3) Das _Hohlspiegelbild_ auf Rauch und Qualm.

4) _Bloße Benebelung_ und Einwirkung auf die Imagination, so daß man

Dinge sieht, die gar nicht da sind.

Über diese letzte Art des Verfahrens, die die unglaublichste scheint

und, richtig gehandhabt, doch vielleicht die sicherste war, entnehmen

wir zeitgenössischen Memoiren das Folgende:

Friedrich II. erfuhr, daß in Halle ein Professor sei, der Geister

zitieren könne. Der König ließ ihn kommen. Der Betreffende erschien

auch, lehnte es aber ab, Geister erscheinen zu lassen, erklärte

vielmehr dem Könige ganz einfach, wie er dabei zu operieren pflegte.

Er sagte: „Ich benutze dazu ein Räucherwerk. Dies Räucherwerk hat zwei

Eigenschaften: 1) den ‚Patienten‘ in einen Halbschlaf zu versetzen,

welcher _leicht_ genug ist, ihn alles verstehen zu lassen, was man ihm

sagt, und _tief_ genug, ihn am Nachdenken zu verhindern; 2) ihm das

Gehirn dergestalt zu erhitzen, daß seine Einbildungskraft ihm lebhaft

das _Bild_ der Worte, die er hört, abmalt. Er ist in dem Zustande eines

Menschen, der nach den leichten Eindrücken, die er im Schlaf empfängt,

einen Traum zusammensetzt. Nachdem ich in der Unterredung mit meinem

Neugierigen möglichst viele Einzelheiten über die Person, die ihm

erscheinen soll, kennen gelernt und ihn nach der Form und den Kleidern

gefragt habe, in denen er die zu zitierende Person sehen will, lasse

ich ihn in das dunkle, mit dem Dunst des Räucherwerks angefüllte Zimmer

treten. Dann -- nach einiger Zeit -- spreche ich zu ihm: ‚Sie sehen

den und den, so und so gestaltet und gekleidet,‘ worauf sich sofort

seiner erregten Phantasie die Gestalt abmalt. Hierauf frage ich ihn

mit rauher Stimme: „Was willst Du?“ Er ist überzeugt, daß der Geist zu

ihm spricht; er antwortet. Ich erwidere; und wenn er Mut hat, so setzt

sich die Unterredung fort und schließt mit einer Ohnmacht. Diese letzte

Wirkung des Räucherwerks wirft einen mysteriösen Schleier über das, was

er zu sehen und zu hören geglaubt hat und verwischt die kleinen Mängel,

deren er sich etwa erinnern könnte.“ --

So weit die Enthüllungen des Professors.

Das _dritte_ Verfahren: „Das Hohlspiegelbild auf einer Rauchsäule“

wurde, wenn den betreffenden Überlieferungen Glauben zu schenken ist,

vorzugsweise durch Johann Georg _Schrepfer_ geübt. Dieser in seiner Art

merkwürdige Mann bildete die Inkarnation jenes Lug- und Trug-Systems,

jener Geheimbündelei, die unter großen rätselvollen Phrasen das

Wundertun, die Geisterzitation, den Rapport mit der geistigen Welt in

den Vordergrund stellte und ohne sich viel mit fortschrittlichen oder

rückschrittlichen Ideen aufzuhalten, von der Leichtgläubigkeit der

Menschen lebte. In der Kürze haben wir Schrepfers schon bei _Marquardt_

erwähnt. Wir müssen auch hier wiederholen, daß er höchst wahrscheinlich

nicht _bloß_ ein Betrüger war, sondern durch Lesen mystischer und

alchymistischer Schriften, dazu durch eigene Eitelkeit und fremde

Huldigungen, schließlich ohne geradezu wahnsinnig zu sein, in einen

verworrenen Geisteszustand geraten war, der ihn in der Tat an sich

_glauben_ machte und ihn namentlich _alles_ für _möglich halten_ ließ.

Es ist nicht absolut unwahrscheinlich, daß er wirklich dachte, ein

Paket Papierschnitzel werde sich ihm zu Liebe über Nacht in vollgültige

Banknoten verwandeln. Wir geben eine kurze Lebensskizze dieses

Mannes, dessen Leben und Tod charakteristisch ist für eine spezielle

Krankheits-Erscheinung jener Zeit.

Johann Georg Schrepfer, 1730 geboren, war anfangs Kellner in einem

Leipziger Gasthause (nach andern Husar) und war unter die dienenden

Brüder einer dortigen Freimaurerloge aufgenommen worden. Später hatte

er eine Frau mit einigem Vermögen geheiratet und hielt seitdem eine

eigene Schenkwirtschaft in der Klostergasse. Anfangs der siebziger

Jahre, vielleicht schon etwas früher, begann er auszusprengen, daß er

die Gabe der _Geisterbeschwörung_ habe. Sein Anhang wuchs, darunter

Personen von hoher gesellschaftlicher Stellung. Der Herzog von Kurland,

Herzog Ferdinand von Braunschweig, die Minister Graf Hohenthal und

von Wurmb, der Kammerherr von Heynitz, Oberst von Fröden, der Geheime

Kriegsrat von Hopfgarten und der Kammerherr von Bischofswerder

pflogen Umgang mit ihm und besuchten ihn in seiner Wohnung, im Hotel

de Pologne. Daß er, mit Hilfe des nach ihm genannten Schrepferschen

Apparats, wirklich schemenhafte Gestalten erscheinen ließ, ist gewiß,

noch gewisser, daß er in beständigen Geldverlegenheiten war und die

reicheren der vorher genannten Herren benutzte, um auf ihre Kosten zu

leben. _Sie_ mußten Geld geben, auf daß der Schatz gehoben werden könne.

Vielleicht daß ihr Vertrauen oder ihre Geduld eher erschöpft worden

wäre, wenn er es nicht verstanden hätte, zum Teil auf gefälschte

Empfehlungen hin, mit den hervorragendsten Häuptern anderer geheimer

Gesellschaften sich in Verbindung zu setzen, was ihm dann in seiner

nächsten Umgebung immer aufs neue einen Nimbus lieh. Aus dieser

Ordens-Geheim-Korrespondenz, die er nach den verschiedensten Seiten

hin führte, ist ein Briefwechsel zwischen ihm und dem Professor der

Theologie ~Dr.~ _Stark_ in Königsberg, später General-Superintendent

in einem der thüringischen Staaten, aufbewahrt worden, der merkwürdige

Einblicke gönnt.

~Dr.~ Stark, ein Theologe von gründlichster Bildung, eröffnete die

Korrespondenz und schrieb unterm 30. Juni 1773 aus Königsberg: „Mein

sehr werther Freund und Bruder. Nach dem Wenigen, was mir von Ihnen

bekannt geworden ist, müßte mich mein Geist sehr trügen, und die

Siegel, die unser Orden seinen Geweihten aufgedrückt hat, verwischt

sein: oder ich muß in Ihnen einen Mann finden, der _Eines Ursprungs

mit mir_ ist und mit mir zu _Einem Zwecke_ geht. _Und deren sind

nicht viele unter den Maurern._ Trüge ich mich, so falle Nacht und

Finsterniß auf das, was ich sagen werde. Sind Sie es aber, so grüße

ich Sie in der heiligen Zahl von Drei, Sieben und Zehn und durch die

sieben Geister Gottes.

Sind Sie tiefer als ich ins _Heiligthum_ geführet, so nehmen Sie mich

als einen lehrbegierigen Schüler an.... Sonst lassen Sie uns Beide auf

dem vor der Welt und so viel Tausend Maurern _verdeckten_ Wege gehen.

Die wahre Weisheit liebt das Verborgene. Nur in der Dunkelheit ist das

unzerstörliche Licht. Ich kenne, mein Bruder, _Florenz_.... Sie können

zu mir reden.... An einem grünen Flecken im rothen Lack des Wappens

können Sie es erkennen, daß mein Brief nicht geöffnet gewesen.

Aber lassen Sie mich noch eine Bitte thun: _Zerstören Sie noch nicht

eine Art von Maurerei in Deutschland, unter deren Maske Brüder

verborgen liegen_, die diesen Brüdern selbst unbekannt sind, die Sie

aber gewiß schätzen und lieben würden, wenn Sie sie näher kennen

sollten. Unsere Macht und Gewalt ist lieblich, ein Feuer, das nähret

und nicht zerstöret.

Ihr aufrichtiger Freund und Bruder

der ‚Verfasser der Apologie‘ (Stark).“

Hierauf antwortete Schrepfer, der, bei aller Begabung, den Cafetier

doch nie verleugnen konnte, unterm 29. Juli folgenden Bombast: „Mein

werther Freund und Bruder. Dero an mich abgelassenes Schreiben habe

richtig zu erhalten die Ehre gehabt. Der große Baumeister der Gottheit

der Allmacht gehe vor uns über mit seiner Gnade! So thue ich denn als

Schotte der Erkenntniß und Gewalt aus Schottland in den _Thurm_ den

ersten Schritt, denselben die Wahrheit zu melden. Zerbrechen Sie Ihr †

aus Florenz, lernen Sie dafür erkennen 5. 7., daß ich wirklich bin ~S.

W. O. V.~

Ist Wismar nicht sträflich, daß sie auf mein wiederholtes

freundschaftliches Betragen nicht mehr Aufmerksamkeit bezeiget?

Was ich vor jetzt schreibe, schreibe ich auf Ihre Pflicht. Ziehen

Sie Ihre Schuhe aus, denn der Ort der wahren ~ME~ ist heilig für den

Busch. Fünf starben, der sechste ging in Feuer über, stehet die Säule

so (unleserliches Wort) im Morgen, die 7 Siegel thun sich auf, und

erkennen die Wahrheit der Gottheit. Verflucht sei, der den Namen

seines Gottes mißbraucht! Der Herr ist heilig und gerecht. Mein Bruder,

wenn Sie wirklich der sind, der die 11 in der Wahrheit kennet, da doch

durch 12 gerichtet wird, warum kennen Sie nicht ~S. W.~? War England

nicht gerecht, ließ es Ihnen nicht Ihre Freiheit; warum suchten Sie

aber von dem einen Wege in den andern zu fallen? Sind nicht Warnungen

genug an die strikte Observanz ergangen? Wenn ich meine Brüder bei der

Vernunft überführe und selbigen die Unsterblichkeit der Seele beweise,

so folge ich den wahren Pflichten ~B. I. I.~ Soll Gewalt dem Schwachen

weichen, wenn der Schwache nur Bosheit in seiner Seele besitzt, wurde

das Schwert nicht eingesteckt, da es schon gesiegt hatte?

Glauben Sie, mein Bruder, wenn ich gleich nach Dresden gegangen, so

wäre jetzo Alles ruhig und zufrieden; aber Leipzig, da wo nur Tugend

und Wissenschaften blühen sollen, ist eine in Schleier gehüllte

Buhlerin. Kennen Sie wirklich die Off. ~I.~?

Ich kenne Purpur ganz roth, das innerste der _Sonne gelb_, _blau_,

_heilig_ und _gerecht_, unter dem _Namen des Lammes_. ~I. V. N. D. I.

K.~

Um mich noch mehr zu erklären, erwarte Dero Antwort, und empfehle Sie

dem Schutz des Unerschaffenen.

N. S. Mein Bruder. Sie haben es mit E--land und Sch--land richtig

getroffen; nur den Sitz des Thurmes haben Sie mir nicht gemeldet.

Erhalte ich einen Brief von Ihrer Hand und Namen, so thue mir der Herr

dies und das, so ich ihn nicht unter meiner eigenen Hand beantworten

will.

Nehmen Sie den Spiegel und sehen nach dem Licht. Wenn der Blitz fähret,

so blendet er, aber dem Weisen ist er klar wie tausend Jahr.

Joh. Geo. Sch--r,

S. d. E. u. G.“

(Schotte der Erkenntniß und Gewalt.)

Daß ein Mann wie Stark durch solchen mit Effronterie vorgetragenen

Gallimathias geblendet werden konnte, ist nicht anzunehmen, auch

kam die Korrespondenz über diesen einmaligen Briefaustausch nicht

hinaus. Aber Schrepfer hatte doch das eine Gute davon, daß er auf das

Handschreiben eines, in besonderem Ordens-Ansehen stehenden, die

höchsten Ordens-Ehren in sich vereinigenden Mannes hinweisen konnte.

Und das genügte ihm. Er suchte neue Mittel nach, „um den Schatz zu

heben,“ und Leipzig, das er so undankbar als „Buhlerin“ bezeichnete,

gewährte sie immer aufs neue.

Endlich indes, so scheint es, war die Geduld erschöpft, die

„Erscheinungen“ kamen, während der _Schatz_ beharrlich ausblieb und

Schrepfer empfand zuletzt, daß seine Situation unhaltbar geworden sei.

Aber wenigstens mit einem Knalleffekt wollte er scheiden.

An einem der letzten Meßtage, am 7. Oktober 1774, lud er Bischofswerder

und Hopfgarten, nebst noch zwei anderen, zum Abendessen ein. Als sie

beisammen waren, sagte er: „Diese Nacht legen wir uns nicht zu Bett,

denn morgen mit dem Frühesten, noch vor Sonnenaufgang, sollen Sie

ein ganz neues Schauspiel zu sehen bekommen. Bis jetzt hab ich Ihnen

Verstorbene gezeigt, die ins Leben zurückgerufen wurden; morgen aber

sollen Sie einen Lebenden sehen, den Sie für tot halten werden.“ Nach

diesen Worten legte er sich aufs Sofa und schlief fest. Als der Tag

anbrach, stand er auf mit den Worten: „Nun, meine Herren, ist es Zeit,

daß wir gehen“ und alle begaben sich nach dem Rosenthal. Schrepfer,

der auf dem Wege die vollkommenste Gemütsruhe zeigte, wies seinen

Begleitern, als sie an einer bestimmten Stelle angelangt waren, ihre

Plätze an, indem er zu ihnen sagte: „Rühren Sie sich nicht von der

Stelle, bis ich Sie rufen werde; ich gehe jetzt in dieses Gebüsch, wo

Sie bald eine _wunderbare Erscheinung_ sehen sollen“. Er entfernte sich

und bald darauf fiel ein Schuß; im Dickicht fanden die Herren ihren

Propheten tot. Er hatte sich mit einem Taschenpistol erschossen.

* * * * *

So viel über Schrepfer, in dem sich die Lug- und Trug-Geheimbündelei,

die ideenlose und karikierte Entartung des Ordenswesens verkörperte.

Wir haben in den kurzen Lebensabriß, den wir von ihm gegeben, den

Briefwechsel zwischen ihm und ~Dr.~ Stark mit besonderem Vorbedacht

eingeschoben, um einen Gegensatz und dadurch zugleich einen Übergang zu

schaffen zu jenen _ernsteren_ Bestrebungen, die, wie befangen auch in

Menschlichkeiten, doch ein _Prinzip_ vertraten und zugleich jene Sache

_selbst_ waren, von der Schrepfer nur die Karikatur bildete.

Von diesen _ernsteren_ Bestrebungen in dem folgenden Kapitel.

[37] Der betreffende Brief gibt sich das Ansehen, als sei er aus _Wien_

datiert und als habe die ganze Szene auf einem Landgut in der Nähe

Wiens gespielt. Wer aber je in Marquardt war, und den dortigen Park,

den See, die Grotte, das Schloß und seinen tiefen Doppelkeller kennen

gelernt hat, dem wird sichs zunächst aufdrängen, daß hier durchaus

Marquardt gemeint sein müsse. Es ist aber trotz alledem _nicht_

der Fall, _kann_ nicht sein, da Marquardt erst 1795 in die Hände

Bischofswerders kam.

2.

Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil Havelland · 第 110 / 149 题