Während des Sommers 1689 kamen mehrere hohe kirchliche Aemter zur

Erledigung und wurden Geistlichen verliehen, welche im Jerusalemzimmer

saßen. Es ist bereits erwähnt worden, daß Thomas, Bischof von Worcester,

gerade vor dem zur Eidesleistung bestimmten Tage starb. Lake, Bischof

von Chichester, lebte eben noch lange genug, um sie zu verweigern, und

er erklärte mit seinem letzten Athemzuge, daß er selbst auf dem

Scheiterhaufen die Lehre von dem unveräußerlichen Erbrechte nicht

verleugnen würde. Der Bischofsstuhl von Chichester wurde mit Patrick,

der von Worcester mit Stillingfleet besetzt, und die Dechanei von St.

Paul, welche Stillingfleet verließ, bekam Tillotson. Daß Tillotson nicht

auf die bischöfliche Bank erhoben wurde, erregte einige Verwunderung.

Aber gerade deshalb, weil die Regierung seine Dienste besonders hoch

schätzte, ließ man ihn noch einige Zeit einfacher Pfarrgeistlicher

bleiben. Das wichtigste Amt in der Convocation war das des Wortführers

des Unterhauses. Den Wortführer hatten die Mitglieder zu wählen, und der

einzige gemäßigte Mann, der Aussicht hatte gewählt zu werden, war

Tillotson. Es war factisch bereits festgesetzt, daß er der nächste

Erzbischof von Canterbury werden sollte. Als er für seine neue Dechanei

zum Handkuß ging, dankte er dem Könige herzlich und sagte: »Eure

Majestät hat mich für den Rest meiner Tage zur Ruhe gesetzt.« -- »Nicht

doch, Herr Doctor, ich versichere es Ihnen,« entgegnete Wilhelm, worauf

er ihm sehr deutlich zu verstehen gab, daß, wenn Sancroft einmal

aufhören werde, das höchste kirchliche Amt zu verwalten, Tillotson sein

Nachfolger sein sollte. Tillotson war ganz bestürzt, denn sein Character

war sanft und frei von Ehrgeiz, er begann die Schwächen des

Greisenalters zu empfinden, fragte wenig nach Geld und Gut, und

diejenigen weltlichen Vortheile, auf die er den meisten Werth legte,

waren ein guter Ruf und die allgemeine Zuneigung seiner Nebenmenschen.

Diese Vortheile besaß er schon, und er konnte sich nicht verhehlen, daß

er als Primas den unversöhnlichen Haß einer mächtigen Partei auf sich

ziehen und eine Zielscheibe für die Verleumdung werden würde, vor der

sein mildes und gefühlvolles Naturell zurückschauderte, wie vor der

Folter oder dem Rade. Wilhelm sprach ernst und entschieden. »Es ist

nothwendig im Interesse meiner Pläne,« sagte er, »und Sie würden es bei

Ihrem Gewissen nicht verantworten können, wenn Sie mir Ihren Beistand

verweigerten.« Hiermit endigte die Unterredung. Es war auch in der That

nicht nöthig, daß die Sache auf der Stelle entschieden wurde, denn es

sollten noch mehrere Monate verstreichen, ehe das Erzbisthum zur

Erledigung kam.

Tillotson klagte seine Noth mit ungeheuchelter Sorge und Betrübniß Lady

Russell, der er unter allen menschlichen Wesen die höchste Achtung und

das meiste Vertrauen schenkte.[123] Er scheue zwar keinen Dienst der

Kirche, sagte er, aber er sei überzeugt, daß er in seiner gegenwärtigen

Stellung am meisten nützen könne. Wenn er gezwungen werden sollte, einen

so hohen und verhaßten Posten wie das Primat anzunehmen, würde er der

für seine Kräfte so schweren Last der Pflichten und Sorgen bald

erliegen. Es würde ihm an Muth dazu und mithin auch an der nöthigen

Befähigung fehlen. Er beschwerte sich dann mild über Burnet, der ihn mit

einer wahrhaft hochherzigen Innigkeit liebte und verehrte und der sich

bemüht hatte, den König und die Königin zu überzeugen, daß es in ganz

England nur einen einzigen Mann gebe, der sich für die höchste

kirchliche Würde eigne. »Der Bischof von Salisbury,« sagte Tillotson,

»ist einer meiner besten und zugleich schlimmsten Freunde.«

Compton ist unzufrieden.

Was Burnet kein Geheimniß war, konnte Niemandem lange ein Geheimniß

bleiben. Man begann sich sehr bald zuzuflüstern, daß der König Tillotson

zum Nachfolger Sancroft's bestimmt habe. Die Nachricht verdroß Compton

heftig, denn er hatte nicht ohne Grund geglaubt, daß er in seinen

Ansprüchen keinen Rivalen habe. Er hatte die Königin und ihre Schwester

erzogen, und der Erziehung, die sie von ihm empfangen, dürfte sicherlich

wenigstens zum Theil die Festigkeit zugeschrieben, werden, mit der sie

trotz des Einflusses ihres Vaters der Landesreligion treu geblieben

waren. Compton war außerdem der einzige Prälat, der unter der vorigen

Regierung im Parlament seine Stimme gegen das Dispensationsrecht

erhoben, der einzige Prälat, der von der Hohen Commission suspendirt

worden war, der einzige Prälat, der die Einladung an den Prinzen von

Oranien unterzeichnet, der einzige Prälat, der wirklich die Waffen gegen

Papismus und Willkürgewalt ergriffen, der einzige Prälat, der mit noch

einem andren gegen eine Regentschaft gestimmt hatte. Unter den

Geistlichen der Provinz Canterbury, welche die Eide geleistet hatten,

war er dem Range nach der Erste. Er hatte daher einige Monate lang als

Stellvertreter des Primas fungirt; er hatte die neuen Souveraine

gekrönt, er hatte die neuen Bischöfe geweiht, und er stand auf dem

Punkte, der Convocation zu präsidiren. Dazu kam noch, daß er der Sohn

eines Earls war und daß kein Mann von gleich vornehmer Geburt damals auf

der Bank der Bischöfe saß, noch jemals seit der Reformation auf

derselben gesessen hatte. Daß die Regierung einen Priester seiner

eigenen Diöcese über ihn stellen wollte, der der Sohn eines Tuchmachers

aus Yorkshire war und der sich durch nichts als durch Talente und

Tugenden auszeichnete, war kränkend, und Compton, obgleich er durchaus

kein schlechtes Herz hatte, fühlte sich tief gekränkt. Vielleicht wurde

sein Verdruß durch den Gedanken noch vermehrt, daß er im Interesse

Derer, die ihn so zurücksetzten, Manches gethan, was sein Gewissen

gedrückt und seinen Ruf befleckt hatte, daß er einmal die Winkelzüge

eines Diplomaten ausgeübt und ein andermal seinen Amtsbrüdern, durch

Tragen des Büffelwamses und der Reiterstiefeln Aergerniß gegeben hatte.

Maßlosen Ehrgeizes konnte er Tillotson nicht beschuldigen. Aber obgleich

Tillotson selbst an dem Erzbisthum gar nichts gelegen war, bot er doch

seinen Einfluß nicht zu Gunsten Compton's auf, sondern empfahl dringend

Stillingfleet als das geeignetste Oberhaupt der englischen Kirche. Die

Folge davon war, daß am Vorabend des Zusammentritts der Convocation der

Bischof, der an der Spitze des Oberhauses stehen sollte, der persönliche

Feind des Pfarrgeistlichen wurde, den die Regierung an der Spitze des

Unterhauses zu sehen wünschte. Dieser Streit häufte neue Schwierigkeiten

auf Schwierigkeiten, welche keiner Vermehrung bedurften.[124]

Zusammentritt der Convocation.

Erst am 20. November versammelte sich die Convocation zur Erledigung von

Geschäften. Das Versammlungslokal war gewöhnlich die Paulskirche

gewesen. Aber diese Kathedrale erhob sich nur langsam aus ihren

Trümmern, und wenn auch ihre Kuppel die hundert Kirchthürme der City

bereits hoch überragte, so waren doch die inneren Räume dem

Gottesdienste noch nicht geöffnet. Die Versammlung hielt daher ihre

Zusammenkünfte in Westminster.[125] In die schöne Kapelle Heinrich's

VII. war ein Tisch gestellt und Compton nahm den Präsidentenstuhl ein.

Zu seiner Rechten und Linken saßen in prunkenden Gewändern von Scharlach

und Grauwerk diejenigen Suffragane von Canterbury, welche die Eide

geleistet hatten, und am unteren Ende der Tafel war die Schaar der

Pfarrgeistlichen versammelt. Beveridge hielt eine lateinische Rede, in

der er das bestehende System zwar warm lobte, sich aber doch einer

gemäßigten Reform zugethan erklärte. Die Kirchengesetze, sagte er, seien

zweierlei Art. Einige Gesetze seien fundamental und ewig, ihre Autorität

stamme von Gott, und keine religiöse Gemeinschaft könne sie umstoßen,

ohne aufzuhören, einen Theil der Universalkirche zu bilden. Andere

Gesetze seien örtlich und temporär. Diese seien von menschlicher

Weisheit gemacht, und menschliche Weisheit könne sie daher abändern.

Allerdings dürften sie nicht ohne triftige Gründe abgeändert werden,

aber an solchen Gründen fehle es in diesem Augenblicke sicherlich nicht.

Eine zerstreute Heerde in eine Hürde und unter einen Schäfer zu bringen,

Steine des Anstoßes vom Pfade des Schwachen zu entfernen, lange

entfremdete Herzen mit einander auszusöhnen, die geistliche Zucht in

ihrer ursprünglichen Kraft wiederherzustellen, der besten und reinsten

der christlichen Gesellschaften eine Basis zu geben, breit genug, um

allen Angriffen der Erde und der Hölle zu widerstehen: dies seien

Zwecke, die wohl einige Modifikationen, nicht der katholischen

Institutionen, aber nationaler oder provincialer Gebräuche

rechtfertigten.[126]

Die Hochkirchlichen im Unterhause der Convocation überwiegend.

Nachdem das Unterhaus diese Rede angehört, schritt es zur Wahl eines

Sprechers. Sharp, der wahrscheinlich von den einer Comprehension

günstigen Mitgliedern als einer der Hochkirchlichsten unter ihnen

vorgeschoben worden war, schlug Tillotson vor. Jane, der sich geweigert

hatte, kraft der königlichen Vollmacht zu handeln, wurde von der andren

Seite vorgeschlagen. Nach einer lebhaften Discussion ward Jane mit

fünfundfünfzig gegen achtundzwanzig Stimmen gewählt.[127]

Der Wortführer wurde dem Bischof von London förmlich vorgestellt und

hielt nach altem Brauch eine lateinische Rede. In dieser Rede wurde die

anglikanische Kirche als die vollkommenste aller Institutionen gerühmt.

Der Redner deutete sehr verständlich an, daß weder in ihrer Doctrin,

noch in ihrer Disciplin, noch in ihrem Ritual eine Abänderung nöthig

sei, und er schloß seinen Vortrag mit einem bedeutungsvollen Satze. Als

Compton einige Monate früher die etwas ungeistliche Rolle eines

Reiterobersten spielte, hatte er in die Fahnen seines Regiments die

wohlbekannten Worte sticken lassen: »^Nolumus leges Angliae mutari^«,

und mit diesen Worten schloß Jane seine Rede.[128]

Die Niederkirchlichen gaben indeß noch nicht alle Hoffnung auf. Sie

beschlossen wohlweislich, mit dem Vorschlage zu beginnen, daß Kapitel

aus den kanonischen Büchern an die Stelle der aus den Apokryphen

entnommenen zum Vorlesen beim Gottesdienste bestimmt werden sollten. Man

sollte meinen, daß dieser Vorschlag, selbst wenn es nicht einen einzigen

Dissenter im Königreiche gegeben hätte, wohl günstig hätte aufgenommen

werden müssen. Denn die Kirche hatte in ihrem sechsten Artikel erklärt,

daß die kanonischen Bücher berechtigt seien, heilige Schriften genannt

und als Richtschnur des Glaubens betrachtet zu werden, die

apokryphischen Bücher aber nicht. Die Hochkirchlichen aber waren

entschlossen, sich selbst dieser Reform zu widersetzen. Sie fragten in

Flugschriften, welche die Ladentische von Paternoster Row und Little

Britain bedeckten, warum die Landgemeinden des Genusses beraubt werden

sollten, von der Pechkugel, mit welcher Daniel den Drachen erblickte,

und von dem Fische zu hören, dessen Leber einen Geruch verbreitete, vor

welchem der Teufel von Ekbatana bis nach Egypten floh. Und gebe es nicht

Kapitel von der Weisheit des Sohnes Sirach's, welche viel interessanter

und erbaulicher seien als die Genealogien und Namensverzeichnisse,

welche einen großen Theil der Chroniken der jüdischen Könige und der

Erzählung Nehemia's füllten? Kein ernster Geistlicher würde jedoch in

der Kapelle Heinrich's VII. zu behaupten gewagt haben, daß es unmöglich

sei, in vielen hundert vom heiligen Geist eingegebenen Seiten funfzig

oder sechzig Kapitel zu finden, welche erbaulicher wären als irgend

etwas, was aus den Werken der angesehensten nicht inspirirten Moralisten

oder Historiker extrahirt werden könnte. Die Häupter der Majorität

beschlossen daher, einer Debatte auszuweichen, in der sie in eine

unangenehme Alternative hätten versetzt werden müssen. Ihr Plan war,

nicht die Vorschläge der Commissionsmitglieder zu verwerfen, sondern

einer Discussion über dieselben vorzubeugen, und zu dem Ende wurde ein

System der Taktik adoptirt, das sich als erfolgreich erwies.

Das Gesetz, so wie es seit einer langen Reihe von Jahren interpretirt

worden war, verbot der Convocation, irgend welche kirchliche Verordnung

ohne vorherige Ermächtigung seitens der Krone auch nur in Berathung zu

nehmen. Diese Ermächtigung, mit dem großen Siegel versehen, brachte

Nottingham in aller Form in die Kapelle Heinrich's VII. Zu gleicher Zeit

überreichte er eine Botschaft vom Könige. Seine Majestät ermahnte die

Versammlung, ruhig und vorurtheilsfrei die Vorschläge der Commission zu

prüfen, und erklärte, daß er nur die Ehre und die Vortheile der

protestantischen Religion im allgemeinen und der englischen Kirche im

besonderen im Auge habe.[129]

Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Häusern der Convocation.

Die Bischöfe einigten sich schnell über eine Dankadresse für die

königliche Botschaft und forderten das Unterhaus zum Beitritt auf. Jane

und seine Anhänger erhoben Einwendungen über Einwendungen dagegen.

Zuerst beanspruchten Sie das Recht eine Separatadresse zu überreichen.

Als sie gezwungen wurden, darauf zu verzichten, verweigerten sie ihre

Zustimmung zu irgend einem Ausdrucke, mit welchem gesagt werde, daß die

englische Kirche mit irgend einer andren protestantischen

Glaubensgesellschaft etwas gemein habe. Es wurden Amendements und

Beweisgründe hin und her geschickt, Conferenzen gehalten, bei denen

Burnet für die eine und Jane für die andre Seite die Hauptwortführer

waren, und endlich mit großer Mühe ein Uebereinkommen zu Stande

gebracht, dessen Resultat eine, im Vergleich zu der von den Bischöfen

entworfenen, kalte und unfreundliche Adresse war, welche dem Könige im

Bankethause überreicht wurde. Er verbiß seinen Unmuth, gab eine

freundliche Antwort und sprach die Hoffnung aus, die Versammlung werde

nun endlich zur Berathung der wichtigen Comprehensionsfrage

schreiten.[130]

Das Unterhaus der Convocation erweist sich als unlenksam.

Damit waren jedoch die Führer des Unterhauses nicht einverstanden.

Sobald sie sich wieder in der Kapelle Heinrich's VII. befanden,

veranlaßte einer von ihnen eine Debatte über die eidverweigernden

Bischöfe. Trotz des bedauerlichen Gewissensbedenkens, den diese Prälaten

hegten, seien sie doch gelehrte und heilige Männer, und ihr Rath könne

unter den gegenwärtigen Umständen der Kirche von größtem Nutzen sein.

Das Oberhaus sei in Abwesenheit des Primas und vieler seiner

angesehensten Suffragane kaum ein Oberhaus. Könne nichts geschehen, um

diesen Uebelstand zu beseitigen?[131] Ein andres Mitglied beklagte sich

über einige unlängst erschienene Pamphlets, in denen nicht mit der

gebührenden Achtung von der Convocation gesprochen werde. Die

Versammlung fing Feuer. Sei es nicht empörend, daß dieses ketzerische

und schismatische Zeug in den Straßen öffentlich ausgeboten und in den

Läden von Westminsterhall, hundert Schritt von dem Stuhle des

Wortführers, verkauft werden dürfe? Das Werk der Verstümmelung der

Liturgie und der Verwandlung der Kathedralen in Conventikel könne gewiß

so lange aufgeschoben werden, bis die Synode Maßregeln zum Schutze ihrer

eignen Freiheit und Würde getroffen habe. Es wurde nun darüber

debattirt, wie das Drucken solcher anstößiger Bücher verhindert werden

könne. Einige waren für Klagerhebung, Andere für eine geistliche

Censur.[132] Unter solchen Berathungen verstrich Woche auf Woche. Nicht

ein einziger auf eine Comprehension bezüglicher Vorschlag war auch nur

discutirt worden. Weihnachten rückte heran, und zu dieser Zeit sollten

die Sitzungen unterbrochen werden. Die Bischöfe wünschten, daß während

der Ferien ein Ausschuß beisammen bleibe, um die Geschäfte

vorzubereiten. Das Unterhaus verweigerte seine Einwilligung.[133] Es war

jetzt augenscheinlich, daß dieses Haus sich fest vorgenommen hatte,

nicht einmal einen Theil des von den Königlichen Beauftragten

entworfenen Planes in Berathung zu nehmen. Die Abgeordneten der Diöcesen

waren in schlechterer Stimmung als bei ihrer ersten Ankunft in

Westminster. Viele von ihnen hatten wahrscheinlich noch niemals eine

Woche in der Hauptstadt zugebracht und hatten nicht geahnet, wie groß

der Unterschied zwischen einem Stadtgeistlichen und einem

Landgeistlichen war. Der Anblick des Luxus und der Bequemlichkeiten,

welche die beliebten Prediger der Hauptstadt, genossen, mußte in einem

Vikar aus Lincolnshire oder Caernarvonshire, der gewohnt war, so einfach

wie ein kleiner Farmer zu leben, nothwendig einige wehmüthige

Empfindungen erwecken. Gerade weil der Londoner Klerus durchgehends für

eine Comprehension war, wollten die Vertreter der Landgeistlichkeit

nichts davon wissen.[134] Die Prälaten als Gesammtheit wünschten

aufrichtig, daß den Nonconformisten ein Zugeständniß gemacht werden

möchte. Aber die Prälaten waren durchaus nicht im Stande, die aufsässige

Demokratie zu beugen. Ihre Zahl war gering, einige von ihnen waren dem

Parochialklerus im höchsten Grade zuwider, der Präsident hatte nicht die

volle Autorität eines Primas, und überdies war es ihm gar nicht unlieb,

die Männer, die ihn seiner Meinung nach übel behandelt hatten, in ihren

Plänen behindert und gekränkt zu sehen.

Die Convocation prorogirt.

Man mußte nachgeben. Die Convocation wurde auf sechs Wochen prorogirt.

Nach Verlauf dieser sechs Wochen wurde sie aufs neue prorogirt und viele

Jahre vergingen, ehe sie ihre Thätigkeit wieder beginnen durfte.

So endete, und zwar für immer, die Hoffnung, daß die englische Kirche

bewogen werden könnte, den Bedenken der Nonconformisten ein Zugeständniß

zu machen. Eine gelehrte und ehrenwerthe Minorität des Priesterstandes

gab diese Hoffnung mit tiefem Bedauern auf. Sehr bald jedoch fanden

selbst Burnet und Tillotson Grund zu glauben, daß ihre Niederlage

thatsächlich ein glückliches Entrinnen war und daß der Sieg ein Unglück

gewesen sein würde. Eine Reform, wie sie zu den Zeiten der Königin

Elisabeth die große Gesammtheit der englischen Protestanten vereinigt

haben würde, würde zu Wilhelm's Zeiten mehr Herzen einander entfremdet

als versöhnt haben. Das Schisma, welches die Eide herbeigeführt hatten,

war bis jetzt noch ohne Bedeutung. Neuerungen wie die von der

Königlichen Commission vorgeschlagenen würden ihm eine gefährliche

Wichtigkeit gegeben haben. Bis jetzt saß ein Laie, mochte er auch das

Verfahren der Convention für unverantwortlich halten und die

Tugendhaftigkeit des eidverweigernden Klerus preisen, nach wie vor unter

der gewohnten Kanzel und kniete an dem gewohnten Altare. Wenn aber in

diesem Augenblicke, während seine Gemüthsstimmung durch das seinen

Lieblingsgeistlichen zugefügte vermeintliche Unrecht gereizt und er

vielleicht in Zweifel war, ob er ihrem Beispiele folgen solle oder

nicht, seine Augen und Ohren durch Aenderungen in dem Gottesdienste, dem

er innig zugethan war, beleidigt worden, wenn die Compositionen der

Doctoren des Jerusalemszimmers an die Stelle der alten Collecten

getreten wären, wenn er Geistliche ohne Chorhemd Kelch und Hostienteller

sitzenden Communicanten hätte darreichen sehen, so würde das Band, das

ihn an die Landeskirche knüpfte, zerrissen sein. Er würde sich in eine

Versammlung von Eidverweigerern begeben haben, wo der Gottesdienst, den

er liebte, ohne Verstümmelungen abgehalten wurde, die neue Secte, welche

für jetzt noch fast ausschließlich aus Priestern bestand, würde bald

durch viele und zahlreiche Gemeinden verstärkt worden sein, und diese

Gemeinden würden eine verhältnißmäßig größere Menge Reicher, Vornehmer

und Gebildeter aufzuweisen gehabt haben, als irgend eine andre

Dissentergemeinde. Die so verstärkten episkopalen Schismatiker würden

dem neuen Könige und seinen Nachfolgern wahrscheinlich eben so furchtbar

gewesen sein, wie die puritanischen Schismatiker es jemals den Fürsten

des Hauses Stuart waren. Es ist eine unbestreitbare und höchst

lehrreiche Thatsache, daß wir die bürgerliche und religiöse Freiheit,

deren wir uns jetzt erfreuen, zum großen Theil der Beharrlichkeit

verdanken, mit der die hochkirchliche Partei in der Convocation von 1689

sich weigerte, irgend einen Comprehensionsplan auch nur in Berathung zu

nehmen.[135]

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[Fußnote 1: Siehe die Verhandlungen der Lords vom 5. Febr. 1688/89 und

mehreren darauffolgenden Tagen; Braddon's Pamphlet betitelt: ^The Earl

of Essex's Memory and Honour Vindicated, 1690^, und die London Gazette

vom 31. Juli und 4. und 7. August 1690, worin Lady Essex und Burnet

öffentlich Braddon widersprachen.]

[Fußnote 2: Ob die Verurtheilung Lord Russel's, wenn sie nicht

umgestoßen worden wäre, für seinen Sohn ein Hinderniß gewesen sein

würde, ihm im Earlthum Bedford nachzufolgen, ist eine schwer zu

entscheidende Frage. Der alte Earl holte darüber die Gutachten der

größten Juristen der damaligen Zeit ein, die man noch in den Archiven zu

Woburn sehen kann. Bemerkenswerth ist, daß eines dieser Gutachten von

Pemberton herrührt, der bei dem Prozesse den Vorsitz geführt hatte.

Dieser Umstand beweist, daß die Familie ihn keiner Ungerechtigkeit oder

Grausamkeit beschuldigte, und er hatte sich auch in der That so gut

benommen, wie irgend ein andrer Richter sich vor der Revolution in einem

ähnlichen Falle benommen hatte.]

[Fußnote 3: ^Grey's Debates, March 1688/89.^]

[Fußnote 4: Die Edicte, welche die Todesurtheile Russell's, Sidney's,

Cornish's und der Alice Lisle umstießen, waren Geheim-Edicte. In die

Gesetzsammlung sind daher nur die Titel derselben aufgenommen, die

Edicte selbst aber findet man in Howell's ^Collection of State Trials^.]

[Fußnote 5: ^Commons' Journals, June 24. 1689.^]

[Fußnote 6: Johnson erzählt diese Geschichte selbst in seinem

sonderbaren Pamphlet, betitelt: ^Notes upon the Phoenix Edition of the

Pastoral Letter, 1694^.]

[Fußnote 7: Einige Nota des Ehrwürdigen Samuel Johnson, der Folioausgabe

seiner 1710 erschienenen Werke vorangestellt.]

[Fußnote 8: ^Lords' Journals, May 15. 1689.^]

[Fußnote 9: ^North's Examen, 224.^ North's Zeugniß wird durch mehrere

zeitgenössische Pasquille in Prosa und in Versen bestätigt. Siehe auch

das [Griechisch: eikôn brotoloigou], 1697.]

[Fußnote 10: Halifax-Manuscript im Britischen Museum.]

[Fußnote 11: Dedicationsepistel zu Oates' [Griechisch: eikôn basilikê].]

[Fußnote 12: In einer Ballade aus der damaligen Zeit kommen folgende

Zeilen vor:

»Kommt her, Ihr Whigs, und leiht mir Eure Ohren,

Habt Ihr nicht, wie der Doctor, sie verloren.«

Diese Zeilen müssen Mason vorgeschwebt haben, als er das Couplet

schrieb:

»Merkt auf Ihr Hills, Ihr Johnsons, Scots, Shebbeares,

Hört meinen Ruf, denn mancher unter Euch hat Ohren.«]

[Fußnote 13: ^North's Examen, 224, 234.^ North spricht von sechshundert

Pfund. Aber ich habe nach der unverschämten Petition, welche Oates

unterm 25. Juli 1689 an die Gemeinen richtete, die größere Summe

angenommen. Siehe die Verhandlungen.]

[Fußnote 14: Van Citters bedient sich dieses Spottnamens ganz ernsthaft

in seinen Depeschen an die Generalstaaten.]

[Fußnote 15: ^Lords' Journals, May 30. 1689.^]

[Fußnote 16: ^Lords' Journals, May 31. 1689; Commons' Journals, Aug. 2.;

North's Examen, 224; Narcissus Luttrell's Diary.^]

[Fußnote 17: Sir Robert war der ursprüngliche Held der »Rehearsal« und

wurde Bilboa genannt. In die umgearbeitete »Dunciade« setzte Pope die

Zeilen:

»Und hochgeborner Howard, majestät'scher Sire.

Ergänzt den Chorus mit den Narr'n von Stande.«

Pope's hochgeborner Howard war Eduard Howard, der Autor der ^British

Princes^.]

[Fußnote 18: ^Key to the Rehearsal; Shadwell's Sullen Lovers; Pepys May

5., 8. 1668; Evelyn, Februar 16. 1684/85.^]

[Fußnote 19: ^Grey's Debates und Commons' Journals, June 4., 11. 1689.^]

[Fußnote 20: ^Lords' Journals, June 6. 1689.^]

[Fußnote 21: ^Commons' Journals, August 2. 1689^; die außerordentlichen

holländischen Gesandten an die Generalstaaten vom 30. Juli (9. August).]

[Fußnote 22: ^Lords' Journals, July 30. 1689; Narcissus Luttrell's

Diary; Clarendon's Diary, July 31. 1689.^]

[Fußnote 23: ^Commons' Journals, July 31., August 13. 1689.^]

[Fußnote 24: ^Commons' Journals, August 20.^]

[Fußnote 25: Oldmixon klagt die Jakobiten, Burnet die Republikaner an.

Obwohl Burnet regen Antheil an der Discussion dieser Frage nahm, so ist

doch sein Bericht über die dabei stattgehabten Vorgänge sehr ungenau. Er

sagt, die Klausel sei von den Gemeinen lebhaft debattirt worden und

Hampden habe nachdrücklich für dieselbe gesprochen. Wir erfahren aber

aus den Protokollen (19. Juni 1689), daß sie ^nemine contradicente^

verworfen wurde. Die holländischen Gesandten bezeichnen sie als »^een

propositie 'twelck geen ingressie schynt te sullen vinden.^«]

[Fußnote 26: ^London Gazette, August 1. 1689; Narcissus Luttrell's

Diary.^]

[Fußnote 27: Die Geschichte dieser Bill findet man in den Protokollen

der beiden Häuser und in Grey's ^Debates^.]

[Fußnote 28: Siehe ^Grey's Debates^ und die ^Commons' Journals^ vom März

bis Juli. Die zwölf Kategorien findet man in den Protokollen vom 23. und

29. Mai und vom 8. Juni.]

[Fußnote 29: Halifax-Manuscript im Britischen Museum.]

[Fußnote 30: ^The Life and Death of George Lord Jeffreys^; Finch's Rede

in Grey's ^Debates^, 1. März 1688/89.]

[Fußnote 31: Siehe unter vielen anderen Schriften ^Jeffreys's Elegy;

Letter to the Lord Chancellor exposing to him the sentiments of the

people; Elegy of Dangerfield; Dangerfield's Ghost to Jeffreys; Humble

Petition of Widows and fatherless Children in the West; The Lord

Chancellors Discovery and Confession made in the time of his sickness in

the Tower; Hickeringill's Ceremonymonger;^ ein Flugblatt betitelt: »^O

rare show! O rare sight! O strange monster! The like not in Europe! To

be seen near Tower Hill, a few doors beyond the Lion's den.^«]

[Fußnote 32: ^Life and Death of George Lord Jeffreys.^]

[Fußnote 33: Tutchin erzählt dies selbst in den ^Bloody Assizes^.]

Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Siebenter Band: enthaltend Kapitel 13 und 14. · 第 22 / 24 段