2) Als Speise dienen gekochte Gemüse, darunter _Buchenblätter_. Kein
Fleisch.
3) In der Kirche soll sich ein offenes Grab befinden, um an die
Hinfälligkeit des Daseins zu mahnen.
2.
_Die Äbte von Lehnin_
Heut sind es grade hundert Jahr,
Seit er gelegen auf der Bahr
Mit seinem Kreuz und Silberstabe.
Die ewige Lamp' an seinem Grabe
Hat heute hundert Jahr gebrannt.
* * *
Hier war zu Hause kluger Rat,
Hier hat der mächtige Prälat
Des Hauses Chronik einst geschrieben.
=Annette Droste-Hülshoff=
Eh' wir dazu übergehen, von den einzelnen leitenden Persönlichkeiten
des Klosters, soweit dieselben überhaupt eine Geschichte haben,
eingehender zu sprechen, mögen hier einige vorgängige Bemerkungen über
die _Lehniner Äbte überhaupt_ eine Stelle finden. Wenn dabei einzelne
Dinge von mehr oder weniger allgemeinem Charakter mit aufgeführt werden
sollten, Dinge, die nicht bloß in Lehnin, sondern überall innerhalb
der klösterlichen Welt ihre Gültigkeit hatten, so wolle man dabei in
Erwägung ziehen, daß wir eben noch, im Verlauf unserer „Wanderungen“
verschiedene andere Klöster zu besprechen haben werden, und daß das
_Allgemeingültige in betreff derselben_ doch an irgend einer Stelle
wenigstens andeutungsweise gesagt werden muß.
Die Äbte von Lehnin standen an der Spitze ihres „Kloster-Konvents“, d.
h. ihrer Mönchsbrüderschaft, aus der sie, sobald die Vakanz eintrat,
durch freie Wahl hervorgingen. Ihnen zur Seite oder unter ihnen standen
der Prior, der Subprior, ein Präzeptor, ein Senior und ein Cellerarius
(Kellermeister), der, wie es scheint, im Lehniner Kloster die Stelle
des ~bursarius~ (Schatzmeister) vertrat. Daran schlossen sich zwanzig
bis dreißig ~fratres~, teils Mönche, teils Novizen, teils Laienbrüder.
Die Tracht der Mönche war die übliche der Zisterzienser-Mönche: weißes
Kleid und schwarzes Skapulier.
Das Ansehen und die Gewalt des Abtes waren außerhalb und innerhalb des
Klosters von großem Belang. 1450 wurde den Äbten zu Lehnin vom Papste
der bischöfliche Ornat zugestanden. Seitdem trugen sie bei feierlichen
Gelegenheiten die bischöfliche Mitra, das Pallium und den Krummstab.
Auf den Landtagen saßen sie auf der ersten Bank, unmittelbar nach den
Bischöfen von Brandenburg und Havelberg. Innerhalb des Klosters war
der Abt selbstverständlich der oberste Leiter des Ganzen, kirchlich
wie weltlich. Er sah auf strenge Ordnung in dem täglichen Leben und
Wandel der Mönche, er beaufsichtigte den Gottesdienst, er kontrollierte
die Verwaltung des Klosters, des Vermögens, der Einkünfte desselben,
er vertrat das Kloster geistlichen und weltlichen Mächten gegenüber.
Er regierte. Aber diese Regierung war weit ab davon, eine absolute,
verantwortungslose Herrschaft zu sein. Wie er über dem Konvente stand,
so stand doch auch der Konvent wieder über ihm, und Klagen über den
Abt, wenn sie von draußen Stehenden erhoben wurden, kamen vor den
Konvent und wurden von diesem entschieden. Waren die zu erhebenden
Klagen jedoch Klagen des Konventes selbst, so konnte letzterer
freilich in seiner eigenen Angelegenheit nicht Recht sprechen, und ein
anderes Tribunal hatte zu entscheiden. Dies Tribunal, der Fälle zu
geschweigen, wo es der Landesherr war, war entweder das Mutterkloster,
oder das große Kapitel in Cîteaux, oder der Magdeburger Erzbischof
oder endlich der Papst. Solche Auflehnungen und infolge derselben
solche Appellationen an die obere Instanz zählten keineswegs zu den
Seltenheiten, wiewohl die Lehniner Verhältnisse, in vielleicht etwas zu
optimistischer Auffassung, im allgemeinen als mustergültige geschildert
werden. Der Abt Arnold, von dem wir später ausführlicher hören werden,
wurde infolge solcher Auflehnung abgesetzt.
Dieser Abt-Arnold-Fall, der durch Beauftragte des Generalkapitels
in Cîteaux untersucht und entschieden wurde, führt zu der
nicht uninteressanten Frage: ob solche Beziehungen zu Cîteaux,
zu dem eigentlichen, ersten und ältesten Ausgangspunkt aller
Zisterzienserklöster, etwas Regelmäßiges, oder nur etwas Ausnahmsweises
waren? Die Ordensregel, die ~Charta caritatis~, das Gesetzbuch der
Zisterzienser schrieb allerdings vor, daß einmal im Jahre alle
Zisterzienser Äbte in Cîteaux zusammenkommen und beraten sollten,
aber diese Anordnung stammte noch aus einer Zeit, wo die räumliche
Ausdehnung, die expansive Kraft des Ordens, die halb Europa umfaßte,
ebensowenig mit Bestimmtheit vorauszusehen war, wie sein intensives
Wachstum bis zur Höhe von zweitausend Klöstern. Zu welcher Versammlung,
bei nur annähernd regelmäßiger und allgemeiner Beschickung, wäre ein
solches Generalkapitel notwendig angewachsen! Freilich die Hindernisse,
die die bloß räumliche Entfernung schuf, müssen wir uns hüten zu
überschätzen. Die Kaiserfahrten, die Kreuzzüge, die Pilgerreisen nach
Rom und dem heiligen Grabe zeigen uns genugsam, daß man damals, sobald
nur ein rechter Wille da war, vor den Schrecken und Hindernissen,
die der Raum als solcher schafft, nicht erschrak; aber Cîteaux
selbst, ganz abgesehen von allen andern leichter oder schwerer zu
überwindenden Schwierigkeiten, hätte solche allgemeine Beschickung kaum
bewältigen können, wie groß wir auch die bauliche Anlage einerseits,
und wie klein und bescheiden die Ansprüche der eintreffenden Äbte
andererseits annehmen mögen. Wir treffen also wohl das Richtige, wenn
wir die Ansicht aussprechen, daß _regelmäßige_ Beschickungen des
Generalkapitels _nicht_ stattfanden, anderweitige Beziehungen aber,
wenn auch nicht immer, so doch _vielfach_ unterhalten wurden. Mehrere
Urkunden tun solcher Beziehungen direkt Erwähnung, und auch anderes
spricht dafür, daß unser märkisches Kloster in Cîteaux einen guten
Klang hatte und mit Vorliebe am Bande auszeichnender Abhängigkeit
geführt wurde. Schon die Lage Lehnins, an der _Grenze aller Kultur_,
kam ihm zu statten. Die näher an Cîteaux gelegenen Klöster waren
Klöster wie andere mehr; während allen denjenigen eine gesteigerte
Bedeutung beiwohnen mußte, die, als vorgeschobenste Posten, in die kaum
bekehrte slavisch-heidnische Welt hineinragten. Ist doch der polnische
Zweig immer ein Liebling der römischen Kirche geblieben. Die Analogien
ergeben sich von selbst.
Die Lehniner Äbte hatten Bischofs-Rang, und sie wohnten und lebten
demgemäß. Das Lehniner Abthaus, das, an der Westfront der Kirche
gelegen, bis diesen Augenblick steht, zeigt zwar keine großen
Verhältnisse, aber dies darf uns nicht zu falschen Schlüssen verleiten.
Es war überhaupt keine Zeit der großen Häuser. Außerdem hatten die
Lehniner Äbte, ebenso wie die Bischöfe von Havelberg und Lebus, ihr
„Stadthaus“ in Berlin, und es scheint, daß dies letztere von größeren
Verhältnissen war. Ursprünglich stand es an einer jetzt schwer zu
bestimmenden Stelle der Schloßfreiheit, höchst wahrscheinlich da, wo
sich jetzt das große Schlütersche Schloßportal erhebt; der Schloßbau
unter Kurfürst Friedrich dem Eisernen aber führte zu einer tauschweisen
Ablösung dieses Besitzes, und das Stadthaus für die Lehniner Äbte ward
in die Heiligegeist-Straße verlegt (jetzt 10 und 11, wo die kleine
Burgstraße torartig in die Heiligegeist-Straße einmündet). Das Haus
markiert sich noch jetzt als ein alter Bau.
Länger als viertehalb hundert Jahre gab es Äbte von Lehnin, und wir
können ihre Namen mit Hilfe zahlreicher Urkunden auf und ab verfolgen.
Dennoch hält es schwer, die _Zahl_ der Äbte, die Lehnin von 1180 bis
1542 hatte, mit voller Bestimmtheit festzustellen. Durch Jahrzehnte
hin begegnen wir vielfach einem und demselben Namen, und die Frage
entsteht, haben wir es hier mit ein und demselben Abt, der zufällig
sehr alt wurde, oder mit einer ganzen Reihe von Äbten zu tun, die
zufällig denselben Namen führten und durch ~I.~, ~II.~, ~III.~ füglich
hätten unterschieden werden sollen. Das Letztere ist zwar in den
meisten Fällen nicht wahrscheinlich, aber doch immerhin möglich, und
so bleiben Unsicherheiten. Nehmen wir indes das Wahrscheinliche als
Norm, so ergeben sich für einen Zeitraum von dreihundertzweiundsechzig
Jahren dreißig Äbte, wonach also jeder einzelne zwölf Jahre regiert
haben würde, was eine sehr glaubliche Durchschnittszahl darstellt.
Von allen dreißig hat es kein einziger zu einer in Staat oder Kirche
glänzend hervorragenden Stellung gebracht; nur Mönch _Kagelwit_, der
aber nie Abt von Lehnin war, wurde später Erzbischof von Magdeburg.
Einige indessen haben wenigstens an der Geschichte unseres Landes, oft
freilich mehr passiv als aktiv, teilgenommen, und bei diesen, wie auch
beim Abte Arnold, dessen privates Schicksal uns ein gewisses Interesse
einflößt, werden wir in nachstehendem länger oder kürzer zu verweilen
haben.
Wir beginnen mit Johann Sibold, dem ersten Abt, von etwa 1180-1190.