Wann Burg Bötzow gegründet wurde, ist nicht genau ersichtlich,
wahrscheinlich zwischen 1170 und 1200 von einem der unmittelbaren
Nachfolger Albrechts des Bären. 1217 ist urkundlich von einer
_Feldmark_ zu Bötzow die Rede, aber freilich erst 1288 von einer _Burg_
zu Bötzow. Nichtsdestoweniger ist der Schluß berechtigt, daß sie schon
volle hundert Jahre früher existierte. Öfter genannt wird die Burg zu
den Zeiten des Markgrafen _Waldemar_; Leben und Farbe jedoch erhalten
die Überlieferungen erst zu Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts während
der _Quitzow_-Zeit.
Versuch ich es, in kurzen Zügen ein Bild jener Epoche zu geben?
1402 war Bötzow eine markgräfliche oder kurfürstliche Burg, die
durch einen Burgvogt im Namen des Markgrafen Jobst von Mähren, oder
vielleicht auch seines Statthalters, Günther von Schwarzburg,
gehalten wurde. Das Elend des Landes stand damals auf seiner Höhe;
wie ein hingeworfener Fetzen lag es da, von dem jeder Nachbar, ja
jeder ehrgeizige Vasall im Lande selbst, glaubte nehmen zu dürfen,
was ihm gut erschien. Sie hatten es samt und sonders leicht genug;
um aber noch sicherer und bequemer zu gehen, vereinigten sie sich zu
gemeinschaftlichen Angriffen, nachdem die Verteilung der Beute zuvor
festgesetzt worden war. Im genannten Jahre (1402) kam es zu einer
Art von nordischem Bündnis gegen die offen daliegende Mark, zu einer
Ligue, die aus den Herzögen von Mecklenburg und Pommern, so wie aus
den Ruppinschen Grafen bestand, deren Seele jedoch die Quitzows waren.
Die letzteren, wiewohl selber Lehnsträger des Markgrafen, verfolgten,
_politisch_ genommen, den richtigen und gut zu heißenden Plan, sich
in dem immer herrenloser werdenden Lande schließlich selber zum Herrn
zu machen, und die Bündnisse, die sie schlossen, dienten ihnen nur
als Mittel zum Zweck. Die Völker dieser Ligue fielen endlich in die
Mark ein, sengten und plünderten, wohin sie kamen, erstürmten Burg
Bötzow und legten an Stelle der märkischen nunmehr eine _pommersche_
Besatzung in die Burg. Die Mark, nachdem die kurfürstliche Autorität
durch diese Vorgänge, besonders aber infolge der Gefangennahme des
Statthalters Günther von Schwarzburg (durch die Quitzows 1404) einen
Schlag nach dem andern erfahren hatte, suchte endlich eine Aussöhnung
mit ihren gefährlichsten Gegnern, den Quitzows, herbeizuführen und war
in ihren Verhandlungen -- vielleicht eben deshalb, weil die beiden
Brüder ein eben so feines wie kühnes Spiel spielten -- glücklich genug,
diese selbst und ihren nächsten Anhang auf ihre Seite zu ziehen. Burg
Bötzow wurde nun abermals gestürmt, diesmal von den _Märkern_, und die
gefangenen Pommern im Triumph nach Berlin geführt. Eine _Quitzow_sche
Besatzung, aber keine kurfürstliche, ward in die Burg gelegt.
Von da ab, auf fast zehn Jahre hin, blieb Bötzow eine Quitzowsche
Burg, bis zum endlichen Untergang der Familie. In dieser Zeit wird die
Burg vielfach genannt. Nach Burg Bötzow war es, wohin die Quitzows
den Herzog Johann von Mecklenburg-Stargard (1407) als Gefangenen
abführten, nachdem er zuvor in ihrer Burg Plaue gesessen hatte.
In denselben Turm setzten sie vierzehn Monate später den Berliner
Ratsherrn Nikolaus Wins, den sie, mit andern Berliner Bürgern, bei der
_Tegeler Mühle_ (3. September 1410) geschlagen hatten, und noch 1414,
als der Stern des Hauses bereits im Niedergange stand, geschah es,
daß ihr Hauptmann, Werner von Holzendorff, dem sie die Verteidigung
der Burg anvertraut hatten, den Boten Kurfürst Friedrichs I., der die
Aufforderung zur Übergabe brachte, in den Turm werfen und mit Ruten
streichen ließ. Aber das war das letzte Aufflackern und das kecke,
kriegerische Leben ging seinem Ende rasch entgegen. Klugheit und
Politik traten an die Stelle der Sturmleitern, und ohne Schwertstreich
hielten alsbald die Hohenzollern ihren Einzug. An die Zeit der
Quitzows aber erinnert der „Quitzen-Steig“, der bei dem nahe gelegenen
Havelhausen vorüberführt.
Von da ab ist die Geschichte Burg Bötzows stumm. Verpfändungen und
Einlösungen folgten einander, bis endlich um 1550 die Burg selbst
verschwindet und ein, „Jagdhaus“ an seine Stelle tritt. Aber auch über
diesem Jagdhaus liegen Dunkel und Schweigen. Wir irren wohl nicht,
wenn wir uns einen Bau mit Ecktürmen und gotischem Dache denken.[19] Im
übrigen ist kein Bild des alten kurfürstlichen Hauses auf uns gekommen,
noch weniger ein Bericht von Vorgängen innerhalb seiner Mauern.
Kurfürst Joachim gab den Spreeforsten den Vorzug und das Jagdhaus zu
Bötzow kam, dem Favorit-Jagdschloß zu Cöpenick gegenüber, nur noch
ausnahmsweise zu Ehren, wenn sich, zu dem Reize der Jagd überhaupt,
auch noch der der Abwechselung gesellen sollte. Burg und Jagdhaus
Bötzow sind spurlos verschwunden. Nur bei dem Umbau, dem, in jüngster
Zeit erst, Schloß Oranienburg unterworfen wurde, stieß man auf gewölbte
Feldstein-Fundamente, die zweifellos wohl der alten Zeit von Burg
Bötzow angehörten und bei weiterer Nachforschung (die sich leider nicht
ermöglichte) vielleicht einigen Aufschluß über die Vorgeschichte der
Burg gegeben haben würden.
[19] Dagegen spräche nur, daß es in der Lebensbeschreibung des berühmten
Grafen Rochus von Lynar heißt: „Zu gleicher Zeit (etwa 1578 oder 1580)
gab der Graf allerhand Verbesserungen an dem kurfürstlichen Schloß
oder Jagdhaus zu Bötzow an.“ Diese Verbesserungen waren schwerlich im
gotischen Stil.