Und nun kommt der, welcher Dich, Lehnin, nur allzu sehr haßt,
Wie ein Messer Dich zertheilt, ein Gottesleugner, ein Ehebrecher,
Er macht wüste die Kirche, verschleudert die Kirchengüter.
Geh, mein Volk: Du hast keinen Beschützer mehr,
Bis die Stunde kommen wird, wo die Wiederherstellung (~restitutio~)
kommt.
Die Vorgänge in der Mark in dem zweiten Viertel des sechzehnten
Jahrhunderts, der Übertritt _Elisabeths_ zur neuen Lehre und die
Aufhebung der Klöster durch _Joachim_ II., der die Axt an den Stamm
legte, konnte, wir wiederholen es, vom katholischen Standpunkt aus,
nicht zutreffender und in nicht besserem Prophetenton geschildert
werden. Aber zugegeben, daß -- wie die Angreifer erwidern -- der
Verfasser im Jahre 1690 gut prophezeien hatte in betreff von Vorgängen,
die hundertundfünfzig Jahre zurücklagen, warum, so fragen wir,
prophezeite er teils falsch, teils dunkel in betreff so vieler anderer
Vorgänge, die, wenn 1690 die Scheidelinie ziehen soll, ebenfalls der
Vergangenheit angehörten. Nehmen wir _ein_ Beispiel statt vieler --
die Verse, die sich auf _George Wilhelm_, also auf die Epoche während
des dreißigjährigen Krieges beziehen. Es sind die folgenden:
Nach dem Vater ist der Sohn Herr des Markgrafentums.
Er _läßt nicht viele leben nach ihrem Sinne, ohne sie zu strafen_.
_Indem er zu stark vertraut, frißt der Wolf das arme Vieh_,
Und es folgt in Kurzem der Diener dem Herrn im Tode.
Die vierte Zeile ist auf den Tod _Adam Schwarzenbergs_ gedeutet worden,
wogegen sich nichts sagen läßt. Der Inhalt dieser Zeile träfe also zu.
Aber die zweite und dritte geben, wenn man das auch hier vorhandene
Dunkel durchdringt, eine Charakteristik der Zeit sowohl wie des Mannes,
wie sie nicht leicht falscher gedacht werden kann. Wenn es umgekehrt
hieße: „Er ließ alle leben nach ihrem Sinne, ohne sie zu strafen,“ und
„er vertraute (da er bekanntlich immer schwankte) _nicht stark_ genug“
-- so würden _diese_ Sätze um vieles richtiger sein als die, die jetzt
dastehen. Wo bleibt da das bequeme Prophezeien nach rückwärts?[10]
Vergleichen wir nun damit die Prophezeiungen der _zweiten Hälfte_, der
Epoche nach 1690, wo also der Dichter, selbst wenn er um 1690 schrieb,
jedenfalls gezwungen war, in die Zukunft zu blicken.
Über _Friedrich den Großen_[11] heißt es, wie nicht geleugnet werden
soll, mehr dunkel und anklingend, als scharf zutreffend:
In Kurzem toset ein Jüngling daher, während die große Gebärerin
seufzt;
Aber wer wird vermögen, den zerrütteten Staat wieder herzustellen?
Er wird das Banner erfassen, allein grausame Geschicke zu beklagen
haben
Er will beim Wehen der Südwinde sein Leben den Festungen vertraun.
oder (nach anderer Übersetzung):