ließen ihre Plaids fallen. Die Wenigen, die so luxuriös waren, rohe
Socken von ungegerbter Haut zu tragen, warfen sie weg. Man erinnerte
sich noch lange in Lochaber, daß Lochiel seine Schuhe, wahrscheinlich
das einzige Paar in seinem Clan, auszog und barfuß an der Spitze seiner
Leute kämpfte. Die ganze Linie rückte feuergebend vor. Der Feind
erwiederte das Feuer mit guter Wirkung. Als nur noch ein kleiner Raum
zwischen den beiden Heeren war, warfen die Hochländer plötzlich ihre
Gewehre weg, zogen ihre Breitschwerter und stürzten mit einem
furchtbaren Geschrei vorwärts. Die Niederländer machten sich bereit, den
Angriff zurückzuweisen; doch dies war damals eine langwierige und
schwerfällige Procedur, und die Soldaten hanthierten noch an den
Mündungen ihrer Gewehre und an den Griffen ihrer Bajonette herum, als
der ganze Strom der Macleans, Macdonalds und Camerons auf sie anstürmte.
In zwei Minuten war die Schlacht verloren und gewonnen. Die Reihen von
Balfour's Regiment öffneten sich. Er wurde niedergehauen, während er im
Gedränge kämpfte. Ramsay's Leute machten kehrt und warfen die Waffen
weg. Mackay's eignes Fußvolk wurde durch den wüthenden Angriff der
Camerons auseinandergesprengt. Sein Bruder und sein Neffe bemühten sich
vergebens, die Leute zu sammeln. Ersterer wurde durch einen Hieb mit
einem Claymore todt zu Boden gestreckt. Der Andre arbeitete sich, mit
acht Wunden bedeckt, durch das Getümmel und Blutvergießen bis an die
Seite seines Oheims. Selbst in dieser äußersten Bedrängniß behielt
Mackay seine ganze Geistesgegenwart. Er hatte noch eine Hoffnung. Ein
Reiterangriff konnte das Kriegsglück wenden, denn vor Reitern fürchteten
sich, wie man glaubte, selbst die tapfersten Hochländer. Doch er rief
umsonst nach den Reitern. Belhaven benahm sich zwar als ein tapferer
Gentleman; aber seine Reiter, über die Niederlage des Fußvolks
erschrocken, sprengten in Verwirrung davon; Annandale's Leute folgten;
Alles war vorüber und der wirre Strom von Rothröcken und Tartans wälzte
sich das Thal hinunter in die Schlucht von Killiecrankie.
Mackay, von einem treuen Diener begleitet, sprengte muthig durch das
dichteste Gewühl der Claymores und Tartschen und erreichte einen Punkt,
von wo er einen Ueberblick über das Schlachtfeld hatte. Seine ganze
Armee war verschwunden, mit Ausnahme einiger Grenzer, welche Leven
zusammengehalten hatte, und des Regiments Hastings, das ein mörderisches
Feuer in die celtischen Reihen gesandt hatte und das noch in
ungebrochener Ordnung Stand hielt. Die Leute welche gesammelt werden
konnten, beliefen sich auf nur wenige Hunderte. Der General beeilte
sich, sie über den Garry zu führen, und nachdem er diesen Fluß zwischen
sie und den Feind gebracht hatte, machte er einen Augenblick Halt, um
über seine Lage nachzudenken.
Er konnte kaum begreifen, wie die Sieger so unklug sein konnten, ihm
auch nur diesen Augenblick zur Ueberlegung zu lassen. Sie hätten mit
Leichtigkeit seine ganze Mannschaft niederhauen oder gefangen nehmen
können, bevor die Nacht einbrach. Aber die Energie der celtischen
Krieger hatte sich in einem wüthenden Angriff und einem kurzen Kampfe
erschöpft. Der Engpaß war von den zwölfhundert Lastthieren, welche die
Lebensmittel und das Gepäck der besiegten Armee trugen, verstopft. Eine
solche Beute war eine unwiderstehliche Versuchung für Leute, die
ebensowohl durch das Verlangen nach Raub, wie durch das Verlangen nach
Ruhm zum Kriege getrieben wurden. Es ist wahrscheinlich, daß sogar
wenige Häuptlinge geneigt waren um König Jakob's willen eine so reiche
Beute im Stich zu lassen. Dundee selbst würde in diesem Augenblicke
nicht im Stande gewesen sein, seine Anhänger dazu zu bewegen, daß sie
von den Beutehaufen abließen und das große Werk des Tages vollendeten,
und Dundee war nicht mehr.
Dundee's Tod.
Beim Beginn des Gefechts hatte er seinen Platz vor der Fronte seiner
kleinen Reiterschaar genommen. Er befahl ihr ihm zu folgen und ritt
vorwärts. Doch es schien beschlossen zu sein, daß an diesem Tage die
Schotten des Niederlandes in beiden Armeen sich in nachtheiligem Lichte
zeigen sollten. Die Reiter zögerten. Dundee wendete sich um, erhob sich
in den Steigbügeln und forderte sie seinen Hut schwenkend auf,
herbeizukommen. Als er seinen Arm erhob, lüftete sich sein Harnisch und
entblößte den unteren Theil seiner linken Seite. Eine Musketenkugel traf
ihn, sein Pferd sprang vorwärts und stürzte sich in eine Wolke von Rauch
und Staub, welche beiden Armeen den Fall des siegreichen Generals
verbarg. Ein Mann, Namens Johnstone, war in seiner Nähe und fing ihn
auf, als er aus dem Sattel herabsank. »Wie steht die Schlacht?« fragte
Dundee. »Gut für König Jakob,« antwortete Johnstone, »aber ich bin
besorgt um Ew. Lordschaft.« -- »Wenn die Schlacht gut für ihn steht,«
erwiederte der Sterbende, »so ist an mir um so weniger gelegen.« Dies
waren seine letzten Worte; als aber eine halbe Stunde darauf Lord
Dunfermline und einige andere Freunde zur Stelle kamen, glaubten sie
noch einige schwache Lebenszeichen zu erkennen. Der in zwei Plaids
gehüllte Leichnam wurde nach Blair Castle gebracht.[107]
Mackay's Rückzug.
Mackay, der von Dundee's Schicksal nichts wußte, wohl aber Dundee's
Geschicklichkeit und Thätigkeit kannte, erwartete augenblicklich und
heftig verfolgt zu werden, und machte sich wenig Hoffnung, auch nur die
spärlichen Ueberreste der besiegten Armee retten zu können. Durch den
Engpaß konnte er sich nicht zurückziehen, denn die Hochländer waren
bereits dort. Er beschloß daher, über die Berge in das Thal des Tay
vorzudringen. Er holte bald einige Hundert seiner Ausreißer ein, welche
dieselbe Richtung eingeschlagen hatten. Die meisten von ihnen gehörten
zu Ramsay's Regiment und mußten gediente Soldaten sein. Aber sie waren
ohne Waffen, durch die erlittene Niederlage demoralisirt, und der
General konnte bei ihnen keinen Ueberrest von militärischer Disciplin
ober kriegerischem Muthe entdecken. Seine Lage war von der Art, daß sie
auch den Stärksten auf eine harte Probe stellen mußte. Die Nacht war
hereingebrochen; er befand sich ohne Führer in einer Wüste; ein
siegreicher Feind war ihm aller Wahrscheinlichkeit nach auf den Fersen,
und er hatte für die Sicherheit eines Haufens von Menschen zu sorgen,
welche Kopf und Herz verloren hatten. Er hatte eben die schmerzlichste
und demüthigendste Niederlage erlitten. Seine Privatgefühle waren nicht
weniger tief verwundet worden als seine Berufsgefühle. Ein theurer
Verwandter war eben vor seinen Augen todt niedergestreckt worden. Ein
andrer bewegte sich, aus vielen Wunden blutend, nur noch schwach neben
ihm. Doch der Muth des unglücklichen Generals wurde durch einen festen
Glauben an Gott und durch ein hohes Pflichtgefühl für den Staat
aufrechterhalten. Bei all' seinem Elend und Mißgeschick trug er das
Haupt noch stolz erhoben und fand Muth nicht allein für sich, sondern
für Alle die ihn umgaben. Seine erste Sorge war, des Weges gewiß zu
sein. Ein einsames Licht, das durch die Dunkelheit schimmerte, führte
ihn zu einer kleinen Hütte. Die Bewohner sprachen nur gälisch, und waren
anfangs durch das Erscheinen von Uniformen und Waffen geängstigt. Doch
Mackay's Leutseligkeit zerstreute ihre Besorgniß. Ihre Sprache war ihm
in der Jugend geläufig gewesen, und er hatte genug davon behalten, um
sich mit ihnen verständigen zu können. Nach ihren Anweisungen und mit
Hülfe einer Taschenkarte, auf welcher die Straßen jenes wilden Landes
oberflächlich angegeben waren, gelang es ihm sich zurecht zu finden. Er
marschirte die ganze Nacht. Als der Tag anbrach, war seine Aufgabe
schwieriger als je. Hasting's und Leven's Leute benahmen sich zwar noch
wie Soldaten. Aber die Ramsay'schen Ausreißer waren ein bloßer
Pöbelhaufen. Sie hatten ihre Musketen weggeworfen, und die
Breitschwerter, vor denen sie geflohen waren, blitzten beständig vor
ihren Augen. Jeder neue Gegenstand jagte ihnen einen neuen Schrecken
ein. Ein Häuflein Hirten in Plaids, welche ihr Vieh trieben, wurde durch
die Einbildungskraft zu einem Heere celtischer Krieger vergrößert.
Einige der Ausreißer verließen das Hauptcorps und entflohen ins Gebirge,
wo ihre Feigheit die verdiente Strafe fand. Sie wurden um ihrer Röcke
und Schuhe willen erschlagen, und ihre nackten Leichname den Adlern von
Ben Lawers preisgegeben. Die Desertion würde noch viel ärger gewesen
sein, hätten nicht Mackay und seine Offiziere mit dem Pistol in der Hand
jeden Mann niederzuschießen gedroht, den sie bei dem Versuche sich
fortzustehlen betreffen würden.
Endlich kamen die ermüdeten Flüchtlinge vor Weems Castle an. Der
Besitzer des Schlosses war ein Freund der neuen Regierung und er erwies
ihnen soviel Gastfreundschaft als in seinen Kräften stand. Sein Vorrath
von Hafermehl wurde herbeigebracht, es wurden einige Rinder geschlachtet
und den zahlreichen Gästen eine eilig zubereitete kunstlose Mahlzeit
vorgesetzt. So gestärkt brachen sie wieder auf und marschirten den
ganzen Tag über Sumpf, Moor und Berg. So dünn bevölkert die Gegend auch
war, konnten sie doch deutlich sehen, daß die Nachricht von ihrem
Mißgeschick sich schon weit verbreitet hatte und daß die Bevölkerung
allenthalben in großer Aufregung war. Spät in der Nacht erreichten sie
das Schloß Drummond, das durch eine kleine Besatzung für König Wilhelm
vertheidigt wurde, und am folgenden Tage marschirten sie unter
geringeren Beschwerden weiter nach Stirling.[108]
Eindruck der Schlacht von Killiecrankie.
Das Gerücht von ihrer Niederlage war ihnen vorausgeeilt. Ganz Schottland
war in Gährung. Der Schlag war allerdings hart, aber er wurde durch die
hochfliegenden Hoffnungen der einen und durch die maßlosen Befürchtungen
der andren Partei übertrieben. Man glaubte anfangs, daß die ganze Armee
König Wilhelm's umgekommen, daß Mackay selbst gefallen, daß Dundee an
der Spitze eines siegberauschten und beutegierigen zahlreichen
Barbarenheeres bereits vom Gebirge herabgekommen, daß er Herr des ganzen
Landes jenseits des Forth, daß Fife aufgestanden sei, um sich ihm
anzuschließen, daß er in drei Tagen in Stirling und in acht Tagen in
Holyrood sein werde. Es wurden Booten ausgesandt, um ein in
Northumberland liegendes Regiment aufzufordern, eiligst über die Grenze
zu rücken. Andere Boten brachten das dringende Gesuch an Seine Majestät
nach London, sofort alle entbehrlichen Soldaten zu schicken und am
liebsten selbst mitzukommen, um sein nordisches Reich zu retten.
Vertagung des schottischen Parlaments.
Die Factionen im Parlamentshause vergaßen in ihrem Schrecken über die
gemeinsame Gefahr allen Streit. Die Anhänger des Hofes wie die
Mißvergnügten beschworen einstimmig den Lordstatthalter, die Session zu
schließen und sie von einem Orte zu entlassen, wo ihre Berathungen bald
durch die Gebirgsbewohner unterbrochen werden könnten. Es wurde
ernstlich in Erwägung gezogen, ob es nicht rathsam sei, Edinburg
aufzugeben, die im Schlosse und im Tolbooth befindlichen zahlreichen
Staatsgefangenen auf ein vor Leith liegendes Kriegsschiff zu bringen und
den Sitz der Regierung nach Glasgow zu verlegen.
Der Nachricht von Dundee's Sieg folgte aller Orten sehr bald die
Nachricht von seinem Tode, und es ist ein schlagender Beweis für den
Umfang und das Maß seiner Fähigkeiten, daß sein Tod überall als ein
Ereigniß betrachtet wurde, das seinen Sieg vollständig aufwog. Ehe
Hamilton die Stände vertagte, theilte er ihnen mit, daß er gute
Nachrichten für sie habe, daß Dundee wirklich todt sei und daß daher die
Rebellen im Grunde eine Niederlage erlitten hätten. In verschiedenen
Briefen, welche damals von einsichtsvollen und erfahrenen Staatsmännern
geschrieben wurden, spricht sich eine gleiche Ansicht aus. Dem Boten,
der mit der Nachricht von der Schlacht an den englischen Hof eilte,
folgte ein andrer auf dem Fuße, der eine Depesche für den König brachte
und, da er Se. Majestät im St. Jamespalaste nicht anwesend fand, nach
Hampton Court sprengte. Niemand in der Hauptstadt wagte es das Siegel zu
erbrechen; glücklicherweise aber hatte eine befreundete Hand, nachdem
der Brief verschlossen war, auf die Außenseite desselben die tröstenden
Worte geschrieben: »Dundee ist gefallen, Mackay ist in Stirling
angelangt,« und diese Worte beruhigten die Gemüther der Londoner.[109]
Aus dem Engpasse von Killiecrankie hatten sich die Hochländer, stolz auf
ihren Sieg und mit Beute beladen, nach dem Schlosse Blair zurückgezogen.
Sie rühmten sich, daß das Schlachtfeld mit Haufen gefallener sächsischer
Soldaten bedeckt sei, und daß das Aussehen der Leichname deutlich
beweise, was ein gutes gälisches Breitschwert in einer guten gälischen
Hand auszurichten vermöge. Man habe Köpfe gefunden, welche bis an den
Hals gespalten, und Hirnschädel, welche dicht über den Ohren glatt
abgehauen gewesen seien. Indessen hatten auch die Sieger ihren Sieg
theuer erkauft. Auf ihrem Marsche waren sie durch das Feuer des Feindes
sehr beunruhigt worden, und selbst nach dem entscheidenden Angriffe
hatten Hastings' Engländer und ein Theil von Leven's Grenzern noch immer
ein wohlgenährtes Feuer unterhalten. Hundertzwanzig Camerons waren
getödtet worden; der Verlust der Macdonalds war noch bedeutender und
mehrere vornehme und angesehene Gentlemen waren geblieben.[110]
Dundee ward in der Kirche von Blair Athol beigesetzt, aber kein Denkmal
über seiner Gruft errichtet, und die Kirche selbst existirt schon lange
nicht mehr. Ein roher Stein auf dem Schlachtfelde bezeichnet, wenn
anders man der lokalen Ueberlieferung glauben darf, die Stelle wo er
fiel.[111] In den letzten drei Monaten seines Lebens hatte er sich als
ein großer Feldherr und Staatsmann gezeigt, und sein Name wird daher von
der zahlreichen Klasse von Leuten, welche der Ansicht sind, daß es kein
auch noch so großes Maß von Schlechtigkeit giebt, welches durch Muth und
Talent nicht aufgewogen werden könnte, mit Achtung genannt.
Es ist merkwürdig, daß die beiden bedeutendsten Schlachten, welche
vielleicht jemals irreguläre Truppen über reguläre gewannen: die
Schlacht von Killiecrankie und die Schlacht von Newton Butler, in einer
und der nämlichen Woche stattfanden. In beiden Schlachten war der Sieg
der irregulären Truppen ungemein rasch und vollständig. In beiden
Schlachten war der panische Schrecken der regulären Truppen, trotz des
glänzenden Beispiels von Muth, das ihre Generäle gaben, ganz besonders
schimpflich. Auch ist zu bemerken, daß der eine dieser beiden
außerordentlichen Siege von Celten über Sachsen, der andre von Sachsen
über Celten erfochten wurde. Allerdings ist der Sieg von Killiecrankie,
obgleich er weder glänzender noch wichtiger war als der von Newton
Butler, in viel weiteren Kreisen berühmt, und der Grund davon liegt auf
der Hand. In Schottland sind die Angelsachsen und die Celten ausgesöhnt
worden, in Irland sind sie nie ausgesöhnt worden. In Schottland werden
alle Großthaten beider Racen ohne Unterschied zusammengeworfen und
werden als den Ruhm des ganzen Landes bildend betrachtet. Die alte
Antipathie ist so vollkommen verschwunden, daß es etwas ganz
Gewöhnliches ist, einen Bewohner des Niederlandes mit Selbstgefälligkeit
und sogar mit Stolz von der demüthigendsten Niederlage sprechen zu
hören, die seine Vorfahren je erlitten. Es dürfte schwer sein, einen
berühmten Mann zu nennen, bei welchem das Nationalgefühl und das
Clansgefühl stärker gewesen waren als bei Sir Walter Scott. Wenn jedoch
Sir Walter Scott Killiecrankie erwähnte, schien er gänzlich zu
vergessen, daß er ein Sachse, daß er von demselben Blute war und die
nämliche Sprache sprach wie Ramsay's Fußvolk und Annandale's Reiter.
Sein Herz schwoll von Siegesstolz, wenn er erzählte, wie seine
Stammverwandten gleich Hasen vor einer geringen Anzahl Krieger eines
andren Stammes und einer andren Zunge die Flucht ergriffen hatten.
In Irland ist die Fehde heute noch nicht getilgt. Der von einer
Minderzahl in höhnender Weise wiederholte Name Newton Butler ist der
großen Mehrheit der Bevölkerung verhaßt. Wenn man ein Denkmal auf dem
Schlachtfelde errichtete, würde es wahrscheinlich verstümmelt werden;
wenn man in Cork oder Waterford den Jahrestag der Schlacht feiern
wollte, so würde die Feier wahrscheinlich gewaltsam gestört werden. Der
berühmteste irische Dichter unsrer Zeit würde es als einen Verrath an
seinem Vaterlande betrachtet haben, das Lob der Sieger zu singen. Einer
der gelehrtesten und eifrigsten irischen Alterthumsforscher unsrer Zeit
hat, allerdings nicht mit besonderem Glück, zu beweisen versucht, daß
der Ausgang der Schlacht durch einen reinen Zufall entschieden worden
sei, aus welchem kein Ruhm für die Engländer hervorgehen könne. Wir
dürfen uns nicht wundern, daß der Sieg der Hochländer mehr gefeiert wird
als der Sieg der Enniskillener, wenn wir bedenken, daß der Sieg der
Hochländer ein Gegenstand des Ruhmes für ganz Schottland, der Sieg der
Irländer aber ein Gegenstand der Schmach für drei Viertheile von Irland
ist.
So weit die großen Interessen des Staats dabei in Betracht kamen, war es
ganz gleichgültig, ob die Schlacht von Killiecrankie gewonnen oder
verloren wurde. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß selbst Dundee, wenn er
den glorreichsten Tag seiner Laufbahn überlebt hätte, die
Schwierigkeiten überwunden haben würde, welche aus dem eigenthümlichen
Character seiner Armee entsprangen und die sich verzehnfacht haben
würden, sobald der Krieg auf das Niederland übertragen worden wäre.
Die hochländische Armee verstärkt.
Gewiß ist jedoch, daß sein Nachfolger der Aufgabe durchaus nicht
gewachsen war. Einige Tage lang konnte sich der neue General zwar mit
der Hoffnung schmeicheln, daß Alles gut gehen werde, denn seine Armee
hatte sich rasch um fast die doppelte Anzahl Claymores verstärkt, welche
Dundee befehligt. Die Stewarts von Appin, welche, obgleich voll Eifers,
nicht zur rechten Zeit hatten eintreffen können, um an der Schlacht
Theil zu nehmen, waren unter den Ersten, die jetzt ankamen. Mehrere
Clans, welche bisher gewartet hatten, um erst zu sehen, welcher Theil
der stärkere sein würde, wünschten jetzt sehnlichst unter dem Banner
König Jakob's VII. ins Niederland hinab zu ziehen. Die Grants hielten
zwar treu zu Wilhelm und Marien und die Mackintosh's blieben wegen ihrer
unüberwindlichen Abneigung gegen die Keppochs neutral. Aber Macphersons,
Farquharsons und Frasers kamen massenhaft ins Lager bei Blair. Jetzt war
die Unschlüssigkeit der Männer von Athol zu Ende. Viele von ihnen
hatten während des Kampfes hinter den Felsen und Birken der
Killiecrankieschlucht auf der Lauer gelegen und kamen, sobald der
Ausgang der Schlacht entschieden war, aus ihren Schlupfwinkeln hervor,
um die Flüchtlinge, welche durch den Engpaß zu entkommen versuchten,
auszuplündern und niederzumachen. Die Robertsons, ein gälischer Stamm,
obgleich er einen sächsischen Namen führte, erklärten damals ihren
Beitritt zur Sache des verbannten Königs. Ihr Häuptling Alexander, der
sich nach seiner Herrschaft Struan nannte, war ein noch sehr junger Mann
und Student auf der St. Andreas Universität. Dort hatte er sich eine
oberflächliche wissenschaftliche Bildung angeeignet, war aber desto
tiefer in die Torypolitik eingeweiht worden. Jetzt schloß er sich der
hochländischen Armee an und blieb während seines langen Lebens der
jakobitischen Sache unwandelbar treu. Er spielte jedoch eine so
unbedeutende Rolle bei den öffentlichen Angelegenheiten, daß sein Name
jetzt vergessen sein würde, hätte er nicht einen Band durchgehends
abgeschmackter und oft höchst unsittlicher Gedichte hinterlassen. Wäre
dieses Buch in Grub Street fabricirt worden, so würde es in der
»Dunciade« kaum mit einer Viertelzeile beehrt worden sein. Wegen der
Stellung seines Autors aber machte es einiges Aufsehen, denn vor
hundertzwanzig Jahren war eine Ekloge oder ein Schmähgedicht aus der
Feder eines hochländischen Häuptlings ein literarisches Wunder.[112]
Obgleich indessen die numerische Stärke von Cannon's Truppen zunahm,
verminderte sich dennoch ihre Wirksamkeit. Jeder neue Stamm, der im
Lager ankam, brachte eine neue Ursache zu Zwietracht mit. In der Stunde
der Gefahr fügen sich oftmals die übermüthigsten und widerspenstigsten
Köpfe der Leitung eines überlegenen Genies. Die celtischen Häuptlinge
aber hatten selbst in der Stunde der Gefahr und selbst dem Genie
Dundee's nur einen sehr prekären und unvollkommenen Gehorsam
zugestanden. Sie zu zügeln, wenn sie vom Kriegsglück berauscht waren und
sich auf ihre Stärke verlassen zu können glaubten, würde wahrscheinlich
auch für Dundee eine eben so schwere Aufgabe gewesen sein, als sie es
unter der vorhergehenden Generation für Montrose gewesen war. Der neue
General war fortwährend unschlüssig und machte nichts als Fehler. Eine
seiner ersten Maßregeln war, daß er ein starkes Truppencorps,
hauptsächlich aus Robertsons bestehend, ins Niederland schickte, um
Lebensmittel herbeizuschaffen. Er glaubte wahrscheinlich, daß dieses
Detachement ohne Schwierigkeit Perth besetzen werde. Aber Mackay hatte
die Ueberreste seiner Armee schon wieder geordnet, hatte außerdem einige
Truppen an sich gezogen, welche die Schmach der kürzlichen Niederlage
nicht getheilt, und war wieder kampfgerüstet. So schmerzlich er auch den
erlittenen Schlag empfunden, hatte er doch mit weiser Großmuth
beschlossen, das Vergangene nicht zu bestrafen. Es war nicht leicht, die
verschiedenen Grade der Schuld zu unterscheiden, und die Schuldigen zu
decimiren wäre eine grausame Schlächterei gewesen. In Folge seiner
gewohnten Frömmigkeit erblickte er in dem beispiellosen Schrecken, der
sich seiner Soldaten bemächtigt hatte, auch weniger einen Beweis von
Feigheit ihrerseits, als vielmehr von göttlichem Unwillen. Mit
heroischer Demuth erkannte er an, daß die außerordentliche Festigkeit,
die er selbst inmitten der Verwirrung und des Gemetzels an den Tag
gelegt, nicht sein Verdienst sei und daß er sich ohne den Beistand einer
höheren Macht wohl eben so kleinmüthig benommen haben würde wie irgend
einer der feigen Ausreißer, die ihre Waffen fortgeworfen und die
barbarischen Marodeurs von Athol vergebens um Pardon angefleht hatten.
Sein Gottvertrauen hielt ihn jedoch nicht ab, so weit es in menschlichen
Kräften stand, sein Möglichstes zu thun, um der Wiederholung eines
Unglücks, wie er es eben erfahren, vorzubeugen. Die unmittelbare Ursache
seiner Niederlage war die Schwierigkeit des Bajonnetaufsteckens gewesen.
Das Feuergewehr des Hochländers war streng gesondert von der Waffe,
deren er sich im Handgemenge bediente. Er feuerte seinen Schuß ab, warf
sein Gewehr weg und hieb mit seinem Schwerte ein. Dies war das Werk
eines Augenblicks. Dem regulären Infanteristen kostete es zwei bis drei
Minuten Zeit, ehe er sein Schießgewehr in eine Waffe verwandelte, mit
der er einen Feind Mann gegen Mann bekämpfen konnte, und diese wenigen
Minuten hatten den Ausgang der Schlacht von Killiecrankie entschieden.
Mackay ließ daher alle seine Bajonnette so einrichten, daß sie auf den
Lauf gesteckt werden konnten, ohne die Mündung zu verschließen, und daß
seine Leute unmittelbar nachdem sie gefeuert, einem Angriff begegnen
konnten.[113]
Gefecht bei St. Johnston's.
Sobald er erfuhr, daß ein Detachement gegen Perth anrückte, eilte er
demselben an der Spitze einer Dragonerabtheilung entgegen, welche noch
nicht im Feuer gewesen und deren Kraft daher noch ungeschwächt war.
Mittwoch den 31. Juli, nur vier Tage nach seiner Niederlage, traf er
unweit St. Johnston's mit den Robertsons zusammen, griff sie an, schlug
sie, tödtete Hundertzwanzig von ihnen und nahm Dreißig gefangen, dies
Alles mit Verlust eines einzigen Soldaten.[114] Dieses Scharmützel
machte einen Eindruck, der in keinem Verhältniß zu der Zahl der
Kämpfenden wie der Gefallenen stand. Das Ansehen der celtischen Waffen
sank fast eben so rasch als es gestiegen war. Noch vor wenigen Tagen
hatte man überall geglaubt, daß diese Waffen unüberwindlich seien. Jetzt
trat eine Reaction ein. Man erkannte, daß der Vorfall bei Killiecrankie
eine Ausnahme von den gewöhnlichen Regeln und daß die Hochländer, wenn
nicht ganz besondere Umstände obwalteten, guten regulären Soldaten nicht
gewachsen seien.
Unordnung in der hochländischen Armee.