Seine Instructionen schrieben ihm vor, Gesetze zur Milderung oder

Beseitigung zahlreicher Mißstände und besonders einem die Macht des

Artikelausschusses beschränkenden und die Verfassung desselben

reformirenden Gesetze, sowie ferner einem das presbyterianische

Kirchenregiment einführenden Gesetze die königliche Genehmigung zu

ertheilen.[91] Doch es war gleichgültig, wie seine Instructionen

lauteten. Die Führer des Clubs legten es darauf an, eine Ursache zur

Uneinigkeit zu finden. Die Vorschläge der Regierung bezüglich der

Artikellords wurden verächtlich zurückgewiesen. Hamilton schrieb um neue

Instructionen nach London und bald wurde ihm ein zweiter Plan, welcher

dem einst despotischen Ausschusse nicht viel mehr als den Namen ließ,

zugeschickt. Aber auch dieser zweite Plan theilte das Schicksal des

ersten, obgleich er von der Art war, daß er vernünftige und gemäßigte

Reformers hätte befriedigen können. Unterdessen legten die Oberhäupter

des Clubs ein Gesetz vor, welches dem Könige verbot, jemals irgend

Jemanden in einem öffentlichen Amte anzustellen, der an irgend einer mit

der Rechtsforderung unverträglichen Maßregel Antheil gehabt oder irgend

einem guten Plan der Stände hindernd oder verzögernd entgegengetreten

sei. Dieses Gesetz, das in einem sehr kleinen Rahmen fast alle Fehler

vereinigte, die ein Gesetz nur haben kann, war, wie man sehr wohl wußte,

auf den neuen Lordpräsidenten des Court of Session und auf seinen Sohn,

den neuen Lord Advokaten, abgesehen. Ihr Glück und ihre Macht hatte

ihnen den Neid jedes in seinen Hoffnungen getäuschten Amtscandidaten

zugezogen. Daß sie Neulinge waren, die Ersten ihres Geschlechts, die

sich zur Auszeichnung emporgeschwungen, und daß sie dessenungeachtet

lediglich durch die Kraft der Befähigung eben so wichtige Personen im

Staate geworden waren wie der Herzog von Hamilton oder der Earl von

Argyle, war ein Gedanke, der vielen bedürftigen und stolzen Patriziern

das Herz zernagte. In den Augen der schottischen Whigs waren die

Dalrymple das was Halifax und Caermarthen in den Augen der englischen

Whigs waren. Weder die Verbannung Sir Jakob's, noch der Eifer, mit dem

Sir Johann die Revolution unterstützt hatte, wurden als eine Sühne für

alte Vergehen angenommen. Sie hatten Beide dem blutdürstigen und

götzendienerischen Hause gedient. Sie hatten Beide das Volk Gottes

unterdrückt. Ihre späte Reue konnte ihnen vielleicht einen billigen

Anspruch auf Verzeihung geben, gab ihnen aber gewiß kein Recht auf Ehren

und Belohnungen.

Die Freunde der Regierung versuchten es vergebens, die Aufmerksamkeit

des Parlaments von der Verfolgung der Familie Dalrymple auf die wichtige

und dringliche Frage der Kirchenverfassung zu lenken. Sie sagten, das

alte System sei abgeschafft, es sei noch kein andres System an dessen

Stelle gesetzt, man wisse nicht mehr, welches eigentlich die

Staatsreligion des Landes sei, und es sei die erste Pflicht der

Legislatur, einer Anarchie ein Ende zu machen, welche täglich Unheil und

Verbrechen hervorrufe. Die Führer des Clubs ließen sich damit nicht von

ihrem Ziele abbringen. Es wurde beantragt und beschlossen, daß die

Inbetrachtnahme der kirchlichen Angelegenheiten so lange aufgeschoben

werden solle, bis die weltlichen Angelegenheiten geordnet seien. Die

ungerechte und absurde Incapacitätsacte wurde mit vierundsiebzig gegen

vierundzwanzig Stimmen angenommen. Ein andrer noch augenscheinlicher auf

das Haus Stair abzielender Beschluß folgte unmittelbar darauf. Das

Parlament machte Anspruch auf ein Veto bei der Ernennung von Richtern

und maßte sich die Befugniß an, die Untersiegelung zu verhindern, mit

anderen Worten, die ganze Justizverwaltung zu suspendiren, bis dieser

Anspruch zugestanden wäre. Aus dem Verlaufe der Debatte ging klar

hervor, daß, wenn die Führer des Clubs auch mit dem Court of Session

begonnen hatten, sie nicht damit aufzuhören gedachten. Die von Sir

Patrick Hume und Anderen angeführten Argumente führten direct zu dem

Schlusse, daß dem Könige die Ernennung keines wichtigen Staatsbeamten

zustehen solle. Sir Patrick sprach in der That in Rede wie in Schrift

seine Meinung dahin aus, daß das ganze Ernennungsrecht im Reiche von der

Krone auf die Stände übertragen werden sollte. Wenn die Stelle des

Schatzmeisters, des Kanzlers, des Sekretärs erledigt sei, müsse das

Parlament Sr. Majestät einige Namen vorlegen, und Se. Majestät solle

verbunden sein von diesen Namen einen zu wählen.[92]

Während dieser ganzen Zeit verweigerten die Stände beharrlich jede

Geldbewilligung, bis ihre Acte mit dem Scepter berührt sein würden. Der

Lord Obercommissar ward endlich über ihre Verkehrtheit so aufgebracht,

daß er nach langem Temporisiren selbst solche Acte zu berühren

verweigerte, gegen die an sich nichts einzuwenden war, und welche zu

genehmigen ihn seine Instructionen ermächtigten. Dieser Stand der Dinge

würde mit einer großen Erschütterung geendigt haben, wenn der König von

Schottland nicht zugleich König eines viel größeren und reicheren Landes

gewesen wäre. Karl I. hatte nie irgend ein Parlament zu Westminster

unlenksamer gefunden, als Wilhelm während dieser Session das Parlament

zu Edinburg fand. Aber es lag nicht in der Macht des Parlaments von

Edinburg, einen solchen Zwang auf Wilhelm auszuüben, wie das Parlament

von Westminster ihn auf Karl ausgeübt hatte. Eine Verweigerung von

Geldern war zu Westminster eine ernsthafte Sache und ließ dem Souverain

keine andre Wahl als nachzugeben, oder durch verfassungswidrige Mittel

Geld zu erheben. In Edinburg brachte ihn eine derartige Verweigerung in

kein solches Dilemma. Die größte Summe, die er aus Schottland in einem

Jahre zu erhalten hoffen konnte, betrug weniger, als was er aus England

alle vierzehn Tage bezog. Er hatte sich daher nur in die Grenzen seiner

unbestreitbaren Prärogative einzuschließen und hier in der Defensive zu

verharren, bis eine günstige Conjunctur eintrat.[93]

Unruhen in Athol.

Während diese Dinge im Parlamentshause vorgingen, brach der Bürgerkrieg

in den Hochlanden, der einige Wochen unterbrochen gewesen war, heftiger

als zuvor wieder aus. Seit der Glanz des Hauses Argyle verblichen war,

konnte kein gälischer Häuptling an Macht sich mit dem Marquis von Athol

messen. Der Bezirk, von dem er seinen Titel herleitete und dessen

Souverain er fast genannt werden konnte, war an Flächenraum größer als

eine gewöhnliche Grafschaft, und war fruchtbarer, besser angebaut und

dichter bevölkert als der größere Theil der Hochlande. Die Männer, die

seinem Banner folgten, wurden für nicht minder zahlreich gehalten als

sämmtliche Macdonalds und Macleans zusammengenommen, und standen an

Kraft und Muth keinem Stamme im Gebirge nach. Aber der Clan war durch

die Unbedeutendheit des Häuptlings unbedeutend gemacht worden. Der

Marquis war der falscheste, unbeständigste, kleinmüthigste Mensch von

der Welt. In dem kurzen Zeitraum von sechs Monaten war er bereits

mehrere Male ein Jakobit und mehrere Male Wilhelmit gewesen. Sowohl

Jakobiten als Wilhelmiten betrachteten ihn mit Verachtung und Mißtrauen,

welche sie nur aus Respect vor seiner ungeheuren Macht nicht rückhaltlos

äußerten. Nachdem er zu wiederholten Malen beiden Parteien Treue gelobt

und zu wiederholten Malen Beide verrathen hatte, begann er zu überlegen,

daß er am besten für seine Sicherheit sorgen werde, wenn er sowohl die

Functionen eines Peers, als die eines Häuptlings niederlegte, wenn er

sich sowohl von dem Parlamentshause zu Edinburg, als von seinem Schlosse

im Gebirge fern hielte, und wenn er das Land verließe an das er gerade

bei dem Wendepunkte seines Geschickes durch alle Bande der Pflicht und

der Ehre gekettet war. Während ganz Schottland mit Ungeduld und

ängstlicher Spannung zu sehen erwartete, in welches Heer seine

zahlreichen Anhänger eintreten würden, schlich er sich fort nach

England, nahm seinen Aufenthalt in Bath und gab vor die dortige Kur zu

brauchen.[94] Sein Fürstenthum, somit ohne Oberhaupt, war gegen sich

selbst gespalten. Die Leute von Athol waren im allgemeinen König Jakob

zugethan. Denn er hatte sich ihrer noch vor vier Jahren als Diener

seiner Rache gegen das Haus Argyle bedient. Sie hatten Inverary besetzt;

sie hatten Lorn verwüstet; sie hatten Häuser demolirt, Obstbäume

umgehauen, Fischerböte verbrannt, Mühlsteine zerschlagen, Campbells

aufgehängt, und es war daher nicht zu erwarten, daß sie sich über die

Aussicht auf Mac Callum More's Restauration freuen würden. Ein Wort von

dem Marquis würde zweitausend Claymores ins jakobitische Lager gesendet

haben. Dieses Wort aber wollte er nicht aussprechen, und in Folge dessen

war die Haltung seiner Anhänger ebenso unentschlossen und inconsequent

wie seine eigene.

Während sie auf eine Andeutung seiner Wünsche warteten, wurden sie

gleichzeitig von zwei Führern zu den Waffen gerufen, von denen jeder mit

einem Schein von Grund darauf Anspruch machen konnte, als Repräsentant

des abwesenden Häuptlings betrachtet zu werden. Lord Murray, des Marquis

ältester Sohn, der mit einer Tochter des Herzogs von Hamilton vermählt

war, erklärte sich für König Wilhelm. Stewart von Ballenach, der

vertraute Agent des Marquis, erklärte sich für König Jakob. Das Volk

wußte nicht, welcher Aufforderung es folgen sollte. Der, dessen

Autorität die höchste Achtung gezollt worden sein würde, hatte beiden

Parteien sein Wort verpfändet, und war dann aus Furcht sich einer von

beiden anschließen zu müssen davongelaufen; auch war es nicht leicht zu

sagen, ob der Platz, den er leer gelassen, seinem Haushofmeister oder

seinem muthmaßlichen Erben gebührte.

Der wichtigste militärische Posten in Athol war Blair Castle. Das Haus,

welches gegenwärtig diesen Namen führt, unterscheidet sich durch nichts

Auffallendes von anderen Landsitzen der Aristokratie. Das alte Gebäude

war ein hoher Thurm von roher Bauart, der ein vom Garry bewässertes Thal

beherrschte. Die Mauern würden einer Geschützbatterie nicht lange

widerstanden haben, waren aber vollkommen stark genug, um die Hirten der

Grampians in Schach zu halten. Ungefähr fünf Meilen südlich von dieser

Veste verengerte sich das Thal des Garry zu der berühmten Schlucht von

Killiecrankie. Gegenwärtig führt eine Heerstraße so eben wie irgend eine

Straße in Middlesex in sanfter Steigung aus dem Niederlande zu dem

Gipfel des Gebirgspasses hinauf. Weiße Villas blicken durch den

Birkenwald, und an einem schönen Sommertage giebt es kaum eine Krümmung

des Passes, wo man nicht einen Angler, der seine Fliege in den Schaum

des Flusses wirft, einen Künstler, der eine Felsenspitze zeichnet, oder

eine auf einer Landpartie begriffene Gesellschaft sähe, die auf dem

Rasen in Schatten und Sonnenschein schmauset. Zu den Zeiten Wilhelm's

III. aber wurde Killiecrankie von den friedlichen und betriebsamen

Bewohnern des Niederlands von Perthshire nur mit Schaudern genannt. Sie

galt für die gefährlichste der finsteren Schluchten, durch welche die

Räuber aus dem Gebirge hervorzustürzen pflegten. Das für moderne Ohren

so wohlklingende Rauschen des an den bemoosten Felsen und über die

glatten Kiesel dahin strömenden Flusses, die des Pinsel's eines Wilson

würdigen dunklen Fels- und Laubmassen, die phantastischen Bergspitzen,

bei Sonnenauf- und Untergang in ein Meer von Licht gebadet, wie es auf

Claude's Bildern glüht, erweckten in unseren Vorfahren nur Gedanken von

mörderischen Hinterhalten und von ausgeplünderten, verstümmelten und den

Raubvögeln preisgegebenen Leichnamen. Der einzige Pfad war schmal und

rauh; nur mit Mühe konnte ein Pferd hinaufgeführt werden; zwei Menschen

konnten kaum neben einander gehen, und an einigen Stellen lief der Weg

so dicht am Abhange hin, daß der Reisende eines sicheren Auges und Fußes

dringend bedurfte. Viele Jahre später erbaute der erste Herzog von Athol

eine Straße, die eben gut genug war, damit er sie mit seinem Wagen

befahren konnte. Aber selbst diese Straße war so steil und so schmal,

daß eine Handvoll entschlossener Männer sie gegen eine Armee hätte

vertheidigen können.[95] Kein Sachse betrachtete denn auch einen Besuch

in Killiecrankie als ein Vergnügen, bis die Erfahrung die englische

Regierung gelehrt hatte, daß die Spitzhacke und der Spaten diejenigen

Waffen waren, durch welche die Hochländer am wirksamsten unterworfen

werden konnten.

Der Krieg bricht in den Hochlanden wieder aus.

Die Gegend, welche gerade über diesem Passe lag, war jetzt der

Schauplatz eines Krieges, wie ihn die Hochlande nicht häufig gesehen

hatten. Männer, die den nämlichen Tartan trugen und dem nämlichen Herrn

unterthan waren, standen einander gegenüber. Der Name des abwesenden

Häuptlings wurde, mit einem Anschein von Grund, auf beiden Seiten

gebraucht. Ballenach hielt an der Spitze einer Anzahl Vasallen, die ihn

als den Vertreter des Marquis betrachteten, Blair Castle besetzt. Murray

erschien mit zwölfhundert Mann vor den Mauern und verlangte, in das

Schloß seiner Familie, das Schloß, das dereinst sein Eigen werden

sollte, eingelassen zu werden. Die Besatzung weigerte sich die Thore zu

öffnen. Die Belagerer sandten Boten nach Edinburg, die Belagerten nach

Lochaber.[96] An beiden Orten rief die Nachricht große Aufregung hervor.

Mackay und Dundee waren beide der Ansicht, daß die Krisis rasches und

kräftiges Einschreiten erfordere. Von dem Schicksal von Blair Castle

hing wahrscheinlich das Schicksal von ganz Athol ab, und von dem

Schicksal Athol's konnte das Schicksal Schottland's abhängen. Mackay

eilte nach dem Norden und befahl seinen Truppen, sich in dem Niederlande

von Perthshire zu sammeln. Einige von ihnen lagen an so entfernten

Orten, daß sie nicht zeitig genug anlangten. Er hatte jedoch bald die

drei schottischen Regimenter bei sich, welche in Holland gedient hatten

und die Namen ihrer Obersten, Mackay's selbst, Balfour's und Ramsay's,

führten. Auch ein tapferes Infanterieregiment aus England war da,

welches damals das Regiment Hastings hieß, aber jetzt als das dreizehnte

der Linie bekannt ist. Zu diesen alten Truppen kamen dann noch zwei im

Niederlande neu angeworbene Regimenter. Das eine davon wurde von Lord

Kenmore, das andre, das im Grenzlande ausgehoben worden und das noch

jetzt des Königs Leibgrenzer genannt wird, von Lord Leven befehligt.

Zwei Reitertrupps, commandirt von Lord Annandale und Lord Belhaven,

brachten die Armee wahrscheinlich auf die Zahl von über dreitausend

Mann. Belhaven ritt an der Spitze seines Trupps; aber Annandale, der

factiöseste von allen Anhängern Montgomery's, zog den Club und das

Parlamentshaus dem Felde vor.[97]

Dundee hatte mittlerweile alle Clans, die seine Ernennung anerkannten,

aufgefordert, sich zu einer Expedition nach Athol zu versammeln. Seine

Bemühungen wurden von Lochiel kräftig unterstützt. Die Feuerkreuze

wurden wieder in aller Eile durch Appin und Ardnamurchan, nach Glenmore

hinauf und den Levensee entlang ausgesandt. Aber der Aufruf kam so

unerwartet und die verstattete Frist war so kurz, daß das Aufgebot kein

ganz vollständiges war. Die ganze Streitmacht scheint nicht dreitausend

Mann stark gewesen zu sein. Mit diesem Corps rückte Dundee aus. Auf

seinem Marsche zog er Verstärkungen an sich, die eben aus Ulster

angekommen waren. Sie bestanden aus wenig mehr als dreihundert schlecht

bewaffneten, schlecht gekleideten und schlecht disciplinirten irischen

Fußsoldaten. Ihr Anführer war ein Offizier, Namens Cannon, der in den

Niederlanden gedient hatte und der vielleicht auf einem untergeordneten

Posten und in einer regulären Armee an seinem Platze gewesen sein würde,

aber der ihm jetzt übertragenen Rolle durchaus nicht gewachsen war.[98]

Er hatte sich bereits so lange zwischen den Hebriden aufgehalten, daß

einige mit ihm zugleich abgeschickte und mit Vorräthen befrachtete

Schiffe von englischen Kreuzern genommen worden waren. Er und seine

Soldaten waren mit Mühe dem nämlichen Schicksale entgangen. Trotz dieses

Mangels an Befähigung bekleidete er eine Stelle, die ihm in Schottland

den höchsten militärischen Rang nächst Dundee einräumte.

Die Enttäuschung war bitter. Jakob hätte in der That besser gethan, wenn

er den Hochländern allen Beistand verweigert hätte, anstatt daß er sie

gleichsam zum Besten hatte, indem er ihnen an Stelle der erbetenen und

erwarteten wohlorganisirten Armee ein an Zahl und Aussehen

verachtungswerthes Gesindel schickte. Es war nun klar, daß alles was für

ihn in Schottland geschah, durch schottische Hände geschehen mußte.[99]

Während Mackay von der einen und Dundee von der andren Seite gegen Blair

Castle vorrückte, hatten wichtige Ereignisse daselbst stattgefunden.

Murray's Anhänger fingen bald an, in ihrer Treue für ihn zu wanken. Sie

sahen eine große Zahl ihrer Stammesgenossen, unter der Anführung eines

Gentleman, von dem man vermuthete, daß er das Vertrauen des Marquis

besitze, sich gegenübergestellt. Die Belagerungsarmee schmolz daher

rasch zusammen. Viele kehrten unter dem Vorgeben heim, daß sie ihre

Familien und ihr Vieh in Sicherheit bringen müßten, da die Nachbarschaft

auf dem Punkte stehe, der Schauplatz eines Kriegs zu werden. Andere

erklärten freimüthiger, daß sie in einem solchen Kampfe nicht fechten

mochten. Eine starke Truppe ging an einen Bach, füllte die Mützen mit

Wasser, trank auf die Gesundheit König Jakob's und zerstreute sich

dann.[100]

Ihr Eifer für König Jakob bewog sie jedoch nicht, sich der Fahne seines

Generals anzuschließen. Sie legten sich unter den Felsen und Dickichten

längs des Garry auf die Lauer, in der Hoffnung, daß es bald eine

Schlacht geben werde und daß, welchen Ausgang dieselbe auch nehmen

möchte, Flüchtlinge und Leichname zu plündern sein würden.

Murray war in arger Bedrängniß. Seine Streitmacht war auf einige hundert

Mann geschmolzen, selbst diesen Leuten konnte er nicht recht trauen, und

die Macdonalds und Camerons rückten rasch vor. Er hob daher die

Belagerung von Blair Castle auf und zog sich mit wenigen Anhängern in

den Engpaß von Killiecrankie zurück. Hier stieß bald eine Abtheilung von

zweihundert Füselieren zu ihm, welche Mackay vorausgeschickt hatte, um

den Paß zu besetzen. Das Hauptcorps der Armee vom Niederlande folgte

bald nach.[101]

Am frühen Morgen des 27. Juli, einem Sonnabend, kam Dundee bei Blair

Castle an. Hier erfuhr er, daß Mackay's Truppen bereits in der Schlucht

von Killiecrankie waren. Man mußte rasch zu einem Entschluß kommen. Es

wurde Kriegsrath gehalten. Die sächsischen Offiziere waren allgemein

dagegen eine Schlacht zu wagen; die celtischen Häuptlinge aber waren

andrer Meinung. Glengarry und Lochiel waren jetzt beide eines Sinnes.

»Schlagen Sie los, Mylord,« sagte Lochiel mit seiner gewohnten Energie;

»schlagen Sie unverzüglich los, wenn Sie auch nur Einer gegen Drei sind.

Unsere Leute sind guten Muthes, sie fürchten weiter nichts, als daß der

Feind entkommen möchte. Lassen Sie ihnen ihren Willen und sein Sie

versichert, daß sie entweder umkommen, oder einen vollständigen Sieg

erfechten werden. Wenn Sie sie aber zurückhalten, wenn Sie sie nöthigen

in der Defensive zu verharren, so stehe ich für nichts. Wenn wir nicht

kämpfen, so thäten wir besser, wir brächen auf und zögen uns in unsere

Berge zurück.[102]«

Dundee's Züge heiterten sich auf. »Sie hören es, Gentlemen,« sagte er zu

seinen Offizieren; »Sie hören die Meinung eines Mannes, der den

hochländischen Krieg besser versteht als irgend Einer von uns.« Keine

Stimme erhob sich dagegen. Es wurde beschlossen zu kämpfen, und die

verbündeten Clans rückten guten Muthes vorwärts dem Feinde entgegen.

Der Feind hatte inzwischen den Engpaß erstiegen. Der Marsch bergauf war

langwierig und mühsam gewesen; denn selbst die Fußsoldaten konnten nur

zwei bis drei Mann hoch marschiren und die Bagagepferde, zwölfhundert an

Zahl, mußten einzeln hintereinander gehen. Kein Wagen war jemals diesen

steilen Pfad hinaufgezogen worden. Die Spitze der Colonne war bereits

oben angelangt und befand sich auf dem Plateau, während die Nachhut noch

in der Ebene war. Endlich war der Uebergang bewerkstelligt, und die

Truppen befanden sich in einem Thale von nicht bedeutender Ausdehnung.

Ermüdet von der Anstrengung des Morgens warfen sie sich ins Gras, um

einige Ruhe und Erfrischung zu genießen.

Früh am Nachmittag wurden sie durch den Alarmruf aufgeschreckt, daß die

Hochländer sich näherten. Ein Regiment nach dem andren stand auf und

ordnete sich. In einer kleinen Weile war der Gipfel einer Anhöhe, die

etwa einen Büchsenschuß vor ihnen lag, mit schottischen Mützen und

Plaids bedeckt. Dundee ritt in der Absicht vor, die Stärke der

Streitmacht, mit der er es zu thun haben sollte, zu recognosciren, und

stellte dann seine Leute mit so viel Geschick auf, als ihr

eigenthümlicher Charakter ihm zu bethätigen gestattete. Es war

wünschenswerth, die Clans getrennt zu halten. Jeder Stamm, ob groß oder

klein, bildete eine Colonne, welche von der nächsten durch einen weiten

Zwischenraum geschieden war. Das eine dieser Bataillone mochte

siebenhundert Mann stark sein, während ein andres bloß aus

hundertzwanzig Mann bestand. Lochiel hatte vorgestellt, daß es unmöglich

sei, Männer von verschiedenen Stämmen zu vermischen, ohne Alles zu

zerstören, was die eigenthümliche Stärke eines Hochlandsheeres

bilde.[103]

Auf der rechten Flanke, dicht am Garry standen die Macleans. Ihnen

zunächst Cannon mit seinem irischen Fußvolke. Dann kamen die Macdonalds

von Clanronald, von dem Vormunde ihres jungen Fürsten befehligt. Auf der

Linken standen andere Schaaren von Macdonalds. An der Spitze eines

starken Bataillons erhob sich die stattliche Figur Glengarry's, der die

königliche Standarte König Jakob's VII. trug.[104] Noch weiter links

stand die Reiterei, eine kleine Schwadron, bestehend aus einigen

jakobitischen Gentlemen, die aus dem Niederlande ins Gebirge geflüchtet

waren, und aus etwa vierzig von Dundee's alten Reitern. Jenseit

derselben kam Lochiel mit seinen Camerons, und die äußerste Linke

bildeten die Männer von Sky unter Anführung Macdonald's von Sleat.[105]

In den Hochlanden wie in allen Ländern, wo der Krieg nicht zu einer

Wissenschaft geworden ist, hielt man es für die wichtigste Pflicht eines

Befehlshabers, das Beispiel persönlichen Muthes und körperlicher

Anstrengung zu geben. Lochiel war besonders berühmt wegen seiner

physischen Tapferkeit. Seine Clansleute erzählten mit Stolz, wie er

feindliche Reihen selbst durchbrochen und riesenhafte Krieger

niedergehauen habe. Er verdankte diesen Thaten vielleicht einen eben so

großen Theil seines Einflusses wie den ausgezeichneten Eigenschaften,

die ihn, hätte das Schicksal ihn in das englische Parlament oder an den

französischen Hof versetzt, zu einem der hervorragendsten Männer seines

Jahrhunderts gemacht haben würden. Er war jedoch verständig genug, um

einzusehen, wie irrig die Meinung war, welche seine Landsleute gefaßt

hatten. Er wußte, daß es nicht das Amt eines Generals war, Schläge

auszutheilen und zu empfangen. Er wußte, wie schwer es Dundee geworden

war, nur wenige Tage ein aus verschiedenen Clans bestehendes Heer

zusammenzuhalten, und er wußte, daß das was einem Dundee Mühe gekostet

hatte, einem Cameron geradezu unmöglich sein würde. Ein Leben, von dem

so viel abhing, durfte nicht einem barbarischen Vorurtheile geopfert

werden. Lochiel beschwor daher Dundee, sich nicht unnöthiger Gefahr

auszusetzen. »Ew. Lordschaft Amt ist es,« sagte er, »Alles zu

beaufsichtigen und Ihre Befehle zu ertheilen, und an uns ist es, diese

Befehle auszuführen.« Dundee erwiederte mit ruhiger Hochherzigkeit, daß

in den Worten seines Freundes Sir Ewan viel Wahres liege, daß aber kein

General etwas Großes vollbringen könne, ohne das Vertrauen seiner Leute

zu besitzen. »Ich muß mir den Ruf der persönlichen Tapferkeit erwerben.

Ihre Leute erwarten ihre Anführer im dichtesten Kampfgewühl zu sehen,

und heute sollen sie mich da sehen. Ich verspreche Ihnen jedoch bei

meiner Ehre, daß ich in künftigen Gefechten mich mehr schonen werde.«

Mittlerweile wurde auf beiden Seiten ein Kleingewehrfeuer unterhalten,

von den regulären Soldaten aber geschickter und nachhaltiger als von den

Gebirgsleuten. Der Raum zwischen den beiden Heeren war eine einzige

Rauchwolke. Nicht wenige Hochländer fielen, und die Clans wurden

ungeduldig. Die Sonne stand jedoch schon tief im Westen, als Dundee

endlich den Befehl gab, sich kampffertig zu machen. Seine Leute erhoben

ein großes Jubelgeschrei. Der Feind, wahrscheinlich erschöpft durch die

Anstrengungen des Tages, antwortete mit einem nur schwachen und

vereinzelten Hurrah. »Jetzt frisch ans Werk!« sagte Lochiel. »Das ist

nicht der Ruf von Männern, die zum Siege gehen.« Er war durch alle seine

Reihen gegangen, hatte an jeden Cameron einige Worte gerichtet, und

jedem das Versprechen abgenommen, zu siegen oder zu sterben.[106]

Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Siebenter Band: enthaltend Kapitel 13 und 14. · 第 9 / 24 段