In Höhe von Nedlitz geben sich an einer Schmalung drei Seen ein
Rendezvous; die Krampnitz, der Fahrlandsche und der Jungfern-See
treffen an einer Schmalung zusammen und ein viaduktartiger Bau, mit
Brückentoren und Brückenhaus, führt von einem Ufer zum andern.
Ein so stattliches Bild präsentierte sich hier nicht immer. Dies
war vordem die bescheidene Wirkungsstätte der _Nedlitzer Fähre_.
Jahrhundertelang fuhr hier ein schlichter Kahn über die Schmalung, erst
von Vater und Sohn, dann vom Enkel und zuletzt vom Ur-Urenkel geführt.
Immer desselben Namens. Die Nedlitzer Fährstelle war eine Erbstelle
geworden. Schon im vorigen Säkulo war die Familie so angesehen, daß
sich ihre Töchter nach Sanssouci hin mit Hofgärtnern und Hofbauräten
vermählten. Die Fähr-Müllers von Nedlitz waren reiche Leute; in
Bornstädt hatten sie ein Erbbegräbnis, das größte was der Kirchhof bis
diese Stunde noch aufzuweisen hat.
Die Fähre ist nicht mehr. An ihre Stelle ist die imposante Bogenbrücke
getreten; aber noch im Ausscheiden aus ihrer alten dynastischen
Herrlichkeit hielt das Glück bei den Müllers aus. Die Ablösungssumme
entsprach nicht nur der Fähr-Einnahme, die sie aufgaben, sondern
vielmehr noch der historischen Macht, die sie niederlegten. An das Haus
Müller kamen liegende Gründe, Geld, zuletzt auch der Brückenpalast,
der auf ihrem alten Territorium wie als Wahrzeichen ihrer früheren
Herrlichkeit, ihnen errichtet worden ist. Selten wohl hat eine
Fährstelle im Leben und Sterben so gute Tage gesehen.