4. Pneumokokken und die Lungenentzündung.

Lungenentzündungen können sich im Verlaufe der verschiedensten

Infektionen beim Menschen entwickeln. Wir erinnern uns beispielsweise

der Lungenentzündung im Verlaufe der Pesterkrankung oder derjenigen

bei Influenza. Die Erkrankungen sind nach Ausdehnung und nach Verlauf

recht verschieden, und es ist hier ganz unmöglich, sie im einzelnen

näher zu besprechen. _Im engeren Sinne_ versteht man unter einer

Lungenentzündung oder »_Pneumonie_« aber in unserem Klima speziell

eine durch ganz bestimmte Krankheitserscheinungen und einen sehr

charakteristischen Verlauf ausgezeichnete akute Infektionskrankheit.

Die Krankheit beginnt meist ganz plötzlich, ohne daß irgendwelche

leichteren Krankheitserscheinungen vorangegangen wären, mit einem

Schüttelfrost, an den sich ein hohes Ansteigen der Temperatur

anschließt, während gleichzeitig auch den kräftigsten Erkrankten

das Gefühl schweren Krankseins erfaßt. Bald stellen sich dann

sehr starke Schmerzen beim Atmen, gewöhnlich vorwiegend auf einer

Seite der Brust ein, allmählich kommt etwas Hustenreiz hinzu, der

zunächst spärliche, später reichlichere Auswurf ist rötlichbräunlich

infolge von Blutbeimengungen. Mehrere Tage halten die schweren

Krankheitserscheinungen an, das Fieber ist hoch, oft tritt auch

Benommenheit hinzu. Das ganze Bild ist ein sehr ernstes. Gewöhnlich

am 7. Tage kommt es dann zur »Krisis«. In der überwiegenden Mehrzahl

der Fälle tritt ein rascher Abfall der Temperatur zur Norm ein, und

gleichzeitig beginnt das Allgemeinbefinden sich wesentlich zu heben:

die Gefahr ist überwunden. In nicht ganz seltenen Fällen bleibt aber

dieser günstige Umschlag aus, und namentlich durch Alter oder durch

Alkoholismus oder Herzkrankheiten geschwächte Individuen, zuweilen aber

auch kräftige junge Menschen können der Krankheit zum Opfer fallen.

[Illustration: Abb. 31.

Abstrich vom Auswurf bei Lungenentzündung. ~E~ = Eiterzellen, ~P~ =

Pneumokokken (mit deutlichen »Kapseln«).]

Als Ursache dieser häufigen und unter allen Umständen ernsten

Erkrankung wurde von _A. Fränkel_ im Jahre 1886 ein Mikrokokkus

entdeckt, der gewöhnlich als Pneumokokkus oder Diplokokkus ~pneumoniae~

bezeichnet wird. In Abstrichen vom Auswurf eines Pneumonikers findet

man reichliche, in der Regel zu zweien angeordnete Kugelbakterien,

die meist eine sehr deutliche Kapsel besitzen und gewöhnlich ein

wenig längsoval gestaltet sind (vgl. Abb. 31). In Kulturen auf den

gewöhnlichen Nährböden besitzen sie diese Kapsel nicht.

Diese Pneumokokken finden sich nicht selten auch bei _anderen_

infektiösen Krankheitsprozessen beim Menschen, verhältnismäßig häufig

z. B. bei gewissen entzündlichen _Ohren_erkrankungen, vor allem aber

auch bei sehr verschiedenen leichteren und schwereren Erkrankungen

der Atmungsorgane; eine Pneumokokkenerkrankung stellen auch gewisse

geschwürige Prozesse der Hornhaut des menschlichen Auges dar. Sie

finden sich endlich aber auch, wenn auch in spärlicher Zahl, nahezu

regelmäßig im Speichel gesunder Menschen. Da die Pneumokokken für

manche Versuchstiere, besonders für Mäuse, außerordentlich große

Virulenz besitzen, so kann man häufig eine Maus dadurch tödlich

infizieren, daß man ihr eine ganz kleine Menge menschlichen

Mundspeichels unter die Haut bringt. Enthält das Speicheltröpfchen

Pneumokokken, was annähernd in 70 % aller Fälle zutreffen soll, so

entwickelt sich alsbald eine meist sehr rasch zum Tode führende

Pneumokokkensepsis d. h. eine Überschwemmung der ganzen Blutbahn mit

den Mikroorganismen.

Versuche, ein Heilserum gegen Pneumokokkeninfektionen des Menschen,

ganz besonders auch gegen Augenerkrankungen herzustellen, sind in

großem Umfange und mit vielversprechenden anfänglichen Erfolgen

unternommen worden. Die Wirksamkeit der betreffenden Sera ist aber

noch nicht völlig unbestritten, soweit wenigstens ihr Heilerfolg beim

Menschen in Frage kommt. Dagegen ist unzweifelhaft sichergestellt, daß

das gebräuchlichste der in Frage kommenden Heilsera bei empfänglichen

Tieren, insbesondere bei Mäusen, eine ausgesprochene schützende und

heilende Wirkung besitzt. Es steht zu hoffen, daß auch beim Menschen,

insbesondere bei der croupösen Pneumonie in Zukunft noch günstigere

Ergebnisse mit einer Serumtherapie erreicht werden.

Kapitel IX.

Die wichtigsten chronischen Infektionskrankheiten des Menschen:

Tuberkulose. -- Syphilis. -- Lepra.

Die krankheiterregenden Bakterien Entstehung, Heilung und Bekämpfung der bakteriellen Infektionskrankheiten des Menschen · 第 26 / 33 题