1.
_Die Pfaueninsel_ bis 1685
Pfaueninsel! Wie ein Märchen steigt ein Bild aus meinen Kindertagen vor
mir auf: ein Schloß, Palmen und Känguruhs; Papageien kreischen; Pfauen
sitzen auf hoher Stange oder schlagen ein Rad, Volieren, Springbrunnen,
überschattete Wiesen; Schlängelpfade, die überall hin führen und
nirgends; ein rätselvolles Eiland, eine Oase, ein Blumenteppich
inmitten der Mark.
Aber so war es nicht immer hier. All das zählt erst nach Jahrzehnten
und noch zu Ende der neunziger Jahre war diese Havelinsel eine bloße
romantische Wildnis, die sich aus Eichen, Unterholz und allerhand
Schlinggewächs zusammensetzte. An manchen Stellen urwaldartig,
undurchdringlich. Um das ganze zweitausend Schritt lange und über
fünfhundert Schritt breite Eiland zog sich ein Gürtel von Uferschilf,
darin wildes Geflügel zu tausenden nistete. Dann und wann, wenn im
Grunewald die Jagd tobte, schwamm ein geängsteter Hirsch über die
Schmalung an der Südwestspitze und suchte Schutz bei der Einsamkeit der
Insel.
So war es unter den Joachims, auch noch unter dem Großen Kurfürsten.
Wer nicht ein Jäger war, oder das Schilf am Ufer schnitt, der wußte
kaum von einer solchen Insel im Havelstrom, die durch alle Jahrhunderte
hin namenlos geblieben war.
Erst 1683, also während der letzten Jahre des Großen Kurfürsten, trat
die namenlose Insel, die inzwischen ein „Kaninchengehege“ empfangen
hatte, als _Kaninchenwerder_ in die Geschichte ein, freilich ohne
dadurch irgend etwas anders als einen Namen gewonnen zu haben.
Das Eiland blieb vielmehr bis zu der eingangs erwähnten Zeit eine
absolute Wildnis, an deren Bestand auch ein der Kaninchenherrschaft
unmittelbar folgendes Prospero-Zwischenspiel nicht das geringste zu
ändern vermochte. Im Gegenteil, zu dem Wilden gesellte sich noch das
Grusliche, ohne daß von einem Caliban berichtet wird.
Der Prospero war _Johann Kunckel_, der Alchimist. Er erhielt die Insel
1685 aus der Hand des Kurfürsten. Bei diesem Zeitabschnitt verweilen
wir zunächst.
2.
_Die Pfaueninsel von_ 1685 bis 1692