Der Kern wird in der oben beschriebenen Weise hergestellt, z. B. durch

Eindrücken von Formsand in die Höhlung einer zweiten, genau in der vorher

beschriebenen Weise für diesen Zweck hergestellten Sandteilform (Abb.

114-116). Wenn dann, wie in der Skizze Abbildung 117 angedeutet ist, auch

die nach Ausschnitten in den Kästen geführten Guss- und Luftröhren

eingegraben sind, der Kern befestigt, und das Ganze getrocknet ist,

werden die Formkästen durch geeignete Vorrichtungen dicht aneinander

gepresst. Ohne zumeist die Form weiter einzudämmen, kann darauf das

flüssige Metall eingegossen werden.

Bei sehr grossen Modellen muss die Zahl der übereinander zu verwendenden

Formkästen vergrössert werden, die Einformung geschieht jedoch im grossen

und ganzen in derselben Weise.

Dass auch in der Sandformerei einzelne, Verletzungen besonders

ausgesetzte Formteilstücke aus scharf getrocknetem Lehm hergestellt

werden können, möge nicht unerwähnt bleiben.

Die technische Litteratur aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts giebt, wie

bereits angedeutet wurde, nur ungenügende Aufklärung über die Frage, wann

und wo die Sandformerei zuerst in grösserem Massstabe angewendet wurde,

und wo es seine auch für grössere Modelle brauchbare Ausbildung erhielt.

In der Königlichen Eisengiesserei in Berlin wurde zuerst 1813[20] der

Versuch gemacht, ein freistehendes Bild in Sand zu formen; der Versuch

soll gelungen sein. Als Formmasse bediente man sich dabei eines feinen,

mit Lehmwasser getränkten Fürstenwalder Sandes, nur für die tiefsten

Stellen der Form wurden Lehmteilstücke hergestellt.

[20] Beck, Geschichte des Eisens Bd. IV, S. 103ff.

Zweifellos nahm die deutsche Bildgiesserei des 19. Jahrhunderts in

=Berlin= ihren Ausgang; die wesentlichsten Förderer waren zunächst

Gottfried Schadow und Christian Rauch. Die für grosse Bronze-Monumente

anzuwendende Formtechnik war für beide Künstler eine Frage von höchstem

Interesse.

Schadow, der zuerst mit der Herstellung eines in Erz auszuführenden

Denkmals für Friedrich d. Gr. betraut wurde, machte grosse Reisen, nur um

Erfahrungen im Formverfahren zu sammeln. Im Jahre 1791 reiste er nach

Kopenhagen, Stockholm und Petersburg, doch die dort geübte Gusstechnik

und ihre Resultate befriedigten ihn nicht, er wies schon damals darauf

hin, dass es nötig sei, in Paris selbst, von wo jene Städte das

Formverfahren übernommen hätten, in die Lehre zu gehen. Schadows Plan,

auch dorthin zu reisen, kam jedoch nicht zur Ausführung. Schadow wurde

auch nicht der Bildner des Friedrich-Denkmals, er blieb aber doch der

erste deutsche Künstler des 19. Jahrhunderts, der darauf bestand, einige

Bildsäulen von beträchtlicher Grösse in Bronzeguss auszuführen: die

Statue Blüchers[21] für Rostock (Abb. 118) im Jahre 1818 und das

Standbild Luthers für Wittenberg im Jahre 1819.

[21] Goethe hatte vorgeschlagen, diese Statue von Pflug und Sohn in

Gera in Kupfer treiben zu lassen.

[Illustration: Abb. 107. E. M. Falconet, Denkmal Peters des Grossen in

Petersburg.]

Leider konnte sich der Meister nicht entschliessen, von deutschen

Giessern, die freilich (wie vorher gezeigt wurde) damals nur Eisen

verarbeiteten, Probegüsse in Bronze herstellen zu lassen -- zum wenigsten

ist nichts davon bekannt -- er veranlasste Pariser Meister, den Giesser

Lequine und den Ciseleur Coué, nach Berlin überzusiedeln.

Seit der nordischen Reise Schadows hatte man jedoch in Paris das

Formverfahren geändert, man goss jetzt in Sandteilformen; die Ergebnisse,

die man dort in diesem Verfahren erzielt hatte, kannte Schadow nur vom

Hörensagen und es bleibt deshalb um so verwunderlicher, weshalb er sich

nicht an deutsche Giesser wendete, die das neue Verfahren zweifellos

ebensogut beherrschten, oder nicht auf das alterprobte, ihm wohl bekannte

Wachsverfahren zurückgriff, das in Russland und Italien -- hier sogar von

einem deutschen Giesser Hopfgarten -- weiter geübt wurde.

Die Erfolge der Franzosen in der Ausführung der beiden genannten

Standbilder wurden für die Bronzegiesserei in Deutschland entscheidend,

die vielen, teils sehr grossen Bronzebildwerke der folgenden Jahrzehnte

wurden sämtlich im neuen Verfahren gegossen. Doch ist es nicht ohne

Interesse, die Entwicklung weiter zu verfolgen.

Von allergrösstem Einfluss auf die deutsche Giesskunst wird zunächst

Christian Rauch.[22] Das erste grosse Standbild des Meisters, das in

Bronzeguss ausgeführt werden sollte, war, ebenfalls ein Blücher, für

Breslau bestimmt (Abb. 120). Rauch konnte sich zunächst nicht

entschliessen, wiederum die Hilfe der Franzosen in Anspruch zu nehmen, er

wandte sich deshalb an den bereits genannten Hopfgarten in Rom, und

suchte ihn zu bewegen, nach Berlin überzusiedeln. Die Teilformerei in

Sand war aber jenem Giessmeister nicht bekannt, und er mochte sich nicht

dazu entschliessen, sich unter die Autorität der in Berlin weilenden

Franzosen zu stellen. Auch sprach er aus, dass er sein Verfahren, also

das Wachsausschmelzverfahren, für wenigstens ebensogut halte, wie das

neue, zumal es sich damals wieder beim Guss zweier grosser

Reiterstandbilder -- Karls III. nach Canovas Modell und Ferdinand I. nach

dem Modell Calis -- in Neapel, in der Giesserei Righettis bewährt hatte.

Eine Einigung wurde nicht erzielt, und der Guss des Breslauer Blücher

wurde schliesslich (1820) wiederum Lequine mit Beihilfe Reisingers, des

Direktors der Berliner Stückgiesserei, übertragen; mit der Ciselierung

der Statue wurde der Franzose Vuarin betraut. Guss und Nacharbeit des

Sockels sollte von Coué ausgeführt werden.

[22] Eingehend berichtet darüber Eggers in der Biographie des

Künstlers; seinen Ausführungen schliesst sich unsere Darstellung

an.

[Illustration: Abb. 108. Lamoureux, Denkmal Christians V. von Dänemark,

in Kopenhagen (vergoldetes Blei).]

Weitere grosse Gussarbeiten standen bevor, und die Frage, welches

Formverfahren dabei zur Anwendung kommen sollte, war für Rauch noch nicht

endgültig erledigt. Fast scheint es, als ob von vornherein die

Ciselierung, in der die Franzosen Meister waren, auch stets der Anlass

wurde, die Herstellung der Form nur ihnen anzuvertrauen. Zwar veranlasste

Rauch im Jahre 1824 Anfragen nach Petersburg und erhielt den Bescheid,

dass man dort und in Moskau noch im Wachsverfahren arbeite und weiter

dabei zu bleiben gedächte. Zur gründlicheren Prüfung dieses Verfahrens

scheint es trotzdem deutscherseits damals nicht gekommen zu sein.

Auch die Berliner Königl. Giesserei übte schliesslich den Bronzeguss nach

der für Eisen seit Jahren angewendeten Methode Lequines, der 1824 sogar

als Lehrer einer neubegründeten Kunstgussschule angestellt, und dem dann

auch die Ausführung des für Berlin bestimmten Blücher-Denkmals (Abb. 119)

Rauchs übertragen wurde. Auch eine Ciselierschule wurde eingerichtet mit

Coué als Lehrer; beide standen unter der Oberaufsicht Rauchs. Die Erfolge

blieben jedoch diesen Anstalten durchaus fern, und Rauch äusserte (1827),

dass es ihm zweckmässiger schiene, Giesseleven in Paris selbst bilden zu

lassen bei Crozatier und Carbonneaux, deren hervorragende Leistungen der

Künstler selbst Gelegenheit genommen hatte (1826), an Ort und Stelle

kennen zu lernen.

Vor allem war die entschiedene Meinungsäusserung Rauchs durch die

Misserfolge Lequines veranlasst. Zwar war der Breslauer Blücher besser

aus der Form gekommen, als seine ersten nach Schadows Modellen gegossenen

Arbeiten, doch um so grössere Nachlässigkeit in jeder Beziehung brachte

bei den nun folgenden Gusswerken das Vertrauen zu seinen Fähigkeiten ins

Wanken. Als der Franzose schliesslich bei der Statue Friedrich Wilhelms

I. für Gumbinnen einen völligen Fehlguss geliefert hatte, wurde er

plötzlich (1828) angewiesen, die ihm seit elf Jahren überlassene

Werkstatt in der Königl. Giesserei zu räumen und sein auch von Rauch

unterstützter Protest vermochte nichts gegen diese Verordnung

auszurichten. Die Giessereischule hörte damit auf, weiter zu bestehen.

Der Versuch, mit Hilfe der Schule tüchtige Giesser für Berlin

heranzubilden, war nur in sehr beschränktem Masse gelungen. Schliesslich

sollten die mit Hopfgarten in Rom angeknüpften Verhandlungen Erfolg

haben. Obschon dieser vollauf beschäftigt war, hatte ihn doch nie der

Wunsch verlassen, einmal nach Berlin überzusiedeln.

[Illustration: Abb. 109. Saly, Denkmal Friedrichs V. von Dänemark,

Kopenhagen.]

Um Rauchs Wünschen entgegenzukommen, hatte Hopfgarten schon 1823, nachdem

sein Genosse Jollage in Paris die neue Teilformerei in Sand studiert

hatte, einen Versuch in diesem neuen Verfahren gemacht und schliesslich,

nach den Misserfolgen Lequines, entschloss er sich, eine Kunstgiesserei

in Berlin zu eröffnen.

Im Jahre 1828 war er dort bereits in reger Thätigkeit; er goss das

Francke-Denkmal für Halle nach Rauchs Modell (Abb. 121), die Statue

Friedrich Wilhelms II. für Ruppin nach Tiecks Modell u. a. m.[23]

[23] Von anderer Seite, z. B. in Fabers Konversations-Lexikon, wird die

Gussausführung dieser Denkmäler einem älteren Bruder des von

Eggers angeführten Hopfgarten zugeschrieben.

Neben Hopfgarten hatte noch ein anderer Deutscher, Christoph Heinrich

Fischer, eine eigene Giesserei in Berlin errichtet, die ebenfalls durch

Rauch und Tieck mit allen Mitteln gefördert wurde. Fischer[24] war 1818

nach Berlin gekommen und arbeitete bis 1822 als Ciseleur unter Coué. In

der Giesserei unterwies ihn insbesondere der Pariser Honoré Gonon, dessen

Bekanntschaft er in Berlin gemacht hatte. Die Fischersche Giesserei kam

zu hoher Blüte, sie bestand bis 1845.

[24] Amtl. Bericht der allgem. deutschen Gewerbeausstellung.

Berlin 1844. Bd. II.

Fischer goss nach Rietschels Modellen die Nebenfiguren zu dem für

Dresden bestimmten Denkmal König Friedrich Augusts in den Jahren

1833-1836, und Rauch schreibt bei der Gelegenheit über ihn an

Rietschel:[25] »Fischer macht in seiner Thätigkeit täglich Fortschritte

und ist ein tüchtiger Giesser geworden, dem ich jetzt das Allerwichtigste

anvertrauen würde. Schade, dass seine Persönlichkeit nicht angenehm ist;

könnte er andere Giessereien und Formarten durch Reisen, der

französischen Sprache mächtig, noch kennen lernen, ich würde ihn für

vollendet in seiner Kunst halten.«

[25] Eggers, Rauch Bd. III. S. 102.

[Illustration: Abb. 110. Larchevèque, Denkmal Gustav Wasas in Stockholm;

Guss von Meier.]

Im Jahre 1836 goss Fischer nach Drakes Modell das Standbild Mösers für

Osnabrück, dann die vor dem Alten Museum in Berlin aufgestellte Amazone

nach Kiss. Von seinen anderen teils schon früher ausgeführten Gusswerken

seien noch genannt zwei kolossale Hirsche und eine Viktoria nach Rauch,

eine sieben Fuss hohe Venus für Charlottenhof, und das Standbild des

Kopernikus nach Tiecks Modell für die Stadt Thorn. Die Berliner

Gewerbe-Ausstellung des Jahres 1844 beschickte er mit fünfzehn grösseren

Gusswerken.[26]

[26] Amtl. Bericht der Ausstellung, Bd. II.

Noch andere tüchtige Giesser jener Zeit werden in Berlin genannt, vor

allem der bereits 1834 verstorbene Joh. Dinger. Auf Rauchs Veranlassung

wurde dieser 1829 nach Paris zum Studium gesandt und es wird von ihm

gerühmt,[27] dass er es verstanden habe, besonders dünnwandig zu giessen.

Von seinen Gusswerken seien genannt die grosse Amazone für den

Charlottenburger Schlossgarten und Fuss und Schale eines nach Schinkels

Zeichnung von Kiss modellierten Brunnens.

[27] Ebendort.

Die Figuren dieses Brunnens wurden von Feierabend, der ebenfalls in Paris

die Giesserei studiert hatte, gegossen und es wird von ihnen ausdrücklich

bemerkt, dass der Guss so tadellos war, dass eine Ciselierung nicht

notwendig war[28].

[28] Amtl. Bericht der allgem. deutschen Gewerbeausstellung,

Berlin 1844, Bd. II.

[Illustration: Abb. 111. Larchevèque, Denkmal Gustav Adolphs in

Stockholm; Guss von Meier.]

[Illustration: Abb. 118. Schadow, Blücher-Denkmal in Rostock. Guss von

Lequine in Berlin.]

[Illustration: Abb. 119. Rauch, Denkmäler von York, Blücher und Gneisenau

in Berlin. Blücher, gegossen von Lequine; York und Gneisenau, gegossen

von Friebel in Berlin.]

Rauch hatte sich indessen noch nicht endgültig für das

Teilformverfahren entschieden, besonders wohl die Misserfolge Lequines

hatten ihn stutzig gemacht, und obschon sich damals das Sandformverfahren

billiger stellte als das Wachsausschmelzverfahren, wollte er nichts

unversucht lassen. Er erreichte es, dass Coué 1831 auf drei Monate nach

Petersburg gesandt wurde. Erst als auch jetzt nach Coués Bericht die

Entscheidung zu Ungunsten des alten Verfahrens ausfiel, wurde es von

Rauch aufgegeben.

[Illustration: Abb. 120. Rauch, Blücher-Denkmal in Breslau. Guss von

Lequine in Berlin.]

Alle Sorgfalt wurde nun der weiteren Vervollkommnung der Sandformerei

zugewandt. Das Streben ging, wie schon oben angedeutet, vor allem dahin,

mit Hilfe eines bestgeeigneten Formmaterials die Teilform so sauber

herzustellen, dass die Nachciselierung nach Möglichkeit auf die

Entfernung der Gusskanäle und Gussnähte beschränkt werden konnte, die

Flächen dazwischen aber nicht in Mitleidenschaft gezogen zu werden

brauchten.

Rauch[29] sagte einmal (1835): »... Es giebt nichts Betrübenderes, als

dies, dass man wünscht, dass die Güsse so glänzen, damit keine Punzen

oder Feilen des Ciseleurs die Oberfläche zu berühren brauchten«.

[29] Eggers, Rauch, Bd. II, S. 388.

Völlig befriedigend fielen aber die Güsse trotz aller Bemühungen auch in

Zukunft nicht aus, wie aus späteren Aeusserungen Rauchs zu Rietschel

(1853) klar genug hervorgeht.[30] Rauch schreibt, dass er an seiner

York-Statue nur die Gussnähte reparieren lasse, »um damit den Versuch zu

machen, das gänzliche Ueberfeilen der Oberfläche zu vermeiden. Mit der

Zeit werden bei fortlaufender Beschäftigung sich Leute heranbilden, die

dieser schonenden Ciselierung angemessene Bildung haben und dem

verderblichen Aufscheuerwesen ein Ende machen.« Und bald darauf schreibt

Rauch: »Friebel, der Kunstgiesser, weilt im Mineralbade, wie gewöhnlich,

während die Gehülfen mühsam Geschaffenes zerhobeln; an diesem Leide der

Bronzearbeiten gehe ich körperlich und moralisch zu Grunde und nur

sorgliche Ausführung unseres vortrefflichen Ciseleurs Martens... erhält

in mir einige Hoffnung einer künftigen ordentlichen Schule«.

[30] Eggers, Rauch, Bd. III, S. 313.

Doch die Ciselierung blieb in erster Linie der wunde Punkt der

Teilformerei auch im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts, eine

wirkliche Besserung wurde erst möglich, als man schliesslich wieder zum

alten Wachsausschmelzverfahren zurückzukehren begann.

Doch bevor die jüngste Phase der Formereientwickelung betrachtet werden

kann, ist es notwendig, nochmals ein wenig zurückzugreifen.

Die Kunstgiesserei in Berlin muss zunächst noch in ihrer Entwicklung

weiter verfolgt werden. Ausser den bereits genannten Giessern der

zwanziger und dreissiger Jahre, wird als besonders tüchtig noch Kampmann

genannt. Von den Gusswerken, mit denen er die Berliner Gewerbeausstellung

des Jahres 1844 beschickt hatte, wird gerühmt[31], dass sie eine glatte,

dichte, nicht schäumige oder kaltgüssige Oberfläche aufwiesen, dass die

Tiefen der Gewänder klar und rein ausgefallen wären und nicht die so

leicht vorkommenden Verschiebungen der Formstücke wahrnehmbar seien,

kurz, dass sie als die Grenze dessen zu betrachten wären, was der rohe,

d. h. der unciselierte Guss überhaupt zu leisten vermöge. Trotzdem kommt

der Beurteiler zu dem Ergebnis, dass die Nacharbeit unentbehrlich sei,

wenn die höchste Ausbildung der Form beansprucht würde.

[31] Amtl. Bericht d. Ausst.

Man muss nach solchen Ausführungen glauben, dass wohl über das, was unter

»höchster Ausbildung der Formen« zu verstehen sei, Bildhauer und

Ciseleure oft in Widerspruch gerieten. Zu grösserer Bedeutung scheint die

Kampmannsche Giesserei nicht gelangt zu sein, die grossen Aufgaben

besonders der vierziger Jahre wurden von anderen Giessmeistern

ausgeführt.

[Illustration: Abb. 121. Rauch, Francke-Denkmal in Halle. Guss von

Hopfgarten in Berlin.]

Von grosser Wichtigkeit für die Berliner Giesskunst wurden die

Beziehungen, die Rauch 1838 mit dem bereits genannten Eisenhüttenwerk

=Lauchhammer= anknüpfte. Für den Dom in Posen sollten die grossen von

Rauch modellierten Statuen der Polenkönige Boleslaw und Mieczyslaw in

Bronze gegossen werden. Für die Ausführung kamen die Giessereien von

Hopfgarten, Fischer und die Kgl. Eisengiesserei in Berlin[32] in

Betracht; mit der letzteren, als der mindestfordernden, wurde der Vertrag

abgeschlossen. Doch die Ausführungsbedingungen in Bezug auf die Teilung

der Statuen für die Einformung entsprachen durchaus nicht den Wünschen

Rauchs, er erhob entschiedenen Einspruch und es gelang ihm schliesslich,

die Aufhebung des Vertrages herbeizuführen. Nun wandte man sich nach

Lauchhammer, wo man dem Künstler wenigstens das Recht der Oberaufsicht

zugestand.

[32] Eggers, Rauch, Bd. III, S. 169.

[Illustration: Abb. 122. Rauch, Denkmal Friedrichs des Grossen in Berlin.

Guss von Friebel in Berlin.]

In Lauchhammer hatte man bis zum Jahre 1838 nur den Eisenkunstguss

geübt; die grössten und schwierigsten Modelle hatte man aber in

tadellosem Guss nachzubilden gelernt, und gewiss boten die in Eisen

gegossenen Werke um so eher eine Garantie, dass man auch dem Guss von

grossen Statuen in Bronze gewachsen sein würde, als die Form für den

Eisenguss, wie bereits hervorgehoben wurde, die allergrösste Sorgfalt der

Herstellung verlangt, weil beim Eisen nicht wie bei der Bronze stärkere

Gussfehler durch Ergänzung der Fehlstücke oder Ciselierung beseitigt

werden können.

[Illustration: Abb. 123. Rauch, Denkmal Max-Josephs in München. Guss von

Stiglmaier in München.]

Die Ausführung der Rauchschen Figuren leitete Friebel, der später das

Denkmal Friedrichs des Grossen in Berlin goss. Nach dem Guss der zweiten

Statue kam Rauch nach Lauchhammer und war freudig überrascht über die

Leistung. In seinem Tagebuche schreibt er, dass er nie vorher einen solch

dünnen und an der Oberfläche so schönen Guss gesehen habe, und dass er

sich entschloss, die Figuren nicht zu ciselieren, sondern nur das

Nötigste daran mit den Punzen und der Feile zu thun und im übrigen nur

mit Scheidewasser abzubrennen.

Diese guten Erfolge veranlassten Rauch, dem Werke weitere Modelle --

unter anderem im Jahre 1847 das Reiterbild des Grossherzogs Paul

Friedrich für Schwerin -- zur Gussausführung zu übergeben und andere

Künstler, zunächst Kiss und Rietschel, der selbst eine Zeitlang auf dem

Werke angestellt war, folgten dem Beispiele.

Für Rietschel übernahm das Werk die mühevolle und undankbare Aufgabe, die

1838 in einer Dresdener Giesserei völlig fehl gegossene Hauptfigur seines

Denkmals des Königs Friedrich August von Sachsen, so gut es möglich war,

auszubessern. Nach dem Modelle desselben Künstlers wurde dort 1868 das

Luther-Monument für Worms ausgeführt. Nach Kiss' Modellen goss man 1851

in Lauchhammer die Denkmäler Friedrich Wilhelms III. für Königsberg und

Breslau, im Jahre 1871 ein Reiterbild desselben Königs nach Wolff für

Berlin und 1878 das Denkmal dieses Königs für Cöln a. Rh.

Doch für Berlin wurde Lauchhammer noch durch den genannten Giessmeister

und Ciseleur Friebel von besonderer Bedeutung. Friebel siedelte 1845 nach

Berlin über mit dem grossen Auftrage, Rauchs Denkmal Friedrichs des

Grossen in Bronzeguss auszuführen (Abb. 122). Schon rechtzeitig vorher

waren grosse Werkstätten für die Modell- und Ciselierarbeiten und

ebenfalls eine neue Giesserei errichtet. Die Gussausführung erfolgte in

vielen Teilen, man begann mit dem Hauptkörper; abgetrennt und einzeln

geformt und gegossen wurden die Reiterfigur, der Kopf des Pferdes, die

Vorderbeine und der Schweif des Pferdes. Im Jahre 1851 waren alle Teile,

Nebenfiguren und Reliefs gegossen und wurden noch vor der Zusammenfügung

ausgestellt.

[Illustration: Abb. 124. Thorwaldsen, Schiller-Denkmal in Stuttgart. Guss

von Stiglmaier in München.]

Von Friebel wurden noch nach Rauchs Modellen die Statuen Yorks und

Gneisenaus gegossen. Er starb 1856.

Die Giesserei wurde fortgeführt von Gladenbeck, der die Baulichkeiten

später mit seinem Sohne zusammen bis zu ihrem Abbruche 1887 inne hatte.

Die Gladenbecksche Giesserei wurde dann in erweiterter Form nach

Friedrichshagen bei Berlin verlegt, wo sie schliesslich in die noch jetzt

bestehende Aktiengesellschaft, vorm. Gladenbeck und Sohn, umgewandelt

wurde.

Der Ruf der Gladenbeckschen Giesserei wurde ebenfalls begründet durch

Werke, die nach Rauchs Modellen gegossen wurden: die Thaer-Statue für

Berlin (1856) und die Kant-Statue für Königsberg (1857). Schon in den

sechziger Jahren wurde der Giesserei auch die Ausführung zweier grosser

Reiter-Denkmäler übertragen; nach Drakes Modell das Reiterbild König

Wilhelms I. und nach Bläsers Modell Friedrich Wilhelm IV. zu Pferde,

beide für die Kölner Rheinbrücke.

Neben Berlin und Lauchhammer waren indessen auch in anderen deutschen

Städten einige Giessereien aufgeblüht, die Ebenbürtiges zu leisten

vermochten.

Der Zeit der Begründung und den Leistungen nach an der Spitze steht

unter diesen die Königliche Erzgiesserei in =München=. Auch für das

Entstehen und Gedeihen dieser Kunstwerkstätte war wiederum Rauch als

erfahrener Praktiker und schaffender Meister von grösstem Einfluss. Der

erste Leiter dieser Kunstgiesserei war Stiglmaier[33]. Als

Goldschmiedelehrling hatte er seine Laufbahn begonnen, und auf einer

Studienreise in Italien legte er bei Righetti in Neapel den Grund für

seine spätere hochbedeutsame Giesserthätigkeit. Seine ersten

Giessversuche machte er im Wachsausschmelzverfahren, das er bei Righetti

kennen gelernt hatte. Nach seiner Rückkehr nach München (1823) konnte er

als Münzgraveur in der Königlichen Münze die Versuche fortsetzen, und als

man sich dort entschloss, eine Erzgiesserei zu gründen, wurde er zu ihrem

Vorsteher bestimmt. Zur Erlernung der neuen Teilformerei in Sand wurde er

nach Berlin geschickt und hierdurch kam er bald in enge Beziehungen zu

Rauch. Mit diesem zusammen reiste er 1826 nach Paris, um in den dortigen

bereits genannten Giessereien seine Kenntnisse zu vervollkommnen.

[33] Eggers, Rauch, Bd. II., S. 419ff. und Zeitschrift d. Münchener

Kunstgewerbevereins Jahrg. 1875 (Vortrag von Ferd. v. Miller) S.

2ff., ferner F. Faber, Konversations-Lexikon für die Bildende

Kunst, Bd. V. S. 66ff.

[Illustration: Abb. 125. Thorwaldsen, Denkmal des Kurfürsten Maximilian

in München. Guss von Stiglmaier in München.]

Die erste grosse Aufgabe, die Stiglmaier bewältigen sollte, natürlich

auch im neuen Sandformverfahren, war der Guss des Max Joseph-Denkmals

nach Rauchs Modell für München (Abb. 123). Im September 1830 wurde mit

dem Einformen des Löwensockels begonnen. Der Guss gelang in mehreren

Teilen sogleich vollkommen. Ein schweres Missgeschick traf jedoch den für

seine Arbeit begeisterten Stiglmaier beim Guss der Königsfigur, die er

entgegen Rauchs Rat ungeteilt eingeformt hatte. Das flüssige Metall

durchbrach die Form und nichts war von diesem ersten Guss zu retten.

Ungesäumt machte sich der Meister daran, die Arbeit aufs neue

aufzunehmen, dieses Mal trennte er aber Ober- und Unterkörper, Kopf und

Arme ab. Im Jahre 1833 wurden die Gussarbeiten glücklich zu Ende geführt.

Schwierigkeiten stellten sich auch hier wieder mit der Ciselierung ein;

man war genötigt, zunächst dafür den Franzosen Vuarin herbeizuziehen,

dessen anmassendes und nachlässiges Verhalten jedoch bald dazu zwangen,

ihn durch deutsche Künstler zu ersetzen, die ihre Aufgabe auch zur

Zufriedenheit lösten.

Technik der Bronzeplastik · 第 8 / 12 段