alle dieselben Namen führten und alle demselben Oberhaupte unterthan
waren, im Kampfe so furchtbar machten, machte die Nation ungeeignet für
den Krieg im Großen. Nichts war leichter als Clans in tüchtige
Regimenter zu verwandeln; aber nichts war schwieriger als diese
Regimenter dergestalt zu vereinigen, daß sie eine tüchtige Armee
bildeten. Von den Schäfern und Hirten, welche in den Reihen fochten, bis
hinauf zu den Häuptlingen war Alles Harmonie und Ordnung. Jeder Mann
blickte empor zu seinem unmittelbaren Vorgesetzten und Alle blickten
empor zu dem gemeinsamen Oberhaupte. Aber mit dem Häuptling schloß diese
Subordinationskette. Er verstand nur zu gebieten und hatte nicht gelernt
zu gehorchen. Selbst königlichen Erlassen, selbst Parlamentsedicten
pflegte er nur dann Gehorsam zu bezeigen, wenn sie in vollkommenem
Einklang mit seinen Neigungen standen. Man durfte nicht erwarten, daß er
einer delegirten Autorität eine Achtung zollen werde, die er der
höchsten Autorität zu verweigern gewohnt war. Er hielt sich für
berechtigt, über die Zweckmäßigkeit jedes ihm zukommenden Befehls zu
entscheiden. Von seinen Bruderhäuptlingen waren einige seine Feinde,
andere seine Nebenbuhler. Es war kaum möglich, ihn abzuhalten, sie zu
beleidigen, oder ihn zu überzeugen, daß sie ihn nicht beleidigten. Alle
seine Untergebenen sympathisirten mit allen seinen Animositäten,
betrachteten seine Ehre wie ihre eigene und waren bereit auf seinen Ruf
sich um ihn gegen den Oberbefehlshaber zu schaaren. Es war daher sehr
wenig Aussicht, daß durch irgend welche Mittel fünf Clans bewogen werden
konnten, während eines langen Feldzugs herzlich mit einander zu
cooperiren. Die meiste Hoffnung dazu war noch in dem Falle, wenn sie von
einem Sachsen angeführt wurden. Es ist bemerkenswerth, daß keine der
großen Thaten, welche die Hochländer während unserer Bürgerkriege
vollbrachten, unter dem Commando eines Hochländers vollbracht wurde.
Einige Schriftsteller haben es als einen Beweis für das außerordentliche
Genie Montrose's und Dundee's erwähnt, daß diese Feldherren, obgleich
nicht gälischen Stammes oder gälischer Sprache, im Stande gewesen waren,
Bündnisse gälischer Stämme zu bilden und zu leiten. Aber gerade weil
Montrose und Dundee keine Hochländer waren, vermochten sie Armeen
anzuführen, welche aus hochländischen Clans zusammengesetzt waren. Wäre
Montrose Häuptling der Camerons gewesen, so würden die Macdonalds sich
niemals seiner Autorität gefügt haben. Wäre Dundee Häuptling des
Clanronald gewesen, so würde der Glengarry ihm nie gehorcht haben.
Stolze und empfindliche Männer, welche kaum den König als ihren
Vorgesetzten anerkannten, würden niemals die Superiorität eines
Nachbarn, eines von ihres Gleichen, eines Nebenbuhlers, ertragen haben.
Viel leichter konnten sie die Obergewalt eines ausgezeichneten Fremden
ertragen. Doch selbst einem solchen Fremden gestanden sie nur eine sehr
beschränkte und sehr prekäre Autorität zu. Einen Häuptling vor ein
Kriegsgericht zu stellen, ihn zu erschießen, ihn zu cassiren, ihn zu
degradiren, ihm öffentlich einen Verweis zu geben, war unmöglich.
Macdonald von Keppoch oder Maclean von Duart würde jeden Offizier
todtgeschlagen haben, der ihm sein Schwert abverlangt und ihm gesagt
hätte, daß er sich als Arrestanten zu betrachten habe, und Hunderte von
Claymores würden augenblicklich aufgebrochen sein, um den Mörder zu
beschützen. Es blieb dem Befehlshaber, unter dem diese Potentaten zu
dienen sich herabließen, nichts Andres übrig als mit ihnen zu
berathschlagen, sie zu bitten, ihnen zu schmeicheln, sie zu bestechen,
und selbst durch diese Mittel vermochte menschliche Geschicklichkeit nur
auf kurze Zeit die Eintracht zu erhalten. Denn jeder Häuptling glaubte
Anspruch auf besondere Berücksichtigung zu haben, und man durfte daher
keinem besondere Artigkeit erweisen, ohne die anderen zu verletzen. Der
General war nichts weiter als der Präsident eines Congresses kleiner
Könige. Er wurde beständig aufgefordert, Streitigkeiten wegen
Stammbäumen, wegen Vorrang, oder wegen Theilung von Beute anzuhören und
zu schlichten. Mochte sein Ausspruch lauten wie er wollte, Jemand mußte
dadurch verletzt werden. Jeden Augenblick konnte er erfahren, daß sein
rechter Flügel in Folge eines zweihundert Jahre alten Streites auf sein
Centrum gefeuert habe, oder daß ein ganzes Bataillon nach seinem
heimathlichen Thale zurückgekehrt sei, weil ein andres Bataillon auf den
Ehrenposten gestellt worden war. Ein hochländischer Barde würde in der
Geschichte des Jahres 1689 leicht Sujets gefunden haben, ganz ähnlich
denen, welche der trojanische Krieg den großen Dichtern des Alterthums
lieferte. Heute ist Achilles mißmuthig, hütet sein Zelt und kündigt die
Absicht an, mit allen seinen Leuten abzuziehen. Morgen stürmt Ajax im
Lager umher und droht dem Ulysses den Hals abzuschneiden.
Daher kam es, daß, obgleich die Hochländer in den Bürgerkriegen des 17.
Jahrhunderts einige große Thaten vollbrachten, diese Thaten keine nach
wenigen Wochen noch erkennbare Spuren hinterließen. Siege von seltenem
und fast ungeheuerlichem Glanze zogen alle Folgen einer Niederlage nach
sich. Kriegsveteranen und Soldaten waren ganz erstaunt über diese
plötzlichen Glückswechsel. Es war unglaublich, daß undisciplinirte Leute
solche Waffenthaten vollbracht haben sollten. Eben so unglaublich war
es, daß solchen Waffenthaten, nachdem sie vollbracht waren, der Triumph
der Besiegten und die Unterwerfung der Sieger auf dem Fuße gefolgt sein
sollte. Nachdem Montrose rasch hintereinander Sieg auf Sieg erfochten,
sah er sich mitten auf der Bahn des Glücks plötzlich von seinen
Untergebenen verlassen. Lokale Eifersüchteleien und lokale Interessen
hatten seine Armee zusammengebracht. Lokale Eifersüchteleien und lokale
Interessen lösten sie auf. Die Gordons verließen ihn, weil sie sich
gegen die Macdonalds zurückgesetzt glaubten. Die Macdonalds verließen
ihn, weil sie die Campbells plündern wollten. Die Streitmacht, die man
früher für stark genug gehalten hatte, um das Schicksal eines
Königreichs zu entscheiden, schmolz binnen wenigen Tagen zusammen, und
auf die Siege von Tippermuir und Kilsyth folgte die Niederlage von
Philiphaugh. Dundee lebte nicht lange genug, um einen ähnlichen
Glücksumschlag zu erfahren, aber man hat allen Grund zu glauben, daß,
wenn er nur vierzehn Tage länger gelebt hätte, seine Geschichte ein
Seitenstück zu der Geschichte Montrose's gewesen sein würde.
Bald nachdem die Clans sich in Lochaber gesammelt hatten, machte Dundee
einen Versuch sie zu überreden, daß sie sich der Disciplin einer
regulären Armee unterwarfen. Er berief einen Kriegsrath zusammen, um
diese Frage zu erörtern. Seine Ansicht wurde von allen denjenigen
Offizieren unterstützt, welche aus dem Niederlande zu ihm gestoßen
waren. Unter ihnen zeichneten sich Jakob Seton, Earl von Dunfermline,
und Jakob Galloway, Lord Dunkeld, aus. Die celtischen Häuptlinge
vertraten die entgegengesetzte Meinung. Lochiel, der talentvollste unter
ihnen, war ihr Wortführer und verfocht die Sache mit großem Scharfsinn
und natürlicher Beredtsamkeit. »Unser System,« -- so lautete der
Hauptinhalt seines Raisonnements -- »mag nicht das beste sein; aber wir
sind von Kindheit auf dazu erzogen worden, wir verstehen es vollkommen
und es steht mit unseren eigenthümlichen Institutionen, Gefühlen und
Sitten im Einklange. Wenn wir auf unsre Art Krieg führen, so haben wir
die Erfahrung und die Kaltblütigkeit von Veteranen. Führen wir auf andre
Art Krieg, so werden wir rohe und unbeholfene Rekruten sein. Soldaten
aus uns zu machen, wie die eines Cromwell und Turenne waren, dazu würden
Jahre gehören, und wir haben nicht Wochen übrig. Wir haben hinreichend
Zeit, unsre Disciplin zu verlernen, aber nicht Zeit genug, die eurige zu
erlernen.« Dundee erklärte sich unter großen Schmeicheleien für Lochiel
überzeugt, und er war es vielleicht auch, denn die Gründe des
verständigen alten Häuptlings waren durchaus nicht ohne Gewicht.[84]
Zwistigkeiten in der hochländischen Armee.
Einige celtische Kriegsgebräuche waren jedoch von der Art, daß Dundee
sie nicht dulden konnte. So grausam er auch war, seine Grausamkeit hatte
immer eine Methode und einen Zweck. Er hoffte noch immer, daß es ihm
gelingen werde, einige neutral gebliebene Häuptlinge zu gewinnen und er
vermied daher sorgfältig Alles was sie zu offener Feindseligkeit hätte
aufstacheln können. Dies war allerdings ein Verfahren, von dem sich
erwarten ließ, daß es dem Interesse Jakob's förderlich sein würde; aber
Jakob's Interesse war den wilden Räubern, welche einzig und allein zu
dem Zwecke ersprießliche Raubzüge unternehmen und alten Groll rächen zu
können, seinen Namen gebrauchten und sich um sein Banner schaarten, sehr
gleichgültig. Keppoch insbesondere, der die Mackintoshs weit mehr haßte,
als er die Stuarts liebte, plünderte das Gebiet seiner Feinde nicht nur,
sondern verbrannte auch Alles was er nicht mit fortnehmen konnte. Dundee
gerieth beim Anblick der brennenden Wohnungen in heftigen Zorn. »Lieber
möchte ich,« sagte er, »in einem anständigen Regiment die Muskete
tragen, als Anführer einer solchen Räuberbande sein.« Von Bestrafung war
natürlich keine Rede. Es darf in der That schon als ein auffallender
Beweis von dem Einflusse des Generals angesehen werden, daß der Coll der
Kühe es der Mühe werth hielt, sich wegen eines Benehmens zu
entschuldigen, um dessentwillen er in einer wohldisciplinirten Armee
erschossen worden wäre.[85]
Da die Grants für den König Wilhelm die Waffen ergriffen hatten, so
wurde ihr Eigenthum als gute Prise betrachtet. Eine Abtheilung der
Camerons fiel in ihr Gebiet ein, es kam zu einem Gefecht, es floß etwas
Blut, und eine Menge Vieh wurde in Dundee's Lager getrieben, wo man
Lebensmittel sehr gut brauchen konnte. Dieser Streifzug gab Anlaß zu
einem Streite, dessen Geschichte den Character einer Armee von
Hochländern im richtigsten Lichte zeigt. Unter Denen, welche im Kampfe
mit den Camerons fielen, befand sich ein Macdonald von der Seitenlinie
der Glengarries, der lange unter den Grants gelebt hatte, in Gesinnungen
und Ansichten ein Grant geworden und beim Aufgebot seines Stammes nicht
erschienen war. Obgleich er sich gegen den gälischen Codex der Ehre und
Moral schwer vergangen hatte, erinnerten sich doch seine Stammesgenossen
der geheiligten Bande, die er vergessen. Mochte er gut oder schlecht
sein, er war von ihrem Fleisch und Blut und er hätte daher ihrer Justiz
aufgespart werden sollen. Der Name, den er trug, das Blut der Lords von
den Inseln hätte ihn schützen sollen. Glengarry begab sich wüthend zu
Dundee und verlangte Rache an Lochiel und dem ganzen Geschlecht Cameron.
Dundee erwiederte, der unglückliche Gentleman, der gefallen sei, habe
den Clan wie auch den König verrathen. Sei es im Kriege wohl erhört, daß
die Person eines Feindes, eines unter den Waffen Kämpfenden wegen eines
Namens und seiner Abkunft für unantastbar gehalten werden müsse? Und
selbst wenn ein Unrecht geschehen sei, wie solle es wieder gut gemacht
werden? Die halbe Armee müsse erst die andre Hälfte erschlagen, ehe
Lochiel ein Haar gekrümmt werden könne. Glengarry entfernte sich wieder,
tobend wie ein Besessener. Da seine Klagen von Denen, die ihm Recht
verschaffen sollten, nicht beachtet würden, so wolle er sich selbst
Recht verschaffen; er wolle seine Leute aufbieten und mit dem Schwert in
der Hand über die Mörder seines Vetters herfallen. Eine Zeit lang wollte
er auf keine Vorstellungen hören. Als man ihm zu bedenken gab, daß
Lochiel's Anhänger den Glengarryleuten an Zahl um das Doppelte überlegen
seien, rief er aus: »Das thut nichts; ein Glengarry ist soviel werth als
zwei Camerons.« Wäre Lochiel eben so heftig und großsprecherisch
gewesen, so ist es wahrscheinlich, daß die hochländische Insurrection
der Regierung wenig mehr zu schaffen gemacht und daß die Rebellen ohne
viel Aufhebens einander gegenseitig in ihren Wildnissen erschlagen haben
würden. Aber die Natur hatte ihm in reichem Maße die Eigenschaften eines
Staatsmannes verliehen, obwohl das Schicksal diese Eigenschaften in
einem unbekannten Winkel der Erde verborgen hatte. Er sah ein, daß jetzt
keine Zeit zur Zwietracht sei; sein Muth war längst anerkannt und sein
Temperament verstand er vollkommen zu beherrschen. Glengarry's Wuth,
durch keine neuen Provokationen gereizt, legte sich bald. Allerdings
vermutheten Manche, daß er niemals ganz so kampflustig gewesen sei, als
er sich gestellt habe und daß er mit seinem Toben nichts weiter
beabsichtigt habe, als sein eignes Ansehen in den Augen seiner Anhänger
aufrecht zu erhalten. Wie dem auch sein möge, der Streit wurde
geschlichtet und die beiden Häuptlinge begrüßten sich mit dem äußeren
Schein von Artigkeit an der Tafel des Generals.[86]
Dundee sucht bei Jakob um Unterstützung nach.
Die Erfahrungen, welche Dundee an seinen celtischen Bundesgenossen
machte, mußten es ihm wünschenswerth erscheinen lassen, in seiner Armee
einige Truppen zu haben, auf deren Gehorsam er sich verlassen konnte und
welche nicht auf einen Wink von ihrem Obersten die Waffen gegen ihren
General und ihren König kehren würden. In Folge dessen schrieb er
während der Monate Mai und Juni mehrere Briefe nach Dublin, worin er
dringend um Beistand bat. Wenn sechstausend, viertausend, dreitausend
reguläre Soldaten jetzt nach Lochaber geschickt würden, könne Se.
Majestät darauf rechnen, daß er bald in Holyrood ein Hoflager halten
werde. Daß ein solches Truppencorps entbehrlich war, unterlag kaum einem
Zweifel. Jakob's Autorität war damals in allen Theilen Irland's
anerkannt, außer an den Ufern des Ernesees und hinter den Mauern von
Londonderry. Er hatte in diesem Königreiche eine Armee von
vierzigtausend Mann. Ein Achtel von dieser Armee wäre dort kaum vermißt
worden und hätte in Verbindung mit den aufständischen Clans in
Schottland große Dinge ausrichten können.
Die Antworten, welche Dundee auf seine Ansuchen erhielt, berechtigten
ihn zu der Hoffnung, daß ihm bald ein starkes und wohlausgerüstetes
Corps aus Ulster zugeschickt werden würde. Vor der Ankunft dieser
Verstärkungen wollte er nicht das Glück einer Schlacht versuchen.[87]
Mackay auf der andren Seite war es müde, in einer Wildniß
umherzumarschiren. Seine Leute waren erschöpft und entmuthigt; er hielt
es für wünschenswerth, daß sie die Gebirgsgegend verließen, und Wilhelm
war der nämlichen Meinung.
Unterbrechung des Kriegs in den Hochlanden.
So wurde im Juni der Bürgerkrieg wie auf Verabredung zwischen den
beiderseitigen Generälen völlig eingestellt. Dundee blieb in
ungeduldiger Erwartung der Truppen und Zufuhren aus Irland in Lochaber.
Es war ihm indessen unmöglich, seine Hochländer in einem Zustande der
Unthätigkeit beisammenzuhalten, denn es bedurfte eines großen Gebiets
von Sumpf- und Gebirgsland, um eine so zahlreiche Mannschaft zu
unterhalten. Die Clans kehrten daher in ihre Schluchten zurück, nachdem
sie versprochen hatten, sich auf den ersten Aufruf wieder zu sammeln.
Inzwischen erholten sich die durch harte Strapatzen und Entbehrungen
erschöpften Soldaten Mackay's in Quartieren, welche über das ganze
Niederland von Aberdeen bis Stirling zerstreut waren. Mackay selbst war
in Edinburg und drang in die dortigen Minister, ihm die Mittel zur
Errichtung einer Fortifikationskette in den Grampians zu bewilligen. Die
Minister hatten sich, wie es scheint, in ihren militärischen
Hülfsmitteln verrechnet. Man hatte erwartet, daß die Campbells eine
Streitmacht ins Feld stellen würden, welche hinreichend war, um die
ganze Stärke der unter Dundee marschirenden Clans aufzuwiegen. Ebenso
hatte man erwartet, daß die westlichen Covenanters sich beeilen würden,
die Reihen der Armee König Wilhelm's zu verstärken. Beide Erwartungen
wurden getäuscht. Argyle hatte sein Fürstenthum verwüstet und seinen
Stamm entwaffnet und desorganisirt gefunden. Es mußte eine beträchtliche
Zeit darüber hingehen, ehe sein Banner von einer Streitmacht umgeben
sein würde, wie seine Väter sie in den Kampf geführt hatten.
Bedenklichkeiten der Covenanters, für König Wilhelm die Waffen zu
ergreifen.
Die Covenanters des Westens waren im allgemeinen nicht geneigt, sich
einreihen zu lassen. An Muth fehlte es ihnen sicherlich nicht, und sie
haßten Dundee mit tödtlicher Erbitterung. Seine Grausamkeit war in ihrem
Theile des Landes noch in frischem Andenken. Jedes Dorf hatte seine
blutige Geschichte. In dem einen Hause fehlte der greise Vater, in dem
andren der hoffnungsvolle Sohn. Man erinnerte sich nur zu gut, wie die
Dragoner in die Hütte des Landmanns eingedrungen waren, bei jedem Worte
ihn, sich selbst und Einer den Andren verfluchend und verwünschend, wie
sie die achtzigjährige Großmutter hinter dem warmen Ofen hervorgerissen
und mit roher Hand den Busen seiner sechzehnjährigen Tochter betastet
hatten; wie ihm die Abschwörungsformel vorgehalten worden war, wie er
die Arme über der Brust gekreuzt und gesagt hatte: »der Wille Gottes
geschehe;« wie der Oberst ein Piket mit geladenen Gewehren herbeigerufen
und wie drei Minuten später der brave Hausvater vor seiner eigenen Thür
in einer Blutlache gelegen hatte. Der Platz des Märtyrers am Herde war
noch leer und jedes Kind konnte seinen noch grünen Grabhügel auf der
Haide zeigen. Wenn die Leute dieser Gegend ihren Unterdrücker einen
Diener des Teufels nannten, so sprachen sie nicht in bildlichem Sinne;
sie glaubten wirklich, daß zwischen dem bösen Menschen und dem bösen
Geiste ein enges Bündniß mit bestimmten Bedingungen bestehe, daß Dundee
sich verpflichtet habe, das Werk der Hölle auf Erden zu verrichten und
daß die Hölle zu höheren Zwecken ihren Sklaven beschützen dürfe, bis das
Maß seiner Schuld voll sein würde. Aber so gründlich diese Leute auch
Dundee verabscheuten, so erhoben doch die meisten von ihnen Bedenken
dagegen, für Wilhelm das Schwert zu ziehen. Es wurde in der Pfarrkirche
zu Douglas ein großes Meeting gehalten und die Frage vorgelegt, ob es zu
einer Zeit, wo Krieg im Lande wüthe und eine irische Invasion erwartet
werde, nicht Pflicht sei, zu den Waffen zu greifen. Die Debatte war
heftig und tumultuarisch. Die Redner der einen Seite beschworen ihre
Brüder, nicht den Fluch auf sich zu laden, der gegen die Bewohner von
Meros geschleudert worden, weil sie dem Herrn nicht gegen den Mächtigen
zu Hülfe kamen. Die Redner der andren Seite donnerten gegen sündige
Bündnisse. Es seien Schlechtgesinnte in Wilhelm's Heere, Mackay's eigne
Rechtgläubigkeit sei problematisch; mit solchen Kameraden und unter
einem solchen General Kriegsdienste zu leisten, würde ein sündiges
Bündniß sein. Nach langem Hin- und Herstreiten und unter großer
Verwirrung wurde endlich eine Abstimmung vorgenommen und die Majorität
erklärte sich dahin, das es ein sündiges Bündniß sein würde,
Kriegsdienste zu nehmen.
Aushebung des Cameron'schen Regiments.
Es gab jedoch eine starke Minorität und aus den Mitgliedern dieser
Minorität gelang es dem Earl von Angus ein Infanteriecorps zu bilden,
das noch heute, nach Verlauf von mehr als hundertsechzig Jahren, unter
dem Namen des Cameron'schen Regiments bekannt ist. Der erste
Oberstleutnant desselben war Cleland, der unerbittliche Bluträcher, der
Dundee aus der Convention getrieben hatte. Es machte keine geringe
Schwierigkeit, die Reihen zu füllen, denn viele westländische Whigs, die
es nicht für absolut sündhaft hielten, einzutreten, stellten
Bedingungen, welche alle militärische Disciplin untergraben mußten.
Einige wollten nicht unter einem Obersten, Major, Hauptmann, Sergeanten
oder Korporal dienen, der nicht bereit sei, den Covenant zu
unterschreiben. Andere bestanden darauf, daß, wenn es durchaus nöthig
befunden würde, den und jenen Offizier anzustellen, welcher die unter
der vorigen Regierung vorgeschriebenen Testeide geleistet habe, er sich
wenigstens durch öffentliches Eingeständniß seiner Sünde vor der Fronte
des Regiments zum Commando qualificiren sollte. Die Mehrzahl der
Enthusiasten, welche diese Bedingungen gestellt hatten, wurde durch
geschickte Bearbeitung bewogen, ihre Forderungen bedeutend
herabzustimmen. Doch hatte das Regiment immerhin einen ganz
eigenthümlichen Character. Die Soldaten waren sämmtlich strenge
Puritaner. Einer ihrer ersten Schritte war eine Petition an das
Parlament, daß alle Trunksucht, Ausschweifung und Gottlosigkeit streng
bestraft werden möchte. Ihr eignes Verhalten muß musterhaft gewesen
sein, denn das schlimmste Verbrechen, das die überspannteste Bigotterie
ihnen zur Last legen konnte, bestand darin, daß sie dem Könige zu seinem
Geburtstage Hurrahs brachten. Man hatte ursprünglich beabsichtigt, mit
der militärischen Organisation des Corps die Organisation einer
presbyterianischen Gemeinde zu verweben. Jede Compagnie sollte einen
Aeltesten liefern und die Aeltesten sollten mit dem Kaplan ein
geistliches Tribunal zur Unterdrückung der Unsittlichkeit und Ketzerei
bilden. Es wurden indeß keine Aeltesten ernannt; aber ein angesehener
Bergprediger, Alexander Shields, wurde zu dem Amte eines Kaplans
berufen. Es läßt sich schwer denken, daß der Fanatismus eine höhere
Gluth erreichen könnte, als er aus den Schriften Shields'
hervorleuchtet. Nach seinen Ansichten würde es die erste Pflicht jedes
christlichen Herrschers sein, jeden heterodoxen Unterthan bis zum Tode
zu verfolgen, und ebenso die erste Pflicht jedes christlichen
Unterthanen, einen heterodoxen Fürsten zu ermorden. Doch es herrschte
damals in Schottland eine fanatische Begeisterung, im Vergleich zu
welcher selbst die Begeisterung dieses Mannes noch lau war. Die extremen
Covenanters protestirten gegen seinen Abfall eben so heftig als sie
gegen die Schwarze Indulgenz und gegen den Suprematseid protestirt
hatten und erklärten Jeden, der in Angus' Regiment eintrat, eines
ruchlosen Bündnisses mit Uebelgesinnten schuldig.[88]
Uebergabe des Schlosses von Edinburg.
Mittlerweile war das Edinburger Schloß gefallen, nachdem es sich länger
als zwei Monate gehalten hatte. Die Vertheidigung sowohl wie der Angriff
waren sehr lau betrieben worden. Der Herzog von Gordon, der keine Lust
hatte, sich den tödtlichen Haß Derer zuzuziehen, in deren Gewalt seine
Besitzungen und sein Leben bald sein konnten, fand es nicht für
gerathen, die Stadt zu beschießen. Auf der andren Seite betrieben die
Belagerer ihre Operationen mit so wenig Energie und Umsicht, daß die
Jakobiten in der Citadelle mit den draußen befindlichen Jakobiten in
fortwährender Communication standen. Man erzählte sich sonderbare
Geschichten von den artigen und kurzweiligen Botschaften, welche
zwischen den Belagerten und den Belagerern gewechselt wurden. Einmal
ließ Gordon den städtischen Behörden sagen, daß er wegen einiger ihm aus
Irland zugekommenen Nachrichten eine Geschützsalve geben werde, daß aber
die gute Stadt sich nicht zu beunruhigen brauche, denn er werde seine
Kanonen nicht mit Kugeln laden. Ein andermal wirbelten seine Trommeln
das Zeichen zum Parlamentiren; die weiße Fahne wurde ausgesteckt, es
fand eine Unterredung statt und er benachrichtigte den Feind ganz
ernsthaft, daß alle seine Spielkarten bis zum Zerfallen abgegriffen
seien und daß er ihm doch einige frische Packete zukommen lassen möchte.
Seine Freunde errichteten einen Telegraphen, vermittelst dessen sie sich
über die Linien der Schildwachen hinweg mit ihm unterhielten. An einem
Fenster im obersten Stock eines der höchsten der gigantischen Häuser,
von denen noch jetzt einige wenige High Street verdunkeln, wurde, wenn
Alles gut ging, ein weißes Tuch, und wenn die Sachen schlecht standen,
ein schwarzes Tuch ausgehangen. Hatte man ausführlichere Meldungen zu
machen, so wurde eine Tafel emporgehalten, auf der die Nachricht mit so
großen Buchstaben geschrieben stand, daß sie mit Hülfe eines Fernrohrs
von den Wällen der Citadelle aus gelesen werden konnte. Boten mit
Briefen und frischen Lebensmitteln gelangten in verschiedenen
Verkleidungen und durch mannichfache Kunstgriffe über den Wassergraben,
der sich damals auf der Nordseite der Festung befand, und erklommen den
steilen Abhang. Der Knall einer Muskete auf einem bestimmten Außenwerke
war das Signal, welches den Freunden des Hauses Stuart anzeigte, daß
wieder einer ihrer Emissäre glücklich den Felsen erklettert hatte.
Endlich aber waren die Vorräthe erschöpft und man mußte kapituliren.
Vortheilhafte Bedingungen wurden bereitwillig zugestanden, die Garnison
zog ab und die Schlüssel wurden unter den Acclamationen einer großen
Menge Bürger übergeben.[89]
Parlamentssession in Edinburg.
Doch die Regierung hatte im Parlamentshause viel erbittertere und
hartnäckigere Feinde als im Schlosse. Als die Stände nach ihrer
Vertagung wieder zusammentraten, wurden die Krone und das Scepter
Schottland's als Symbole des abwesenden Souverains mit gewohntem Pomp im
Saale ausgestellt. Hamilton ritt als Lord Obercommissar mit großem
Gepränge von Holyrood aus durch High Street, und Crawford nahm seinen
Sitz als Präsident ein. Zwei Edicte, von denen das eine die Convention
in ein Parlament verwandelte, das andre Wilhelm und Marien als König und
Königin anerkannte, wurden rasch angenommen und mit dem Scepter berührt,
und nun begann der Kampf der Parteien.[90]
Einfluß des Clubs.
Es zeigte sich bald, daß die von Montgomery organisirte Opposition
unüberwindlich stark war. Obgleich aus vielen heterogenen Elementen, aus
Republikanern, Whigs, Tories, eifrigen Presbyterianern und bigotten
Prälatisten zusammengesetzt, agirte sie eine Zeit lang wie ein Mann und
zog eine Menge jener unbedeutenden und kleinmüthigen Politiker an sich,
welche sich naturgemäß zu der stärkeren Partei hinneigen. Die Freunde
der Regierung waren gering an Zahl und nicht verbunden. Hamilton ging
nur mit halbem Herzen an die Erfüllung seiner Pflichten. Unbeständig war
er jederzeit gewesen; jetzt war er auch noch unzufrieden. Er bekleidete
zwar den höchsten Posten, den ein Unterthan erreichen konnte; aber er
bildete sich ein, daß er nur den Schein der Macht habe, während Andere
die wirkliche Macht besäßen, und es war ihm daher nicht unlieb, wenn er
Diejenigen, auf die er eifersüchtig war, belästigt und beunruhigt sah.
Er hinterging den Fürsten, den er repräsentirte, nicht geradezu, aber er
intriguirte zuweilen mit den Führern des Clubs und spielte Denen, die
ihm im Dienste der Krone zur Seite standen, mitunter arglistige
Streiche.