Im Spätsommer des nächsten Jahres (1806) standen bereits die großen
Wetter über Thron und Land; am 14. Oktober wurde das alte Preußen
begraben; der folgende Tag war der Geburtstag des Kronprinzen -- keinen
unglücklicheren hat er erlebt. Der Hof ging nach Königsberg; erst im
Jahre 1809 kehrte das durch Jahre der Prüfung gegangene Königspaar nach
Berlin zurück.
Der Winter verging, der schöne Frühling des Jahres 1810 kam; die
Königin empfand eine tiefe Sehnsucht, ihr geliebtes Paretz wieder zu
sehen. Wir finden darüber folgendes: „Am 20. Mai fuhr sie allein mit
ihrem Gemahl dorthin -- es sollte nach Gottes Ratschluß das letztemal
sein! Erinnerungsvoll begrüßten sie die alten, traulichen Stätten, die
sie so oft in glücklichen Tagen mit Freud und Wonne gesehen; nicht
trennen konnte und wollte sie sich von jener Anhöhe im Park, die das
Rohrhaus trägt, und die an jenem Tage eine weite Fernsicht über den
mit schwellenden Segeln und zahllosen Schwänen belebten Havelstrom
mit seinen Buchten und Seen, sowie auf die im schönsten Maiengrün
prangenden Wiesen und Äcker bot. Zu ihren Füßen lag das friedsame
Paretz, im Grün der Bäume halb versteckt die Kirche. Die Sonne neigte
sich; tiefer und länger dehnten sich die Schatten über die Landschaft
und mahnten zum Aufbruch. Aber die Königin wollte so lange als
möglich an diesem ihrem Lieblingsorte verbleiben; sie wartete bis zum
Niedergang der Sonne und sprach dann vor sich hin:
„Die Sonne eines Tages geht dahin:
Wer weiß
Wie bald die Sonne unsres Lebens scheidet.“
Auf den Wunsch der Königin, den Wagen nicht an dem entfernter liegenden
Schlosse, sondern hier an der Landstraße besteigen zu dürfen, wodurch
der Aufenthalt verlängert wurde, war das Gefährt beim Rohrhause
angelangt. Die Königin schritt am Arm ihres Gemahls den kurzen Gang zu
Füßen der Anhöhe hinab und durch die Parktür nach der Landstraße.“ Das
war am 20. Mai. Am 19. Juli starb sie.
Unvergeßlich blieb dem Könige die Stätte, unvergeßlich das Wort, das
sie hier gesprochen. Er besuchte oft diese Stelle, doch stets allein,
ohne jede Begleitung. Zum Andenken ließ er hier, wo sie den Park
verlassen und den Wagen bestiegen, wo ihr Fuß zum letztenmal die Erde
von Paretz berührt hatte, eine gußeiserne gotische Pforte aufstellen.
Diese Pforte, wie es für solchen Platz sich ziemt, entzieht sich fast
dem Auge. Abgelegen an sich, an dunkelster Stelle des Parks, birgt sich
das Gittertor in dichtem Akaziengebüsch; nur der Spitzbogen ragt in die
Helle auf und trägt ein ~L.~ und die Inschrift: „den 20. Mai 1810“.