im Parkgarten des Herrenhauses
Die Eibe
Schlägt an die Scheibe,
Ein Funkeln
Im Dunkeln.
Wie Götzenzeit, wie Heidentraum
Blickt ins Fenster der Eibenbaum.
Nicht voll so alt wie die Brieselang-Eiche, von der ich im letzten
Kapitel erzählt habe, aber doch auch ein alter, oder _sehr_ alter Baum
ist die _Eibe_, die in dem Parkgarten hinter dem Herrenhause steht. Von
ihr will ich, einschaltend, an dieser Stelle erzählen.
Der Stamm dieses Baumes, wie es _seiner_ Art[17] in den Marken keinen
zweiten gibt, ist etwa mannsdick, und die Spannung seiner fast den
Boden berührenden Zweige wird dreißig Fuß sein. Die Höhe beträgt wenig
mehr. Aus der Dicke des Stammes hat man das Alter des Baumes berechnet.
Man kennt Taxusbäume, die nachweisbar zweihundert bis dreihundert Jahre
alt sind; diese sind wesentlich kleiner und schwächer als der Baum,
von dem ich hier spreche. Man kennt ferner _einen_ Taxusbaum, (bei
Fürstenstein in Schlesien), der nachweisbar tausend Jahr alt ist, und
dieser _eine_ ist um ein gut Teil höher und stärker als der unsrige.
Dies läßt für diesen auf ein Alter von fünfhundert bis siebenhundert
Jahren schließen, und das wird wohl richtig sein.
Dieser unser Taxusbaum war vor einhundert und einhundertundzwanzig
Jahren eine Zierde unseres _Tiergartens_, der damals bis an die
Mauerstraße ging. Als später die Stadt in den Tiergarten hineinwuchs,
ließ man in den Gartenstücken der nach und nach entstehenden Häuser
einige der schönsten Bäume stehen, ganz in derselben Weise, wie man
auch heute noch verfahren ist, wo man die alten Elsen und Eichen
von „Kemperhof“ wenigstens teilweise den Villen und Gärten der
Viktoriastraße belassen hat.
Unser Taxusbaum, jahrhundertelang ein _Tiergarten_baum, wurde, ohne
daß er sich vom Fleck gerührt hätte, in der zweiten Hälfte des vorigen
Jahrhunderts ein _Garten_baum. Und noch etwa zwanzig Jahre später tritt
er aus seiner bis dahin dunklen Vergangenheit in die Geschichte ein.
Zu Anfang dieses Jahrhunderts gehörten Haus und Garten dem
General-Intendanten von der Recke, der öfters von den Königlichen
Kindern, zumal vom Kronprinzen, dem späteren König Friedrich Wilhelm
IV., Besuch empfing. Der Kronprinz liebte diesen von der Reckeschen
Garten ganz ungemein; es wurde ein bevorzugter Spielplatz von ihm, und
der alte Taxusbaum mußte herhalten zu seinen ersten Kletterkünsten.
Der Prinz vergaß das dem alten Eibenbaume nie. Wer überhaupt dankbar
ist, ist es gegen alles, Mensch oder Baum. Vielleicht regte sich
in dem phantastischen Gemüte des Knaben auch noch ein Anderes;
vielleicht sah er in dem schönen, fremdartigen Baume einen Fremdling,
der unter märkischen Kiefern Wurzel gefaßt; vielleicht war er mit
den Hohenzollern selbst ins Land gekommen, und es wob sich ein
geheimnisvolles Lebensband zwischen diesem Baum und seinem eignen
fränkischen Geschlecht. War es doch selbst an dieser Stelle erschienen,
wie eine hohe Tanne unter den Kiefern.
Das von der Reckesche Haus wurde verkauft (ich weiß nicht, wann) und
die Mendelssohns kauften es. Sie besaßen es erst kurze Zeit, da gab es
eine hohe Feier hier: die Freiwilligen zogen aus und ein Abschiedsfest
versammelte viele derselben in diesem Garten. Eine lange Tafel war
gedeckt und aus der Mitte der Tafel wuchs der alte Eibenbaum auf, wie
ein Weihnachtsbaum, ungeschmückt -- nur die _Hoffnung_ sah goldne
Früchte in seinem Grün.
Und diese Hoffnung hatte nicht gelogen. Der Friede kam, und die
heiteren Künste scharten sich jetzt um den Eibenbaum, der, ernst wie
immer, aber nicht unwirsch dreinschaute. Felix Mendelssohn, halb ein
Knabe noch, hörte unter seinem mondlichtdurchglitzerten Dach die Musik
tanzender Elfen.
Doch wieder andere Zeiten kamen. Vieles war begraben, Menschen und
Dinge; da zog sich auch über dem Eibenbaum ein ernstes Wetter zusammen.
Wer weiß, was geschehen wäre, wenn nicht des Eibenbaumes bester Freund
noch gelebt hätte. Der lenkte den Strahl ab.
1852 brannte die damals in der Oberwallstraße gelegene „Erste Kammer“
nieder; das Mendelssohnsche Haus, samt Garten und Eibenbaum, wurde
gekauft und das Preußische Oberhaus hielt seinen Einzug an neuer
Stelle. Niemand ahnte Böses. Da ergab es sich, daß die Räumlichkeiten
nicht ausreichten, und ein großes, neu zu errichtendes Hintergebäude
sollte den fehlenden Raum schaffen. Soweit war alles klipp und
klar, wenn nur der Eibenbaum nicht gewesen wäre. Der bereitete
Schwierigkeiten, der „beherrschte die Situation“. Einige, mutmaßlich
die Baumeister, wollten zwar kurzen Prozeß mit ihm machen und ihm
einfach den Kopf vor die Füße legen. Aber die hatten es sehr versehen.
Sie erfuhren bald zu ihrem Leidwesen, welch hohen Fürsprecher der Baum
an entscheidender Stelle hatte.
Was war zu tun? Der Baum stand just da, wo das neue Gebäude seinen
Platz finden sollte. 1851 in London hatte man über zwei alte
Hydeparkbäume die Kuppel des Glaspalastes ruhig weggeführt und die
Einweihungsfeier unter grünem Dach und zwitschernden Vögeln gehalten;
aber der alte Eibenbaum im Sitzungssaale des Herrenhauses, -- das ging
doch nicht. Man kam also auf die Idee einer _Verpflanzung_. Der König
bot Sanssouci, der Prinz von Preußen Babelsberg zu diesem Behufe an.
Wer wäre nicht bereit gewesen, dem Alten eine Stätte zu bereiten!
Konsultationen wurden abgehalten und die Frage aufgeworfen, „ob es
wohl ginge?“ Aber selbst die geschicktesten Operateure der Gartenkunst
mochten keine Garantie des Gelingens übernehmen. So wurde denn der Plan
einer „Verpflanzung im Großen“ aufgegeben und statt dessen die Idee
einer _Verschiebung_, einer Verpflanzung im kleinen aufgenommen. Man
wollte den Baum loslösen, den Garten abschrägen und nun den losgelösten
Baum, mit Hülfe der Schrägung, bis mitten in den Garten hineinschieben.
Aber auch diese Prozedur wurde, als zu bedenklich, ~ad acta~ gelegt
und endlich beschlossen, den Baum am alten Platze zu lassen. Da unser
Freund nicht in der Lage war, sich den Baumeistern zu bequemen, so
blieb diesen nichts übrig, als ihrerseits nachzugeben und die Mauern
des zu bauenden Hauses an dem Baume entlang zu ziehen. Man hat ihm
die Mauer empfindlich nahe gerückt, aber der Alte, über Ärger und
Verstimmung längst weg, reicht ruhig seine Zweige zum Fenster hinein.
Ein Gruß, keine Drohung.
Seine Erlebnisse indes, auch seine Gefährdungen während der Bauzeit,
sind hiermit noch nicht zu Ende erzählt. Während des Baues (so hatte
es der hohe Fürsprecher gewollt) war der Baum mit einem Brettergerüst
umkleidet worden, in dem er ziemlich geborgen stand, eine Art
Verschlag, der die hübsche Summe von dreihundert Talern gekostet hatte.
Der Freund in Sanssouci gab es gern für seinen Freund im Reckeschen
Garten. Der Verschlag war gut gemeint und tat auch seine Dienste. Aber
er tat sie doch nicht ganz. Mauerstaub und Berliner Staub dringen
überall hin und finden jeden feinsten Spalt aus, wie Luft und Licht.
Als endlich das Haus stand und mit dem Baugerüst zugleich auch der
Verschlag des Baumes fiel, da ging ein Schrecken durch alle Herzen --
_der Eibenbaum war weiß geworden_. Wie Puder lag der Mauerstaub auf
allen Ästen und Zweigen. Was war zu tun? Gefahr war im Verzuge; der
Besuch des Königs stand nahe bevor. Da trat ein leuchtender Gedanke
auf die Lippe des einen der Geängstigten und er sprach: „_Feuerwehr_!“
Sie kam, ganz still, ohne Geklingel, und mit kunstvoll gemäßigtem
Strahl wusch sie jetzt den Staub von dem schönen Baume ab, der nun bald
schöner und frischer dastand, als je zuvor. Er trieb neue Zweige, als
ob er sagen wollte: „Wir leben noch“.
Frisch und grün, wie der jüngsten einer, so steht er wieder da, schön
im Sommer, aber am schönsten in Dezembernächten, wenn seine obere
Hälfte sich unter dem Schnee beugt, während unten die Zweige wie unter
einem Dache weitergrünen. Dies Schneedach ist sein Schmuck und -- sein
Schutz. Das zeigte sich vor einigen Jahren. Der Schnee lag so dicht auf
ihm, daß es schien, seine Oberzweige würden brechen. Mißverstandene
Sorgfalt fegte und kehrte den Schnee herunter; da gingen im nächsten
Sommer einige jener Zweige aus, denen man mit dem Schneedach ihr warmes
Winterkleid genommen hatte.
Aber er hat es überwunden und grünt in Frische weiter, und wenn ihm
wieder Gefahren drohen, so oder so, möge unser Eibenbaum immer einen
treuen Freund haben, wie in alter Zeit.
* * * * *
Dies Vorstehende wurde im Herbst 1862 geschrieben; in den Jahren, die
seitdem vergangen sind, sammelte ich Material über allerhand „alte
Bäume“, insonderheit auch über _Eibenbäume_, und ich lasse zunächst
folgen, was ich darüber in Erfahrung brachte.
Die _Eibe_, so scheint es, steht auf dem Aussterbe-Etat der Schöpfung.
Wie bekanntlich im Laufe der Jahrtausende ganze Tiergeschlechter von
der Erde vertilgt worden sind, so werden auch _Baumarten_ ausgerottet,
oder doch nahezu bis zum Erlöschen gebracht. Unter diesen steht die
_Eibe_ (~Taxus baccata~) mit in erster Reihe. Einst in den Wäldern von
ganz Europa, Nord und Süd, so häufig wie der Auerochs, das Elenntier,
begegnet man ihr in unseren Tagen nur noch ausnahmsweise. In Hecken
und Spalieren trifft man kleinere Exemplare allerdings noch an, am
häufigsten in Anlagen nach französischem Geschmack, aber große,
imponierende Exemplare sind selten. Vor der waldvernichtenden Axt
älterer Ansiedler und neuer Industrieller haben sich nur einzelne
knorrige Taxusbäume retten können, die jetzt, wo wir ihnen begegnen,
ein ähnliches Gefühl wecken wie die Ruinen auf unseren Bergesgipfeln.
Zeugen, Überbleibsel einer längst geschwundenen Zeit.
In Mitteldeutschland ist dieser Baum jetzt schon recht selten, obwohl
es bekannt ist, daß er hier, wie in ganz Europa, noch vor einem halben
Jahrtausend allgemein vorkam. Zu Cäsars Zeiten war er, wie uns dieser
gelehrte Feldherr selbst erzählt, sowohl in Gallien als in Germanien
in großer Menge überall anzutreffen. Man findet in Thüringen nur noch
einzelne verkrüppelte und verstümmelte Bäume. An einem einzigen Orte
jedoch haben sie sich zahlreicher erhalten, nämlich am Veronikaberge
bei Martinroda, unweit Ilmenau, wo noch zwanzig bis dreißig Fuß hohe
Individuen mit einem Stammdurchmesser von 1 bis 1¼ Fuß stehen. Daß die
Eibe in Thüringen ehemals einen wesentlichen Bestandteil der Wälder
ausgemacht habe, ergibt sich aus den Ortsnamen „Ibenhain“, „Taxberg“,
„Eiba“ und anderen.
Die ältesten und schönsten Exemplare dieses einst auch in Griechenland
und Italien häufig gewesenen Nadelbaumes trifft man heutzutage noch
in _England_ an, besonders auf Friedhöfen, wo einzelne auf mehr als
zweitausend Jahre geschätzte Stücke von prachtvollem Ansehen sich
finden.[18] Der Taxus ist in England der Baum der Trauer, wie die
Zypresse in den Mittelmeerländern und die Trauerweide in Deutschland.
„~Albero della morte~“ nennen ihn übrigens auch die heutigen Italiener.
Eine große, zum Teil noch nicht völlig aufgeklärte Rolle spielte die
Eibe in dem Mythus der germanischen und keltischen Völker, von der
sich Nachklänge noch in manchen bis heute üblichen Gebräuchen erhalten
haben. Wie der deutsche Name Eibe von dem gotischen aiw (ivi), ewig,
herrührt, weil der Baum immer grün ist, und das keltische Wort yw
(eiddew) dieselbe Wurzel hat, so war dieser während des langen und
schneereichen nordischen Winters im frischen Blattschmuck prangende
Baum in Britannien und Skandinavien den ewigen Göttern geweiht. Die
Druiden hatten bei ihren Heiligtümern ganze Haine davon, und manche in
Cäsars Zeiten hinaufragende alte Eiben Englands mögen ehrwürdige Reste
aus solchen heiligen Hainen sein. In der Nähe des berühmten heidnischen
Tempels bei Upsala in Schweden stand ebenfalls, wie A. Krantz erzählt,
„ein gewaltiger Baum mit dichtbelaubten Zweigen, ebenso grün im Winter
wie im _Sommer_; niemand kannte seine Art.“ Sehr wahrscheinlich war es
eine Eibe.
Daß dieser Baum in alter Zeit für heilig und geheimnisvoll gehalten
wurde, ergibt sich aus gar vielen noch jetzt fortlebenden Bräuchen.
In den östlichen Schären Skandinaviens wird die Eibe allgemein zu
Maschenbrettern beim Netzstricken benutzt, weil man glaubt, daß alle
Netze, welche über Bretter aus diesem Holze gestrickt worden sind,
Glück beim Fischfang bringen.
Aber nicht Los für glückbringend und heilig, auch für geeignet zu
geheimnisvollem Zauber und selbst zu teuflischem Beginnen galt und
gilt noch der Eibenbaum. Daher fehlen in der Macbethschen Hexenküche
neben dem Auge des Wassermolchs, dem Fledermaushaar, Eidechsbein und
Käuzchenflügel und der gegabelten Natterzunge auch nicht
„Eibenzweige, abgerissen
Bei des Mondes Finsternissen.“
In Thüringen heißt es, daß die „Ife“ (Eibe) gegen Viehbezauberung
schütze. Die Hälfte der Bewohner des Dorfes Angelroda bei Arnstadt, in
dessen Nähe Eibensträuche noch ziemlich häufig sind, zieht an einem
bestimmten Tage des Jahres hinaus und bricht sich Taxuszweige ab, um
sie in die Viehställe zu stecken! Im Spessart meint man, daß ein Stück
Eibenholz, am Körper getragen, allen Zauber vertreibe. Das Volk sagt
dort: „Vor der Euwe, ka Zauber bleibe.“
Im Altertum wurde die Eibe ihres elastischen und festen Holzes wegen
vorzüglich zu Bogen verwendet. Ebenso machte man Pfeile aus deren
zähem Kernholz. Während des ganzen Mittelalters gab so der Eibenbaum
den Stoff für die vorzüglichsten Kriegswaffen ab, besonders in England
und Schweden. Auch Uller, der nordische Jagdgott, hatte nach der Edda
einen Eibenbogen (altnordisch ~ybogi~). Heutzutage wird das rote oder
purpurbraune Kernholz der Eibe zu viel friedlicheren und prosaischeren
Gegenständen verarbeitet, namentlich zu Faßpipen. Besonders in Ungarn
werden aus dem dort sogenannten „Theißholz“ („~tisza-fa~“, welcher Name
aber nicht auf die Theiß bezogen werden sollte, sondern slavischen
Ursprungs ist, da die Eibe slavisch tis heißt) viele Haus- und
Wirtschaftsgegenstände verfertigt und zahlreiche Pipen aus Eibenholz in
den Handel gebracht.
In modernem Englisch heißt die Eibe ~yew~, der Efeu ~ivy~; dieses
deutsch, jenes keltisch. Beide Wörter (vergl. oben) bedeuten
„immergrün“.
* * * * *
Ich kehre, nach dieser Exkursion in die Eibenwelt im allgemeinen, zu
unserer Eibe im besonderen, im Herrenhausgarten, zurück.
Auch an ihr gingen die letzten Ruhmesjahre preußischer Geschichte nicht
unbeachtet vorüber, ja einen der schönsten Tage feierte sie mit. Noch
wichtiger, sie bereitete der Feier die Stätte. Unter ihrem Dache gab am
20. September 1866 das Herrenhaus dem siegreich heimkehrenden Heere ein
Festmahl. Der König saß unmittelbar rechts neben dem Eibenstamm und sah
den Mittelgang des Gartens hinunter. Das Schrägdach des Leinwandzeltes
war in geschickten Verschlingungen, streifenweise, durch das Gezweig
der Eibe gezogen; rings umher brannte das Gas in Sonnen und Sternen,
ein Anblick, von dem der alte Baum in seinen Jugendtagen schwerlich
geträumt haben mochte. Als das Fest auf seiner Höhe war, erhob sich
Graf Eberhard Stolberg zu einer Ansprache, begrüßte den König und
schloß dann prophetisch fast: „und sollten Euer Majestät _noch einmal_
zu den Waffen rufen, so wird Ihr Volk, wie es jetzt für seinen König
geblutet und gesiegt hat, _neue Taten_ mit eisernem Griffel in das
Buch unserer glorreichen Geschichte schreiben.“ Der König antwortete:
„.... Sie wissen nicht, wie schwer es einem Fürsten wird, das Wort
„Krieg“ auszusprechen. Es war ein gewagter Krieg ... Die Armee hat alle
meine Erwartungen übertroffen ... Ich nehme gern die Gelegenheit wahr,
derselben meinen Dank zu sagen; zuerst Meinem Sohne, hier zu meiner
Rechten, Meinem Neffen Friedrich Karl, den kommandierenden Generalen,
unter denen ich _einen_ schmerzlich vermisse. (Wahrscheinlich Hiller
von Gärtringen.) Auch _Ihnen_, Graf Stolberg.“
Das war im Herbst 1866. Dem siegreichen Kriege, als eigentlichste
Schöpfung desselben, folgte, das Jahr darauf, der „_norddeutsche
Reichstag_“, der, von 1867 bis 1870 in den Räumen des Herrenhauses
tagend, auch nun seinerseits in Beziehungen zu unserem alten Eibenbaume
trat. In die heitersten. Die Debatten-Flüchtlinge, so oft es das Wetter
erlaubte, pflegten hier zu tagen, und während drinnen im Saale der
Redner noch nach Beifall rang, unterlag er hier draußen bereits einer
zersetzenden Kritik. Der Witz goß seine Lauge unter dem Eibenbaume aus.
Aber er, der Alte, an dem so viele Zeiten ihre Eigenart versucht
hatten, überdauerte auch _das_ und eben jetzt (15. Mai 1872) haben alle
seine Zweige neue Schößlinge getrieben, die, hellgelblich schimmernd,
fast wie Hollunderdolden auf dem dunklen Untergrunde liegen und den
schönen Baum schöner und frischer erscheinen lassen, denn je zuvor.
[17] Die schönste Zeder (eigentlich ein ~Taxodium~) steht im Schloßpark
zu _Gusow_, der größte _Birnbaum_ im Predigergarten zu Werneuchen.
[18] England, wie bekannt, ist überhaupt das Land schöner alter
Bäume und einer entsprechenden sorglichen Kultur. So befindet sich
beispielsweise in der Nähe vom Cumberlandlodge im Windsor-Park ein
Leviathan-Weinstock, welcher ein einzelnes Haus von 138 Fuß Länge und
20 Fuß Breite gänzlich ausfüllt. Er bedeckt gegen 2870 Quadratfuß
Glas und bringt jedes Jahr durchschnittlich 2000 Trauben hervor. Der
mehr bekannte Weinstock in Hampton Court trug vor einigen Jahren 1400
Trauben, deren Wert man auf mehr als 100 Lstr. veranschlagte.