»Genickstarre« ist der volkstümliche Ausdruck für ein Krankheitsbild,
dem eine entzündliche Erkrankung der Hirnhäute zugrunde liegt. Das
namentlich für den Laien auffälligste Symptom einer solchen Erkrankung
ist die Nackensteifigkeit, die sich schon gleich bei Beginn der
Erkrankung zeigt und später bis zur Starre zu steigern pflegt.
Hirnhautentzündungen können nun auf sehr verschiedene Weise zustande
kommen und auch durch verschiedene bakterielle Krankheitserreger
bedingt sein. Zum Beispiel kommt es nicht selten im Anschluß an
Mittelohreiterungen zu einem Übergreifen der eitrigen Entzündung
auf das Schädelinnere und die Hirnhäute, andererseits können
eitrige Prozesse, die im Gehirn entstanden sind, auf die Hirnhäute
übergreifen, endlich können bei penetrierenden Schädelwunden die
Hirnhäute infiziert werden. Bei allen diesen entzündlichen Prozessen
können die verschiedensten Bakterien als Entzündungs- und Eitererreger
wirksam sein; in erster Linie kommen die Wundinfektionserreger, die
Streptokokken und Staphylokokken in Betracht (s. u.).
Im engeren Sinne pflegt man als Genickstarre oder epidemische
Genickstarre nur Krankheitsfälle zu bezeichnen, die durch einen
besonderen, wohl charakterisierten Krankheitserreger verursacht
werden, den sogenannten Meningokokkus, der zu den Hirnhäuten vom
Nasenrachenraum aus auf dem Wege der Lymphbahn vordringt. Der
Meningokokkus, der von _Weichselbaum_ entdeckt wurde, ist ein dem
Gonokokkus (s. o.) ziemlich ähnlicher Diplokokkus, der sich in dem
eitrigen Exsudat in den Maschen der Hirnhäute, meist vorwiegend im
Innern von Leukocyten vorfindet, von denen er aufgenommen wird (s. über
Phagocytose oben im Kap. II).
Die Genickstarre tritt besonders oft epidemieartig, ja ausgesprochen
epidemisch auf und befällt besonders jugendliche Individuen,
Schulkinder, Soldaten. Die verschiedenen Epidemien sind in
verschiedenem Grade bösartig und mit Recht sehr gefürchtet.
Die Übertragung der Keime vom Kranken auf den Gesunden erfolgt nach
dem heutigen Stande unserer Kenntnisse wohl wesentlich durch den
meningokokkenhaltigen Speichel. Zu ihrer Vermeidung sind also alle die
Maßnahmen notwendig, die eine Verbreitung des ansteckenden Speichels
hintanhalten, vor allem möglichste Isolierung aller Erkrankten und
Desinfektion ihres Auswurfs und ihrer Wäsche.
In den letzten Jahren hat man günstige Erfolge bei der Behandlung der
Genickstarre mit einem Heilserum (Meningokokkenserum) erzielt.