Dem General, dem man die Oberleitung des Feldzugs gegen Irland

übertragen hatte, war es in seltenem Grade gelungen, sich die Zuneigung

und Achtung der englischen Nation zu erwerben. Er war zum Herzoge, zum

Ritter des Hosenbandordens und zum Feldzeugmeister ernannt worden, er

stand jetzt an der Spitze einer Armee, und doch erweckte seine Erhebung

nichts von dem Neide, der sich jedesmal kundgab, so oft Bentinck,

Zulestein oder Auverquerque ein Zeichen königlicher Gunst zu Theil ward.

Schomberg's militärische Tüchtigkeit war allgemein anerkannt. Er wurde

von allen Protestanten als ein Bekenner betrachtet, der für die Wahrheit

Alles erduldet hatte, den Märtyrertod ausgenommen. Um seines Glaubens

willen hatte er einem glänzenden Einkommen entsagt, hatte den

französischen Marschallsstab niedergelegt und hatte, in einem Alter von

beinahe achtzig Jahren, als ein armer Soldat des Zufalls seine Laufbahn

noch einmal von vorn angefangen. Da er in keiner Connection mit den

Vereinigten Provinzen stand und niemals dem kleinen Hofe im Haag

angehört hatte, so wurde der ihm vor englischen Anführern gegebene

Vorzug mit Recht nicht nationaler oder persönlicher Parteilichkeit,

sondern lediglich seinen Tugenden und Fähigkeiten zugeschrieben. Sein

Benehmen war weit verschieden von dem der anderen Ausländer, welche so

eben zu englischen Peers creirt worden waren. Diese waren bei vielen

ehrenwerthen Eigenschaften in Geschmack, Sitten und Neigungen Holländer

und konnten den Ton der Gesellschaft, in die sie versetzt worden, nicht

treffen. Er war ein Weltbürger, hatte ganz Europa durchwandert, hatte an

der Maas, am Ebro und am Tajo Armeen commandirt, hatte sich in dem

glänzenden Cirkel von Versailles bewegt und hatte am Berliner Hofe in

hoher Gunst gestanden. Französische Edelleute hatten ihn oft für einen

französischen Edelmann gehalten. Er hatte einige Zeit in England

zugebracht, sprach sehr gut englisch, fand sich leicht in die englischen

Sitten und wurde oft in Begleitung von Engländern im Parke gesehen. In

seiner Jugend hatte er mäßig gelebt, und seine Mäßigkeit genoß jetzt den

ihr gebührenden Lohn: ein ungemein rüstiges und kräftiges Alter. Als

achtzigjähriger Greis, hatte er noch Sinn für unschuldige Vergnügungen,

seine Conversation war außerordentlich elegant und lebhaft, man konnte

nichts Geschmackvolleres sehen als seine Equipagen und seine Tafel, und

jeder Cavalleriecornet beneidete die Anmuth und den würdevollen Anstand,

womit der Veteran an der Spitze seines Regiments auf seinem

Schlachtrosse in Hydepark erschien.[45] Das Haus der Gemeinen hatte ihn

mit allgemeiner Zustimmung durch ein Geschenk von hunderttausend Pfund

Sterling für seine Verluste entschädigt und für seine geleisteten

Dienste belohnt. Vor seinem Abgange nach Irland bat er um die Erlaubniß,

für dieses großmüthige Geschenk seinen Dank aussprechen zu dürfen. Es

ward ein Stuhl für ihn innerhalb der Schranke bereitgestellt. Er nahm,

mit dem Scepter zu seiner Rechten, auf demselben Platz, erhob sich dann,

sprach in kurzen freundlichen Worten seinen Dank aus und nahm Abschied

von der Versammlung. Der Sprecher erwiederte darauf, daß die Gemeinen

die Verpflichtungen, welche sie schon gegen Se. Gnaden hätten, nie

vergessen würden, daß sie ihn mit Vergnügen an der Spitze der englischen

Armee sähen, daß sie volles Vertrauen in seinen Eifer und seine

Geschicklichkeit setzten und daß sie sich seiner stets mit besonderer

Fürsorge annehmen würden. Das bei dieser interessanten Gelegenheit

gegebene Beispiel wurde hundertundfünfundzwanzig Jahre später bei einer

noch interessanteren Gelegenheit mit strengster Genauigkeit nachgeahmt.

Genau auf derselben Stelle, wo Schomberg im Juli 1689 die Freigebigkeit

der Nation dankend anerkannt, stand im Juli 1814 ein Stuhl für einen

noch berühmteren Krieger, der gekommen war, um sich für ein noch

glänzenderes Zeichen der öffentlichen Anerkennung zu bedanken. Wenige

Dinge bezeichnen treffender den eigenthümlichen Character der englischen

Verfassung und Nation als der Umstand, daß das Haus der Gemeinen, eine

aus dem Volke hervorgegangene Versammlung, selbst in einem Augenblicke

freudiger Begeisterung mit der ängstlichen Gewissenhaftigkeit eines

Wappencollegiums an althergebrachten Formen festhielt; daß das

Niedersetzen und Aufstehen, das Bedecktbleiben und das Entblößen des

Hauptes im 19. Jahrhundert noch genau nach der nämlichen Etikette

regulirt war wie im 17., und daß das nämliche Scepter, welches zur

Rechten Schomberg's gehalten worden war, in gleicher Stellung zur

Rechten Wellington's gehalten wurde.[46]

Unterbrechung der Parlamentssitzungen.

Am 20. August ging das Parlament, nachdem es sieben Monate lang in

ununterbrochener Thätigkeit gewesen war, auf königlichen Befehl für

kurze Zeit auseinander. Dieselbe Nummer der Gazette, welche die

Ankündigung enthielt, daß die beiden Häuser ihre Sitzungen eingestellt,

brachte auch die Mittheilung, daß Schomberg in Irland gelandet sei.[47]

Zustand Irland's -- Rath Avaux'.

Während der drei Wochen vor seiner Landung hatte im Schlosse von Dublin

die größte Angst und Bestürzung geherrscht. Schlag auf Schlag waren

einander so rasch gefolgt, daß Jakob's nie sehr starker Muth völlig

gebrochen worden war. Zuerst hatte er erfahren, daß Londonderry erlöst

war; dann, daß eine seiner Armeen von den Enniskillenern geschlagen

worden; hierauf, daß eine andere von seinen Armeen stark

zusammengeschmolzen und entmuthigt sich aus Ulster zurückzog oder

vielmehr floh; und endlich, daß Sligo, der Schlüssel von Connaught, den

Engländern preisgegeben worden war. Er hatte sich von der Unmöglichkeit

überzeugt, die Colonisten zu unterwerfen, selbst als sie fast ganz ohne

fremde Hülfe waren. Daher konnte er wohl zweifeln, ob es ihm möglich

sein würde, gegen sie zu kämpfen, wenn sie durch eine englische Armee

unter den Befehlen des größten lebenden Feldherrn unterstützt wurden.

Der unglückliche Fürst schien seit einigen Tagen der Verzweiflung

gänzlich anheimgefallen. Auf Avaux machte die Gefahr einen ganz andren

Eindruck. Jetzt, dachte er, sei es Zeit, den Krieg zwischen den

Engländern und Irländern in einen Vertilgungskrieg zu verwandeln und

jede Vereinigung der beiden Nationen unter eine Regierung für immer

unmöglich zu machen. In diesem Sinne unterbreitete er kaltblütig dem

Könige einen Vorschlag von fast unglaublicher Abscheulichkeit. Er sagte,

es müsse eine zweite Bartholomäusnacht veranstaltet werden. Ein Vorwand

dazu werde sich leicht finden lassen. Schomberg's Ankunft in Irland

werde ohne Zweifel in denjenigen südlichen Städten, deren Bevölkerung

überwiegend englisch sei, einige Aufregung hervorrufen, und jede

Ruhestörung, wo immer sie stattfinden möge, werde einen

Entschuldigungsgrund für eine allgemeine Niedermetzelung der

Protestanten von Leinster, Munster und Connaught darbieten.[48] Da der

König im ersten Augenblicke keinen Abscheu vor diesem Rathe an den Tag

legte,[49] so kam der Gesandte einige Tage später auf den Gegenstand

zurück und drang in Se. Majestät, die nöthigen Befehle zu erlassen.

Jetzt aber erklärte Jakob mit einer Entschiedenheit, die ihm zur Ehre

gereichte, daß nichts ihn vermögen werde, ein solches Verbrechen zu

begehen. »Diese Leute sind meine Unterthanen, und ich kann nicht so

grausam sein, sie zu ermorden, während sie friedlich unter meiner

Regierung leben.« -- »Es liegt nichts Grausames in meinem Vorschlage,«

entgegnete der gefühllose Diplomat. »Eure Majestät sollte bedenken, daß

Milde gegen die Protestanten Grausamkeit gegen die Katholiken ist.« Doch

Jakob war nicht zu bewegen, und Avaux entfernte sich in sehr übler

Laune. Er war der Meinung, daß die Humanitätsäußerungen des Königs

erheuchelt seien und daß Se. Majestät den Befehl zum allgemeinen

Gemetzel nur deshalb nicht gebe, weil er überzeugt sei, die Katholiken

im ganzen Lande würden auch ohne einen solchen Befehl über die

Protestanten herfallen.[50] Avaux irrte sich indeß vollständig. Daß er

Jakob für eben so unmoralisch hielt als er selbst war, kann nicht Wunder

nehmen. Unbegreiflich aber ist es, wie ein so kluger Mann vergessen

konnte, daß Jakob und er ganz verschiedene Zwecke verfolgten. Das Ziel

der Politik des Gesandten war, England und Irland für alle Zeiten zu

trennen. Das Ziel der Politik des Königs war die Vereinigung England's

und Irland's unter seinem Scepter, und er mußte nothwendig einsehen, daß

wenn in drei Provinzen ein allgemeines Niedermetzeln der Protestanten

stattfände und er in den Verdacht käme, es autorisirt, oder nur

stillschweigend geduldet zu haben, binnen vierzehn Tagen selbst in

Oxford kein Jakobit mehr am Leben sein würde.[51]

Gerade in diesem Augenblicke begann der Horizont Jakob's, welcher

hoffnungslos trübe geschienen hatte, sich aufzuhellen. Die Gefahr, die

ihn zu Boden drückte, hatte das irische Volk aufgerüttelt. Es hatte sich

sechs Monate früher wie ein Mann gegen die Sachsen erhoben. Die Armee,

welche Tyrconnel ins Leben gerufen, war im Verhältniß zu der

Bevölkerung, der sie entnommen war, die größte, welche Europa je

gesehen. Aber diese Armee hatte eine lange Reihe von Niederlagen und

Unfällen erlitten, die durch keine einzige glänzende Waffenthat

aufgewogen wurden. In England wie auf dem Continent war man gewohnt,

diese Niederlagen und Unfälle der Zaghaftigkeit des irischen

Volksstammes zuzuschreiben.[52] Daß dies aber ein großer Irrthum war,

wird durch die Geschichte jedes Krieges, der seit fünf Generationen in

irgend einem Theile der Christenheit geführt worden ist, genugsam

bewiesen. Das rohe Material, aus dem eine gute Armee gebildet werden

kann, war unter den Irländern in reichem Maße vorhanden. Avaux schrieb

seiner Regierung, daß sie ein auffallend schöner, großer und

wohlgebauter Menschenschlag seien, daß sie persönlich tapfer, der Sache,

für die sie kämpften, aufrichtig zugethan und gegen die Colonisten

heftig erbittert seien. Nachdem er ihre Kraft und ihren Muth gepriesen,

erklärte er, wie es zugehe, daß sie bei all ihrer Kraft und ihrem Muthe

doch beständig geschlagen wurden. Es sei ganz falsch, sagte er, wenn man

glaube, daß persönliche Tapferkeit, physischer Muth oder patriotische

Begeisterung am Tage der Schlacht die Disciplin ersetzen könne. Die

Infanterie sei schlecht bewaffnet und schlecht eingeübt, man ließe sie

allenthalben wohin sie komme plündern, und so habe sie alle Gewohnheiten

von Banditen angenommen. Es befinde sich kaum ein einziger Offizier

darunter, der fähig wäre, sie ihre Pflicht zu lehren. Ihre Obersten

seien zwar im allgemeinen Leute aus guter Familie, aber ohne

militärische Erfahrung. Die Hauptleute seien Metzger, Schneider oder

Schuhmacher, und nicht einer unter ihnen kümmere sich um den Comfort,

die Ausrüstung und Einübung der Leute, denen er vorgesetzt sei. Die

Dragoner seien nicht viel besser als die Infanterie. Nur die Reiter

seien, mit wenigen Ausnahmen, vortrefflich. Fast alle irischen

Gentlemen, die einige militärische Erfahrung besäßen, bekleideten

Offiziersstellen in der Cavallerie, und durch die Bemühungen dieser

Offiziere seien einige Regimenter gebildet und einexercirt worden,

welche Avaux allen, die er je gesehen, gleichstellte. Es liege daher auf

der Hand, daß die Untüchtigkeit der Fußsoldaten und der Dragoner nicht

den Fehlern des irischen Characters, sondern den Mängeln der irischen

Verwaltung zugeschrieben werden müsse.[53]

Die Ereignisse, welche im Herbst des Jahres 1689 eintraten, bewiesen zur

Genüge, daß der vom Unglück verfolgte Volksstamm, den seine Feinde wie

seine Bundesgenossen allgemein mit ungerechter Geringschätzung

betrachteten, mit den von Armuth, Unwissenheit und Aberglauben

unzertrennlichen Fehlern einige vortreffliche Eigenschaften verband, die

man auch bei blühenderen und civilisirteren Nationen nicht immer findet.

Die schlimmen Nachrichten, welche Jakob in Angst und Verzweiflung

stürzten, rüttelten die ganze Bevölkerung der südlichen Provinzen auf

wie der Ton der Schlachttrompete. Von allen Altären von dreiundzwanzig

Grafschaften wurde dem Volke verkündet, daß Ulster verloren sei, daß die

Engländer kämen und daß der Kampf auf Leben und Tod zwischen den beiden

feindlichen Nationen bevorstehe. Es sei nur noch eine Hoffnung, und wenn

diese fehlschlüge, bleibe nichts mehr übrig als die despotische,

erbarmungslose Herrschaft der sächsischen Colonie und der ketzerischen

Kirche. Der katholische Priester, der eben erst Pfarrhaus und Kanzel in

Besitz genommen, der katholische Squire, der so eben auf den Schultern

seiner jubelnden Pächter in die Halle seiner Väter getragen worden sei,

würden vertrieben werden, um von dem Almosen zu leben, das die selbst

unterdrückten und verarmten Landleute ihnen gewähren könnten. Eine neue

Vermögensconfiscation würde das Werk der Ansiedlungsacte vollenden und

die Anhänger Wilhelm's würden Alles wegnehmen, was die Anhänger

Cromwell's verschont hätten. Diese Befürchtungen riefen einen Ausbruch

patriotischer und religiöser Begeisterung hervor, welcher den

unvermeidlichen Augenblick der Unterjochung auf einige Zeit hinausschob.

Avaux war erstaunt über die Energie, welche die Irländer unter so

niederdrückenden Verhältnissen an den Tag legten. Es war allerdings die

wilde und unbeständige Energie eines halbbarbarischen Volks; sie war

vorübergehend und oft irregeleitet; aber wenn auch vorübergehend und

irregeleitet, that sie doch Wunder. Der französische Gesandte mußte

bekennen, daß die Offiziere, über deren Unbrauchbarkeit und Unthätigkeit

er so oft geklagt, ihre Lethargie plötzlich abgeschüttelt hätten. Die

Rekruten strömten zu Tausenden herbei, und die unter den Mauern von

Londonderry gelichteten Reihen waren bald wieder übervoll. Es wurden

große Anstrengungen gemacht, um die Truppen zu bewaffnen und

einzukleiden, und nach dem kurzen Zeitraum von vierzehn Tagen bot Alles

einen neuen und erfreulichen Anblick dar.[54]

Entlassung Melfort's.

Die Irländer verlangten vom Könige zum Lohn für die energischen

Anstrengungen in seinem Interesse ein Zugeständniß, das ihm durchaus

nicht angenehm war. Melfort's Unpopularität hatte in einem solchen Grade

zugenommen, daß er kaum noch seines Lebens sicher war, und er besaß

keinen Freund, der ein Wort zu seinen Gunsten hätte sprechen können. Die

Franzosen haßten ihn. In jedem Briefe, der aus England oder Schottland

in Dublin ankam, wurde er als der böse Genius des Hauses Stuart

bezeichnet. Es war um seiner selbst willen nothwendig ihn zu entlassen.

Man fand einen ehrenvollen Ausweg. Er erhielt Befehl, sich nach

Versailles zu begeben, den Stand der Dinge in Irland dort darzulegen und

die französische Regierung um schleunige Zusendung eines Hülfscorps von

sechs- bis siebentausend Mann gedienter Infanterie zu bitten. Er legte

die Siegel nieder und sie wurden zur großen Freude der Irländer den

Händen eines Irländers Sir Richard Nagle anvertraut, der sich als

Generalfiskal und als Sprecher des Hauses der Gemeinen hervorgethan

hatte. Melfort reiste unter dem Schutze der Dunkelheit ab, denn die Wuth

des Volks gegen ihn war so groß, daß er sich am Tage nicht ohne Gefahr

in den Straßen von Dublin zeigen konnte. Am andren Morgen verließ Jakob

seine Hauptstadt in entgegengesetzter Richtung, um Schomberg

entgegenzurücken.[55]

Schomberg landet in Ulster.

Schomberg war in Antrim gelandet. Die Streitmacht, die er mitbrachte,

überstieg nicht zehntausend Mann. Aber er erwartete, daß die bewaffneten

Colonisten und die von Kirke commandirten Regimenter zu ihm stoßen

würden. Die Kaffeehauspolitiker von London waren fest überzeugt, daß ein

solcher General mit einer solchen Armee die Insel rasch wiedererobern

werde. Leider aber zeigte es sich bald, daß die ihm gewährten Mittel für

das Werk, das er durchzuführen hatte, bei weitem nicht hinreichten; den

größeren Theil dieser Mittel verlor er bald durch eine Reihe

unvorhergesehener Unfälle, und der ganze Feldzug war nichts als ein

langer Kampf seiner Klugheit und Entschlossenheit gegen die äußerste

Tücke des Schicksals.

Carrickfergus genommen.

Er marschirte zuerst nach Carrickfergus. Diese Stadt wurde durch zwei

Regimenter Infanterie für König Jakob vertheidigt. Schomberg beschoß die

Mauern, und nachdem die Irländer sich eine Woche gehalten hatten,

capitulirten sie. Er versprach sie ungehindert abziehen zu lassen; aber

es wurde ihm nicht leicht, sein Wort zu halten. Die Bewohner der Stadt

und Umgegend waren größtentheils Protestanten schottischer Abkunft. Sie

hatten während des kurzen Uebergewichts des eingebornen Stammes viel zu

leiden gehabt und brannten vor Begierde, für die erduldeten Leiden Rache

zu üben. Sie rotteten sich zu zahlreichen Haufen zusammen und riefen,

daß sie sich an die Capitulation nicht kehrten, sondern gerächt sein

wollten. Von Worten gingen sie bald zu Schlägen über. Die entwaffneten,

ausgezogenen und hin und her gestoßenen Irländer suchten Schutz bei den

englischen Offizieren und Soldaten. Mit Mühe gelang es Schomberg, dem

Blutvergießen vorzubeugen, indem er mit dem Pistol in der Hand durch die

Haufen der wüthenden Colonisten sprengte.[56]

Von Carrickfergus marschirte Schomberg weiter nach Lisburn und von da

durch gänzlich verlassene Städte und über Ebenen, auf denen weder eine

Kuh, noch ein Schaf, noch ein Getreidefehm zu sehen war, nach

Loughbrickland. Hier stießen drei Regimenter Enniskillener zu ihm, deren

Kleidung, Pferde und Waffen einem an den Glanz von Revuen gewohnten Auge

wunderlich vorkamen, die aber an natürlichem Muthe keinen Truppen der

Welt nachstanden und die sich während mehrerer Monate beständigen

Wachtdienstes und Scharmützelns viele wesentliche Eigenschaften

regulärer Soldaten erworben hatten.[57]

Schomberg rückt weiter nach Leinster.

Schomberg setzte seinen Marsch durch eine Wüste gegen Dublin fort. Die

wenigen noch im Süden von Ulster befindlichen irischen Truppen zogen

sich vor ihm zurück, indem sie Alles auf ihrem Wege zerstörten. Newry,

einst ein hübsch gebauter und wohlhabender protestantischer Flecken,

fand er als einen Haufen rauchender Trümmer. Carlingford war ebenfalls

zerstört. Die Stelle, wo die Stadt einst gestanden, war nur noch durch

die massiven Ruinen des alten normännischen Schlosses bezeichnet.

Diejenigen, welche es wagten, Ausflüge aus dem Lager zu machen,

berichteten, daß die Gegend, soweit sie dieselbe durchstreift hätten,

eine Wildniß sei. Es gäbe wohl Hütten, aber sie seien unbewohnt; es gebe

üppige Weiden, aber weder Rinder- noch Schafherden; es gebe

Getreidefelder, aber die Ernte liege, vom Regen durchnäßt, auf dem

Boden.[58]

Die englische und die irische Armee campiren nahe bei einander.

Während Schomberg durch eine unabsehbare Einöde vorrückte, sammelten

sich die irischen Truppen rasch von allen Seiten. Am 10. September wurde

das königliche Banner Jakob's auf dem Thurme von Drogheda entfaltet, und

unter demselben waren bald zwanzigtausend kampffähige Männer versammelt,

die Infanterie im allgemeinen schlecht, die Cavallerie im allgemeinen

gut, beide aber voll Eifers für ihr Vaterland und ihre Religion.[59] Die

Armee war wie gewöhnlich von einem zahlreichen Troß Landvolk begleitet,

das mit Sensen, Halbpiken und Skeans bewaffnet war. Inzwischen hatte

Schomberg Dundalk erreicht. Die Entfernung zwischen beiden Heeren betrug

jetzt nicht mehr als einen starken Tagemarsch, und man erwartete daher

allgemein, daß das Schicksal der Insel unverzüglich durch eine offene

Schlacht entschieden werden würde.

In beiden Lagern wünschten Alle, die vom Kriege nichts verstanden,

sehnlichst loszuschlagen, und die Wenigen, die sich eines hohen Rufes

militärischer Tüchtigkeit erfreuten, waren in beiden Lagern gegen eine

Schlacht. Weder Rosen noch Schomberg wollten Alles auf einen Wurf

setzen. Beide kannten die Mängel ihrer Armee genau und keiner von ihnen

war über die Mängel der Armee des Andren vollständig unterrichtet. Rosen

wußte sehr gut, daß die irische Infanterie schlechter ausgerüstet, mit

schlechteren Offizieren versehen und schlechter eingeübt war, als irgend

eine Infanterie, die er vom bothnischen Meerbusen bis zum atlantischen

Ocean je gesehen, und er vermuthete, daß die englischen Truppen gut

einexercirt und, was sie allerdings hätten sein sollen, mit allem zu

einer erfolgreichen Thätigkeit Nöthigem wohl versehen seien. Eine

numerische Uebermacht, urtheilte er sehr richtig, würde gegen eine große

Ueberlegenheit in der Waffenführung und Disciplin wenig nützen. Er rieth

daher Jakob sich zurückzuziehen und lieber Dublin selbst dem Feinde

preiszugeben als eine Schlacht zu wagen, mit deren Verlust Alles

verloren sein würde. Athlone sei der beste Platz im Königreiche zu einem

entschlossenen Widerstande. Der Uebergang über den Shannon könne so

lange vertheidigt werden, bis der Succurs, um den Melfort bitten solle,

aus Frankreich anlange, und dieser Succurs werde den ganzen Character

des Kriegs ändern. Aber die Irländer, mit Tyrconnel an der Spitze, waren

einmüthig gegen den Rückzug. Das Blut der ganzen Nation war in Gährung.

Jakob freute sich über die Begeisterung seiner Unterthanen und erklärte

auf das Bestimmteste, daß er nicht die Schmach auf sich laden werde,

seine Hauptstadt dem Feinde ohne Schwertstreich zu überlassen.[60]

Schomberg lehnt eine Schlacht ab.

Binnen wenigen Tagen zeigte es sich klar, daß Schomberg beschlossen

hatte, nicht loszuschlagen, und seine Gründe waren gewichtig. Er hatte

zwar einige gute holländische und französische Truppen, und auch die

Enniskillener, die sich ihm angeschlossen, hatten eine militärische

Lehrzeit bestanden, wenn auch nicht in der regelrechtesten Weise. Die

große Masse seiner Armee aber bestand aus englischen Landleuten, welche

eben erst aus ihren Hütten kamen. Seine Musketiere hatten noch zu

lernen, wie sie ihre Gewehre laden mußten, seine Dragoner hatten noch zu

lernen, wie sie mit ihren Pferden umgehen mußten, und diese unerfahrenen

Soldaten waren zum größten Theil von Offizieren befehligt, welche eben

so unerfahren waren als sie selbst. Seine Truppen waren daher im

allgemeinen den irischen in der Disciplin nicht überlegen, und standen

ihnen an Zahl weit nach. Ja er überzeugte sich sogar, daß seine Soldaten

eben so schlecht bewaffnet, eben so schlecht logirt und eben so schlecht

gekleidet waren, als die ihnen gegenüberstehenden Celten.

Betrügereien des englischen Kriegscommissariats.

Der Reichthum der englischen Nation und die freigebigen Beschlüsse des

englischen Parlaments hatten ihn zu der Erwartung berechtigt, daß er mit

allem Kriegsbedarf reichlich versehen werden würde. Aber er sah sich

bitter getäuscht. Die Verwaltung war seit Oliver's Tode fortwährend

unvernünftiger und verderbter geworden, und jetzt erntete die Revolution

was die Restauration gesäet hatte. Ein Heer nachlässiger oder

habsüchtiger Beamter, unter Karl und Jakob gebildet, plünderte die

Armeen und die Flotten Wilhelm's aus, ließ sie darben und vergiftete

sie. Der Erste unter diesen Leuten war Heinrich Shales, der unter der

vorigen Regierung Generalcommissar des Lagers bei Hounslow gewesen war.

Man kann die neue Regierung kaum tadeln, daß sie ihn auf seinem Posten

ließ, denn seine Erfahrung in dem ihm anvertrauten Verwaltungszweige

übertraf bei weitem die jedes andren Engländers. Leider aber hatte er,

in der nämlichen Schule, in der er seine Erfahrungen gesammelt, auch die

ganze Kunst des Veruntreuens erlernt. Das Rindfleisch und der

Branntwein, welche er lieferte, waren so schlecht, daß die Soldaten sich

davor ekelten; die Zelte waren verfault, die Bekleidung unzureichend,

die Musketen zerbrachen beim Gebrauch. Große Massen Schuhe waren der

Regierung in Rechnung gestellt, aber zwei Monate nachdem der Schatz sie

bezahlt, waren sie noch nicht in Irland angekommen. Mittel zum Transport

des Gepäcks und der Artillerie fehlten fast ganz. Eine große Menge

Pferde waren mit öffentlichem Gelde in England angekauft und an die Ufer

des Dee geschickt worden. Aber Shales hatte sie zur Erntearbeit an die

Landwirthe von Cheshire vermiethet, hatte den Miethertrag in seine

Tasche gesteckt, und hatte es den Truppen in Ulster überlassen sich

fortzuhelfen so gut sie konnten.[61] Schomberg war der Meinung, daß,

wenn er mit einer schlecht disciplinirten und schlecht ausgerüsteten

Armee eine Schlacht wagte, er nicht unwahrscheinlich geschlagen werden

würde, und er wußte, daß eine Niederlage den Verlust eines Königreichs,

vielleicht den Verlust dreier Königreiche nach sich ziehen konnte. Er

beschloß daher, in der Defensive zu verharren, bis seine Leute eingeübt

und Verstärkungen und Zufuhren angelangt sein würden.

Er verschanzte sich bei Dundalk dergestalt, daß er nicht gezwungen

werden konnte, gegen seinen Willen zu kämpfen. Jakob, ermuthigt durch

die Zurückhaltung seines Gegners, rückte, die Rathschläge Rosen's nicht

beachtend, gegen Ardee vor, erschien an der Spitze der ganzen irischen

Armee vor den englischen Linien, stellte Reiterei, Fußvolk und

Artillerie in Schlachtordnung auf, und entfaltete sein Banner. Die

Engländer hätten gar zu gern losgeschlagen. Aber der Entschluß ihres

Generals stand fest und konnte weder durch das prahlerische Gebahren des

Feindes, noch durch das Murren seiner eignen Soldaten erschüttert

werden. So blieb er einige Wochen sicher hinter seinen Schutzwällen,

während die Irländer wenige Meilen davon lagen. Er sorgte nun eifrig für

Einübung der Rekruten, aus denen seine Armee zum größten Theil bestand.

Seine Musketiere mußten sich beständig im Schießen üben, bald nach der

Scheibe, bald in Pelotons, und die Art und Weise, wie sie sich anfangs

dabei benahmen, bewies deutlich, daß er sehr wohl daran gethan, sie

nicht zum Kampfe zu führen. Es stellte sich heraus, daß von vier

englischen Soldaten noch nicht einer sein Gewehr ordentlich zu behandeln

verstand, und wenn es gelang, dasselbe aufs Gerathewohl abzufeuern,

glaubte Wunder was er Großes vollbracht habe.

Verschwörung unter den in englischen Diensten stehenden französischen

Truppen.

Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Siebenter Band: enthaltend Kapitel 13 und 14. · 第 16 / 24 段