Reinkultur von Diphtheriebazillen. Abstrichpräparat.]

Die Ursache der schlimmen Krankheit wurde im Jahre 1887 von _Loeffler_,

einem Schüler _Kochs_, entdeckt:

Der Erreger der Diphtherie ist ein kleines unbewegliches

Stäbchenbakterium, das eine eigentümliche Form und in größeren

Verbänden eine charakteristische Anordnung zeigt (Abb. 24) und das

sich in den erwähnten Pseudomembranen in sehr großen Mengen vorfindet.

Die einzelnen Bazillen sind sehr schlank, häufig ein wenig gekrümmt,

und besitzen leichte kolbige oder knopfförmige Anschwellungen an

einem oder an beiden Enden, die sich schon bei der Färbung mit den

gebräuchlichen Anilinfarben, besonders aber bei Anwendung besonderer

Methoden, intensiver färben als die Mitte. Dieses Stäbchen vermag

hochwirksame _Toxine_ abzusondern, die sowohl für die lokalen

Erscheinungen als auch für die späteren, schon erwähnten sogenannten

postdiphtherischen Lähmungen die Ursache abgeben.

Die Ansteckung erfolgt in der Regel durch direkte Übertragung

vom Kranken auf den Gesunden; doch wird auch in diesem Falle die

Sachlage dadurch kompliziert, daß Diphtherie-Rekonvaleszenten

noch wochen-, ja monatelang nach der Überstehung der Krankheit

lebende und infektionstüchtige Diphtheriebazillen in ihrem Rachen

beherbergen und dadurch zur Verbreitung der Krankheit beitragen

können. Bei systematischen Untersuchungen, z. B. bei der Untersuchung

sämtlicher eine Schule besuchenden Kinder, hat man mehrfach echte

Diphtheriebazillen auch im Rachen von Kindern nachgewiesen, die

an der Krankheit weder im Augenblick litten, noch nachweislich

gelitten hatten. Diese Freistellungen lassen den Versuch, durch

allgemeine prophylaktische Maßnahmen die Verbreitung der Krankheit zu

unterdrücken, als ungemein schwierig erscheinen; trotzdem lehrt die

Erfahrung, daß diesen Vorbeugungsmaßregeln, wie z. B. rechtzeitigem

Schluß der Schulen bei Ausbruch von Epidemien, eine große Bedeutung

zukommt, wenn sie in sachgemäßer Weise gehandhabt werden.

Auch heute noch ist die Diphtherie mit Recht eine gefürchtete

Krankheit, aber sie hat doch ihren schlimmsten Schrecken verloren,

seit _v. Behring_ in dem Diphtherie-Heilserum ein wirksames und

zuverlässiges Heilmittel für die Krankheit entdeckt hat.

Die Wirkung des Heilserums beruht auf dessen Gehalt an spezifischen

Antitoxinen (vgl. Kap. III), die imstande sind, die Wirkung der Toxine

des Diphtheriebazillus aufzuheben. Man kann dieses Heilserum auch mit

Erfolg zum _Schutze_ eines noch gesunden, aber der Ansteckungsgefahr

ausgesetzten Menschen verwenden, und _v. Behring_ selbst hat solche

Verwendung in ausgedehntem Maße auch früher befürwortet. Dagegen

spricht aber der Umstand, daß eine solche Schutzwirkung einer

Heilseruminjektion nur eine auf wenige Wochen beschränkte Dauer

hat, weil nach dieser Zeit die Antitoxine aus dem Körper des so

vorbehandelten Menschen wieder verschwunden sind. Man würde also

sehr häufiger Wiederholungen der Seruminjektionen bedürfen, wenn

man einen dauernden Schutz erzielen wollte, und, abgesehen von der

Umständlichkeit eines solchen Verfahrens, verbietet sich dies auch noch

aus gewichtigen anderen Gründen, deren vornehmster in der Schädlichkeit

wiederholter Einspritzungen artfremden Serums für den menschlichen

Körper besteht.

Die Anwendung des Diphtherieserums wird deshalb in erster Linie zu

Heilzwecken, nur in besonderen Fällen zu Schutzzwecken erfolgen

dürfen. Die Heilwirkung des Mittels aber tritt um so sicherer und

ergiebiger ein, je rascher nach dem Beginn der Erkrankung die Injektion

erfolgte. Die frühzeitige Erkennung des Charakters einer diphtherischen

Erkrankung ist also von der größten Bedeutung. In sehr frühen Stadien,

in denen es zur Bildung deutlich sichtbarer Pseudomembranen noch nicht

gekommen ist, vermag oft der Nachweis der echten Diphtheriebazillen

im Rachen des verdächtig Erkrankten die Diagnose der Diphtherie zu

sichern. Dieser Nachweis kann zuweilen schon durch die mikroskopische

Untersuchung eines Ausstrichpräparates vom Rachenschleim erbracht

werden. Meist erfordert er aber die Anlegung von Kulturen, die auf

einem von _Löffler_ angegebenen, besonders geeigneten Nährboden schon

nach etwa 6 Stunden bei Brüttemperatur auskeimen. Die Kürze der Zeit,

die der Diphtheriebazillus zu seiner Vermehrung auf diesem Nährboden

braucht, ist für die frühzeitige Erkennung von Krankheitsfällen

von sehr günstigem Einfluß. Freilich kommen die Vorteile dieser

Methode vorläufig nur den Bewohnern größerer Städte zugute, die gut

eingerichtete bakteriologische Untersuchungsanstalten besitzen.

Der Tetanus oder Wundstarrkrampf.

Der Wundstarrkrampf ist eine in verschiedenen Fällen sehr verschieden

schwer verlaufende Erkrankung, die zustande kommt, wenn -- gewöhnlich

bei schweren Verletzungen, Knochenbrüchen mit Weichteilzerreißung,

Quetschungen usw. -- zusammen mit gröberen Verunreinigungen, Schmutz,

Gartenerde, Staub, auch Tetanusbazillen in die Tiefe der Gewebe

gelangen, diese so sehr verbreiteten Keime, von denen wir oben (S.

30 u. 32) schon gesprochen haben. In seltenen Fällen kann eine

Tetanusinfektion auch im Anschluß an eine Geburt -- von den Wunden

der Geburtswege aus -- erfolgen, aber immer nur dann, wenn grobe

Unreinlichkeit vorgelegen hat. Charakteristisch für das Krankheitsbild

sind Krampfzustände von zunehmender Häufigkeit, Ausdehnung und Schwere.

Der Tetanusbazillus, der zuerst von _Kitasato_ rein gezüchtet wurde,

ist ein sehr verbreiteter, anaërober Bazillus, der Eigenbewegungen

besitzt und endständige Sporen bildet. Seine krankmachenden

Eigenschaften beruhen auf der Bildung von Toxinen, die er auch in

Kulturen produziert. Diese Toxine vermögen auch im Tierversuch Tetanus

auszulösen und sind ganz außerordentlich wirksam, so daß minimale

Mengen von Tetanus-Kulturfiltraten den Tod empfänglicher Versuchstiere

unter den charakteristischen Erscheinungen des Wundstarrkrampfes

herbeiführen.

Es ist gelungen, ein dem Diphtherieserum in seiner Wirkungsweise

ähnliches Tetanusserum zu gewinnen, doch ist leider dessen Wirksamkeit

nicht ausreichend, um den einmal ausgebrochenen Starrkrampf noch

sicher zu heilen. Dagegen wird neuerdings berichtet, daß die Injektion

verhältnismäßig kleiner Mengen des spezifischen Serums einen sicheren

Schutz gegen den Ausbruch des Tetanus bei Leuten gewährt, die durch

verunreinigte schwere Verletzungen in erheblichem Grade der Gefahr der

Erkrankung an Wundstarrkrampf ausgesetzt sind.

Influenza.

Man bezeichnet in Laienkreisen und freilich vielfach auch in ärztlichen

Kreisen mit »Influenza« oder »Grippe« häufig allerhand leichtere

oder schwerere Erkrankungen, die mit Katarrhen der oberen Luftwege

einhergehen. Man sollte im engeren Sinne aber diesen Namen nur auf eine

ganz bestimmte, durch ihre enorme Ausbreitungstendenz charakterisierte,

ausgesprochen epidemische Krankheit beschränken. Nur für diese gelten

die folgenden Angaben. Die Krankheitserscheinungen bestehen in starken

Kopfschmerzen und Kreuzschmerzen, großer Mattigkeit, Erscheinungen,

die alle auffallend plötzlich einsetzen und sofort ein starkes

Krankheitsgefühl auslösen. Dazu kommen in den leichteren Fällen

Katarrhe der oberen Luftwege, die aber in schwereren Fällen, namentlich

bei älteren Leuten, zu gefährlichen, ja tödlichen Lungenentzündungen

führen können.

Die Ursache der Influenza wurde von _R. Pfeiffer_ im Jahre 1892 in

einem ganz außerordentlich kleinen Stäbchenbakterium entdeckt, dessen

Reinzüchtung nur bei Körpertemperatur und ausschließlich auf Nährböden

gelang, die entweder Blut oder anderes, nichtkoaguliertes Körpereiweiß

enthielten. Der Influenzabazillus erliegt außerhalb des Körpers rasch

der Eintrocknung und wird ohne Zweifel ganz wesentlich durch direkte

Übertragung von Mensch zu Mensch gefährlich.

Diese Übertragung erfolgt in erster Linie durch die beim Husten

verstreuten feinsten bazillenhaltigen Tröpfchen unmittelbar, oder,

wohl seltener, mittelbar, durch sogenannte Kontaktinfektion (Kontakt

= lateinisch Berührung), wenn nämlich bazillenhaltiger Auswurf auf

irgendeine Weise durch Unreinlichkeit verschleppt wird, und so rasch,

daß zur Eintrocknung keine Zeit ist, in die oberen Luftwege, vor allem

in den Mund, eines gesunden Individuums gelangt.

Dieser direkten Übertragung von Mensch zu Mensch entspricht die

außerordentlich rasche Verbreitung der Seuche in den Kulturländern, die

genau den großen Verkehrswegen, speziell den großen Eisenbahnlinien,

folgt und vorläufig wohl allen Schutzmaßnahmen trotzt. An ein Absperren

der Grenzen gerade gegen diese Krankheit ist kaum zu denken, vor

allem mit Rücksicht auf relativ leichte Fälle, die nicht erkannt

werden, und so kann man gerade gegenüber der echten Influenza nach

dem heutigen Stande unseres Wissens in der Tat eine sicher wirksame

Schutzmaßnahme nicht angeben. Man kann nur für den Fall neuen

Auftretens einer Epidemie besonders allen weniger widerstandsfähigen

älteren und kränklichen Leuten empfehlen, den Verkehr mit allen

irgendwie der Infektion Verdächtigen zu vermeiden, wobei dann freilich

die Entscheidung, wer der Infektion verdächtig ist, so schwer ist, daß

man sich am besten vollständig gegen die Außenwelt abschlösse, ein

Verhalten, das nur den wenigsten Menschen möglich ist. Daß eine solche

Vorsicht von Erfolg begleitet sein kann, ergibt sich beispielsweise aus

der Beobachtung, daß bei Epidemien, die so gut wie niemand verschonten,

sogenannten Pandemien, z. B. einzelne Klöster vollständig frei von

Fällen der Seuche blieben.

Keuchhusten.

Jedermann in unserem Klima kennt die für kleine Kinder so

außerordentlich ansteckende quälende Krankheit, die wegen der ungemein

heftigen Hustenanfälle den Namen Keuchhusten trägt, und die, wenn

auch im allgemeinen nicht gerade das Leben bedrohend, doch durch

ihre lange Dauer außerordentlich schädlich und namentlich für ganz

kleine Kinder nicht unbedenklich ist. Die große Ansteckungsgefahr bei

dieser Krankheit ist ja allgemein bekannt. Die Verbreitung erfolgt

entweder durch direkte Berührung, etwa beim Küssen, oder auch durch

die beim Husten verspritzten Tröpfchen, die ihrerseits wieder entweder

eingeatmet werden können oder auf Umwegen in den Mund und in die oberen

Luftwege gesunder Kinder gelangen. Der Verbreitung der Krankheit läßt

sich ausschließlich durch die möglichst frühzeitige Isolierung der

erkrankten Kinder bis zu einem gewissen Grade vorbeugen.

Während mehrfache Versuche, den Krankheitserreger zu finden, zu

unbestrittenen Ergebnissen nicht geführt hatten, scheint es jetzt,

daß es den belgischen Forschern _Bordet_ und _Gengou_ vor zwei Jahren

endlich gelungen ist, den Keuchhustenerreger in einem sehr kleinen und

nur schwer in Kulturen zu gewinnenden Stäbchenbakterium zu entdecken.

Eine erhebliche Stütze für die Ansicht, daß dieses Bakterium der

spezifische Krankheitskeim ist, liegt in der Feststellung, daß das

Serum von Rekonvaleszenten häufig spezifische Antikörper gerade

gegen diesen Bazillus aufweist. Wie weit man danach zu der Hoffnung

berechtigt ist, daß es in absehbarer Zeit gelingen wird, auch ein

Heilserum für die Krankheit zu gewinnen, das ist vorderhand nicht

abzusehen.

Typhus.

Wegen der Schwere der Krankheitserscheinungen und der Zahl der Opfer,

auch wegen der großen Schwierigkeiten, die seine Bekämpfung auch heute

noch der ärztlichen Wissenschaft bereitet, gehört der Unterleibstyphus

zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten unseres Klimas.

Das Krankheitsbild ist in den schwereren Fällen meist sehr

charakteristisch. Nach erfolgter Übertragung des Ansteckungsstoffes

pflegt eine Inkubationszeit von etwa 2 Wochen Dauer zu verstreichen,

gegen deren Ende sich unbestimmte und zunächst geringfügige

Krankheitserscheinungen einstellen, vor allem Mattigkeit, Unlust zur

Arbeit, Appetitlosigkeit, leichte Kopfschmerzen. Ganz allmählich

pflegen die Erscheinungen schwerer zu werden, die Temperatur steigt

mehr und mehr an. Erscheinungen von seiten des Darmkanals, zunächst

gewöhnlich Stuhlverhaltung, dann Durchfälle, stellen sich ein, dazu

kommt neben gänzlicher Appetitlosigkeit quälender Durst und im weiteren

Krankheitsverlauf bei besonders schweren Fällen kürzere oder längere

Bewußtseinsstörungen mit allen ihren peinlichen Folgezuständen. Meist

erst nach mehrwöchiger Krankheit gehen die Erscheinungen langsam

zurück, das Fieber läßt nach, und endlich tritt die Rekonvaleszenz

ein, die nicht selten noch durch Rückfälle unterbrochen wird. Nicht

ganz selten führen aber diese schweren Fälle, trotz aller ärztlichen

Bemühung, zum Tode.

Um so merkwürdiger mag es auf den ersten Blick erscheinen, daß neben

schweren auch leichtere, ja, wie man seit kurzem weiß, gar nicht

selten auch allerleichteste Formen von Typhuserkrankung vorkommen, die

sehr oft von dem Betroffenen selbst gar nicht als Krankheit, geschweige

denn als Typhuserkrankung im besonderen erkannt werden.

Die Ursache des Prozesses ist der Typhusbazillus, der zuerst von

_Eberth_ im Jahre 1880 gesehen, dann im Jahre 1884 von _Gaffky_ zuerst

gezüchtet und genauer in seinen Eigenschaften erforscht wurde. Es

handelt sich um ein kleines, sehr lebhaft bewegliches Stäbchen, das

diese Beweglichkeit einer größeren Anzahl von Geißeln verdankt, und

das die Eigenschaft der Sporenbildung nicht besitzt. Dieses Stäbchen

findet sich in allen Typhusfällen in großen Mengen im Darminhalt und

in der krankhaft veränderten Darmwand, ferner aber auch im Blute der

Kranken und in deren Organen. Anfänglich machte seine sichere Erkennung

große Schwierigkeiten, da sich im Darm regelmäßig normalerweise

Bazillen finden, die den Typhusbazillen, äußerlich wenigstens, ähnlich

sehen, die sog. Kolibazillen. Man lernte aber bald auf Grund der

chemischen Leistungen die beiden Bakterienarten sicher und rasch

zu unterscheiden, noch leichter und schneller gelingt heute die

Unterscheidung auf Grund der spezifischen Seroreaktion, die im Kapitel

III besprochen wurde. -- Zur Feststellung des typhösen Charakters

eines verdächtigen Krankheitsfalles wird neuerdings als einfachstes

Mittel der Nachweis der Typhusbazillen im Blute herangezogen. Einige

Kubikzentimeter des einer Armvene entnommenen Blutes werden mit Agar

vermischt zu Plattenkulturen verarbeitet. Schon vor Ablauf eines

Tages entwickeln sich dann bei Brüttemperatur nahezu regelmäßig große

Kolonien des Typhusbazillus mit sehr charakteristischen Eigenschaften,

-- vorausgesetzt, daß man es mit einem Falle von echtem Typhus zu tun

hatte.

[Illustration: Abb. 25.

Die krankheiterregenden Bakterien Entstehung, Heilung und Bekämpfung der bakteriellen Infektionskrankheiten des Menschen · 第 21 / 33 题