Der Königswall

Von der Mitte der Brücke aus hat man ein ansprechendes Bild in die

genannten drei Wasserflächen und die zwischenliegende Landschaft hinein.

Nach rechts hin, wo die Krampnitz und der Jungfern-See ein Eck

bilden, zieht sich dammartig ein Erdwerk zwischen Wald und Wasser.

Dieses Erdwerk ist der _Königswall_, im Munde des Volks, wie all

dergleichen primitive Festungswerke, die Römer- oder Räuber- oder

Schweden-Schanze geheißen. Ausdrücke, die historisch gar keinen Anhalt

geben. Die Bezeichnung „Königswall“ ist übrigens kaum besser. Drei

Seiten der Umwallung, welche sich zwanzig Fuß vom Boden erheben, sind

mit geräumigen Eingängen versehen, von denen zwei dem Wasser, der

dritte dem Lande zugewandt liegen. Die vierte Seite des Walles --

wahrscheinlich eine von der Natur gebildete Hügelwand -- fällt aus

einer Höhe von mindestens fünfzig Fuß steil zum Seeufer ab, und scheint

auch darum keinen Zugang zu haben. Die ganze Umwallung, soweit sie

künstlich ist, mißt siebenhundert Schritt, und muß viel Hände und viel

Zeit erfordert haben. Es ist wohl unzweifelhaft ein alter Kamp, ein

wendischer Lager- oder Verteidigungsplatz aus jenem Jahrhundert her,

wo sich Christen- und Heidentum hier bekämpften. Die Deutschen hatten

das Westhavelland inne; hier in dem Waldterrain des Osthavellandes, auf

der „Insel Potsdam“, von allen Seiten her durch Fluß und See und Sumpf

geschützt, saßen noch die Wenden. Hier hatten sie ihre letzten Stätten,

ihre ausgedehntesten Begräbnisplätze; einzelne Striche sind mit Waffen

und Totenurnen wie besäet.

Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil Havelland · 第 79 / 149 题