesdienst, den
er liebte, ohne Verstümmelungen abgehalten wurde, die neue Secte, welche
für jetzt noch fast ausschließlich aus Priestern bestand, würde bald
durch viele und zahlreiche Gemeinden verstärkt worden sein, und diese
Gemeinden würden eine verhältnißmäßig größere Menge Reicher, Vornehmer
und Gebildeter aufzuweisen gehabt haben, als irgend eine andre
Dissentergemeinde. Die so verstärkten episkopalen Schismatiker würden
dem neuen Könige und seinen Nachfolgern wahrscheinlich eben so furchtbar
gewesen sein, wie die puritanischen Schismatiker es jemals den Fürsten
des Hauses Stuart waren. Es ist eine unbestreitbare und höchst
lehrreiche Thatsache, daß wir die bürgerliche und religiöse Freiheit,
deren wir uns jetzt erfreuen, zum großen Theil der Beharrlichkeit
verdanken, mit der die hochkirchliche Partei in der Convocation von 1689
sich weigerte, irgend einen Comprehensionsplan auch nur in Berathung zu
nehmen.[135]
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[Fußnote 1: Siehe die Verhandlungen der Lords vom 5. Febr. 1688/89 und
mehreren darauffolgenden Tagen; Braddon's Pamphlet betitelt: ^The Earl
of Essex's Memory and Honour Vindicated, 1690^, und die London Gazette
vom 31. Juli und 4. und 7. August 1690, worin Lady Essex und Burnet
öffentlich Braddon widersprachen.]
[Fußnote 2: Ob die Verurtheilung Lord Russel's, wenn sie nicht
umgestoßen worden wäre, für seinen Sohn ein Hinderniß gewesen sein
würde, ihm im Earlthum Bedford nachzufolgen, ist eine schwer zu
entscheidende Frage. Der alte Earl holte darüber die Gutachten der
größten Juristen der damaligen Zeit ein, die man noch in den Archiven zu
Woburn sehen kann. Bemerkenswerth ist, daß eines dieser Gutachten von
Pemberton herrührt, der bei dem Prozesse den Vorsitz geführt hatte.
Dieser Umstand beweist, daß die Familie ihn keiner Ungerechtigkeit oder
Grausamkeit beschuldigte, und er hatte sich auch in der That so gut
benommen, wie irgend ein andrer Richter sich vor der Revolution in einem
ähnlichen Falle benommen hatte.]
[Fußnote 3: ^Grey's Debates, March 1688/89.^]
[Fußnote 4: Die Edicte, welche die Todesurtheile Russell's, Sidney's,
Cornish's und der Alice Lisle umstießen, waren Geheim-Edicte. In die
Gesetzsammlung sind daher nur die Titel derselben aufgenommen, die
Edicte selbst aber findet man in Howell's ^Collection of State Trials^.]
[Fußnote 5: ^Commons' Journals, June 24. 1689.^]
[Fußnote 6: Johnson erzählt diese Geschichte selbst in seinem
sonderbaren Pamphlet, betitelt: ^Notes upon the Phoenix Edition of the
Pastoral Letter, 1694^.]
[Fußnote 7: Einige Nota des Ehrwürdigen Samuel Johnson, der Folioausgabe
seiner 1710 erschienenen Werke vorangestellt.]
[Fußnote 8: ^Lords' Journals, May 15. 1689.^]
[Fußnote 9: ^North's Examen, 224.^ North's Zeugniß wird durch mehrere
zeitgenössische Pasquille in Prosa und in Versen bestätigt. Siehe auch
das [Griechisch: eikôn brotoloigou], 1697.]
[Fußnote 10: Halifax-Manuscript im Britischen Museum.]
[Fußnote 11: Dedicationsepistel zu Oates' [Griechisch: eikôn basilikê].]
[Fußnote 12: In einer Ballade aus der damaligen Zeit kommen folgende
Zeilen vor:
»Kommt her, Ihr Whigs, und leiht mir Eure Ohren,
Habt Ihr nicht, wie der Doctor, sie verloren.«
Diese Zeilen müssen Mason vorgeschwebt haben, als er das Couplet
schrieb:
»Merkt auf Ihr Hills, Ihr Johnsons, Scots, Shebbeares,
Hört meinen Ruf, denn mancher unter Euch hat Ohren.«]
[Fußnote 13: ^North's Examen, 224, 234.^ North spricht von sechshundert
Pfund. Aber ich habe nach der unverschämten Petition, welche Oates
unterm 25. Juli 1689 an die Gemeinen richtete, die größere Summe
angenommen. Siehe die Verhandlungen.]
[Fußnote 14: Van Citters bedient sich dieses Spottnamens ganz ernsthaft
in seinen Depeschen an die Generalstaaten.]
[Fußnote 15: ^Lords' Journals, May 30. 1689.^]
[Fußnote 16: ^Lords' Journals, May 31. 1689; Commons' Journals, Aug. 2.;
North's Examen, 224; Narcissus Luttrell's Diary.^]
[Fußnote 17: Sir Robert war der ursprüngliche Held der »Rehearsal« und
wurde Bilboa genannt. In die umgearbeitete »Dunciade« setzte Pope die
Zeilen:
»Und hochgeborner Howard, majestät'scher Sire.
Ergänzt den Chorus mit den Narr'n von Stande.«
Pope's hochgeborner Howard war Eduard Howard, der Autor der ^British
Princes^.]
[Fußnote 18: ^Key to the Rehearsal; Shadwell's Sullen Lovers; Pepys May
5., 8. 1668; Evelyn, Februar 16. 1684/85.^]
[Fußnote 19: ^Grey's Debates und Commons' Journals, June 4., 11. 1689.^]
[Fußnote 20: ^Lords' Journals, June 6. 1689.^]
[Fußnote 21: ^Commons' Journals, August 2. 1689^; die außerordentlichen
holländischen Gesandten an die Generalstaaten vom 30. Juli (9. August).]
[Fußnote 22: ^Lords' Journals, July 30. 1689; Narcissus Luttrell's
Diary; Clarendon's Diary, July 31. 1689.^]
[Fußnote 23: ^Commons' Journals, July 31., August 13. 1689.^]
[Fußnote 24: ^Commons' Journals, August 20.^]
[Fußnote 25: Oldmixon klagt die Jakobiten, Burnet die Republikaner an.
Obwohl Burnet regen Antheil an der Discussion dieser Frage nahm, so ist
doch sein Bericht über die dabei stattgehabten Vorgänge sehr ungenau. Er
sagt, die Klausel sei von den Gemeinen lebhaft debattirt worden und
Hampden habe nachdrücklich für dieselbe gesprochen. Wir erfahren aber
aus den Protokollen (19. Juni 1689), daß sie ^nemine contradicente^
verworfen wurde. Die holländischen Gesandten bezeichnen sie als »^een
propositie 'twelck geen ingressie schynt te sullen vinden.^«]
[Fußnote 26: ^London Gazette, August 1. 1689; Narcissus Luttrell's
Diary.^]
[Fußnote 27: Die Geschichte dieser Bill findet man in den Protokollen
der beiden Häuser und in Grey's ^Debates^.]
[Fußnote 28: Siehe ^Grey's Debates^ und die ^Commons' Journals^ vom März
bis Juli. Die zwölf Kategorien findet man in den Protokollen vom 23. und
29. Mai und vom 8. Juni.]
[Fußnote 29: Halifax-Manuscript im Britischen Museum.]
[Fußnote 30: ^The Life and Death of George Lord Jeffreys^; Finch's Rede
in Grey's ^Debates^, 1. März 1688/89.]
[Fußnote 31: Siehe unter vielen anderen Schriften ^Jeffreys's Elegy;
Letter to the Lord Chancellor exposing to him the sentiments of the
people; Elegy of Dangerfield; Dangerfield's Ghost to Jeffreys; Humble
Petition of Widows and fatherless Children in the West; The Lord
Chancellors Discovery and Confession made in the time of his sickness in
the Tower; Hickeringill's Ceremonymonger;^ ein Flugblatt betitelt: »^O
rare show! O rare sight! O strange monster! The like not in Europe! To
be seen near Tower Hill, a few doors beyond the Lion's den.^«]
[Fußnote 32: ^Life and Death of George Lord Jeffreys.^]
[Fußnote 33: Tutchin erzählt dies selbst in den ^Bloody Assizes^.]