wieder sein. Die jakobitischen Parteiführer hielten eine Berathung und
kamen zu dem Schlusse, daß ein entscheidender Schritt gethan werden
müsse. Dundee und Balcarras sollten sich der ihnen ertheilten
Vollmachten bedienen; die Minorität sollte sofort Edinburg verlassen und
sich in Stirling versammeln. Athol stimmte bei und nahm es auf sich, ein
starkes Corps seiner Clansleute aus den Hochlanden zum Schutze der
Berathungen der royalistischen Convention herbeizuziehen. Alles war für
den Austritt vorbereitet; aber die Langsamkeit eines Mannes und die
Uebereilung eines andren zerstörten in wenigen Stunden den ganzen Plan.
Dundee's Flucht.
Der Montag kam. Die jakobitischen Lords und Gentlemen waren
eben im Begriff nach Stirling aufzubrechen, als Athol einen
vierundzwanzigstündigen Aufschub verlangte. Er für seine Person habe
keinen Grund, sich zu beeilen. Wenn er bliebe, liefe er nicht Gefahr
ermordet zu werden. Wenn er aber ginge, setze er sich den von einem
Bürgerkriege unzertrennlichen Gefahren aus. Da die Mitglieder seiner
Partei sich nicht von ihm trennen wollten, willigten sie in den von ihm
verlangten Aufschub und begaben sich noch einmal in das
Parlamentsgebäude. Nur Dundee weigerte sich, noch länger zu bleiben. Er
sagte, sein Leben sei in Gefahr. Die Convention habe sich geweigert, ihn
zu beschützen, und er wolle nicht bleiben, um der Zielpunkt für die
Pistolen und Dolche von Meuchelmördern zu sein. Balcarras machte
vergebliche Vorstellungen. »Wenn Sie allein abreisen,« sagte er, »so
wird das Aufsehen machen, und den ganzen Plan vereiteln.« Aber Dundee
blieb bei seinem Vorsatze. Tapfer, wie er unzweifelhaft war, schien er,
gleich vielen anderen tapferen Männern, gegen die Gefahr eines
Meuchelmords weniger gestählt zu sein als gegen jede andre Form der
Gefahr. Er kannte den Haß der Covenanters, er wußte wie sehr er ihren
Haß verdient hatte, und er wurde von dem Bewußtsein unsühnbarer Schuld
und von der Furcht vor einer entsetzlichen Wiedervergeltung gequält,
welche die Polytheisten des Alterthums unter dem furchtbaren Namen der
Furien personificirten. Seine alten Reiter, die Satans und Beelzebubs,
die seine Verbrechen getheilt hatten und die jetzt seine Gefahren
theilten, waren bereit, ihn auf seiner Flucht zu begleiten.
Tumultuarische Sitzung der Stände.
Inzwischen hatte sich die Convention wieder versammelt. Mackenzie hatte
sich erhoben, und beklagte in pathetischen Ausdrücken die schlimme Lage
der Stände, welche zu gleicher Zeit von den Kanonen einer Festung und
von einem fanatischen Pöbel bedroht würden, als er durch einige
Schildwachen unterbrochen wurde, die von den Posten in der Nähe des
Schlosses herbeikamen. Sie hatten Dundee an der Spitze von funfzig
Reitern auf der Straße nach Stirling gesehen. Diese Straße führte dicht
an dem mächtigen Felsen vorbei, auf dem die Citadelle erbaut ist. Gordon
war auf den Wällen erschienen und hatte durch ein Zeichen zu verstehen
gegeben, daß er etwas zu sagen habe. Dundee war nun so hoch
hinaufgeklommen, daß er hören und gehört werden konnte, und so besprach
er sich eben jetzt mit dem Herzoge. Bis diesen Augenblick war der Haß,
mit dem die presbyterianischen Mitglieder der Versammlung den
unbarmherzigen Verfolger ihrer Glaubensbrüder betrachteten, durch die
schicklichen Formen der parlamentarischen Berathung gedämpft worden.
Jetzt aber erfolgte ein furchtbarer Ausbruch. Hamilton selbst, der, wie
sogar seine Gegner zugaben, die Pflichten eines Präsidenten bisher mit
Würde und Unparteilichkeit versehen hatte, war der Lauteste und
Heftigste im Saale. »Es ist hohe Zeit« rief er aus, »daß wir auf uns
selbst denken. Die Feinde unsrer Religion und unsrer bürgerlichen
Freiheit sammeln sich rings um uns, und wir dürfen wohl argwöhnen, daß
sie selbst hier Complicen haben. Man verschließe die Thüren und lege die
Schlüssel auf den Tisch. Niemand soll hinaus als diejenigen Lords und
Gentlemen, die wir beauftragen werden, die Bürger zu den Waffen zu
rufen. Es sind einige wackere Männer aus dem Westen in Edinburg, Männer,
für die ich stehen kann.« Die Versammlung erhob einen allgemeinen Ruf
der Zustimmung. Mehrere Mitglieder der Majorität rühmten sich, daß auch
sie zuverlässige Anhänger mitgebracht hätten, die auf den ersten Wink
gegen Claverhouse und seine Dragoner ziehen würden. Alles was Hamilton
vorschlug, wurde sofort ins Werk gesetzt. Die Jakobiten gaben sich
schweigend und ohne Widerstand zu Gefangenen. Leven ging hinaus und gab
Befehl Alarm zu schlagen. Die Covenanters von Lanarkshire und Ayrshire
leisteten dem Aufrufe sofort Folge. Die so zusammengebrachte Streitmacht
hatte zwar kein sehr militärisches Aussehen, genügte aber vollkommen, um
die Anhänger des Hauses Stuart im Schach zu halten. Von Dundee war
nichts zu hoffen oder zu fürchten. Er war schon den Schloßberg wieder
herabgeklommen, zu seinen Reitern zurückgekehrt und in westlicher
Richtung davongesprengt. Hamilton ließ nun die Thüren öffnen und es
stand den verdächtigen Mitgliedern frei sich zu entfernen. Gedemüthigt
und niedergeschmettert, aber doch froh, so wohlfeilen Kaufs
davongekommen zu sein, stahlen sie sich durch den Haufen finstrer
Fanatiker, welcher High Street füllte. An eine Lostrennung war nun nicht
mehr zu denken.[39]
Am folgenden Tage wurde beschlossen, daß das Königreich in
Vertheidigungsstand gesetzt werden solle. Die Einleitung zu diesem
Beschlusse enthielt eine strenge Rüge der Perfidie des Verräthers, der
wenige Stunden nachdem er durch eine eigenhändig unterschriebene
Erklärung sich verpflichtet, seinen Posten in der Convention nicht zu
verlassen, das Beispiel der Desertion und das Signal zum Bürgerkriege
gegeben hatte. Alle Protestanten vom sechszehnten bis zum sechzigsten
Lebensjahre erhielten die Weisung sich bereit zu halten, um beim ersten
Aufrufe unter die Waffen zu treten, und damit sich Niemand mit
Unkenntniß entschuldigen konnte, wurde die öffentliche Verlesung des
Edicts auf allen Marktplätzen des ganzen Königreichs angeordnet.[40]
Die Stände beschlossen hierauf, ein Danksagungsschreiben an Wilhelm zu
richten. Diesem Briefe waren die Unterschriften vieler Edelleute und
Gentlemen beigefügt, die zur Partei des verbannten Königs gehörten. Die
Bischöfe aber weigerten sich einstimmig, ihre Namen darunter zu setzen.
Ein Ausschuß zur Entwerfung eines Regierungsplanes ernannt.
Es war bei den schottischen Parlamenten seit langer Zeit Brauch, die
Entwerfung von Gesetzen und Verordnungen einer Auswahl von Mitgliedern
zu übertragen, welche die Artikellords genannt wurden. In Gemäßheit
dieses Brauchs wurde jetzt ein Ausschuß von Vierundzwanzig beauftragt,
einen Entwurf zur Feststellung der Regierung auszuarbeiten. Von diesen
Vierundzwanzig waren Acht Peers, Acht Vertreter von Grafschaften und
Acht Abgeordnete von Städten. Die Majorität des Ausschusses waren Whigs
und es befand sich kein einziger Prälat darin.
Der durch eine Reihenfolge von Unfällen gebrochene Muth der Jakobiten
wurde durch die Ankunft des Herzogs von Queensberry aus London auf einen
Augenblick wieder gehoben. Er war ein Mann von hohem Range und großem
Einflusse und sein Character war gut im Vergleich zu dem Character
Derer, die ihn umgaben. Als der Papismus die Oberhand hatte, war er der
Sache der protestantischen Kirche treu geblieben, und seitdem der
Whiggismus das Uebergewicht erlangt, war er ein treuer Anhänger der
erblichen Monarchie geblieben. Einige waren der Meinung, daß er dem
Hause Stuart wichtige Dienste hätte leisten können, wenn er früher auf
seinem Platze gewesen wäre.[41] Selbst jetzt brachten die
Belebungsmittel, die er bei seiner erstarrten und schwachen Partei
anwendete, einige matte Symptome wiederkehrenden Muthes hervor. Man fand
Mittel, um sich mit Gordon in Verbindung zu setzen und er wurde dringend
aufgefordert, auf die Stadt zu feuern. Die Jakobiten hofften, daß,
sobald die Kanonenkugeln einige Schornsteine zertrümmert, die Stände
nach Glasgow übersiedeln würden. So wurde Zeit gewonnen und die
Royalisten konnten vielleicht ihren alten Plan, zu einer
Separatconvention zusammenzutreten, noch ausführen. Gordon weigerte sich
jedoch entschieden, auf keine bessere Gewähr als die Aufforderung einer
kleinen Kabale, eine so schwere Verantwortlichkeit auf sich zu
nehmen.[42]
Inzwischen hatten die Stände eine Schutzmacht, auf die sie sich fester
verlassen konnten als auf die undisciplinirten und ungestümen
Covenanters aus dem Westen. Ein Geschwader englischer Kriegsschiffe aus
der Themse war in der Mündung des Forth angekommen. Dieses Geschwader
hatte die drei schottischen Regimenter an Bord, welche Wilhelm aus
Holland herüber begleitet. Er hatte sie mit weiser Einsicht ausgewählt,
die Versammlung zu beschützen, welche die Regierung ihres Vaterlandes
feststellen sollte, und damit dem im Punkte der Nationalehre ungemein
empfindlichen Volke kein Grund zur Eifersucht gegeben werden möge, hatte
er alle holländischen Soldaten aus den Gliedern entfernt und dadurch die
Zahl der Mannschaften auf ungefähr elfhundert reducirt. Dieses kleine
Truppencorps wurde commandirt von Andreas Mackay, einen Hochländer von
vornehmer Abkunft, der lange auf dem Continent gedient hatte und der
sich durch einen unerschütterlichen Muth und durch eine Frömmigkeit
auszeichnete, wie man sie bei Soldaten des Zufalls selten findet. Die
Convention faßte einen Beschluß, durch den sie Mackay zum
Oberbefehlshaber ihrer Streitkräfte ernannte. Als über diesen Beschluß
die Vorfrage gestellt wurde, bat der Erzbischof von Glasgow, der
wahrscheinlich nicht Lust hatte, sich an einer solchen widerrechtlichen
Anmaßung von Befugnissen zu betheiligen, welche dem Könige allein
zustanden, daß man die Prälaten von der Abstimmung entbinden möchte.
Geistliche, sagte er, hätten mit militärischen Maßregeln nichts zu
schaffen. »Die Väter der Kirche,« entgegnete ein Mitglied in sehr
nachdrücklichem Tone, »sind seit kurzem mit einen neuem Lichte beglückt
worden. Ich habe selbst militärische Befehle gesehen, welche von dem
Hochwürdigen unterzeichnet waren, der jetzt plötzlich so scrupulös
geworden ist. Allerdings waltete ein Unterschied ob: jene Befehle hatten
den Zweck die Protestanten dem Säbelregimente preis zu geben, während
der vorliegende Beschluß uns gegen die Papisten schützen soll.«[43]
Die Ankunft der Truppen Mackay's und der Entschluß Gordon's, unthätig zu
bleiben, brach den Muth der Jakobiten. Es blieb ihnen in der That nur
noch eine Aussicht. Durch Anschluß an diejenigen Whigs, welche zu einer
Union mit England geneigt waren, konnten sie die Festsetzung der
Regierung vielleicht noch um längere Zeit verzögern. Es wurde zu dem
Ende wirklich eine Unterhandlung eingeleitet, aber bald wieder
abgebrochen. Denn es zeigte sich bald, daß die für Jakob eingenommene
Partei in Wirklichkeit der Union abgeneigt und daß die für die Union
eingenommene Partei in Wirklichkeit Jakob feindlich gesinnt war. Da
somit diese beiden Parteien kein gemeinsames Ziel verfolgten, so konnte
aus einer Coalition zwischen ihnen nichts weiter hervorgehen, als daß
eine von beiden das Werkzeug der andren geworden wäre. Die Unionsfrage
kam daher gar nicht zur Sprache.[44] Einige Jakobiten zogen sich auf
ihre Landsitze zurück, andere blieben zwar in Edinburg, zeigten sich
aber nicht mehr im Parlamentsgebäude, viele schlugen sich auf die
überwiegende Seite, und als endlich die von den Vierundzwanzig
entworfenen Beschlüsse der Convention vorgelegt wurden, zeigte es sich,
daß die Partei, die sich am ersten Sessionstage um Athol geschaart
hatte, auf Null zusammengeschmolzen war.
Vom Ausschuß vorgeschlagene Beschlüsse.
Die Beschlüsse waren so weit möglich in Einklang mit dem kürzlich zu
Westminster gegebenen Beispiele entworfen. In einem wichtigen Punkte
jedoch mußte die Copie nothwendig von dem Originale abweichen. Die
Stände von England hatten zwei Anklagen gegen Jakob erhoben: seine
schlechte Verwaltung und seine Flucht, und hatten durch Anwendung des
milderen Wortes »Abdankung« zu einigem Nachtheil für die Genauigkeit im
Ausdruck die Frage umgangen, ob Unterthanen gesetzlich befugt sind,
einen schlechten Fürsten abzusetzen. Diese Frage konnten die Stände
Schottland's nicht umgehen. Sie konnten nicht sagen, Jakob habe seinen
Posten verlassen, denn er hatte seit seiner Thronbesteigung nie in
Schottland residirt. Seit vielen Jahren wurde dieses Königreich von
Souverainen regiert, die in einem andren Lande wohnten. Die ganze
Verwaltungsmaschine war nach der Voraussetzung construirt, daß der König
abwesend sein würde und sie wurde daher durch die Flucht, welche im
Süden der Insel alle Regierung aufgelöst und den ordentlichen Gang der
Rechtspflege unterbrochen hatte, nicht nothwendigerweise in Unordnung
gebracht. Wenn der König in Whitehall war, konnte er nur schriftlich mit
dem Staatsrathe und dem Parlamente zu Edinburg verkehren, und das konnte
er auch, wenn er in Saint-Germains oder Dublin war. Die Vierundzwanzig
waren daher gezwungen, den Ständen eine Resolution vorzuschlagen, welche
bestimmt erklärte, daß Jakob VII. durch sein Mißverhalten die Krone
verwirkt habe. Viele Schriftsteller haben aus dem Wortlaute dieser
Resolution gefolgert, daß gesunde politische Prinzipien in Schottland
weiter vorgeschritten gewesen seien als in England. Aber die ganze
Geschichte der beiden Länder von der Restauration bis zur Union beweist,
daß dieser Schluß falsch ist. Die schottischen Stände bedienten sich
ganz einfach deshalb einer offenen Sprache, weil es ihnen in ihrer Lage
unmöglich war, sich einer ausweichenden Sprache zu bedienen.
Der Mann, der bei Entwerfung des Beschlusses und bei der Vertheidigung
desselben die Hauptrolle spielte, war Sir Johann Dalrymple, der vor
kurzem das hohe Amt des Lord Advokaten bekleidet und der an mehreren von
den Uebelthaten Theil genommen hatte, über die er jetzt mit großer
logischer und rhetorischer Schärfe den Stab brach. Er wurde kräftig
unterstützt durch Sir Jakob Montgomery, Mitglied für Ayrshire, einem
Manne von bedeutendem Talent, aber lockeren Grundsätzen, ungestümem
Wesen, unersättlicher Habgier und unversöhnlicher Bosheit. Der
Erzbischof von Glasgow und Sir Georg Mackenzie sprachen auf der andren
Seite, aber sie bewirkten durch ihre Beredtsamkeit nichts weiter als daß
sie ihre Partei des Vortheils beraubten, geltend machen zu können, daß
die Stände unter einem Zwange ständen und daß die Redefreiheit den
Vertheidigern der erblichen Monarchie versagt worden sei.
Als die Vorfrage gestellt wurde, entfernten sich Athol, Queensberry und
einige ihrer Freunde. Nur fünf Mitglieder stimmten gegen den Beschluß,
welcher erklärte, daß Jakob sein Recht auf die Treue seiner Unterthanen
verwirkt habe. Als der Antrag gestellt wurde, daß mit der Krone von
Schottland ebenso verfahren werden sollte, wie mit der Krone von
England, erschienen Athol und Queensberry wieder im Sitzungssaale. Sie
sagten, sie seien im Zweifel gewesen, ob sie füglicherweise den Thron
für erledigt erklären könnten. Da er aber für erledigt erklärt worden
sei, zweifelten sie nicht, daß Wilhelm und Marie Diejenigen waren, die
ihn einnehmen müßten.
Wilhelm und Marie proklamirt.
Die Convention begab sich hierauf in Procession in die High Street.
Mehrere vornehme Edelleute bestiegen in Begleitung des Lord Provost und
der Herolde den achteckigen Thurm, von welchem das Stadtkreuz mit dem
schottischen Einhorn auf der Spitze emporragte.[45] Hamilton verlas den
Beschluß der Convention und ein Wappenherold proklamirte unter
Trompetenschall die neuen Souveraine. An demselben Tage erließen die
Stände eine Verordnung des Inhalts, daß die Parochialgeistlichen, bei
Strafe der Amtsentsetzung, von ihren Kanzeln herab die Proklamation,
welche so eben am Stadtkreuze verlesen worden, bekannt machen und für
König Wilhelm und Königin Marien beten sollten.
Die Rechtsforderung.
Noch war das Interregnum nicht vorüber. Obwohl die neuen Souveraine
proklamirt waren, waren sie doch noch nicht durch ein formelles
Anerbieten und durch eine formelle Annahme in den Besitz der königlichen
Autorität gesetzt worden. Es wurde in Edinburg, wie in Westminster, für
nöthig gehalten, daß die Urkunde über die Feststellung der Regierung die
Volksrechte, welche die Stuarts ungesetzlicherweise mißachtet hatten,
klar definiren und feierlich bekräftigen solle. Die Vierundzwanzig
entwarfen daher eine Rechtsforderung ^(Claim of Right)^, welche die
Convention annahm. Dieser Rechtsforderung, welche nichts weiter als eine
Erklärung des bestehenden Gesetzes bezweckte, war eine Ergänzungsschrift
beigefügt, die eine Liste von Mißständen enthielt, denen nur durch neue
Gesetze abgeholfen werden konnte.
Abschaffung des Episkopats.
Einen hochwichtigen Artikel, den wir naturgemäß an der Spitze einer
solchen Liste zu sehen erwarten sollten, nahm die Convention mit großer
praktischer Einsicht, aber notorischen Thatsachen und unwiderleglichen
Argumenten zum Trotz, in die Rechtsforderung selbst auf. Niemand konnte
leugnen, daß die Prälatur durch eine Parlamentsacte eingeführt war. Die
Gewalt, welche die Bischöfe ausübten, konnte schädlich, schriftwidrig,
antichristlich sein, aber ungesetzlich war sie gewiß nicht, und sie für
ungesetzlich erklären, hieß dem gesunden Verstande ins Gesicht schlagen.
Die Whigführer wünschten jedoch viel sehnlicher, das Episkopat
loszuwerden, denn sich als ausgezeichnete Publicisten und Logiker zu
erweisen. Wenn sie die Abschaffung des Episkopats zu einem Artikel des
Vertrags machten, kraft dessen Wilhelm die Krone tragen sollte, so
erreichten sie ihren Zweck, wenn auch ohne Zweifel auf eine Weise,
welche der Kritik starke Blößen gab. Begnügten sie sich dagegen zu
beschließen, daß das Episkopat eine schädliche Institution sei, welche
früher oder später abzuschaffen die Legislatur wohl thun werde, so
konnten sie finden, daß ihr Beschluß zwar in formeller Hinsicht keine
Einwendung zuließ, doch unfruchtbar an Consequenzen war. Sie wußten, daß
Wilhelm keineswegs mit ihrer Abneigung gegen die Bischöfe sympathisirte
und daß, selbst wenn er für das calvinistische Vorbild weit mehr
eingenommen gewesen wäre, als er es war, sein Verhältniß zu der
anglikanischen Kirche es für ihn schwierig und gefährlich gemacht haben
würde, sich zum Feinde eines Grundbestandtheils der Verfassung dieser
Kirche zu erklären. Wenn er König von Schottland wurde, ohne in diesem
Punkte durch eine Zusicherung gebunden zu sein, so konnte man wohl
fürchten, daß er zögern würde, eine Acte zu erlassen, welche von einem
großen Theile seiner Unterthanen im Süden der Insel mit Abscheu
betrachtet werden würde. Es war daher sehr zu wünschen, daß die Frage
erledigt wurde, so lange der Thron noch unbesetzt war. In dieser Ansicht
stimmten viele Politiker überein, die zwar keinen Widerwillen gegen
Chorhemden und Bischofsmützen hegten, die aber wünschten, daß Wilhelm
eine ruhige und gedeihliche Regierung haben möchte. Das schottische Volk
-- so räsonnirten diese Leute -- haßte das Episkopat. Das englische Volk
liebte es. Wilhelm eine Stimme in dieser Angelegenheit lassen, hieße ihn
in die Nothwendigkeit versetzen, die stärksten Gefühle einer der
Nationen, die er regierte, zu verwunden. Es liege daher offenbar in
seinem eignen Interesse, daß die Frage, die er selbst in keiner Weise
erledigen könnte, ohne sich schwere Vorwürfe zuzuziehen, anstatt seiner
durch Andere erledigt würde, die einer solchen Gefahr nicht ausgesetzt
wären. Er sei noch nicht Beherrscher von Schottland. Während der Dauer
des Interregnums gehöre die höchste Gewalt den Ständen und für das was
die Stände thun möchten, könnten die Prälatisten seines südlichen
Königreichs ihn nicht verantwortlich machen. Der ältere Dalrymple
schrieb aus London eindringlich in diesem Sinne, und es kann kaum einem
Zweifel unterliegen, daß er die Gesinnungen seines Gebieters ausdrückte.
Wilhelm würde sich aufrichtig gefreut haben, wenn die Schotten mit einem
modificirten Episkopat hätten ausgesöhnt werden können. Da dies aber
nicht sein könne, so sei es offenbar wünschenswerth, daß sie, so lange
noch kein König über ihnen stehe, selbst das unwiderrufliche
Verdammungsurtheil über die Institution aussprächen, die sie
verabscheuten.[46]
Die Convention nahm daher wie es scheint, nach kurzer Debatte in die
Rechtsforderung eine Klausel auf, welche erklärte, daß die Prälatur eine
unerträgliche Last für das Königreich, daß sie der großen Masse des
Volks seit langer Zeit verhaßt sei und daß sie abgeschafft werden müsse.
Die Folter.
Nichts in den Vorgängen zu Edinburg setzt einen Engländer mehr in
Erstaunen, als das Verfahren der Stände in Bezug auf die Tortur. In
England war die Folter stets gesetzwidrig gewesen. Selbst in den
servilsten Zeiten hatten die Richter sie einstimmig dafür erklärt. Die
Herrscher, welche gelegentlich ihre Zuflucht zu derselben genommen,
hatten sie so weit möglich im Geheimen angewendet, hatten nie behauptet,
daß sie im Einklange mit dem Staatsgesetz oder mit dem gemeinen Recht
gehandelt und hatten sich damit entschuldigt, daß sie sagten, die
außerordentliche Gefahr, der der Staat ausgesetzt sei, habe
sie gezwungen, die Verantwortlichkeit für außerordentliche
Vertheidigungsmittel auf sich zu nehmen. Kein englisches Parlament hatte
es daher je für nöthig gehalten, eine Acte oder einen Beschluß in Bezug
auf diesen Gegenstand zu erlassen. Die Tortur war weder in der Bitte um
Recht noch in irgend einem von dem Langen Parlament entworfenen Gesetze
erwähnt. Kein Mitglied der Convention von 1689 dachte daran
vorzuschlagen, daß die Urkunde, welche den Prinzen und die Prinzessin
von Oranien auf den Thron berief, eine Erklärung gegen die Anwendung von
Folterbänken und Daumenschrauben zu dem Zwecke, Gefangene zur
Selbstanklage zu zwingen, enthalten solle. Eine solche Erklärung würde
mit Recht eher als eine Schwächung denn als Kräftigung einer Regel
betrachtet worden sein, welche schon zu den Zeiten der Plantagenets von
den berühmteren Weisen von Westminsterhall mit Stolz für einen
unterscheidenden Zug der englischen Rechtswissenschaft erklärt worden
war.[47] In der schottischen Rechtsforderung wurde die Anwendung der
Tortur, ohne Beweis, oder in gewöhnlichen Fällen, für gesetzwidrig
erklärt. Daraus ergiebt sich folgerichtig, daß die Tortur in Fällen wo
starker Beweis vorhanden war oder wo ein außerordentliches Verbrechen
vorlag, für gesetzmäßig erklärt war; auch führten die Stände die Tortur
nicht unter den Mißbräuchen auf, welche gesetzliche Abhülfe erheischten.
In der That, sie konnten die Tortur nicht verdammen, ohne sich selbst zu
verdammen. Der Zufall wollte, daß, während sie sich mit der Feststellung
der Regierung beschäftigten, der beredte und gelehrte Lord-Präsident
Lockhardt, als er eines Sonntags aus der Kirche kam, auf offener Straße
ermordet wurde. Der Mörder ward ergriffen und erwies sich als ein
Elender, der, nachdem er seine Gattin barbarisch behandelt und aus dem
Hause geworfen, durch ein Decret des Court of Session gezwungen worden
war, für ihren Unterhalt zu sorgen. Ein wüthender Haß gegen die Richter,
die sie in Schutz genommen, hatte sich seiner bemächtigt und ihn zu
einem entsetzlichen Verbrechen und einem entsetzlichen Schicksale
getrieben. Es war natürlich, daß eine von so erschwerenden Umständen
begleitete Mordthat den Unwillen der Mitglieder der Convention erregte.
Gleichwohl hätten sie den kritischen Ernst des Augenblicks und die
Wichtigkeit ihrer Mission bedenken sollen. Leider aber befahlen sie in
der Hitze der Leidenschaft dem Magistrate von Edinburg, den Gefangenen
die spanischen Stiefeln anzulegen, und ernannten einen Ausschuß zur
Beaufsichtigung der Operation. Hätte dieser unselige Vorfall nicht
stattgefunden, so ist es wahrscheinlich, daß das schottische Gesetz
bezüglich der Tortur ohne weiteres dem englischen Gesetze assimilirt
worden wäre.[48]