Revision des Krönungseides. Als dies gethan war, wurden drei Mitglieder
ernannt, welche die Regierungsurkunde nach London bringen sollten.
Argyle, obwohl streng genommen dem Sinne des Gesetzes nach kein Peer,
wurde zum Vertreter der Peers gewählt; Sir Jakob Montgomery
repräsentirte die Deputirten der Grafschaften, und Sir Johann Dalrymple
die der Städte.
Hierauf vertagten sich die Stände auf einige Wochen, nachdem sie noch
einen Beschluß gefaßt hatten, welcher Hamilton ermächtigte diejenigen
Maßregeln zu ergreifen, die zur Aufrechthaltung der öffentlichen Ruhe
bis zum Schlusse des Interregnums nothwendig erscheinen könnten.
Wilhelm und Marie nehmen die Krone Schottland's an.
Die Ceremonie der Inauguration unterschied sich von gewöhnlichen
Feierlichkeiten dieser Art durch einige höchst interessante Umstände. Am
11. Mai kamen die drei Commissare in das Berathungszimmer zu Whitehall
und begaben sich von dort, begleitet von fast allen zur Zeit in London
anwesenden vornehmen Schotten, nach dem Bankethause. Hier saßen Wilhelm
und Marie unter einem Baldachin. Ein glänzender Kreis von englischen
Edelleuten und Staatsmännern umgab den Thron; den Staatsdegen aber trug
ein schottischer Lord und der Amtseid wurde nach schottischem Brauch
abgenommen, Argyle sagte die Formel langsam vor und das königliche Paar
sprach sie nach bis zu dem letzten Satze. Hier hielt Wilhelm inne.
Dieser Satz enthielt das Versprechen, daß er alle Ketzer und alle Feinde
der wahren Gottesverehrung ausrotten wolle, und es war notorisch, daß in
den Augen vieler Schotten nicht nur alle Katholiken, sondern auch alle
protestantischen Episkopalen, alle Independenten, Baptisten und Quäker,
alle Lutheraner, ja selbst alle britischen Presbyterianer, die sich
durch den feierlichen Bund und Covenant nicht gebunden glaubten, Feinde
der wahren Gottesverehrung waren.[49] Der König hatte die Commissare
darauf aufmerksam gemacht, daß er diesen Theil des Eides nicht ohne eine
bestimmte und öffentliche Erklärung leisten könne, und sie waren von der
Convention autorisirt worden, eine Erklärung zu geben, die ihn
befriedigen würde. »Ich mag mich,« sagte er jetzt, »in keiner Weise
verpflichten, ein Verfolger zu sein.« -- »Weder die Worte dieses Eides,«
entgegnete hierauf einer der Commissare, »noch die Gesetze Schottland's
legen Eurer Majestät eine solche Verpflichtung auf.« -- »In diesem Sinne
schwöre ich denn,« versetzte Wilhelm, »und ich ersuche Sie alle, Mylords
und Gentlemen, zu bezeugen, daß ich dies thue.« Selbst seine Verleumder
haben allgemein zugegeben, daß er bei dieser hochwichtigen Gelegenheit
mit Freimüthigkeit, Würde und Weisheit handelte.[50]
Unzufriedenheit der Covenanters.
Als König von Schottland sah er sich bald bei jedem Schritte von allen
den Schwierigkeiten, mit denen er als König von England zu kämpfen
gehabt, und auch noch von anderen Schwierigkeiten umringt, die in
England glücklicherweise unbekannt waren. Im Norden der Insel war keine
Klasse unzufriedener mit der Revolution als die Klasse, die der
Revolution am meisten verdankte. Die Art und Weise, wie die Convention
die Frage der Kirchenverfassung entschieden, hatte den Bischöfen selbst
nicht mehr mißfallen als den heftigen Convenanters, welche trotz Schwert
und Carabiner, trotz Folter und Galgen ihren Schöpfer lange nach ihrer
Art in Höhlen und auf Bergspitzen verehrt hatten. Habe man jemals,
riefen diese Zeloten aus, ein solches Schwanken zwischen zwei Meinungen,
eine solche Annäherung zwischen dem Herrn und Baal gesehen? Die Stände
hätten sagen sollen, das Episkopat sei in den Augen Gottes ein Greuel
und sie seien aus Gehorsam gegen sein Wort und aus Furcht vor seiner
gerechten Strafe entschlossen, gegen diese große nationale Sünde und
Schmach so aufzutreten wie die heiligen Regenten, welche die Haine und
Altäre Chamos' und Astarte's zerstörten. Leider werde Schottland nicht
durch fromme Josias, sondern durch sorglose Gallios regiert. Die
antichristliche Hierarchie müsse abgeschafft werden, nicht weil sie eine
Beleidigung des Himmels sei, sondern weil sie auf Erden als eine
drückende Last gefühlt werde, nicht weil sie dem großen Oberhaupte der
Kirche, sondern weil sie dem Volke verhaßt sei. Sei denn die öffentliche
Meinung der Prüfstein für Recht und Unrecht in der Religion? Müsse nicht
die Ordnung, welche Christus in seinem eigenen Hause eingeführt, in
allen Ländern und durch alle Zeiten heilig gehalten werden? Und sei für
die Festhaltung dieser Ordnung in Schottland kein andrer Grund vorhanden
als der, welcher mit gleichem Gewicht für die Aufrechthaltung der
Prälatur in England, des Papstthums in Spanien und des Muhamedanismus in
der Türkei geltend gemacht werden könne? Warum erwähne man nichts von
den Convenants, welche die Nation so allgemein unterschrieben und so
allgemein verletzt habe? Warum erkläre man nicht deutlich und bestimmt,
daß die in diesen Urkunden niedergelegten Versprechungen noch immer für
das Königreich bindend seien und bis ans Ende aller Zeiten bindend
bleiben würden? Sollten diese Wahrheiten aus Rücksicht gegen die Gefühle
und Interessen eines Fürsten unterdrückt werden, der Alles für Alle sei,
ein Bundesgenosse des götzendienerischen Spaniers und des lutherischen
Dänen, ein Presbyterianer im Haag und ein Prälatist in Whitehall? Er
habe allerdings, wie einst Jehu, in soweit gut gethan, daß er die Geißel
des götzendienerischen Hauses Ahab's geworden sei. Aber auch er sei, wie
Jehu, nicht darauf bedacht gewesen, von ganzem Herzen den Pfad des
göttlichen Gesetzes zu wandeln, sondern habe Gottlosigkeiten geduldet
und verübt, die sich nur der Größe nach von denen unterschieden, zu
deren Feinde er sich erklärt habe. Es würde gottesfürchtigen Senatoren
besser geziemt haben, ihm Vorstellungen zu machen über die Sünde, die er
begehe, indem er sich dem anglikanischen Ritus anschließe und die
anglikanische Kirchenverfassung aufrechterhalte, anstatt ihm durch
Anwendung von Phrasen zu schmeicheln, welche verriethen, daß sie eben so
sehr vom Erastianismus angesteckt seien wie er. Viele von Denen, welche
diese Sprache führten, weigerten sich irgend einen Schritt zu thun, der
als eine Anerkennung der neuen Souveraine ausgelegt werden konnte, und
sie hätten lieber ganze Glieder von Musketieren auf sich feuern oder
sich über dem Niveau der Ebbe an Pfähle anbinden lassen, als daß sie
Gott gebeten hätten, Wilhelm und Marien zu segnen.
Ministerielle Einrichtungen in Schottland.
Indessen hatte der König von dem hartnäckigen Festhalten dieser Leute an
ihren abgeschmackten Grundsätzen weniger zu fürchten als von dem Ehrgeiz
und der Habsucht einer andren Sorte von Menschen, welche gar keine
Grundsätze hatten. Es war nothwendig, daß er unverzüglich Minister
ernannte, welche die Regierung Schottland's leiteten, und er mochte dazu
ernennen wen er wollte, so mußte er nothwendig eine Menge von
Expectanten in ihren Erwartungen täuschen und sie dadurch erbittern.
Schottland war eines der ärmsten Länder Europa's; dennoch aber besaß
kein Land in Europa eine größere Anzahl gewandter und selbstsüchtiger
Politiker. Die Krone hatte nicht genug Stellen zu vergeben, um nur ein
Zwanzigstel der Stellenjäger zu befriedigen, von denen jeder glaubte,
daß er hervorragende Dienste geleistet habe und daß man sich seiner
vorzugsweise erinnern müsse. Wilhelm that sein Möglichstes, um diese
zahllosen und unersättlichen Aspiranten zu befriedigen, indem er viele
Aemter Commissionen übertrug. Einige wichtige Posten konnte er jedoch
nicht theilen.
Hamilton.
Hamilton wurde zum Lord Obercommissar ernannt, in der Hoffnung, daß ein
enormer Gehalt, eine Wohnung in Holyrood Palace und eine fast königliche
Pracht und Würde ihn zufriedenstellen würden.
Crawford.
Der Earl von Crawford ward zum Präsidenten des Parlaments ernannt, und
man glaubte, daß diese Ernennung die strengen Presbyterianer befriedigen
werde, denn Crawford war was sie einen Bekenner nannten. Seine Briefe
und Reden sind, um sich seines eignen Ausdrucks zu bedienen, ungemein
lieblich. Unter den hervorragenden Politikern der damaligen Zeit hatte
er allein, oder doch fast allein, den Styl beibehalten, der unter der
vorhergehenden Generation im Schwunge gewesen war. Er hatte für jede
Gelegenheit eine Stelle aus dem Alten Testament bereit. Er füllte seine
Depeschen mit Anspielungen auf Ismael und Hagar, Hanna und Eli, Elisa,
Nehemia und Zerubabel und schmückte seine Reden mit Citaten aus Esra und
Haggai. Ein Umstand, der den Mann und die Schule, in der er gebildet
war, auffallend characterisirt, ist der, daß in der ganzen Masse seiner
auf uns gekommenen Schriften nicht ein einziges Wort vorkommt, welches
darauf hindeutete, daß er je in seinem Leben vom Neuen Testament etwas
gehört hätte. Selbst noch in unsrer Zeit sind Leute von eigenthümlicher
Geschmacksrichtung durch seine salbungsvolle Sprache so entzückt worden,
daß sie ihn allen Ernstes für einen Heiligen erklärt haben. In den Augen
Derer, welche die Menschen mehr nach ihren Thaten als nach ihren Worten
zu beurtheilen pflegen, wird Crawford als ein egoistischer und grausamer
Politiker erscheinen, der sich durch sein Gewinsel keineswegs dupiren
ließ und dessen Eifer gegen die bischöfliche Kirchenverfassung nicht
wenig durch das Verlangen nach bischöflichen Gütern angespornt wurde.
Zur Entschuldigung seiner Habgier muß man sagen, daß er der ärmste
Adelige eines armen Adels war und daß er vor der Revolution zuweilen
nicht wußte, wo er eine Mahlzeit und einen Anzug hernehmen sollte.[51]
Die Dalrymple. -- Lockhart.
Der befähigtste der schottischen Politiker und Wettkämpfer, Sir Johann
Dalrymple, wurde zum Lord Advokaten ernannt. Sein Vater, Sir Jakob, der
größte schottische Jurist, wurde an die Spitze des Court of Session
gestellt. Sir Wilhelm Lockhart, ein Mann, dessen Briefe beweisen, daß er
ein bedeutendes Talent besaß, wurde Generalprokurator.
Montgomery.
Sir Jakob Montgomery hatte sich mit der Hoffnung geschmeichelt, erster
Minister zu werden. Er hatte sich in der Convention sehr ausgezeichnet
und war einer der Commissare gewesen, welche den neuen Souverainen die
Krone überreicht und den Eid abgenommen hatten. An parlamentarischer
Geschicklichkeit und Beredtsamkeit stand unter seinen Landsleuten Keiner
über ihm, außer dem neuen Lord Advokaten. Das Staatssekretariat war,
wenn auch nicht in Ansehen, so doch dem wirklichen Einflusse nach das
höchste Amt bei der schottischen Regierung, und dieses Amt war der Lohn,
auf welchen Montgomery gerechten Anspruch zu haben glaubte. Aber die
Episkopalen und die gemäßigten Presbyterianer fürchteten ihn als einen
Mann von extremen Ansichten und rachsüchtigem Character. Er war ein
Oberhaupt der Covenanters gewesen, war einmal wegen Conventikelhaltens,
ein andermal wegen Beherbergung von Rebellen zur Untersuchung gezogen
worden, war mit Geldbußen und Gefängniß bestraft und fast dazu getrieben
worden, jenseit des atlantischen Meeres in der jungen Colonie New Jersey
eine Zuflucht vor seinen Feinden zu suchen. Man fürchtete daher, daß,
wenn er jetzt die ganze Gewalt der Krone in seine Hände bekäme, er
furchtbare Wiedervergeltung für die erduldeten Leiden üben würde.[52]
Melville.
Wilhelm zog deshalb Melville vor, der zwar kein Mann von ausgezeichneten
Talenten, aber von den Presbyterianern als ein entschiedener Freund und
doch von den Episkopalen nicht als ein unversöhnlicher Feind betrachtet
wurde. Melville nahm seinen Wohnsitz am englischen Hofe und wurde das
ordentliche Communicationsorgan zwischen Kensington und den Autoritäten
von Edinburg.
Carstairs.
Wilhelm hatte jedoch einen schottischen Rathgeber, der mehr Einfluß
verdiente und besaß als irgend einer der ostensiblen Minister. Dies war
Carstairs, einer der bedeutendsten Männer der damaligen Zeit. Er verband
eine umfassende wissenschaftliche Bildung, eine große Befähigung für
Staatsgeschäfte, und den festen Glauben und glühenden Eifer eines
Märtyrers mit der Klugheit und Geschmeidigkeit eines vollendeten
Staatsmannes. In Bezug auf Muth und Treue glich er Burnet, aber er besaß
das was Burnet fehlte: Urtheilsgabe, Selbstbeherrschung und eine seltene
Verschwiegenheit. Es gab keinen Posten, den er nicht hätte erreichen
können, wenn er ein Laie oder ein Priester der englischen Kirche gewesen
wäre. Aber ein presbyterianischer Geistlicher durfte nicht hoffen, weder
im Norden noch im Süden der Insel zu einer hohen Würde zu gelangen.
Carstairs mußte sich mit der factischen Macht begnügen und den Anschein
derselben Anderen überlassen. Er wurde zum Kaplan Ihrer Majestäten für
Schottland ernannt; wo sich aber der König aufhalten mochte, ob in
England, oder in Irland, oder in den Niederlanden, da war auch dieser
zuverlässigste und klügste aller Höflinge. Des Königs Güte gewährte ihm
ein bescheidenes Auskommen, und mehr verlangte er nicht. Aber es war
wohl bekannt, daß er ein eben so nützlicher Freund und ein eben so
furchtbarer Feind sein konnte als irgend ein Mitglied des Cabinets, und
man hatte ihm in den Bureaux und in den Vorzimmern des Palastes den sehr
bezeichnenden Beinamen des Cardinals gegeben.[53]
Bildung des Clubs; Annandale, Roß.
Montgomery wurde das Amt des Lord Justice Clerk angeboten. Aber dieser
obgleich hohe und ehrenvolle Posten schien ihm seiner Verdienste und
seiner Talente unwürdig und er kehrte von London nach Schottland zurück,
das Herz von Haß gegen seinen undankbaren Gebieter und gegen seine
glücklichen Nebenbuhler erfüllt. In Edinburg unterwarf sich ein Häuflein
Whigs, welche durch die neuen Einrichtungen eben so schmerzlich in ihren
Erwartungen getäuscht worden waren wie er selbst, bereitwillig der
Leitung eines so kühnen und geschickten Führers. Unter seiner Direction
bildeten diese Männer, unter denen der Earl von Annandale und Lord Roß
die bedeutendsten waren, einen Verein, der Club genannt, wählten einen
Schriftführer und kamen täglich in einer Taverne zusammen, um
Oppositionspläne zu berathen. Um diesen Kern schaarte sich bald eine
große Anzahl ehrsüchtiger und erbitterter Politiker.[54] Mit diesen
unredlichen Unzufriedenen, die keinen andren Zweck hatten, als der
Regierung zu schaden und Stellen zu erhaschen, verbanden sich andere
Mißvergnügte, welche im Laufe eines langen Widerstandes gegen Tyrannei
so verderbt und reizbar geworden waren, daß sie selbst unter der
mildesten und constitutionellsten Regierung nicht zufrieden leben
konnten.
Hume.
Ein solcher Mann war Sir Patrick Hume. Er war aus dem Exil ebenso
streitsüchtig, ebenso unlenksam, ebenso neidisch auf jede höhere
Autorität und als ein ebenso leidenschaftlicher Redner zurückgekehrt,
wie er vier Jahre früher gewesen, und er wünschte eben so sehr Wilhelm
zu einem bloß nominellen Souverain zu machen, als er früher gewünscht
hatte, Argyle zu einem bloß nominellen Anführer zu machen.[55]
Fletcher von Saltoun.
Ein in moralischer und geistiger Hinsicht hoch über Hume stehender Mann,
Fletcher von Saltoun, gehörte ebenfalls zu dieser Partei. Obwohl nicht
Mitglied der Convention, war er doch ein sehr thätiges Mitglied des
Clubs.[56] Er haßte die Monarchie und auch die Demokratie; sein
Lieblingsplan war, Schottland zu einer oligarchischen Republik zu
machen. Der König, wenn nun einmal ein König sein müsse, sollte eine
bloße Puppe sein. Die niederste Klasse des Volks sollte leibeigen und
die ganze legislative wie executive Gewalt in den Händen des Parlaments
sein. Mit anderen Worten: das Land sollte durch einen Erbadel, den
ärmsten, stolzesten und streitsüchtigsten in Europa, unumschränkt
regiert werden. Unter einer solchen Regierung konnte weder von Freiheit
noch von Ruhe die Rede sein. Handel, Industrie und Wissenschaft würden
eingegangen und Schottland ein kleines Polen geworden sein mit einer
Puppe als Souverain, einem stürmischen Reichstage und einem geknechteten
Volke. Mit unglücklichen Amtscandidaten und mit ehrlichen aber
verkehrten Republikanern waren Politiker vermischt, deren Haltung nur
durch die Furcht bestimmt wurde. Viele Schmarotzer, die sich bewußt
waren, in der schlimmen Zeit Strafwürdiges gethan zu haben, wollten sich
gern mit dem mächtigen und rachsüchtigen Club aussöhnen und waren froh,
daß sie ihrer Servilität gegen Jakob durch ihre Opposition gegen Wilhelm
wieder gut machen durften.[57] Die große Masse der Jakobiten hielt sich
inzwischen entfernt, sah mit Wohlbehagen die Feinde des Hauses Stuart
uneinig unter einander und gab sich der Hoffnung hin, daß die Verwirrung
mit der Wiedereinsetzung des verbannten Königs enden werde.[58]
In den Hochlanden bricht Krieg aus.
Während Montgomery sich anstrengte, aus verschiedenen Elementen eine
Partei zu bilden, welche beim Wiederzusammentritt der Convention mächtig
genug sein konnte, um dem Throne Vorschriften zu machen, hatte ein noch
furchtbarerer Feind als Montgomery die Fahne des Bürgerkriegs in einer
Gegend aufgesteckt, von der die Politiker von Westminster und selbst die
meisten Politiker von Edinburg nicht mehr wußten als von Abyssinien oder
Japan.
Zustand der Hochlande.
Ein moderner Engländer, der in einem Tage aus seinem Club in St. James
Street auf sein Jagdschloß in den Grampians gelangen kann und der in
seinem Jagdschlosse alle Bequemlichkeiten und Luxusgegenstände seines
Clubs findet, wird kaum glauben können, daß zur Zeit seiner Urgroßväter
St. James Street mit den Grampians eben so wenig in Verbindung stand wie
mit den Anden. Und doch war dem so. Im Süden unsrer Insel wußte man fast
gar nichts von dem celtischen Theile Schottland's, und was man etwa
wußte, erweckte kein andres Gefühl als Verachtung und Widerwillen. Die
Klippen und Schluchten, die Wälder und Gewässer waren zwar die
nämlichen, welche gegenwärtig jeden Herbst von entzückten Beschauern und
Landschaftszeichnern wimmeln. Der Trosachs schlängelte sich wie heute
zwischen gigantischen, mit Ginster und wilden Rosen bewachsenen
Felswänden hin, der Foyers kam mit demselben Hüpfen und demselben
Rauschen, mit dem er noch heute dem Neßsee zueilt, durch den Birkenwald
herab, und der schneegekrönte Scheitel des Ben Cruachan erhob sich, der
Junisonne spottend, wie heute, über die mit Weiden bedeckten Inselchen
des Awesees. Aber keine dieser Landschaften vermochte bis in die neuere
Zeit einen einzigen Dichter oder Maler aus wohlhabenderen und ruhigeren
Gegenden herbeizulocken. Gesetz und Polizei, Handel und Industrie haben
in der That viel mehr, als Leute von romantischen Ansichten bereitwillig
zugeben werden, dazu beigetragen, den Sinn für die wilderen
Naturschönheiten in uns zu wecken. Ein Reisender muß frei von jeder
Besorgniß sein, ermordet zu werden, oder vor Hunger umzukommen, ehe er
sich an den kühnen Umrissen und an der Farbenpracht der Berge erfreuen
kann. Er wird so leicht nicht über den Anblick eines steilen Abgrundes
entzückt sein, wenn er in Gefahr schwebt, zweitausend Fuß tief in
denselben hinabzustürzen; ebenso wenig über den Anblick kochender
Fluthen eines Waldstroms, der plötzlich sein Gepäck mit fort schwemmt
und ihn zwingt, sein Heil in der Flucht zu suchen; oder über den Anblick
der schauerlichen Majestät eines Gebirgspasses, wo er einen Leichnam
findet, den Räuber eben ausgeplündert und verstümmelt haben; oder über
das Gekrächz der Adler, deren nächste Mahlzeit vielleicht eines seiner
eigenen Augen sein kann. Um's Jahr 1730 schrieb Capitain Burt, der erste
Engländer, der die Gegenden besuchte, welche jetzt Vergnügungsreisende
aus allen Theilen der gebildeten Welt herbeiziehen, ein Buch über seine
Wanderungen. Er war unverkennbar ein Mann von umsichtigem, beobachtendem
und gebildetem Geiste und würde, wenn er in unsrer Zeit gelebt hätte,
ohne Zweifel mit einem Gemisch von Ehrfurcht und Wonne die Berge von
Inverneßshire betrachtet haben. Da er aber mit den zu seiner Zeit
allgemein vorherrschenden Ansichten schrieb, so erklärte er diese
Gebirge für monströse Auswüchse. Er sagte, sie seien dermaßen
mißgestaltet, daß die nacktesten Ebenen im Vergleich mit ihnen lieblich
erscheinen müßten. Schönes Wetter, meinte er, mache den traurigen
Anblick nur noch trauriger, denn je heller der Tag, um so unangenehmer
berührten diese formlosen Massen von düstrem Braun und schmutzigem Roth
das Auge. Welch' ein Contrast, rief er aus, zwischen diesen grauenhaften
Gegenden und den Schönheiten von Richmond Hill![59] Manche Leute werden
glauben, Burt sei ein Mann von alltäglichem und prosaischem Geiste
gewesen; aber sie werden es wohl schwerlich wagen, eine ähnliche Ansicht
über Oliver Goldsmith auszusprechen. Goldsmith war einer der wenigen
Sachsen, welche vor mehr als einem Jahrhunderte den Muth hatten, die
schottischen Hochlande zu bereisen. Die abschreckende Wildheit der
Gegenden machte einen widerlichen Eindruck auf ihn, und er erklärte, daß
er die reizende Umgebung von Leyden, die weite Fläche grüner Wiesen und
die Landhäuser mit ihren Statuen und Grotten, ihren sauberen
Blumenbeeten und geradlinigen Alleen bei weitem vorziehe. Es ist
indessen schwer zu glauben, daß der Verfasser des ^Traveller^ und des
^Deserted Village^ den Tausenden von Handlungsdienern und
Putzmacherinnen, welche jetzt beim Anblick des Katrinesees und des
Lomondsees in Entzücken gerathen, an natürlichem Geschmack und Sinn für
Naturschönheiten nachgestanden haben sollte. Seine Empfindungen sind
leicht zu erklären. Erst nachdem Straßen durch die Felsen gehauen,
nachdem Brücken über die Gießbäche geschlagen, nachdem Gasthäuser an die
Stelle der Räuberhöhlen getreten, nachdem man in den wildesten Pässen
von Badenoch oder Lochaber eben so wenig Gefahr lief ermordet zu werden
wie in Cornhill, konnten die blauen Gewässer der Seen und die über den
Wasserfällen hängenden Regenbogen den Fremden bezaubern und ihn selbst
an den auf den Bergspitzen lauernden Wolken und Stürmen ein feierliches
Vergnügen finden lassen.