In den bisher nicht näher besprochenen europäischen Kulturländern

erlangte die Erzgusstechnik eine höhere Bedeutung erst in der

Renaissancezeit oder noch später. Die Formungsart blieb überall bis teils

noch in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts das

Wachsausschmelzverfahren. Italienische und in jüngerer Zeit französische

Kunstgiesser waren dort die Lehrmeister, wo man die Gusstechnik für

umfangreichere figürliche Monumente vorher nicht anzuwenden verstand.

[Illustration: Abb. 91. B. Pigalle, Denkmal Ludwigs XV., ehemals in

Reims; Guss von Gor (Abb. aus Patte, s. oben).]

In =Spanien= dürften die ersten grossen freiplastischen Bronzegusswerke

im 16. Jahrhundert von der Hand italienischer Künstler entstanden sein.

Ausser zahlreichen, besonders im Escurial erhaltenen Erzskulpturen des

Paduaners Leone Leoni (1509-90), seines Sohnes Pompeo (Abb. 101) und

seines Enkels Miguel, ist des ersteren Reiterstandbild Karls V. in Madrid

zu nennen. Als Merkwürdigkeit mag dabei erwähnt werden, dass die

Kaiserfigur zunächst unbekleidet und der lose darüber befestigte Harnisch

für sich gegossen wurde.

Eine weitere Bronzebildsäule Kaiser Karls soll für Aranjuez geschaffen

sein.

Im Jahre 1568 soll bereits ein spanischer Meister eine grössere Figur für

den Turm der Kathedrale von Sevilla in Bronzeguss ausgeführt haben.

Die Reiterdenkmäler spanischer Könige, die im 17. Jahrhundert entstanden,

sind wiederum Werke italienischer Künstler. Ein Reiterstandbild Philipps

III. (Abb. 105) wurde nach dem Modelle des Giovanni da Bologna von Pietro

Tacca gegossen und im Jahre 1616 beim Palaste del Campo bei Madrid

aufgestellt. Tacca schuf auch das kühne Reiterdenkmal Philipps IV. (Abb.

106), das 1640 nach Buen Retiro gebracht wurde und jetzt in Madrid auf

der Plaza de Oriente steht.

Bei dem Reiterbilde Philipps IV. wurde in weit grösserem Massstabe, wie

es Kaspar Gras und Heinrich Reinhardt bei ihrer Statue des Erzherzogs

Leopold in Innsbruck (vergl. S. 58) gelungen war, der Reiter auf

springendem Pferde dargestellt -- ein später noch häufiger wiederholtes

Motiv.

Solch einem gewaltigen, nur auf den Hinterbeinen und dem langen Schweife

des Pferdes ruhenden Gusskörper den notwendigen Halt zu geben, musste mit

grössten Schwierigkeiten verbunden sein, die freilich weniger

gusstechnischer Art sind, denn das Formungsprincip wird nicht dadurch

berührt; auf die geeignete Verteilung und innere Festigung der

Metallmassen kommt es vor allem an.

[Illustration: Abb. 92. Gipsteilform (nach Mariette). Text S. 78.]

Das Denkmal wurde, wie es damals in Italien wohl zumeist geschah, in

Teilen geformt und gegossen; der Rumpf des Pferdes wurde in zwei Hälften,

das ganze Pferd in vierzehn Stücken gegossen.[18]

[18] Vgl. Justi: Die Reiterstatue Philipps IV. Zeitschrift für bild.

Kunst 1882-83. S. 305ff. u. S. 387ff.

Selbst für weniger umfangreiche Gusswerke zog man im 17. Jahrhundert in

Spanien noch italienische Meister herbei. So soll 1621 Aless. Algardi die

Bronzegruppen für die Neptuns-Fontaine in Aranjuez gegossen haben.

Erst seit den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts giebt es in Spanien

Bildgiessereien, die auch grösseren Aufgaben gewachsen sind.

In =Portugal= ist nur ein grösseres Bronzemonument von einiger Bedeutung

hervorzuheben, das 1774 nach dem Modell des Machado de Castro von

Bartolomeo de Costa gegossene Reiterstandbild Josephs I.

In =England= entstanden grosse, rundplastische Bronzegusswerke erst im

17. Jahrhundert.

Ein französischer Meister Le Sueur schuf im Jahre 1638 das bereits

angeführte, auf Charing-Cross in London stehende erzene Reiterbild König

Karls I., und, wie es heisst, noch ein zweites, das sich ehemals in

Rohampton befunden haben soll.

Im Jahre 1685 entstand bereits von der Hand des Engländers Grinling

Gibbons eine Bronzestatue Jakobs II., die im Whitehall-Hofe in London

aufgestellt wurde. Ein Bronzestandbild Heinrichs VI. von Franc. Bird

(1667-1731) im Eton-college würde sich den genannten zeitlich

anschliessen.

[Illustration: Abb. 93. Querschnitt durch die Gipsteilform (nach

Mariette). Text S. 78.]

Der Niederländer J. M. Rysbrack (1693 bis 1770) führte für Bristol ein

Reiterdenkmal Wilhelms III. aus.

Ein Landsmann jenes Künstlers John van Nost schuf nach der Mitte des 18.

Jahrhunderts für Dublin die Reiterstatuen Wilhelms III. und Georgs II.,

die in College und Stephen's Green aufgestellt wurden.

Das in St. James Square im Jahre 1808 errichtete Reiterdenkmal Wilhelms

III. ist ein Werk des jüngeren John Bacon.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts soll sich auch ein Reiterdenkmal Georgs I.

in vergoldeter Bronze im Grosvenor-Square, ein anderes gleichartiges

Monument desselben Königs auf dem Leicester-field-Platze in vergoldetem

Blei befunden haben, die beide noch im Wachsausschmelzverfahren

hergestellt worden sein dürften.

Noch später, wie in England, wird die Bronzegusstechnik der monumentalen

Plastik dienstbar gemacht in =Russland, Dänemark und Schweden=.

In Petersburg befindet sich noch ein Reiterdenkmal Peters des Grossen,

das zur Regierungszeit der Kaiserin Elisabeth (1741-65) von dem Italiener

Rastrelli in Bronze gegossen sein soll.[19] Zu grösster Berühmtheit

gelangte das bereits früher erwähnte Reiterdenkmal jenes Fürsten, das im

Auftrage der Kaiserin Katharina II. von dem Franzosen Etienne Maurice

Falconet modelliert und gegossen wurde (Abbild. 107). Im Jahre 1801

entstand das Bronzedenkmal Suwarows von Koslowsky. Und noch eine Reihe

weiterer Erzgusswerke sind aus dem Ende des 18. und dem ersten Drittel

des 19. Jahrhunderts in Russland erhalten, bei denen noch das

Wachsausschmelzverfahren angewendet wurde. Im Jahre 1805 wurde auch in

Petersburg eine Kaiserliche Giesshütte errichtet, die zuerst unter der

Leitung Ekimoffs stand; es wird noch darauf zurückzukommen sein.

[19] Ein Italiener Rastrelli soll auch bereits im Auftrage Peters d.

Gr. die in Petersburg öffentlich aufgestellten Bronzebildwerke

nach Motiven Aesopischer Fabeln ausgeführt haben (Nagler, Künstl.

Lex.).

In =Dänemark= entstand das erste in Metallguss -- dieses Mal in Blei --

ausgeführte Reiterdenkmal König Christians V. in den achtziger Jahren des

17. Jahrhunderts von der Hand des Franzosen Lamoureux (Abb. 108). Fast

hundert Jahre später im Jahre 1771 goss erst der bereits früher genannte

Pariser Giesser Gor das Reitermonument Friedrichs V. nach dem Modelle

seines Landsmannes Saly in Bronze (Abb. 109).

Französische und deutsche Künstler sind es auch, die in =Schweden= den

Erzguss im Grossen heimisch machen. Im Jahre 1770 goss der Giesser Meier

das Standbild Gustav Wasas für Stockholm nach dem Modelle des Franzosen

Larchevèque (Abb. 110). Dieselben Künstler führten auch im Jahre 1777 für

Stockholm das Reiterbild Gustav Adolphs aus (Abb. 111). Noch im

Wachsausschmelzverfahren dürfte auch das Standbild Gustavs III. nach dem

Modelle des Schweden Sergel gegossen sein.

[Illustration: Abb. 94. Gipsform mit Wachslage und Kerngerüst im

Querschnitt (nach Mariette). Text S. 78.]

[Illustration: Abb. 95. Dammgrube mit Kerngerüst (nach Mariette). Text

S. 78.]

IV. Die Teilformverfahren des 19. Jahrhunderts.

Die letzte grosse Blütezeit der Erzgusstechnik, die noch fortbesteht,

soll in ihrem Entstehen und Gedeihen besonders auf deutschem Boden weiter

betrachtet werden. Schwere Hindernisse eines erneuten Aufschwunges galt

es zu überwinden; das Eisen sollte eine Vermittlerrolle spielen.

Die mannigfachen Fortschritte, die man gerade im Laufe des 18.

Jahrhunderts auf dem Gebiete der =Eisen=gusstechnik gemacht hatte, sollen

hier nicht berührt werden, zum Staunen aller Welt war man schliesslich

dahin gekommen, kleinere Bildwerke hohl in Eisen giessen zu können. Die

Erfolge ermutigten zu weiteren Versuchen; französische, deutsche und

englische Berichte der zweiten Hälfte des Jahrhunderts geben darüber

Auskunft. Die deutschen Errungenschaften sind hier von besonderem

Interesse.

Im deutschen Hüttenwerk =Lauchhammer= wurden, wie eine Chronik dieses

Werkes berichtet, bereits im Jahre 1781 Versuche gemacht, mit Hilfe des

Wachsausschmelzverfahrens figürliche Modelle in Eisen zu giessen. Diese

ersten vom Bildhauer Thaddeus Ignaz Wiskotschil (1753-1795) angestellten

Versuche misslangen, weil das Formmaterial ungeeignet gewählt war; das

bei einem wesentlich höheren Hitzegrade flüssig werdende Eisen erfordert

natürlich eine feuerbeständigere Formmasse als die Bronze. Einige Jahre

darauf (1784) wurde aber eine von den Bildhauern Wiskotschil und

Mättensberger nach der Antike in Wachs ausgegossene und poussierte Statue

einer Bacchantin von den Giessern Klausch und Güthling in Lehm geformt

und gelungen abgegossen. »So kam die Erfindung des Kunstgusses in Eisen

zu stande, und es wurden, was bisher noch keiner Eisengiesserei gelungen

war, selbst die grössten Statuen und Gruppen aus dem Ganzen gegossen und

kamen rein aus dem Gusse.«

Die Chronik des Lauchhammer-Werkes berichtet seit dem Jahre 1784

getreulich über alle wichtigeren, in Eisen gegossenen Bildwerke, unter

denen sich zahlreiche Figuren nach antiken Modellen, Büsten, Tiere,

grosse Vasen, Postamente u. a. m. befinden.

Zu der Ausführung grosser Modelle in Bronzeguss war es in der That nur

ein Schritt, denn gerade der Eisenguss erfordert sorgfältigste

Herstellung der Form, dennoch wurden, als es sich schliesslich darum

handelte in Deutschland ein paar Denkmalfiguren in Erz zu giessen,

französische Meister herbeigezogen.

Die Gründe dafür sind nicht völlig klar ersichtlich, doch möchte man

heute glauben, dass die Leistungsfähigkeit der deutschen Giesser von den

Bildhauern gar zu gering geachtet wurde.

Die Bildgiesserei des 19. Jahrhunderts bediente sich ganz überwiegend

eines Formverfahrens, das vorher für künstlerische Zwecke nicht

angewendet war, und bei dem das eigentliche Formmaterial ein mässig

lockerer, meist durch Zusätze bildsam gemachter Sand war.

Der wesentlichste Unterschied aber zwischen den Sandformen und den im

allgemeinen früher gebrauchten besteht darin, dass bei den Sandformen die

Formhöhlung =nicht= aus einem unteilbaren oder aus sehr wenigen Stücken

bestehenden Ganzen gebildet wurde, dass vielmehr das Wesen der Sandform

auf der vielfachen Teilbarkeit beruht.

Wann und wo man begann, auch bei grossen Modellen zu der neuen

Formungsart überzugehen, ist mit Sicherheit bisher nicht festgestellt,

doch scheint es, als ob in der Anwendung auf den Kunstguss den Franzosen

die Priorität eingeräumt werden muss; es wird sogar der französische

Giesser Rousseau als der Entdecker der ausserordentlich mannigfaltig

verwendbaren Sandformerei namhaft gemacht; er soll zuerst im Jahre 1798

Versuche damit angestellt haben.

[Illustration: Abb. 96. Eingiessen der Kernmasse (nach Mariette). Text S.

78.]

Teilformen durchaus in der Art der noch näher zu beschreibenden

Sandformen waren auch vor dem 19. Jahrhundert bereits bekannt und auch

verwendet, in welchem Masse aber, und ob auch bei komplizierten grösseren

figürlichen Modellen schon in den Jahrhunderten vorher davon Gebrauch

gemacht wurde, ist nicht ganz leicht zu entscheiden; allem Anscheine nach

hat man bis zum 19. Jahrhundert nur einfachste Modelle mit Hilfe von

Teilformen in Erz gegossen. Billige Eisengusswaren wie Ofenplatten, Töpfe

u. dergl. hat man seit vielen Jahrhunderten bereits auch in vielteiligen

Sandformen hergestellt, der Bronzegiesser verwendete Lehm.

[Illustration: Abb. 97. Kerngerüst mit Wachsmodell, Durchschnitt (nach

Mariette). Text S. 79.]

Die =Lehmteilform= muss als die eigentliche, wichtigste Vorstufe der

modernen Sandteilform bezeichnet werden, die auch neben der letzteren

nicht in Vergessenheit geraten ist.

[Illustration: Abb. 98. Wachsmodell mit dem Netz der Guss- und Luftkanäle

(nach Mariette). Text S. 79.]

[Illustration: Abb. 99. Wachsmodell mit dem Netz der Guss- und Luftkanäle

(nach Boffrand). Text S. 80.]

[Illustration: Abb. 100. Ausschmelzen des Wachses und Brennen der Form in

der Dammgrube (nach Mariette). Text S. 80.]

[Illustration: Abb. 101. Pompeo Leoni, Grabmal Philipps II., Madrid

Escurial.]

Von den früher aufgezählten Gusswerken ist durchgehends angenommen,

dass sie mit Hilfe von Wachs geformt seien und die Annahme dürfte

zutreffen; zweifellos verstand man aber, zum wenigsten schon im 18.

Jahrhundert, auch wohl umfangreichere figürliche Modelle mittels

Lehmteilformen ohne Verwendung von Wachs in Erz zu giessen, wie aus dem

von P. N. Sprengel im Jahre 1769 in Berlin herausgegebenen Werke:

Handwerke und Künste (5. Sammlung S. 81ff.) hervorgeht. In diesem Werke

ist die Teilformerei in Lehm in folgender Weise beschrieben: »Der

Modellirer verfertigt ein Modell von Gyps oder Thon, das völlig die

Grösse der künftigen Statue hat. Dieses Modell bestreicht man mit Oel und

drückt es stückweise mit Lehm von neuem ab, dass alle Stücke

zusammengesetzt inwendig eine Höhle bilden würden, die völlig die Gestalt

des ersten Modells hat.... Alle Stücke müssen sich aber genau

aneinanderpassen.... Mit diesen Stücken, die ein Zeichen erhalten, dass

man sie wieder zusammenfinde, formt man jeden Theil der Statue besonders,

z. B. die Füsse, die Arme, den Leib, und setzt alsdann alle Stücke

zusammen. Die Dickte (d. h. die die künftige Metallstärke darstellende

Schicht) machen die Giesser entweder von Wachs (Wachsausschmelzverfahren)

oder... einige Künstler nehmen... statt des Wachses Lehm, und verfertigen

mit dieser Masse die Dickte. Sie rollen nemlich den Lehm mit Rollhölzern,

wie man den Teich zu den Kuchen rollt, und damit sie ihm eine gehörige

Dicke geben können, die sich für jeden Theil der Statue schickt, so

nehmen sie hiezu runde Hölzer mit Köpfen von verschiedener Stärke. Soll

z. B. der Lehm 1/2 Zoll dick seyn, so ragen die runden Köpfe 1/2 Zoll

über dem Rollholze selbst hervor. Diese dünnen Lehmblätter legt man statt

des Wachses in die Stücke der Form, drückt sie gehörig ein, bestreut sie

mit Asche und füllet gleichfalls den übrigen Raum mit Lehm aus. Kleine

zierliche Stücke muss man aber doch von Wachs formen, weil der Lehm nicht

in alle kleinen Fugen eindringt. Z. E. die Riemen von dem Reitzeuge und

dem Panzer. Wenn alle Stücke trocken sind, so werden sie... durch Zapfen

und Zapfenlöcher zusammengesetzt... Man muss aber dafür sorgen, dass beym

Formen ein Loch an den Orten bleibe, wo man zur Haltbarkeit die

schwebenden Theile durch Eisen mit den Hauptstangen (des Kerngerüstes)

verknüpfen will.

[Illustration: Abb. 102. Längsschnitt durch die Gussform mit dem

Wachsmodelle (nach Mariette). Text S. 80.]

Ist die Dickte von Lehm gemacht, so schneidet man sie vor dem

Zusammensetzen weg, wenn der Kern befestigt (d. h. erstarrt) ist, und

setzt blos den Kern und die Formstücke mit den angrenzenden Theilen

zusammen. Man muss aber hiebey bemerken, dass die Formstücke die Anlage

zum Mantel geben. Die Theile wurden zwar mit Lehm eingesetzt und

verschmiert, allein schwebende Stücke muss man doch mit Draht oder auf

eine andere Art unterstützen, dass sie nicht abbrechen. Ueber die

zusammengefügten Formstücke, die, wie gesagt, statt der untersten (d. h.

inneren) Lagen des Mantels dienen, wird Lehm geklebt, dem man... mit

eisernen Bändern und Draht Haltbarkeit giebt. Die Guss- und Luftröhren

werden... gehörig angebracht. Nimmt man beym Formen die Formstücke von

den Theilen ab, so kann man bemerken, ob ein Theil (d. h. jeder Teil)

seine gehörige Gestalt habe. Bey dieser... Art zu formen bleibt noch das

Ausschmelzen des Wachses (das für die zarten Teile verwendet ist) und das

Ausbrennen der Formen zu bemerken übrig, und beides bewirkt der Ofen

unter dem Rost (auf dem die Form errichtet wird).«

[Illustration: Abb. 103. Aufwinden des von der Form befreiten Gusswerkes

aus der Dammgrube (nach Mariette). Zum Text S. 78ff.]

[Illustration: Abb. 104. Gussform mit Armierung (nach Mariette). Text S.

80.]

Diese Darstellung dürfte im ganzen verständlich sein. Bei der

Teilformerei fällt also die Gipshilfsform fort, die Gussform wird

unmittelbar über dem Modelle ausgeführt. Alle Unterschneidungen müssen

mit Hilfe oft sehr kleiner und zahlreicher Teilstückchen sogleich mit

abgeformt werden, soweit man nicht etwa vorzieht, sie auszufüllen und

erst durch den Ciseleur am Gussstück ausführen zu lassen. Das von

Sprengel angegebene Verfahren, zarte und auch wohl unterschnittene Teile

über Wachs zu formen, das nachher ausgeschmolzen wird -- also eine

gemischte Art der Formung -- scheint im 19. Jahrhundert beim

Bildsäulenguss nur ganz ausnahmsweise angewendet zu sein.

Die =Sandformerei= ist der Lehmformerei ähnlich, man verfährt im

allgemeinen wie folgt.

[Illustration: Abb. 105. Giov. da Bologna, Denkmal Philipps III., Madrid;

Guss von P. Tacca.]

In gleicher Weise wie bei der Lehmformerei bildet man über dem aus Gips

gefertigten Modell die Formstücke aus Sand; jedes Teilstück muss für sich

abhebbar sein. Man trägt auf die mit einem Teilstücke zu bedeckende

Modellfläche den Formsand auf, klopft ihn mit einem Holzhammer fest an,

so dass er auch in sich den nötigen Halt gewinnt, dann beschneidet man

die Seiten so, dass sie im allgemeinen normal zur Modellfläche gerichtet

sind und versucht, ob sich das Teilstück leicht abheben lässt. Darauf

bepudert man die Seitenflächen mit Holzkohlen- oder Lykopodiumpulver und

stellt dicht anliegend daneben in gleicher Weise die weiteren Formstücke

her. Eine gewisse Anzahl solcher Teilstücke werden in grösseren

Sandteilstücken vereinigt und diese hintergiesst man wiederum mit Gips,

um ihnen einen festeren Zusammenhalt zu verleihen; auch diese

Gipshinterlagen müssen an glatt beschnittenen Flächen

aneinanderschliessen und unter sich wieder einzeln abhebbar sein, d. h.

sie dürfen Rundungen höchstens zur Hälfte umschliessen. Ist nun das ganze

Modell dieser Art mit Formstücken umhüllt, dann werden zunächst die

Gipshinterlagen abgehoben, darauf auch die grösseren und kleineren

Sandteilstücke, die dann wieder an ihren Platz im Gipsmantel gelegt und

mit einem dünnen Stiftchen befestigt werden. Setzt man dann die

Gipsmantelstücke mitsamt den Sandteilstücken wieder ohne Einschluss des

Modelles zusammen, so gewinnt man eine Hohlform.

Weiter handelt es sich dann darum, den Kern herzustellen. Man bringt zu

dem Zwecke in die mit Holzkohlenstaub oder dergl. bepuderte Form

Formsand, der vorsichtig in alle Tiefen gedrückt wird. Grössere nicht

sehr weite Formen wird man nicht sofort ganz zusammensetzen, schon weil

nicht alle Tiefen von einer Oeffnung aus mit der Hand zu erreichen sein

würden, man füllt im fortschreitenden Zusammensetzen den Kernsand ein. Um

dem künftigen Kerne die nötige Festigkeit zu geben, wird er ein eisernes

Gerüst einschliessen müssen in der Art, wie früher gezeigt wurde. Ist nun

die ganze Hohlform sorgfältig mit Sand gefüllt, und hat dieser durch

Klopfen und durch das innere Stabgerüst genügende Haltbarkeit bekommen,

dann wird wiederum die Teilform abgenommen. Um das nun freigelegte, dem

ursprünglichen Modell gleiche Sandgebilde als Kern für den Hohlguss

benutzen zu können, ist es notwendig, ringsum mit geeigneten Schneideisen

eine Schicht abzutrennen, die der Dicke der künftig gewünschten

Metallstärke gleichkommt.

Es erübrigt dann noch, den Kern und die Teile des Formmantels zu

trocknen, Giess- und Luftkanäle einzuschneiden, die Mantelteile wieder um

den Kern herum zusammenzubauen, das Ganze durch eine Eisenumgürtung zu

festigen und in der Dammgrube einzudämmen. Darauf kann in der früher

beschriebenen Weise der Einguss des flüssigen Erzes geschehen.

Mancherlei grössere oder kleinere Abweichungen von dem vorstehend kurz

beschriebenen Verfahren dürfen nicht unerwähnt bleiben.

[Illustration: Abb. 106. P. Tacca, Denkmal Philipps IV., Madrid.]

Die Herstellung des Kernes geschieht z. B. vielfach in anderer Weise.

Wird die Gussform unmittelbar zur Verfertigung des Kernes benutzt, so ist

die Gefahr, dass beim Einklopfen des Sandes in die feinen Vertiefungen

die Form Schaden leidet, sehr gross. Um dem vorzubeugen, kann man

entweder eine zweite Sandhohlform herstellen, die nur zur Bildung des

Kernes gebraucht wird, oder man fertigt auch den Kern in einer von dem

ursprünglichen Modell genommenen Gipsform, doch pflegt dies nur zu

geschehen, wenn eine solche ohnehin vorhanden ist, weil sie umständlicher

herzustellen ist, wie eine zweite Sandform. Auch wird der Kern nicht

immer durch und durch aus Sand gefertigt; man kann auch die innere, bei

grösseren Modellen leicht auszusparende Höhlung des Kernes mit einer

Gipsmasse ausfüllen, wodurch ihm eine gesteigerte Festigkeit verliehen

wird. Schliesslich kann auch bei Sandformen der Kern überhaupt in der

früher angegebenen Art und in derselben Zusammensetzung etwa Gips,

Ziegelmehl und Chamotte flüssig eingegossen werden, die Sandhohlform ist

dann also zuvor mit einer die künftige Metallstärke darstellenden

Thonschicht auszulegen.

Eine wesentlichere, zumeist geübte Abweichung des obigen

Sandformverfahrens besteht aber darin, die Teilstücke der Sandhohlform

nicht durch eine Gipshinterlage zusammenzuhalten, sie vielmehr ebenfalls

in Sand zu betten, der von eisernen Formkästen oder Formflaschen

umschlossen wird, deren Form quadratisch, länglich rechteckig, rund oder

oval ist, je nach Erfordernis des Modelles. Wie es scheint, ist diese

letzte Methode die etwas jüngere.

Von dem in den Jahren 1820-23 in Eisenguss ausgeführten Denkmale auf dem

Kreuzberge in Berlin soll nur bei der Gussform der ersten Figur ein

Gipsumguss angewendet worden sein, bei den übrigen soll man aber eiserne

Formkästen, in denen der Formmantel in Masse, d. h. einer Mischung aus

Thon und Sand, eingestampft wurde, vorgezogen haben.

[Illustration: Abb. 112. Teilformerei in Sand (a). (Schema.)]

[Illustration: Abb. 113. Teilformerei in Sand (b). (Schema.)]

[Illustration: Abb. 114. Teilformerei in Sand (c). (Schema.)]

Die Einformung in Formkästen geschieht z. B. bei einem Kopfe in der Art,

dass über das einerseits -- so tief als es einer guten Hauptformnaht

entspricht -- in Sand gebettete, oben in der angegebenen Weise mit

Formteilstücken bedeckte Modell, ein Formkasten gesetzt wird, d. h. ein

nur aus den vier Seitenwandungen bestehender Rahmen, dessen Flächen

zumeist innen rundlich der Länge nach vertieft oder mit Vorsprüngen

versehen sind, damit hineingestampfter Sand sich leichter darin halten

kann. Der die Formstücke umschliessende Rahmenteil wird dann über den

eingestäubten Formteilen mit fettem Sande gefüllt, vorsichtig

ausgestampft und eine mit dem oberen Kastenrande abschliessende glatte

Fläche hergestellt, die mit einem Brett bedeckt wird, damit das Ganze

umgewendet werden kann. Besonders um das zu ermöglichen, hatte man die

untere Seite des Modelles im ganzen, d. h. vorläufig ohne Teilstücke in

einem Formkasten in Sand eingelassen (Abb. 112). Dieser darauf nach oben

gewandte »falsche« Formkasten wird abgehoben und der von ihm bisher

gehaltene Sand entfernt. Die Sandfläche im Unterkasten wird darauf

geglättet und wieder eingestäubt. Dann wird auch die frei gewordene Seite

des Modells mit Teilstücken bedeckt (Abb. 113). Wenn auch diese bestäubt

sind, wird wie vorher ein Formkasten aufgesetzt, der genau auf den

unteren schliessen muss, und seitlich unverschiebbar darauf befestigt

werden kann. Auch er wird mit Sand bis zu seiner Oberkante fest

angefüllt. Um nun das Modell aus der so gewonnenen Form entfernen zu

können, muss zunächst ein Kasten mit dem darin gehaltenen Sande von den

Formstücken abgehoben, dann diese einzeln vom Modell genommen, wieder an

ihren Platz im Formkasten gebracht und dort mit dünnen Stiften befestigt

werden. Nötigenfalls muss die nun frei gewordene Seite des Modells wieder

in einen »falschen« Kasten eingebettet werden, um in derselben Weise auch

das Modell aus den Teilstücken des anderen Formkastens lösen zu können.

[Illustration: Abb. 115. Teilformerei in Sand (d). (Schema.)]

[Illustration: Abb. 116. Teilformerei in Sand (e). (Schema.)]

[Illustration: Abb. 117. Teilformerei in Sand (f). (Schema.)]

Technik der Bronzeplastik · 第 7 / 12 段