3. Meningokokken und epidemische Genickstarre.

»Genickstarre« ist der volkstümliche Ausdruck für ein Krankheitsbild,

dem eine entzündliche Erkrankung der Hirnhäute zugrunde liegt. Das

namentlich für den Laien auffälligste Symptom einer solchen Erkrankung

ist die Nackensteifigkeit, die sich schon gleich bei Beginn der

Erkrankung zeigt und später bis zur Starre zu steigern pflegt.

Hirnhautentzündungen können nun auf sehr verschiedene Weise zustande

kommen und auch durch verschiedene bakterielle Krankheitserreger

bedingt sein. Zum Beispiel kommt es nicht selten im Anschluß an

Mittelohreiterungen zu einem Übergreifen der eitrigen Entzündung

auf das Schädelinnere und die Hirnhäute, andererseits können

eitrige Prozesse, die im Gehirn entstanden sind, auf die Hirnhäute

übergreifen, endlich können bei penetrierenden Schädelwunden die

Hirnhäute infiziert werden. Bei allen diesen entzündlichen Prozessen

können die verschiedensten Bakterien als Entzündungs- und Eitererreger

wirksam sein; in erster Linie kommen die Wundinfektionserreger, die

Streptokokken und Staphylokokken in Betracht (s. u.).

Im engeren Sinne pflegt man als Genickstarre oder epidemische

Genickstarre nur Krankheitsfälle zu bezeichnen, die durch einen

besonderen, wohl charakterisierten Krankheitserreger verursacht

werden, den sogenannten Meningokokkus, der zu den Hirnhäuten vom

Nasenrachenraum aus auf dem Wege der Lymphbahn vordringt. Der

Meningokokkus, der von _Weichselbaum_ entdeckt wurde, ist ein dem

Gonokokkus (s. o.) ziemlich ähnlicher Diplokokkus, der sich in dem

eitrigen Exsudat in den Maschen der Hirnhäute, meist vorwiegend im

Innern von Leukocyten vorfindet, von denen er aufgenommen wird (s. über

Phagocytose oben im Kap. II).

Die Genickstarre tritt besonders oft epidemieartig, ja ausgesprochen

epidemisch auf und befällt besonders jugendliche Individuen,

Schulkinder, Soldaten. Die verschiedenen Epidemien sind in

verschiedenem Grade bösartig und mit Recht sehr gefürchtet.

Die Übertragung der Keime vom Kranken auf den Gesunden erfolgt nach

dem heutigen Stande unserer Kenntnisse wohl wesentlich durch den

meningokokkenhaltigen Speichel. Zu ihrer Vermeidung sind also alle die

Maßnahmen notwendig, die eine Verbreitung des ansteckenden Speichels

hintanhalten, vor allem möglichste Isolierung aller Erkrankten und

Desinfektion ihres Auswurfs und ihrer Wäsche.

In den letzten Jahren hat man günstige Erfolge bei der Behandlung der

Genickstarre mit einem Heilserum (Meningokokkenserum) erzielt.

Die krankheiterregenden Bakterien Entstehung, Heilung und Bekämpfung der bakteriellen Infektionskrankheiten des Menschen · 第 25 / 33 题