dem Thale zurückgezogen, durch welches der Glamis dem ehemaligen
Schlosse Macbeth's zuströmt. Dort blieb er einige Zeit ruhig. Er
betheuerte, daß er nicht die Absicht habe, sich der neuen Regierung zu
widersetzen, er erklärte sich bereit nach Edinburg zurückzukehren, wenn
er nur gewiß sein dürfe, gegen ungesetzliche Gewalt geschützt zu werden,
und er erbot sich, sein Ehrenwort zu geben, oder, wenn dies nicht
genüge, Caution zu erlegen, daß er sich ruhig verhalten wolle. Einige
von seinen alten Soldaten hatten ihn begleitet und bildeten eine
Besatzung von hinreichender Stärke, um sein Haus gegen die
Presbyterianer der Umgegend zu beschützen. Hier hätte er möglicherweise
unbehelligt und harmlos bleiben können, wenn nicht ein Vorfall, für den
er nicht verantwortlich war, seine Feinde unversöhnlich gemacht und ihn
zur Verzweiflung getrieben hätte.[75]
Ein Emissär Jakob's war mit Briefen an Dundee und Balcarras von Irland
nach Schottland hinübergefahren. Dies erweckte Verdacht. Der Bote wurde
festgenommen, verhört und durchsucht und die Briefe bei ihm gefunden.
Einige davon gingen von Melfort aus und waren seiner würdig. Jede Zeile
verrieth die Eigenschaften, die ihn zu einem Gegenstande des Abscheus
für sein Vaterland und zum Liebling seines Gebieters gemacht hatten. Er
verkündete jubilirend den nahen Anbruch des Tages der Rache und der
Beraubung, des Tages, an welchem das Eigenthum der Rebellen unter die
Loyalen vertheilt und wo Viele, welche angesehen und reich gewesen,
Verbannte und Bettler sein würden. Der König, sagte Melfort, sei
entschlossen, Strenge zu üben. Die Erfahrung habe Seine Majestät endlich
zu der Ueberzeugung gebracht, daß Milde Schwäche sein würde. Selbst die
Jakobiten ersahen mit Entrüstung aus den Briefen, daß eine Restauration
Confiscationen und Proscriptionen zur unmittelbaren Folge haben würde.
Einige von ihnen nahmen keinen Anstand es auszusprechen, daß Melfort ein
Schurke sei, daß er Dundee und Balcarras hasse, daß er sie verderben
wolle und daß er zu dem Ende diese abscheulichen Depeschen geschrieben
und sich eines Boten bedient habe, der es sehr geschickt einzurichten
gewußt, daß er ergriffen wurde. Es ist jedoch ausgemacht, daß Melfort
auch nach der Veröffentlichung dieser Papiere so hoch als je zuvor in
Jakob's Gunst stand. Daher kann es kaum einem Zweifel unterliegen, daß
der Sekretär selbst in den Stellen, welche die eifrigen Vertheidiger des
erblichen Rechts empörten, nur die Gesinnungen und Absichten seines
Gebieters treulich wiedergab.[76] Hamilton befahl kraft der Vollmachten,
welche die Stände vor ihrer Vertagung ihm ertheilt hatten, Balcarras und
Dundee zu verhaften. Balcarras wurde festgenommen und zuerst in seinem
eigenen Hause und dann in dem Tolbooth von Edinburg internirt. Aber
Dundee's habhaft zu werden war nicht so leicht. Sobald er erfuhr, daß
Verhaftsbefehle gegen ihn erlassen waren, ging er mit seinen Anhängern
über den Dee und blieb kurze Zeit auf den unwirthbaren Besitzungen des
Hauses Gordon. Von hier aus setzte er sich mit den Macdonalds und
Camerons wegen eines Aufstandes in Communication. Er scheint jedoch
damals von den Hochländern wenig gewußt und sich wenig um sie gekümmert
zu haben. Gegen ihren Nationalcharacter empfand er wahrscheinlich die
Abneigung des Sachsen und gegen ihren militärischen Character die
Geringschätzung des Soldaten von Profession. Er kehrte bald in das
Niederland zurück und blieb dort bis er erfuhr, daß ein starkes
Truppencorps ausgesandt war, um sich seiner zu bemächtigen.[77] Jetzt
zog er sich in die Gebirgsgegend, als seine letzte Zufluchtsstätte,
eilte nordwärts durch Strathdon und Strathbogie, ging über den Spey und
kam am Morgen des 1. Mai mit einem kleinen Reitertrupp in Keppoch's
Lager vor Inverneß an.
Die neue Lage, in welche Dundee jetzt versetzt war, die neuen
Aussichten, die sich ihm eröffneten, weckten in seinem erfinderischen
und unternehmenden Kopfe natürlich neue Pläne. Die Hunderte von
athletischen Celten, die er in ihrer nationalen Schlachtordnung sah,
waren offenbar keine zu verachtenden Bundesgenossen. Wenn er eine große
Koalition von Clans bilden, wenn er zehn- oder zwölftausend dieser
entschlossenen Krieger unter eine Fahne bringen, wenn er sie überreden
konnte, sich dem Zügel der Disciplin zu unterwerfen, welch' eine
Laufbahn stand ihm dann bevor!
Ein Patent von König Jakob war, selbst als König Jakob fest auf dem
Throne saß, vom Coll der Kühe niemals sonderlich respectirt worden.
Dieser Häuptling haßte jedoch die Campbells mit der ganzen Gluth eines
Macdonald und erklärte sofort seinen Anschluß an die Sache des Hauses
Stuart. Dundee nahm es auf sich, den Streit zwischen Keppoch und
Inverneß zu schlichten. Die Stadt willigte ein, zweitausend Dollars zu
bezahlen, eine Summe, die, so klein sie in den Augen der Goldschmiede
von Lombard Street erscheinen mochte, wahrscheinlich jeden Schatz
überstieg, der je in die Einöden von Coryarrick gebracht worden war. Die
Hälfte der Summe wurde nicht ohne Mühe von den Einwohnern
zusammengebracht und für den Rest soll Dundee sein Wort verpfändet
haben.[78]
Er versuchte nun zunächst, die Macdonalds mit den Mackintoshs
auszusöhnen und schmeichelte sich mit der Hoffnung, daß die beiden
kriegerischen Stämme, welche noch unlängst einander feindlich
gegenübergestanden hatten, geneigt sein würden, unter seinem Commando
nebeneinander zu kämpfen. Doch er überzeugte sich bald, daß es kein
leichtes Ding war, eine Fehde zwischen Hochländern zu schlichten. Von
den Rechten der streitenden Könige wußte keiner der beiden Clans etwas,
noch kümmerte er sich darum. Das Benehmen beider muß örtlichen
Leidenschaften und Interessen zugeschrieben werden. Was Argyle für
Keppoch war, das war Keppoch für die Mackintoshs. Die Mackintoshs
blieben daher neutral, und ihrem Beispiele folgten die Macphersons, ein
andrer Zweig des Stammes der wilden Katze. Dies war nicht Dundee's
einzige Enttäuschung. Die Mackenzies, die Frasers, die Grants, die
Munros, die Mackays, die Macleods wohnten in großer Entfernung von dem
Gebiete Mac Callum More's. Sie lagen nicht im Streit mit ihm, schuldeten
ihm nichts und hatten keinen Grund, die Vergrößerung seiner Macht zu
fürchten. Daher sympathisirten sie nicht mit seinen beunruhigten und
aufgebrachten Nachbarn und konnten nicht dazu bewegen werden, dem
Bündnisse gegen ihn sich anzuschließen.[79]
Aufstand der den Campbells feindlichen Clans.
Diejenigen Häuptlinge hingegen, welche näher bei Inverary wohnten und
die den Namen Campbell seit langer Zeit fürchteten und haßten, hießen
Dundee freudig willkommen und versprachen, am 18. Mai an der Spitze
ihrer Leute zu ihm zu stoßen. Während der letzten zwei Wochen vor diesem
Tage durchzog er Badenoch und Athol und forderte die Bewohner dieser
Districte zur bewaffneten Erhebung auf. Dann stürmte er mit seinen
Reitern in das Niederland hinab, überrumpelte Perth und führte einige
Whiggentlemen als Gefangene mit sich ins Gebirge. Unterdessen waren die
Feuerkreuze von Ort zu Ort über alle Haiden und Berge dreißig Meilen im
Umkreise von Ben Nevis gewandert, und als er den Sammelplatz in Lochaber
erreichte, sah er, daß der Zuzug bereits begonnen hatte. Das
Hauptquartier war nahe bei Lochiel's Hause aufgeschlagen, einem großen,
ganz aus Tannenholz gezimmerten Gebäude, das in den Hochlanden für einen
prächtigen Palast galt. Hier empfing Lochiel, umgeben von sechshundert
Kriegern, seine Gäste. Macnaghten von Macnaghten und Stewart von Appin
hatten sich mit ihren kleinen Clans eingefunden. Macdonald von Keppoch
führte die Krieger, welche einige Monate vorher unter seinem Commando
die Musketiere König Jakob's in die Flucht geschlagen hatten. Macdonald
von Clanronald stand noch in zartem Alter, aber sein Oheim, der während
seiner Minderjährigkeit die Regentschaft führte, hatte ihn ins Lager
gebracht. Der Jüngling war von einer auserlesenen Leibgarde begleitet,
bestehend aus seinen Vettern, lauter stattlichen Leuten und kräftigen
Fäusten. Macdonald von Glengarry, der sich durch seine dunklen Brauen
und durch seine hohe Gestalt auszeichnete, kam aus dem großen Thale, wo
eine Kette von Seen, welche außerhalb des Landes damals noch unbekannt
und auf keiner Karte angegeben waren, gegenwärtig die tägliche Straße
für die Dampfschiffe bildet, die zwischen dem atlantischen und dem
deutschen Ocean hin und her fahren. Keiner von den Beherrschern der
Berge hatte eine höhere Meinung von seiner persönlichen Wichtigkeit und
lag häufiger mit anderen Häuptlingen in Streit als dieser. Er pflegte in
seinen Manieren und in seinem Hauswesen eine Rohheit zur Schau zu
tragen, welche die seiner rohen Nachbarn noch übertraf, und erklärte,
daß er die wenigen Luxusgegenstände, welche aus den civilisirten Theilen
der Erde ihren Weg in die Hochlande gefunden, als Zeichen der
Verweichlichung und Entartung der gälischen Race betrachte. Diesmal
hatte er es für gut befunden, den Glanz der sächsischen Krieger
nachzuahmen, denn er ritt an der Spitze seiner vierhundert mit Plaids
bekleideten Clansleute in einem stählernen Küraß und einem mit Gold
gestickten Rocke. Ein andrer Macdonald, der ein beklagenswerthes und
entsetzliches Ende nehmen sollte, hatte einen Trupp verwegener
Freibeuter aus dem traurigen Gebirgspasse Glencoe herbeigeführt. Etwas
später kamen die großen Potentaten von den Hebriden. Macdonald von
Sleat, der reichste und mächtigste von allen Großen, welche auf den
hohen Titel des Lords der Inseln Anspruch machten, kam von Sky an der
Spitze von siebenhundert Streitern. Eine Flotte von langen Böten brachte
fünfhundert Macleans von Mull unter dem Commando ihres Häuptlings Sir
Johann von Duart. In alten Zeiten hatte eine weit stärkere Streitmacht
seine Vorfahren in die Schlacht begleitet. Aber die Macht, wenn auch
nicht der Muth des Clans war durch die Arglist und durch die Waffen der
Campbells gebrochen worden. Eine andre Schaar Macleans kam unter einem
tapferen Anführer, der sich nach dem Lochbuy nannte, was so viel heißt
als gelber See.[80]
Tarbet's Rath für die Regierung.
Es scheint nicht, daß ein einziger Häuptling, der keinen speciellen
Grund hatte, das Haus Argyle zu fürchten und zu hassen, Dundee's Aufruf
Folge leistete. Man hat sogar starken Grund zu glauben, daß selbst die
Häuptlinge, welche kamen, ruhig zu Haus geblieben sein würden, wenn die
Regierung die Politik der Hochlande verstanden hätte. Nur ein
talentvoller und erfahrener Staatsmann, welcher der vornehmen
hochländischen Familie der Mackenzie entsprossen war, der Viscount
Tarbet, verstand diese Politik gründlich. Er setzte damals Melville
brieflich und Mackay mündlich nicht nur die Ursachen der krankhaften
Zustände auseinander, welche die Calamitäten des Bürgerkriegs über
Schottland zu bringen drohten, sondern gab auch die Heilmittel dagegen
an. Die Gälen, sagt Tarbet, seien keineswegs allgemein für einen
Aufstand eingenommen. Selbst von denjenigen papistischen Clans, welche
keinen Grund hätten, die Unterwerfung unter das Joch der Campbells zu
fürchten, sei wenig zu besorgen. Es sei notorisch, daß auch die
talentvollsten und rührigsten unter den mißvergnügten Häuptlingen sich
um die zwischen den Whigs und Tories obschwebenden Streitfragen gar
nicht kümmerten. Lochiel insbesondere, den seine ausgezeichneten
persönlichen Eigenschaften zu dem bedeutendsten Manne unter den
Gebirgsbewohnern machten, frage nach Jakob eben so wenig etwas wie nach
Wilhelm. Wenn die Camerons, die Macdonalds und die Macleans überzeugt
werden könnten, daß ihre Güter und Ehrenstellen ihnen unter der neuen
Regierung gesichert blieben, wenn Mac Callum More einige Zugeständnisse
mache und Ihre Majestäten die Bezahlung einiger Pachtrückstände
übernähmen, so würde Dundee die Clans mit wenig Erfolg zu den Waffen
rufen. Fünftausend Pfund Sterling, meinte Tarbet, würden hinreichen, um
alle celtischen Magnaten zu beschwichtigen, und in der That, obgleich
diese Summe den Politikern von Westminster lächerlich klein vorkommen
mochte, obgleich sie nicht größer war als der jährliche Gehalt des
Oberkammerherrn oder des Kriegszahlmeisters, war sie doch enorm für
einen rohen Potentaten, der zwar über Hunderte von Quadratmeilen
herrschte und Hunderte von Kriegern ins Feld stellen konnte, aber
vielleicht niemals fünfzig Guineen auf einmal in seiner Geldkasse gehabt
hatte.[81]
Obwohl Tarbet von den schottischen Ministern der neuen Souveraine für
einen sehr zweifelhaften Freund gehalten wurde, so verschmähte man
seinen Rath doch nicht ganz. Es wurde beschlossen, den Mißvergnügten
Propositionen zu machen, welche er angerathen hatte. Viel hing dabei von
der Wahl eines Agenten ab, und leider bewies die getroffene Wahl, wie
wenig die Vorurtheile der wilden Gebirgsstämme in Edinburg verstanden
wurden. Ein Campbell wurde dazu ausersehen, für die Sache des Königs
Wilhelm Männer zu gewinnen, deren Groll gegen den König Wilhelm einzig
und allein den Grund hatte, daß er die Campbells begünstigte.
Anerbietungen, welche durch eine solche Mittelsperson gemacht wurden,
mußten natürlich als Schlinge und zugleich als Beleidigungen betrachtet
werden. Unter solchen Umständen war es unnütz, daß Tarbet an Lochiel und
Mackay an Glengarry schrieb. Lochiel antwortete Tarbet gar nicht, und
Glengarry gab Mackay eine zwar artige, aber kalte Antwort, in welcher er
dem General rieth, das Beispiel Monk's nachzuahmen.[82]
Unentschiedener Feldzug in den Hochlanden.
Inzwischen vergeudete Mackay einige Wochen mit Märschen, Contremärschen
und unentschiedenen Scharmützeln. Späterhin gestand er ehrlich ein, daß
die Kenntnisse, die er sich während seiner dreißigjährigen
Militärdienste auf dem Continent erworben, ihm in seiner damaligen neuen
Stellung nichts nützten. Es war schwer, in einem solchen Lande den Feind
zu verfolgen, und unmöglich war es, ihn dahin zu bringen, daß er eine
offene Schlacht annahm. Nahrung für ein Invasionsheer war in der
waldigen und steinigen Wildniß nicht zu finden; eben so wenig konnten
Lebensmittel für viele Tage weit über weiche Sümpfe und steile Anhöhen
transportirt werden. Der General überzeugte sich, daß er seine Leute und
ihre Pferde fast zu Tode ermüdet und doch nichts erreicht hatte.
Hochländische Hülfstruppen würden ihm von großem Nutzen gewesen sein;
allein er hatte wenig solche Hülfstruppen. Der Häuptling der Grants, den
die vorige Regierung verfolgt und der Conspiration mit dem unglücklichen
Earl von Argyle angeklagt hatte, war zwar ein warmer Freund der
Revolution. Zweihundert Mackay's kamen, wahrscheinlich unter dem
Einflusse von verwandtschaftlichen Gefühlen, aus dem äußersten Norden
unsrer Insel, wo es in der Mitte des Sommers keine Nacht giebt, um unter
einem Anführer ihres Namens zu kämpfen; im Allgemeinen aber erwarteten
die Clans, die sich nicht an dem Aufstande betheiligten, den Ausgang mit
kalter Gleichgültigkeit und schmeichelten sich mit der Hoffnung, daß es
ihnen leicht werden würde, sich mit den Siegern auszusöhnen und daß sie
an der Plünderung der Besiegten würden Theil nehmen dürfen.
Eine Erfahrung von wenig mehr als einem Monat überzeugte Mackay, daß es
nur ein Mittel gab, durch welches die Hochlande unterworfen werden
konnten. Es war nutzlos, die Gebirgsbewohner Berg auf Berg ab zu
verfolgen. Eine Reihe von Festungen mußte an den wichtigsten Punkten
errichtet und mit starken Besatzungen versehen werden. Der Ort, mit dem
der General vorschlug den Anfang zu machen, war Inverlochy, wo die
gewaltigen Ueberreste eines alten Schlosse standen und noch stehen.
Dieser Posten lag nahe an einem Meeresarme und im Herzen des von den
mißvergnügten Clans bewohnten Landes. Ein dort stationirtes und
nöthigenfalls durch Kriegsschiffe unterstütztes starkes Truppencorps
hätte zu gleicher Zeit die Macdonalds, die Camerons und die Macleans
wirksam in Schach halten können.[83]
Während Mackay in seinen Briefen an den Staatsrath zu Edinburg die
Nothwendigkeit vorstellte, auf diesen Plan einzugehen, hatte Dundee mit
Schwierigkeiten zu kämpfen, welche all' seine Energie und
Geschicklichkeit nicht völlig zu bewältigen vermochte.
Militärischer Character der Hochländer.
So lange die Hochländer noch eine Nation waren, die ihre eigenthümliche
Verfassung hatte, waren sie in einem Sinne brauchbarer und in einem
andren Sinne unbrauchbarer für militärische Zwecke als irgend eine andre
Nation in Europa. Der Celte als Individuum eignete sich moralisch und
physisch trefflich für den Krieg, und ganz besonders für den Krieg in
einem so wilden und rauhen Lande wie das seine. Er war unerschrocken,
kräftig, leichtfüßig und ertrug ohne Murren Kälte, Hunger und
Anstrengungen. Ueber steile Felsen und verrätherische Sümpfe bewegte er
sich eben so leicht wie die französischen Haustruppen auf der Straße von
Versailles nach Marly. Er war an den Gebrauch der Waffen und an den
Anblick des Blutes gewöhnt; er war ein geübter Fechter und Schütze, und
bevor er jemals in Reih' und Glied gestanden, war er schon mehr als ein
halber Soldat.
Wie der einzelne Celte leicht in einen Soldaten zu verwandeln war,
ebenso war ein ganzer Stamm von Celten leicht in ein Bataillon Soldaten
zu verwandeln. Es bedurfte dazu nichts weiter, als daß die militärische
Organisation mit der patriarchalischen Organisation in Einklang gebracht
wurde. Der Häuptling mußte Oberst, sein Oheim oder sein Bruder mußte
Major, die Pächter, welche gleichsam die Peerschaft des kleinen Staates
bildeten, mußten die Hauptleute sein und die Compagnie jedes Hauptmanns
mußte aus denjenigen Bauern bestehen, die auf seinem Grund und Boden
wohnten und deren Namen, Gesichter, Verwandten und Charactere er genau
kannte; die Unteroffiziere mußten aus den auf die Adlerfeder stolzen
Duinhe Wassels gewählt sein, der Waffenträger war eine vortreffliche
Ordonnanz, der Erbpfeifer und seine Söhne bildeten die Musikbande, und
der Clan wurde so mit einem Male ein Regiment. In einem solchen Regiment
herrschte vom ersten Augenblicke an die strenge Ordnung und der
pünktliche Gehorsam, worin die Stärke regulärer Armeen besteht. Jeder
Mann, vom Höchsten bis zum Niedrigsten, war an seinem geeigneten Platze
und kannte diesen Platz vollkommen. Es war nicht nöthig, den
neueingerichteten Truppen erst durch Drohungen oder Strafen die Pflicht
einzuschärfen, den Mann als ihr Oberhaupt zu betrachten, den sie von
jeher, so lange sie denken konnten, als ihr Oberhaupt betrachtet hatten.
Jeder Gemeine hatte von Kindheit an seinen Korporal sehr, seinen
Hauptmann noch mehr geachtet und seinen Obersten fast angebetet. An
Meuterei war daher nicht zu denken, ebenso wenig an Desertion, denn
gerade diejenigen Gefühle, welche andere Soldaten am mächtigsten
antreiben zu desertiren, hielten den Hochländer bei seiner Fahne. Wohin
sollte er gehen, wenn er sie verließ? Alle seine Verwandten, alle seine
Freunde waren um dieselbe versammelt. Trennte er sich also von ihr, so
trennte er sich zugleich für immer von seiner Familie und brachte den
ganzen Jammer des Heimwehs über sich, das in regulären Armeen so viele
Rekruten antreibt, auf die Gefahr von körperlicher Züchtigung und Tod
hin zu entlaufen. Wenn man diese Umstände erwägt, wird man sich nicht
darüber wundern, daß die hochländischen Clans zuweilen große
Kriegsthaten vollbracht haben.