Der wahre Grund der Bereitwilligkeit, mit der ein großer Theil der

Bevölkerung der Hochlande im Laufe des 17. Jahrhunderts zweimal für die

Stuarts das Schwert zog, ist in den inneren Zwistigkeiten zu suchen,

welche die Republik der Clans spaltete. Denn es gab eine Republik der

Clans, das verkleinerte Ebenbild der großen Republik der europäischen

Nationen. In der kleineren von diesen beiden Republiken, wie in der

größeren, gab es Kriege, Verträge, Alliancen, Streitigkeiten wegen

Gebiet und Vorrang, ein System des öffentlichen Rechts und ein

Gleichgewicht der Macht. Dabei existirte eine unerschöpfliche Quelle der

Unzufriedenheit und Zwietracht. Einige Jahrhunderte früher war das

Feudalsystem in das Gebirgsland eingeführt worden, hatte aber das

patriarchalische System weder vernichtet, noch sich vollständig mit

demselben amalgamirt. Gewöhnlich war Derjenige, der nach der

normännischen Verfassung Lord war, auch Häuptling nach der celtischen

Verfassung, und in diesem Falle war kein Streit. Waren aber die beiden

Charactere getrennt, so concentrirte sich der ganze willige und loyale

Gehorsam auf den Häuptling. Der Lord hatte nur das, was er durch Gewalt

erlangen und behaupten konnte. Wenn er mit Hülfe seines eignen Stammes

Pächter, die einem andren Stamme angehörten, sich unterthan zu erhalten

vermochte, so herrschte eine Tyrannei von Clan gegen Clan, vielleicht

die heftigste von allen Formen der Tyrannei.

Eifersucht auf den Einfluß der Campbells.

Verschiedene Stämme hatten sich zu verschiedenen Zeiten zu einem Ansehen

erhoben, das allgemeine Furcht und Neid erweckt hatte. Die Macdonalds

hatten früher einmal auf den Hebriden und in dem ganzen Gebirgslande von

Argyleshire und Inverneßshire ein Uebergewicht besessen ähnlich dem,

welches das Haus Oesterreich einst in der Christenheit besaß. Aber das

Uebergewicht der Macdonalds war, wie das des Hauses Oesterreich,

verschwunden, und die Campbell's, die Kinder Diarmid's, waren in den

Hochlanden das geworden, was die Bourbons in Europa geworden waren. Der

Vergleich könnte noch weiter fortgeführt werden. Aehnliche

Beschuldigungen wie man sie der französischen Regierung zur Last zu

legen pflegte, wurden den Campbells zur Last gelegt. Eine besondere

Gewandtheit, ein besonderer äußerer Schein von Eleganz, eine besondere

Verachtung aller eingegangenen Verpflichtungen wurden mit oder ohne

Grund dem gefürchteten Stamme zugeschrieben. »Schön und falsch wie ein

Campbell« wurde ein Sprichwort. Es hieß, ein Mac Callum More nach dem

andren habe mit unermüdlichem, gewissenlosem und unbeugsamem Ehrgeize

Berg auf Berg und Insel auf Insel zu den ursprünglichen Besitzungen

seines Hauses gehäuft. Einige Stämme waren aus ihrem Gebiet vertrieben,

andere zur Zahlung eines Tributs gezwungen, noch andere den Eroberern

einverleibt worden. So war endlich die Zahl der waffenfähigen Männer,

welche den Namen Campbell führten, stark genug, um den vereinten

Streitkräften aller übrigen weltlichen Clans im Felde die Spitze zu

bieten.[64] Während der bürgerlichen Unruhen, welche im Jahre 1638

begannen, erreichte die Macht dieser ehrgeizigen Familie ihren

Höhepunkt. Der Marquis von Argyle war ebensowohl das Oberhaupt einer

Partei wie der Häuptling eines Stammes. Im Besitze zweier verschiedenen

Arten von Autorität, bediente er sich jeder derselben in solcher Weise,

daß er damit die andre erweiterte und verstärkte. Der notorische

Umstand, daß er die Claymores von fünftausend halbheidnischen

Gebirgsbewohnern ins Feld bringen konnte, vermehrte seinen Einfluß bei

den strengen Presbyterianern, welche den Geheimen Rath und die

Generalversammlung von Edinburg füllten, und sein Einfluß in Edinburg

vermehrte wieder den Schrecken, den sein Name im Gebirge verbreitete.

Von allen Fürsten der schottischen Hochlande, deren Geschichte uns näher

bekannt ist, war er der mächtigste und gefürchtetste. Während seine

Nachbarn die Zunahme seiner Macht mit einer Wuth beobachteten, welche

die Furcht kaum niederzuhalten vermochte, rief Montrose sie zu den

Waffen. Dem Aufrufe ward bereitwilligst Folge geleistet und eine

mächtige Coalition von Clans zog in den Krieg, dem Namen nach für König

Karl, in Wirklichkeit aber gegen Mac Callum More. Wer die Geschichte

dieses Kampfes studirt hat, wird nicht leicht zweifeln können, daß, wenn

Argyle die Sache der Monarchie unterstützt hätte, seine Nachbarn sich

gegen dieselbe erklärt haben würden. Achtbare Schriftsteller erzählen

von dem Siege, den die Royalisten bei Inverlochy über die Rebellen

erfochten. Aber die in der Nähe des Ortes wohnenden Landleute stellen

die Sache richtiger dar. Sie sprechen von der großen Schlacht, welche

dort die Macdonalds gegen die Campbells gewannen.

Die Gesinnungen, welche die Koalition gegen den Marquis von Argyle

hervorgerufen hatten, bestanden noch lange nach seinem Tode in ihrer

ganzen Stärke fort. Sein Sohn, der Earl Archibald, erbte, obwohl er ein

Mann von vielen ausgezeichneten Tugenden war, mit der Macht seiner

Vorfahren zu gleicher Zeit auch die Unpopularität, die eine fast

unausbleibliche Folge einer solchen Macht war. Im Jahre 1675 bildeten

mehrere kriegslustige Stämme eine Conföderation gegen ihn, mußten sich

aber der überlegenen Macht fügen, die ihm zu Gebote stand. Es herrschte

daher von einer Meeresküste bis zur andren große Freude, als er im Jahre

1681 auf eine geringfügige Anschuldigung hin vor Gericht gestellt, zum

Tode verurtheilt, ins Exil getrieben und seiner Titel beraubt wurde.

Groß war der Schrecken, als er 1685 aus der Verbannung zurückkehrte und

das feurige Kreuz aussandte, um seine Stammesgenossen unter seine Fahne

zu rufen, und wieder war große Freude, als sein Unternehmen gescheitert,

als seine Armee zusammengeschmolzen, als sein Kopf auf das Tolbooth von

Edinburg gesteckt worden war und als die Häuptlinge, die ihn als einen

Unterdrücker betrachtet, unter leichten Bedingungen von der Krone

Erlassung alter Verbindlichkeiten und Verleihung neuer Titel erlangt

hatten. Während England und Schottland allgemein Jakob's Tyrannei

verabscheuten, wurde er in Appin und Lochaber, in Glenroy und Glenmore

als ein Befreier verehrt.[65] Der durch die Macht und den Ehrgeiz des

Hauses Argyle erregte Haß war selbst dann noch nicht gekühlt, als das

Oberhaupt dieses Hauses hingeopfert, als seine Kinder landesflüchtig

waren, als fremde Truppen die Besatzung des Schlosses Inverary bildeten

und als das ganze Ufer des Fynesees durch Feuer und Schwert verwüstet

war. Man sagte, der schreckliche Präcedenzfall mit den Macgregors müsse

wiederholt und es als ein Verbrechen erklärt werden, den verhaßten Namen

Campbell zu tragen.

Da änderte sich plötzlich Alles. Die Revolution kam und der Erbe

Argyle's kehrte triumphirend zurück. Er war, wie seine Vorgänger es

gewesen, das Oberhaupt nicht nur eines Stammes, sondern auch einer

Partei. Der Richterspruch, der ihn seines Eigenthums und seiner Titel

beraubt hatte, wurde von der Majorität der Convention für null und

nichtig angesehen. Die Thüren des Parlamentshauses wurden ihm geöffnet,

er wurde unter dem ganzen schottischen Hochadel dazu auserwählt, den

neuen Soverainen den Amtseid abzunehmen, und dazu ermächtigt, auf seinen

Besitzungen eine Armee für den Dienst der Krone auszuheben. Jetzt war er

unzweifelhaft so mächtig wie der mächtigste seiner Vorfahren.

Unterstützt durch die Kraft der Regierung, verlangte er nun gewiß die

Entrichtung aller der langjährigen schweren Zins- und Tributrückstände,

die seine Nachbarn ihm schuldeten und übte Rache für alle Beleidigungen

und Schmähungen, die seine Familie erduldet hatte.

Die Stewarts und Macnaghtens.

Angst und Unruhe herrschte in den Schlössern von zwanzig

Miniaturkönigen. Groß war die Besorgniß der Stewarts von Appin, deren

Gebiet auf der einen Seite vom Meere und auf der andren vom Stamme

Diarmid's eingezwängt war. Noch größer war die Bestürzung bei den

Macnaghtens. Sie waren einst die Herren der schönen Thäler gewesen,

durch welche die Ara und die Shira dem Fynesee zuströmen. Aber die

Campbells hatten die Oberhand behalten. Die Macnaghtens waren zur

Unterwerfung gezwungen worden und hatten von Geschlecht zu Geschlecht

mit Furcht und Abscheu zu dem benachbarten Schlosse Inverary

emporgeblickt. Neuerdings war ihnen eine vollkommene Emancipation

versprochen worden. Eine Urkunde, kraft welcher ihrem Häuptlinge seine

Besitzungen als unmittelbares Kronlehen zugeschrieben wurden, war

ausgefertigt und harrte nur noch der königlichen Siegel, als die

Revolution plötzlich eine Hoffnung zertrümmerte, welche nahe an

Gewißheit grenzte.[66]

Die Macleans.

Die Macleans erinnerten sich, daß die Campbells vor nicht mehr als

vierzehn Jahren in ihr Gebiet eingefallen, den Stammsitz ihres

Häuptlings genommen und eine Besatzung in denselben gelegt hatten.[67]

Noch ehe Wilhelm und Marie in Edinburg proklamirt worden, war ein

Maclean, ohne Zweifel vom Oberhaupte seines Stammes abgesandt, über das

Meer nach Dublin gekommen und hatte Jakob versichert, daß, wenn einige

Bataillone aus Irland in Argyleshire landen sollten, sich ihnen sofort

viertausendvierhundert Claymores anschließen würden.[68]

Die Camerons; Lochiel.

Ein ähnlicher Geist beseelte die Camerons. Ihr Oberhaupt, Sir Ewan

Cameron von Lochiel, mit dem Beinamen der Schwarze, hatte in Bezug auf

persönliche Eigenschaften unter den celtischen Fürsten nicht seines

Gleichen. Er war ein leutseliger Gebieter, ein zuverlässiger

Bundesgenosse und ein furchtbarer Feind. Sein Gesicht und seine Haltung

waren von seltenem Adel. Einige Personen, die in Versailles gewesen

waren, darunter der kluge und beobachtende Simon Lord Lovat, meinten,

daß in Bezug auf Persönlichkeit und Manieren eine auffallende

Aehnlichkeit zwischen Ludwig XIV. und Lochiel stattfinde, und wer die

Portraits Beider mit einander vergleicht, wird bemerken, daß in der That

einige Aehnlichkeit vorhanden war. In der Statur war jedoch ein großer

Unterschied. Ludwig erreichte trotz seiner Schuhe mit hohen Absätzen und

trotz einer mächtig hohen Perrücke kaum die Mittelgröße. Lochiel war

lang und kräftig gebaut. In Behendigkeit und Geschicklichkeit im

Gebrauche der Waffen kamen ihm wenige unter den Gebirgsbewohnern gleich.

Er hatte mehr als einmal im Einzelkampfe gesiegt und war ein weit und

breit berühmter Jäger. Er führte einen energischen Krieg gegen die

Wölfe, welche bis zu seiner Zeit das Hochwild der Grampians zerrissen,

und von seiner Hand fiel der letzte des blutdürstigen Gezüchts, das

bekanntermaßen über unsre ganze Insel verbreitet war. Auch zeichnete

sich Lochiel nicht weniger durch geistige wie durch körperliche Kräfte

aus. Einem gebildeten und vielgereisten Engländer, der in Westminster

unter Busby und in Oxford unter Aldrich die Classiker studirt, der im

Umgange mit Mitgliedern der königlichen Societät etwas von den

Wissenschaften und in den Galerien von Florenz und Rom etwas von den

schönen Künsten gelernt hatte, würde er allerdings wohl unwissend

erschienen sein. Aber obwohl Lochiel wenig Bücherkenntnisse besaß, so

war er doch ungemein verständig bei Berathungen, beredtsam in der

Debatte, erfinderisch in Auskunftsmitteln und geschickt in der Leitung

des menschlichen Characters. Sein Verstand bewahrte ihn vor den

Thorheiten, zu denen sich seine Bruderhäuptlinge oftmals durch Stolz und

Zorn hinreißen ließen. Daher nannten Viele, die seine Bruderhäuptlinge

als bloße Barbaren betrachteten, seinen Namen mit Achtung. Selbst bei

der holländischen Gesandtschaft am St. James Square sprach man von ihm

als von einem Manne, der an Einsicht und Muth nicht leicht seines

Gleichen finden dürfte. Als Beschützer der Literatur kann er dem

freigebigen Dorset zur Seite gestellt werden. Wie Dorset aus seiner

Tasche Dryden eine Pension aussetzte, die seinem Einkommen als Hofpoet

gleichkam, so soll Lochiel einem berühmten Barden, der von Räubern

ausgeplündert worden und der in einer rührenden gälischen Ode um Almosen

bat, drei Kühe und die kaum glaubliche Summe von fünfzehn Pfund Sterling

geschenkt haben. Der Character dieses großen Häuptlings war in der That

schon zweitausendfünfhundert Jahre vor seiner Geburt geschildert worden,

und zwar -- so groß ist die Macht des Genies -- mit Farben, welche eben

so viele Jahre nach seinem Tode noch frisch sein werden. Er war der

Ulysses der Hochlande.[69]

Er war Herr über ein großes Gebiet, bevölkert von einem Stamme, der

keinen andren Gebieter, keinen andren Gott verehrte als ihn. Für dieses

Gebiet war er jedoch dem Hause Argyle lehnspflichtig. Er war

verpflichtet, seinem Lehnsherrn im Kriege beizustehen und ihm einen

hohen Grundzins zu bezahlen. Diese Vasallenschaft hatte er allerdings

schon in früher Jugend als erniedrigend und ungerecht betrachten

gelernt. Während seiner Minderjährigkeit hatte er unter der

Vormundschaft des klugen Marquis gestanden und war auf dem Schlosse

Inverary erzogen worden. Mit dem achtzehnten Jahre aber riß sich der

Knabe von der Autorität seines Vormundes los und focht tapfer für Karl

I. wie für Karl II. Er wurde daher von den Engländern als ein Cavalier

betrachtet, nach der Restauration in Whitehall gut aufgenommen und von

Jakob's Hand zum Ritter geschlagen. Das Compliment jedoch, welches ihm

bei einem seiner Besuche am englischen Hofe gemacht wurde, würde einem

Sachsen nicht sehr schmeichelhaft erschienen sein. »Nehmen Sie Ihre

Taschen in Acht, Mylords,« rief Se. Majestät, »hier kommt der König der

Diebe.« Die Loyalität Lochiel's ist fast sprichwörtlich, aber sie war

dem was man in England Loyalität nannte, ganz unähnlich. In den

Protokollen des schottischen Parlaments war er zu den Zeiten Karl's II.

als ein gesetzloser und rebellischer Mann geschildert, der aus eigner

Machtvollkommenheit und mit souverainer Verachtung der königlichen

Autorität Ländereien besitze.[70] Einmal erhielt der Sheriff von

Inverneßshire von König Jakob Befehl, in Lochaber einen Gerichtstag zu

halten. Lochiel, eifersüchtig auf diese Einmischung in seinen

patriarchalischen Despotismus, erschien bei der Gerichtsverhandlung an

der Spitze von vierhundert bewaffneten Camerons. Er affectirte große

Achtung vor dem königlichen Befehl, ließ aber einige Worte fallen,

welche von den Pagen und Waffenträgern, die jeden seiner Blicke scharf

beobachteten, vollkommen verstanden wurden. »Ist keiner meiner Burschen

so gut, diesen Richter zum Teufel zu jagen? Ich habe sie schon Händel

anfangen sehen, wo es weniger nöthig war.« Im nächsten Augenblicke

begann ein Zanken und Streiten unter der Menge, man wußte nicht wie oder

wo. Hunderte von Dolchen blitzten, das Geschrei »Hülfe!« und »Mörder!«

ertönte von allen Seiten, es kamen zahlreiche Verwundungen vor, zwei

Menschen wurden getödtet, die Sitzung wurde in tumultuarischer

Verwirrung aufgehoben und der geängstigte Sheriff mußte sich unter den

Schutz des Häuptlings stellen, der ihn mit einem plausiblen Anschein von

Achtung und Theilnahme sicher nach seiner Wohnung geleitete. Man muß

lachen, wenn man daran denkt, daß der Mann, der diese That verübte, von

Schriftstellern, welche Somers und Burnet als Verächter der legitimen

Autorität der Landesherren tadeln, beständig als der zuverlässigste und

pflichtgetreueste Unterthan gerühmt wird. Lochiel würde allerdings die

Lehre vom Nichtwiderstande höhnend verlacht haben. Aber es gab kaum

einen andren Häuptling in Inverneßshire, der durch den Sturz des Hauses

Argyle mehr als er gewonnen oder triftigeren Grund gehabt hätte, die

Restauration dieses Hauses zu fürchten. Die Maßnahmen der Convention

konnten daher kaum einen andren Häuptling in Inverneßshire mehr

beunruhigen und ärgern als ihn.

Die Macdonalds.

Doch unter allen den Hochländern, welche die neueste Wendung des

Geschicks mit peinlicher Besorgniß betrachteten, waren die Macdonalds

die heftigsten und mächtigsten. Mehr als einer von den Magnaten, welche

diesen weitverbreiteten Namen führten, machte Anspruch auf die Ehre, der

rechtmäßige Nachfolger der Lords der Inseln zu sein, die noch im 15.

Jahrhundert den Königen von Schottland den Vorrang streitig gemacht

hatten. Dieser genealogische Streit, der bis auf unsre Zeit gewährt hat,

verursachte viel Hader unter den Betheiligten. Alle aber stimmten darin

überein, daß sie den früheren Glanz ihrer Dynastie zurückwünschten und

das emporgekommene Geschlecht Campbell verabscheuten. Die alte Fehde

hatte niemals geruht. Noch fortwährend wurde in Versen wie in Prosa

wiederholt, daß der schönste Theil des den ehemaligen Oberhäuptern der

gälischen Nation gehörenden Gebiets, Islay, wo sie mit königlicher

Pracht gewohnt hatten, Jona, wo sie mit religiösem Pomp bestattet worden

waren, die Berge von Jura, die reiche Halbinsel Kintyre, von den

rechtmäßigen Besitzern auf den unersättlichen Mac Callum More

übergegangen seien. Seit dem Sturze des Hauses Argyle konnten die

Macdonalds, wenn sie auch ihre sonstige Macht nicht wiedererlangt

hatten, sich wenigstens rühmen, daß gegenwärtig ihnen Niemand überlegen

war. Von der Furcht vor ihrem mächtigen Feinde im Westen befreit, hatten

sie ihre Waffen gegen schwächere Feinde im Osten, gegen den Clan

Mackintosh und gegen die Stadt Inverneß gerichtet.

Fehde zwischen den Macdonalds und den Mackintoshs. Inverneß.

Der Clan Mackintosh, ein Zweig eines alten und berühmten Stammes, der

seinen Namen und sein Wappen von der wilden Katze der Wälder entlehnte,

hatte einen Streit mit den Macdonalds, der sich, wenn man der Tradition

glauben darf, aus den finsteren Zeiten herschrieb, wo die dänischen

Seeräuber die Küsten Schottland's verwüsteten. Inverneß war eine

sächsische Colonie unter den Celten, ein Bienenstock von Kaufleuten und

Handwerkern inmitten einer Bevölkerung von Müßiggängern und Plünderern,

ein einsamer Posten der Civilisation in einer Region von Barbaren.

Obgleich die Gebäude nur einen kleinen Theil des Flächenraumes

bedeckten, den sie gegenwärtig einnehmen; obgleich die Ankunft einer

Brigg im Hafen ein seltenes Ereigniß war; obgleich die Börse den

Mittelpunkt einer schmutzigen Straße bildete, in der ein Marktkreuz

stand, das große Aehnlichkeit mit einem zerbrochenen Meilenzeiger hatte;

obgleich die Sitzungen des Gemeinderaths in einem armseligen Gebäude mit

schmucklosen Wänden gehalten wurden; obgleich die besten Häuser von der

Art waren, daß sie jetzt bloße Hütten genannt werden würden; obgleich

die besten Dächer von Stroh waren; obgleich die besten Zimmerdecken aus

rohem Gebälk bestanden; obgleich die besten Fenster wegen mangelnder

Scheiben bei schlechtem Wetter mit Läden verschlossen wurden; obgleich

die geringeren Wohnungen bloße Erdhütten waren, in denen Fässer mit

ausgeschlagenem Boden die Stelle der Kamine vertraten, so war doch diese

Stadt in den Augen des Gebirgsbewohners der Grampians wie ein Babylon

oder Tyrus. Nirgend anderwärts hatte er mehrere hundert Häuser, zwei

Kirchen und ein Dutzend Malzdarren beisammengesehen. Nirgend anderwärts

war er durch den Glanz von Budenreihen geblendet worden, wo Messer,

Hornlöffel, zinnerne Kessel und bunte Bänder zum Verkauf ausgestellt

waren. Nirgend anderwärts war er an Bord eines der gewaltigen Schiffe

gewesen, welche Wein und Zucker aus Ländern brachten, die weit über die

Grenzen seiner Geographie hinaus lagen.[71] Es kann nicht Wunder nehmen,

daß die stolzen und kriegerischen Macdonalds, welche zwar die friedliche

Industrie verachteten, denen aber nach den Früchten dieser Industrie

gelüstete, mit den Bewohnern von Inverneß eine Reihe von Händeln

anfingen. Unter der Regierung Karl's II. hatte man gefürchtet, daß die

Stadt von diesen rohen Nachbarn erstürmt und geplündert werden würde.

Die Friedensbedingungen, welche sie anboten, bewiesen, wie wenig sie

nach der Autorität des Fürsten und des Gesetzes fragten. Sie verlangten,

daß ihnen ein schwerer Tribut bezahlt werden, daß die Municipalbehörden

sich eidlich verpflichten sollten, jeden Bürger, der das Blut eines

Macdonald vergösse, der Rache des Clans auszuliefern, und daß jeder

Bürger, sobald er irgendwo Jemandem begegnete, der den Tartan der

Macdonalds trüge, zum Zeichen seiner Unterwerfung die Waffen strecken

solle. Nie hatte Ludwig XIV., selbst nicht als er zwischen Utrecht und

Amsterdam lagerte, die Generalstaaten mit so despotischem Uebermuthe

behandelt.[72] Durch die Vermittelung des schottischen Geheimraths kam

ein Vergleich zu Stande; aber die alte Feindschaft verminderte sich

nicht.

Inverneß wird von Macdonald von Keppoch bedroht.

Gemeinsame Feindschaften und gemeinsame Befürchtungen erzeugten ein

gutes Einvernehmen zwischen der Stadt und dem Clan Mackintosh. Der

Feind, den Beide am meisten haßten und fürchteten, war Colin Macdonald

von Keppoch, ein Musterexemplar von ächtem hochländischen Jakobiten.

Keppoch hatte Zeit seines Lebens die Autorität der Krone verhöhnt und

sich derselben widersetzt. Er war zu wiederholten Malen bei seiner

Unterthanenpflicht aufgefordert worden, von seinem gesetzwidrigen

Treiben abzulassen, hatte aber jede solche Ermahnung mit Verachtung

behandelt. Die Regierung wollte jedoch nicht zu extremen Maßregeln gegen

ihn greifen, und er herrschte noch lange ungestört über die stürmischen

Berggipfel von Coryarrick und über die gigantischen Terrassen, welche

noch jetzt die Grenzen des einstigen Sees von Glenroy bezeichnen. Er war

berühmt wegen seiner Kenntniß aller Schluchten und Höhlen dieser

traurigen Gegend, und seine Geschicklichkeit, eine Viehheerde bis in die

entlegensten Schlupfwinkel zu verfolgen, war so groß, daß man ihm den

Beinamen »Coll der Kühe« gegeben hatte.[73] Endlich zwangen seine

frechen Verletzungen des Gesetzes den Geheimrath, energische Maßregeln

gegen ihn zu ergreifen. Er wurde für einen Rebellen erklärt, Androhungen

von Feuer und Schwert wurden unter dem Siegel Jakob's gegen ihn

erlassen, und wenige Wochen vor der Revolution rückte ein königliches

Truppencorps, unterstützt durch die gesammte Streitmacht der

Mackintoshs, in Keppoch's Gebiet ein. Er lieferte den Eingedrungenen

eine Schlacht und siegte. Die Truppen des Königs wurden in die Flucht

geschlagen, ihr Anführer wurde getödtet, und zwar durch einen Helden,

dessen Loyalität gegen den König viele Schriftsteller sehr wohlgefällig

dem factiösen Ungestüm der Whigs gegenübergestellt haben.[74]

Wenn Keppoch jemals die geringste Ehrfurcht vor der Regierung gehabt

hatte, so wurde dieses Gefühl durch die allgemeine Anarchie, welche auf

die Revolution folgte, völlig in ihm erstickt. Er verwüstete das Gebiet

Mackintosh's, marschirte gegen Inverneß und drohte der Stadt mit

Zerstörung. Die Gefahr war groß. Die Häuser waren nur von einer Mauer

umgeben, auf welche Zeit und Wetter so verderblich eingewirkt hatten,

daß sie bei jedem Sturme wankte. Dennoch zeigten die Einwohner einen

kecken Trotz und ihr Muth wurde durch ihre Prediger angefeuert. Sonntag

der 28. April war ein Tag der Angst und Verwirrung. Die Wilden streiften

um die kleine sächsische Colonie herum wie eine Heerde hungriger Wölfe

um eine Schafhürde. Keppoch drohte und bramarbasirte, er werde mit allen

seinen Leuten in die Stadt dringen und sie plündern. Inzwischen

versammelten sich die Bürger bewaffnet auf dem Marktplatze, um die Reden

ihrer Geistlichen anzuhören. Der Tag verging, ohne daß ein Sturm

erfolgte, und der Montag und Dienstag verstrichen unter großer Angst. Da

erschien ein unerwarteter Vermittler.

Dundee erscheint in Keppoch's Lager.

Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Siebenter Band: enthaltend Kapitel 13 und 14. · 第 6 / 24 段