Doppelschälchen (Petrische Schale) zur Plattenkulturmethode.]

_Robert Koch_ verdankt die Bakteriologie auch in dieser Hinsicht den

entscheidenden Fortschritt durch die Einführung einer einfachen,

aber höchst sinnreichen und zuverlässigen Methode. Nehmen wir an,

in ein steriles Fleischbrüheröhrchen gelangen durch Impfung mit

bakterienhaltigem Material auch nur zwei Keime verschiedener Art,

so werden sich beide vermehren, und ihre Abkömmlinge müssen in der

Flüssigkeit durcheinander geraten, indem sie teils dem Gesetze der

Schwere folgend nach dem Boden sinken, teils bei Erschütterungen des

Röhrchens durcheinander geschüttelt werden, teils auch indem sie

infolge eigener selbständiger Bewegungen hierhin und dorthin gelangen;

denn manche Bakterien sind, wie wir noch erörtern werden, beweglich. --

Diese Vermischung der verschiedenen Keime wird aber vermieden werden

können, wenn man die zur Aussaat benutzten Bakterien irgendwie zwingt,

sich ausschließlich an _der_ Stelle zu vermehren, an der sie bei

Beginn des Verfahrens lagen. Das erreichte _Koch_ durch Zusatz von 10%

Gelatine zu der Kulturbouillon; er erhielt dadurch einen Nährboden, der

bei leichter Erwärmung -- etwa auf Körpertemperatur -- flüssig ist, bei

etwa 22° aber erstarrt. Impft man den erwärmten und in diesem Zustand

flüssigen Nährboden mit einer ganz kleinen Menge bakterienhaltigen

Materials, und breitet man ihn nun durch Ausgießen auf einer Glasplatte

oder in einer flachen Schale (vgl. Abb. 3) in dünner Schicht aus,

so daß die Flüssigkeit (bei geeigneter Temperatur) bald erstarrt,

so bleiben die einzelnen Keime an der Stelle liegen, wo sie sich im

Moment des Erstarrens gerade befanden. Wenn die nötigen Bedingungen

zu ihrer Vermehrung erfüllt sind, werden sich aus jedem Keim nun an

der ihm angewiesenen Stelle zahllose Abkömmlinge der gleichen Art

entwickeln; so entstehen auf und in der Gelatineplatte sogenannte

»Kolonien«, die aus unzähligen Spaltpilzen der gleichen Art gebildet

sind. Es ist leicht einzusehen, daß man bei geeigneter Übertragung

einer kleinen Menge Materials von einer solchen »isolierten« Kolonie in

ein Bouillonröhrchen nunmehr wieder nur Entwicklung der Bakterien einer

einzigen Art, also eine Reinkultur erhalten wird, obwohl zur Aussaat in

dieser ganz »kleinen Menge« schon Tausende von Spaltpilzen gelangten.

Während wir den einzelnen Spaltpilz nur mit Hilfe der besten

Vergrößerungsinstrumente sehen können, sind »Kolonien«, die aus vielen

Tausenden von Individuen bestehen, mit bloßem Auge wahrnehmbar, ja sie

erreichen oft ganz beträchtlichen Umfang, etwa die Größe einer Linse,

ja noch erheblichere Maße. Ebenso wie die Individuen einer Bakterienart

sind nun auch deren Kolonien durch charakteristische Gestaltmerkmale

abgezeichnet, die der geübte Beobachter mit bloßem Auge oder mit Hilfe

schwacher Vergrößerungen erkennen kann (vgl. unten die Abb. 16 und 26).

Allgemeiner Teil.

Kapitel I.

Die wichtigsten Methoden der modernen Bakterienbeobachtung.

Mikroskopische Beobachtung lebender Spaltpilze; ihre Gestalt,

Größe, Beweglichkeit. -- Gefärbte Ausstrichpräparate;

elektive Färbungen. -- Die Sporenbildung und die

Sterilisierungsmethoden. -- Mannigfaltige Wachstumsbedingungen

der verschiedenen Spaltpilzarten. -- Ansprüche an Temperatur,

Sauerstoff, Reaktion und besondere Zusammensetzung der

Nährböden. -- Das Tierexperiment als Mittel bakteriologischer

Forschung.

Man kann den Beginn der modernen Ära der Bakteriologie geradezu

von der Einführung der »Plattenmethode« durch _Robert Koch_

datieren. Denn dieses Verfahren ermöglichte es weiten Kreisen der

Naturforscher, Bakterienarten zu isolieren, jede einzelne von ihnen

genau mikroskopisch zu untersuchen und auch ihre Lebensbedingungen und

Lebensäußerungen zu studieren. Je nach dem einzelnen Falle geschieht

dieses Studium mit immer wechselnden, immer neuen und im Laufe der Zeit

immer mehr verfeinerten Methoden, von deren wichtigsten wir uns ein

Bild verschaffen müssen, um die Forschungsergebnisse der medizinischen

Bakteriologie verstehen zu können.

Haben wir isolierte Kolonien von einer Bakterienart gewonnen, so

untersuchen wir sie zunächst mit Hilfe des Mikroskops auf alle

diejenigen Eigenschaften hin, die wir durch unmittelbare Beobachtung

erkennen können. Wir verteilen zu diesem Zweck eine Spur von dem

weichen feuchten Material einer über die Oberfläche des Nährbodens

sich emporwölbenden Kolonie mit Hilfe eines Platindrahtes in einem

Wassertröpfchen, das wir zuvor auf die Mitte eines sehr dünnen

quadratischen Glasplättchens von etwa 18 ~mm~ Seitenlänge -- eines

»Deckgläschens« -- gebracht haben. Dann legen wir dieses Deckgläschen,

so wie die Abbildung 4 es zeigt, umgekehrt in der Weise über die

Aushöhlung eines zweiten stärkeren und etwas größeren Glasplättchens,

eines »hohlgeschliffenen Objektträgers«, daß das Tröpfchen in dessen

Aushöhlung frei hineinragt. Rings um die Aushöhlung haben wir vorher

ein wenig Vaseline verteilt, so daß das Deckgläschen etwas fester

haftet, während gleichzeitig der kleine Hohlraum, in dem sich das

Tröpfchen nunmehr befindet, abgeschlossen ist, wodurch eine rasche

Verdunstung des Wassers verhütet wird.

[Illustration: Abb. 4.

Die krankheiterregenden Bakterien Entstehung, Heilung und Bekämpfung der bakteriellen Infektionskrankheiten des Menschen · 第 14 / 33 题