Nach Feststellung der Rechtsforderung schritt die Convention zur

Revision des Krönungseides. Als dies gethan war, wurden drei Mitglieder

ernannt, welche die Regierungsurkunde nach London bringen sollten.

Argyle, obwohl streng genommen dem Sinne des Gesetzes nach kein Peer,

wurde zum Vertreter der Peers gewählt; Sir Jakob Montgomery

repräsentirte die Deputirten der Grafschaften, und Sir Johann Dalrymple

die der Städte.

Hierauf vertagten sich die Stände auf einige Wochen, nachdem sie noch

einen Beschluß gefaßt hatten, welcher Hamilton ermächtigte diejenigen

Maßregeln zu ergreifen, die zur Aufrechthaltung der öffentlichen Ruhe

bis zum Schlusse des Interregnums nothwendig erscheinen könnten.

Wilhelm und Marie nehmen die Krone Schottland's an.

Die Ceremonie der Inauguration unterschied sich von gewöhnlichen

Feierlichkeiten dieser Art durch einige höchst interessante Umstände. Am

11. Mai kamen die drei Commissare in das Berathungszimmer zu Whitehall

und begaben sich von dort, begleitet von fast allen zur Zeit in London

anwesenden vornehmen Schotten, nach dem Bankethause. Hier saßen Wilhelm

und Marie unter einem Baldachin. Ein glänzender Kreis von englischen

Edelleuten und Staatsmännern umgab den Thron; den Staatsdegen aber trug

ein schottischer Lord und der Amtseid wurde nach schottischem Brauch

abgenommen, Argyle sagte die Formel langsam vor und das königliche Paar

sprach sie nach bis zu dem letzten Satze. Hier hielt Wilhelm inne.

Dieser Satz enthielt das Versprechen, daß er alle Ketzer und alle Feinde

der wahren Gottesverehrung ausrotten wolle, und es war notorisch, daß in

den Augen vieler Schotten nicht nur alle Katholiken, sondern auch alle

protestantischen Episkopalen, alle Independenten, Baptisten und Quäker,

alle Lutheraner, ja selbst alle britischen Presbyterianer, die sich

durch den feierlichen Bund und Covenant nicht gebunden glaubten, Feinde

der wahren Gottesverehrung waren.[49] Der König hatte die Commissare

darauf aufmerksam gemacht, daß er diesen Theil des Eides nicht ohne eine

bestimmte und öffentliche Erklärung leisten könne, und sie waren von der

Convention autorisirt worden, eine Erklärung zu geben, die ihn

befriedigen würde. »Ich mag mich,« sagte er jetzt, »in keiner Weise

verpflichten, ein Verfolger zu sein.« -- »Weder die Worte dieses Eides,«

entgegnete hierauf einer der Commissare, »noch die Gesetze Schottland's

legen Eurer Majestät eine solche Verpflichtung auf.« -- »In diesem Sinne

schwöre ich denn,« versetzte Wilhelm, »und ich ersuche Sie alle, Mylords

und Gentlemen, zu bezeugen, daß ich dies thue.« Selbst seine Verleumder

haben allgemein zugegeben, daß er bei dieser hochwichtigen Gelegenheit

mit Freimüthigkeit, Würde und Weisheit handelte.[50]

Unzufriedenheit der Covenanters.

Als König von Schottland sah er sich bald bei jedem Schritte von allen

den Schwierigkeiten, mit denen er als König von England zu kämpfen

gehabt, und auch noch von anderen Schwierigkeiten umringt, die in

England glücklicherweise unbekannt waren. Im Norden der Insel war keine

Klasse unzufriedener mit der Revolution als die Klasse, die der

Revolution am meisten verdankte. Die Art und Weise, wie die Convention

die Frage der Kirchenverfassung entschieden, hatte den Bischöfen selbst

nicht mehr mißfallen als den heftigen Convenanters, welche trotz Schwert

und Carabiner, trotz Folter und Galgen ihren Schöpfer lange nach ihrer

Art in Höhlen und auf Bergspitzen verehrt hatten. Habe man jemals,

riefen diese Zeloten aus, ein solches Schwanken zwischen zwei Meinungen,

eine solche Annäherung zwischen dem Herrn und Baal gesehen? Die Stände

hätten sagen sollen, das Episkopat sei in den Augen Gottes ein Greuel

und sie seien aus Gehorsam gegen sein Wort und aus Furcht vor seiner

gerechten Strafe entschlossen, gegen diese große nationale Sünde und

Schmach so aufzutreten wie die heiligen Regenten, welche die Haine und

Altäre Chamos' und Astarte's zerstörten. Leider werde Schottland nicht

durch fromme Josias, sondern durch sorglose Gallios regiert. Die

antichristliche Hierarchie müsse abgeschafft werden, nicht weil sie eine

Beleidigung des Himmels sei, sondern weil sie auf Erden als eine

drückende Last gefühlt werde, nicht weil sie dem großen Oberhaupte der

Kirche, sondern weil sie dem Volke verhaßt sei. Sei denn die öffentliche

Meinung der Prüfstein für Recht und Unrecht in der Religion? Müsse nicht

die Ordnung, welche Christus in seinem eigenen Hause eingeführt, in

allen Ländern und durch alle Zeiten heilig gehalten werden? Und sei für

die Festhaltung dieser Ordnung in Schottland kein andrer Grund vorhanden

als der, welcher mit gleichem Gewicht für die Aufrechthaltung der

Prälatur in England, des Papstthums in Spanien und des Muhamedanismus in

der Türkei geltend gemacht werden könne? Warum erwähne man nichts von

den Convenants, welche die Nation so allgemein unterschrieben und so

allgemein verletzt habe? Warum erkläre man nicht deutlich und bestimmt,

daß die in diesen Urkunden niedergelegten Versprechungen noch immer für

das Königreich bindend seien und bis ans Ende aller Zeiten bindend

bleiben würden? Sollten diese Wahrheiten aus Rücksicht gegen die Gefühle

und Interessen eines Fürsten unterdrückt werden, der Alles für Alle sei,

ein Bundesgenosse des götzendienerischen Spaniers und des lutherischen

Dänen, ein Presbyterianer im Haag und ein Prälatist in Whitehall? Er

habe allerdings, wie einst Jehu, in soweit gut gethan, daß er die Geißel

des götzendienerischen Hauses Ahab's geworden sei. Aber auch er sei, wie

Jehu, nicht darauf bedacht gewesen, von ganzem Herzen den Pfad des

göttlichen Gesetzes zu wandeln, sondern habe Gottlosigkeiten geduldet

und verübt, die sich nur der Größe nach von denen unterschieden, zu

deren Feinde er sich erklärt habe. Es würde gottesfürchtigen Senatoren

besser geziemt haben, ihm Vorstellungen zu machen über die Sünde, die er

begehe, indem er sich dem anglikanischen Ritus anschließe und die

anglikanische Kirchenverfassung aufrechterhalte, anstatt ihm durch

Anwendung von Phrasen zu schmeicheln, welche verriethen, daß sie eben so

sehr vom Erastianismus angesteckt seien wie er. Viele von Denen, welche

diese Sprache führten, weigerten sich irgend einen Schritt zu thun, der

als eine Anerkennung der neuen Souveraine ausgelegt werden konnte, und

sie hätten lieber ganze Glieder von Musketieren auf sich feuern oder

sich über dem Niveau der Ebbe an Pfähle anbinden lassen, als daß sie

Gott gebeten hätten, Wilhelm und Marien zu segnen.

Ministerielle Einrichtungen in Schottland.

Indessen hatte der König von dem hartnäckigen Festhalten dieser Leute an

ihren abgeschmackten Grundsätzen weniger zu fürchten als von dem Ehrgeiz

und der Habsucht einer andren Sorte von Menschen, welche gar keine

Grundsätze hatten. Es war nothwendig, daß er unverzüglich Minister

ernannte, welche die Regierung Schottland's leiteten, und er mochte dazu

ernennen wen er wollte, so mußte er nothwendig eine Menge von

Expectanten in ihren Erwartungen täuschen und sie dadurch erbittern.

Schottland war eines der ärmsten Länder Europa's; dennoch aber besaß

kein Land in Europa eine größere Anzahl gewandter und selbstsüchtiger

Politiker. Die Krone hatte nicht genug Stellen zu vergeben, um nur ein

Zwanzigstel der Stellenjäger zu befriedigen, von denen jeder glaubte,

daß er hervorragende Dienste geleistet habe und daß man sich seiner

vorzugsweise erinnern müsse. Wilhelm that sein Möglichstes, um diese

zahllosen und unersättlichen Aspiranten zu befriedigen, indem er viele

Aemter Commissionen übertrug. Einige wichtige Posten konnte er jedoch

nicht theilen.

Hamilton.

Hamilton wurde zum Lord Obercommissar ernannt, in der Hoffnung, daß ein

enormer Gehalt, eine Wohnung in Holyrood Palace und eine fast königliche

Pracht und Würde ihn zufriedenstellen würden.

Crawford.

Der Earl von Crawford ward zum Präsidenten des Parlaments ernannt, und

man glaubte, daß diese Ernennung die strengen Presbyterianer befriedigen

werde, denn Crawford war was sie einen Bekenner nannten. Seine Briefe

und Reden sind, um sich seines eignen Ausdrucks zu bedienen, ungemein

lieblich. Unter den hervorragenden Politikern der damaligen Zeit hatte

er allein, oder doch fast allein, den Styl beibehalten, der unter der

vorhergehenden Generation im Schwunge gewesen war. Er hatte für jede

Gelegenheit eine Stelle aus dem Alten Testament bereit. Er füllte seine

Depeschen mit Anspielungen auf Ismael und Hagar, Hanna und Eli, Elisa,

Nehemia und Zerubabel und schmückte seine Reden mit Citaten aus Esra und

Haggai. Ein Umstand, der den Mann und die Schule, in der er gebildet

war, auffallend characterisirt, ist der, daß in der ganzen Masse seiner

auf uns gekommenen Schriften nicht ein einziges Wort vorkommt, welches

darauf hindeutete, daß er je in seinem Leben vom Neuen Testament etwas

gehört hätte. Selbst noch in unsrer Zeit sind Leute von eigenthümlicher

Geschmacksrichtung durch seine salbungsvolle Sprache so entzückt worden,

daß sie ihn allen Ernstes für einen Heiligen erklärt haben. In den Augen

Derer, welche die Menschen mehr nach ihren Thaten als nach ihren Worten

zu beurtheilen pflegen, wird Crawford als ein egoistischer und grausamer

Politiker erscheinen, der sich durch sein Gewinsel keineswegs dupiren

ließ und dessen Eifer gegen die bischöfliche Kirchenverfassung nicht

wenig durch das Verlangen nach bischöflichen Gütern angespornt wurde.

Zur Entschuldigung seiner Habgier muß man sagen, daß er der ärmste

Adelige eines armen Adels war und daß er vor der Revolution zuweilen

nicht wußte, wo er eine Mahlzeit und einen Anzug hernehmen sollte.[51]

Die Dalrymple. -- Lockhart.

Der befähigtste der schottischen Politiker und Wettkämpfer, Sir Johann

Dalrymple, wurde zum Lord Advokaten ernannt. Sein Vater, Sir Jakob, der

größte schottische Jurist, wurde an die Spitze des Court of Session

gestellt. Sir Wilhelm Lockhart, ein Mann, dessen Briefe beweisen, daß er

ein bedeutendes Talent besaß, wurde Generalprokurator.

Montgomery.

Sir Jakob Montgomery hatte sich mit der Hoffnung geschmeichelt, erster

Minister zu werden. Er hatte sich in der Convention sehr ausgezeichnet

und war einer der Commissare gewesen, welche den neuen Souverainen die

Krone überreicht und den Eid abgenommen hatten. An parlamentarischer

Geschicklichkeit und Beredtsamkeit stand unter seinen Landsleuten Keiner

über ihm, außer dem neuen Lord Advokaten. Das Staatssekretariat war,

wenn auch nicht in Ansehen, so doch dem wirklichen Einflusse nach das

höchste Amt bei der schottischen Regierung, und dieses Amt war der Lohn,

auf welchen Montgomery gerechten Anspruch zu haben glaubte. Aber die

Episkopalen und die gemäßigten Presbyterianer fürchteten ihn als einen

Mann von extremen Ansichten und rachsüchtigem Character. Er war ein

Oberhaupt der Covenanters gewesen, war einmal wegen Conventikelhaltens,

ein andermal wegen Beherbergung von Rebellen zur Untersuchung gezogen

worden, war mit Geldbußen und Gefängniß bestraft und fast dazu getrieben

worden, jenseit des atlantischen Meeres in der jungen Colonie New Jersey

eine Zuflucht vor seinen Feinden zu suchen. Man fürchtete daher, daß,

wenn er jetzt die ganze Gewalt der Krone in seine Hände bekäme, er

furchtbare Wiedervergeltung für die erduldeten Leiden üben würde.[52]

Melville.

Wilhelm zog deshalb Melville vor, der zwar kein Mann von ausgezeichneten

Talenten, aber von den Presbyterianern als ein entschiedener Freund und

doch von den Episkopalen nicht als ein unversöhnlicher Feind betrachtet

wurde. Melville nahm seinen Wohnsitz am englischen Hofe und wurde das

ordentliche Communicationsorgan zwischen Kensington und den Autoritäten

von Edinburg.

Carstairs.

Wilhelm hatte jedoch einen schottischen Rathgeber, der mehr Einfluß

verdiente und besaß als irgend einer der ostensiblen Minister. Dies war

Carstairs, einer der bedeutendsten Männer der damaligen Zeit. Er verband

eine umfassende wissenschaftliche Bildung, eine große Befähigung für

Staatsgeschäfte, und den festen Glauben und glühenden Eifer eines

Märtyrers mit der Klugheit und Geschmeidigkeit eines vollendeten

Staatsmannes. In Bezug auf Muth und Treue glich er Burnet, aber er besaß

das was Burnet fehlte: Urtheilsgabe, Selbstbeherrschung und eine seltene

Verschwiegenheit. Es gab keinen Posten, den er nicht hätte erreichen

können, wenn er ein Laie oder ein Priester der englischen Kirche gewesen

wäre. Aber ein presbyterianischer Geistlicher durfte nicht hoffen, weder

im Norden noch im Süden der Insel zu einer hohen Würde zu gelangen.

Carstairs mußte sich mit der factischen Macht begnügen und den Anschein

derselben Anderen überlassen. Er wurde zum Kaplan Ihrer Majestäten für

Schottland ernannt; wo sich aber der König aufhalten mochte, ob in

England, oder in Irland, oder in den Niederlanden, da war auch dieser

zuverlässigste und klügste aller Höflinge. Des Königs Güte gewährte ihm

ein bescheidenes Auskommen, und mehr verlangte er nicht. Aber es war

wohl bekannt, daß er ein eben so nützlicher Freund und ein eben so

furchtbarer Feind sein konnte als irgend ein Mitglied des Cabinets, und

man hatte ihm in den Bureaux und in den Vorzimmern des Palastes den sehr

bezeichnenden Beinamen des Cardinals gegeben.[53]

Bildung des Clubs; Annandale, Roß.

Montgomery wurde das Amt des Lord Justice Clerk angeboten. Aber dieser

obgleich hohe und ehrenvolle Posten schien ihm seiner Verdienste und

seiner Talente unwürdig und er kehrte von London nach Schottland zurück,

das Herz von Haß gegen seinen undankbaren Gebieter und gegen seine

glücklichen Nebenbuhler erfüllt. In Edinburg unterwarf sich ein Häuflein

Whigs, welche durch die neuen Einrichtungen eben so schmerzlich in ihren

Erwartungen getäuscht worden waren wie er selbst, bereitwillig der

Leitung eines so kühnen und geschickten Führers. Unter seiner Direction

bildeten diese Männer, unter denen der Earl von Annandale und Lord Roß

die bedeutendsten waren, einen Verein, der Club genannt, wählten einen

Schriftführer und kamen täglich in einer Taverne zusammen, um

Oppositionspläne zu berathen. Um diesen Kern schaarte sich bald eine

große Anzahl ehrsüchtiger und erbitterter Politiker.[54] Mit diesen

unredlichen Unzufriedenen, die keinen andren Zweck hatten, als der

Regierung zu schaden und Stellen zu erhaschen, verbanden sich andere

Mißvergnügte, welche im Laufe eines langen Widerstandes gegen Tyrannei

so verderbt und reizbar geworden waren, daß sie selbst unter der

mildesten und constitutionellsten Regierung nicht zufrieden leben

konnten.

Hume.

Ein solcher Mann war Sir Patrick Hume. Er war aus dem Exil ebenso

streitsüchtig, ebenso unlenksam, ebenso neidisch auf jede höhere

Autorität und als ein ebenso leidenschaftlicher Redner zurückgekehrt,

wie er vier Jahre früher gewesen, und er wünschte eben so sehr Wilhelm

zu einem bloß nominellen Souverain zu machen, als er früher gewünscht

hatte, Argyle zu einem bloß nominellen Anführer zu machen.[55]

Fletcher von Saltoun.

Ein in moralischer und geistiger Hinsicht hoch über Hume stehender Mann,

Fletcher von Saltoun, gehörte ebenfalls zu dieser Partei. Obwohl nicht

Mitglied der Convention, war er doch ein sehr thätiges Mitglied des

Clubs.[56] Er haßte die Monarchie und auch die Demokratie; sein

Lieblingsplan war, Schottland zu einer oligarchischen Republik zu

machen. Der König, wenn nun einmal ein König sein müsse, sollte eine

bloße Puppe sein. Die niederste Klasse des Volks sollte leibeigen und

die ganze legislative wie executive Gewalt in den Händen des Parlaments

sein. Mit anderen Worten: das Land sollte durch einen Erbadel, den

ärmsten, stolzesten und streitsüchtigsten in Europa, unumschränkt

regiert werden. Unter einer solchen Regierung konnte weder von Freiheit

noch von Ruhe die Rede sein. Handel, Industrie und Wissenschaft würden

eingegangen und Schottland ein kleines Polen geworden sein mit einer

Puppe als Souverain, einem stürmischen Reichstage und einem geknechteten

Volke. Mit unglücklichen Amtscandidaten und mit ehrlichen aber

verkehrten Republikanern waren Politiker vermischt, deren Haltung nur

durch die Furcht bestimmt wurde. Viele Schmarotzer, die sich bewußt

waren, in der schlimmen Zeit Strafwürdiges gethan zu haben, wollten sich

gern mit dem mächtigen und rachsüchtigen Club aussöhnen und waren froh,

daß sie ihrer Servilität gegen Jakob durch ihre Opposition gegen Wilhelm

wieder gut machen durften.[57] Die große Masse der Jakobiten hielt sich

inzwischen entfernt, sah mit Wohlbehagen die Feinde des Hauses Stuart

uneinig unter einander und gab sich der Hoffnung hin, daß die Verwirrung

mit der Wiedereinsetzung des verbannten Königs enden werde.[58]

In den Hochlanden bricht Krieg aus.

Während Montgomery sich anstrengte, aus verschiedenen Elementen eine

Partei zu bilden, welche beim Wiederzusammentritt der Convention mächtig

genug sein konnte, um dem Throne Vorschriften zu machen, hatte ein noch

furchtbarerer Feind als Montgomery die Fahne des Bürgerkriegs in einer

Gegend aufgesteckt, von der die Politiker von Westminster und selbst die

meisten Politiker von Edinburg nicht mehr wußten als von Abyssinien oder

Japan.

Zustand der Hochlande.

Ein moderner Engländer, der in einem Tage aus seinem Club in St. James

Street auf sein Jagdschloß in den Grampians gelangen kann und der in

seinem Jagdschlosse alle Bequemlichkeiten und Luxusgegenstände seines

Clubs findet, wird kaum glauben können, daß zur Zeit seiner Urgroßväter

St. James Street mit den Grampians eben so wenig in Verbindung stand wie

mit den Anden. Und doch war dem so. Im Süden unsrer Insel wußte man fast

gar nichts von dem celtischen Theile Schottland's, und was man etwa

wußte, erweckte kein andres Gefühl als Verachtung und Widerwillen. Die

Klippen und Schluchten, die Wälder und Gewässer waren zwar die

nämlichen, welche gegenwärtig jeden Herbst von entzückten Beschauern und

Landschaftszeichnern wimmeln. Der Trosachs schlängelte sich wie heute

zwischen gigantischen, mit Ginster und wilden Rosen bewachsenen

Felswänden hin, der Foyers kam mit demselben Hüpfen und demselben

Rauschen, mit dem er noch heute dem Neßsee zueilt, durch den Birkenwald

herab, und der schneegekrönte Scheitel des Ben Cruachan erhob sich, der

Junisonne spottend, wie heute, über die mit Weiden bedeckten Inselchen

des Awesees. Aber keine dieser Landschaften vermochte bis in die neuere

Zeit einen einzigen Dichter oder Maler aus wohlhabenderen und ruhigeren

Gegenden herbeizulocken. Gesetz und Polizei, Handel und Industrie haben

in der That viel mehr, als Leute von romantischen Ansichten bereitwillig

zugeben werden, dazu beigetragen, den Sinn für die wilderen

Naturschönheiten in uns zu wecken. Ein Reisender muß frei von jeder

Besorgniß sein, ermordet zu werden, oder vor Hunger umzukommen, ehe er

sich an den kühnen Umrissen und an der Farbenpracht der Berge erfreuen

kann. Er wird so leicht nicht über den Anblick eines steilen Abgrundes

entzückt sein, wenn er in Gefahr schwebt, zweitausend Fuß tief in

denselben hinabzustürzen; ebenso wenig über den Anblick kochender

Fluthen eines Waldstroms, der plötzlich sein Gepäck mit fort schwemmt

und ihn zwingt, sein Heil in der Flucht zu suchen; oder über den Anblick

der schauerlichen Majestät eines Gebirgspasses, wo er einen Leichnam

findet, den Räuber eben ausgeplündert und verstümmelt haben; oder über

das Gekrächz der Adler, deren nächste Mahlzeit vielleicht eines seiner

eigenen Augen sein kann. Um's Jahr 1730 schrieb Capitain Burt, der erste

Engländer, der die Gegenden besuchte, welche jetzt Vergnügungsreisende

aus allen Theilen der gebildeten Welt herbeiziehen, ein Buch über seine

Wanderungen. Er war unverkennbar ein Mann von umsichtigem, beobachtendem

und gebildetem Geiste und würde, wenn er in unsrer Zeit gelebt hätte,

ohne Zweifel mit einem Gemisch von Ehrfurcht und Wonne die Berge von

Inverneßshire betrachtet haben. Da er aber mit den zu seiner Zeit

allgemein vorherrschenden Ansichten schrieb, so erklärte er diese

Gebirge für monströse Auswüchse. Er sagte, sie seien dermaßen

mißgestaltet, daß die nacktesten Ebenen im Vergleich mit ihnen lieblich

erscheinen müßten. Schönes Wetter, meinte er, mache den traurigen

Anblick nur noch trauriger, denn je heller der Tag, um so unangenehmer

berührten diese formlosen Massen von düstrem Braun und schmutzigem Roth

das Auge. Welch' ein Contrast, rief er aus, zwischen diesen grauenhaften

Gegenden und den Schönheiten von Richmond Hill![59] Manche Leute werden

glauben, Burt sei ein Mann von alltäglichem und prosaischem Geiste

gewesen; aber sie werden es wohl schwerlich wagen, eine ähnliche Ansicht

über Oliver Goldsmith auszusprechen. Goldsmith war einer der wenigen

Sachsen, welche vor mehr als einem Jahrhunderte den Muth hatten, die

schottischen Hochlande zu bereisen. Die abschreckende Wildheit der

Gegenden machte einen widerlichen Eindruck auf ihn, und er erklärte, daß

er die reizende Umgebung von Leyden, die weite Fläche grüner Wiesen und

die Landhäuser mit ihren Statuen und Grotten, ihren sauberen

Blumenbeeten und geradlinigen Alleen bei weitem vorziehe. Es ist

indessen schwer zu glauben, daß der Verfasser des ^Traveller^ und des

^Deserted Village^ den Tausenden von Handlungsdienern und

Putzmacherinnen, welche jetzt beim Anblick des Katrinesees und des

Lomondsees in Entzücken gerathen, an natürlichem Geschmack und Sinn für

Naturschönheiten nachgestanden haben sollte. Seine Empfindungen sind

leicht zu erklären. Erst nachdem Straßen durch die Felsen gehauen,

nachdem Brücken über die Gießbäche geschlagen, nachdem Gasthäuser an die

Stelle der Räuberhöhlen getreten, nachdem man in den wildesten Pässen

von Badenoch oder Lochaber eben so wenig Gefahr lief ermordet zu werden

wie in Cornhill, konnten die blauen Gewässer der Seen und die über den

Wasserfällen hängenden Regenbogen den Fremden bezaubern und ihn selbst

an den auf den Bergspitzen lauernden Wolken und Stürmen ein feierliches

Vergnügen finden lassen.

Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Siebenter Band: enthaltend Kapitel 13 und 14. · 第 4 / 24 段